• Grundsätze
zur Markierung von Fernwanderwegen -
Überlegungen aus der Sicht der Nutzer
• Resolution
Einladung
zu einer Wanderung im Hegau vom 05. - 07.09.08
Wanderwochenende 5. – 7. September 2008
Unsere diesjährige Mitgliederwanderung führt uns auf dem E 1 von der Baar über
die Hegau-Berge nach Singen.
Wir treffen uns am Freitagabend im „Landhotel Hirschen“, Hauptstraße 72, 78176
Blumberg
Telefon: 07702/2657 • Fax 07702/5987
www.hirschen-blumberg.de
eMail:
mail@hirschen-blumberg.de
Doppelzimmer mit Frühstück 64,00 €
Einzelzimmer mit Frühstück 39,00 €
Blumberg ist der Endpunkt der „Sauschwänzlesbahn“, die sich über Deutschlands
einzigem Quertunnel vom Rheintal auf die Hochebene der Baar hochschraubt. Wir
wandern über den Buchberg nach Randen, Riedöschingen (mit hoffentlich
traumhaften Blick über den Bodensee und die Schweizer Alpen) nach Engen. Wir
übernachten in der bezaubernden Altstadt von Engen im Hotel „Badischer Hof“,
Breitestraße 26, 78234 Engen
Telefon: 0049 (0) 7733 –5036-69 • Fax: 0049 (0) 7733 –5036-70
eMail:
hotel-badischer-hof-engen@gmx.de
Doppelzimmer mit Frühstück 80,00 €
Einzelzimmer mit Frühstück 45,00 €
Am Sonntag wandern wir
weiter über die Hegau-Berge nach Singen.
Es gibt hierzu jeweils
auch beschilderte Alternativstrecken.
Die von mir am 19.7.2008
getestete Streckenführung lautet wie folgt:
Engen, Anselfingen,
Burgruine Hohenhewen (herrliche Fernsicht zum Bodensee und ggf. Schweizer
Berge), Welschingen, Weiterdingen, Hegaukreuz, Mägdeberg, Hohenkrähen (Aufgang
gesperrt). Zum Mittagessen könnten wir im Hotel „Hegau-Haus“ (nicht optimal für
Wanderer, aber herrliche Fernsicht und leider einzige brauchbare Möglichkeit an
der Strecke) einkehren, müsste noch bestellt werden. Ab hier ergeben sich 2
Möglichkeiten:
1. Direktweg nach Singen
oder
2. über Burgruine
Hohentwiel nach Singen (ehemals größte Festungsruine Deutschlands) mit
atemberaubendem Panorama, im Jahre 914 errichtet und im 16. Jahrhundert als
württembergische Exklave im feindlichen Österreich zur Landesfestung ausgebaut,
bis sie im Jahre 1800 von Napoleon gesprengt wurde.
Die Auf- und Abstiege am
zweiten Tag haben es in sich; Wanderstöcke sind empfehlenswert! Streckenlänge
ca. 22 – 25 km. Reine Gehzeit ca. 7 Std.
Singen ist Bahnstation
für Regional- und Fernverkehr.
Die Wanderung soll den Zusammenhalt der Mitglieder fördern, persönliche Kontakte
stärken, sowie Gäste und Freunde des Weitwanderns uns näher bringen.
Euer
Gerhard Wandel
2. Vorsitzender
Lutz
Heidemann
Was
bedeutet Weitwandern? Eine Einführung für diejenigen, die
diese Leidenschaft noch nicht kennen
Als
Weitwandern bezeichnen wir, das sind die Mitglieder vom Netzwerk Weitwandern und
Menschen mit ähnlichen Zielen und Erfahrungen, Fußwanderungen, die über
mindestens drei, vier Tage gehen und bei denen man nicht am Abend zum
Ausgangspunkt zurückkehrt. Wir gehen nicht aufs Gratewohl los, sondern wir
benutzen markierte Wege. Üblich sind Wanderungen von fünf bis 15 Tagen. Darüber
hinaus gibt es verlockende Ziele, die ein Wanderer oder eine Wanderin in einem
Anlauf erreichen möchte, wo schon „der Weg das Ziel“ ist, so daß
die Wanderung über mehrere Wochen gehen kann. Ein bekanntes Ziel dieser Art ist
Santiago di Compostela in Nordwestspanien.
Wenn
man sich über längere Strecken zu Fuß fortbewegt, was man im täglichen Leben
durch das Autofahren fast verlernt hat, fühlt man sich anfangs langsam wie eine
Schnecke. Dann beobachtet man aber bald, daß sich z.B. nach einer Stunde die
Landschaft deutlich geändert hat, daß ferne Objekte deutlich nähergerückt
sind. Es kann ein großes Glücksgefühl erzeugen, wenn man begreift, der eigene
Körper ist fähig, solche ungewohnt weite Strecken zu überwinden. Hinzu kommen
weitere schöne außergewöhnliche Eigenschaften des Weitwanderns:
Ein
weiteres Merkmal für leidenschaftliche Weitwanderer ist, daß sie sich ohne
fremde Hilfe auf den Weg machen, sie sich nicht führen lassen. Hilfe ist für
sie allein der markierte Weg. Da müssen sie aufpassen, um die Fortsetzung des
Weges nicht zu verlieren. Sie folgen einer „vorgefertigten Komposition“,
aber das schon das einzig Unselbständige an dieser Fortbewegungsart.
Wanderer
vertrauen auf eine sichere Führung durch Markierung. Andere Hilfsmittel können
hinzutreten: z.B. eine Karte eines Vermessungsamtes, in der der Weg eingetragen
ist oder ein Wanderführer mit einer Wegebeschreibung und eingefügten
Kartenausschnitten. In Gegenden ohne Wandertradition kann es Strecken geben, die
allein nach einer Beschreibung gefunden werden müssen. Aber das macht weniges
Spaß. Es hemmt den Rhythmus des Gehens, wenn man sich jedesmal fragen muß:
Soll man links hinter dieser Scheune abbiegen oder kommt die „richtige“
noch. Man starrt in ein Buch und nicht die Landschaft. Eine „Schnitzeljagd“
ist eine andre Sportart als Weitwandern.
Das
Wissen, auf einem markierten Weg zu gehen, verleiht Sicherheit und ist auch ein Akt des gegenseitigen Vertrauens. Der
„Wegemacher“ muß sich bemühen, einen sicheren und reizvollen Weg zu
finden. Er darf seine Rolle nicht dazu benutzen, persönliche Vorlieben
auszuleben und Wanderer z.B. über jeden Aussichtspunkt in der Umgebung und jede
Burgruine zu schleusen. Wanderer haben auch den Wunsch anzukommen, ein Ziel
geschafft zu haben.
Die
langsame Fortbewegungsweise führt ganz von allein dazu die Umgebung genauer zu
beobachten. Ein Mosaikstein von beobachteten Fakten legt sich an den nächsten,
man hat ja auch Zeit zum Verarbeiten der Eindrücke. Reizvoll ist es, wenn eine
Wanderung so angelegt ist, daß man von einem Landschaftstyp in den nächsten
gelangt. So kann man den Wechsel der anstehenden Steine beim Bild der Häuser
wiederfinden oder beim Wechsel vom Mittelgebirge in das Hochgebirge
unterschiedliche Landwirtschaftsformen/Feldbestellungen beobachten oder man
bemerkt oft schon länger zurückliegende konfessionelle und landesherrliche
Grenzen.
Der
Weitwanderer kommt in menschenleere und einsame Gegenden; er kommt in anderen
Teilen Europas auch mit anderen Lebensverhältnissen in Berührung. Er lernt
dabei, daß man auch mit weniger Komfort leben kann und nicht alle
Annehmlichkeiten der Zivilisation und des üblichen Warenangebotes nötig sind.
Das kann auch stolz machen. Das färbt auch auf die Einschätzung von
technischen Hilfsmitteln ab. Will man allein den Weg finden oder neuerdings GPS
benutzen? Braucht man in der eigenen
Wohnung all die vielen angehäuften Dinge,
denkt man, wenn man bei einem Hirten übernachtet hat.
Wege
ohne Ende - Wohin geht die „Wegemacherei“?
Von
Lutz Heidemann
Die
nachfolgenden Bemerkungen resultieren von Eindrücken, die ich im Juli 2004 beim
Besuch einer Tagung der Bayerischen Akademie für Naturschutz und
Landschaftspflege in Niederaltteich und im September 2004 beim Besuch der
Trekkingmesse, einer kommerziellen Veranstaltung in Düsseldorf, gewonnen hatte.
Sie sind ergänzt durch Informationen aus der Lektüre von Zeitungen und Broschüren
und Internet-Recherche.
Die
erst zum zweiten Mal veranstaltete „TourNatur“ in Düsseldorf war
eingebunden in den größeren Rahmen der Caravan-Messe. Kooperationspartner der
zweitägigen „TourNatur“ waren das Wandermagazin (Auflage 46.000), das
OUTDOOR MAGAZIN (Auflage 55.000), der Deutsche Tourismusverband e.V. Bonn und
der Deutscher Wanderverband e.V. aus Kassel. Beratend wirkten Prof. Brämer und
sein Deutsches Wanderinstitut mit. Viele deutsche Ferienregionen hatten sich mit
Ständen präsentiert; es gab viel Angebote für geführtes Wandern und Wandern
ohne Gepäck. Auch die Mountainbiker und die Ausrüster waren mit großen Ständen
vertreten. Aus all diesen sehr unterschiedlichen Quellen und Informationen kann
ich folgende Tendenzen erkennen:
Es
scheint mit dem Wandern in Deutschland etwas in Bewegung geraten zu sein.
Genauer vielleicht: wieder in Bewegung. Wandern
und Wege sind ein Thema. Der
Auslöser der Bewegung könnte der Rothaarsteig gewesen sein, gefolgt von den
Aktivitäten des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wanderverein, hier
zusammengefaßt unter dem Motto „Wanderbares Deutschland“. Aber das Bild ist
nicht eindeutig positiv. Man könnte auch folgenden Eindruck haben: Die
vorhandenen Wege werden nicht gepflegt und weiterentwickelt, sondern es werden
– möglicherweise auf vorhandenen markierten Trassen – laufend neue Wege
„kreiert“:
Auf der Tagung in Bayern
wurde ein „Europäischer Pilgerweg VIA
NOVA“ vorgestellt. Er heißt europäisch, weil er von Bayern nach Österreich
geht und die Macher glauben, daß dieser Begriff noch nicht inflationär
verramscht sei. (Informationen unter www.pilgerweg-vianova.at
).Kurz zuvor war in der FAZ die neue Bonifatius-Route zwischen Mainz und Fulda
angekündigt worden. Informationen und Kontakte zu diesem Weg unter: www.bonifatius-route.de
oder www.vogelsberg-touristik.de
)Auf der Messe wurde vom gerade eröffneten Frankenweg, dem seit Oktober 2003
existierenden, 97 km langen „Harzer Hexen-Stieg" und vom geplanten Rheinstieg
berichtet, Wegen der neuen „Premium-Klasse“, wie sie Professor Brämer
nannte. Ich las von neuen süddeutschen Teilen des Jakobsweges. 



Alles
schön und gut. Ich frage noch einmal und würde mich über zugeschickte
Beobachtungen freuen. Bleiben bei diesen vielen neuen Wegen die alten Wege auf
der Strecke? Bei der Planung des neuen Rheinsteigs, eines etwa 300 km langen
Weges zwischen Wiesbaden und Bonn auf der rechtsrheinischen Seite, war anfangs
an eine „Renovierung“ des Rheinhöhenweges gedacht worden. Als der dann
einer „Schwächen-Stärke- Analyse“ unterzogen worden sei, sei deutlich
geworden, daß nur eine neue Trasse erfolgversprechend sei. Selbstdarstellung
mit Angabe der Beteiligten und einer Skizze des Wegeverlaufes unter: www.rheinsteig.de
Der Weg soll im Herbst 2005 fertiggestellt sein. Es wurde nicht erwähnt,
was mit dem „alten“ Weg geschehen soll. Bei der erwähnten Veranstaltung auf
der Messe wurde von einer Vernetzung der „neuen“ Wege gesprochen; so entstünde
ein Parallel-Netz von Premium-Wegen zu den vorhandenen Hauptwanderwegen des
Deutschen Wanderverbandes.
Auffällig
und nicht zufällig ist, daß alle diese neuen Wege „Steige“ sein wollen.
Der Urvater dieser Wege, zumindest in
begrifflicher Hinsicht, ist der Rennsteig
über den Thüringer Wald. Von 800.000 Wanderern pro Jahr wurde auf der Messe
berichtet. (Man dividiere diese Zahl durch 200 Wandertage und hätte 4000
Wanderer je Tag; eigentlich ziemlich unwahrscheinlich, - wie so manche Zahl, die
herumgeistert.) Weitwanderer, die ich kenne und Wanderer mit Erfahrungen von
anderen Routen und auch - hinter vorgehaltener Hand - Wander-Funktionäre,
attestieren diesem Weg keine gute Qualität. Er sei langweilig, aber sein Name
ist, wie früher die „Liebfrauenmilch“ sehr, sehr vielen bekannt. Mit dem
Rothaarsteig wurde der alte Begriff neu aufgewertet. Frank Rainer Scheck hat im
Heft 13 über seine Eindrücke vom Rothaarsteig berichtet. Ich war schon vor
zwei Jahren dort und kann das bestätigen. Und weil der Rothaarsteig so gut
funktioniert, gibt es jetzt ein paar Schritte entfernt bei Willingen einen „Uplandsteig“...
Es
ist schon richtig, daß sich die Touristiker um die Werbung von nichtdeutschen
Wandergästen bemühen. Welche Begriffe sollen dabei verwendet werden? Es sind
nur wenige deutsche Feriengebiete international bekannt, so das Rheintal seit
seiner „Entdeckung“ durch englische Künstler im 19. Jahrhundert, und der
Black Forest oder der Fôret noir. Unter welchem „Label“ sollen die
deutschen Mittelgebirge nach draußen vermarktet werden? Ins Gespräch gebracht
wurde auf der Messe der Begriff „German Highlands“. Kann ich unseren thüringischen
Wanderfreunden demnächst lobend sagen, sie seien gute Highlander? Hätten die
Franzosen gleiche Sorgen oder wären sie selbstbewußter in Hinblick auf ihre
traditionellen Regionalbezeichnungen?
Die
neuen Wege kehren wie neue Besen hoffentlich gut. Jedenfalls wird von
verschiedenen Seiten von „Qualität“ gesprochen. Maßstäbe für
ausreichende Qualität definieren in Deutschland gegenwärtig zwei
Institutionen: Das Deutsche Wanderinstitut in Marburg, das von Prof. Brämer ins
Leben gerufen wurde, (Selbstdarstellung unter dem Motto: „Wir gestalten
Wanderwelten“ www.wanderinstitut.de
) und der Wanderverband in Kassel, der das Zertifikat „Qualitätsweg
Wanderbares Deutschland“ vergibt. Der Eggeweg, der Frankenweg und der
Kellerwaldsteig dürfen sich jetzt mit diesem Qualitätssiegel schmücken. Ich würde
mich über Erfahrungsberichte von solchen „zertifizierten“ Wegen, wie das
auf neudeutsch heißt, freuen!



Wege
werden zu „Markenartikeln“ mit geschützten Logos, die dann weiterverkauft
werden. Ich übertreibe: Der zukünftige zünftige
Wege-Wanderer soll an seinem
T-Shirt mit Wege-Logo erkannt und anerkannt werden. Auf dem Rothaarsteig, dem
ersten dieser neuartigen „Premiumwege“ kann man jetzt schon Wandersocken der
Firma Falke mit eingewebtem Rothaarsteig-Zeichen kaufen. Und weil die
Initiatoren klotzen und nicht kleckern wollen, wird in die Markierung ordentlich
investiert: Bei dem Uplandsteig z.B. erhielten die brusthohen quadratischen
Holz- Pfähle für die Anbringung des dynamischen U-Logos einen Metallfuß und
eine Blechabdeckung, so zumindest in der Werbebroschüre. Wie sehen die Pfähle
in zehn Jahren aus? Können da die Traditionsvereine mit ihren vielen tausend
Kilometer von markierten Wegen mithalten?
Auf
die „Inszenierung“ der neuen Wege wird großer Wert gelegt. Auf der VIA NOVA
(Informationen unter: www.pilgerweg-vianova.at
erhalten die Wanderinnen und Wanderer einen Umhänger mit einem Logo-Amulett und
sollen nach Möglichkeit einen hölzernen Wanderstab mit einem Feldblumenstrauß
tragen. Zitat: „Wir erkennen auf dem Logo eine Gestalt, die beide Arme nach
oben streckt. Darüber gespannt ist das Firmament, gewissermaßen, das göttliche,
das schützende Prinzip.“ Die „ausgewählten Pilgereinkehr-Partnerbetriebe
sind damit ebenso ausgewiesen wie
spezielle Ausformungen am Wege.“ Der Weg
„soll auf die Seelenlage der Menschen der heutigen Zeit und auf den Zustand
des öffentlichen Lebens in Europa eingehen. Weder der Einzelne, noch die Welt
von heute hat sich aus sich selbst heraus entwickelt. Es gibt einen uns alle
verbindenden Geist. Diesen Geist gewissermaßen vom „Himmel“ auf die Erde
und in unser persönliches Leben herab zu holen, könnte der zentrale Gedanke
des Pilgerweges sein.“ Für Gruppen werden ab Sommer 2005 „spirituelle
Pilgerweg-BegleiterInnen“ bereitstehen, deren Ausbildung in einem
Zertifikatslehrgang bereits angelaufen ist...
Als
zusätzliches Element einiger neuer Wege werden sinnstiftende Gefühle und Werte
verkauft. Das geht bei den sogenannten Pilgerwegen relativ einfach. Es kann aber
auch zu verquasten Vorstellungen der Wegemacher kommen, denen ich persönlich
skeptisch gegenüberstehe. In Schwaben wird für ein Ort als Abschluß eines
Flurbereinigungsverfahrens ein „Besinnungsweg“ projektiert. In dem
Vorbereitungspapier heißt es u.a. für die mit dem Weg verknüpften Absichten:
„Die Natur als Lehrer und Heiler innerer Bedürfnisse nach Harmonie und
Einfachheit in sich und in seiner Umwelt zu entdecken. Dafür scheinen sich
besonders alte, aber auch neue Pilgerwege zu eignen, für die ein wachsendes
Interesse
festzustellen ist. ... Die Landschaft und ihre unterschiedlichen Plätze
und Qualitäten lehren uns ein Wissen, das wir nur zum richtigen Zeitpunkt vor
Ort erfahren können.“ Das sind doch Leerformeln mit einem großen Schuß
Zivilisationskritik. Ein anderer Referent der Tagung, ein bekennender Wünschelrutengänger,
wollte neue Wege entlang von „“Kraftlinien“ zu besonders „strahlenden“
Orten führen. Das wären u.a. Kapellen und Klöster, deren örtliche
Festsetzung seinerzeit auch durch solche „Wissende“ vorgenommen worden
sei.
Es
ist ein charakteristisches Vorgehen der Marketing-Macher, daß das Produkt
weniger wichtig wird, als die mit der Marke verbundene „Geschichte“.
Beispielhaft verweise ich auf einen gut gemachten, mit EU-Mitteln geförderten
Prospekt aus dem Bayerischen Wald („Grenzenlos Natur erleben“) hin. Er führt
folgende Wege auf:



Baierweg
Böhmweg
Gunthersteig




Goldener
Steig
Pandurensteig
Gläserner Steig
Europäischer Fernwanderweg E6, Europäischer
Fernwanderweg E8.
Bei diesen Begriffen wird die Volksgruppen beiderseits des
Gebirgskammes erinnert, an einen Graf aus dem 10. Jahrhundert, der gegen Ende
seines Lebens auf Amt und Würden verzichtete und Einsiedler wurde, an das Gold,
das bei Salztransporten über den Böhmerwald verdient wurde, an das Glas, das
mittels Holzkohle in Saison-Arbeit gewonnen wurde und an eine aus Südungarn
stammende Söldnertruppe aus Zeiten, wo der Grundsatz galt, daß der Krieg sich
„aus dem Land ernährt“ mit schrecklichen Folgen für die jeweilige Bevölkerung.
Aber ein Säbel als Wege-Signet ist doch sehr schön! Daneben sind die Namen und
Zeichen der beiden E-Wege geradezu knochentrocken-nüchtern. Meine Bemerkungen
sind vielleicht
unnötig-mäkelnd, aber ob auf den Spuren von Pilgern,
Kaufleuten oder Soldaten, wir sollten doch wissen, was wir tun und wem wir
nachfolgen.
Neben
dem „sinnstiftenden Wandern“, der „Selbstfindung“ gibt es als
Modetendenz oder Parallel-Entwicklung das Sportwandern, d.h. es kommt auf
Ausdauer und Geschwindigkeit der durcheilten Wege an. Oder es sollen
Nicht-Wanderer mit Gesundheits- oder Wellness-Verheißungen und ausgerüstet mit
neuer Kleidung oder Walkingstöcken vom Sofa weggelockt werden. Da gibt es so
verlockende Angebote wie Gesundheits-Walking mit 100 bis 110 Schritten je
Minute, es folgt Fitness-Walking und steigert sich zum Power Walking mit mehr
als 130 Gehbewegungen je Minute. Als Sonderformen werden Intervall Walking, Aqua
Walking, Weight Walking (mit Gewichten in den Händen) oder Nordic Walking ins
Gespräch gebracht. Da bleibt beim Beobachten der Einhaltung der Regeln keine
Zeit mehr zum eigenen Entdecken von Landschaft und Wegen...
Wer
sind nun überhaupt die Nutzer dieser verwirrenden Angebote? Es gibt
Erfahrungen, die wir „Netzwerker“ auf den Wegen gemacht haben; es gibt
Aussagen von Verbandsfunktionären und es gibt als einzige systematische
Beobachtung die Angaben von Prof. Brämer. Unter der Kategorie „Wanderer“
wird m.E. viel in einen Topf geworfen. Es gibt die Spaziergänger, die von zu
Hause aufbrechen und entweder direkt oder mittels Fahrzeug zu einer ein- oder
mehrstündigen Wanderung aufbrechen. Wenn Menschen sagen, daß sie wandern,
machen sie in der Regel von einem Ferienort aus,
längere Spaziergänge. Mehrtägige
Wanderungen von Ort zu Ort sind wirklich selten, und die regionalen Unterschiede
kommen noch dazu. In den Alpen und einigen Mittelgebirgen gibt es eine Tradition
der mehrtägigen Wanderung, in den Tieflandgebieten wage ich das zu
bezweifeln.
Was
bedeuten die skizzierten Verhältnisse für unseren Verein? Wo ist unser Platz
zwischen den verschiedenen Akteuren? Was nimmt sich der Verein für die nahe
Zukunft vor? Was ist insgesamt als Strategie bei schwachen Kräften zu
erreichen? Als Vereinigung sind wir wichtig, weil wir die Interessen einer
spezifischen Gruppe vertreten, nämlich der mehrtägigen Wanderer, die ihre Tour
selbst planen und durchführen. Wegemacher denken aus der Perspektive einer
Vermarktung des Weges. Wir müssen ein Denken aus der Perspektive der Wanderer
einfordern. Ich konnte kaum erkenn, ob die „Macher“ der neuen Wege, Übernachtungsangebote
in ihre Überlegungen einbezogen haben. Das kann in so dichtbesiedelten Zonen
wie dem Rheintal oder Mittelhessen wenig relevant sein, aber in Gegenden, die
sich langfristig entleeren werden, wie Teile von Sachsen-Anhalt oder Vorpommern,
ist das unumgänglich.
In
anderer Weise könnte unserem Verein Konkurrenz aus dem geplanten „WanderNetzwerk“
erwachsen. Das beruht auf einer Initiative des Wandermagazins. Der Slogan, unter
dem die neue Organisation auftritt, lautet: „Das Netzwerk ist kein Verein,
sondern eine Bewegung: Hier werden die Weichen für die Zukunft des Wanderns und
des Wandermarktes gestellt.“ Damit ist ein kommerzieller Aspekt der
Einrichtung unübersehbar. Informationen sollen leicht abrufbar aufbereitet
werden, der jährlicher
Beitrag für Einzelpersonen beträgt 60.- € . Die
Internet-Selbstdarstellung ist unter www.wandernetzwerk.de
zu finden. Wenn man da ist, kann man auch mal schnell den Internet-Auftritt des
Wandermagazins www.wandermagazin.de ansehen.
Die Datei „Archiv“ ist noch ziemlich mangelhaft, ich hatte spielerisch die
Begriffe „Europäischer Fernwanderweg 5“ und „Polen“ eingegeben. Bei
Polen Fehlanzeige, bei E 5, zuvor in Kurzform ebenfalls nichts, beim Langtext
stolz: „6 Treffer“, darunter „Auf dem E 4 durch den Peloponnes“ und
einige Beiträge aus Ostdeutschland, aber nichts konkretes über den erfragten
Europaweg. Ich bin sicher, daß da noch viel Energie reingesteckt wird, möchte
man doch über diesen Weg auch Kunden- sprich Abonnenten-Beziehungen aufbauen.
Erschienen
in "Wege und Ziele"
Netzwerk
Weitwandern e.V. Ausgabe 15 - Dezember
2004
Grundsätze
zur Markierung von Fernwanderwegen -
Überlegungen
aus der Sicht der Nutzer
Die
Markierung muß verläßlich und selbsterklärend sein!
Der
Wanderer und die Wanderin lassen sich auf einen vorgegebenen Weg ein. Sie sind
ortsfremd, haben nicht immer eine optimale Karte und gehen in der Regel
den Weg zum ersten Mal. Diesem Vertrauensvorschuß muß eine verläßliche
Markierung entsprechen. Anderseits darf ein Übermaß an Beschilderung nicht zu
einem Nachlassen der Aufmerksamkeit bei der Beobachtung des zu durchwandernden
Geländes führen. Ein gewisses Maß an Spannung und Überraschung bei der
Wegefindung ist gut und entspricht der vergleichsweise langsamen
Fortbewegungsart.
Fernwanderwege
sollten sich von lokalen Wegen unterscheiden. Fernwanderwege sollten durchgängig
in gleicher Form markiert werden. Das führt zum Vertrautwerden der Benutzer.
Hinweise auf Abzweigung von anderen Fernwegen sind wichtig.
Kritische
Punkte sind Gabelungen oder Kreuzungen oder das Verlassen eines Wirtschaftsweges
zugunsten eines Pfades oder einer Querfeldeinstrecke. Das in Frankreich
praktizierte System der Kombination der Zeichen „Richtungswechsel“ durch
winkelförmige Verdopplung und gleichzeitig die Markierung der „falschen
Wege“ durch Diagonalkreuz hat viele Vorzüge im
Vergleich zu „Wegweisern“. Schilder auf Pfählen oder Pfosten sind häufig
Opfer von Vandalismus.
Markierungen
sollten auch unabhängig von Richtungs- oder Wegewechseln in einem gewissen
regelmäßigen Abstand, z.B. alle 400 m angebracht werden. Das gibt Sicherheit,
wenn eine vorhergegangene Markierung beseitigt oder übersehen wurde. Auch eine
Markierung bald hinter einer Kreuzung erhöht das Sicherheitsgefühl. Es ist
hilfreich, wenn sich auf einem Weg oder Wegabschnitt eine gewisse
„Handschrift“ herausgebildet hat, z. B. ähnliche Abfolge und Höhe der
Markierung.
Die
Markierungen müssen beide „Laufrichtungen“ beachten. d. h. entweder eine
Markierung „parallel“ zum Weg oder ausnahmsweise zwei Markierungen jeweils für
die Hin- und Gegenrichtung haben.
Die
Markierung sollte regelmäßig überprüft werden.
Die
Markierung soll auf den Typ der Umgebung und die Eigenart der Wegeabschnitte
eingehen und dabei sowohl den Maßstäben des Naturschutzes und des
Landschaftsbildes entsprechen und auf religiöse und kulturhistorische Belange Rücksicht
nehmen. Die Markierung kann z. B. in bebauten Gebieten, in offener Landschaft,
auf Wirtschaftswegen, auf Pfaden, bei Wegeführungen quer über Wiesen und
Waldabschnitte andere Maßstäbe haben.
Ein
Übermaß an Markierungen ist zu vermeiden, es soll Diskretion gegenüber der
Landschaft und älteren Gebäuden walten, z. B. keine Markierung an Bildstöcken
und Wegekapellen, angepaßte Materialien und Formen. Farbige Striche auf Bäumen
und Steinen sind in diesem Sinn besser als Kunststoffstreifen oder
Blechschilder. Die Markierung von Fernwanderwege braucht nicht das „Design“
von Schnellstraßen oder die Qualität von „Sammlerstücken“.
Beschlossen
durch den Vorstand im Sept. 2004
Erschienen
in "Mitteilungsblatt"
Netzwerk
Weitwandern e.V. Ausgabe 14 -
August 2004
Resolution
Der
Verein „Netzwerk Weitwandern“ verabschiedete auf seiner
Mitgliederversammlung am 28. Sept. 2002 als Anregung an die regionalen deutschen
Wanderverbände, den Deutschen Wanderverband und die Europäische
Wandervereinigung (EWV) folgende Resolution:
Farbe
bekennen für Weitwander-Separate Führung von Wanderwegen und Radwegen!
Die
Vereine und Wander-Verbände werden gebeten, im Rahmen ihrer eigenständigen
Wegemarkierungen wie bei ihren Mitsprache- und Mitwirkungsmöglichkeiten mit den
Gebiets-körperschaften auf eine Trennung von Fuß- und Radwegen zu dringen.
Zumindest bei der Neuanlage von Wegen sollte eine gemeinsame Nutzung keine Regel
sein. Dies sollte besonders dort gelten, wo Wege mit einem besondern Qualitätsansprüche
entstehen z.B. als Hauptwanderwege oder Europäische Fernwanderwege. Damit kann
zwar nicht die Planungshoheit der Gemeinden aufgehoben werden, doch sind
diejenigen Institutionen angesprochen, die derartige Prädikate „vergeben“.
Gravierend
ist die Situation insbesondere im Flachland oder entlang von Flüssen, wo das
Radwandern in den letzten Jahren enorm zugenommen hat und wo die Gemeinden und
die Tourismusbranche diese Zielgruppe massiv bevorzugen. Diese konfliktreiche
Situation konnte auf dem E 9 in Mecklenburg beobachtet werden, aber im europäischen
Maßstab auch auf dem E 4 zwischen Wien und Bratislava (Preßburg). Es steigert
nicht die Attraktion des Weitwanderns und beeinträchtigt das Selbstwertgefühl
der Wanderinnen und Wanderer, wenn ihre Langsamkeit sie zu „Menschen zweiter
Klasse“ macht und sie wie „Störer“ wirken. Auf die steigende Unfallgefahr
für Wander/innen und Radfahrer wird besonders hingewiesen, da eine steigende
Anzahl von Menschen hörgeschädigt sind und ein von hinten und ein von hinten
heranfahrendes Rad nicht wahrnehmen können. Ein solcher Appell richtet sich
nicht gegen gelegentliche Mountainbiker auf Wanderwegen, gleiches gilt auch für
einzelne Reiter.
Aufrufe
der Art „Seid nett zu einander!“ helfen nicht weiter. Bei Inanspruchnahme
gleicher „Raumkorridore“ muß es zu einer Trennschärfe bei der
Wegeausweisung beider Zielgruppen kommen, z.B. bei Steilufern Radwege am Fluß
und Fußwege mit der Chance auf wechselnde Aussicht an der oberen Geländekante.
In Rahmen einer generellen Überprüfung der Wege sind für Wander unbefestigte
Wege als Regel anzustreben! Denn unabhängig von den hier angesprochenen
direkten oder indirekten Konflikten sind befestigte Wege eine Belastung für die
Füße. Dabei muß immer daran erinnert werden, Wanderwege sind kostengünstiger
und landschaftsverträglicher als Radwege herzustellen.
Weitwanderer
haben ihre „unmoderne“ Fortbewegungsart und die Nutzung von ungewöhnlichen
oder vorindustriellen Wegen bewußt gewählt. Das ermöglicht ihnen u.a. auch
ein genaueres Wahrnehmen und Wertschätzen der Pflanzen- und Tierwelt und der
Kulturlandschaft. Bei ihrer Langsamkeit kommt der Fixierung von Etappen-Orten
große Bedeutung zu. Bei Berücksichtigung solcher Bedürfnisse sind langfristig
z.B. beim Durchwandern von entleerten Räumen auch strukturverbessernde Effekte
zu erwarten.
Für
den Vorstand:
Dr. Lutz Heidemann
Erschienen
in "Mitteilungsblatt"
Zeitschrift des Vereins
Netzwerk
Weitwandern e.V. Ausgabe 8 -
Oktober 2002

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