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 am:   21.08.08

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B u c h b e s p r e c h u n g e n

 

Auf der Seite "Vereinszeitschrift-Inhalte", die laufend aktualisiert wird, haben wir Links zu den entsprechenden Wanderberichten und Buchbesprechungen gesetzt.

 

 Inhaltsverzeichnis:      Du mußt Wandern!

                               •  Mehrtagestouren im Westen Deutschlands

                               •  "Und immer wieder: GR 10"

                               •  Der Weg ist das Ziel: mit dem GR 5 über die Alpen

                               •  ViaSpluga: Durch Kulturen wandern

                               •  Wandern in Kreta

                               •  Rezension der Zeitschrift: „Caminar. Senderismo

                                   i naturaleza“

                                 Wandern „auf hohem Niveau“ – 

                                   Erfahrungen vom neuen Rheinsteig

                                 Cinque Terre / Ligurische Küste

                                  Die Riviera von Genua bis La Spezia

                               •  Neue deutsche Wanderführer für England

                               •  Auf Österreichs Großen Wegen – 

                                  Die neuen Wanderführer der Sektion

                                  "Weitwanderer" des OeAV

                                 Buchbesprechung und Wanderbericht

                                  zum Rothaarsteig

                                 Wandern auf dem GR 7 in Spanien

                                 Man sieht nur, was man weiß:

                                  Werner Bätzings GTA-Führer neu erschienen

                                 Das besondere Buch: Berlin - Moskau zu Fuß

                               •  Zweimal "Österreichischer Weitwanderweg 02"

                               •  Bätzing / Kleider: Die Seealpen

                               •  Walter Töpner: Wege der Jakobspilger - Band 1

                               •  Die beiden neuen Führerbände zum hochalpinen Teil

                                         des "Zentralalpenweges"

                               •  Ludwig Graßler: Traumpfad München - Prag

                               •  Österreichischer Weitwanderweg 04

                                         (Voralpiner Weitwanderweg)

 

 

Du mußt wandern !

 

Manuel Andrack wandert ohne Stock und Hut im deutschen Mittelgebirge

 

 

Mir persönlich geht es mit Wanderbüchern häufig so: ich sehe eine Neuerscheinung, die beschriebene Region ist mir aus irgendeinem Grund sympathisch, das Buch ist nett aufgemacht, also kaufen. Daheim dann Entspannungsbild: aaah, heute abend nehm' ich mir den neuen Führer vor, blättere, plane und laß mich animieren. Abends schließlich mittlere Enttäuschung. Natürlich bietet das Buch inhaltlich auch das, was vorne auf dem Deckel steht, aber rechte Freude will nicht aufkommen. Und das liegt in der Regel an folgenden Fehlern:

 

1.    Die beschriebene Wanderstrecke ist so minutiös geschildert, als sei der Benutzer seiner Sinne irgendwie nicht mächtig. Die meist elend trocken zu lesende Ausführlichkeit verhindert außerdem das Aufkommen jeglichen Pfadfindertriumphs, auf der Karte, wie draußen.

 

2.    Wandererbuchautoren nehmen sich und ihr Freizeitvergnügen zu ernst. Es fehlt das lachende Auge für die beim Recherchieren erlebten Skurilitäten am Weg. Meine Sinne erholen sich besser, wenn ich erfahre, daß Apfelwein im Hunsrück und Saarland Viez heißt  und in der Pfalz ein Schoppen Wein tatsächlich ein Halbliterglas bedeutet.

 

3.    Wanderbücher sind oft für Puristen gedacht und gemacht. Menschen, die vor einer Tour den Rucksackinhalt einzeln abwiegen. Gut, ich habe auch schon mal den Stiel der Zahnbürste abgesägt, damit das Ding in meinen Mini – Kulturbeutel paßte, aber oft wird am Falschen gespart. Bücher z.B. Wie man eine mehrtägige Wanderung ohne „was zum Lesen“ bewältigt, gerade als Alleingeher, bleibt mir schleierhaft. Und sei es, daß eben der Wanderführer zugleich Lesebuch ist (Rotpunktverlag).

 

Manuel Andrack, der seit Januar wieder in der ARD zu sehen ist, hat die vergangene Dreh- und Sendepause genutzt, um wandern zu gehen. Eifel, Sächsische Schweiz, Hunsrück, Rothaarsteig, Hermannsweg, Goetheweg sind Ziele, die er in seinem 170 Gramm leichten KiWi Taschenbuch beschreibt, das vor kurzem erschienen ist. (3-462-03488-x, € 8,90 ). Er wandert mit seinem Vater, mit Freunden, mit seinen Kindern. Und er berichtet,was zu erleben ist: Einheimische, die keine Ahnung vom Fernwanderweg haben, obwohl eine Markierung direkt am eigenen Zaunpfosten prangt; Gastwirte, die trotz Ruhetag zu Essen und Trinken hereinbitten; landschaftliche Höhe- und witterungsbedingte Tiefpunkte.

 

Eigentlich schildert Herr Andrack schlichtweg das, was beim Wandern durchs Land zu sehen und erleben ist. Die Besonderheit des vorgelegten Bandes besteht in der Beobachtungsauswahl, die Andrack zum Besten gibt. Als bekennender Mittelgebirgswanderer habe ich mindestens vier mal laut ausgerufen: Heißa, genauso ist es, zum Kuckuck ! Klappentexte und Verlagswerbeleute reden bei Andracks Stil übrigens gerne von gebrochener Ironie und noch nie ist so über das Wandern geschrieben worden. Naja, das Buch soll sich ja verkaufen und tut es sicher allein durch die Popularität des Autors, mit der er souverän umgeht: sie spielt schlicht keine Rolle. Das Buch ist nicht Herrn Schmidt gewidmet, sondern Andracks Familie.

 

Warum also dieses Buch kaufen und vielleicht sogar lesen ?

 

1.        Die Erwartungen, die der Kauf auslöst, werden aufs Beste erfüllt: Entspannung pur.

 

2.        Als Wanderer merkt man recht bald: der weiß, von was er redet.

 

3.        Tatsächlich fühlt man sich ermuntert, bisher unbekannte Regionen zu erwandern

           (Böhmische Schweiz! Nein, nicht deutsche)

 

4.        Wunderbares Geschenk !

 

Von Tilman Kleinheins

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 16 - April 2005

 

 

Mehrtagestouren im Westen Deutschlands

 

Peter Meyer Verlag schließt Lücke im Wanderführersektor

 

 

Um es vorweg zu nehmen: ich bin begeistert von dem Wanderbuch, das Rolf und Waike Weber im Peter Meyer Verlag herausgebracht haben. Woher die Euphorie ? Aus der Sicht des Buchhändlers befriedigt der Band die im Laden häufig geäußerte Nachfrage: „Wir suchen Tips ( oder einen Führer ), um mal zwei, drei Tage wandern zu gehen“. Wenn es auch zwei bis sechs Tage sein dürfen, gibt es zur Zeit quasi keine Alternative auf dem Buchmarkt. Nur das alleine kann´s natürlich nicht sein. Also schlagen wir auf und schauen hinein, was die Wander – Webers serviert haben.

 

Eifel – Pfälzerwald –Schwarzwald – Elsaß

 

Insgesamt neun Touren werden vorgeschlagen. Vorab findet ( der vielleicht unerfahrene ) Mehrtages – Wanderer unter der Rubrik „Vorbereitung & Praktisches“ angenehm Undogmatisches zum Thema Ausrüstung, Packen, Gehzeit und –technik. Undogmatisch, weil eher „Kann“ – Lösungen vorgeschlagen werden. Wer auch mit 25 kg auf dem Rücken beschwerdefrei unterwegs sein kann, nur zu !

 

Wer gerne dem GPS Richtungspfeil hinterherläuft, kann dies - dank angegebener Positionsdaten für die wichtigsten Tagesziele - tun, wird aber wenig von der Landschaft mitbekommen (Vorsicht: dogmatische Wanderstrumpfmeinung !) Also: jedem Tierchen sein Plaisierchen.

 

Eine der neun vorgestellten Touren soll nun auf den Prüfstand: Aufbau, Infogehalt, Wahl der Strecke. Die Kaiserstuhl – Tour ! Sie ist zwar nur zwei Tage lang – mehr ginge auch nur mit Mühe – berührt aber die meisten sehenswerten Wanderorte des Vulkans in der Rheinebene. Zwei Seiten fundierte Einleitung über Fauna, Flora, Wein und Erdgeschichte: wo wandert man überhaupt. Als langjähriger Kaiserstuhlanwohner fand ich alles korrekt, wobei dem Bedauern über die größte Erdbewegung im Rahmen der Flurbereinigung der 70er Jahre (Terrassierung der Weinberge) aus naturräumlicher und biologischer Sicht, die Erleichterung der nicht einfachen Arbeit im Weinberg entgegengestellt werden kann. Endlich war im begrenzten Maß der Einsatz von Maschinen möglich (Siehe auch: „der Holder“). Für reichlich Diskussionsstoff hat die Flurbereinigung damals freilich geführt. 30 Jahre später gibt es immer weniger Kaiserstühler, die die ursprüngliche Landschaftsform noch mit eigenen Augen gesehen haben. Aber: lassen Sie sich bitte nicht vom Wandern im Kaiserstuhl abhalten. Denn die Autoren haben Recht, der Nord - Süd – Weg übers Gebirge ist einer der schönsten dort. Die berührten Zwischenziele (bei geöffneter Katharinenkapelle unbedingt in den kleinen Glockenturm aufsteigen: herrliche Rundsicht !) sind zum Teil einmalig in Deutschland, wie z.B. die Trockenwiesen zwischen Schelinger Höhe und Vogelsang – Paß. Genießen Sie dort eine Sonnenrast mit Ausblick auf Vogesen und die Burgundische Pforte, dem Tor nach Frankreich. Streckenwahl also tadellos. Infogehalt ebenfalls. Der Wanderer erhält gleich zu Beginn des Tourenvorschlages Kurzinfos: wie lange, welche Etappenziele, Anfahrt, Abfahrt, Unterkunft. Es ist also sofort möglich zu entscheiden: ja, kommt in Frage oder eben nicht.

 

Zwischenüberschriften

 

Nach der oben genannten Einführung in die bewanderte Region folgt der Tourenvorschlag selbst. Klar gegliedert, benannte Wegmarkierungen sind farblich im Text besonders hervorgehoben, Zwischenziele fett gedruckt. Farbige Photos und ein unaufgeregtes klares Layout, z.B. Zwischenüberschriften, machen die Orientierung im Buch angenehm und einfach. Die Qualität des Buches zeigt sich ebenfalls im Verzicht auf minutiöseste Wegbeschreibungen, ohne jedoch irgendeinen Zweifel an der Wegführung aufkommen zu lassen. Weiteres Plus: die Wegbeschreibung ist lesbar, weil mit persönlichen Eindrücken und Informationen aller Art gespickt.

 

Also, wo liegen die Fehler? Zum einen bei mir selbst, der diesem Kleinod der Wanderliteratur völlig voreingenommen und befangen gegenübersteht. Zum anderen an der fehlenden Öffnungszeit vom wirklich sehr schön gelegenen Rasthaus Lenzenberg oberhalb von Ihringen: die Wirtsleut haben nur bis 19:00 Uhr geöffnet! Anmerkungen anderer Buchhändler, die ausgewählten Regionen seien halt sehr speziell, sei gesagt: es sind die schönsten (deutschen Mittelgebirge), von den Vogesen ganz zu schweigen.

 

Also: kaufen, nachlaufen, verschenken: Weber, Rolf und Waike: Mehrtageswanderungen im Westen Deutschlands, Peter Meyer Verlag, Frankfurt, 1. Auflage 2004, 190 Seiten, 190 Gramm, 3-89859-305-5, 12,95 €

 

PS: Um Mißverständissen vorzubeugen: weder vertreibe ich die Bücher des Peter Meyer Verlages, noch ist das Netzwerk Weitwandern irgendwie mit dem Verlag liiert.

 

Von Tilman Kleinheins

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 15 - Dezember 2004

 

 

"Und immer wieder: GR 10"

 

Diejenigen unter uns, welche das Vergnügen hatten, anlässlich der vorletzten Mitgliederversammlung in der Rhön, dem Diavortrag von Jürgen Hammer über seine Pyrenäen - Durchquerung auf dem GR 10, zuzuschauen und zu hören, können sich ein Bild von der Vielfältigkeit des knapp über 900 km langen Weges

machen.

 

Der dazu vor einiger Zeit erschienene Führer von Gert Trego, ist nun leider schon etwas in die Jahre gekommen, so dass der nicht des französischen mächtige Wanderer (Topo-Guides), nun wenigstens auf eine englischsprachige Neuerscheinung zurückgreifen kann, die im bekannten englischen Verlag Cicerone erschienen ist:

 

"The GR 10 Trail - Trough the French Pyrenees". Erwandert und beschreiben von Paul Lucia, bringt es das Buch mit 12 x 17,5 cm gerade noch Hosentaschenformat auf 304 Gramm. (im Vergleich der Trego-Band: 10,5 x 14,8 cm und 144 Gramm). Sehr praktisch: das Buch ist ein plastifiziertes soft cover und wiedersteht damit Regen, Nebel, Schnee. Auch das Papier ist wasserabweisend, deswegen das Gewicht. Es hat in Deutschland als Import keinen festen Ladenpreis und wird vom Handel unterschiedlich kalkuliert, mit 20 - 22 Euro ist zu rechnen.

 

Zum Inhalt: Von hinten her betrachtet fällt leider sofort ins Auge, dass ein Orts- und Namensregister fehlt, was schade ist und Trego im Gegensatz bestens bewerkstelligt hat. Wenn man weiterhin den direkten Vergleich anhand einer bestimmten Tages - Etappe vornimmt, stößt man schnell auf eine Grundfrage, die sich beim Machen von Fernwanderliteratur immer stellt: verzichte ich auf alles Anschauliche und schaffe mir im Gegenzug mehr Platz für Informationen oder lege ich den Band umgekehrt an, habe also Farbphotos, Höhendiagramme und Kartenskizzen. Wie Trego dazu stand, wissen wir und vergleicht man die beiden Bände rein vom Infogehalt her, schneidet er um Längen besser ab.

 

Die Recherche von Unterkünften samt Telefonnummern, Öffnungszeiten und anderer Hinweise lässt den Cicerone zurückfallen. Natürlich sind Angaben gemacht, allerdings sehr vereinfacht in dem Sinn, dass darauf hingewiesen wird, dass z.B. in dem Baskenort Sare eine Gite, ein Colonie des vacances und ein Campingplatz vorhanden sind, nicht aber oben erwähnte Informationen, die einen vor lästigen der-Weg-war-umsonst - Abstechern bewahren.

 

Interessanterweise differieren auch die angegeben Geh-Zeiten und Höhenunterschiede nicht unerheblich. Für die gleiche Etappe von Ste-Engrace nach Arette gibt der englische Band mit 1185 m Aufsteig 55 Meter mehr an, dafür werden dann aber nur 4,30 h benötigt (Trego: 4,55 h). Das mag am verschiedenen Schrittmaß der Autoren liegen und ist insgesamt vielleicht unerheblich. Aufschlussreich für die generelle Bewertung dieser Art Angaben in Wanderführern ist es allemal.

 

Gut gefällt bei Paul Lucias Buch andererseits, dass es keine Bleiwüste ist. Anschaulich und brauchbar sind z.B. die Höhendiagramme jeder Etappe, die auf einen Blick den Tagesrhythmus erkennen lassen. Wie schon in früheren Besprechungen erwähnt, so auch hier: die skizzenhaften Karten- oder Kärtchen sind für unterwegs unbrauchbar und damit überflüssig. Lesenswert sind dagegen, die vor die Wegbeschreibung gestellten Zusammenfassungen der Tagestouren.

 

Ein weiterer Vergleich sei gestattet: Trego verweist in seinem Band immer wieder auf alternative Routen, auf Gipfelbesteigungen oder auf Möglichkeiten für einige Zeit dem HRP (Haute Randonner Pyreneen) zu folgen. Beim Cicerone leider wenig davon, dafür aber viel fürs Auge, denn viele gut gelungene Farbphotos lockern den Text auf. Die Güte der Wegbescheibung ist schwierig zu beurteilen, sollte sie in Details unterschiedlich sein, ist das nicht weiter tragisch, wozu gibt es 1:25 000er IGN-Karten ?

 

Insgesamt sei gesagt, dass der Fernwanderer bestimmt mit dem einen, wie mit dem anderen Band im Rucksack auf den Weg gehen kann und auch da ankommt, wo er möchte. Wünschenswert wäre ein Mix zwischen beiden, der nicht 200 Gramm übersteigt und damit die Quadratur des Kreises darstellte. Für Freunde des etwas persönlicher und subjektiver gehaltenen Schreibstils und einer angenehmeren Aufmachung sei der Cicerone - Band empfohlen, alle anderen sind mit dem Trego-Band besser bedient.

 

Bibliographische Angaben:

Lusia, Paul: The GR 10 Trail trough the French Pyrenees, Cicerone Verlag, 210 Seiten, c. 20,00 €, ISBN 1-85284-364-0, erhältlich oder bestellbar in besser sortierten Reise-Buchhandlungen.

 

Von Tilman Kleinheins

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 9 - Dezember 2002

 

 

Der Weg ist das Ziel: mit dem GR 5 über die Alpen

 

Deutschmann, Sven, Outdoor-HandbuchGR 5: Genfer See - Nizza,

Conrad Stein Verlag, 1. Aufl. 2001,160 S., ISBN 3-89392-507-4

 

 

Als Käufer und Benutzer von Streckenwanderführern fragt man sich bisweilen, wie es sein kann, daß ein Band, der 700 km Weg beschreibt nur 153 Seiten Umfang aufweist, während ein anderer, der sich mit 250 km Strecke befaßt, 280 Seiten und mehr benötigt. Es kann an der Wahl des Papiers liegen, ob Photos den Text anreichern, aber auch am Mitteilungsbedürfnis des Autors, weshalb dick nicht automatisch gut heißen muß. Der Stein Verlag ist mit seiner Reihe Der Weg ist das Ziel bekannt geworden für knapp gehaltene Führer. Bringen Sie den Benutzer aber auch gut ans Ziel ?

 

Das Inhaltsverzeichnis macht die Gewichtung deutlich: von 160 Seiten befassen sich nur gut die Hälfte direkt mit der Streckenbeschreibung. Besondere Hinweise bei möglichen Orientierungsproblemen, bei heiklen Wegstrecken oder Varianten, die dem Autor besser gefielen als die normale Wegführung sind hervorgehoben. Ansonsten tut er aber ganz recht, nicht jede Krümmung des Weges zu beschreiben: der GR 5 ist sehr gut markiert und wozu nimmt man schließlich Wanderkarten mit ? Sven Deutschmann unterteilt die französische Variante der GTA - und übrigens wesentlich ältere - in sechs längere Teiletappen. Diese wiederum sind mit allen möglichen Übernachtungs- und Einkehrhinweisen versehen, so daß der Wanderer individuelle Etappen laufen kann, der Führer schreibt keine vor. Zusätzlich sollen kleine Kartenskizzen zum Wegverlauf Orientierung bringen. Ich meine, daß getrost darauf verzichtet hätte werden können, zugunsten mehr regionalen Hintergrunds. Sicher sind die französischen Alpen nicht ganz so geschichtsträchtig wie das Elsaß, bieten aber doch genügend Stoff (Besiedlungsgeschichte, Vorstellung der Talschaften, heutige gesellschaftspolitische Situation etc), um dem Wanderer - am besten eingeklinkt im Kasten - mehr über die durchlaufenen Regionen wissen zu lassen. Man sieht oft nur, was man weiß. Positiv erwähnt seien die Angaben der Wegzeiten in beide Richtungen, neben der Telefonnummern der Unterkünfte auch deren Faxnummern, sowie sämtliche Einkaufsmöglichkeiten und deren Erreichbarkeit. Das schreibt ein erfahrener Geher.

 

Der vorangestellte praktische Teil bietet alles, was man zur Planung benötigt. Gut gefallen hat mir, daß er sich mit seiner Ausführlichkeit auch an Anfänger wendet (Packliste, Ernährung, Verhalten in den Bergen). Zusammengefaßt unter Reise‑ Infos A ‑ Z fehlt nichts wissenswertes. Lediglich die Informationen zum Kartenmaterial sind leicht irritierend: die angegebene „Serie orange“, also die Normalausgaben der französischen 1:50000er Karte (zumal ohne eingezeichnete Wanderwege) ist eine auslaufende Serie, welche vom IGN (Institut Geographique National) nicht mehr aufgelegt, noch aktualisiert wird. Die ferner genannten Karten des Verlags Didier Richard haben trotz besserer Kartenausschnitte eingeschränkte Lesbarkeit: die Schummerung an steilen Hängen ist mitunter so dunkel, daß man dort keine weiteren Eintragungen mehr erkennen kann. Ebenso bedauerlich: Didier Richard hat in der Regel Lieferschwierigkeiten bei vielen Blättern. Daß der Autor nicht mit dieser Serie unterwegs war, erkennt man an den fehlenden Angaben, welche Blätter benötigt werden. Uneingeschränkt zu empfehlen ist tatsächlich die „Serie bleu“, die touristischen 1:25000er Karten des IGN. Um nicht die genannten 20 Blätter mitnehmen zu müssen, empfehlen wir, die benötigte Strecke auszuschneiden und zusammenzukleben, so daß sich Gewicht und Umfang erheblich reduzieren.

 

Die Vorstellung der Französischen Nationalparks, Klima, Geologie, Fauna und Flora der durchwanderten Gebiete runden einen Führer ab, mit dem nicht nur eine Lücke auf dem deutschsprachigen Streckenführer - Markt geschlossen wurde, sondern durch leichte 144 Gramm Lebendgewicht und Seitentaschen - Format auch eine hohe Praktikabilität bescheinigt werden kann. Im Gesamtbild also ein Führer, mit dem man unterwegs gut aufgehoben ist.

 

Von Tilman Kleinheins

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 7 - September 2001

 

 

ViaSpluga: Durch Kulturen wandern

 

Warmer, Kurt: viaSpluga, Thusis - Chiavenna, Terra Grischuna Verlag,

2001, 3-7298-1131-2, 1. Aufl., 110 Seiten, 19,00 CHF

 

 

Zwei Pässe sind es am Graubündner Hinterrhein, die von Bedeutung sind: der San Bernardino und der Splügenpass. Während erstgenannter heute täglich tausende von Menschen über die Autobahn Richtung Süden transportiert, hat den Splügen ein anderes Schicksal ereilt: er ist für den Verkehr unwichtig geworden. Daß man sich seiner erinnert hat, ist Idealisten beiderseits der schweizerisch-italienischen Grenze zu verdanken, die bereits 1995 antraten, die regioViamala und die Comunitä

 

Montana Valchiavenna wieder enger miteinander zu verknüpfen. Die Idee eines zwar kurzen, aber echten Fernwanderwegs, die viaSpluga war geboren. Gemeinsam mit weiteren Trägern, ( Bündner Wanderwege, der KulturRaum ViaMala und andere Tourismusorganisationen ) gelang es dank großem Durchhaltevermögen, im Juli 2001 den Weg feierlich zu eröffnen. Parallel dazu erschien ein Wanderführer bei Terra Grischuna, den mir Rene Lehner, Technischer Direktor i.R. der Aargauer Wanderwege und Mitglied des Netzwerks Weitwandern zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank dafür.

 

Das seitentaschentaugliche, 138 Gramm leichte Buch untergliedert die 65 km lange Strecke in 5 Etappen. Schon beim ersten Durchschauen wird schnell deutlich: hier geht es nicht um die sportliche Leistung, sondern vielmehr darum, Wanderern eine Region, deren Menschen und Lebensbedingungen und deren Geschichte nahe zu bringen, gerade über Splügen hinweg. Jeder Etappenort wird ausführlich vorgestellt, bevor die Tagestouren, die niemanden überanstrengen sollten, beginnen. Wohltuend: die Wegbeschreibung an sich ist auf das Notwendige reduziert, und läßt genügend Platz für Informationen aller Art zur durchwanderten Region. Laufen, lesen, sehen. Zusätzlich erfährt der Wanderer mögliche Varianten zur Hauptroute oder lohnende Abstecher zu weiteren sehenswerten Dingen. Auffallend schön gestaltet auch die eingeklinkten Abrisse über besondere Höhepunkte jeder Etappe. Übersichtskarten zu jedem Tag und eine reiche Bebilderung runden diesen wichtigen Teil des Bändchens ab.

 

Im der Wegführung vorangestellten Teil findet der Leser neben der ausführlichen Geschichte des Splügen auch ein Zitat von Werner Bätzing, in dem er für den Ausbau historischer Verkehrsverbindungen als Wanderwege plädiert, um „Wandern mit Inhalt" zu ermöglichen. Ein Ziel dem sich das viaSpluga - Team eindeutig verschrieben hat. Ferner sind korrekte Angaben zu benötigten Wanderkarten zu finden. (K+F 1: 60000 Hinterrheintäler, die Blätter 257 T, 267 T und 277 der Schweizer Landeskarten sowie eine extra hergestellte 1: 40000er Karte viaSpluga

 

Begehbarkeit, Anreise, Verpflegung und Unterkunft ergänzen die praktischen Infos. Wobei zu den beiden letzten Punkten Adressen (auch internet !) und Telefonnummern angegeben werden. Sicher wäre eine direkte Auflistung der Übernachtungsmöglichkeiten für den Wanderer bequemer, die Angaben wären jedoch sehr kurzlebig und machten eine annähernd halbjährige Überarbeitung notwendig. Dieses Problem hat man umschifft.

 

Wir jedenfalls gratulieren allen Beteiligten zur erfolgreichen Umsetzung ihrer Idee und hoffen, ganz im Sinne unserer eigenen Vereinssatzung, daß sich viele Wanderer auf den Weg machen, um andere Menschen und deren Leben über Grenzen hinweg kennen und lieben zu lernen.

 

Von Tilman Kleinheins

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 7 - September 2001

 

 

Wandern in Kreta –

Lutz Heidemann bespricht einen Wanderführer zum Europäischen Fernwanderweg 4 auf Kreta (Trans- Kreta)

Ein Bericht aus Nr.19 von „Wege und Ziele“, der Zeitschrift von

 „Netzwerk Weitwandern e.V.“

 

Wandern in Kreta

 

Von Lutz Heidemann

 

Outdoor Wanderführer „Griechenland Trans Kreta E4“

 

Als gute Ergänzung zu meinem Bericht über Wandermöglichkeiten auf dem griechischen Festland folgt nun der Hinweis auf das Outdoor Handbuch 88 über den E4 in Kreta aus dem Conrad Stein Verlag. Es handelt sich um die zweite, im Jahr 2005 erschienene Auflage. Sie beruht auf Begehungen, die Dr. Sven Deutschmann im Sommer 2004 gemacht hat. Eine erste Auflage war 2000 erschienen und basierte auf Recherchen und Texten von Dagmar Wahlen und Rainer Lencer. Der Weg selbst ist wohl in den 1980er Jahren angelegt und an einigen Stellen neu trassiert worden. Aus der Übersichtsskizze der griechischen Weitwanderwege geht die großräumige Lage des E4 Kreta hervor. Inzwischen ist ein zweiter Sprung über das Meer vorgenommen worden und der E4 hat eine Fortsetzung in Zypern gefunden (siehe Kurzbericht in „Wege und Ziele“, Ausgabe 16, S. 36 - 37).

 

Eine erste Orientierung und Einstieg für die Routenplanung ist auch über Straßen-Karten möglich. Auf diese Weise kann man sich vielleicht bei Badeferien erst einmal an einen Tagesausflug auf dem E4 heranwagen und Wegebeschaffenheit und Markierungsdichte erkunden. Ich fand z.B. den Wegeverlauf auf der Generalkarte Kreta (MairDuMont). Bevor dieser Beitrag in unser Internet gestellt wird, werde ich mich informiert haben, ob auch in anderen in Deutschland erhältlichen Straßen- oder Freizeitkarten von Kreta der Verlauf des E4 eingetragen ist. Es gibt eine Karte des Harms-Verlages 1:100.000 mit Eintragungen des Weges, die allerdings teilweise nicht mehr aktuell sein sollen. In Griechenland gibt es vier Kreta-Blätter im Maßstab 1:50.000 vom Verlag Giorgis N. Petrakis. (Bestellungen Tel. und fax: 081/282630)

 

Der Führer fängt holprig an; die historische Einführung ist holzschnittartig bescheiden, dann doch lieber ganz weglassen. Später im Text macht Sven Deutschmann sehr gut auf historische Stätten am Weg aufmerksam. Auch Binsenweisheiten wie Schwierigkeiten einer Anreise mit dem Auto könnten schlicht weggelassen werden. Hinweise auf Geldwechselmöglichkeiten in Städten und Bergorten sind nach Einführung des Euro schlicht ärgerlich; hier fehlte ein kritisches Lektorat.

 

Wenn es dann an die Wegbeschreibungen geht, ist der Text sehr präzise; stellenweise wird der Leser und Wanderer von Markierungsstange zu Markierungsstange geleitet. Das scheint im Westteil der Route auch nötig zu sein. Ich kenne Kreta und den Weg nicht; ich kann mir aber einige Markierungsprobleme gut von Erfahrungen auf drei Wanderungen auf dem griechischen Festland vorstellen. Die Griechen haben sich auf gelb-schwarze Metallschilder und Stangen festgelegt. Ich habe Anastasios Rigas vergeblich auf meine besseren Erfahrungen mit Farbmarkierungen auf Steinen und Bäumen hingewiesen. Ich will nicht leugnen, daß bei

Grasmatten im Bergland Stangen besser geeignet sind. Inzwischen hat Sven Deutschmann vielfach gelb-schwarze Striche bzw. Farbpfeile oder rote Punkte beobachtet.

 

Deutschmann warnt Wanderer sehr eindringlich vor schwierigen oder schlecht markierten Abschnitten. „Über rutschiges Geröll muß ein Steilhang auf einem schmalen ungesicherten Felsband gequert werden. Hierzu ist unbedingt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich“. Deutschmann schildert auch Ausweichrouten und Varianten. Ein Einstieg im mittleren Teil ist gut möglich und bietet immer noch großartige Blicke. Der Ostteil der Tour ist insgesamt einfacher. Da werden ziemlich regelmäßig Dörfer durchquert, wo es auch schon Zimmerangebote gibt. Das Wandern auf Kreta hat sehr unterschiedliche Gesichter. Einmal muß Deutschmann ein Stück auf der Zufahrtsstraße zur Samaria-Schlucht benutzen, „... wo sich in der Hauptsaison bis zu 3.000 Wanderer herunterschieben.“

 

Eine zweite Auflage könnte ein Indiz sein, daß der Weg trotz der Schwierigkeiten gegangen wird, zumindest, daß er Wanderer beschäftigt. Deutschmann ist im Frühjahr mit dem Zelt unterwegs gewesen. So ist der Text durchzogen mit Hinweisen auf geeignete Zeltplätze. Nach seinen Erfahrungen müssen Wasser und Lebensmittel an bestimmten Etappen für ein und öfters auch für mehrere Tage mitgenommen werden. Die Wanderung ist eine Herausforderung. Man soll Wanderstiefel statt Wanderschuhe tragen. Im Frühjahr war es noch kalt. Deutschmann hat sich öfter Wasser aus noch liegengebliebenen Schnee bereitet. Das kann in anderen Jahreszeiten leichter sein. Wir waren im Oktober in der nahen Südtürkei mit Schlafsäcken ausreichend bedient.

 

Anmerkung 1: Man kann sich auch durch Kreta führen lassen, besser auf diese Weise als überhaupt nicht auf der Insel wandern. Ich fand auf der TourNatur als Anbieter den Veranstalter „Smile-Travel-Wanderreisen (Informationen unter: Wanderpaule@yahoo.gr), deren Repräsentant in Deutschland ist Harald Schwarzer, der damit wirbt, daß er seit 1979 Wanderführer sei; Kontakt: wanderharald@gmx.de. Aus einem Werbeblatt geht hervor, daß die Wanderzeit täglich etwa 3-4 Stunden dauere. Es sind dann eben auch Wanderferien...

 

Anmerkung 2: Anastasios Rigas schrieb mir im September 2002, daß bei der schwierigen Etappe von Soujia nach Agia Roumeli die Markierungen von einer Französin zerstört worden seien, deren Mann Bergführer sei und hoffte von Wanderern engagiert zu werden. Man hätte versucht, sie zu erwischen und anzuklagen, aber ohne Erfolg.

 

Anmerkung 3: Sven Deutschmann berichtet von ausgezeichneten Markierungen auf Teilstücken der Levka Ora, der weißen Berge, die Josef Schwemberger vorgenommen habe, der vor einiger Zeit die Kallergi-Hütte (Tel. 08210/ 33199) gekauft und renoviert hat und in der Saison betreibt.

 

Anmerkung 4: Sven Deutschmann berichtet, daß es ihm nicht gelungen sei, vor und nach der Wanderung einen Kontakt zu den Bergsteigerverbänden in Kreta herzustellen, um Erfahrungen zu bekommen und weiterzugeben. Das Lied können auch viele von unseren Mitgliedern von anderen Wandergebieten singen. Die Adressen der örtlichen Verbände, die er im Vorspann nennt, stimmen nicht mit denen überein, die mir A. Rigas 2002 nannte. Auch meine Mail-Adresse der Bergsteiger Verbandszentrale in Athen (EOOA) von 2002 ist nicht mehr aktuell. Von den Verbänden in Kreta kann ich als Anschrift bieten: eosrethymno@rethymnon.com

 

Ich würde mich freuen, wenn Vereinsmitglieder von ihren Kreta-Erfahrungen berichten würden. Wir werden sie hier veröffentlichen!

 

 

Caminar – eine Rezension einer Wanderzeitschrift

Georg Rückriem bespricht die neue spanische Wanderzeitschrift Caminar – Senderismo i naturalezza

Ein Bericht aus Nr.19 von „Wege und Ziele“, der Zeitschrift von „Netzwerk Weitwandern e.V.“

 

Rezension der Zeitschrift: „Caminar. Senderismo i naturaleza“

 

Von Georg Rückriem

 

Die Zeitschrift: „Caminar. Senderismo i naturaleza“, was man übersetzen kann mit “Wandern. Wandersport und Natur“ wird herausgegeben vom Verlag PRAMES aus Zaragoza. (ISSN: 1697-2112) Internet-Informationen über: www.caminar.net; www.prames.com; caminar@prames.com; Preis: 3,50 Euro für das Einzelheft zzgl. Versandkosten. Das Jahresabonnement beträgt 42 Euro für 12 Hefte zzgl. 17 Euro Versandkosten für alle Länder außerhalb von Spanien und Portugal.

 

Diese Zeitschrift wird mit einer eigenen Redaktion, einem 20köpfigen editorial board und mit der Unterstützung durch einen umfangreichen Mitarbeiterstab für jedes Einzelheft, also mit unerwartet großem Aufwand und hoher Professionalität in Layout und Design produziert. Sie ist seit Februar 2004 auf dem Markt und anscheinend in Spanien und wohl auch in Portugal konkurrenzlos. Das auf Kunstdruckpapier aufwendig gestylte 115-Seiten-Hochglanzprodukt erscheint monatlich, mit einem Doppelheft für Juli und August. Geographisch werden außer Spanien und Portugal auch die Wandergebiete auf den Balearen, Canaren und Azoren, gelegentlich aber auch Bereiche in Andorra und Grenzgebieten zwischen Spanien, Frankreich, Italien und der Schweiz abgedeckt.

 

Berichtet wird über die verschiedensten Formen des Wandersports: über Tageswanderungen (überwiegend) und längere Wanderungen, also über GR (Gran Recorridos = überregionale und transnationale Wanderwege), PR (Pequeños Recorridos = regionale Wanderwege in den verschiedenen Provinzen) und SL (Senderos locales = örtliche Wanderwege); aber auch über ganzjährig mögliche oder nur saisonale Wanderungen, Sommer- oder Winterwanderungen, Strecken- und Rundwanderungen, Landschafts- und Stadtwanderungen, in Einzelberichten oder thematischen Heften (z.B. „50 Wanderwege für Familien“).

 

Die Herausgeber bezwecken offensichtlich nicht so sehr detaillierte und differenzierte Führungen durch die jeweiligen Wanderrouten, als vielmehr eine Einführung in interessante und unbekannte Wandergebiete. Sie wollen bisher unkundige Menschen mit den Möglichkeiten und Anforderungen des Wanderns bekannt machen und Wanderer auf neue Gebiete hinweisen, und Basisinformationen vermitteln.

 

Dementsprechend enthält jeder Bericht über ein solches Gebiet eine Art Kurzreportage mit Informationen zu Klima, Geologie und Ökologie, Flora und Fauna, Kulturgeschichte, folkloristischen Besonderheiten, Gastronomie sowie lokalen Festen und Feiertagen, kombiniert mit sehr guten und motivierenden Fotos sowie ausführlicheren Darstellungen und Informationen über unterschiedliche Routen im jeweils ausgewählten Gebiet. Das betrifft im einzelnen für jede einzelne Route:

 

   stark schematisierte Karten (incl. Maßstabsangaben und Legende),

   Höhenprofile,

   Zeitangaben,

   Schwierigkeitsgrade (leicht, mittel und schwer),

   Empfehlungen zur bevorzugten Saison,

   praktische Hinweise (z.B. über die Versorgung mit Wasser, die notwendige

    Ausrüstung und die Verwendung von Stöcken usw.)

   Informationen über den Zugang per :

    o  Auto, mit Angaben über Straßen, Karten und Mietwagen-Adressen,

    o  Bus, mit Angaben über mögliche Bus-Agenturen, Adressen,

        Telefonnummern und Web-Adressen,

    o  Eisenbahn, mit Angaben über Strecken, Bahnstationen, Telefonnummern

        für Auskünfte,

    o  Flugzeug, mit Angaben über Flugplätze, Gesellschaften, Adressen und

        Telefonnummern bzw. Webadressen.

•  Informationen über Verpflegungsmöglichkeiten und Übernachtungen, mit

   Angaben von Adressen, Preisen, Telefonnummern und Webadressen,

  Informationen über Kartenmaterial und Wanderführer sowie Bezugsadressen,

  Informationen von allgemeinem Interesse im jeweiligen Gebiet (mit Adressen,

   Telefonnummern und Webadressen) von Stadtverwaltung, Polizei,

   Tourismusbüro, Bädern und Klöstern.

 

Allein die Aufgabe, diesen enormen Umfang an Informationen für die fünf bis sechs Wanderungen pro Heft zu besorgen, rechtfertigt bereits die Zahl der Mitarbeiter, wirft aber andererseits die Frage auf, wie viele Abonnenten die Zeitschrift haben muß, um diesen Aufwand zu bezahlen, wenn sie ohne Sponsoren oder staatliche Unterstützung auskommen will. Und dabei bleibt es nicht einmal bei den bisher beschriebenen Serviceleistungen.

 

Neben diesem Hauptschwerpunkt enthalten die Hefte zusätzlich Angaben zu folgenden Aspekten:

 

  wanderpädagogische bzw. wanderpolitische Glossen oder Leitartikel als

   Editorial,

•  Informationen von und über die offiziellen Wanderverbände bzw.

    Organisationen in den 17 Autonomen Regionen Spaniens,

•  Informationen über internationale Treffen oder Vereinbarungen zu

    tourismuspolitischen Fragen, über nationale oder regionale Veranstaltungen

    oder Ausbildungskurse der Verbände sowie über lokal veranstaltete

    Wanderungen oder Events der verschiedensten Vereine, Verbände und

    Organisationen,

   Aufrufe zur Unterstützung von Initiativen zur Einrichtung neuer Naturparks,

 •  Wanderpädagogische Aktionen wie z.B. die Einladung zum Wettbewerb

     „Ojo crítico“ (kritisches Auge) mit Bildern und Kommentaren zu sowohl

    „entwürdigenden wie positiven Effekten der Veränderung des ländlichen

    Raumes“,

   Interviews mit bekannten bzw. berühmten Aktivisten, Bergführern oder

    Bergsteigern,

   Berichte und Ankündigungen von spektakulären Großwanderungen,

   Tagesverzeichnisse der organisierten Wanderungen pro Monat mit Angaben

    zum Veranstalter, Adressen, Telefonnummern und Web-Adressen,

 •  Informationen über sanierte, neu markierte oder neu eröffnete Wanderwege

    bzw. Refugios, Leserbriefe, wie z.B. der beeindruckende dokumentarische

    Brief von Antonio Blanco aus Cordoba über den Kampf einer Gruppe von

    Wanderfreunden gegen die Sperrung der Wege für Wanderer in Andalusien

    (Nr. 14, 2005, 6),

   Wanderer-Feedbacks mit kritischen Meldungen z.B. über verfallende

    Markierungen oder häßliche Umweltverschandelungen auf den Wanderwegen,

 •  nützliche Wandertips und konkrete Hinweise zur Ausstattung für Anfänger

    oder interessante Einführungen z.B. in das widersprüchliche Verhältnis von

    Wandern und Fotografieren,

 •  Hinweise auf neu erschienene Karten, Wanderführer, regional orientierte

    Pflanzen- oder Pilzbücher usw.,

 •  Rezensionen,

 •  Berichte und kritische Einschätzungen zu technischen Neuerungen im Bereich

     von Wander- oder Kletterhilfen.

 

Trotz dieser nicht nur in ihrer Summe, sondern auch im einzelnen sehr nützlichen und sicherlich wünschenswerten Informationen könnte man aus der Sicht des an der praktischen Verwendung interessierten Wanderers durchaus kritisch reagieren. Das Format der Zeitschrift ist unhandlich. Die Hefte sind schwer. Das Hochglanzpapier ist regenempfindlich. Die einzelnen Beschreibungen können für den Gebrauch nicht herausgelöst werden. Die stark schematisierten Karten sind im Gelände eher unbrauchbar. Das Design ist oft geradezu contraproduktiv, so wenn z.B. der Wegverlauf in Form einer gelb punktierten Linie in eine Karte eingezeichnet ist, die die Höhen zwischen 500 und 1000 m generell in Gelb, d.h. in der gleichen Farbe, darstellt. Die Wegbeschreibungen sind äußerst knapp gehalten und in der Regel den geringen und dann noch schematisierten Informationen der Karten nicht zuzuordnen. Die wunderschönen Fotos wären wenigstens gelegentlich als Orientierungshilfe geeignet – wenn man sie denn mitnehmen könnte.

 

So berechtigt diese Kritik auch wäre, das Konzept dieser Zeitschrift scheint sie eher zu verfehlen, denn die für Wanderführer typische Form von gebrauchspraktischer Gestaltung und detaillierter Wegbeschreibung liegt offensichtlich gar nicht in der Absicht der Herausgeber. Schon die äußere Form macht das deutlich, und die Struktur der Inhalte bestätigt es Heft für Heft.

 

Die Zeitschrift soll offenbar nur auf Möglichkeiten hinweisen, Informationsquellen erschließen, Entscheidungskriterien liefern, Planungshilfen anbieten und Lust aufs Wandern und Ausprobieren machen. Für diesen Zweck nutzen die Herausgeber tatsächlich alle medialen Möglichkeiten. Wer sich also nach der Lektüre eines Heftes für ein besonderes Gebiet interessiert, erhält in diesem Heft praktisch alle Informationen und Entscheidungshilfen, die er braucht, um einen bestimmten Weg und eine passende Jahreszeit auszuwählen bzw. alle weiterführenden Informationen, um den Zugang, die Ausrüstung, die Unterkunft usw. detailliert zu planen. Die schematisierte Zeichnung wird ihm behilflich sein, den Wegverlauf der gewählten Wanderung in die Karte einzutragen, über deren Bezugsmöglichkeit er genau informiert wurde. Diese Karte bzw. den empfohlenen Wanderführer wird er dann tatsächlich mit sich führen, nicht aber das Heft, das ihn auf die Wanderung und auf die Existenz des Führers hingewiesen hat.

 

Darüber hinaus aber verfolgen die Herausgeber eine differenzierte pädagogisch-politische Absicht:

 

  Sie versuchen, eine Nation, deren neuer Mittelstand ohne Wandertradition zu sein scheint, auf das Sich-frei-Bewegen in der Landschaft einzustimmen und die entsprechenden Verhaltensweisen zu erziehen, die nicht nur für ausgewiesene Naturschutzgebiete, sondern generell zum Schutz von Landschaft, Flora und Fauna unabdingbar sind. Einige Titel der Editorials sprechen dies unmittelbar an: „Der Weg, eine Schule“1 [6/7 (2004), 14 (2005)], „Schützen wir die Umwelt!“ [17 (2005)], „Wie wandern durch geschützte Natur“ [18/19 (2005)], „Der Wandersport – eine Lebenskunst“ (15 (2005)].

 

Sie versuchen, die Vorstellung der freien Zugänglichkeit der Landschaft auch gegenüber den gerade in Spanien oft äußerst rigide eingestellten Privateigentümern zu verbreiten und selbstverständlich zu machen.

Sie bieten ein Kommunikationsforum, um in den zersplitterten 17 Autonomen Regionen Spaniens eine Vereinheitlichung oder wenigstens Vergleichbarkeit der politischen und administrativen Bedingungen für die Erhaltung und Förderung der überregionalen Wanderwege voranzutreiben.

 

Offensichtlich reagieren sie aber auch auf das speziell in Spanien besonders prekäre Problem, daß die Isolierung und Entvölkerung großer ländlicher Räume dringend auf die Förderung des Tourismus auch in Form einer Intensivierung der Wanderbewegung auf lokaler Ebene angewiesen ist, eben dieses aber ohne die entsprechenden notwendigen Verhaltensnormen einer angemessenen Umweltbegegnung sehr schnell zur Zerstörung eben derjenigen Werte führt, die den Tourismus anreizen und die Infrastruktur fördern sollen. Wandern ist nicht längst nicht mehr die individuelle Form der Selbstfindung oder Selbstverwirklichung, sondern umworbene Form der Freizeit- und Wochenendveranstaltung Vieler. Der Wandersport ist „bevorzugte Zerstreuung von Millionen von Menschen“. Senderismo als Infrastrukturmaßnahme2.

 

Sie regen an, den Wandersport als Mittel der grenzüberschreitenden Völkerverständigung zu nutzen: „Europa ohne Grenzen“ [8 (2004)], „Der europäische Wandersport bewegt sich“ [16 (2005)]

 

Mit solchen Zwecksetzungen kommen die Herausgeber ohne Zweifel den Interessen vieler Menschen entgegen. Wie es scheint, ist die von ihnen gewählte moderne Form dafür besonders zweckmäßig.

 

Insgesamt komme ich zu einer durchaus positiven Einschätzung:

 

Die Zeitschrift ist mit ihrem komprimierten einmaligen Informationsangebot für jeden – allerdings wohl nur für den spanischsprechenden – Interessenten an den unendlich vielfältigen und äußerst interessanten Wandermöglichkeiten auf der Iberischen Halbinsel und den zugehörigen Inseln ein nicht zu überbietendes Kompendium und Hilfsmittel.

 

Für Wandervereine und -Verbände in anderen Ländern (z.B. auch für das Netzwerk Weitwandern) ist die Zeitschrift ein wichtiger und ernst zu nehmender Kommunikationspartner für alle kulturellen, ökologischen und politischen Fragen im Grenzgebiet von Wandern, Tourismus, Förderung von ländlicher Infrastruktur und Umweltschutz, aber auch von Wander- und Umwelterziehung, Freizeitgestaltung und ehrenamtlichem Engagement.

 

1 „Von Anfang an ist es eines der Ziele der Zeitschrift Caminar, auf ihren Seiten eine gleichbleibende Informationsarbeit für unsere Leser zu leisten. ... Indem wir der Tatsache Rechnung tragen, daß jede Art von Publikum in jedem Alter und mit jeder körperlichen Kondition den Wandersport betreibt, kann jeder wählen, was seinen Fähigkeiten und Wünschen am meisten entspricht. Der Weg kann und soll ein Erziehungsmittel und das vielfältige Herbergsnetz dafür eine kulturelle Grundlage mit bemerkenswerten Themen sein. Nicht zum ersten Mal betonen wir das Wesen dieser Tätigkeit, die mehr befriedigt als irgendein anderer Sport. Wie eine Schule der Freiheit, für den Körper und den Geist, dient der Weg als solcher dazu, die Kenntnis seiner Umgebung zu verbessern: Die bloße Tatsache des engen Sich-Bekanntmachens mit dem Gelände bewirkt den Erwerb von Nähe und Intuition, Kenntnis und Sicherheit, etwas, was sonst nur die professionellen Führer oder die Gelehrten der besuchten Gegend besitzen. Auf jeden Fall besitzt jeder Weg seinen eigenen pädagogischen Wert.“

 

2 „Die ländliche Umwelt wandelt sich zunehmend in einen Erholungsraum mit allen Vorteilen und Unannehmlichkeiten, die das mit sich bringt. Der Austausch der traditionellen Produktionsformen durch andere neue, der Verlust spezifischer kultureller Eigenheiten, die Übervölkerung und der Verlust von Umweltqualität empfindlicher oder sensibler Räume und die Zunahme der Konflikte mit der Bevölkerung sind nur einige dieser Nachteile. Zu den Vorteilen gehört der Beitrag zur Entwicklung des ländlichen Raumes, die Förderung der Dienstleistungen und des Konsums lokaler Produkte. Tatsächlich bedeuten diese Vorteile einen Ansporn und eine „neue Hoffnung“ für Gebiete mit schweren Bevölkerungskrisen. Dieser Prozeß kann Modernisierungsbewegungen stimulieren, dies aber immer im Rahmen einer konsequenten Strategie, die das Gebiet ordnet und die Wiederherstellung und Bewahrung seiner ererbten Ressourcen und sozialkulturellen Werte verstärkt. In diesem Kontext erscheint der Wandersport als eine der wichtigsten Aktivitäten mit großen Rückwirkungen auf die ländliche Umgebung.“ [4 (2004)]

 

 

Buchsprechung über den "Rheinsteig" siehe auch Seite

"Wanderberichte - Deutschland"

 

Wandern „auf hohem Niveau“ –

Erfahrungen vom neuen Rheinsteig

 

Von Lutz Heidemann

 

 

Hennig, Christoph:

Cinque Terre / Ligurische Küste

Die Riviera von Genua bis La Spezia

 

Oase Verlag: Badenweiler 2003

ISBN 3-88922-062-2

 

Buchbesprechung von Frank Rainer Scheck

 

Gelegentlich erscheinen auch außerhalb der bekannten Bergverlage Bücher, die für den Weitwanderer interessant sind (aber übersehen werden). Dies ist eines davon. Der Autor, Christoph Hennig, bietet mehr als einen konventionellen Reiseführer zur ligurischen Küste (Riviera di Levante) und zum schönen Weinbauerngebiet der Cinque Terre ganz im Süden Liguriens – auf den Seiten 283-309 bzw. 94-97 unterbreitet er uns den Vorschlag zu einer Streckenwanderung von Nervi (an den Südwesttoren Genuas) nach Portovenere (nahe der Hafenstadt La Spezia).

 

Die skizzierte Route, von Hennig etwas vollmundig als »große Tour« bezeichnet, hält sich – und das ist eine Überraschung – fast immer in Küstennähe. Während die Alta Via der Ligurischen Berge von der Höhe Genuas bis zur Höhe La Spezias 20 Tagesetappen benötigt, kommt Hennigs meernahe Streckenführung mit nur 9 Etappen aus. Wer die verbaute ligurische Küste mit ihren überlasteten Straßen kennt, mag dem Projekt, küstennah zu wandern, zunächst skeptisch gegenüberstehen. Doch ist es Hennig offenbar gelungen, eine Route zu enntwickeln, die weithin auf alten Maultierpfaden und bäuerlichen Nutzwegen verläuft und somit den Prinzipien eines sanften Tourismus genügt. In den zersiedelten Küstenorten wird zwar genächtigt (das üppige Angebot an Unterkünften lädt dazu ein), des Morgens aber verflüchtige sich, so verspricht es uns der Autor, schon nach einer Viertelstunde Marsch durch Neubauviertel der Straßenlärm, und man gelange in einsames Terrain, wie man es in unmittelbaren Rückraum der Küste kaum erwarten würde. Des Abends dann nochmals 15 Minuten Trottoir – und man tauche aus der ländlichen Idylle wieder ein in den schnellen Rhythmus des ligurischen Tourismus. Nur einmal, zwischen Chiavari und Lavagna, geht man, Hennigs Angaben zufolge, über 2 km durch reizlose Stadtrandgebiete.

 

Der Autor weiß auch sonst Appetit auf die etwa 130 km lange Riviera-Route zu machen, so wenn er schreibt: »Auf der ganzen Wanderunng hat man fast immer das Meer vor Augen: mal von Nahem, öfter aber von der Höhe der Hügel und Berge. Unglaublich weite Blicke, nach Süden hintereinanderliegende, sich zum Wasser senkende Bergketten, nach Norden der bis ins Frühjahr schneebedeckte Bogen der Alpen und des Appenins. Je weiter man nach Südosten kommt, desto steiler und dramatischer fällt das Land zum Meer ab, bis hin zu den großen Felsabstürzen ganz am Schluß vor Portovenere.«

 

Die Tagesetappen sind mit 3:30 bis 6:30 Stunden Gehzeit eher moderat bemessen, desgleichen die Höhenunterschiede – ein Aufstieg von 900 m ist die größte Herausforderung. Hennig warnt davor, die Strecke im Hochsommer (Juli bis September) zu gehen: nicht nur wegen der Hitze, sondern auch wegen der Dunstschleier, die dann die Weitsicht einschränken. Am besten, man bricht im Frühjahr oder Herbst auf, aber auch der Winter kommt für die Tour in Frage, da die Durchschnittstagestemperaturen dann immer noch bei angenehmen 8 – 12 Grad Celsius liegen. Ist eine kleine Zeitreserve eingeplant, könnte man an Regentagen z.B. ins kunsthistorisch unterschätzte Genua fahren (entlang der Küste Eisenbahnverbindungen in dichtem Takt) oder über La Spezia nach Pisa und Lucca; das wären dann wahrlich keine ‚verlorenen‘ Tage.

 

Hennigs Etappengliederung:

1. Etappe: von Nervi, einem Küstenort südwestlich von Genua, 

                nach Camogli (6:30 Std.)

2. Etappe von Camogli nach Rapallo (5 Std.)

3. Etappe: von Rapallo nach Chiavari (5:30 Std.)

4. Etappe: von Chiavari nach Sestri Levante (4:30 Std.)

5. Etappe: von Sestri Levante nach Moneglia (4:30 Std.)

6. Etappe: von Moneglia nach Bonassola (5 Std

7. Etappe: von Bonassola nach Monterosso (3:30 Std.); 

                hier erreicht man die Cinque Terre

8. Etappe: von Monterosso nach Riomaggiore (4:30 Std.)

9. Etappe: von Riomaggiore nach Portovenere (4:30 Std.)

 

Die Tourenbeschreibungen sind – ich urteile nach den beiden letzten Etappen in den Cinque Terre, die ich gegangen bin – durchweg präzise. Der Autor, der als Schriftsteller und Reiseleiter jahreszeitlich in dem Cinque-Terre-Örtchen Corniglia lebt, kennt sich bestens aus.

 

Übrigens stellt Hennig neben der „großen Tour“ in seinem lebendig und intelligent, manchmal vielleicht etwas salopp geschriebenen Buch auch zahlreiche Tageswanderungen vor. Sie führen über die steilen Hänge der Cinque Terre mit ihren faszinierenden Dörfern – am schönsten wohl Vernazza und Riomaggiore – und durch das Naturschutzgebiet am Kap von Portofino, wo der Weiler San Fruttuoso längst kein Geheimtip mehr ist.

Alle Routenbeschreibungen werden ergänzt durch Hinweise auf Sehenswürdigkeiten und auf Einkehr- wie Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs (der Autor erweist sich dabei als genußbereiter Schlemmer), auf Unterkünfte und geeignetes Kartenmaterial. Die ‚handgemachten‘ Skizzen, mit denen der Verlag das Buch ausgestattet hat, sind zur ersten Orientierung durchaus hilfreich, ersetzen aber nicht die Landkarten, z.B. die des Studio F.M.B. Bologna.

 

Alles in allem eine erfreuliche Publikation mit einer Weitwanderroute, die zu erproben sich lohnen dürfte.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 11 - August 2003

 

 

Neue deutsche Wanderführer für England

 

Von Walter Brückner

 

Für Deutsche war Wandern in Großbritannien lange Zeit nur etwas für Eingeweihte. Dafür gab es viele Gründe. Ein wichtiger Grund war, dass es keine deutschsprachigen Führer gab. Der Conrad Stein Verlag, In der Mühle, 25821 Struckum, hat sich in seiner Reihe: „Der Weg ist das Ziel“ nun dankenswerter Weise daran gemacht, hier langsam Abhilfe zu schaffen. In Großbritannien waren viele Dinge schon immer etwas anders als auf dem „Kontinent“. Das gilt auch für die Bedingungen beim Wandern. Für Unkundige ist es deshalb angeraten, mit einem offiziellen Langstreckenwanderweg zu beginnen. Hier sind es nun vier, die es anzuzeigen gilt:

 

•  Ueli Hintermeister, „England: Pennine Way“,

   Outdoor Handbuch Band 64 ISBN 3-89392-164-8 12,90 Euro

 

•  Ingrid Retterath, „Wales: Offa`s Dyke Path“ ,

   Outdoor Handbuch Band 98 ISBN 3-89392-198-2 9,90 Euro

 

•  Hartmut Engel,“Schottland: West Highland Way

   Outdoor Handbuch Band 26 ISBN 3-89392-626-7 12.90 Euro

 

•  Ulrike Katrin Peters/Karsten Thilo Raab, „England: Cleveland Way

   Outdoor Handbuch Band 150 ISBN 3-89392-550-3 9.90 Euro

 

Der Pennine Way ist etwas Besonderes und das nicht nur weil er über 400 km lang ist und der erste offizielle Langstreckenwanderweg Großbritanniens war. Er läuft weitgehend auf den Höhen der Pennines, dem Rückgrat von England, und zwar vom Peak District bis knapp über die schottische Grenze. Eigentlich enden die letzten Ausläufer der Pennines am Hadrianswall, aber man hat die Strecke zu und über die Cheviots, den Grenzbergen zwischen England und Schottland, weitergeführt. Seine Moor- und Heidegebiete - absolut trostlos bei Regen - haben ihren eigenen Reiz, und eine ganze Reihe von Höhepunkten hat die Strecke auch aufzuweisen. Obwohl es inzwischen längere und weit anstrengendere Weitwanderwege gibt, wird der Pennine Way immer noch als der Prüfstein, die Bewährungsprobe für körperliches und seelisches Durchhaltevermögen angesehen.

 

Der vorliegende Führer beschreibt nicht nur die Streckenführung genau, er gibt auch ausgezeichnete Informationen zu Flora, Fauna, Landschaft und Geschichte des jeweiligen Streckenabschnittes. Besonders wertvoll sind die Angaben zu Übernachtungs- und Einkaufsmöglichkeiten usw. Sie ermöglichen es, die Strecke gegebenenfalls nach den eigenen Bedürfnissen einzuteilen. Erfreulicherweise gibt es viele Jugendherbergen an der Strecke. Bei den hohen Preisen der Privatquartiere sind günstige Übernachtungsmöglichkeiten hoch willkommen. Wer die Strecke bis Byrness geschafft hat, dürfte dann so fit sein, dass er ruhig versuchen kann, die letzten 42 km nach Kirk Yetholm durchzulaufen, wie es viele machen. Das ist dann der krönende Abschluss. Man sollte ausreichend Zeit einplanen, auch den einen oder anderen Regen- oder Ruhetag. Nichts ist schlimmer, als zwei oder drei Tage vor Ende der Strecke abbrechen zu müssen, weil der Urlaub abgelaufen ist. Ein Zelt macht unabhängig, zumal ein Quartier nicht immer garantiert ist.

 

Der Offa`s Dyke Path ist ein themenorientierter Weg, das heißt, er folgt den Resten dieser ehemaligen Grenzbefestigung. Er ist kürzer als der Pennine Way, weniger beschwerlich und führt weit häufiger durch Farmland. Dafür wird dann kulturell mehr geboten. Auch dieser Führer beschreibt den Wegverlauf genau (wegen der starken landwirtschaftlichen Nutzung besonders wichtig ) und gibt wertvolle Informationen zu Landschaft, Geschichte usw. Je mehr man über eine Gegend weiß, um so interessanter wird die Wanderung. Man läuft einfach mit offeneren Augen durchs Land.

 

Der West Highland Way ist eigentlich zu kurz für eine eigenständige Wanderung, selbst wenn man den einen oder anderen Regentag berücksichtigt. Dem Autor des Führers ist das auch bewusst, denn er schlägt selbst Alternativstrecken bzw. zusätzliche Bergbesteigungen vor. Man muss sich auch klar machen, dass der Weg nur durch Täler oder über Pässe führt. Wer mehr will, muss das selbst planen. Naheliegend wäre nicht nur eine Besteigung des Ben Nevis, sondern eine Fortsetzung entlang der anschließenden Kette bis zum Loch Treig, mit Rückkehr auf der Kette der Mamores am Südrand des Glen Nevis oder durch das Glen Nevis weiter zuwandern Richtung Ostküste. Der Führer beschreibt die Wegführung minutiös und gibt hilfreiche und wertvolle Hinweise.

 

Der Cleveland Way war nach dem Pennine Way der zweite offizielle Langstreckenwanderweg Großbritanniens. Mit rund 175 km Länge ist er eher kurz, bietet dafür aber eine ganze Menge: die Heidelandschaften des „North Yorkshire Moors“-Nationalparks, in den letzten Jahrhunderten vom inzwischen stillgelegten Bergbau beherrscht, Kloster- und Abteiruinen, dann die Strecke entlang der Ostküste mit seinen malerischen Fischerdörfern und deren aufregender Geschichte. Die „Moors“ waren schon immer ein beliebtes Wander- und Ausflugsgebiet und sind von zahlreichen weiteren Wanderwegen durchzogen. So laufen streckenweise der etwa 65 km lange Lyke Wake Walk und Wainwright`s „Coast to Coast Path“ parallel, deren Endpunkte in Ravenscar bzw. Robin Hood`s Bay vom Cleveland Way wieder berührt werden. Die Küste ist eine „Bröckelküste“ und muss deshalb mit Vorsicht behandelt werden. Ganze Dörfer sind in der Vergangenheit schon vom Meer verschlungen worden.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 18 - Dezember 2005

 

 

Auf Österreichs Großen Wegen – Die neuen Wanderführer

der Sektion "Weitwanderer" des ÖAV

 

Von P. Heinz Schulte SJ, München

 

Nach dem erstaunlichen Erfolg des ersten alpinen Weitwanderweges in Österreich, des "Nordsüdweitwanderweges" vom Nebelstein an der tschechischen nach Eibiswald an der slowenischen Grenze, dessen Idee von dem Bildhauer Carl Hermann stammt und der 1970 eröffnet wurde, hatte der ÖAV durch Ministerialrat Dr. R. Wurst einen Generalplan für zehn solcher Weitwanderwege durch Österreich erstellen lassen. Vier große Ost-Westwege, vier Nord-Südwege, ein Wegestern zum Wallfahrtsort Mariazell und ein Weg an der Ostgrenze Österreichs, die – außer dem 07 – alle zum größeren oder kleineren Teil auch durch alpines und hochalpines Gelände führen, wurden in den folgenden Jahren verwirklicht, markiert, mit Wegetafeln versehen und die Führer dazu wurden im Verlag Styria/Graz veröffentlicht.

 

Wie zu erwarten war, wurden diese Wege unterschiedlich "angenommen". Der Führer zum klassischen Nordsüdweitwanderweg, der heute die Nummer "05" trägt, beispielsweise, hat bereits die 5. Auflage, der zum Zentralalpenweg 02 und der zu den sechs Mariazeller Wallfahrtswegen, deren vier. Andere – ebenfalls hervorragend schöne Weitwanderwege (ich bin sie alle, teils mehrfach, ganz gegangen) -sind von den Weitwanderern weniger angenommen worden. Ich habe denn auch bei meinen Begehungen des 08 und des 09 in den Hüttenbüchern der Alpenvereinshütten nur sehr wenige Eintragungen von Begehern dieser Wege angetroffen. Eintragungen von Weitwanderern fanden sich stets dann, wenn die Hütte am Kreuzungspunkt von 08 und 09 mit dem Zentralalpenweg oder dem Nordalpenweg lagen.

 

Der Verlag Styria hat deshalb einige Führer aus dem Programm genommen, Restexemplare an die Sektion Weitwanderer des ÖAV zum Verkauf gegeben und führt nur noch die Führer zu 01, (02?), 05 und 06 im Verlagsprogramm. Die Sektion Weitwanderer hat deshalb 2003 auch damit begonnen, Neubearbeitungen der bei Styria auslaufenden Führer zu erstellen, im Eigenverlag zu drucken und selbst zu vertreiben. Zur Zeit sind also im Fachhandel erhältlich die Styriaführer zu 01 und 05, wohl bisweilen auch noch 02; über die Sektion Weitwanderer (Thaliastr. 159/16, A-1160 Wien), die neuen Führer zu 03, 08, 09 und 10 sowie zu einem Sonderpreis Restexemplare von 02, 04 und 07; über den Fachhandel und über die Sektion Weitwanderer der Führer zum Mariazeller Wegestern 06. Diese Umstellung scheint noch nicht völlig zum Abschluss gekommen zu sein. Deshalb ist es nützlich, sich auf jeden Fall im Internet unter www.alpenverein.at/Sektionen/Weitwanderer über den jeweils aktuellen Stand zu informieren.

 

Die neuen Führer zu 03, 08, 09 und 10 möchte ich hier vorstellen. Sie sind sämtliche vom Ehepaar Fritz und Erika Käfer/Wien unter Mitarbeit verschiedener Freunde aus der Sektion Weitwanderer verfasst. Fritz Käfer ist der Vorsitzende der Sektion Weitwanderer des ÖAV. Natürlich basieren diese Führer, wie im Vorwort offen gesagt wird, zunächst einmal auf den Vorgängerauflagen dieser Führer. Einige der Verfasser dieser Vorgängerauflagen haben auch an der neuen mitgearbeitet. Diese Führer sind aber weitgehend eine neue Arbeit, eine bewundernswerte Arbeit.

 

Zunächst zum Äußeren.

 

Die bisherigen Styria-Weitwanderführer haben das Maß 16,5 x 11,5 cm. Sie sind damit "anoraktaschengerecher" als manche andere Weitwanderführer. Auch in meine Anoraktasche passen sie, nicht aber in die Schenkeltaschen meiner Berghosen. Die neuen Führer sind schmaler und damit höher: 20,5 x 10 cm. Sie passen jetzt auch in meine Schenkeltaschen – und wie oft geht man auf Weitwanderwegen, besonders auf alpinen, schwitzend im kurzärmeligen Hemd und der Anorak steckt im Rucksack! Der etwas höhere Führer schaut zwar oben knapp aus der Schenkeltasche heraus. Das ist für mich aber unerheblich. Ich habe jedenfalls so den Führer (wie die Landkarte) unterwegs mit einem Griff in der Hand. Die Führer enthalten keine teuren, bunten Landschaftsfotos mehr wie manche Styriaführer, sondern zwei Typen von Grafiken: Höhendiagramme und Kartenausschnitte 1:200 000, in denen der Weg eingezeichnet ist. Die Höhendiagramme sind ganz ausgezeichnet, übersichtlicher als die bisherigen. Die Kartenausschnitte sind für mich der einzige Kritikpunkt an den jetzigen Führern. Einerseits finde ich es vernünftig, eine Druckweise zu verwenden, die preiswert bleibt. Die neuen Führer sind überhaupt erstaunlich preiswert. Andererseits ist die Reproduktion von manchen dieser Kartenausschnitte wenig deutlich. Sie sollen ja nicht die mitzuführende Landkarte 1:50 000 ersetzen, sondern helfen, auf dieser den Weg genau zu finden. Manche dieser Repros sind aber undeutlich. Ich frage mich, ob bei einer neuen Auflage nicht, wie in den früheren, Federzeichnungen drucktechnisch passender wären.

 

Zum Text

 

Die Einleitung bietet in allen vier Bändchen Hinweise zum Charakter und der Markierung des betr. Weges, zur Vorbereitung und knapp zur Ausrüstung und dem nötigen Kartenmaterial, zu den österr. Schwierigkeitsgraden von Weitwanderwegen und den Bedingungen zum Erwerb der Weitwander-Leistungsabzeichen. In den Führern zum Eisenwurzenweg und zum Rupertiweg findet sich der überarbeitete Text der guten Naturkundlichen Einführung von Karl Mor aus der Styria-Auflage. Höchst lobenswert ist, dass alle vier neuen Führer am Ende jetzt einen alphabetischen Ortsindex haben, der es bedeutend erleichtert, sich geografisch zu orientieren.

 

Der Text der Beschreibung der Einzeletappen kann einem wirklich Freude machen. Zunächst zu seiner neuen Form: Es werden zwei Drucktypen verwendet: Die detaillierte, auf den gegenwärtigen Stand gebrachte, weithin auch sprachlich umformulierte, ausgezeichnete Beschreibung der Wegführung selbst ist in der geradestehenden "Antiqua" gesetzt, alle Zusatzbemerkungen kursiv, z.B. Allgemeine Einführungen in eine Etappe, Kulturelles, Hinweise auf kreuzende andere Weitwanderwege, Informationen zu einem evtl. Abbruch oder einer Zufahrt, zu Übernachtungsmöglichkeiten mit Telefonnummer zur Voranmeldung, zum Kartenmaterial, und zu möglichen, zusätzlichen Besichtigungen oder touristischen Abstechern. Die Öffnung der Grenzen hat vor allem für den Südalpenweg 03 eine Fülle von Neuem gebracht, das nun möglich geworden ist, das Carnia-Trecking, den Karnischen Höhenweg, Gipfel und Klettersteige. Besonders gefallen hat mir, dass alle vier Führer jetzt nicht nur die Gesamt-Kilometer und die Gesamt-Gehzeit eines Tages angeben, sondern in der Überschrift jedes Tages viel detaillierter als die früheren Auflagen, Höhenmeter, Kilometer und Zeiten der "Einzelstücke" eines Wandertags und am Ende die Gesamtzahl nennen. Varianten werden genannt (z.B. im 10er, die A-Variante im Innviertel), auch hinzugefügt, wie die gerade genannten neuen Möglichkeiten im karnischen Hauptkamm am 03er, aber teils, wohl der bisherigen Erfahrung folgend, auch stillschweigend gestrichen, z.B. die "Hochalpine Variante" des alten Führers zum