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Zuletzt aktualisiert am: 21.08.08 |
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W a n d e r b e r i c h t e - S c h w e i z
Inhaltsverzeichnis: • Der Höhenweg des Calanca-Tals Von Frank Rainer Scheck
von Frank Rainer Scheck
Auf
dem „Sentiero Alpino“ von Santa Maria
nach San Bernardino
Charakter und Geschichte des Höhenwegs
Zwischen der Valle Mesocco (schweizerdeutsch.: Misox), durch die von San Bernardino der Autoverkehr Richtung Bellinzona fließt, und den Tessiner Tälern Leventina und Riviera, durch die vom Gotthard und vom Lukmanier her Autourlauber und Lastwagenkolonnen (durch Leventina/Riviera auch in dichtem Takt Güter- und Personenzüge) Richtung Bellinzona und weiter nach Mailand brausen, zwischen Lärm hüben und Lärm drüben also, liegt ein einsames, stilles, wildes Tal: die Valle di Calanca. Sie gehört zum schweizerischen Kanton Graubünden, öffnet sich jedoch in ihrer Bergumfassung nach Süden in die italienità und ist sprachlich auch von dorther bestimmt. Nicht der ferne Bündner Hauptort Chur, sondern die nur wenige Dutzend Straßenkilometer entfernte Tessiner Kantonshauptstadt Bellinzona bildet für die Bewohner von Calanca-Dörfern wie Rossa, Cauco und Selma den ‚zivilisatorischen Andockpunkt‘. Dem trägt der Linienbusverkehr Rechnung, der das Örtchen Grono, bei dem das Calanca-Tal ins Misox mündet, mehrfach täglich mit dem Tessiner Zentrum verbindet. Auch sonst hat das Graubünden des Calanca-Tals nichts zu tun mit der preistreibenden touristischen Geschäftigkeit, durch die etwa das illustre bündnerische Engadin den Stille und Naturerlebnis suchenden Bergwanderer irritiert. Weder klingen im Calanca-Tal, das von der Calancasca durchflossen wird, die großen Namen exklusiver Winterkurorte auf, noch blickt man hier zu Drei- oder Viertausendern auf, um deren Fuß sich die Bergsteigerzunft mit begehrlichen Blicken schart.
Um
nicht mißverstanden zu werden: Auch das Calanca-Tal hat seine anspruchsvollen
Gipfel, aber ihre Namen (etwa der Piz Pian Grand 2668 m oder der Pizzo di Strega
mit 2912 m) sind außerhalb der Talschaft kaum bekannt, ausgenommen der des
Zapporthorns (3152 m) im nördlichen Talschluß – ein markanter ‚Mutterberg‘,
Daß man
heute die gesamte Ostseite der Valle di Calanca, wild und abschüssig wie sie
ist, auf einem klar markierten und gut gewarteten Fußweg traversieren kann, ist
an erster Stelle das Verdienst von Wilfried Graf, Lehrer aus Binningen in der
Deutschschweiz, der Anfang der 1970er Jahre, als er im Calanca-Tal ein
Ferienhaus erworben hatte, daran ging, die verfallenden und zuwachsenden
Alppfade auf den Osthängen zu rekonstruieren. Ließ sich die Bereinigung
traditionell begangener Pfade, die mit der Axt freizuschlagen waren, noch mit
der Tatkraft eines engagierten Einzelnen bewältigen, so bedurfte es überall
dort am Calanca-Steilhang, wo älplerische Spurvorgaben fehlten, vieler Muskeln
und Willenskräfte, um durch die Anlage neuer Wegstücke eine durchgehenden
Route zu schaffen. Es gelang Graf (im Rahmen des staatlich geförderten
Jugendaustauschs), eine international zusammengesetzte Gruppe dafür zu
gewinnen, 1978 die ersten neuen Pfade zu trassieren. Die jungen Leute operierten
von hochgelegenen Zeltstationen aus und bewiesen im Gelände viel Courage, wenn
sie mit Hacke und Spaten schwach ausgeprägte Wildwechsel und ‚gedachte Linien‘
am Hang zu ebenen Pfaden ausbauten. Aus dem fruchtbaren Arbeitszusammenhang des
Pionierjahres heraus entstand der „Verein für Höhenwege im Calancatal“,
später umbenannt in „Associazione Sentieri Alpini Calanca“ (ASAC) und bis
heute fortbestehend. Die großzügig aufgerundeten Beiträge der Mitglieder –
aber auch Zuwendungen vieler Talbewohner – schufen die notwendige finanzielle
Basis für die Fortführung des Projekts. Schon im Sommer 1981 war der Höhenweg
auf der Ostseite des Calanca-Tals zwischen Santa Maria im Süden und San
Bernardino im Norden in ganzer Länge begehbar, in vielen Passagen allerdings
noch ungesichert. In seiner heutigen, befestigten (da und dort Fixketten oder
–seile, eine Metalleiter) Gestalt besteht er, durchgehend
Der
Calanca-Höhenweg, wie die Deutschschweizer ihn kurz nennen, konnte natürlich
nur dann Zuspruch finden, wenn nicht nur Pfade, sondern auch Unterkunft
geschaffen wurde. 1981 ermöglichte eine Spende des Schweizer Bundes (20 000
Franken) den Bau einer ersten Hütte, etwa auf der Mitte der Strecke, westlich
unter dem Buffalora-Paß, doch wurde der bescheidene Bau im Winter 1985 durch
eine Lawine zerstört. Für einige Jahre boten lediglich zwei
Selbstversorgerhütten, der Bivacco Pian Grand (2398 m - 14 Lager) und
der Bivacco Ganan (2375 m - 8 Lager), beide Sommer 1982 im Nordabschnitt
des Sentiero Alpino errichtet, den Weitwanderern Nächtigung. Die ebenso
zweckmäßige wie originelle Architektur dieser Hüttchen mit ihren dreieckig
bis zum Grund heruntergezogenen Bedachungen hat bei den Weitwanderern viel
Anklang gefunden. Ihnen steht hier alles Notwendige zur Verfügung:
Matratzenlager, Wolldecken, Gaskocher (gespeist aus Butangasgroßflaschen),
Kochgerät, Geschirr, Besteck, Gewürze, meist auch einige Grundnahrungsmittel,
die aber nur im Notfall angetastet werden sollten. 1987 entstand als
Hauptstützpunkt der Route eine neue Capanna Buffalora (2078 m),
bewirtschaftet zwischen Ende Juni / Anfang Juli und Anfang/Mitte Oktober. Die
schön zwischen Alpenrosenfeldern und Lärchengehölz gelegene Blockhütte
bietet in vier Räumen insgesamt um die 25 Lager. Als vierte Hütte, wiederum
eine einfache Selbstversorgerunterkunft, komplettiert seit einigen Jahren der Rifugio
Alp de Fora (1844 m/15 Lager) das Hüttenensemble am Calanca-Höhenweg. Zwar
stand die Alp auch zuvor schon als primitive Schutzhütte zur Verfügung, nun
aber, nach ihrer Neuausstattung, ist sie zum
Für eine solche Süd-Nord-Begehung spricht, daß die Mehrzahl der prekär ausgesetzten Stellen (z.B. Nomnom-Südseite, Fil de Ciar) nun im Aufstieg, nicht mit den im steilen Bergrevier unangenehmen Abstiegstiefblicken zu bewältigen ist. Angenehmer ist es auch, die Leiter im Schluß des feuchten, steinig-gerölligen Auriglia-Quertals im Auf- statt im Abstieg zu erklimmen. Außerdem erreicht die Süd-Nord-Traverse den höchsten Punkt (2514 m) des Sentiero Alpino - wie man es als Weitwanderer nach dem Prinzip der Steigerung schätzt - nun erst auf der vorletzten Etappe. Bei der traditionell bevorzugten Laufrichtung gegen Süden überschreitet man diesen Hochpunkt, den Bedoleta-Ostgrat, dagegen gleich auf der ersten Etappe. Somit also ein Plädoyer für eine Süd-Nord- statt für die gewohnte, in der Siedlung San Bernadino einsetzende Nord-Süd-Begehung!
Fordernd genug wird’s trotzdem, denn auch in ‚unserer‘, ein wenig leichter zu gehenden Richtung erfordert die kühne Trasse Aufmerksamkeit und Trittsicherheit (die ASAC selbst formuliert unmißverständlich: »Sentiero alpino - nichts für Spaziergänger«). Teleskopstöcke sind in den Steilpassagen hilfreich. Bei Schneeauflage (bis Ende Juni/ab Ende Oktober in den Hochlagen), aber auch im Dauerregen, wenn das Gefels rutschig wird, ist der Calanca-Höhenweg geübten, kaltblütigen Berggehern vorbehalten. Generell sollte man bei Wetterbedingungen, die den ohnedies anspruchsvollen Weg heikel machen, ohne falschen Stolz ins Tal absteigen, wo es z.B. in Braggio, Selma und Rossa Albergo-Unterkunft gibt.
Anfahrt: Von Bellinzona besteht im Sommer tagsüber alle zwei Stunden Busverbindung (insgesamt eine knappe Stunde Fahrt; Umsteigen in Tevegno) nach Santa Maria (955 m), einer Höhensiedlung auf der Bergzunge zwischen Calasca-Tal und Mesocco. Hier beginnt für uns der Höhenweg. Wer spätabends eintrifft findet im Albergo „Bellavista“ (Tel. 091/827 12 22), direkt neben der Kirche, eine schlichte, aber angenehme Unterkunft. Die Marienkirche des Örtchens, ältestes Gotteshaus des Calanca-Tals, besitzt übrigens eine sehenswerte Kassettendecke aus der Zeit der Renaissance. Von der Plattform des mittelalterlichen Wehrturms auf dem Felsen hinter der Kirche überblickt man das vordere Misox. Erster Tag: Der Sentiero alpino setzt ein mit einem knapp dreistündigen Waldaufstieg, der – streckenweise auf Forstwegen - über die Ferienhäuser von Nadi (1383 m), zuletzt in einer steilen, felsigen Passage, die mit einem Fixdrahtseil gesichert ist, zur Weidelichtung Pian de Renten (1914 m) führt. Von dort in einer guten Viertelstunde im Wiederabstieg durch Tannenwald nach Alp de Fora (1844 m), wo die erwähnte Selbstversorgerhütte steht. Man kann sich Zeit lassen auf diesem ersten Wandertag und etwa in Pian de Renten eine Rast einlegen, denn nur wer frühmorgens in Santa Maria aufgebrochen ist und über sehr gute Kondition verfügt, sollte sich zutrauen, bis zur nächsten Unterkunft (Buffalora-Hütte) durchzugehen - das würde sich zu einem sehr anstrengenden ersten Wandertag mit reichlich 9 Stunden reiner Gehzeit, real also 10 bis 11 Stunden, aufrechnen. Die meisten Wanderer, die in Bellinzona (gut bestückter Supermarkt, knapp 10 Min. vom Bahnhof: die Viale Stazione hinunter bis auf die Höhe der Post, dann rechts abzweigend durch die absinkende Via Claudio Pellandini bis zur Hauptdurchgangsstraße; Supermarkt unmittelbar rechts am Eck) Verpflegung für die Selbstbekochung auf Alp de Fora einkaufen, werden ohnehin erst am späteren Vormittag in Santa Maria eintreffen.
Zweiter
Tag: War der erste Tag bis auf das
Steilstück vor Pian de Renten technisch unproblematisch, eine
Es
geht nun wieder abwärts: zunächst problemlos in Weideterrain zu den Ruinen der
ausgedienten Alp d’Aion (1960 m) – guter Rastplatz, Quellwasser steht
zur Verfügung. Etwa eine halbe Stunde tiefer liegen die intakten, dachziegelrot
gedeckten Hütten der neuen Alp d’Aion. Verfallen ist dagegen auch die Alp
Aion desora (2093
Entlang von Fixseilen geht es, mit der gebotenen Vorsicht, aufwärts durch eine Rinne und bald auch über den Nomnom-Westgrat (Fil de Nomnom; 2427 m; höchster Punkt dieses Wandertags). Der Abstieg führt, zunächst wenig abschüssig, zu einem Quellplateau, danach, teils durch Blockfelder, zum Buffalora-Paß (2261 m) am tälerverbindenden Pfad zwischen Soazza (Misox) und Rossa (Calanca). Vom Paß sind es nur noch 20 bequeme Abstiegsminuten, in den obersten Baumbereich (Lärchen) eintretend, bis zur Buffalora-Hütte (2078 m; Tel. 091/828 14 67; empfohlen sei ein Anruf/Vorbuchung schon vor dem Aufbruch in Bellinzona). Mit den kleinen Exkursionen zu Gipfelpunkten ist man von Alp de Fora bis zur Capanna etwa 6:15/6:30 Std. reine Gehzeit unterwegs.
(Es gibt übrigens zwei Hütten, die den Namen Buffalora tragen. Die zweite liegt auf italienischem Territorium in den Bergen über dem Comer See am Weitwanderweg Via dei Monti Lariani. In beiden Fällen deutet man den auffälligen Namen als ‚Ort, wo der Wind weht‘.)
Wer
vor der ‚Königsetappe‘ des Calanca-Höhentags einen Bummeltag einlegen
will, kann von der Buffalora-Hütte aus Ausflugsziele wie den nahen Laghet
del Guald, einen kleinen Hochmoorsee (interessante Vegetation), oder den
Grat Semid de Cassiné mit Weitblick über das Calanca-Tal besuchen –
und ansonsten die Wadenmuskeln schonen.
Andererseits läßt sich offenbar auch eine lohnende Tagestour einschalten – ich bin sie selbst nicht gegangen. Sie ergibt sich aus dem Aufstieg zum Aussichtsgipfel Nomnom (2633 m; 1½ Std. von der Capanna Buffalora) und anschließender Überschreitung (reichlich 2 Std.) eines teilweise scharf geschnittenen Grats zum Piz de Groven (2693 m). Für die Rückkehr zur Hütte muß man um 3 Std. veranschlagen. Die Steige sind NICHT markiert.
Dritter Tag: Die ‚Königsetappe‘ des Calanca-Höhenwegs steht an - man ist etwa 8-9 Stunden (reine Gehzeit) unterwegs auf verwegenen Pfaden. Wer sich die fordernde Strecke durch wildes Gelände in ihrer ganzen Länge nicht zutraut oder wer von Schlechtwetter überrascht wird, kann in der Selbstversorgerhütte Rifugio Ganan, reichlich 3 Stunden von Buffalora, eine Zwischenübernachtung einlegen.
Entweder
von der Buffalora-Hütte auf dem Vortagspfad wieder hinauf zum
gleichnamigen Paß (ca. 30 Min.) oder auf einem etwas nördlicher verlaufenden
Alternativpfad, zunächst entlang einer Wasserleitung, dann über das
Pianon-Plateau (wo die erste Buffalora-Hütte stand). Nahe dem Ardion-Bach
gelangt man zurück auf den Höhenweg. Weiter geht es zu den Steinhütten der Alp
Calvaresc desora (2131 m; Notunterschlupf; auch Notabstieg nach Rossa im
Calanca-Tal möglich). In kurzem Aufstieg zu dem in einem Felskessel mit viel
Hangschotter gelegenen Seelein Lagh de Calvaresc (2214 m; 1½ Stunden von
Buffalora). Über den Dragiva-Steilhang (mit etlichen ausgesetzten Stellen)
erreicht man nach einer weiteren halben Stunde im Aufstieg den Steinmann auf dem
Piz de Ganan (2412 m; der ‚Piz‘ ist eigentlich nur ein Grathöcker).
Der folgende Wegabschnitt (‚Ganan-Weg‘) quert, zunächst leicht abschüssig,
Blockwerk und eine steile, Vorsicht erfordernde Schneerinne. Über Grasbänder
und Platten zum Tiefpunkt der Ganan-Mulde, dann Gegenaufstieg
Es schließt sich ein besonders dramatischer Wegabschnitt von reichlich einer Stunde an. Über den luftigen Gratvorsprung Fil de Ciar (2346 m) und den Steilhang Tonella di Ciar (unangenehm tiefe Blicke in die Sohle des Calanca-Tals) geht es durch die Büscenel-Mulde zum Übergang Bocchetta di Büscenel (2157 m; kurz nach dem Übergang Abstiegsmöglichkeit in die Val Large, ein Calanca-Seitental; man käme heraus im Weiler Valbella). Im Auf und Ab über Geröllhänge und durch Blockfelder, mehrere Bäche und Rinnen querend, tastet man sich in nordöstlicher Richtung noch knapp 1½ Stunden weiter vor, dann geht es steil hinab zum Lagh de Trescolmen (2025 m), einem kleinen rundlichen See, der zwischen viel Geröll und Felsen dem von Calvaresc (s.o.) ähnelt. Ein kaskadierender Bach führt im Wasser zu. Bei der nahen Alp de Trescolmen (2015 m) zweigt rechts ein Pfad ins Misox zum Hauptort Mesocco und links ein weiterer Pfad nach Valbella im Calanca-Grund ab. Diese Ost-West-Verbindung ist für uns jedoch ebenso irrelevant wie die am Buffalora-Paß (s.o.). Ein Serpentinenaufstieg bringt uns, zuletzt unangenehm steil, zum höchsten Punkt (2514 m) des Calanca-Wegs, dem erwähnten Ostgrat der Cima de la Bedoleta, der einmal mehr prachtvolle Ausblicke bietet. Inzwischen hält man jedoch genauso gespannt Ausschau nach den illustren Dreiecksgiebeln des Bivacco Pian Grand (2398 m), den man im Abstieg über Felsstufen und Blöcke nach etwa 20 Min. erreicht - nach all dem Auf und Ab der ‚Königsetappe‘ machen die Beine nämlich entschieden darauf aufmerksam, daß sie sich für heute genug bewegt haben.
Vierter
Tag: Aus unserer Gehrichtung von Süd
nach Nord resultiert am letzten Tag folgende Wahl: Man kann eine reichlich
vierstündige und aussichtsreichere oder - bei Schlechtwetter - eine Kurzroute
einschlagen, die bereits nach drei Stunden den Ort San Bernardino (1608 m) als
Endpunkt des Calanca-Höhenwegs erreicht. Ich skizziere im folgenden die
längere Trasse, die über den Passo de la Cruseta führt.
Nach erstem Abstieg vom Bivacco Pian Grand gabelt sich der Calanca-Höhenweg auf etwa 2230 m Höhe. Wir halten links, wobei in der Folge ein zwar wenig ausgeprägter, aber klar markierter Pfad zu gehen ist. Er führt im Wiederaufstieg über die Bocca de Rogna (2400 m) zum Passo de la Cruseta (2455 m; großer Steinmann). Von dort in einer knappen Dreiviertelstunde hinunter zum Passit-Paß (2082 m), dem zwei nahe Bergseelein landschaftlichen Reiz verleihen. Reichlich 1½ Stunden sind wir seit dem Bivacco Pian Grand unterwegs.
(Am Paß besteht die Möglichkeit, nordwärts weiterzugehen zum Passo San Bernardino - markierter Weg, eine interessante Variante; ca. 3½ Stunden bis dort.)
Wer dem Örtchen San Bernardino zustrebt, hält rechts = ostwärts und bei Punkt 1969 m nochmals rechts. Nahe der Alp d’Ocola (1874 m; die Alpe selbst wird nicht berührt) läuft unser Pfad auf den oben erwähnten kürzeren Abstiegsweg nach San Bernardino hinaus. Problemlos weiter abwärts, zunächst durch Lärchen-, dann durch Tannenwald. Bäche, bequem auf Stegen zu queren, entwässern zum Stausee Lago d’Isola (1604 m). Nahe der Seilbahnbodenstation bzw. dem Mund des San Bernardino-Tunnels kommen wir in der ‚Auto-Zivilisation‘ heraus. Über die Moesa-Brücke ins Zentrum von San Bernardino (1608 m), das mehrere Alberghi, aber auch eine Jugendherberge besitzt.
Abgang: Busverbindung, im Sommer tagsüber fast stündlich, über Splügen nach Thusis/Bahnhof und von dort weiter mit dem Zug nach Chur (insgesamt knapp 1½ Std.) oder aber, im selben Verkehrstakt, in die Gegenrichtung nach Bellinzona (knapp 1 Busstunde).
Am besten benutzt man die vorzüglichen Schweizer Landeskarten im Maßstab 1: 25 000, und zwar die Blätter 1254 (Hinterrhein), 1274 (Mesocco) und 1294 (Grono); ersatzweise die Landeskarten im Maßstab 1: 50 000, Blätter 267 T (San Bernardino) und 277 (Roveredo). - Die Karte Hinterrheintäler von Kümmerly + Frey, im Maßstab 1: 60 000 erfaßt zwar auf nur einem Blatt den gesamten Weg, ist aber im Wegdetail weniger genau.
Der Initiator des Calanca-Höhenwegs, Wilfried Graf, beschreibt in Bergwanderungen auf alten und neuen Wegen im Calancatal, Binningen 1996 (Selbstverlag des Autors, erhältlich gegen Banknoteneinsendung von € 15 an Wilfried Graf, Schweissbergweg 63, CH-4102 Binningen, Schweiz) die Calanca-Route von Nord nach Süd und bietet darüber hinaus zuverlässige Beschreibungen von Zugangswegen ebenso wie von Tagestouren im Tal. - Als Ergänzung für unternehmungslustige Wanderer, die sich länger im Calanca-Tal umsehen wollen, sei das Buch von Silvia Fantacci und Ueli Hintermeister: Val Calanca. 21 Wanderungen, Zürich: Rotpunkt Verlag 2002 empfohlen. - Eine knappe, bunt bebilderte Übersicht über den Höhenweg bietet das 2001 aufgelegte Faltblatt Sentiero Alpino Calanca der Associazione Sentieri Alpini Calanca (ASAC, Casella Postale, CH-6548 Rossa, Schweiz).
Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 13 - April 2004
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