Zuletzt aktualisiert

 am:   22.02.10

Europ   Alpen     AL   AND   B   BG   BIH   BY   CH   CY   CZ   D   DK   E   EST   F   FIN   FL   GB   GR   H   HR   I   IRL   IS   L   LT   LV   M   MC   MD   MK   MNE   N   NL   P   PL   RO   RSM   RUS   S   SK   SLO   SRB   TR   UKR   V

 

W a n d e r b e r i c h t e  -  D e u t s c h l a n d

 

 

Inhaltsverzeichnis:       Der Maximiliansweg  Von Hans Diem

                               •  Mit den Augen der Eifel  Von Tilman Kleinheins

                               •  Wanderbedingungen in Nordthüringen

                                  Von Dr. Lutz Heidemann

                               •  Der König - Ludwig - Weg   Von Günther Krämer

                               •  Themenwanderweg Kultur

                                  Von Willi und Helga Großkopf

                               •  Runde Hauptstadt - 

                                  66 Seen erwandert man auf einem Weg um

                                  Berlin herum

                                  Von Dr. Roland H. Knauer

                               •  Wanderbericht - Der Europäische Ferwanderweg 9

                                  in Mecklenburg-Vorpommern - Ein Flop!

                                  Von Lutz Heidemann

                               •  Wandern "auf hohem Niveau" - 

                                  Erfahrungen vom neuen Rheinsteig

                                   Von Lutz Heidemann

                               •  Mit dem Zelt von Lenggries nach

                                  Urdorf am Walchensee

                                  Von Markus Mohr

                                 Harzwanderung Mai 2006

                                  Von Gerhard Wandel

                                 Der Hunsrück - Terra incognita

                                  Von Werner Hohn

                                 220 km unterwegs auf Forstautobahnen und anderen Schotterwegen

                                         - manchmal auch auf Fußpfaden

                                  Von Hartmut Hermanns

                                 Entdecken Sie den Schwarzwald neu

                                  Von Hans-Georg Sievers

                                 Wandern wo andere Rad fahren

                                                                    Weitwanderwege auf Normal Null

                                  Von Werner Hohn

                                 In 6 Tagen 109 km auf der Via Alpina - dem Violetten Weg

                                                                    von Oberstdorf bis Garmisch

                                  Von Hans Diem

                                 Eine Wanderung entlang der deutschen Donau

                                  Von Günther Krämer

                               •  Durch das Dahner Felsenland

                                  Von Thomas Striebig

                               •  Pfingsten 2008: Unterwegs im Odenwald

                                  Von Walter Brückner

                               •  Auf dem Altmühltal-Panoramaweg

                                  Von Harald Vielahber

 

Der Maximiliansweg

Eine Überschreitung der deutschen Alpen von Lindau nach Berchtesgaden

 

Von Hans Diem

 

Die Wegbeschreibung von Hans Diem kann bestellt werden bei ALPINA-Buchversand, Postfach 1211, D-85606 Aschheim.

Der Maximiliansweg ist benannt nach König Maximilian II. von Bayern, der im Jahr 1858 eine Alpenreise von Lindau nach Berchtesgaden unternahm. Er wurde meist in Kutschen gefahren, ist aber auch teilweise geritten und zu Fuß auf einige Gipfel gestiegen. Im Jahr 1991 hat der DAV den Maximiliansweg eröffnet, er führt natürlich als reiner Fußweg in 22 Tagen 370 km weit von Lindau nach Berchtesgaden über fünf verschiedene Gebirge: 3 Tage lang durch das österreichische Bregenzerwald-Gebirge, 3 Tage über die Allgäuer Alpen, 4 Tage über die Ammergauer Alpen, 6 Tage über die Bayerischen Alpen, 5 Tage über die Chiemgauer Alpen und 1 Tag in den Berchtesgadener Alpen.

Der Maximiliansweg ist ein aussichtsreicher Balkonweg am Nordrand der Alpen, einerseits mit Tiefblick auf das bayrische Alpenvorland mit Wäldern, Wiesen, Seen und Dörfern, andererseits mit Ausblick auf die prächtige Bergwelt der Alpen. Aus schmucken Dörfern geht es durch Bergwälder hinauf zu Almen und Blumenwiesen, zu Hütten mit Bewirtung und Unterkunft, Bergwege führen weiter auf grüne Joche, Steige klettern auf felsige Gipfel mit Rundschau. Da drängt die Neugier weiter, ein Joch, ein Gipfel nach dem anderen lockt. Die Route benützt die unterschiedlichsten Wege von der Autostraße bis zum Felssteig. Da sie nicht durchgehend markiert und beschildert ist, braucht man die Wegbeschreibung und Wanderkarten.

 

Auf der originalen „Gipfelroute“ steigen erfahrene Bergwanderer mehrmals über felsige Grate und Gipfel, weniger ehrgeizige können auf der leichteren „Jochroute“ diese Teilstrecken meiden und umgehen.

 

Der Maximiliansweg als Frühjahrstour

Hans Diem mit Zeltausrüstung im Mai 1998

 

28.4. abends, raus aus dem Zug, hin zum Hafen von Lindau, da halte ich den Fotoapparat in den Regen für das erste Foto mit dem Bodensee vor schneeweißen Bergen. Endlich mit Bedacht den ersten Schritt getan Richtung Berchtesgaden, zunächst auf dem Bodensee-Uferweg durch viele Regenpfützen gestapft auf Bregenz zu. Ungeniert stelle ich in der Dämmerung das Zelt an das Bodenseeufer, die Regenwolken verziehen sich, schöne Abendstimmung kommt auf, und am Morgen weckt mich Vogelgezwitscher und Entengeschnatter. Beschaulich und ideal zum Eingewöhnen zieht der „MaxWeg“ anfangs drei Tage lang fremd im österreichischen aber reizvollen Bregenzerwald. 56 km weit mit 2110 m Aufstieg führt er über Hügel mit Wald und Wiesen auf den Grenzübergang zu, über die Schneider Spitze, den Brüggele Kopf 1182 m, den Rotenberg. Dazwischen liegen die kleinen Bauerndörfer Alberschwende, Lingenau und Hittisau mit alten Wälderhäusern und urigen Gaststätten.

 

Über die Allgäuer Alpen führt der MaxWeg dann drei Tage lang auf 60 km Strecke mit 2700 m Aufstieg. Vom Weg über die sieben Gipfel der Nagelfluh-Kette habe ich eine fantastische Aussicht, vom höchsten, dem Hochgrat 1834 m zurück zum glitzernden Bodensee, und hinaus aufs grüne Flachland, und hinein in eine noch winterliche Bergwelt. Im Juni blühen hier schönste und seltene Blumen. In diesem Mai hat es allerdings oben noch stellenweise Schnee, deshalb habe ich auch Steigeisen dabei. Mal schinde ich mich durch knietiefen Nass-Schnee bergauf, balanciere über eine rassige Firnschneide, steige in Riesenschritten auf festem Firn steile Rinnen hinab. Der Abstieg vom 6. Gipfel, der Ostgrat des Stuiben hat eine kurze Kletterstelle mit Drahtseil versichert.

 

 

 Ab Sonthofen steige ich als Abstecher auf den freistehenden Grünten 1738 m, da war seinerzeit auch Max II. oben, der Gipfel bietet ein sensationelles Panorama. Der Weiterweg zieht aus blühenden Blumenwiesen hinauf zu Tiefenbacher Eck und Spieser 1651 m, oben lastet noch schwer der nasse Frühjahrsschnee. Nach einer gemütlichen Einkehr in Unterjoch marschiere ich dann im flachen Vilstal mit langen Beinen flott auf Pfronten zu. Großeinkauf im Supermarkt, die Hälfte gegessen, den Rest in den Rucksack. Schon bin ich im Aufstieg zum Falkenstein mit Ruine, weiter über den schroffen Zwölferkopf 1293 m mit schönsten Ausblicken nach Füssen am Lech, eine sehenswerte Kleinstadt.

 

Nach den Schlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein kommt der anspruchsvollste Teil des MaxWeges, die Ammergauer Alpen in vier Tagen mit 55 km und 3088 m Aufstieg, natürlich mit Ausweichen für weniger angriffslustige Jochbummler. Vom Tegelberg-Haus erst den Abstecher auf den Branderschrofen, dann weiter über die Krähe 2012 m zur Hochplatte 2082 m. Er ist der höchste Punkt des MaxWeges und ganz schön alpin auf seinem teils beidseitig ausgesetztem Grat. Der Ausblick ist grandios und so aufregend wie die Gipfel-Überschreitung. Die Kenzen Hütte unterhalb hat schon geöffnet, als einziger Gast werde ich bestens versorgt und schlafe prominent im Einzelzimmer.

 

Der Weiterweg über den Feigenkopf zieht über steilen Grasflanken am und auf dem Grat schön hinauf zur Klammspitze 1924 m. Aber der steile Abstieg ist voll Schnee, bei größter Vorsicht und mit den Steigeisen komme ich sicher hinab. Von der Brunnenkopf-Hütte kurz auf den Brunnenkopf 1718 m gestiegen, der war auch ein Ziel von König Max. Hier war schließlich sein Jagdgebiet, vom Jagdhaus in Linderhof konnte er auf einem Reitweg weit hinauf reiten auf kleinen Norweger Pferden. Über den Hennenkopf 1768 m komme ich schneefrei zum Teufelstättkopf 1758 m. Da zelte ich gut am Waldrand, am Morgen weckt mich das Balzen einer Schar Birkhühner. Ich schaue ihnen lange zu und stiege dann ab ins urige Unterammergau. Es folgt der Aufstieg zum Hörnle 1548 m mit Hütte und wunderbarem Ausblick, Abstieg neben einer riesigen Mure nach Grafenaschau und dann 2 Stunden lang flott auf einer Teerstraße nach Eschenlohe marschiert mit Blick auf das blumenreiche Murnauer Moos.

 

Die Bayerischen Alpen sind der längste Abschnitt mit sechs Tagen auf 100 km Weglänge bei 6200 m Aufstieg. Der MaxWeg beginnt mit der rassigen Überschreitung von Heimgarten 1790 m und Herzogstand 1731 m auf einem gesicherten Gratweg mit Tiefblick auf Kochelsee und Walchensee. Nach der Querung der Kesselberg-Straße schaue ich vom Jochberg 1565 m begeistert rundum, gehe dann lange flach und verwinkelt durch Wald und über Almen, steige anschließend steil bergauf zum Kreuz auf der Benediktenwand 1800 m. Tief unter mir liegt die alte Tutzinger Hütte noch umgeben von Schnee, sie wurde inzwischen abgerissen und neu gebaut. Der Weiterweg ist noch schneebedeckt, es ist fester Firn und gut zu gehen. Der Tiefblick vom Brauneck ins Isartal ist grandios.

 

In Lenggries kann ich mich gut erholen, steige auf zum Geierstein 1491 m mit Weitblick zurück bis zur Zugspitze. In Wald und Almwiesen geht es flach weiter zum Fockenstein 1564 m, da liegt mir der Tegernsee umwerfend schön zu Füßen. Im Abstieg nach Bad Wiessee liegt die Waxelmoos-Almhütte, die hat eine Veranda unter einem großen Vordach, das ist ein vorzüglicher Zeltplatz für mich. kurzen Umweg über Bayrischzell. Der Ort bietet nämlich ganz neu den damaligen Weg von König Max II. auf den Wendelstein an! Begeistert steige ich auf diesem „Königsweg“ bergauf zur Wendelstein-Kapelle, weiter unter Seilbahntouristen auf einem Wendelweg mit Seilgeländer in steiler Felswand zum Gipfel des Wendelstein 1838 m. Er bietet ein Panorama von Feinsten bis hin zum Alpen-Hauptkamm und hinaus bis München. Wer hier oben schönes Wetter und Fernsicht hat, kommt nicht so leicht los. Auf festem Frühjahrsfirn kann ich vom Gipfel direkt Richtung Inntal absteigen, es ist der letzte Schnee auf meiner Frühjahrstour.

 

Von Nußdorf am Inn gehe ich die Chiemgauer Alpen an und abschließend kurz in den Berchtesgadener Alpen nach Berchtesgaden. Sechs Tage für 96 km Weg mit 5400 m Aufstieg. Der lange Aufstieg zur Hochries 1569 m mit Hütte ist nicht beschildert und nur mit genauem Kartenstudium zu finden. Weiter geht es über Hohenaschau auf die Kampenwand 1663 m. Auch ein Höhepunkt, ein Felsgipfel mit Kaiserblick, zum Wilden und Zahmen Kaiser, andererseits zum Chiemsee. Ich turne kurz an 20 Meter Drahtseil hinab und schon bin ich auf dem Weg zur Hochplatte. Tiefblick ins Achental, voraus alle restlichen Gipfel bis hin zum Watzmann. Runter nach Marquartstein, hinauf auf den Hochgern 1748 m: Rückblick, Ausblick, ständig neue Eindrücke, andere Stimmungen, schauen, staunen und knipsen, mein Fotoapparat ist gut beschäftigt. Weiter zum Hochfelln 1664 m, da ist Hochbetrieb über die Seilbahn. Schön hinab nach Ruhpolding, flach nach Inzell, hinauf auf den Zwiesel, weiter auf den Hochstaufen 1771 m mit Hütte. Wunderbar, ich sitze bei Abendstimmung lange oben und bekomme nicht genug vom Schauen. Ich übernachte dann in der Gipfelhütte, der Wirt freut sich, weil da einer ab Lindau zu Fuß gekommen ist.

 

Die letzte Etappe des MaxWeg von Bad Reichenhall nach Berchtesgaden sind gemütliche 4:30 Stunden. Das ist mir zu wenig von den Berchtesgadener Alpen. Ich mache kurzentschlossen einen Abstecher und steige hinauf zum Berchtesgadener Hochthron 1972 m, habe abends grandiosen Blick auf mächtige Gebirge wie Dachstein, Watzmann und Hochkkalter bei dramatischer Bewölkung. Bleibe über Nacht im Stöhr Haus, steige am Morgen ab und gehe hinein ins schöne Berchtesgaden. Dieser Abstecher war mir ein krönender Abschluss des königlich-bayrischen Maximiliansweges.

Wenn sich damals die hohe Reisegesellschaft vortrefflich amüsiert hat auf ihrer Alpenreise, so habe ich mich königlich belohnt gefühlt. Mit etwas Geld, dem Rucksack, dem Zelt, dem Frühjahrsschnee, dem Alleinsein auf den hohen Wegen bin ich gut zurecht gekommen, habe mich stark gefühlt und viel jubelnde Freude gespürt. Solch gute Erfahrungen wünsche ich jedem MaxWeg-Begeher.

 

 

Aktuelle Ergänzungen von Hans Diem zum Maximiliansweg

(Stand: Frühjahr 2005)

 

Die Route, die 1991 vom Deutschen Alpenverein festgelegt wurde, ist meist mit lokalen Wegweisern versehen, aber nicht als „MaxWeg“ markiert und auch nur gelegentlich mit DAV-Tafeln „Maximiliansweg - E4“ versehen. Entgegen meiner Mitteilung schreibt Herr Froelich vom DAV in seinem Grußwort auf Seite 8 der Wegbeschreibung, er habe die Markierung des Weges organisiert. Im Juni 2000 war dieser Zustand wie 1998.

 

Änderungen am Wegverlauf sind auszuschließen. Dagegen sind Änderungen von Hüttenpächtern und Hütten-Telefonnummern ständig zu befürchten, da hilft nur eine aktuelle Rückfrage beim Alpenverein.

 

Im Juni 2000 war ich auf dem MaxWeg und hatte notiert:

 

1. Seite 33: Vereinfachte Wegführung zwischen Lindau und Bregenz durch eine neue Fußgängerbrücke über den Bach Leiblach.

 

2. Seite 45: Neue Wegführung von Gunzesried nach Sonthofen durch einen neu angelegten und beschilderten Weg ab dem Mauthäusle am Hüttenberger Eck.

 

3. Seite 107: Kenzen-Hütte, neue Hütten-Telefonnummer 08368-390

 

4. Seite 110: Kessel-Alm, neue Telefonnummer 08028-2602

 

Im Grundsatz gilt, dass jede Angabe zur Infrastruktur von einer Woche auf die andere überholt sein kann. Der MaxWeg ist da im Vorteil, weil sich in kurzen Abständen 58 Dörfer und Hütten anbieten für 22 Tage.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 16 - April 2005

 

 

Mit den Augen der Eifel

Auf dem Karl-Kaufmann-Weg vom Ahrtal an die Mosel

 

Von Tilman Kleinheins

 

Zuerst Zahlen und Fakten: 16 Hauptwanderwege, 4 Regionalwanderwege, 4 Fernwanderwege und 1 Weitwanderweg durchziehen laut offiziellem Führer, 38. Auflage, die Eifel. Viele Tausende markierte Kilometer Wandern. Das Wanderkartenwerk des Eifelvereins umfasst 40 Blätter im Meßtischmaßstab und 7 Blätter der 2 cm – Karten. Höchste Erhebung: Hohe Acht mit 747 m N.N., gelegen in der Hohen Eifel. Im Norden begrenzt von der Linie Bonn – Euskirchen – Aachen, im Osten und im Süden nasse Grenzen mit Rhein und Mosel. Nach Westen sind der Fortsetzung des Naturraums Eifel nur menschliche Grenzen gesetzt, an sich sind Hohes Venn und Luxemburger Land Bestandteil der gleichen erdgeschichtlichen Entwicklung.

 

Nach den Fakten die Frage: wie kommt unsereins auf die Idee, ausgerechnet in einer ganz bestimmten Region wandern zu wollen und nicht in einer ganz anderen. Durch welche Einflüsse reift meist binnen Wochen und Monaten der Entschluß, wird konkreter, äußert sich schließlich im Kauf von Wanderkarten und Führern ? Bis plötzlich die Idee einer Streckentour klar vor dem inneren Auge liegt. Daß die Impulse vielfältig sind, ist klar, in meinem Fall waren es die bekannten Eifelkrimis von Berndorf, die mich neugierig auf die Region machten.

 

Der HWW 2, Karl – Kaufmann – Weg, Brühl – Trier, 183 km

 

Genug geschwärmt, wo geht´s los ? Ahrweiler (Betonung auf der ersten Silbe) im Ahrtal, nördlichstes Rotweinanbaugebiet Deutschlands, bequem von Hamburg via Nachtzug nach Köln, über Remagen und den Ahrtalexpress erreichbar. Morgens um 9:00 Uhr starte ich in den ersten Wandertag, der leider zum Großteil verregnet ist, aber dennoch herrliche Eindrücke vermittelt: wunderbare Tiefblicke ins tief eingeschnittene Ahrtal samt seinen Winzerorten und steilen Rebhängen, südwestlich am Horizont zu erkennen die „Hohe Acht“, davor bewaldete Hügelketten, die ihre Farbe vom nahen grün ins ferne blau wechseln. Tiefhängende Wolken und Nebelfetzen ziehen aus den Tälern auf. Die Markierung von Anfang an zwar äußerst vielfältig (manche Bäume gleichen Kommunikationszentren), aber stets gut und zuverlässig. Eines sei vorweggenommen: rund 60 % des gesamten Weges verlief auf Hartbelägen aller Art. Mit Interesse habe ich deshalb gelesen, dass auch der Eifel – Verein im Rahmen des Projektes „Wanderbares Deutschland“ sein Wegenetz überprüft. Nur posititv, wenn tatsächlich hier und da Streckenverlegungen stattfinden (Meulenwald !) und Wegewarte wie Vereinsfunktionäre der Einmischung von außen offen begegnen. Es kann eigentlich nur n o c h besser werden, als es schon ist, denn: tatsächlich keine andere Mittelgebirgstour hat mich bisher so begeistert.

 

Alle kleine Schumachers

 

Woran´s lag? In erster Linie natürlich an der Vielfalt der durchwanderten Landschaftsformen. Und davon bietet der Karl – Kaufmann – Weg jede Menge. Bereits im offiziellen Eifelführer von 1911 behaupten die Verfasser, der sogenannte Eifelhöhenweg sei „die schönste [Wanderung] in der Eifel.“ Nach dem Ahrtal Richtung Süden in die Hocheifel, die mich mit gefrierpunktnahen Zeltnächten überrascht. Herrliche Fernblicke ringsum und bis hinüber ins Siebengebirge vom Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Hohen Acht (747 m), zehn Kilometer später kompletter Szenenwechsel: der Nürburgring, oder kurz, wie der Eifeler sagt, „der Ring“. Wirtschaftsfaktor Nr.1 in der fast ausschließlich agrarisch geprägten Region, es dreht sich einfach alles um ihn. Als ich dort vorbeikomme auch auf ihm, denn es ist Familientag. VaterMutterKind im Astra Kombi schleichen über den legendenumwobenen Asphalt, während jede Menge Hobby – Röhrls das Letzte aus ihren Motoren herausholen. Haarsträubende Überholmanöver und schlimme Unfälle sind die Folge. Kein Zufall ist auch die traurige Spitzenposition des Landkreises Ahrweiler, der alljährlich und im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Verkehrsunfalltoten ganz Deutschlands zu beklagen hat. Alle kleine Schumachers !

 

Maare und Burgen

 

Der Karl – Kaufmann –Weg zieht über die Höhe weiter, führt an Cotenickelchen, Bränkekopf und Rote Heck vorbei ( alle um die 600 m ), berührt die Orte Kelberg und Darscheid um schließlich auf den Dauner „Hausberg“, den Firmerich (489 m) zu leiten, von dessen Schutzhütte aus ich einen Panorama – Blick auf die Stadt genießen kann. Wesentlich mehr als der Ort, interessieren mich die nur einige Fußkilometer entfernt liegenden Maare. Mit dem Gemündener Maar, dem Totenmaar und dem Schalkenmehrener Maar hat der Wanderer die größte Dichte solcher „Seen“, die von der Allgemeinheit als Kraterseen längst erloschener Vulkane verstanden werden. Nehmen wir das so hin und überlassen den Experten die wissenschaftlichen Erläuterungen; es bleiben dennoch unübersehbare Besonderheiten: man wandert aufwärts zu den Seen ! Normalerweise liegen Mittelgebirgsseen tief unten in Senken und Tälern. Außerdem sind die mit Wasser gefüllten Maare ( von rund 80 Maaren in der Eifel sind das nur 8 ) in der Regel recht tief: mit rund 70 m liegt das Pulvermaar ganz vorne. Schließlich sei nebenbei noch erwähnt, dass das Wandern an und um die Maare ein Hochgenuß ist, vor allem, wenn viele Kilometer Hochwald hinter einem liegen. Ganz besonders das Hinüberlaufen zum Schalkenmehrener Maar – Ort direkt am Wasser gelegen – lässt einen nicht nur einmal den Auslöser der Kamera betätigen. Unweit dieser Idylle schlage ich am Waldrand mein Zelt auf, koche, lese, bin ungewaschen und fern der Heimat.

 

Schon der nächste Tag bringt neue Landschaftsform: das Liesertal bei Manderscheid. Vorher aber bei bestem Wanderwetter über Brockscheid (bekannte Glockengießerei ) und Eckfeld, vorbei am ehemaligen Kloster Buchholz (wo der Abfallcontainer des Friedhofes brennt und ich die Feuerwehr per Handy alarmiere) zum „Belvedere“ über Manderscheid. Oberburg und Niederburg ( letztere im Besitz des Eifelvereins), zwei mächtige Ruinenanlagen aus dem 10. und 12. Jahrhundert in unmittelbarer Nachbarschaft, prägen die Umgebung Manderscheids ebenso, wie Liesertal und das Tal der Kleinen Kyll. Plötzlich läuft man auf Serpentinenpfaden, über Holzbrücken die Bachseite wechselnd oder an herrlichen Aussichtspunkten vorbei. Wegführung und Charakteristik des „2ers“ gefielen mir ab hier bis nach Dreis im Salm – Tal besonders gut. Nicht zuletzt wegen des hervorragenden Klosterbiers, das vermutlich schon lange nicht mehr von der Zisterzienser – Bruderschaft des Klosters Himmerod gebraut wird, aber immer noch so schmeckt. Das Kloster selbst liegt einsiedlig im Salmtal. Im Zuge der Napoleonischen Krieg zerstört, dienten die Trümmer der Klosterruine dem örtlichen Haus- und Straßenbau. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts konnte der „Neubau“ (die charakteristische Fassade, anstelle von Türmen, wurde erhalten) geweiht und seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben werden. Revitalisierung eines Ortes des Glaubens.

 

Trierer Wallfahrt

 

Ein Wiesenrand unweit der Gemeinde Niederkail ist für heute mein „Campingplatz“. Der Pächter schaut fragend aus seinem Suzuki Jeep heraus, lässt mich aber in Ruhe, als ich ihm glaubhaft versichere: kein offenes Feuer, kein Müll, alleine und morgen in aller Frühe wieder weg. Weit weniger zu beeinflussen ist der Lärm der F 16 und anderer amerikanischer Kampfjets, die von der unmittelbar benachbarten Airbase Spangdahlem aus zu Übungsflügen aufsteigen. Es gibt jedoch die Vereinbarung, nachts nicht zu fliegen. Nicht wenige der hiesigen Eifeler haben Beschäftigung rund um den Standort gefunden. So wird die jüngst von der Bush - Regierung getroffene Entscheidung, die Truppenstärke in Spangdahlem ( = Doppelort: Spang und Dahlem) zugunsten Rammsteins zu reduzieren, wenig begeistert aufgenommen. Freude über den Abzug bleibt den Hippies vorbehalten, erklärt mir ein Jogger, dessen Arbeitsplatz ebenfalls gefährdet ist.

 

Der Weiterweg durchs Salmtal könnte idyllischer nicht sein. In den Orten Bruck und Dreis ist den sommerlichen Temperaturen entsprechende Stille eingekehrt. Während keiner anderen Mittelgebirgstour in Deutschland bin ich übrigens so leicht mit den Menschen ins Gespräch gekommen, wie in der Eifel. Annähernd allen mit denen ich sprach, war der Karl – Kaufmann – Weg bekannt, nicht wenige waren große Teile davon selbst schon gelaufen. Hier wird die gute Einrichtung des Eifelvereins als Heimatsinn stiftende Institution sichtbar. Gilt doch sonst beim Streckenwandern in der Regel der Satz: Frag nie einen Einheimischen! Bekannt war der Weg auch wegen der jährlich stattfindenden Pilgerfahrt von Blankenheim (Ahrtal – Quelle) nach Trier zur Grablege des Apostels Matthias, des einzigen Apostelgrabs nördlich der Alpen. Die Wallfahrer gehen innerhalb drei Tagen die rund 100 km lange Strecke zum Teil auf dem „2er“: ohne Buße keine Vergebung.

 

Vergebung ist immer von Nöten, beschließe aber dennoch meine herkömmliche Etappeneinteilung beizubehalten und steuere als letztes Übernachtungsziel den Ort Quint im Moseltal an. Zwischen der Salm und der Mosel liegt der Meulenwald, den mein Weg ausschließlich auf Forststraßen durchzieht. Hier hätte eine Korrektur, eine Streckenverlegung vier Meter rechts oder links in Wald hinein, meine Füße ( und Augen) geschont. So beißt man sich halt durch den leider unattraktiven Abschnitt.

 

Das erste Haus in Quint ist das des Försters, der meine Frage nach möglichem Zeltplatz auf seiner Wiese sehr bestimmt ablehnt, sieht er in mir doch eher einen Bruder der Landstraße. Erst nach gutem Zureden, überlässt er mir 5 qm.

 

Der nächste Tag verspricht mit dem Moseltal erneut veränderte Blicke und Landschaft. Zusammen mit dem linksführenden Moselhöhenweg läuft der Karl – Kaufmann – Weg das auf und ab der Moselhöhen aus. Ehrang und Biewer bleiben die einzigen Orte, bevor mich der Felsenpfad zum hochgelegenen Weißen Haus (Gasthaus) und hinunter zur Moselbrücke führt. Bei der End- wie Anfangspunkt anzeigenden Orientierungstafel am Beginn der Brücke, ohne die einer Streckentour etwas wichtiges fehlte, bleibe ich länger stehen und lese: Endpunkt auch des Josef-Schramm-Weges (Nr. 4) und des bekannten „6ers“ von Aachen nach Trier.

 

Ein Landstrich, in dem Wanderer vom Weg weg von Mitmenschen zum Frühstück nach Hause eingeladen werden („Komm Jong, mach Dir en Käs-Schmier!“) will wiederbesucht sein. Der „6er“ steht auf dem Programm 2005.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 15 - Dezember 2004

 

 

 

 

Wanderbedingungen in Nordthüringen

 

Von Dr. Lutz Heidemann

 

Bei dem Stichwort „Wandern in Thüringen“ denken viele zuerst an den etwa 170 km langen Rennsteig, den Höhenweg auf dem Thüringer Wald. Doch für Weitwanderer, die etwas mehr Einsamkeit und vielseitigere Landschaft schätzen, gibt es als reizvollere Alternative z. B. einen ebenfalls im Raum Eisenach beginnenden Weg, der zuerst durch den Hainich führt, dann am Nordrand des Thüringer Beckens entlanggeht und bei Heldrungen die Unstrut überquert. Dieser Nordrand wird durch eine Kette immer schmaler werdender Bergrücken markiert. Zuletzt wanderten man über die nur wenige hundert Meter breite Schmücke und den Kalkrücken zwischen Eckartsberga und Bad Sulza und gelangten nach zehn Tagen zu Ilm und Saale.

 

Meine Frau und ich sind diese Strecke im Frühjahr 2000 gewandert. Das Ausgangsgebiet für unsere kurzfristig vorbereitete Oster-Tour war der Hainich, ein außergewöhnlich großer Buchenwald und aus diesem Grund seit Dezember 1997 zum 13. deutschen Nationalpark erklärt. Auch an den folgenden Tagen bestimmten ausgedehnte Buchenbestände das Landschaftsbild, in der Finne trafen wir auch Eichen an. Zu dieser Zeit waren die Bäume noch ohne Laub, aber der Waldboden war voll von blühenden Busch-windröschen und Himmelschlüsselchen. Der Bärlauch roch kräftig und Fachleute hätten Orchideen erkannt. Einmal fragten wir zwei alte, uns entgegenkommende Männer nach einer gelbblühenden Pflanze und hörten als Antwort, das seien „Antonisröschen“, im Hinterkopf hatte ich den Namen Adonisröschen. Streckenweise wurden wir an blühenden Hecken entlanggeführt; der Weg war dann von herabgefallenen Blüten wie weiß gepudert. Viele Wege waren auch von Obstbäumen gesäumt; wir freuten uns über Nachpflanzungen.

 

Die Strecke war gut trassiert, d.h. abwechslungsreich geführt. Überwiegend war es ein Kammweg. Es machte Spaß, entlag der Waldränder zu gehen. Reizvoll waren die Ausblicke in das weite, leicht gewellte thüringische Becken. Auch die Markierung war gut. Eher beobachteten wir ein Übermaß an Markierungen und Schildchen, denn oft existierten Parallelführungen mit anderen Wanderwegen. Es gab ausreichend Zu- und Abwege von der Hauptstrecke. Probleme mit der Markierung gab es höchstens in geschlossenen Ortschaften.

 

Wir durchquerten die ehemalige Freie Reichsstadt Mühlhausen, die Residenzstadt Sondershausen, kleine Städte und Marktflecken, stattliche Dörfer und kamen an mittelalterlichen Burgen und Klöstern vorbei. In Frankenhausen sahen wir uns in dem „Panorama-Museum“ über der Stadt das 123 m mal 14 m messende Rundbild an, das von dem Maler Werner Tübke mit wenigen Gehilfen bis 1987 fertiggestellt wurde und auf dem er, ausgehend von der an dieser Stelle stattgefundenen Metzelei im Bauernkrieg von 1525, ein vielfiguriges

„Welttheater“ des 16. Jahrhunderts gestaltet hat.

 

Thüringen ist ein reizvolles Wanderland. Die von der DDR-Wirtschaft verursachten Landschaftsschäden sind weniger stark als in den anderen Ländern. In den Waldgebieten gab es große militärische Sperrgebiete, wo zwar Soldaten übten und viel Munition verschossen, die heute noch im Boden stecken kann, wo sich aber auch Pflanzen und Tiere gut entwickeln konnten. Der Naturpark Hainich ist aus einem solchen Militärsperrbezirk entstanden. Erst an den Rändern von Thüringen gibt es Überreste von Tagebauen und Halden vom Kali- oder Uranbergbau. Bei den Orten waren wir immer wieder erstaunt und erfreut, wieviel an alter Bausubstanz in den vergangenen Jahren gesichert und wiederhergerichtet worden war. Viele Dörfer haben noch ihre alte Form bewahrt. Thüringen ist ein Land der Klein- und Mittelstädte. Die Kleinstaaterei in Thüringen führte zu vielen kleinen Residenzen. Nicht nur Weimar hatte einen „Musenhof“, z. B. auch in Meiningen, Sondershausen oder Gera haben die Fürsten als Mäzene gewirkt und oft die zu ihrer Zeit modernen Künstler unterstützt. Gespräche, insbesondere in den Privatquartieren, gaben uns die Chance, etwas von der Befindlichkeit der Menschen in Thüringen zu erfahren.

 

Neben dem eingangs erwähnten Rennsteig und der von uns begangenen Wegefolge in Nordthüringen gibt es noch mehrere andere Hauptwanderwege. Sehr reizvoll stelle ich mir den Weg auf den Saale- Höhen vor. Die Orte am Fluß haben alle einen von der Geschichte geprägten Charakter: z. B. Saalfeld, Rudolstadt, Kahla, Jena, Dornburg und Bad Kösen. Bei Naumburg mündet die Unstrut in die Saale und auch dieser Fluß wird von einem Weitwanderweg begleitet. Am Nordrand von Thüringen , z.T. wohl schon auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt verläuft der Karstwanderweg mit einer, wie der Name andeutet, charakteristischen Landschaftsstruktur und Pflanzenwelt.

 

In dem Internet-Angebot von „ www.wanderbares.deutschland.de“ wird neben dem altbekannten Rennsteig auch ein „Thüringenweg“ vorgestellt, der in 23 Etappen von Altenburg im Osten nach Creuzburg an der Werra reicht. Von der Residenzstadt Altenburg werden die Wanderer nach Gera in die nächste Residenzstadt geführt, gehen weiter über Thalbürgel mit seiner schönen romanischen Klosterkirche nach Jena und Bad Berka. Auf dem Weg zum Thüringer Wald wird Paulinzella mit der schönsten Kirchenruine Deutschlands gestreift, dann geht der Weg am Fuß des Thüringer Waldes über Eisenach bis nahe an die hessische Grenze bei Creuzburg an der Werra. Viel Vergnügen bei dieser Wanderung! - Ein weiteres Wegeangebot aus dem „wanderbarem Deutschland“ ist der Saale- Orla- Weg, ein Rundkurs in 23 Etappen. Dieser Weg könnte zur Vernetzung mit anderen Langstreckenwegen benutzt werden. Als „Fortschritt“ sei registriert, daß die jüngste Fassung für jeden Weg eine Übersicht über den Asphaltanteil an den Gesamtstrecken enthält. Um eine großräumige Routenplanung betreiben zu können, wäre es wünschenswert, wenn es eine Übersichtskarte z. B. im Maßstab 1: 500.000 über die Thüringer Fernwanderwege gäbe.

 

Für die Wege und ihre Markierungen engagieren sich in Thüringen die Mitglieder vieler örtlicher Vereine. Nach der Wende wurden die alten Wander- und Gebirgsvereine wiedergegründet. Da gab es räumliche Überschneidungen. Der Rennsteigverein deckt nur den Kern des Thüringer Waldes ab. Hinzu kamen der 1880 gegründete Thüringerwaldverein und der Thüringer Gebirgs- und Wanderverein. Nun haben die deutschen Vereine die Tradition, sich an „ihren“ Gebirgen und nicht an politisch-administrativen Grenzen zu orientieren. Das erschwert z. B. die Kooperation mit staatlichen Organen oder Fremdenverkehrsverbänden. Deshalb haben sich die Thüringer Vereine seit einiger Zeit mit den angrenzenden Gebirgsvereinen unter dem Dach eines „Landesverbandes Thüringen“ zusammengeschlossen. Die Struktur dieses Verbandes läßt sich auf ihrer Homepage unter www.wanderverband-thueringen.de nachvollziehen. Es scheint aber auch unterschiedliche Trägerschaften für die Wege zu geben, was sich auf die Markierung und „Bewerbung“ auswirken wird. Der Saale- Orla- Weg untersteht z. B. dem Landratsamt des Saale- Orla- Kreises, der Rennsteig dem oben genannten Landesverband Thüringen. So tritt im Internet als Partner für den Saale- Orla- Kreis der „Fremdenverkehrsverband Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale“ auf. Bei den dort unter „Gastgeber“ auftretenden Hotels fehlen die Ortsangaben... Es wäre sinnvoll, wenn die Internet-Seiten von „Neutralen“ gegengelesen würden.

 

Die Wegevielfalt in Thüringen ist groß. Wir bemerkten das bei unserer Wanderung. Der Nationalpark Hainich hat ein eigenes Wegesystem mit „niedlichen“ Symbolschildchen. Der über den Kamm verlaufende Weg heißt Rennstieg, eine Verwechslungsgefahr mit dem Rennsteig ist vorprogrammiert. Anschließend benutzten wir bis Bad Frankenhausen den schon 1930 eingerichteten Barbarossaweg. Träger dieses von Korbach bis zum Kyffhäuser reichenden Weges ist der Hessisch-Waldeckische Gebirgs- und Heimatverein. Dann folgten wir dem Dün-Hainleite-Weg. Zur Orientierung benutzten wir anfangs die über den Hainich bei ARTIFEX Langensalza herausgekommene Freizeitkarte Nr. 2; (dieser Verlag macht auch Karten über das mittlere Thüringen). Später griffen wir auf die ausgezeichneten Karten M. 1: 50.000 des Landesvermessungsamtes zurück, die wir in Buchhandlungen, z. B. in Mülhausen, kauften. Da wir zum Schluß auf der Grenze zu Sachsen-Anhalt wanderten, reichten diese Karten nicht weiter; gute Hilfe leistete das Faltblatt mit Wander-Karte 1: 75.000 „Untere IImaue“ (herausgegeben von der Stadtverwaltung Bad Sulza), das z. B. die Wegeverbindungen bis nach Dornburg mit seinen interessanten Schlössern enthielt. Damit hätte man auch entlang der Ilm bis Weimar oder über Bad Kösen nach Naumburg gelangen können.

 

Als wir im Jahr 2000 wanderten, bekamen wir sehr umfangreiches Material für die Übernachtungen von dem Tourismus Service Center. Das gibt es so nicht mehr, es hat eine Nachfolge in der „Thüringer Tourismus GmbH“, Weimarische Straße 43, 99099 Erfurt Tel: 0361/ 37420 gefunden. In der entsprechenden Homepage „ www.thueringen-tourismus.de“ hatte ich Schwierigkeiten, Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten auf Ortsebene zu finden.

 

Für diejenigen, die unsere Wanderung vom Jahr 2000 nachvollziehen wollen, sind nachfolgend unsere Etappen und Unterkünfte aufgelistet. Der Ausgangspunkt unserer Route und der Platz, wo wir das Auto stehengelassen hatten, war der Ortsteil Hütscheroda in der Gemeinde Behringen in der weiteren Umgebung von Eisenach, dort Übernachtung im Hotel Zum Herrenhaus Tel.: 036254/7200

 

1. Tag   bis Mihla 20 km,

            dort Übernachtung im Hotel Graues Schloß (Tel.: 036924/42272)

 

2. Tag   bis Mühlhausen 22km,

            dort gibt es viele Hotels

 

3. Tag   bis Holzthaleben 28 km,

             Übernachtung in einem Privatzimmer

 

4. Tag   bis Sondershausen 31 km,

            dort gibt es viele Hotels

 

5. Tag   bis Bad Frankenhausen 29km,

            dort gibt es viele Hotels,

            Übern.: Hotel Thüringer Hof Tel.: 034671/51010

 

6. Tag   bis Heldrungen 28 km,

            Übernachtung in einem Privatzimmer

 

7. Tag   bis Rastenberg 28 km,

             Übernachtung bei Privatzimmervermieter:

            Greisler, Tel.: 036377/80391

 

8. Tag   bis Bad Sulza 27 km, dort gibt es viele Hotels

 

9. Tag   Wanderung bis zu den Dornburger Schlössern 12 km, Bahnfahrt

             zu- rück nach Langensalza, dort Übernachtung, es gibt mehrere Hotels

 

10.Tag  Wanderung bis Hütscheroda 20 km

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 13 - April 2004

 

 

Der König - Ludwig - Weg

auch Luggi-Weg oder Postweg (?!) genannt

 

Von Günther Krämer

 

Seit 1977 ist dieser Weg als Weitwanderweg ausgeschildert und führt in mehreren Varianten vom Gedenkkreuz im Starnberger See nach Füssen. Die Beschilderung ist nicht immer gut. Bei der Routenwahl hilft manchmal Intuition, aber auf alle Fälle immer die richtige Karte, und einmal war sogar der Kompass von Nutzen! Ein solches Schilderchaos wie hier im Alpenvorland haben wir selten gesehen. Wann kommt denn endlich auch in Deutschland die einheitliche Wanderwegbeschilderung, die das Wandern in der Schweiz, in Tschechien und in der Slowakei zum unschwierigen Vergnügen macht?

 

Einen guten Führer gibt es im Moment nicht. Folgende Wanderkarten 1 : 50 000 des Bayerischen Landesvermessungsamtes sind unerlässlich: UKL 1 Ammersee - Starnberger See und Umgebung, UKL 3 Pfaffenwinkel - Staffelsee und Umgebung, UKL 10 Füssen und Umgebung.

 

Der Luggi-Weg ist ein idealer Winter-Wanderweg: Wanderer werden nicht von Radlern bedroht, Bäume ohne Laub lassen Durchblicke zu - z.B. auf die Villen am Starnberger See -, die im Sommer nicht möglich sind, es gibt kaum Quartierprobleme, die meisten Wege sind vom Schnee geräumt oder der Schnee ist nach kurzer Zeit festgetreten. Die manchmal nicht vorhersehbaren Schneeverhältnisse erfordern ein hohes Maß an Flexibilität und dennoch eine exakte Planung der Route mit relativ kurzen Tagesetappen. Die Gesamtlänge beträgt ungefähr 115 km.

 

Ach so, warum Postweg? Ganz einfach: Entlang des Weges laden täglich Gasthäuser zur Post zum Schlemmen und Übernachten ein!

 

Hier die Beschreibung des Luggi-Wegs, erwandert vom 29.12.2003 bis zum 3.1.2004.

 

Unser Winter-Luggi-Weg (Postweg)

 

1. Tag, 29.12.2003

Anfahrt mit der Bahn über München, dann S-Bahn S6 nach Starnberg, von dort mit Bus 975 Richtung Wolfratshausen bis zur Haltestelle Berg, Grafstraße. Hier gleich eine außergewöhnlich gute Mittagsrast im Geburtshaus des Dichters Oskar Maria Graf (Oskar-Maria-Graf-Stüberl, 08151-51688, Ruhetag Di u. Mi). Grafstraße - Wittelsbacherstraße, links auf dem Fußweg zur Votivkapelle und runter zum See, wo das Gedenkkreuz im Wasser steht. Auf demselben Weg zurück, vorbei am Schloss Berg und auf dem Uferweg entlang der Villen und der Fischerhäuser nach Starnberg. Auf der Söckinger Straße stadtauswärts, links ab in die romantische Maisinger Schlucht. Am Ortsanfang von Maising kurz rechts (Straße), dann links auf dem Mühlleitenweg nach Pöcking zum stilvollen Gasthof zur Post (www.posthotel-poecking.de) .

 

2. Tag, 30.12.2003

Auf der Nebenstraße geht es zunächst Richtung Aschering , kurz vor dem Wald rechts auf den Feldweg Richtung Maisinger See, unter der B2 durch, im Wald dann links, durch das kleine Moor nach Aschering. Ab jetzt ist der Weg nach Andechs gut ausgeschildert: Durch den Wald beim Eßsee, wo Konrad Lorenz seine Forschungen betrieben hat, am Barockgefängnis Rothenfeld vorbei, beim Parkplatz über die Staatsstraße, kurz durch den Wald und auf dem Kreuzweg an der Friedenskapelle vorbei zum Kloster Andechs. Eigentlich wäre hier eine ausgiebige Einkehr angesagt gewesen, aber Busse, Menschenmassen und deren "feiner Duft" in den Klosterbräustuben haben uns vertrieben, der Klostergasthof war überfüllt und ein anderes geöffnetes Gasthaus gab es nicht. Also weiter, vorbei am Forschungsinstitut von Irenäus Eibl-Eibesfeldt, hier links ab Richtung Weilheim und am Waldrand (Parkplatz) auf einem aussichtsreichen Traumpfad - es gibt ausreichend Rastbänke - durch Wald und Weidelandschaft, vorbei an der Hartkapelle, der Waldkapelle Moritz von Schwinds, nach Pähl, wo am Ortsende (Straßenkreuzung) im Gasthaus zur Neuen Post (die Alte Post, heute Silberner Floh, in der Ortsmitte ist nur abends geöffnet), wo Glühwein angesagt ist. Nach den letzten Häusern links auf den Feldweg und gleich wieder rechts straßenparallel bis zur Ammer, die wir auf der Straßenbrücke überqueren. Auf den Wiesen neben der Straße kommen wir bequem nach Raisting, wo schon der Ballon der Erdfunkstelle der Telekom grüßt. Der bezeichnete Luggiweg macht einen großen südlichen Umweg. Im Winter kann man querfeldein und über Wiesen gehen! In Raisting logieren wir fürstlich im Gasthof zur Post (www.post-raisting.de)!

 

3. Tag, 31.12.2003

Es schneit heute nur einmal, aber das ohne Unterlass! Am Gasthof links auf dem Sträßchen nach Stillern und im Tal noch etwa 1,5 km weiter, bis der Luggiweg rechts durch den Wald nach Wessobrunn hochführt. Die 1200-jährige Tassilolinde steht links unten in der Talsenke, das Kloster ist im Winter leider nur nachmittags um 15 Uhr zu besichtigen, aber das Barockkirchlein und der romanische Glockenturm sind ja auch etwas. Und dann gibt es einen Gasthof zur Post (08809-208), wo man sehr gut einkehren kann. Vorbei an alten Bauernhöfen, deren Geschichte auf Tafeln erklärt wird - so findet man auch das Geburtshaus der Brüder Johann Baptist (Maler) und Dominikus (Baumeister) Zimmermann, der bedeutendsten Rokokokünstler, - gehen wir steil ins Schlittbachtal hinunter und genauso steil wieder hoch, bis wir über Pürschlehen, Guggenberg und St. Leonhard den Weiler Linden mit seiner uralten Linde und dem darin eingelassenen Marienbild erreichen. Über den Schwabhof geht es in den großen Wald, lange geradeaus, dann links nach Hohenpeißenberg (den Berg sparen wir uns, da wir sowieso nichts sehen können). Ewig lang latschen wir die Hauptstraße entlang, an der Sparkasse dann rechts die Bahnhofstraße hinunter zum "Bahnhof", von wo stündlich um .38 Uhr ein Zug nach Schongau fährt. Da die "Alte Post" geschlossen hat, nächtigen wir in der "Blauen Traube" (www.hotel-blaue-traube.de) und feiern Silvester in "Schauga", wie Schongau im Dialekt heißt.

 

4. Tag, 1.1.2004

Mit dem Zug (stündlich um .02) fahren wir nach Peiting Ost, am Bahnhof rechts bis zur Kreuzung, hier links, dann in die Zugspitzstraße, immer dem k nach, vorbei an der großen Spanplattenfabrik, unter der B472 durch bis zum Parkplatz am Waldrand oberhalb der Ammerschlucht. Hier rechts in den Wald. Wir sind die ersten nach dem Neuschnee, und entsprechend anstrengend ist das Spuren im Neuschnee. Aber der schöne Weg entschädigt für alle Mühen: Hangquellen, Kalktuffbildungen in allen Formen und Stadien, Baumgestalten, Ausblicke ins tief eingeschnittene Tal, Brücklein, Treppen, Felsen ... Ohne Stöcke wäre dieser Weg gefährlich! Dann sind wir unten an der Ammer, die dieses Naturwunder geschaffen hat. Bald führt der Weg steil rechts hoch, vorbei am Hof Schweinberg, kurz darauf links an den Waldrand und hier immer an der Hangkante unter dem weit ausladenden Dach der Bäume , kurz abwärts, zwischen zwei Fischteichen hindurch, kurz hoch, durch ein halb verfallenes Tor - und wir stehen im Hof des Klosters Rottenbuch. Die Rokokokirche ist eine Überraschung, vor allem was die Größe der Kirche und den Reichtum der Ausstattung anbelangt. Gleich daneben Einkehr im Gasthaus zum Koch (08867-921195). Danach queren wir die B23 und gehen gleich schräg links durch den Ort, über Solder und Kreitfilz zur Straße, der wir nach Wildsteig folgen. Nach der obligatorischen Barockkirche stürmen wir auf den Rat der Haushälterin des Pfarrers den Gasthof zur Post (franz.bertl@t-online.de, 08867-221) mit ausgezeichneter bayerischer Spezialitätenküche und schönen Zimmern. Der Abend bietet uns Einblicke in das oberbayerische Wirtshausleben, verschönt durch den harten Kern der Musikkapelle Wildsteig.

 

5. Tag, 2.1.2004

Wir folgen dem Wiesweg über Schwarzenbach zur Wieskirche, treffen dort den Wildsteiger Pfarrer und seine Haushälterin, ertragen den Touristenrummel, setzen unseren wunderschönen Weg durch die tief verschneite Winterlandschaft fort über die Höfe Resle und Schober, biegen vor Oberreithen links ab, nach der Überquerung der Trauchgauer Ach wieder rechts, am Keltenberg Hainzenbichl vorbei - und schon weist uns ein Schild nach links (600 m) hoch zur Trauchgauer Almstube (08368-348, Mo Ruhetag), die uns von der Musikkapelle Wildsteig wärmstens zur Einkehr empfohlen wurde, zu Recht, wie wir feststellen: Die Portionen sind doppelt so groß wie normal, und das bei guter Qualität. Wieder runter zum Luggiweg, nach Trauchgau hinein, vor der Kirche links ab auf den Feldweg, der an der Talstation des Skilifts Halblech vorbeiführt, weiter zum Bruckschmid und nach Buching, wo wir noch Zeit haben, Bekannte zu besuchen. Quartier finden wir im Hotel Bannwaldsee (www.bannwaldseehotel.de) .

 

6. Tag, 3.1.2004

Geräumte Feldwege führen uns parallel zur B17, teils weiter entfernt, teils zwischen Bannwaldsee und Straße zum Campingplatz Bannwaldsee. Nach dem Campingplatz gehen wir rechts am Zaun entlang bis zum Bach, hier wieder links am Bach entlang, bis wir bei Mühlberg die B17 und die Mühlberger Ach überqueren. Am Lußbach entlang gehen wir nach Hohenschwangau. Der Aufstieg durch die Pöllatschlucht ist leider gesperrt, so gehen wir vom Parkplatz vor dem Sportplatz aus hinauf nach Neuschwanstein, ergötzen uns an der Vielfalt der Menschen und ihrer Bekleidung - der Gipfel war eine Japanerin in Stöckelschuhen im Schnee! Einkehr im Schlossrestaurant Neuschwanstein (08362-81110). Anschließend auf dem Fahrweg runter und rüber zum Schloss Hohenschwangau. Auf dem Sattel auf halbem Weg zum Schloss Hohenschwangau links ab und auf dem sehr schönen Alpenrosenweg hoch über dem Schwansee zum Lechfall oder direkt nach Füssen. Mit der Bahn erfolgt die Rückfahrt nach/über Augsburg oder München. Für Westdeutsche und Baden-Württemberger ist die Rückfahrt mit dem Bus zum Bahnhof Pfronten-Ried und weiter über Kempten und Ulm kostengünstiger und schneller.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 13 - April 2004

 

 

Themenwanderweg Kultur

 

Gewandert von Willi und Helga Großkopf, Stuttgart, 

vom 17. bis 20. September 2002

 

Dieser Wanderweg wurde im unteren Bayerischen Wald vor etwa 2 Jahren von den Haidelgemeinden Hunterschmiedung, Grainet, Philippsreut, Haidmühle und Neureichenau neu eingerichtet und verläuft in der Ungebung der Bayerwaldberge „Dreisessel“ und „Haidel“. Seine Gesamtlänge beträgt 130 km, dabei sind jedoch mehrere Rundwanderwege eingerechnet, die man aber nicht alle unbedingt gehen muß, sondern man kann auch eine große Ringtour mit weniger Kilometern wandern.

 

Mit „Kultur“ sind in diesem ländlichen Gebiet – das zwar mit viel Wald, aber nie mit Reichtümern gesegnet war – Bildstöcke (Marterln), Kapellen und Dorfkirchen gemeint, die man am Wege findet. Abgesehen davon kann man als Wanderer vor allem die schöne Landschaft des Bayerischen Waldes eingehend kennen lernen.

 

Dieser Weg ist von Dr. med. Peter Dillinger, Freyung, in einem Taschenbuch beschrieben und schön bebildert worden; darin sind auch Landschaftsbeschreibungen und Geschichtsdaten angegeben, sowie Wegeskizzen gezeichnet, die aber nicht sehr detailliert sind. Der Herausgeber dieses Büchleins ist die ARGE Haidelgemeinden, Rathaus – Obere Hauptstr. 21, 94143 Grainet, Tel.: 08585/9600-30. Der Ansprechpartner ist dort Herr Fuchs. Eine spezielle Wanderkarte mit eingezeichnetem Wegverlauf gab es leider noch nicht und so haben wir uns auf die Markierung (weiß-violettes Quadrat mit Kirchturm) und auf eine erhältliche, regionale Fritsch-Wanderkarte verlassen. Soviel zu den Vorbereitungen.

 

Unsere Wanderung begann in Haidmühle und wir wollten im Uhrzeigersinn die o.g. Haidelgemeinden erreichen. Schon in Neureichenau mussten wir aber feststellen, dass die Markierung dort aufhörte; dies wurde uns auch vom dortigen Fremdenverkehrsbüro bestätigt. Zuständig für die Markierung sind die beteiligten Gemeinden, jedoch nicht alle haben sie schon vorgenommen.

 

Wir änderten deshalb unsere Tour und gingen nicht –wie geplant- über Gsenget, Klafferstraß usw., sondern marschierten in Richtung Grainet. Im weiteren Wegverlauf mussten wir wiederholt feststellen, dass die Markierung lückenhaft war oder z.T. ganz fehlte; relativ gut war sie in den Ortsbereichen Haidmühle, Altreichenau, Gschwendet, Herzogsreut und Philippsreut. Wir haben uns also an deren, örtlichen Markierungen unserer Regionalwanderkarte orientiert und uns den Weg gesucht; dadurch bekam der Untertitel „Spurensuche“ des Wanderwegs eine zusätzliche Bedeutung!

 

Unsere Route führte uns also von Haidmühle über Neureichenau, Altreichenau, Grainet, Herzogsreut, Philippsreut und wieder zum Ausgangspunkt zurück. Diese Strecke beträgt etwa 60 km und umfasst die Hälfte des Gesamtweges.

 

Der Weg führte uns durch ausgedehnte, stille Wälder und immer wieder zu Aussichtspunkten auf die schöne Hügellandschaft des Bayerischen Waldgebirges. Wir sahen verlassene Dorfplätze am Säumerweg „Goldener Steig“ nach Böhmen wie Schwendreut und Leopoldsreut, die erst Mitte des vorletzten Jahrhunderts von den Bewohnern aufgegeben wurden und wo jetzt noch eine neu renovierte Kapelle bzw. Kirche steht. Man fragt sich nachdenklich, wie die Leute dort in der rauen Waldlandschaft in über 1000 m Höhe ihr karges Dasein gefristet haben?

 

Wir selbst konnten uns an der typischen „Bayerischen Waldesruh“ erfreuen.

 

Anzumerken ist noch, dass insgesamt nur mäßige Anstiege zu bewältigen waren.Da wir auch mit dem Wetter Glück hatten, war es schlussendlich eine schöne Wanderung.

 

Wermutstropfen waren nur die lückenhafte Markierung, die fehlende spezielle Wanderkarte, sowie die häufig geschotterten Waldwege bzw. asphaltierten Sträßchen.

 

Unterkünfte waren um diese Jahreszeit in allen Orten zu bekommen und wir konnten sie aus dem jeweiligen Ferienangeboten aussuchen. Besonders empfehlen möchten wir diesbezüglich:

 

Pension Kollern, Obere Hauptstr. 3, 94143 Grainet, Tel.: 08585/259 und Restaurant Forellenhof, Fam. Schrottenbaum, Hauptstr. 27, 94158 Philippsreut, Tel.: 08550/1338.

 

Nach unserer Rückkehr haben wir Herrn Fuchs von der ARGE in Grainet telefonisch über unsere Erlebnisse – insbesondere die Markierungslücken – informiert. Er sagte zu, dies bei den zuständigen Gemeinden zu reklamieren und überraschte uns mit der Neuigkeit, dass soeben die spezielle Wanderkarte für diesen Weg herausgekommen ist, die er uns auch sofort zuschickte.

 

Die Karte heißt:

 

Offizielle Wanderkarte 1: 50.000, 1. Auflage Landkreis Freyung – Grafenau, € 6,55

Herausgeber: Studio für Landkartentechnik, Dipl.-Ing. Detlev Maiwald,

Gutenbergring 36, 22848 Norderstedt, Tel.: 040/5324046.

Diese Karte kann man auch unter der o.g. Adresse von der ARGE in Grainet erwerben.

 

Damit ausgestattet kann der interessierte Wanderer einzelne Rundwege oder die große Rundtour des „Themenwanderwegs Kultur“ selbst auswählen und leichter finden, und wir können diesen Weg jetzt ohne Einschränkung empfehlen.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 11 - August 2003

 

 

Runde Hauptstadt -

 66 Seen erwandert man auf einem Weg um Berlin herum

 

Von Dr. Roland H. Knauer 

 

Die Sonne funkelt zwischen im Wasser modernden Baumstümpfen. Vertrocknetes Schilf wiegt sich raschelnd im Wind, der sanft durch die Bäume streicht. Viele Spaziergänger schlendern auf sandigem Weg an diesem Idyll vorbei, an einem Forsthaus mit Gastwirtschaft auf einer Lichtung findet sich kein freier Tisch mehr. Später aber verlieren sich an diesem Feiertag die Menschenmassen und der Weg zu den 66 Seen rund um Berlin wird wieder so einsam, wie er meist ist. Von einem See ist allerdings vorerst auf der Etappe zwischen Birkenwerder und Wandlitz im Norden der Bundeshauptstadt nichts zu sehen. Der Sumpf wird vom Bach Briese abgelöst, der sich zwischen glatten Buchenstämmen durchschlängelt. Enten schwimmen auf dem Wasser, Kolkraben rufen über den Kronen.

 

Abgesehen von den vielen Menschen, die man an wenigen Stellen wie in der Weltkulturerbe-Stadt Potsdam trifft, vergisst der Wanderer auf diesem Rundweg rund um Berlin sehr schnell, dass er sich nur wenige Kilometer außerhalb der einzigen Metropole Deutschlands befindet.

 

In vierzehn Etappen führt dieser Weg einmal um die Bundeshauptstadt und zeigt dem Wanderer so ungefähr alle Landschaften, die das Land Brandenburg zu bieten hat: Märkische Heide und märkischer Sand, dunkle Kiefernwälder, uralte Eichen, Birkenalleen, Sümpfe, Wiesen und Äcker. Mit ein wenig Glück sichtet man Spechte, Eichelhäher, Bussarde, Milane, Falken, Haubentaucher und Graureiher. Im Frühjahr und Sommer klappern die Störche in der Mark Brandenburg und während des Vogelzugs im Frühjahr und Herbst rasten Wildgänse und Kraniche in und an den Seen.

 

Soviel Natur vermutet kaum jemand in der unmittelbaren Umgebung einer Millionenstadt. Durch die deutsche Teilung aber ging die Verstädterung des Umlandes an Berlin mit wenigen Ausnahmen weitgehend vorbei. Im Gegenteil, in manchen Dörfern scheint die Zeit bereits vor hundert Jahren stehen geblieben. Der Wanderer taucht in eine Vergangenheit, in der irgendwo zwischen deutschem Reich und DDR die Uhr stehen geblieben ist. Bröckelnder Putz an mancher braunen Fassade gibt so manchem Dorf eine Würde, die andernorts längst Wettbewerben unter dem Motto „Unser Dorf muss schöner werden" geopfert wurde.

 

Ganz eigen wirkt zum Beispiel Wandlitz: Obwohl der abgeschottete Wohnbezirk der DDR-Größen „Waldsiedlung Wandlitz" ein ganzes Stück abseits der Wanderung liegt und längst in eine Reha-Klinik umgewandelt wurde, atmet das Seeufer vielleicht am deutlichsten die Atmosphäre, die nach der Wende in den östlichen Bundesländern das Klima bestimmt. Datschen neben einfachen Ein- und Zweifamilienhäusern im althergebrachten Braunputz wechseln sich mit pompösen Prunkvillen, die anscheinend besser mit Alarmanlagen gesichert sind als die legendären US-Goldreserven in Fort Knox. Und zwischen diesen Vermögensanlagen auf Seegrundstück blättert der Putz von den Häusern der Alteingesessenen.

 

Samt dem Bahnhofs-Ensemble im Bauhausstil ist Wandlitz eine Sehenswürdigkeit, die der Wanderer so quasi am Wegesrand einfach „mitnimmt".

 

Niemand wird übrigens die 14 Etappen rund um Berlin in einer Tour unter die Wanderstiefel nehmen. Sind doch alle Ausgangs- und Endpunkte der einzelnen Wegstrecken selten im Zweistundentakt, meist aber im Stunden- oder gar im Zehn-Minuten-Takt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Wer auf Dienstreise in Berlin ein Wochenende anhängt, kann also leicht die eine oder andere Etappe zwischen den 66 Seen genießen und dabei eine Gegend kennen lernen, die in Deutschland einmalig ist.

 

Offizieller Startpunkt für die 373 Kilometer lange Rundwanderung ist der Touristenrummel Potsdams um die Schlösser Sanssouci und Cecilienhof. Bald aber erreicht man aus der quirlig-behäbigen Hauptstadt des Bundeslandes Brandenburg die Einsamkeit der Mark Brandenburg - und hat bereits die ersten fünf Seen nach einer halben Etappe fotografiert. Wie der Name es bereits andeutet, geben vor allem die Gewässer der 66-Seen-Wanderung ihren besonderen Reiz. Dorfteiche und Fischweiher sind dabei noch gar nicht mit gezählt. Vom Entwässerungsgraben bis zum Kanal für große Schiffe reicht die Palette der künstlichen Gewässer, an denen man entlang schlendert. Stundenlang folgt man Bächen wie der Briese oder der behäbigen Havel.

 

Je nach Wochentag flitzen Sportboote oder tuckern schwere Lastkähne über das glatte Wasser, immer wieder schreckt der Wanderer Enten auf. Hohe Pappeln spiegeln sich im glatten Wasser, der Wind rauscht durch das Herbstlaub, übertönt aber nicht das Gezwitscher der Vögel. Manchmal endet der Weg in gigantischen Sand- oder Schutthaufen - ein Zeichen für die lebhafte Baukonjunktur im Umland von Berlin. Nur mit Mühe und geschickten Balance-Übungen am Ufer eines Kanals kommt man weiter, stößt aber bald wieder auf den alten Weg. Der wiederum ist manchmal eher wild und verwachsen als romantisch und bequem. Aber meist ist es ein gemütliches Wandern zu den 66 Seen.

 

Sattrot spiegelt sich dann wieder das Herbstlaub in einem der unzähligen Gewässer, an denen der Wanderer vorbei kommt. Einsame Häuschen ducken sich unter dem Laub ans Ufer. Dann taucht der Pfad wieder in einen der typischen Mischwälder ein, in denen sich Eichen, Buchen, Birken und Kiefern der Sonne entgegen strecken. Ein schneeweißer Schwan treibt einsam über fast schwarzes Wasser, am Ufer zittern Angler frierend im kalten Herbstwind. Die seltenen Krebsscheren strecken ihre Agaven-ähnlichen Blätter unter Wasser dem Licht entgegen, Schafe weiden daneben auf einer kargen, märkischen Wiese. Und in der Ferne blinkt schon das Wasser des nächsten der 66 Seen.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 10 - April 2003

 

 

Wanderbericht - Der Europäische Ferwanderweg 9

in Mecklenburg-Vorpommern - Ein Flop!

Die Verantwortlichen vor Ort favorisieren die Radfahrer.

 

Von Lutz Heidemann

 

Seit einigen Jahren weist die Deutsche Generalkarte, obwohl in dem groben Maßstab von 1: 200000, doch wie sich zeigte mit ausreichender Präzision, einen durchgehenden Wanderweg entlang der deutschen Ostseeküste aus, der als E 9 Teil einer Verbindung von der französischen Atlantikküste bis Danzig ist und zum Europäischen Fernwegenetz gehört. Dieser Fernwanderweg war auch auf den Übersichtskarten der Europäischen Wandervereinigung zur Sternwanderung vom Sommer 2001 („EuroRando“) enthalten. Man konnte daraus den Schluss ziehen, er müsste auch in der Örtlichkeit existieren.

 

Uns reizte dieser Teil Deutschlands. Wir wollten die Natur und auch die kleineren und größeren historischen Küstenstädte und die dort geleistete Wiederherstellungsarbeit kennen lernen. Meine Frau und ich waren nicht zum ersten Mal in Mecklenburg-Vorpommern; 1998 sind wir auf unterschiedlich markierten Wegen in zehn Tagen über 300 km von Wismar bis Neubrandenburg gewandert, aber die Küste hatten wir damals nicht gesehen. So machten wir uns im August 2002 auf den Weg.

 

Ich hatte wieder eine zehntägige Tour vorbereitet. Wir starteten in Altbuckow östlich von Wismar und erreichten nach ca. 270 km am 10. Tag Wolgast. Die Rahmenbedingungen waren gut. Bis auf einen Regentag am Anfang war bestes Sommerwetter. Trotzdem gab es einiges auszusetzen, zumindest kann ich die Tour nicht uneingeschränkt empfehlen.

 

Als wir wieder nach Hause gekommen waren, war inzwischen die Internet-Seite

www.wanderbares-deutschland.de“ des Deutschen Wanderverbandes installiert worden. Die Etappen, die wir gewählt hatten, waren nahezu identisch mit den dortigen Angaben. In der generellen Routen-Charakterisierung heißt es u.a.: „Auf naturnahen Pfaden entlang der Ostsee-Küste genießt man den Anblick reizvoller Seebäder, die einst aus Fischerdörfern entstanden [sind]...“. Die Seebäder mit ihrer Wilhelminischen Architektur kann man reizvoll finden, das ist Geschmackssache und ein „weites Feld“, doch von naturnahen Pfaden konnte nur sehr eingeschränkt die Rede sein, denn weit überwiegend werden die Wanderer über breite befestigte Radwegen geführt.

 

Besonders krass waren die Verhältnisse auf dem Abschnitt Kühlungsborn - Zingst, also dem Teil, der direkt an der offenen Küste lag. Dort waren die Radwege perfekt ausgebaut oder standen kurz vor der Vollendung. Da war viel Geld verbaut und noch stolz das Etikett „Europäischer Fernwanderweg“ auf dem Bauschild ange-bracht worden. Pulks von Radfahrern, die z.T. nur an ihre Badeplätze gelangen wollten, zogen an uns vorbei. Wir fühlten uns neben ihnen als „Menschen zweiter Klasse“. Radfahren hat sich inzwischen zu einem Gruppensport entwickelt, im sympathischsten Fall zu einer Familienausflugs-Angelegenheit.

 

Entweder mit Faszination oder als eine besondere Perfidie konnten wir die an uns vorüberziehende Inline-Scater auffassen. Allein oder in Gruppen huschten elegante junge Menschen vorbei. Verleiher für die Geräte dieser Trendsportart hatten sich an den Ortsausgängen niedergelassen. Mit Rucksack „sieht man da alt aus“ und sucht sich leicht stolpernd seinen Weg am Fuß des Dammes. Oft sind wir dann direkt ans Wasser ausgewichen und über den feuchten Sand gelaufen, doch auch da mit unseren Teleskop-Wanderstöcken merkwürdig betrachtet von den meist sehr spärlich bekleideten Badegästen. Später dann von Barth bis Greifswald ist die Küste überwiegend verschilft; dort geht es ruhiger zu. Hier hatten wir reizvolle Ausblicke auf den Bodden und den Strelasund. Die Kirchtürme sah man näherkommen oder langsam verschwinden. Später querten wir größere Waldstücke.

 

Kann man der Grobtrassierung voll zustimmen, müsste im Detail an der Wegeführung noch manches verbessert werden. Muss man zum Beispiel hinter Warnemünde solange auf der Straße gehen? Kann nicht im Bereich Heiligendamm ein Fußweg, als bescheidener Trampelpfad, parallel zum Radweg markiert werden? Können nicht die Fußgänger westlich von Kinnbackenhagen auf dem Deich direkt nach Wendisch-Langendorf gehen? Dass die Radfahrer aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgehalten werden sollen, verstehe ich ja. Kurz vor Barhöft scheint der direkte Weg weggepflügt worden sein. So gäbe es viele kleine Verbesserungsmöglichkeiten.

 

Sehr mangelhaft war die Markierung. Das Grundzeichen ist ein blauer Balken auf weißem Grund. Bei der Markierung und den Wegweisern fanden wir keinen einzigen kein Hinweis darauf, auf einem Europäischen Fernwanderweg zu sein. Vielleicht wäre eine Lösung, so wie in Slowenien, bei der Überlagerung eines nationalen mit einem internationalem Weg, angebracht, dass jede fünfte oder zehnte blau-weiße Markierung den Zusatz E 9 erhält, denn auch abzweigende Wege scheinen so markiert zu sein. Auf dem Abschnitt hinter Barth fehlten die Markierungen; es gab nur Hinweise auf lokale Wegstücke.

 

Das Herein- und Herausführen aus Stralsund war problematisch. Nördlich und östlich der Stadt sind Uferabschnitte durch öffentliche und halbprivate Nutzer unzugänglich. Hier Abhilfe zu schaffen, im Extremfall über Stege im Wasser mit Einblicksmöglichkeiten in den Betrieb eines Hafens oder einer Werft, kann viel Geld kosten, bedeutet aber für Bevölkerung wie Besucher ein Zugewinn an Stadtqualität.

 

Beim Weg aus Stralsund heraus tauchten erst weit draußen erste Markierungen auf und lenkten uns in Richtung Justizvollzugsanstalt, aber dann kamen wir in eine Sackgasse. Wenig später wurden wir auf einem Betonplattenweg, der zugleich Zufahrtsweg für die Lkws einer Müll-Deponie war, geführt. Den Verantwortlichen für die Trassenführung auf dem Abschnitt Greifswald—Wolgast nehme ich es persönlich übel, dass wir hinter Eldena bis Friedrichshagen entlang einer starkbefahrenen Bundesstraße und später auf einer Asphaltstraße bis Großschönweide gehen mussten, wogegen ruhige und sogar granitgepflasterte Wege im angrenzenden Wald existieren. Man kann es auch merkwürdig finden, dass ein Europäischer Fernwanderweg eine kulturelle Besonderheit wie das ehemalige Zisterzienser-Kloster Doberan so schnöde links liegen lässt. Wenigstens eine Wegevariante über Doberan sollte entwickelt werden.

 

Andere Weitwanderer haben wir nicht getroffen. In den Hotels wurden wir bestaunt. Auf unseren Hinweis, dass die Strecke für Wanderer Mängel hätte, bekamen wir einmal die Antwort, das hätten auch schon andere Gäste gesagt. Die Verantwortlichen müssen sich entscheiden, ob sie Wanderer wollen und ihnen dann eine adäquate Wegeführung anbieten.

 

Doch ich will versöhnlich schließen, wir haben uns erfolgreich durchgeschlagen; letztlich war es eine schöne Tour und Wanderer sind ja „hart im Nehmen“. Die Luft tat uns gut; die wechselnde Landschaft zog uns weiter; die Menschen, die wir ansprachen, waren freundlich und hilfsbereit. Stoff zum Nachdenken über das heutige Aussehen des durchwanderten Gebietes, die Formung von Landschaft in der Eiszeit und das immerwährende Verändern der Küsten gab es genug.

 

Wer unsere Tour im Detail nachvollziehen will, hier noch einmal die Etappen:

 

1.   Wandertag: Pepelow bis Kühlungsborn-Ost, viele Hotels 28 km

2.   Wandertag: bis Warnemünde, viele Hotels 24 km

3.   Wandertag: bis Wustrow (32 km) oder Ahrenshoop 31 km

4.   Wandertag: bis Prerow (26 km) oder Zingst 30 km

5.   Wandertag: bis Barth, Hotel „Speicher“ 038231/63-300 24 km

6.   Wandertag: bis Barhöft, „Hotel Seeblick“ 038323/ 4500 36 km

7.   Wandertag: bis Stralsund, viele Hotels 17 km

8.   Wandertag: bis Reinberg 27 km  Oberhinrichshagen

      Hotel Borgwarthof 038328/ 8650

9.   Wandertag: bis Greifswald, viele Hotels 30 km

10. Wandertag: bis Wolgast, 38 km Hotel Peenebrücke,

      Burgstr.2 03836/ 27260

 

      Rückfahrt zum Auto

 

Wir sind dann noch mit dem Auto durch die kleineren und größeren Städte von Ostmecklenburg und Vorpommern gefahren und haben viele backsteingotischen Kirchen und bescheidenen oder prächtigeren Bürgerhäusern betrachtet, die reichen Museen und Galerien besucht und uns an den umfangreichen Renovierungen erfreut.

 

Als eine Alternative zu einer Küstenwanderung unser Weg im Jahr 1998:

 

1.   Wandertag: Wismar bis Wickendorf nördl. von Schwerin

      (Seehotel Frankenhorst 0385/555071) 31 km

2.   Wandertag: durch Stadt Schwerin bis Leezen

      (Hotel Leezen 03866/4050) 25 km

3.   Wandertag: bis Sternberg 30 km

4.   Wandertag: bis Güstrow 38 km

5.   Wandertag: nachmittags bis Krakow am See 22 km

6.   Wandertag: bis Malchow über Nossentiner Heide 33 km

7.   Wandertag: bis Waren 28 km

8.   Wandertag: bis Boek 22 km

9.   Wandertag: bis Neustrelitz 29 km

10. Wandertag: bis Prillwitz 19 km

11. Wandertag: bis Neubrandenburg 17 km

 

      und nachmittags mit Bahn zurück nach Wismar.

 

Es stellte sich damals heraus, dass die „Kompass-Karten“ recht brauchbar waren. Im Nationalpark Müritz benutzten wir die von ihm herausgegebene Karte. Auch damals wurden wir an einigen Etappen, z.B. Sternberg—Güstrow über befestigte Wege geführt, doch insgesamt trat dieses Problem nicht in der Schärfe wie bei dem Küstenweg auf. Nun stellte ich fest, dass inzwischen größere Abschnitte unserer damaligen Tour unter dem Begriff E 9a firmieren.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 8 - Oktober 2002

 

 

Wandern auf dem neuen Rheinsteig –

 

Lutz Heidemann berichtet von den Erfahrungen mit dem neuen Premiumweg und macht eine kritische Analyse der Rheinsteig-Wanderführer

Ein Bericht aus Nr.19 von „Wege und Ziele“, der Zeitschrift von „Netzwerk Weitwandern“

 

Wandern „auf hohem Niveau“ – 

Erfahrungen vom neuen Rheinsteig

 

Von Lutz Heidemann

 

Im Oktober 2005 sind meine Frau und ich sechs Tage auf dem Rheinsteig unterwegs gewesen. Wir waren anschließend voll des Lobes. Das durchwanderte Gebiet ist keine unproblematische Gegend; es ist unzweifelhaft schön, aber auch mit Vorurteilen verschiedenster Art belastet. Zu diesem problematischen Erbe gehört der „Geist“ des 19. Jahrhunderts mit seiner Burgenromantik und nationalen Tönen vom „deutschen Fluß, der nicht Deutschlands Grenze“ sei. Aber ich weiß, auch Engländer haben an der Entstehung des in den Köpfen verankerten Bildes von heroischer Landschaft und Rheinidyllen mitgewirkt. Selbst auf Franzosen wie Victor Hugo oder Rimbaud hat der Fluß faszinierend gewirkt, und in Japan scheint die Loreley noch populärer als in Deutschland zu sein. So ist eine Rheinwanderung keine Expedition in ein Neuland; am Rhein ist schon lange vor uns gewandert worden und es existiert ein dichtes Wegenetz. Kann man also heute am Rhein noch etwas entdecken? Man kann.

 

Der neue „Rheinsteig“ ist den Wanderinnen und Wandern im September 2005 offiziell übergeben worden. Die Planungsvorbereitungen und die Umsetzung in der Örtlichkeit haben mehrere Jahre gedauert. Die Trasse konnte schon 2004 aus dem Internet heruntergeladen werden. Doch 8000 Schilder anzubringen dauert seine Zeit. An einigen Stellen werkelten im Herbst 2005 noch Handwerker an Geländern und Brücken. Die Grundausstattung aus hergerichteten Wegen, einer perfekten Beschilderung, einer Faltkarte, zwei Führern (einer in Nord-Süd-, der andere in Süd-Nord-Richtung) und einem Unterkunftsverzeichnis liegt vor. Auch die Medien-Trommel ist schon fleißig gerührt worden.

 

Der Weg und seine Aufbereitung hat ein Vorbild: den Rothaarsteig im Sauerland. Wie beim Rothaarsteig ging die Initiative von den Fremdenverkehrsverantwortlichen und staatlich-halbstaatlichen Stellen aus. Bei beiden Wegen gab es hohen Koordinierungsaufwand, nicht zuletzt, weil jedesmal der Weg über mehrere Bundesländer geht. Beide Wege haben gleiche „geistige Väter“; eine wichtige Rolle spielte der Marburger Professor Rainer Brämer und das von ihm geleitete Deutsche Wanderinstitut. Der von Brämer und seinen Mitarbeitern konzipierte und formalisierte Qualitätsstandard führte zu dem Etikett „Premiumweg“, das der Rheinsteig auch nach meiner „unsystematischen“ Einschätzung verdient hat. Sprachlich wird noch eins zugelegt; der Weg wird verkauft mit dem Slogan „Wandern auf hohem Niveau“.

 

Der Rheinsteig reicht von Bonn bis Wiesbaden; er bleibt nur auf der rechten Rheinseite. Wie beim Rothaarsteig gibt es ein „Rückgrat“, den Hauptweg, und dazu die auch etwas anders markierten „Zubringerwege“. Das erlaubt das Zusammenstellen von individuellen Touren und ist hilfreich für Tagesausflügler. Besonders die Bahnhöfe im Tal, ebenso die Schiffsanlegestellen oder große Parkplätze in Dörfern auf der Hochebene sind Ausgangspunkte der Zubringerwege.

 

Der Weg ist vielseitig. Er ist deutlich für Wanderer trassiert, so trafen wir auch kaum Mountainbiker. Der Weg fordert die Wanderer; er hat viele Steigungen. Die Überwindung von 800 Höhenmetern pro Tag ist normal, bei der Etappe Ehrenbreitstein Braubach standen 1200 m an. Ein bayerischer Wanderer, den wir unterwegs trafen, lobte Weg und fand ihn sogar anstrengend. Der Weg ist nahezu perfekt markiert, aber es heißt aufpassen. Es ist kein Weg zum Dahintrotteln, das ist nicht angesagt oder man hat leicht die ins Grüne abgebogene Fortsetzung verpaßt. Wenn wir vom Rheinsteig abkamen, geschah das immer dann, wenn der alte mit einem „R“ gekennzeichnete und meist „gerade“ verlaufende Rheinhöhenweg“ in eine befestigte Ortsstraße überging, der Rheinsteig dagegen fast unbemerkt sich „seitlich in die Büsche schlug“.

 

Zu einen Weg dieses Anspruches gehören nicht nur eine intelligente Trassenwahl und eine zuverlässige Markierung, sondern auch weitere Wanderhilfen wie Informationen über mögliche Unterkünfte und das Organisieren von Führern und Karten. So gibt es für den Rheinsteig eine gute, von den staatlichen Vermessungsämtern mit dem Projektbüro Rheinsteig gemeinsam herausgebrachte Karte im Maßstab 1:50.000. Sie ist zweisprachig und pfiffig aufgeteilt und gefaltet und zeigt auch die anderen Wege im Rheintal und auf der andern Flußseite. Das ist gut, aber bei dem „Gewimmel“ von Wegen an der „Hangkante“ kann nicht immer nachvollzogen werden, welches in der Karte dargestellte Wegstück zu welchem Fernwanderweg gehört. In der Örtlichkeit ist das dann kein Problem, die Markierungen vom Rheinsteig sind unübersehbar und dominieren alle anderen Wegsysteme. Für die Markierung ist ein schönes Logo entwickelt worden; es ist intelligent gemacht. Es kann sowohl als Abbild des Rheintales mit dem sich windenden Fluß gesehen wie als ein stilisiertes „R“ für „Rheinsteig“ gelesen werden. 

Wie gesagt, der Weg ist so gut ausgeschildert, daß man eigentlich auch ohne einen Führer auskommen könnte, aber es gibt, wie erwähnt, inzwischen bereits zwei Führer. Praktische Bedeutung haben die Führer für die Planung von Etappen. Die Führer machen Angaben für die zu veranschlagende Dauer zwischen Einzelstrecken. Denen kann man vertrauen und sich kürzere oder längere Tagesetappen zusammenstellen, gerade weil das Übernachtungsangebot entlang des Weges solche Freiheiten erlaubt.

 

Der Führer in Wanderrichtung Süd ist beim Verlag Idee Media, Neuwied in der Serie „Ein schöner Tag - kompakt“ herausgekommen (ISBN 3-934342-41-8. Preis 12.95 €). Andere Veröffentlichungen des Verlages tragen so schöne wie unverbindliche Namen wie NaturTOUREN, BadeTOUREN, oder FamilienTOUREN. Die Autoren des Rheinsteig-Führers sind Renate und Olaf Goebel. Sie pflegen eine neckische muntere Sprache. Sich über ihren Aufforderungs-Tonfall zu mokieren, ist vielleicht ein falsches und ungerechtes Urteil von mir, die Wahl eines solchen Sprachduktus und der reichen Bebilderung und des vielfarbigen Layouts sind heute vorausgesetzte Bestandteile beim „Werben“ für ein Tourismus-Produkt und zum Wandern allgemein. Dieser Führer enthält auch die GPS-Daten der Wegweiser an Kreuzungen und Wegegabelungen. Doch bei der guten Markierung läßt mich das Mitnehmen dieses Gerätes eher an das Ausführen eines Hundes oder teuren Pelzmantels denken.

 

Die zweite Veröffentlichung mit dem Titel „Abenteuer Rheinsteig“, die den Wanderer flußabwärts von Süden nach Norden begleitet, ist vom Görres Verlag in Koblenz in Kooperation mit „pepper“, dem Veranstaltungsmagazin der Rhein Main Presse Mainz, herausgebracht worden. (ISBN 3-935690-42-8. 12.80 €). Dieser Führer enthält auch Kartenskizzen. Er ist größer und dicker und somit auch deutlich schwerer. Drei Autoren sind im Kopf genannt; auch hier ist bei der Sprache ihre journalistische Herkunft unüberlesbar. Unterwegs werden die Wanderer kräftig an die Hand genommen und ihnen immer und immer wieder ihnen gesagt, wann abgebogen werden soll oder der Weg eine Kehre macht. Das im Titel versprochene „Abenteuer“ bleibt da fast aus. Doch zielen solche Begriffe wie die gesamte Aufmachung eher auf Menschen ohne Wandererfahrung und sollen sie ermuntern, eine mehrtägige Tour zu machen.

 

Es wird viel geplaudert, wichtiges und unwichtiges („Im Kurort Schlangenbad fühlten sich schon Adelige und Diplomaten wohl“) erwähnt und auch manches doppelt berichtet. Verwendete Fach-Begriffe sollte man nicht auf die Goldwaage legen, daß z.B. die Mönche von Kloster Eberbach eine „eigene Flotte von drei Schiffen“ besaßen oder eine Burg der Herren von Scharfenstein deren „Regierungs- und Stammsitz“ war. Ausdrücklich zu loben ist das Interesse der Autoren an der Deutung von Namen. Sie erwähnen zum Beispiel, daß das Siebengebirge kaum nach sieben Bergen benannt wurde, sondern der Name von den „Siefen“ herzuleiten ist, das sind tief eingeschnittene Trockentäler, in Westfalen heißen sie „Siepen“. Bei der Namenserklärung des Lurley, so hieß der Fels bis zum frühen 19. Jahrhundert, dessen zweiter Namens-Bestandsteil Ley = Stein, Felsen, Schiefer am Rhein häufiger vorkommt, halten sich beide Führer zurück und verweisen auf das Besucherzentrum mit Erlebnismuseum.

 

Eine weitere Hilfe ist das kostenlos erhältliche sog. Gastgeber-Verzeichnis. Es ist quasi die Klammer für beide Führer, für beide Veröffentlichungen gibt es hier Anzeigen. Auf der TourNatur in Düsseldorf im September 2005 war bei den Übernachtungsangeboten von „geprüfter Rheinsteig-Qualität“ gesprochen worden. Wir fanden das Hotelangebot eher gemischt. Hervorzuheben war die freundliche persönliche Stimmung in den Hotels und Gasthöfen. Die Wirte berichteten, selbst von Resonanz des Rheinsteigs völlig überrascht zu sein. Mir wurde berichtet, daß zu einer Info-Veranstaltung des Rheinsteig-Projektbüros im nördlichen Abschnitt nur zwei Hoteliers gekommen seien. Jetzt dürfte der Boden bereitet sein. Mir scheint das Gastgeber-Verzeichnis überarbeitungsbedürftig; es sollte nicht dicker, sprich schwerer werden, aber hinsichtlich der Informationen deutlicher auf die Wandergäste bezogen sein. Das Verzeichnis enthält bei weitem nicht alle Beherbergungsbetriebe am Weg; es beruht auf kostenpflichtigen Eintragungen und Selbstdarstellungen. Nur so ist zu erklären, daß eine teure Hotellerie aus St. Goar von der anderen Rheinseite dort ausführlich vertreten ist.

 

Was erwartet ein Wanderer von Hotels: Ein generelles Willkommen trotz möglicherweise schmutziger Füße; ein Abhol-Angebot, wenn man die Länge einer Etappe unterschätzt hat? Wird mit solchen Angeboten Mißbrauch getrieben oder ist das ein Taxi-Thema? Ein hilfreicher Service sind Möglichkeiten zum Trocknen von nasser Kleidung und insbesondere von nassen Schuhen, Leih-Pantoffel, um ins Restaurant zu gehen. Ansonsten sind Wanderer Menschen wie du und ich und genau so unterschiedlich.

 

Ein heikles Thema ist die Ruhe in den Hotels. Der Wanderer ist über Stunden durch große Stille spaziert. Dann ist es ein Schock, wenn nachts der Güterzug direkt neben dem Bett zu fahren schien. Das war nicht Nachlässigkeit der Wirte, sondern ist ein schwieriges städtebauliches Erbe, weil im 19. Jahrhundert die Bahnen unmittelbar an die historischen Stadtkernen vorbeigeführt wurden. Aber auch da sind in einzelnen Häusern mit baulichen Aufwendungen erstaunliche Ergebnisse erzielt worden.

 

Als wir im Herbst 2005 unterwegs waren, sind wir von Rengsdorf bei Neuwied bis kurz vor die Loreley gewandert. Wir sind dann von St. Goarshausen mit der Bahn über Koblenz nach Neuwied zurückgefahren, haben den Bus bis Sayn benutzt und sind eine knappe Tagesetappe bis zu unserem Auto in Rengsdorf zurückgewandert. Wir hatten dabei das Vergnügen, auch einmal „rückwärts“ zu gehen, was mit der immer wieder spannenden Erfahrung verbunden ist, an was erinnern wir uns, was kommt demnächst, was ist andersherum eine Überraschung, ist ein „bekannter“ Weg kürzer?

 

Ich wiederhole noch einmal, es machte wegen der Vielseitigkeit der Landschaft einfach Spaß hier zu wandern. Es ist meist eine Überraschung, welches neue Landschaftsbild auf dem Rheinsteig Tag für Tag folgt. Wir kennen nur das Neuwieder Becken und nördliches Mittelrheintal. Über die ganze Strecke kommt man noch durch weitere sehr unterschiedliche Landschaftstypen: das Siebengebirge, den südlichen Abschnitt des engen Rheintales, dann die weite Landschaft von Rheinhessen. So hat der Rheinsteig über die ganze Länge einen „drive“, der Wanderer weiterzieht.

 

Wir trafen andere Wanderer, auch viele Tagesausflügler und das begründet mein Urteil, daß der Weg eine gute Resonanz gefunden hat. Wir wurden auch von Einheimischen auf unsere Wandererfahrungen angesprochen und bekamen mitgeteilt, daß sie auch schon mehrere Etappen in ihrer Umgebung gewandert seien.

 

Im mittleren Abschnitt geht es hoch und runter. Beim Abstieg hat man manchmal einen Ort praktisch in der Vogelperspektive vor sich. Dann kommt der Aufstieg, oft an einer Burg vorbei. Von dort wurde früher das Tal kontrolliert, bewacht und ggf. gesperrt. Die Burgen sind gebaute Machtgesten. Die Mautstelle auf dem Weg zum Meer auf einer französischen Autobahn sieht nicht so ästhetisch aus wie die Pfalz auf der Rheininsel bei Kaub, und heute geht Bedrohlichkeit eher von elektronischen Lesegeräten aus.

 

Von dem von den Wegemachern evoziertem „hohen Niveau“ blickt der Wanderer oder die Wanderin immer wieder mit Neugier in den Talboden herunter. Die Schiffe lenken als erste den Blick auf sich. Sie gleiten ruhig allein über das Wasser oder sind locker zu kleinen Ketten oder enger zu Schub-Verbänden aneinandergefügt. Die Orte am gegenüberliegenden Ufer entfalten ihre Individualität durch Kirchen oder besondere Nutzbauten, Wohnhäuser sind groß wie Spielzeug, die Züge gleichen schnellen Raupen. Die von der Sonne beschienenen steilen Hänge erlaubten hier seit dem Frühmittelalter den Anbau eines „Kultgetränkes“. (Auch westfälische Klöster bemühten, sich in den Besitz von ein paar Weinbergen zu kommen. Auch da gibt es inzwischen Konkurrenz vom Mittelmeerraum oder der Südhalbkugel.)

 

Der Weg ist nicht vorrangig auf Besichtigungen von historischen Bauwerken angelegt. Es gibt Objekte an der Strecke, die man einfach gesehen haben sollte. Die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz oder die Marksburg bei Braubach sind solche Objekte. Das passen auch gut in die Etappenplanung. Andere Burgen am Weg sind eher unzugänglich.

 

Verkehrslärm dringt vom Talgrund herauf; meist sind es die Züge, manchmal auch von Gewerbebetrieben. Es gibt erstaunlich stille Nebentäler. Jede Möglichkeit von unbefestigten Wegeabschnitten wurde von den Wegemachern genutzt. Der Anteil an befestigten Strecken vernachlässigend minimal; also wirklich: Premium! Zum Teil wurden Wege in Form von Trampelpfaden durch Wandstücke frisch angelegt.

 

Es war viel „geholzt“ worden, d.h. an markanten Stellen Bäume und Büsche beseitigt worden, um eine freie Sicht ins Tal zu haben. Auch das gehört zur Landschafts- bzw. Weginszenierung. Hier wird deutlich, daß bei der „Wegemacherei“ ganz entscheidend Landschaftsplaner beteiligt waren. Aber solche „Inszenierungen“ bedürfen auch der kontinuierlichen Kontrolle und Nacharbeit. Hier wird sich erweisen, ob der Anspruch nachhaltig aufrecht erhalten bleibt.

 

Wir kamen durch größere Buchenbestände, z.T. gemischt mit Eichen; nur wenige Abschnitte führen durch Nadelwald. An den der Mittags- oder Nachmittagssonne ausgesetzten Hängen stießen wir auf Robinien, z.T wild-malerisch von Lianen überwuchert. Eßkastanien zeigen, wie klimatisch herausragend die durchwanderte Gegend ist. Auf der Hochebene geht der Weg an Feldern vorbei. Wenn die Rheinsteig-Werbung von „unberührter Natur“ spricht, ist das landschaftsgeschichtlich gesehen ziemlicher Blödsinn, aber die Leute glauben das vielleicht sogar.

 

Noch ein paar grundsätzliche Bemerkungen zur Wegemacherei. Natürlich wäre eine gründliche Überarbeitung des Rheinhöhenweges denkbar gewesen. Das wäre ein interessantes Exempel für die Regenerationsfähigkeit von deutschen „Traditionswegen“ gewesen, denn in der Realität ist der Rheinsteig ein renovierter Rheinhöhenweg. Die Trasse ist dort, wo es möglich war, näher an die „Hang-kante“ herangerückt worden. Es ist ein Weg „über die Höhen“, kein Weg entlang des Flusses oder „auf halber Höhe“ parallel zum Fluß z.B. durch die Weinberge. Einige Streckenabschnitte haben eine neue Doppelmarkierung mit dem „ weg“. Auch der „Limeswanderweg“ des Westerwaldvereines läuft häufiger parallel. Es ist ein neuer Weg zu den bestehenden „Themenwegen“ gekommen, es hat keine „Flurbereinigung“ zugunsten einer neuen wanderfreundlichen Haupttrasse gegeben.

 

Die Raum-Verhältnisse des Mittelrheintales sind faszinierend und schwierig. Der Fluß war seit vorgeschichtlicher Zeit eine „Verkehrs- und Entwicklungsachse“ von europäischer Bedeutung. Seit dem 19. Jahrhundert sind neue Transportformen und Verkehrsbänder, Eisenbahnen auf beiden Uferseiten und die ebenfalls stark ausgebauten Bundesstraßen dazugekommen. Durch technisch aufwendige Ortsumgehungen ist in letzter Zeit den Anwohnern geholfen worden. Wir waren angenehm überrascht, wie ruhig es in einem Hotel in Ehrenbreitstein direkt an der Bahnlinie war. Doch anderswo sind soziale Erosionen in den kleinen historischen Zentren unübersehbar, sind die, die es sich leisten konnten, z.B. auf die Hochebene gezogen. Für den Wanderer sind trotz schöner Wegeabschnitte die Bausünden der letzten Jahrzehnte unübersehbar: große ungeschlachte Baukörper für Freizeiteinrichtungen im Außenbereich wie Reitställe oder Schützenhallen, z.T. leerstehende Tagungszentren, der Kühlturm vom Kraftwerk Mühlheim-Klärlich, Großbauten wie eine Wellness-Klinik auf der Hochebene bei Koblenz oder als Seniorenresidenzen deklarierte Hochhäuser. Wie kann man da gegensteuern?

 

Das Mittelrheintal ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden. Das war letztlich ein Hilferuf. Das Mittelrheintal ist nun mal charakterisiert durch seine dicht im Talgrund zusammengedrängte Bebauung. Geographisch gibt es nur wenige Vergleichsbeispiele, z.B. das Rhonetal südlich von Lyon oder noch ähnlicher die Achse Innsbruck Brennerpaß und Eisack-Etschtal. Die Einrichtung des Rheinsteiges war eine strukturpolitische Maßnahme, daher der hohe öffentliche Aufwand. Der Weg und seine Popularisierung sollen dem Mittelrheingebiet Entwicklungsimpulse geben, vordergründig ein neues Image erzeugen und neue Besuchergruppen zuführen. Deshalb bei allem Lob trotzdem meine neugierigen Fragen: Wie lange wird der jetzt beobachtete Aufschwung beim Gaststättengewerbe andauern und auch darüber hinaus durch das Medienspektakel zu Änderungen im allgemeinen Bewußtsein führen? Kann beim Mittelrhein das Klischee von Wein, Weib, Gesang überwunden oder erweitert werden? Wie nachhaltig war der regionale Erneuerungsimpuls im Sauerland durch den Rothaarsteig?

 

Fotos: Bettina Heidemann

 

Wandern in Oberbayern

 

Markus Mohr wanderte mit dem Zelt von Lenggries nach Urfeld am Walchensee

Ein Bericht aus Nr.19 von „Wege und Ziele“, der Zeitschrift von „Netzwerk Weitwandern“

 

Mit dem Zelt von Lenggries nach Urfeld am Walchensee

 

Von Markus Mohr

 

1.Tag

 

Gegen 6.30 Uhr reißt mich mein Wecker aus dem Schlaf. Es geht los – die schon lang ersehnte Tour von Lenggries nach Murnau. Nach einem ausgiebigen Frühstück verlasse ich gegen 7 Uhr das Haus und trete eine halbe Stunde Fußweg zum Backnanger Bahnhof an. Man merkt, dass Wanderer mit soviel Gepäck nicht zum Alltag der Backnanger gehören. Neugierige Blicke verfolgen jeden meiner Schritte. Als ich mit 5 Minuten Verspätung Stuttgart erreiche, wächst die Aufregung. Wie wird er wohl sein, der Steffen aus dem Internet, mit dem ich mich für diese Tour verabredet habe? Werden wir uns gleich finden? Ist er da? Jedoch alle Sorgen sind umsonst. Das helle Orange von Steffens Rucksack leuchtet unübersehbar aus dem Menschengetümmel hervor.

 

Ein kurzes „guten Morgen“, und schon geht es auf die spannende Suche nach einem Lebensmittelladen. In jedem anderen Ort hätte man gefragt, wo das Problem liegt. Nicht aber in Stuttgarts Innenstadt. Ein Sportgeschäft nach dem anderen reiht sich in der Königsstraße aneinander. Nur ein Lebensmittelgeschäft fehlt. Galeria Kaufhof hat noch zu, und so machen wir uns auf den Weg in Richtung Charlottenplatz, wo ich einen Schlecker kenne. Auf dem Weg dorthin unterhalten wir uns kurz und tauschen Informationen aus, als uns plötzlich das gelbe Schild eines Edeka Neukauf Supermarktes auf der anderen Straßenseite auffällt. Und der absolute Wahnsinn, er hat auf! Also nichts wie rein und geschwind vier Liter Apfelschorle, ein halbes Mehrkornbrot,eine1 Dose Erbsen-Möhren, Schwarztee, Marmelade, vier Äpfel, Tütensuppe, Naturreis und Nudeln eingekauft.

 

Später, im Zug, bemerkt Steffen plötzlich einen Fleck an seinem Rucksack. Schnell wird klar, dass die Thermoskanne dem Druck der Apfelschorle nicht stand hält. So trinken wir etwas von der Schorle ab, um so ein weiteres Auslaufen zu verhindern. In Ulm dann angekommen, möchte ich am Automaten das Bayernticket kaufen, um so weiter fahren zu können. Doch was bietet mir der blöde Automat an? Baden-Württemberg-Ticket oder Wochenendticket. Da steht man nur wenige Meter von der bayrischen Grenze an einem Automaten und möchte einen Fahrschein kaufen, und dies ist nicht möglich. Also kaufen wir am Schalter das Ticket, was uns letztendlich zwei Euro mehr kostet.

 

Über Augsburg geht es nun weiter nach München. Unterwegs fahren wir an einem interessanten und auch lustigen Bahnsteig vorbei. Dieser wird gerade von zwei Männern mit Rasenmähern gemäht. Sachen gibt’s! In München hat sich der blaue Himmel, der uns die ganze Zeit über begleitete, hinter großen, dicken Schauerwolken versteckt. Komischerweise regnet es jedoch noch nicht. Die Luft scheint noch zu trocken zu sein. Nach einer fünfundvierzigminütiger Fahrt mit der BOB erreichen wir schließlich gegen 17 Uhr Lenggries. Dort fällt mir ein, dass wir vergessen haben, Gewürze einzukaufen. In einem gegenüberliegenden Schlecker werden wir jedoch nicht fündig. Aber wenige Meter hinter der Isarbrücke treffen wir auf einen Edeka, wo wir uns noch Salz und Pfeffer holen. Nun kann es endlich losgehen!

 

Könnte es zumindest, wenn da ein Weg wäre. Da ist jedoch keiner. Verdutzt vergleichen wir die große Wanderkarte der Brauneckbahn-Talstation mit meiner mitgebrachten Karte. Bei beiden sind Wege hoch zum Brauneck eingezeichnet. Jedoch können wir ihn nicht finden. Irgendwann reicht es uns, und wir nehmen den zweiten, wenigstens ausgeschilderten und vorhandenen Weg hoch zum Brauneck. Leider entspricht dieser überhaupt nicht unserem Geschmack. Steil geht es eine Art Skipiste den Berg hoch. Immer weiter auf dem breiten und geschotterten Weg, bis wir plötzlich an einem Häuschen auf einen schmalen Pfad treffen, der links abgeht. Auch hier keine Markierung. Trotzdem entscheiden wir uns für den Pfad, was sich auch als richtig herausstellt. Denn in kleinen Serpentinen windet er sich den Berg hoch, bis wir weiter oben bei einem Skilift wieder auf das Schottersträßchen treffen. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als wieder diesem zu folgen.

 

Nach etwa 500 Metern entdecke ich plötzlich zwei schwarze Punkte auf einer nahegelegnen Almwiese. Bei näherem Betrachten stellen sich diese als Gämsen dar. Steffen entdeckt kurz darauf eine dritte Gämse oberhalb der Baumgrenze. Der Verkehr der Brauneckbahn wurde mittlerweile eingestellt, und es herrscht absolute Ruhe. Nur noch das Knirschen von Sand unter unseren Schuhen ist vernehmbar. Als es immer kälter wird, es zu tröpfeln anfängt und außerdem klar wird, dass wir den Gipfel wohl nicht mehr erreichen werden, schlagen wir etwas abseits des Sträßchens mein Zelt auf einem Hügel auf. Gut getarnt vor Blicken anderer. Wir haben gerade den Sturmkocher angeschmissen, als ein erneuter kurzer Schauer mit Schnee durchmischt herunterkommt. Es wird bitterkalt, und wir wollen nur noch eins: rein in die Schlafsäcke. Zuvor essen wir jedoch die Nudeln mit der von Steffen zu Hause zubereiteten Soße. Noch kurz abgespült, Zähne geputzt und rein in den warmen Schlafsack.

 

2. Tag

 

Gegen 5.45 Uhr weckt uns das Piepsen meiner Armbanduhr. Es ist eisig kalt draußen, und am liebsten möchten wir gar nicht aufstehen. Doch die unmittelbare Nähe zur Brauneckbahn zwingt uns zum Aufbrechen. So haben wir eine Stunde später wieder alles zusammen gepackt und machen uns auf den Weg hoch zum Gipfel. Wenige Meter hinter unserem Schlafplatz verlassen wir endlich den Schotterweg und betreten einen schmalen Pfad, der uns unterhalb der Brauneckbahn nach oben bringt.

 

Gegen 7.30 Uhr erreichen wir bei Sonnenschein den Gipfel. Ein breiter Schotterweg führt nun auf gleich bleibender Höhe in Richtung Westen. Etwa 300 m vom Brauneckhaus machen wir bei einer Bank Rast und genießen bei herrlichem Wetter und einem tollen Panorama das Frühstück. Ich habe gerade den Kocher wieder weggepackt, als wir von unten Motorengeräusche vernehmen. Was könnte das sein? Ein Lkw kommt langsam den Berg hoch gekrochen, um wenige Minuten später an unserem Platz vorbei zufahren. Daraufhin beschließen wir weiter zu gehen. Nach 500 m verlassen wir das Schottersträßchen nach rechts, um weiter oben nach links in einen schmalen Pfad einzubiegen. Es geht nun stets am Hang an wunderschönen Bergblumen vorbei. Immer wieder sind Enziane und Trollblumen der Bestandteil der Wiesen links und rechts. Nachdem der Pfad einen kleinen Wald durchquert hat, geht es nun im Schatten einer Felswand steil nach unten. Die Wegbeschaffenheit wird immer schlechter, und am Schluss hat man das Gefühl, sich auf einem von Gämsen getrampelten Pfad zu bewegen.

 

Immer wieder kommen wir an Skiliften vorbei, bis wir schließlich die Stiealm erreichen. Ein Bauer, der gerade das Tagesangebot an eine Tafel schreibt, grüßt uns freundlich und fragt uns nach unserem Ziel. Hinter der Stiealm geht es erst mal wieder einen breiten Schotterweg nach oben. Dieser endet jedoch bei der Bergstation eines kleinen Skiliftes. Von nun an geht es nur noch auf einem kleinen felsigen Pfad unterhalb des Latschenkopfes entlang. Durch das Wegtauen der Schneereste wird vor allem dieser Teil des Weges zu einer Schlammschlacht. So sehen wir auch eine halbe Stunde später dementsprechend aus, als wir den Grat der Achselköpfe erreichen. Bis zu den Knien hoch sind wir voll gespritzt.

 

Erst hier bemerken wir, dass wir irgendwo den ursprünglichen Weg verpasst haben, denn von rechts kommt der eigentliche Weg vom Latschenkopf runter. Anstatt über den Latschenkopf zu gehen, sind wir unterhalb an ihm vorbeigegangen. (Dass die Wegführung auf der gesamten Strecke als eher miserabel einzustufen ist, stellte sich erst am Ende der Tour heraus.) Wir haben nun die Qual der Wahl. Entweder wieder steil ins Tal und auf der anderen Seite wieder hoch oder aber über den Grat der Achselköpfe rüber zur Benediktenwand. Ein Schild weist jedoch darauf hin, dass die zweite Variante nur für Geübte geeignet ist.

 

Trotzdem entschließen wir uns für den schöneren Weg über den Grat. Anfangs noch bis zu drei Meter breit, wird der Grat immer schmäler. Gelegentlich gibt es direkt links und rechts des Weges senkrechte Felsabbrüche. Immer wieder müssen Passagen des Weges erklettert werden. Und immer wieder geht es hoch und runter. Stahlseile und einmal eine Leiter erleichtern das Fortkommen. Zwischendurch sind auch einige Altschneefelder zu durchqueren. Gegen 12 Uhr haben wir den Grat hinter uns und sind froh diesen Weg gegangen zu sein und nicht den anderen.

 

Nur wenige Minuten später geht es links den Ostaufstieg zur Benediktenwand hoch. Der Anfang dieses Weges hat es in sich. Steil im Felsen geht es mit Hilfe von Stahlseilen den Berg hoch. Höchste Aufmerksamkeit ist hier lebensnotwendig. Ein falscher Schritt und man stürzt ab. Doch auch diesen Teil des Weges schaffen wir letztendlich ohne Probleme und stehen schließlich am östlichen Teil der Benediktenwamd in riesigen Altschneefeldern. Hier machen wir erstmal wieder eine Pause und erholen uns von dem Aufstieg. Gerade als wir wieder aufbrechen, kommt eine kleine Gruppe ältere Leute hinter uns den Berg hoch. Vor diesen laufen wir nun auf einer Art Hochebene in Richtung Gipfel. Bald ist sich auch schon das Gipfelkreuz zu erkennen, das wir um 13 Uhr erreichen. Einer der Männer hinter uns bietet uns schließlich an ein Gipfelfoto von uns aufzunehmen, was wir dankend annehmen. Ingesamt ist sehr wenig auf dem Gipfel los, was natürlich auch an dem Werktag liegen kann.

 

Beim Abstieg auf der Westseite der Benediktenwand wird uns klar, dass unsere Wasservorräte nicht mehr reichen werden. Aus diesem Grund beschließen wir einen kleinen Umweg zur Tutzinger Hütte einzulegen. Der Abstieg auf der Westseite ist im Gegensatz zu Ostseite ein gemütlicher Weg, und so erreichen wir etwas später den Abzweig zur Tutzinger Hütte. Links geht es weiter zum Walchensee, rechts zur Tutzinger Hütte. Nach einem Blick auf die Karte wird uns klar, dass wir bis hier wieder zurück wandern müssen. Der Pfad zwischen Latschenkiefern führt gleichmäßig an der Nordseite der Wand nach unten. Kurz vor der Hütte jedoch müssen wir über ca. 200 Höhenmeter in Serpentinen ein Geröllfeld durchqueren. Dementsprechend schmerzen danach auch die Füße.

 

Unten bitte ich den Hüttenwirt, unsere Flaschen wieder aufzufüllen. Drei Liter Quellwasser bekommen wir umsonst, die drei Liter Apfelschorle dagegen entsprechen mit ihren 16 Euro Hüttenpreisen. Kurzerhand entschließen wir uns, auf der Hütte zu bleiben und noch eine Portion Kaiserschmarrn mit Apfelmus zu essen. Gut gestärkt machen wir uns eine Stunde später wieder auf den Weg. Zuerst müssen wir jedoch das blöde Geröllfeld durchqueren. Endlich erreichen wir wieder die Abzweigung zum Walchensee, und die Tour kann weiter gehen. Es geht nun steil in Serpentinen den Berg runter. Unten angekommen kann man bei einem Blick nach oben gar nicht glauben, dass es an einem solchen Steilhang überhaupt einen Weg gibt. Wir befinden uns nun in einem dichten Buchenwald auf einer Art Passhöhe. Links geht es den Berg runter, rechts geht es den Berg runter. Nach links ist Jachenau ausgeschildert und darüber ein abgefallenes Schild mit dem Namen Kochel am See.

 

Genau damit fängt das ganze Unheil an. Jachenau und Kochel am See liegen nämlich in entgegen gesetzter Richtung. Da bei dem Weg nach rechts das Schild fehlt, aber erkennbar ist, dass sich dort mal ein Schild befand, gehe ich davon aus, dass jemand das Schild Kochel am See auf der falschen Seite abgelegt hat. So gehen wir statt links nach rechts den Berg runter. Die ganze Zeit über leitet uns eine rote Wegmarkierung. Nach 20 Minuten endet der Fußpfad in einem breiten Forstweg, dem wir nach links folgen. Nach 500m auf diesem Weg werde ich erstmals stutzig. Im Hintergrund ist die gesamte Breite der Benediktenwand erkennbar. Die dürften wir jedoch gar nicht mehr sehen, wenn wir nach Westen gingen. Also Kompass ausgepackt und kontrolliert. Zum Glück! Denn statt nach Westen bewegen wir uns direkt nach Norden. Auf der Karte versuchen wir nun zu erkennen, wo wir uns eigentlich befinden. Nachdem wir in etwa unseren Standpunkt ermittelt haben, überlegen wir, was wir nun machen sollen. Uns auf einem anderen Weg wieder nach Süden durchschlagen oder den ganzen Weg wieder zurückwanden? Wir entscheiden uns für die zweite, sicherste Variante – zurück auf die bewaldete Passhöhe. Dort angekommen, suchen wir erstmal nach einem Weg, der nach Westen führt. Da ist jedoch nichts. Nur die Route links runter nach Jachenau. Jachenau liegt jedoch auch nicht auf unserem Weg. Ratlosigkeit.

 

Schließlich beschließen wir dem Wegweiser Richtung Jachenau zu folgen. Was anderes bleibt uns ja auch nicht übrig. Als wir ca. 100 Höhenmeter abgestiegen sind, treffen wir plötzlich auf eine neue Kreuzung. Hier ist nun auch endlich wieder der Walchensee ausgeschildert, und die Richtung stimmt. Immer noch in einem dichten Buchenwald geht es nun immer auf einer Höhe am Südhang der Glaswand entlang, bis wir auf eine kleine Almwiese stoßen. Rechts wächst nun lichter Fichtenwald. Der Boden voll mit Gräsern. Ein idealer Zeltplatz, finden wir. Doch leider finden das auch die Ameisen. Hinter jedem Baum ein Ameisenhügel. Schließlich finden wir etwas abseits des Weges oben am Hang ein flaches Stück ohne Ameisen. Hier bauen wir unser Zelt auf und kochen ganz in der Nähe unseren Reis. Leider lässt sich bei meinem Kocher die Flamme nur sehr schwer bis gar nicht regulieren, sodass unser Reis nicht köchelt, sondern kocht. Dies machte sich dann auf die Festigkeit des Reises bemerkbar. Aber auch dieses Essen schmeckt ganz gut. Kaum ist die Sonne untergegangen, wird es wieder eiskalt. So verschwinden wir erneut sehr früh in unseren Schlafsäcken.

 

 

3.Tag

 

Um 5.45 Uhr piepst wieder die Uhr. Doch es ist so kalt, das keiner aufstehen will. So stelle ich den Wecker auf 6.00 Uhr. Immer noch kalt. 6.30 Uhr. Nee, lieber liegen bleiben. Um 6.45 Uhr schließlich, also genau eine Stunde später als geplant, überreden wir schließlich unsere Füße aus dem Sack zu kriechen und abzubauen. Draußen nun herrlichster Sonnenschein. Kaum Wolken am Himmel. Was mich jedoch stört, ist das fast trockene Außenzelt. Kein Kondenswasser! Aber erstmal genießen wir wieder bei Sonnenschein unser Frühstück. Es ist einfach herrlich in der warmen Sonne in einer blühenden Almwiese zu sitzen und das Alpenpanorama zu genießen.

 

Auf einem tollen Pfad geht es danach am Fuß der Glaswand und danach an der Südseite des Rabenkopfs entlang. Hier kreuzen immer wieder Wasserfälle den Weg. Und zum ersten Mal auf der Tour knallt die Sonne dermaßen runter, das wir unsere Jacken ausziehen müssen. Mittlerweile machen wir uns schon wieder Sorgen um Trinkwasser. Aus diesem Grund sind wir auch sehr erfreut, als wir auf der Staffelalm einen Wasserhahn entdecken. Rucksack runter, Flaschen raus und abfüllen. Doch Steffen hat gerade die erste Flasche halbvoll, da sind wir aufgrund der Färbung des vermeintlichen Trinkwassers mehr als skeptisch. Milchigweiß ist die erste Flasche gefüllt. Kann natürlich auch Kalk sein, aber lieber kein Risiko eingehen und wieder wegkippen.

 

Doch schon das nächste Problem. Wo ist schon wieder der Weg? Ein ganzer Schilderwald, doch in die gezeigte Richtung kein Weg erkennbar. Zum Glück kommt in diesem Moment der Wirt der Hütte angelaufen und hilft uns weiter. Der Weg fängt ganz wo anders weiter unten an. Das Schild zeigt mal wieder in die falsche Richtung. Auf die Frage wegen Trinkwasser meint der Wirt nur lachend: „Die oinen vertragen’s, die andern net“. Also lassen wir das erstmal bleiben und machen uns auf den Weg zur Kochleralm. In Serpentinen führt ein schmaler Pfad in ein schönes Tal, bis wir schließlich auf der Kochleralm stehen. Von dort geht es nun im Tal ein Schottersträßchen weiter. Nach ca. einem Kilometer kommen wir an einem Holzbrunnen vorbei, der mit Hilfe einer Rohrleitung gespeist wird. Hier füllen wir nun unsere Flaschen ab.

 

Weiter folgen wir nun der Straße abwärts, bis links ein Pfad zum Jochberg abgeht. Nach einigen Kilometern in dichtem Laubwald erreichen wir ein Stück gerodeten Nadelwald. Hier machen wir erstmal Pause und trinken die Reste unserer Apfelschorle. Weiter geht es nun über eine große Almwiese zur Abzweigung auf den Jochberg. Mal wieder in Serpentinen geht es einen schmalen Pfad den Berg hoch. Durst macht sich bei mir wieder breit. Bei Steffen offensichtlich auch, denn er freut sich genauso wie ich, als wir in der Nähe der Jocheralm auf das Schild „Zur Quelle“ stoßen. Doch irgendwie scheint es sich hier um einen blöden Scherz zu handeln, denn außer an einer Viehtränke gibt es nichts Quellähnliches. So erreichen wir schließlich ein wenig enttäuscht die Jocheralm. Hier ist der Teufel los. Überall Wanderer und Spaziergänger. Mit einem Blick auf den Gipfel beschließe ich kurzerhand den Abstieg nach Urfeld. Denn da oben tummelt sich halb Walchensee.

 

Zuvor legen wir jedoch noch eine größere Pause etwas abseits des ganzen Trubels ein. Schuhe und Socken werden ausgezogen, und wir genießen die Sonne. Es zieht allerdings von Westen her immer mehr zu. Außerdem fällt der Luftdruck von Anfangs 1030hPa auf ca. 1010hPa . Weiter geht es erst noch sanft einen etwas felsigen und mit Wurzeln duchwachsenen Pfad den Berg runter. Nachdem ein weiterer Pfad vom Jochberg eingemündet ist, führt der Weg steil und in vielen Kehren den Berg runter. Unterwegs treffen wir auf eine Quelle, an der wir eine letzte Flasche auffüllen.

 

Auf diesem Abschnitt kommen uns Hunderte von Leuten entgegen. Mit Kindern, ohne Kinder, ältere Leute, junge Leute. Nach zwei Tagen Ruhe ein richtiger Schock ;-) Unterwegs treffen wir einen weiteren Wanderer mit einem noch größeren Rucksack. Außerdem erkundigt sich ein Familienvater nach unserer Tour. Als er wissen möchte, wo wir übernachtet haben, gebe ich ausweichend nur die Info, dass wir draußen geschlafen haben. Man weiß ja nie, wie manche auf Wildcampen reagieren. Als von unten die Passtrasse zu hören ist, wissen wir, dass wir es bald geschafft haben. Gegen 15 Uhr erreichen wir die Straße und laufen die drei bis vier Kehren nach Urfeld hinunter. Dort kaufen wir in einem uralten Tante-Emma-Laden mal wieder drei Liter Apfelschorle. Diesmal jedoch wieder für einen angenehmeren Preis.

 

An einer Bushaltestelle schauen wir schon einmal nach der besten Verbindung nach Kochel. Am Ufer gehen wir danach das kleine Sträßchen nach Jachenau entlang, um uns einige Meter später auf einer Bank auszuruhen. Steffen zieht seine Schuhe aus, um seine Füsse in den Walchensee zu halten, was ich ihm einige Minuten später nachmache. Das Wasser ist eiskalt, und ich brauche etwas Zeit, bis wirklich der ganze Fuß im Wasser ist. Anschließend stellt sich jedoch ein angenehm warmes Gefühl um den Fuß ein. Ein vorbeikommender Hundebesitzer erkundigt sich ganz genau nach unserem Vorhaben. Will alles ganz genau wissen. „Und übernachten tut ihr dann im Wald. Stimmt’s?“ Ertappt!

 

Wenig später machen auch wir uns wieder auf den Weg. Immer die Straße entlang. Hier vermute ich die einzige Chance auf einen ebenen Zeltplatz. In der Nähe eines kleinen Sandstrandes verlassen wir dann auch die Straße, um weiter oben im Wald nach einem Zeltplatz zu suchen. Aber ausgerechnet da steht plötzlich ein Mann im Wald rum. Was der da wohl macht? Auf jeden Fall beobachtet er ganz genau unser Vorgehen. Ich reagiere dementsprechend, ziehe meine Landkarte hervor und tue so, als ob ich einen Weg suchen würde.

 

So verlassen wir wieder den Wald und folgen noch einige Meter der Straße, bevor wir einen neuen Versuch starten. Und tatsächlich, wir finden oberhalb der Straße ein einigermaßen ebenes Stück Erde. Da es noch zu früh ist und wir uns noch immer in der Nähe des unbekannten Mannes befinden, steigen wir weiter den Berg auf, immer auf der Suche nach Alternativplätzen. Doch schnell wird klar, dass hier oben nichts zu finden ist. Deswegen bauen wir dort oben meinen Kocher auf und machen Tomatensuppe mit Reis. Während dieser Zeit hat es sich immer mehr zugezogen, und Wind kommt auf. Man merkt nun deutlich, dass das Wetter nicht mehr hält. Plötzlich wird es auch wieder kalt. Gegen 19.30 Uhr steigen wir wieder ab und bauen vorsichtig auf dem vorher gewählten Platz das Zelt auf. In der Nacht wache ich dann von einsetzendem Regen auf. Das Blätterdach über uns schützt uns jedoch noch ein wenig.

 

4.Tag

 

Um 5.45 Uhr piepst wieder meine Uhr. Es regnet leicht, und es ist kalt. Doch es hilft alles nichts. Um 8.49 Uhr fährt unser Bus ab. Also bauen wir noch im Schutz des Außenzeltes das Innenzelt ab und nutzen eine kleine Regenpause, um auch den Rest abzubauen. Als wir aus dem Wald treten, hängt alles in dicken Wolken. Aber es regnet gerade nicht. Also machen wir uns auf den Weg nach Urfeld zur Bushaltestelle. Ich meine dort eine überdachte Bushaltstelle gesehen zu haben. Als wir ankommen, zeigt sich jedoch, dass es eine Haltestelle ohne Dach ist. Also bauen wir den Kocher unter einer großen Kastanie am Ufer des Walchensees auf.

 

Als der Bus der OVB anrollt, frage ich den Fahrer, ob man bereits hier das Wochenendticket der Bahn kaufen kann. Dieser sagt mir jedoch, dass er mir nur das Bayernticket verkaufen kann. Das bringt mir jedoch nichts, da wir ja auch in Baden-Württemberg fahren werden. Ich möchte deshalb daraufhin zwei normale Tickets nach Kochel kaufen. Der Fahrer meint jedoch, dass wir uns hinsetzten sollen, und nimmt uns daraufhin umsonst nach Kochel mit. Dort kaufe ich dann am Automaten das Wochenendticket, und wir fahren mit einer Regionalbahn nach Tutzing, wo wir auch sogleich Anschluss nach München haben. In München müssen wir uns aber mit einer längeren Wartezeit abfinden. Doch auch dies ist recht bald überstanden, und so sitzen wir anderthalb Stunden später im Zug nach Ulm sowie noch etwas später in dem nach Stuttgart. Fazit:

 

Es war eine sehr schöne Tour. Wir sind zwar nicht so weit gekommen wie geplant, aber das ist ja auch egal. Es war sehr kalt, aber weitgehend trocken. Die Beschilderung war allerdings wirklich miserabel. Entweder es fehlten ganze Schilder, oder sie zeigten in die falsche Richtung, oder aber sie waren unleserlich

 

Fotos: Markus Mohr und Steffen

 

 

Harzwanderung Mai 2006

 

Von Gerhard Wandel

 

Die Eindrücke zu Goethes Faust stammen aus dem Harz. Der Aufstieg vom Torfhaus auf den Brocken ist Goethes Weg zum Brocken im Jahre 1777 nachempfunden. Aber auch Heine und Fontane haben früher den Harz bereist und zu seiner Berühmtheit beigetragen. Am 3. Oktober 2003 wurde der „Harzer Hexenstieg“ anlässlich des Tages der Deutschen Einheit eröffnet und damit wieder eine fernwandermäßige Verbindung vom Westen in die neuen Bundesländer geschaffen. Auch wenn der Weg unspektakulär ist, wurde von den Wirten am Wege allgemein bestätigt, dass mehr Wanderer dadurch in den Harz gekommen sind.

 

Auf dem Europäischen Fernwanderweg E 11 von Seesen nach Goslar

 

Lob möchte ich zuerst dem Harzclub für die hervorragende Markierung des E 11 in Seesen erteilen. Diese endet jedoch abrupt an der abgebrochenen Brücke der Bismarckstraße über die Bahnlinie. Ich folge der Straße bis zur nächsten Brücke über die Bahnlinie und laufe parallel zurück. Von hier ist zu erkennen: Es gibt erstens über das Parkhaus „Kaufland“ eine Fußgängerbrücke über die Bahnlinie und zweitens: Ich darf wieder zurücklaufen; die Straße nach Lautenthal ist der richtige Weg. Problemlos wandere ich über „Herzog-Wilhelm-Schneise“, Kalte Birke, Vereinsplatz, Innerstetalsperre, Wolfshagen, Granetalsperre nach Goslar. Die sehr gute Markierung endet am Ortseingang von Goslar. Auf dem Stadtplan von Goslar ist die Wegeführung erkennbar, innerhalb Orts jedoch keine Markierung. Wanderzeit ca. 6 Stunden. Goslar mit seinen vielen Fachwerkhäusern, der Kaiserpfalz, dem Weltkulturerbe Bergwerk „Rammelsberg“ und vielen Straßencafes lädt ein zum Verweilen. Übernachtung im heimeligen „Hotel zur alten Münze“, Münzstraße 10, Telefon: 05321/22546, eMail: Muenzhotel@t-online.de

 

 

 

 

 

 

Europa aus den Augen verloren

 

Mein beabsichtigtes Ziel war, weiter über den E 6 zur Romkerhalle im Okertal zu wandern und dann zum „Torfhaus“ hochzusteigen. Ich sehe am Ortsausgang von Goslar Markierungen des Harzvereins und Tafeln auch mit der „Romkerhalle“ ausgeschildert, jedoch keinen Hinweis auf einen E-Weg. Die Richtung stimmt auch nicht, sodass ich wieder kehrt mache. Ich umrunde das Berufsbildungszentrum und stoße hier auf die Markierung E 6, E 11. Bei der ersten Wegegabelung finde ich keine Markierung. Ich nehme den ersten Weg rechts den Berg hoch, sehe eine einzige (fremde) Markierung und kehre wieder um. Ich versuche mich am zweiten Weg weiter links und frage sicherheitshalber einen Spaziergänger nach dem E 6. E ??? Man sollte die Bevölkerung mit Europa nicht überfordern!! Ich frage, ob der Weg ins Okertal führt? Ja, dorthin könnte ich kommen. Ich folge einem waldreichen Flusstal aufwärts, quere am Talschluss und finde eine Hinweistafel, auf der neben Schulenberg auch die Romkerhalle auftaucht. Das dumme ist nur, dass in diesem Bereich des Harzes die großen Wegkreuzungen mit Hinweistafeln vollgestellt sind, aber unterwegs keine weitere Markierung erfolgt. Jedenfalls bei der nächsten Hinweistafel ist keine Romkerhalle mehr verzeichnet. Als neues Ziel gebe ich vor: Okertalsperre. Über das Mulltal und den wiedergefundenen E 6 gelange ich zur Talsperre, wandere ein kleines Stück auf dem Uferweg, steige über das Lange Tal hoch zum Waldjugendheim Ahrensberg, leichter Abstieg ins Kalbetal, dem ich dann bis zum Torfhaus (rotes Kreuz) folge. Ab der Bundestrasse 4 betritt man den Nationalpark Harz und hat vom Torfhaus einen schönen Blick auf den Brocken. Wanderzeit ca. 7 ½ Stunden (abzu-ziehen ca. 1 Stunden für Herumirren und Pause). Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten hier derzeit leider bescheiden.

 

Für meinen Weiterweg wähle ich die Alternative durch das Bodetal über Susenburg, Rübeland, Neuwerk, Talsperre Wendefurth. Der Weg ist hier teilweise identisch mit dem „Fernwanderweg deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters im Harz“. Zwischen Wendefurth und der Einmündung der Alternativstrecke bei Altenbrak ist der Weg nicht als Hexenstieg markiert. Markierung ist hier Harz-Eichsfeld-Thüringen-Weg (blaues Dreieck). In Altenbrak Übernachtung im Hotel „Weißes Roß“. Gesamtwanderzeit ca. 6 Stunden.

Von Altenbrak führt die Wanderung weiter über Treseburg durchs Bodetal nach Thale. Das Teilstück Treseburg-Thale, der sogenannte Bodekessel, im Reiseführer etwas übertrieben mit dem „Grand Canyon von Deutschland“ beschrieben, ist von Tagesausflüglern gut begangen. Ich steige nach der Teufelsbrücke (weißes Kreuz auf schwarzem Grund, E 11) links hoch zum Roßtrappenfelsen und wandere dann im Zick-Zack wieder hinunter ins Bodetal, wo ich Thale nach ca. 4 ½ Stunden erreiche. Dort Übernachtung im vorzüglichen Hotel „Alte Backstube“, Rudolf-Breitscheid-Str. 15, Telefon: 03947/772490, dem Ende meiner Wanderung.

 

Bis auf den letzten Tag, an dem es ein paar Schauer gab, und einem kurzen Gewitter in Goslar, hatte ich nur strahlenden Sonnenschein; die 300 Nebeltage am Brocken erscheinen mir etwas übertrieben!

 

Wanderführer:

 

Harzer-Hexen-Stieg, Kartographische Kommunale Verlagsgesellschaft mbH, Am Alten Tor 7, 99734 Nordhausen, Tel.: 03631-902595, Internet: www.Harzwanderung.de

Den Mitgliedern des Netzwerks Weitwandern e. V. wird gemäß eMail vom 29.3.2006 ein Rabatt von 25 % auf den Verkaufspreis der Artikel eingeräumt.

 

Stein, Conrad: Harz: Hexenstieg, Reihe: OUTDOOR - Der Weg ist das Ziel, Band 163, Conrad Stein Verlag, 2005, ISBN 3-89392-563-5, 124 Seiten, 9,90 €

 

Karten:

 

Harzer Hexenstieg, 1:30.000, Schmidt-Buch-Verlag, Die Winde 45, 38855 Wernigerode, Tel.: 03943-23246, Email: info@schmidt-buch-verlag.de, Internet: www.schmidt-buch-verlag.de

 

„Wandern im Westharz“, 1:50.000 Landesvermessung Niedersachsen

 

Fotos: Gerhard Wandel

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 20 - August 2006

 

 

 

Der Hunsrück – Terra incognita

 

Auf dem Ausoniusweg und dem Moselhöhenweg von Bingen nach Trier

 

Von Werner Hohn

 

 

Beatus ille, qui procul negotiis.

 

Schon lange hat es mir der Hunsrück angetan. Die nicht besonders ausgeprägte touristische Infrastruktur, das Fehlen von bekannten Wanderwegen (wenn der Moselhöhenweg außen vor bleiben darf), nicht zuletzt die weite Hochfläche dieser Landschaft, geben - einmal wieder - den Ausschlag für eine Mehrtagestour. Diese Ecke Deutschlands - durch Edgar Reitz’ Filmreihe „Heimat“, vor etlichen Jahren kurzzeitig ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit geraten - befindet sich immer noch in einem wandertouristischen Dornröschenschlaf.

 

Für eine Überquerung des Hunsrücks bietet sich der Ausoniusweg geradezu an. In beinahe gerader Linie geht es vom Rhein an die Mosel. Ein „Manko“ hat der Weg allerdings: schmale Pfade wird man vergebens suchen. Im Gegenteil. Der Ausoniusweg hat das, was bei der Planung andere Weitwanderwege tunlichst vermieden wird: eine an die 10 Kilometer lange Gerade! Breite und gerade Wirtschaftswege sind die Regel. Wo es anders nicht möglich ist, wird dieser Weitwanderweg gnadenlos über wenig befahrene Landstraßen geführt. Für Erlebnisräume und Inszenierungen muss die Landschaft sorgen. Fürs sinnliche Erleben ist man selber zuständig. Bauwerke oder Naturwunder die man unbedingt gesehen haben muss, gibt es weit und breit auch nicht. Es sei denn, man zählt die Täler von Rhein und Mosel und die älteste Stadt Deutschlands, Trier, zum Hunsrück. Das Beste am Weg: Stunden- oder sogar tagelanges Wandern durch monotone Fichtenwaldkulturen fällt aus! Der Weg bleibt überwiegend in der freien Hunsrücklandschaft zwischen Idarkopf und Mosel und lässt so die großen Hunsrückwälder, wie den Soonwald, südlich liegen. Für freie Sicht über die hügelige Hochebene ist also zu Genüge gesorgt.

 

Es ist genau die Landschaft, die mir seit einiger Zeit zusagt. Beste Voraussetzungen für eine geruhsame und einsame Wanderung. Noch! Denn langsam kommt Bewegung in diese Wandergegend. Neben neuen Routen, wie dem „Sponheimer Weg“ (Bad Kreuznach – Traben-Trarbach), ist ein „Saar-Hunsrück-Steig“ in Sicht.

 

Der römische Hofdichter Decimus Magnus Ausonius musste für diesen Weg seinen Namen hergeben. Die Beschreibung einer Kutschfahrt von Bingen nach Trier, die er im Jahr 371 nach Christus unternahm, liefert die Begründung für diesen Weitwanderweg. Die Ausoniusstraße verband schon im 3. Jahrhundert nach Christus den Rhein mit der römischen Kaiserresidenz in Trier. Bis ins späte Mittelalter – auf Teilstrecken sogar bis in die Neuzeit - wurde diese alte Handels- und Kriegsstraße von den Einwohnern der Region genutzt. Bis auf kleine Abschnitte ist diese historische Trasse heute unter den Bundesstraßen und Feldwegen verschwunden

 

Weitwanderwege dieser Länge wecken in mir meist den sportlichen Ergeiz. Nach drei Tagen will ich unter dem Torbogen der Porta Nigra stehen, nehme ich mir vor. Die Legionen Roms, die diesen Weg genutzt haben mögen, waren auch nicht auf einer Kaffeefahrt. Hinzu kommt, dass ich für das obige Motto nur drei Tage zur Verfügung habe. Wer ist schon frei von allen Verpflichtungen? Besonders in den Zeiten einer Fußball-WM! Eine weitere Vorplanung ist nicht nötig. Die Wanderkarten für das durchwanderte Gebiet stehen noch im Regal. Ab damit in den neuen Rucksack (der soll auf den Prüfstand) zu Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher und ein paar Klamotten. Fertig! Wandern kann so einfach sein.

 

 

 

I. Citius, altius, fortius.

Die Nomenklatur der Deutschen Bahn soll einer verstehen. Nach der Durchsage „Nächster Halt Bingen-Hauptbahnhof.“, stehe ich nun auf dem Bahnsteig des besagten Hauptbahnhofs. Leider ist der in Bingerbrück. Der Ausoniusweg fängt bei der Burg Klopp in Bingen-Stadt an. Was soll’s. Die B9 hat auch ihre Reize. Der römische Poet wird es mir nachsehen, wenn ich erst an der Drususbrücke auf den Weg treffe, der nach ihm benannt ist.

„Warum beginnen die meisten Wanderungen immer mit einer Steigung?“, denke ich mal wieder, als es durch die sehr kurze Mühestraße (hoffentlich ist der Name nicht Programm für die nächsten Tage) vom Rheintal nach Weiler hinauf geht. Bis Weiler geht es über einen schmalen und schattigen Pfad. Danach übernimmt eine wenig befahrene Landstraße den Ausoniusweg. Das mit der Landstraße wird ab hier noch mehrfach vorkommen. Beim Dahintrotten zum ehemaligen Bergwerk Amalienhöhe, mache ich mir Gedanken über diese Wegführung. Wollten die Macher, so weit es die heutigen Verhältnisse erlauben, den Weg an die Originalroute aus der Römerzeit halten? In den nächsten Tagen habe ich noch mehrmals die Gelegenheit darüber nachzudenken.

Als Entschädigung gibt es von der Amalienhöhe zum ersten Mal einen weiten Blick in den Hunsrück und zurück in die Rheinebene. Im Waldalgesheimer Wald gibt es keinen Fernblick mehr, dafür Schatten (seit Beginn der Beckenbauer-WM gibt es nur noch heiße, sonnige Tage) und die Asphaltstrecke wird von einem breiten, geschotterten Waldweg abgelöst. Irgendwo hier kreuzt der Europäische Fernwanderweg E8 die Strecke. Eine Markierung oder ein Hinweisschild suche ich vergebens. Schade. Auch der Ausoniusweg ist hier keiner Erwähnung wert, dafür der Sandweg. Dieser führt zu einer breiten Schneise mit nicht zu übersehenden Hochspannungsleitungen. Eine zeitlang begleitet mich das Knistern der Stromleitungen. Danach ist mal wieder eine Autostraße fällig. Bei etwas anderer Wegführung, Alternativen gibt es, bliebe einem beides erspart.
 

Beim Blick vom Ohligsberg (608 m), dem höchsten Punkt dieser Wandertour, sind diese ketzerischen Gedanken hinfällig. Es hat sich mal wieder gelohnt. Bei fast klarem Wetter kann ich bis ans Ende der bekannten Welt sehen. Die Gewissheit nun oben auf dem Hunsrückplateau zu sein, macht die Pause noch schöner.Die ehemalige US-Raketenabschussbasis vor Dichtelbach böte einige gute Übernachtungsmöglichkeiten. Das Tor steht offen und überdachte, frei zugängliche Gebäude, die Platz für eine Isomatte bieten, gibt es auch. Punktabzug gibt es für die Büsche, die den Tennisplatz hier und da beleben. Nach 16 Kilometer schon Feierabend? So wird das nie was mit den drei Tagen. Höher? Heute nicht mehr! Schneller? Nicht unbedingt. Weiter! Also runter in den Ort und gemeinsam mit dem Europäischen Fernwanderweg E3 (ein kleines Schild auf freiem Feld weist darauf hin) nach Rheinböllen.

 

Hinter Rheinböllen wurde der Weg verlegt. Ich frage mich dann schon mal nach den Ursachen. Hat ein Waldbesitzer gemault? Bekommt der Jäger kein Wild mehr vor die Flinte? Ist die neue Strecke schöner? Oder stecken wirtschaftliche Gründe dahinter? Keine Ahnung. Hier führt der Ausoniusweg jetzt nicht mehr durch den Wald, sondern am Waldrand vorbei. Mir soll es recht sein, zumal die neue Strecke freie Sicht über den Hunsrück bietet. Bis Dichtelbach führte die Route meist durch schattigen Wald. Ab Rheinböllen geht es überwiegend durch die nun offene, weit einsehbare Landschaft. Meist durch Wiesen und Felder, oft an einem Waldrand vorbei, immer nach Westen. Einem Sonnenbrand steht nichts mehr im Wege.

 

Seit Rheinböllen habe ich den Pegelstand meiner Trinkwasserflasche im Auge. Am Wahlbacher Friedhof soll der wieder steigen. Ein Blick in das Wassersammelbecken und ich vertröste mich auf Simmern. Vorbei an den seit einigen Jahren auch im Hunsrück unvermeidlichen Windkraftanlagen, geht’s ins Simmerner Industriegebiet. Die Supermärkte lasse ich links (eigentlich rechts) liegen. In der Innenstadt wird es auch noch was geben. In der Fußgängerzone das altbekannte Problem – gähnende Leere; und ich sehe mich plötzlich ohne Trinkwasser dastehen. Zum Glück gibt es einen russischen Lebensmittelladen. Obwohl Simmern ein nettes, unaufgeregtes Städtchen ist, hält mich nichts. Nach kurzer Pause gehe ich Richtung Krankenhaus aus der Stadt hinaus. Hier, am Stadtrand, lauert die eigentliche Versuchung des heutigen Tages. Beruflich war ich schon oft in der Gegend. Und dass es dort ein gutes und bezahlbares Hotel gibt, ist mir nicht entgangen ...

 

An der B50 hat der innere Schweinehund verloren. Und meine Augen und Ohren freuen sich über die Verlegung des Weges. Über Jahre führte die Trasse des Ausonisweges direkt an der stark befahrenen Bundesstraße vorbei. Jemand hat wohl endlich ein Einsehen gehabt. Auch wenn sie jetzt nicht mehr ganz so historisch ist, die neue Wegführung ist um vieles besser. Prompt verpasse ich die Abzweigung, die von Ohlweiler nach Schönborn führt. Die kaum sichtbare weiße Markierung auf einer Bordsteinkante an einem Garten ist schon überwachsen. Über einen schönen Wiesenweg geht es in den Ellergrund, der langsam nach Schönborn hinauf ansteigt.

 

Im kleinen Wald - zwischen Schönborn und Rödern - ist Pause angesagt. Es geht auf den Spätnachmittag zu und ich mache mir langsam Gedanken, wo die „Ren-nerei“ heute enden soll. Einerseits ist das Wäldchen ideal (ruhig, weit ab vom Schuss, Abendsonne und sehr wichtig: eine Bank), anderseits überzeugt mich ein Blick in die Wanderkarte, dass es bis zum Feierabend noch was dauern kann. Ein Drittel der Strecke liegt hinter mir. Eigentlich sollte das für diesen Tag reichen. Erfahrungsgemäß kommt morgen oder übermorgen der große Durchhänger. Es kann nicht schaden, wenn ich noch einige Kilometer dranhänge. Wasser brauche ich auch wieder. Kirchberg ist ab jetzt das neue Ziel.

 

Von Rödern bis Kirchberg habe ich erneut Gelegenheit über die Verbindung von Wanderweg und Kreisstraße nachzudenken. Die älteste Stadt im Hunsrück hat nur 4000 Einwohner, da hält sich der Verkehr zum Glück in Grenzen. Die Trinkflasche ist mal wieder leer. Zusätzlich will ich mir einen Trinkwasservorrat für den Abend und den morgigen Tag besorgen. Am Stadtrand gibt es einen großen Supermarkt. Leider nicht genau auf meiner Wanderroute. Im Gedenken an Simmern, frage ich einen Mann auf der Straße nach einem Geschäft im Zentrum. Ja, gibt es. Über das Woher und Wohin kommen wir ins Gespräch. Dass ich zu Fuß von Bingen nach Trier unterwegs bin, will ihm nicht in den Kopf, aber dass ich im Wald schlafen werde, findet er völlig normal. „Haben wir früher auf unseren Wanderungen auch immer gemacht. Oder beim Bauern in der Scheune.“, meint er. Tipps für einen guten Schlafplatz kann er mir auch nicht geben. Nach dem Einkauf hat sich mein Gepäck um fünf Kilo erhöht. Hauptsächlich Getränke. Bis zum nun feststehenden Ziel des heutigen Tages sind es noch 5 Kilometer. Die Ausoniushütte mit „Römerspielen“ oberhalb Dill soll es sein. Kurz vorher fängt die 10 Kilometer lange Gerade an.

 

Um 19 Uhr ist Schluss für heute. Die Schutzhütte liegt am Waldrand, ist groß, sauber, hat Tische und Bänke und freie Sicht nach Westen auf den Hunsrück bei Sohren. Das Zelt bleibt im Rucksack. Weil der Tagesproviant noch weg muss, kommt der Kocher auch nicht zum Einsatz. Als Nachhut einiger spätabendlicher Jogger zieht ein Jäger mit der Flinte auf der Schulter vorbei. Keine Panik! Ich zelte ja nicht. Er grüßt freundlich. Schon nach wenigen Metern habe ich den aus den Augen verloren. Wo der wohl steckt? Dass ich den Waidmann heute Abend noch mal sehen werde, ist wohl klar.

 

Der stetig wehende Westwind hat den ganzen Tag für erträgliche Temperaturen gesorgt, durchgeschwitzt bin ich aber doch. Schade, dass meine Frau nicht dabei ist. Die will mir auch nach vielen Jahren nicht glauben, dass man sich mit einem Liter Wasser von Kopf bis Fuß waschen kann. Danach rein in frische, saubere Klamotten und der Abend ist perfekt. Als es stockduster ist, rolle ich meinen Schlafsack auf der schmalen Bank aus. Eingeklemmt zwischen Hüttenwand und Tisch kann ich nicht runterfallen. Kurz bevor ich einschlafe, höre ich Schritte näher kommen. Auf Höhe des Hütteneingangs dann Stille. Nach einigen Sekunden entfernen sich die Schritte wieder. Eine Autotür schlägt zu, ein Anlasser rasselt und weg ist der Jäger.

 

II. Errare humanum est.

 

Um halb fünf holt mich der Wecker aus dem Schlaf. In dem Fall das Handy. Die übliche Morgenroutine, dann geht’s im Morgengrauen los. Eine Dose Cola muss den Kaffee ersetzen. Frühstück gibt es erst nach zwei, drei Stunden. Die 300 Meter bis zum Römerturm komme ich ohne Regenkleidung aus. Dann ist Schluss. Regenjacke und Regenhose raus. Der Rucksack schreit ebenfalls nach der Regenhülle. Regenschirm nicht vergessen. Ich hasse das! Der Himmel hängt grau und schwer bis auf die Felder herab. Das totale Kontrastprogramm zum gestrigen Tag. Zum Glück klart sich der Himmel kurze Zeit später etwas auf. Ich kann aus den ungeliebten Regenklamotten raus. Der Regenschirm muss nur noch gelegentlich ran.

 

Um halb fünf holt mich der Wecker aus dem Schlaf. In dem Fall das Handy. Die übliche Morgenroutine, dann geht’s im Morgengrauen los. Eine Dose Cola muss den Kaffee ersetzen. Frühstück gibt es erst nach zwei, drei Stunden. Die 300 Meter bis zum Römerturm komme ich ohne Regenkleidung aus. Dann ist Schluss. Regenjacke und Regenhose raus. Der Rucksack schreit ebenfalls nach der Regenhülle. Regenschirm nicht vergessen. Ich hasse das! Der Himmel hängt grau und schwer bis auf die Felder herab. Das totale Kontrastprogramm zum gestrigen Tag. Zum Glück klart sich der Himmel kurze Zeit später etwas auf. Ich kann aus den ungeliebten Regenklamotten raus. Der Regenschirm muss nur noch gelegentlich ran.

 

Beim Turmnachbau gibt es noch einige Meter der originalen Römerstraße, auf denen man aber nicht gehen kann. Dafür gibt es einen einige hundert Meter langen Nachbau eines römischen (?) Trampelpfades.

 

Irgendwann wird mit bewusst, dass ich auf der 10 Kilometer langen Geraden unterwegs bin. Hätt’ ich doch beinahe verschwitzt. Vielleicht weil diese Gerade mal als Feldweg, dann wieder als Waldweg oder als klitschnasser Wiesenweg daher kommt. Das leichte Auf und Ab hier oben auf dem Hunsrück verhindert im Augenblick eh’ einen Blick ins Unendliche. Mag es an der frühen Stunde, am grauen, tief hängenden Himmel oder an der einsamen Landschaft liegen – dieser frühe Morgen hat was. Trotz grauem Himmel und Gerade. Vielleicht ist es das alles zusammen.

 

Hinter Krummenau wird es auch wieder kurviger, als Zugabe wird der Weguntergrund auch wieder fester. Asphalttreten ist bis Hochscheid unterhalb des Idarkopfs angesagt. Das Wetter hat sich zwischenzeitlich auch wieder an die Fußballweltmeisterschaft erinnert – also wieder Kaiserwetter.

 

Ganz in der Nähe wurde 1939/40 eine Tempelanlage mit Brunnenanlage und allem Pi Pa Po ausgegraben. Vom Quellenheiligtum ist heute nichts mehr zu sehen. Die Funde befinden sich im Landesmuseum in Trier. Die Ausgrabungsstätte wurde zugeschüttet. Einen Besuch kann ich mir ruhigen Gewissens ersparen. Das sieht im Archäologiepark Belginum anders aus. Der Besuch lohnt schon eher. Das Beste an diesem Museum ist die Lage. Weit geht der Blick über die Dörfer und Wiesen bis in die Eifel. Die Kelten, wie auch deren Nachfolger, die Römer, wussten schon, warum das der geeignete Ort für eine Siedlung mit Grabanlage war. Auf der Museumsmauer sitzend ändere ich meine Planung. Ich werde nicht mehr der Hauptroute folgen, sondern nehme die Variante, die hinab nach Neumagen-Dhron und an die Mosel führt. Diese Strecke folgt dem historischen Verlauf der Römerstraße. Dass ich für einen kurzen Abschnitt keine Wanderkarte habe, nehme ich in Kauf. Bisher war der Weg sehr gut markiert. Wird schon gehen!

 

Vom Museum oberhalb Wederath zieht sich der Weg ins Unendliche. Steigungen, die diesen Nahmen verdient haben, gibt es die nächsten Kilometern nicht. Ab der Bundesstraße zwischen Morbach und Gonzerath (wird zum Glück nur überquert) gibt es endlich wieder Panoramablicke. Richtige Hochstimmung will bei mir trotzdem nicht aufkommen. Erstens geht es über eine Landstraße weiter und zweitens ist der Panoramablick einem endlosen Wald gewichen. Und der befürchtete Durchhänger ist da. Beinnahe endlos führt die Straße in einer geraden Linie nach Westen. Als ein Autofahrer anhält und mich freundlich zum Mitfahren bis zum Abzweig nach Elzerath auffordert, brauche ich für das „Nein“ schon einige Sekunden. Irgendwann ist das Stück Landstraße geschafft. Es geht allerdings, wenn auch über einen breiten Waldweg, immer noch ohne Biegung weiter geradeaus. Die superlange Gerade heute Morgen empfand ich als sehr angenehm (das lag wohl am steten Wechsel zwischen Wald, Feld und Wiesen), die viel kürzere hier bringt mich in Rage. Frust kommt auf. Einfacher gesagt: Im Augenblick finde ich Wandern zum Kotzen!

 

Am Abzweig der Hauptroute steht endgültig fest, dass ich auf der historischen Strecke bleiben werde. Am Weinplatz, nach einer ausgiebigen Pause, hat sich meine Stimmung wieder deutlich gebessert. Also weiter dem weißen „AU“ hinterher. Wegen fehlender Wanderkarte muss ich nun der Markierung und einer etwas ungenauen Wegbeschreibung aus dem Wanderführer vertrauen. Prompt verlaufe ich mich. Irgendwann bleiben die Markierungen ganz aus. Was tun? Die Wegbeschreibung bleibt für diesen Abschnitt etwas kryptisch: „... Durch das Päseler Wäldchen folgen wir der ausgeschilderten (AU), aber dennoch etwas komplizierten Streckenführung ...“ So ist es. Weitergehen bringt nicht viel. Alles wieder zurück bis beinnahe an den Weinplatz. Irren ist menschlich! Als „Preis“ muss ich runter vom Ausoniusweg und auf den Moselhöhenweg wechseln. Von dem habe ich noch eine vage Erinnerung von einer lange zurückliegenden Wanderung. Auf alle Fälle jedoch die passenden Wandkarten. Also, auf an die Mosel! Vom Honrather Sportplatz runter zur Pulvermühle und durch ein Seitental wieder hinauf zum Dhrönschen, wo die ersten Weinberge der Mosel auftauchen. Von hier oben gibt es einen fantastischen Weitblick ins Moseltal. Weinberge und Winzerdörfer so weit das Auge reicht. Leider ist auch ein Hotel zu sehen. Nur wenige Meter neben dem Moselhöhenweg. Es geht schon wieder auf 18 Uhr zu. Soll ich? Nein! Ich gehe runter nach Trittenheim. Dort, direkt an der Mosel, gibt es einen kleinen Campingplatz.

 

Zelt aufbauen, Duschen und ab ins Dorf zum Italiener. Touristenorte haben nicht nur Nachteile. Als ich auf den Platz zurückkomme, hat sich neben meinem Zelt ein Ehepaar aus Holland niedergelassen. Die sind mit dem Fahrrad unterwegs. Gestartet sind sie in Nordholland und wollen in drei Wochen in Florenz sein. Wie viele Holländer kommen die beiden bei der Beschreibung der Eifelstrecke aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Akustisch wird unsere Unterhaltung von einem Hubschrauber untermalt. Bis zum Einbruch der Dunkelheit werden die Weinberge am anderen Moselufer ausgiebig mit dessen Hilfe gespritzt. Im Zelt liegend höre ich der Fernsehübertragung eines Fußballspiels zu. Wie jämmerlich sind die Kommentare der Fernsehreporter, wenn man das Bild nicht sieht! Geradezu ein Schlafmittel.

 

 

III. Perfer et obdura!

 

Um sieben Uhr bin ich wieder unterwegs, es ist wieder Kaiserwetter angesagt. Wieder geht’s den Berg hinauf, zum Dhrönschen. Nach einer Stunde komme ich an dem Campingplatz vorbei, der oben auf dem Berg direkt am Weg liegt. In der Wanderkarte hatte ich den auch gestern Abend schon gesehen. Ganz sicher war ich mir nicht, ob es den immer noch gibt. Und im Hotel fragen? Der innere Schweinehund ...

 

Als wollte mir das Moseltal beweisen, dass es auch anders möglich ist. Die Wegführung geht von nun an immer wieder bergauf und bergab. Beim Fünfseenblick steht ein neuer Aussichtsturm an der Hangkante. Der stand vor acht Jahren noch nicht hier. Also rauf. Bei dem Blick, der sich mir von der obersten Plattform bietet, ist eine längere Pause angesagt. Danach kommt die Autobahn in Sicht. Was viel schlimmer wiegt, ist der Lärm. Da gibt nicht nur der Autofahrer Gas, auch ich drücke aufs Tempo. In Riol ist das alles wieder vergessen.

 

Mir fallen die Rosenstöcke an den Weinstöcken auf. Wozu mögen die gut sein? Werden damit die Weinberge untereinander abgegrenzt? Fragen hat noch nie geschadet. Na dann mal los. Leider weiß ich es bis heute nicht. Von den sechs ArbeiternInnen, die ich im Weinberg anspreche, kommen vier aus Polen und zwei aus Rumänien. Über den Wein hier können die mir einiges erzählen, sie kommen seit Jahren im Frühling und bleiben bis zur Weinlese, aber die Rosen sind ihnen noch nicht sonderlich aufgefallen.

 

Hinter Riol ist es dann soweit: Der letzte Anstieg dieser Wanderung steht an. Das bringt mir die zweite Luft. Die Motivation könnte besser nicht sein. Dann also hinauf in den Longuicher Wald. Ab dem Sauerbrunnen in diesem Wald ist dann auch der Ausoniusweg wieder mit von der Partie. Das läuft jetzt wie von selbst. Rüber über die B 52 und dann nur noch abwärts bis nach Ruwer. Bei den Häusern oben am Dorfrand kommt endlich das Ziel in Sicht. Im Mittagsdunst kann ich die Türme der Trierer Kirchenlandschaft erkennen. Nix wie runter ins Dorf zur Bushaltestelle. „Bus?“, höre ich jetzt schon die erstaunte Frage meiner Frau, „Das gab es ja noch nie!“ Da lasse ich den Bus nach Trier Bus sein; und beschließe die letzten 6 Kilometer bis zur Porta Nigra auch noch zu gehen. Schon bei der Kläranlage der Stadt zweifele ich an meinen Verstand. Die letzten Kilometer bis zum Bahnhof hätte ich mir ersparen sollen. Nicht nur dass die Strecke öde ist, mittlerweile gehe ich auf dem sprichwörtlichen Zahnfleisch. Den Satz „Quäl dich du Sau!“, den sich Jan Ulrich mal anhören musste, hilft mir über die letzen Innenstadtkilometer. Etwas eleganter: Halte durch und sei hart! Nun ja. Seitdem kenne ich eine Ecke in Trier, in der ich auf keinen Fall wohnen möchte.

 

Am frühen Nachmittag bin ich am Bahnhof. Platt, geschafft und bar jeglicher Lust auf einen Stadtbummel. Die Innenstadt mit ihren historischen Gebäuden und Plätzen kann mir gestohlen bleiben. Die Besichtigungstour kann ich im Juli, dann werde ich wohl wieder in Trier sein, noch nachholen. Hinzu kommen erhebliche Rückenschmerzen. Der neue Rucksack - obwohl ein Markenprodukt und nicht preiswert - ist nicht für mich geschaffen. Für die nächsten Touren wird wieder einer von den alten Rucksäcken herhalten müssen.Eine Stunde später sitze ich im Zug, der mich zurück ins Rheinland bringt. Der Rücken tut nicht mehr weh und nach zwei Tassen Kaffee ist von der Erschöpfung nicht mehr viel geblieben. Zeit und Muße um über neue Wanderungen nachzudenken. Mal wieder die Eifel? Oder Jakobsweg? Oder doch besser nach Frankreich? Zum Glück gibt es beinahe überall Weitwanderwege.

 

Epilogus

 

Es war schön! Das Wetter war klasse. Der verregnete Morgen war das Salz in der Wettersuppe. Die Landschaft unspektakulär. Bis auf die üblichen Spaziergänger und Jogger ist mir kein Wanderer über den Weg gelaufen. Das mag daran gelegen haben, dass ich unter der Woche unterwegs gewesen bin (Mi. – Fr.) und die Fußball-WM wird auch den Einen oder die Andere vom Wandern abgehalten haben.

 

Mal ehrlich! Nerven die breiten und oft geraden Wege da oben nicht? Nö, ist halt ’ne alte Kulturlandschaft. Die Land- und Forstwirtschaft hat hier für das äußere Erscheinungsbild gesorgt. Dafür gibt es unverbaute Blicke ins Land. Okay, okay – die Etappen über die Landstraßen... Der Verkehrslärm hat es an ein paar Stellen auch bis hinauf in den Hunsrück geschafft, aber nur an wenigen Stellen. Ein zwar oft gerader, vielleicht deshalb auch ehrlicher Weg. Sofern es so etwas gibt.

 

Und? Geht es wieder auf den Hunsrück? Ja! Da warten noch einige Weitwanderwege. Fast alles „kurze“, so um die 100 Kilometer. Ideal fürs lange Wochenende oder für einen kleinen Leistungs- oder Materialtest ... Die großen Wälder da oben, die zwischen dem Rhein und dem Saarland, in die zieht es mich nicht, die versuche ich zu umgehen, aber in die offenen Landschaften und die kleinen, von keinem Dorf- und Stadtplaner berührten Dörfer. Nicht zu vergessen die „Großstädte“ Simmern, Kirchberg, Morbach und Hermeskeil. Auch weil hier das Leben nicht pulsiert. Oder gerade deshalb.

 

Appendant

 

Beatus ille, qui procul negotiis. – Glücklich der, der fern von Pflichten ist.

Citius, altius, fortius. - Schneller, höher, weiter.

Errare humanum est. – Irren ist menschlich.

Perfer et obdura! - Halte durch und sei hart!

 

 

Gewanderte Strecke:

 

1. Tag: Bingen – Dichtelbach – Rheinböllen – Simmern - Kirchberg – Ausonius-hütte   ca. 49 km

 

2. Tag: Ausoniushütte – Belginum – Weinplatz – Sportplatz Horath (ab hier Moselhöhenweg) – Papiermühle – Dhrönschen – Trittenheim   ca. 48 km

 

3. Tag: Trittenheim – Dhrönschen – Fünfseenblick – Riol – Ruwer – Trier   ca. 37 km

 

Wegbeschreibung:

 

Berthold Staudt, „Die Ausoniusstraße – Eine römische Wanderstraße im Hunsrück“, erhältlich im Archäologiepark Belginum „www.belginum.de“ und bei der Gemeindeverwaltung in Morbach/Hs.

 

Mehr Infos zum Weg bei www.wanderbares-deutschland.de

 

PS: Nur damit keine Missverständnisse aufkommen. Ich bin weder ein alter noch ein neuer Lateiner. Die Zitate haben mir das Internet geliefert, meist die Wikipedia. Die Freundinnen und Freunde dieser alten Sprache mögen mir die Fehler nachsehen.

 

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 21 - Dezember 2006

 

 

 

220 km unterwegs auf Forstautobahnen

und anderen Schotterwegen – manchmal auch auf Fußpfaden

 

Eindrücke von 10 Tagen Westweg-Wanderung Pforzheim – Steinen

 

Text und Fotos von Hartmut Hermanns

 

 

Glaubt man der Schwarzwaldwerbung, so wandern jährlich Tausende den Westweg zwischen Pforzheim und Basel, den Königsweg aller Weitwanderwege im Schwarzwald, sehr gut markiert mit der berühmten roten Raute auf weißem Feld.

 

Sie wissen in den meisten Fällen nicht, was sie erwartet: Nach einer Statistik des Deutschen Wanderverbandes sind nur ca. 20% der Wegstrecke naturbelassen, ca. 5% asphaltiert, der Rest sind befestigte Forstwege und –straßen. Wir wussten dies auch nicht. Man lernt durch Gehen. Von diesem Lernprozess mit durchaus positivem Gesamtergebnis soll im folgenden berichtet werden.

 

Der Wanderweg von Pforzheim bis Basel durchläuft alle Landschaftsformen des hohen Schwarzwaldes, in einer Höhe zwischen 720m (Dobel) bis 1495m (Feldberg). Im Norden  (von Pforzheim bis Hausach) dominiert der Buntsandstein, gefolgt vom Granit des Triberger Stocks (Hausach bis Karlstein), um dann in die Mischgneise und Granite des mittleren und südlichen Schwarzwaldes einzutreten (vom Karlstein bis Kandern). Den Abschluss bilden wieder Sedimentgesteine des Buntsandsteins und des Tertiärs (Kandern bis Basel).

 

Größere Siedlungen werden nach Verlassen der Alb-Pfinz-Hochfläche (Straubenhardt und Dobel) nur noch in Forbach, Hausach, Titisee und Kandern  durchquert, in den beiden ersten Fällen verbunden mit heftigen Ab- und Aufstiegen von über 700 m, die in der Literatur über den Westweg als besonders beeindruckend beschrieben werden, warum, dazu später.

 

Die Einteilung der Etappen orientiert sich an den Übernachtungsmöglichkeiten und an den herausragenden Einschnitten im Wegeverlauf. So wird Forbach als Station zwischen Abstieg ins Murgtal (700 m) und Aufstieg aus dem Murgtal auf die Badener Höhe 800m) gewählt; Hausach als Etappe bei der Überschreitung des Kinzigtales sowie Titisee (bzw. Bärental) vor dem Aufstieg auf den Feldberg.

 

Im Regelfall sollen die insgesamt 265 km bis Basel in elf Etappen bewältigt werden, was dazu führt, dass mehrfach Tageslängen von knapp 30 km zu überwinden sind, eine Strecke, die bei entsprechenden Höhenunterschieden zu einer echten Herausforderung werden kann.

 

Zusammen mit einem Freund bin ich den Weg in der zweiten Septemberhälfte 2006 in zehn Tagen gewandert, davon an sieben Tagen mit Sonne, Wolken, Nebel und teilweise heftigem Ostwind. Die zwei Etappen zwischen Karlstein und Titisee waren durch Regen und Nebel beeinträchtigt.

 

Nützlich für die Planung und Durchführung der Wanderung war der Wanderführer von Walz, Rudolf: Schwarzwald-Westweg. (Wandern ohne Gepäck), Walz Wanderferien Verlag, Neckartenzingen, 2006, ISBN 3-88650-022-5, 8. Auflage, mit präzisen Wegbeschreibungen, nützlichen Hinweisen zu Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten, vor allem aber mit vielfältigen landes- und naturkundlichen Informationen. Die Broschüre der Tourismusinformation Pforzheim zum Westweg enthält eine Etappengliederung mit entsprechenden Übernachtungsvorschlägen. Wir hatten die Übernachtungsquartiere schon Wochen vorher telefonisch reserviert. Dies ist nach unseren Erfahrungen allerdings nicht notwendig, schränkt im übrigen die Flexibilität ein. Es ist durchaus möglich am Morgen das nächste Quartier zu reservieren. Die Zahl der Wanderer, die zur gleichen Zeit auf dem Weg ist, hält sich sehr in Grenzen. In unserem Fall waren es von Pforzheim bis zur Alexanderschanze 3 Personen, von Hausach bis Kandern kamen zwei weitere hinzu.

 

Zur Orientierung dienten uns die Karten des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg Maßstab 1: 50 000: Nr. 502 (Pforzheim), Nr. 501 (Baden-Baden) Nr. 503 (Offenburg), Nr. 506 (Titisee) und Nr. 508 (Lörrach). Die Markierung des Wanderweges ist durchgehend präzise, ein Dank an die Wegwarte des Schwarzwaldvereins.

 

Die erste Etappe begann in Birkenfeld bei Pforzheim, wo wir nach der Anreise mit der Bahn (Baden-Württemberg-Ticket) von Steinen (Kreis Lörrach) über Basel , Karlsruhe und Pforzheim gegen 12.40 Uhr eintrafen. So war die Strecke von 18 km bis zum ersten Etappenziel Dobel gut zu bewältigen. Nach vier Stunden Wanderzeit erreichten wir unseren Etappenort und unser erstes Quartier: Gästehaus Helene Bott (Tel.: 07083 1624), direkt an der Wanderstrecke gelegen Wir waren die einzigen Westwegwanderer an diesem Abend.

 

Am nächsten Tag lernten wir unterwegs die übrigen drei Westwegwanderer kennen. Die Wirtin klagte über geringe Übernachtungszahlen von Wanderern, eine Information, die mich zum ersten Mal in Erstaunen versetzte: Wir waren doch auf dem meist begangenen Wanderweg des Schwarzwaldes?

 

Der Weg von Birkenfeld bis Dobel folgt bis auf zwei kurze Wegstrecken ausgebauten Forststraßen, Typus: Zwei Spuren, in der Mitte leichte Erhebung, manchmal mit Gras bewachsen, Schotteruntergrund von grob bis fein, aber immer hart, teilweise ausgeprägte Bogenform des Wegeprofils, so kann das Regenwasser gut in die beidseitig vorhandenen Gräben abfließen, der Wanderer ist gezwungen häufig die Seiten zu wechseln, um eine einseitige Druckbelastung der kleinen Zehen zu vermeiden.

 

Mit der guten forstwirtschaftlichen Erschließung des Schwarzwaldes, vor allem in den Gebieten, in denen Staatswaldungen dominieren, wurde ein dichtes Netz von Forststraßen geschaffen, die für Lastkraftwagen und schwere Vollerntemaschinen tauglich sind, so dass praktisch in allen Höhenlagen ausreichende Wegeverbindungen zwischen den einzelnen Punkten vorhanden sind, nur ob sie für die Bedürfnisse von Fußwanderern mit empfindlichen Fußsohlen tauglich sind, bezweifle ich. Es reicht nicht (mehr) aus, Forststraßen als Wanderwege für Fußwanderer zu markieren; eher sind diese Wege für Radfahrer geeignet, deren Zahl auf dem Weg bei weitem die der Fußwanderer übertrifft – folgerichtig.

 

Wir lernten schnell mit hoher Aufmerksamkeit nach hinten zu lauschen, um Fahrgeräusche von Fahrrädern auf Schotter rechtzeitig zu orten und durch beherztes Verlassen einer Spur einem Zusammenstoß zu entgehen, lästig übrigens dann, wenn man sich nebeneinander laufend unterhalten möchte. Dass die Radfahrer auch die wenigen Fußpfade gerne benutzen und so den Nutzungskonflikt auf die Spitze treiben, sei nur angemerkt.

 

Verschärft wird die Wegesituation dort, wo der Forststraßenbau dazu übergeht, die Wege auch noch tauglich für Loipen zu machen: Verbreiterung und Rodung eines Streifens rechts und links des Weges berauben diese Strecken jeglicher Raumdimension, die das Wandern zu einem Genuss machen kann.

 

Für den Fußwanderer kann die Schlussfolgerung nur lauten solche Wege zu meiden – was allerdings im Falle des Westweges bedeutet, erst ab Alexanderschanze loszulaufen, da bis dort der Anteil der „Forstautobahnen" besonders hoch ist.

 

Zweite Etappe Dobel bis Forbach, 345 m Aufstieg, 730 m Abstieg, Übernachtung im Naturfreundehaus Holderbronn oberhalb von Forbach (Tel.: 07228 600), das ist das Programm des nächsten Tages.

 

Im Nebel verlassen wir Dobel, nach einem guten Frühstück bei Frau Bott, an Resopaltisch, vor Orchideenfenster und mit Berichten zur Lage des Übernachtungswesens. Der Aufstieg auf den örtlichen Aussichtsturm entfällt wegen Nebels, dafür hat der Wald – und die Schotterwege – uns schnell wieder. In mäßigem Aufstieg gewinnen wir die nebelfreie Zone und den Blick auf die Berge um Baden-Baden und vor allem auf Bad Herrenalb.

 

Die Wanderstraße ist breit, die Aussichten sind prächtig, wir bewegen uns durchgängig im Höhenbereich 900m. Da die Sonne kräftig scheint, wird es Zeit für  eine größere Pause. Dabei machen wir zwei für den Westweg typische Erfahrungen:

 

In den Höhenlagen gibt es keine Brunnen und Quellen, eine für uns Südschwarzwälder neue Erkenntnis; bis wir allerdings diese Tatsache wirklich verinnerlicht haben – und die Trinkflaschen ausreichend füllen – dauert es noch bis zur Alexanderschanze, wo uns der Durst die um das Hotel Alexanderschanze aufgebauten Zugangshindernisse überwinden lässt, um an eine Flasche Bier zu kommen.

 

Zweite Erfahrung: Staatlicher Forststraßenbau ist begleitet von einer für müde Wanderer segensreichen Ausstattung des Waldes mit Rast- und Schutzhütten. Allerdings mussten wir feststellen, dass die verschiedenen zuständigen Forstämter durchaus unterschiedlich intensiv die Möblierung des Waldes betreiben, vorbildlich im Bereich des Staatsforstes Kaltenbronn, dürftig im Bereich zwischen Furtwangen und Titisee (eine Hütte auf 25 km, und ich hätte sie bei dem Regen so gut brauchen können !).Die dichteste Ausstattung mit Schutzhütten war im übrigen im Bereich des Forstamtes Kandern zu beobachten (10. Etappe).

 

Auf dem Hohloh-Gipfel beim Kaiser-Wilhelm-Turm (wir kommen am Sand auch noch zu einer Bismarck-Gedenkstätte - die Preußen hatten offensichtlich ein Faible für den Nordschwarzwald) befindet sich eine besonders luxuriös ausgestattete Schutzhütte, gerade frisch errichtet. Erfahrene Wanderer und Schwarzwaldvereinsmitglieder, die ich bei ihrem Gespräch über die Zukunft dieser Hütte belauschte, waren voller Sorge, wie lange die Hütte dem Vandalismus von Jugendlichen standhalten werde. Die Gefahr ist hier besonders groß, da der Turm und die Hütte nur wenige Schritte von der Landstraße Gernsbach-Wildbad entfernt liegen.

 

Am Hohloh-Turm ist ein weiteres, für den Nordschwarzwald typisches Gestaltungselement der Landschaftsplanung zu bewundern: Riesige geteerte Parkplätze, die den winterlichen Ansturm von Skifahrern, hier vor allem Langläufer, bewältigen sollen. Eine wahre Orgie von Parkplatzbauten können wir an den nächsten beiden Tagen erleben, wenn wir entlang der Schwarzwaldhochstraße von Sand bis Alexanderschanze laufen. Jeder  Hang, auf dem man abfahren kann, ist hier gerodet, mit einem Skilift ausgestattet und von Riesenparkplätzen umgeben. Das Ensemble wird  jeweils mit einem Hotel abgerundet. Zum Trost für die Naturliebhaber muss allerdings gesagt werden, dass wir  auf Skilifte gestoßen sind, die zum Verkauf standen, und auf Hotels, die geschlossen waren. Die Vermarktung einer ganzen Region erstickt schließlich an ihrer eigenen Unersättlichkeit

 

An der Prinzenhöhe verlassen wir die Forststraße und biegen in den Weg zum Murgtal ein, 700 m Abstieg erwarten uns. Doch die Wegführung ist fuß- und wadenfreundlich, die Wegewarte haben bei der Auswahl des Weges berücksichtigt, dass durch den Einbau von Serpentinen ein Gefälle entschärft werden kann, eine Erkenntnis, die wir nicht überall auf der Strecke verwirklicht sahen. Allerdings kann die schönste Wegführung  die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, dass der Höhenunterschied ins Murgtal hinunter 700 m beträgt. Müde sind wir schon, als wir in das freundliche Städtchen Forbach, natürlich stilbewusst über die längste gedeckte Holzbrücke Deutschlands, einlaufen. Dass der Weg zum Naturfreundehaus noch einmal 2 km beträgt, mit Aufstieg zur Marienkapelle, ist zwar unerfreulich, jedoch trösten wir uns, dass am nächsten Morgen weniger Höhenmeter im Aufstieg zu überwinden sein werden.

 

Freundlicher Empfang durch die Hütteneltern (Mutter und Tochter aus dem Erzgebirge), Schnitzel mit Kartoffelsalat und einige Schnäpse auf das Wohl der Mutter, die heute Geburtstag hat. Ab 20 Uhr sind wir allein im Haus, erst am nächsten Morgen werden wir zum Bezahlen wieder begrüßt.

 

Nach improvisiertem Frühstück aus Resten in der Selbstkocherküche treten wir die dritte Etappe an: Forbach - Badener Höhe - Unterstmatt - Ochsenstall, 25 km, 800 m Aufstieg, 350 m Abstieg; Übernachtung im Wanderheim

                                                                          Ochsenstall (Tel. 07226 - 920911).

 

Stetig geht es bergan –wie immer auf Schotterwegen - zur Schwarzenbach-Talsperre und an ihr entlang nach Westen zum Seebachtal, aus diesem heraus mit heftigem Aufstieg zum Seekopf, unterwegs den Herrenwieser See passierend, einen der vielen Karseen, die wir auf dem Weg nach Süden sehen werden. Die Nebel, die anfangs noch um die Vorherrschaft kämpften, haben sich aufgelöst, strahlender Sonnenschein begleitet uns.

 

Am Zweiseenblick ist der Aufstieg geschafft, es geht auf angenehmen Fußpfaden, vorbei am Denkmal für Philipp Bussemer, dem Schöpfer des Westweges, Richtung Badener Höhe mit dem Großherzog-Friedrich-Turm, an dessen Fuß  in 1000 m Höhe eine größere Pause angesagt ist.

 

Gemeinsam mit drei weiteren Westwegwanderern, darunter einem älteren Herrn, der von mehrfachen Jakobswegerfahrungen in Spanien erzählt, werden am schönen Rastplatz mit Tisch und Bänken Essen und Trinken herausgeholt - Wasser, Vollkornbrot in der praktischen Frischhaltebox sowie ein Stück Edelsalami (Aldi) und ein Paar Landjäger.

 

Auf der Hochfläche der Badener Höhe begegnen wir zum ersten Mal der Waldzerstörung, wie sie uns immer wieder begegnen wird bis zur Alexanderschanze, weite Kahlflächen als Folge von Sturm „Lothar“ und dem Waldsterben infolge des sauren Regens, der von Westen kommend auf die Höhenzüge des Nordschwarz-waldes trifft. Ein gespenstischer Anblick.

 

Weit schweift der Blick hinüber zur Hornisgrinde mit Fernsehturm, Windrädern, Fernmeldeturm und Aussichtstürmen, wir werden am nächsten Tag den höchsten Berg des Nordschwarzwaldes erklimmen. Auf  breiten, z.T. sandigen Forstwegen erreichen wir vorbei am Naturfreundehaus Badener Höhe - sicher eine gute Übernachtungsmöglichkeit - beim Sand die Schwarzwaldhochstraße, an der entlang wir am nächsten Tag bis Alexanderschanze wandern werden.

 

Wir treten ein in eine Landschaft, die aufgrund ihrer grandiosen Fernsichten in die westliche Vorbergzone des Schwarzwaldes, die Rheinebene, die Vogesen und den Pfälzer Wald sowie nach Osten auf die Buntsandsteinhochflächen um Freudenstadt immer wieder zum Verweilen und Schauen anregt.

 

Zugleich ist die Strecke ein Paradebeispiel für die Nutzung der Natur für Zwecke des Wintersportes und des Ausflugsverkehrs, bei der die natürlichen Gegebenheiten bis zur Unkenntlichkeit verändert werden, um den eher reduzierten Bedarf der Urlauber an wirklichem Kontakt mit der Natur zu befriedigen – also breite Skiabfahrten mit Liften, Spazierwege, die entweder breiten Schotterwegen folgen oder aber, wo Fußpfade angelegt sind, mit Feinschotter aufgefüllt sicherstellen, dass der Besucher weder nasse Füße noch schmutzige Schuhe bekommt.

 

Der Wanderweg folgt, bis auf die löbliche Ausnahme Hochkopf und Anstieg zum Wanderheim Ochsenstall, durchgehend breitesten Forststraßen, die sich entlang der Schwarzwaldhochstraße über kahle Hänge ziehen, der Sonne ausgesetzt, ohne Wasserstellen und überzogen vom Lärm der Motorradfahrer, die vor allem an den Wochenenden die Straße mit einer Rennstrecke verwechselnd röhrend ihren Sound in den Bergen erschallen lassen.

 

Da diese Art von Freizeitbeschäftigung einen durchaus ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor für das notleidende Beherbergungsgewerbe der Schwarzwaldhochstraße darstellt - man findet häufiger Hinweise an Gasthöfen mit „Bikers welcome“ als solche, die Wanderer ausdrücklich willkommen heißen - kann der Wanderer nur die Ohren anlegen und versuchen, diese unwirtlichen Stätten so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.

 

Ich schlage vor, ab Unterstmatt den öffentlichen Bus bis Alexanderschanze zu nehmen, vielleicht unterwegs am Ruhestein auszusteigen, den Sessellift auf den Seekopf zu nehmen, von der Bergstation auf garantiert trockenen Wegen zum Wildseeblick zu laufen und wieder zurück, anschließend das Informationszentrum des Naturparks Schwarzwald Mitte Nord am Ruhestein zu besuchen um sich über den Schutz der Naturlandschaft zu informieren, wie er von den Mitarbeitern des Naturparks praktiziert wird.

 

Zunächst aber erreichen wir in  steilem Aufstieg über Wurzeln und Betonstufen das Wanderheim Ochsenstall, kurz unterhalb der Hornisgrinde. Wieder sind wir die einzigen Übernachtungsgäste, das Gastwirtsehepaar schließt um 18 Uhr die Küche und verlässt das Haus gegen 19 Uhr. Wir haben das Haus für uns alleine.

 

Der folgende vierte Tag führt uns entlang der Schwarzwaldhochstraße über den „Grinden-Schwarzwald“, baumlose Höhen als Ergebnis von Beweidung und Moorbildung von der Hornisgrinde über Ruhestein, Schliffkopf, Zuflucht zur Alexanderschanze: 26 km, 420 m Aufstieg, 500 m Abstieg. Übernachtung Naturfreundehaus Kniebis (Tel.: 07442 - 3294).

 

Die Überquerung des Gipfelplateaus der Hornisgrinde zeigt uns alle denkbaren Nutzungen eines hohen Berges im Schwarzwald: Ein 200 m hoher Fernsehturm, drei Windräder, zwei Aussichtstürme, ein Fernmeldemast, ein Kinderspielplatz, eine Vesperstube, eine Bushaltestelle, eine Bergwachthütte, Bauten aus der Zeit der französischen Besetzung des Gipfels - heute leerstehend.

 

Wir umgehen den Rummel um den Mummelsee und wählen den direkten Abstieg zum Seibelseckle - hier natürlich auch Skipiste, Parkplatz und Skilift sowie Vesperstube. Es folgt eine körperlich und seelisch zermürbende Strecke auf breitem Forstweg durch eine apokalyptische Waldlandschaft - vorbei am Lothar-Denkmal, das an den verheerenden Sturm von 1999 erinnert. Bei der Darmstädter Hütte betreten wir ein Hochmoorgebiet, das sich bis zum Ruhestein erstreckt. Vorbei am Wildseeblick, durch eine gespenstische Landschaft von Baumleichen erreichen wir die Bergstation des Ruhestein-Sesselliftes. Jetzt verstehen wir auch die deutliche Zunahme von Rentnern auf den letzten zwei Wegkilometern: Auf- und Abstiegshilfen machen es möglich, trockenen Fußes bis zur Darmstädter Hütte zu laufen, wo schon Schwarzwälder Kirschtorte zur Stärkung für den Rückweg wartet.

 

Den Ruhestein mit seinem Informationszentrum des Naturparks Schwarzwald Mitte Nord lassen wir schnell hinter uns, überwinden einen robusten Anstieg auf die Höhe des Schweinkopfes. Der Weg führt angenehm weiter über moorige Höhen zum Schliffkopf, auf dessen Gipfel wir zu Füßen des Denkmals für die Gefallenen des Schwäbischen Schneeschuhverbandes rasten. Vorbei am hochpreisigen Schliffkopfhotel und in Hörweite der Bundesstraße 500 verlassen wir den Schliffkopf um die letzte Etappe bis zur Alexanderschanze anzutreten, ein Wegstück, dass wegen seiner Wegführung, seiner Wegequalität und seiner fehlenden, bzw. völlig unzulänglichen Einkehrmöglichkeiten zu einer schweißtreibenden Angelegenheit wird. Das ehemalige Hotel Zuflucht, heute Jugendherberge, steht laut deutlichem Hinweisschild nur Gästen der Jugendherberge offen, am Hotel Alexanderschanze ist der Eingang mit einem Absperrband verbarrikadiert. Wir lassen uns nicht abschrecken, klopfen den Wirt heraus und bestellen ein Bier. Gott sei Dank fährt um 17.10 Uhr der Bus nach Kniebis ab, wo wir erschöpft das Naturfreundehaus aufsuchen, freundlicher Empfang, solides Abendessen und lange Gespräche mit anderen Gästen.

 

Am folgenden fünften Tag verlassen wir das Reich von Waldzerstörung, Riesenparkplätzen und Forstautobahnen und wandern von Kniebis zum Brandenkopf: 25 km, Aufstieg 450 m, Abstieg 350 m, Übernachtung im Wanderheim Brandenkopf (Tel.:07831-6149).

 

Der Weg bietet immer wieder grandiose Fernsichten vor allem ins Renchtal, nach SW auf Mooskopf und Brandenkopf sowie in das obere Wolftal im Osten. Einziger Wermutstropfen an diesem Tag ist ein Abstieg von der Höhe See-Ebene beim Glaswaldsee hinunter zum Freiersbergsattel, Höhendifferenz 210 m auf einem schnurgeraden Grobschotterweg steil abwärts. Zwei älteren Personen, die am Fuß dieses „Büßerweges“ nach dem Weg zum Glaswaldsee fragen, raten wir dringend von dem Aufstieg ab, diese Strecke ist nur für Hochleistungssportler geeignet.

 

Sonnenschein, wunderschöne Landschaftsausblicke und ein sanft auf– und absteigender restlicher Weg lassen uns beschwingt den Harkhof erreichen. Wir machen eine kurze Vesperpause, mitten im Trubel von Tagesausflüglern, Fernreitern, Motorradfahrern und Spaziergängern - das Gasthaus mit angeschlossenem Bauernhof ist über eine schmale Teerstraße vom Harmersbacher Tal erreichbar. Der Kampf um Plätze an den Biertischen im Garten ist hart, nach drei Anläufen dürfen wir uns zu einem einzelnen Herrn an den Biertisch hinzusetzen, nachdem er sein Getränk, das er zum Wärmen in die Sonne gestellt hatte, an sich genommen hat – so Platz schaffend weitere zwei Personen an seinem Sechsertisch. Die Bedienung war jedoch flink und freundlich, so dass wir nach kurzer Zeit diesen Ballungsort verlassen konnten. 200 m Aufstieg zum Wanderheim auf den Brandenkopf stellten eine beachtliche Schlussherausforderung dar. Keuchend und schwitzend erreichen wir das Tagesziel, umgeben von Schweizer Motorradfreunden und einer Kleinbus-Wandergruppe aus dem Schwäbischen.

 

Der sechste Tag sah uns auf dem Weg vom Brandenkopf über Hausach zum Karlstein: 24 km, 780 m Abstieg, 1000 m Aufstieg. Übernachtung auf dem Bauernhof der Familie Kaltenbach in Hinterhauenstein (Tel.:07833-354).

 

Die Querung des Kinzigtales wird in der Literatur über den Westweg als besonders eindrucksvoll geschildert, insbesondere der Aufstieg von Hausach auf den Farrenkopf (789 m). Nach vollbrachter Tat wurde dies begreiflich: Der Weg führt ab dem Haseneckle die letzten 300 Höhenmeter auf einem Schleifweg in der Falllinie den Berg hinauf, so als wären alle Kenntnisse über die Wegführung in steilem Gelände noch nicht bis ins Kinzigtal gedrungen. Ärgerlich auch, weil die Mühe des Anstiegs nicht etwa durch eine grandiose Rundumsicht auf die Täler und Berge belohnt würde: lediglich eine schmale Sichtschneise Richtung Gutach ist der Mühe Lohn.

 

Ab Haseneckle bietet sich eine wunderschöne Ausweichstrecke direkt zum Büchereck an unter Umgehung des unsinnigen Aufstiegs auf den Farrenkopf. Das Prinzip der Falllinie für die Anlage von Wanderwegen ist allerdings, wie wir bald erfahren konnten, beileibe nicht auf den Anstieg zum Farrenkopf beschränkt: Munter ging es den restlichen Tag weiter in der Falllinie bergauf, bergab. Als topographisch-historische Begründung mag die Tatsache gelten, dass dieser Weg der alten Schanzenlinie auf den Höhen zwischen Elztal und Gutachtal folgt; das Wegenetz diente schließlich nicht der Erbauung, sondern der kürzest möglichen Verständigung zwischen zwei Schanzen.

 

Man muss uns die Erschöpfung angesehen haben, denn unterwegs trafen wir auf Spaziergänger, die uns tröstend zuriefen, wir sollten nur durchhalten, bald würden wir auf eine Waldwirtschaft der Kolpingfamilie Hornberg treffen, wo wir uns mit Wurst und Bier stärken könnten. Und tatsächlich, kurz vor der Hirschlachschanze waren  Tische und Bänke vor einer Hütte über den Weg gestellt, frohe Lieder schallten durch den Wald. Wir wurden freudig von den Kolpingjüngern begrüßt und schnell mit dem gewünschten Bier versorgt. Gemeinsam sangen wir zur Gitarrenbegleitung einige altbekannte Wanderlieder, wie z.B. „Mein Vater war ein Wandersmann“, oder „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Nur zu bald mussten wir uns von diesem angenehmen Ort trennen, nicht ohne das Liederbuch zu kaufen, das die Grundlage des fröhlichen Gesanges gebildet hatte.

 

Nach einem letzten heftigen Anstieg zum Karlstein erreichten wir unser Etappenziel, den Bauernhof der Familie Kaltenbach in Hinterhauenstein, wo eine große Metzgete des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes gerade zu Ende ging. Wir profitierten davon in Form von Blut– und Leberwurst mit Sauerkraut und Brot. Bald sanken wir müde in die Betten.

 

Wie schon in den letzten Tagen angekündigt, zogen am Morgen der siebten Etappe düstere Wolken von  Westen heran, das gute Wetter verschwand gegen Osten. Wir machten uns auf den Weg vom Karlstein zum Ortsteil Raben (Furtwangen): 22 km, Aufstieg 200 m, Abstieg 200 m, Übernachtung im Hotel Goldener Rabe (Tel.:07723– 7397).

 

Ohne große Höhenunterschiede, auf sehr abwechslungsreichen Wegen ging es über die weite Hochfläche oberhalb von Schonach, im Schnittpunkt von Rhein- und Donausystem, vorbei an den Quellen von Elz (zum Rhein und zur Nordsee) und Breg (zur Donau und zum Schwarzen Meer). Den Formen der nach Osten gerichteten Täler sieht man an, dass die Bäche einen weiten Weg vor sich haben. Sie können sich mit der Abtragung Zeit lassen. Sanft geschwungen sind die Talhänge, ideales Gelände für nordische Skiathleten, deren Hochburgen folgerichtig um Brend und Rohrhardsberg zu finden sind.

 

Nachdem wir den heimelig wirkenden Gasthof  Wilhelmshöhe nach einer kurzen Aufwärm-Einkehr verlassen haben, beginnt der Regen, in dieser Höhenlage von 1000 m mit Nebel verbunden. Jetzt muss unser Regenschutz zeigen, was er kann. Von außen bleiben wir trocken, von innen sind Hose und Hemd total nass, vom Schweiß. Da muss nachgebessert werden.

 

Im Gasthaus Martinskapelle finden wir Wärme, Speis‘ und Trank. Nur ungern verlassen wir das gemütliche Wirtshaus, aber der Weg ruft, über den Brend - im Nebel nichts zu sehen - erreichen wir heftig durchnässt –wie gesagt von innen - unser Tagesziel, das Hotel „Goldener Rabe“ oberhalb von Furtwangen, ein Haus, das seine besseren Tage schon hinter sich hat. Das Wichtigste scheint in dieser Herberge, noch vor allem Ankommen, das Ausfüllen des Meldescheins, was ich mit nassen Händen und klammen Fingern hinter mich bringe. Da es noch früh am Nachmittag ist, haben wir genügend Zeit den Charme dieses Goldenen Rabens auf uns wirken zu lassen. Wir sind froh, dass uns am nächsten Tag nichts übrig bleibt, als weiter zu wandern, trotz fortgesetzten Regens.

 

Die achte Etappe soll von Raben bis Berghäusle, oberhalb von Hinterzarten,  führen: 23 km, 320 m Aufstieg, 200 m Abstieg, Übernachtung im Wanderheim Berghäusle (Tel.:07652 982065)

 

Wir trotten ohne viele Worte durch den Regen, konzentrieren unsere Kräfte darauf, das Zwischenziel Gasthaus „Kalte Herberge“ zu erreichen, wo wir gegen 11 Uhr ankommen. Hier treffen wir auf das Schwarzwälder Ruhetags-Phänomen: Am Dienstag  geschlossen. Am gleichen Tag sollte ich noch einmal Opfer dieses Phänomens werden - am Feldberg. Man kann sich leicht vorstellen, mit welcher Freude wir den weiteren Weg angegangen sind, noch fast 10 km bis zum Thurner.

 

Unterwegs teilte mir mein  Wanderkamerad mit, dass er am Thurner aufhören und aussteigen werde. Die Motivation ist auf dem Nullpunkt angekommen. Nun denn.

 

Der Wanderweg zwischen Neueck und Thurner teilt sich, der Topographie wegen, notgedrungen den Platz mit der Bundesstraße 500, die als Verlängerung der Schwarzwalhochstraße von Furtwangen nach Hinterzarten führt. Angesichts von Wochentag und Regen hält sich der Verkehr und damit der Lärm auf dieser Straße in Grenzen. Die Wegewarte des Schwarzwaldvereins, die für dieses Wegstück verantwortlich zeichnen, haben gute Arbeit geleistet, immer wieder entfernt sich der Weg von der Straße, sucht Punkte auf, an denen durch den Nebel herrliche Aussichten sowohl zum Feldberg und Kandel hin wie nach Osten in die Täler um Neustadt zu ahnen sind.

 

Gegen 14 Uhr sind wir am Thurner, ein Bus fährt von hier nach Hinterzarten. Verabschiedung, den Rest des Tages mit dem Regen allein. Ich ändere das Programm: Statt zum Berghäusle laufe ich nach Titisee, über die Weißtannenhöhe zum Rastplatz Fürsatzhöhe. Hier findet sich auf der langen Etappe von Furtwangen die erste Schutzhütte, allerdings wild mit Grafitti verziert. Der Weg hinunter zur Fürsatzhöhe ist ein besonders schlimmes Beispiel für Forststraßenbau - über 2 km geht es abwärts auf einem frisch mit Grobschotter aufgefüllten Forstweg, angesichts der Wölbung der Oberfläche und der tiefen Seitengräben und aufwändigen Entwässerungsbauten weiß man überhaupt nicht, wie man ohne Sturz dieses Wegstück bewältigen soll.

 

Am Wanderheim des Schwarzwaldvereins „Berghäusle“ vorbei führt der Weg, die letzten Kilometer auf Asphalt, nach Titisee. Durch die Massen von Tagestouristen, zwischen Andenkengeschäften und Schnellverpflegungsstationen hindurch, umgeben von einem Wirrwarr der unterschiedlichsten Sprachen, Geräusche und Gerüche, erreiche ich den Bahnhof, wo gerade ein Bus zur Abfahrt zum Feldberg bereit steht.

 

Alle Prinzipien hintanstellend nehme ich den Bus und lasse mich zum Feldbergpass fahren, in der Hoffnung dort oben Quartier in der Emmendinger Hütte finden zu können - Fehlanzeige, wie sich herausstellte: geschlossen. Auch die anderen Unterkünfte auf der Passhöhe haben geschlossen, offensichtlich wird hier während der Skisaison genug verdient. Also den nächsten Bus ins Tal und am nächsten Tag wieder hoch.

 

Der neunte Tag soll mich, verstärkt um einen neuen Wanderkameraden, vom Feldberg zum Belchen führen: 24 km, 300 Aufstieg, 600 m Abstieg, Übernachtung im Gasthaus Hotel Jägerstüble in Multen (Tel.: 07673-7255).

 

Das gute Wetter ist zurückgekehrt, allerdings nur bis zur Mittagszeit, dann gewinnen die Nebel und Wolken aus dem Rheintal die Oberhand. Leichten Fußes wandern wir entlang der Südhänge des Feldbergs über den Stübenwasen, einen langgezogenen Höhenrücken im Höhenbereich 1300m Richtung Notschrei. Unterwegs phantastische Fernsichten ins obere Wiesental, ins Dreisamtal, zum Schauinsland und nach Osten zum Herzogenhorn. Wie gut, dass heute die Nebel gewichen sind. Was wäre dieser Weg ohne die Aussicht!

 

Die Strapazen des vorangegangenen Tages verlangen  nach Ausgleich, also machen wir an jedem Gasthaus halt und stärken uns, sei es zum zweiten Frühstück (Gasthaus Stübenwasen), zum Mittagessen (Hotel Notschrei) oder zum Nachmittagstee (Hotel Wiedener Eck). Zusammen mit dem Hotel Jägerstüble in Obermulten, am Fuß des Belchens, das unser Etappenziel ist, haben wir so im Laufe des Tages einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit des Gastronomie in diesem Teil des Schwarzwaldes gewinnen können, das Urteil lautet: vorzüglich! Die Qualität der Verpflegungsstationen korrespondiert auf das Erfreulichste mit der Qualität der durchwanderten Landschaft und der vorzüglichen Wegeführung - endlich überwiegen die schmalen Fußwege, die weichen, den Sohlen schmeichelnden moosigen Pfade.

 

Leider übernehmen am Nachmittag wieder die Nebel aus dem Rheintal die Macht, wir laufen durch nebligen Wald, über weite Weidflächen, ahnen die dort weidenden Rinder, und freuen uns auf die Ankunft in Multen. Dass das Hotel Jägerstüble über ein Wohlfühl-Hallenbad verfügt, macht den letzten Abend der Wanderung zu einem wahren Entspannungsvergnügen, nach all den Strapazen.

 

Den Abend verbringen wir im Gespräch mit einem Bremer Ehepaar, das zur gleichen Zeit den Weg von Pforzheim aus gelaufen ist - der Westweg verbindet.

 

Die zehnte Etappe soll uns vom Belchen nach Hause führen, nach Steinen im Wiesental, 28 km, 1000 m Abstieg, 250 m Aufstieg.

 

Am Morgen nehmen wir bei strahlendem Sonnenschein die Gondelbahn zum Belchenhaus und genießen die phantastische Fernsicht rings über den Südschwarzwald. Rheintal, Vogesen und Alpen liegen im Dunst, das Wetter ist noch nicht stabil.

 

Am Hohkelchsattel beginnt der Abstieg, der uns in verschiedenen Etappen über 1000 Meter nach unten führen wird - am Ende des  Tages werden unsere Knie und Waden die entsprechende Rückmeldung geben.

 

Nach dem gestrigen Schlemmertag ist Diät angesagt. Studentenfutter, Schokolade und Quellwasser erfreuen heute unseren Gaumen. Es geht auch.

 

Als wir gegen 13 Uhr am Platz Stühle (1043 m) Mittagsrast machen - die Schutzhütte mit ihren Bänken und Tischen ist leider unsäglich mit menschlichen Exkrementen beschmiert -, zeigt der Wegweiser noch 20,2 km bis Steinen. Ob wir das wohl schaffen? Wir versuchen so weit wie möglich zu kommen. Vom Westweg nehmen wir hier Abschied, er führt weiter nach Westen über den Blauen nach Kandern und Basel.

 

Wir ziehen nach Süden über die Höhenrücken zum Lipple mit vorzüglicher Quelle, weiter über Hohe Stückbäume und Endenburg zur Passhöhe Scheideck (541 m), die wir gegen 17 Uhr erreichen. Den Gedenkstein für die gefallenen Soldaten der Schlacht von 1848 anlässlich der badischen Revolution nehmen wir nur beiläufig wahr, unser Streben geht heimwärts.

 

Auf den wohlbekannten Forststraßen, wieder auf Buntsandstein, laufen die Füße fast wie von selbst, lediglich die Schmerzen in den Füßen und im Rücken erinnern daran, dass über 200 km Wegstrecke hinter mir liegen.

 

Gegen 18 Uhr werden wir in Hägelberg (457 m) oberhalb von Steinen abgeholt. Geschafft.

 

Fazit:

 

Die Strecke ist eine beeindruckende Herausforderung für Gehwerkzeuge und Motivation. Als Fußwanderung empfehle ich den Weg ab Alexanderschanze, oder, wie es die Schwarzwald-Tourismus GmbH als Teilstrecke (mit Gepäcktransport) anbietet, ab Hausach. Die Strecke von Pforzheim bis Alexanderschanze überlässt man besser den Radfahrern.

 

Besonders positiv in Erinnerung bleiben die Begegnungen mit Menschen, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht haben - und die überwältigend schönen Landschaftsbilder.

 

 

 

 

 

 

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 23 - August 2007

 

 

 

 

Dieser Beitrag ist erschienen in der Zeitschrift des Schwarzwaldvereins und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Verfassers  und des Schwarzwaldvereins noch einmal abgedruckt.

 

Die Qualitätsoffensive Westweg hat den bekanntesten Fernwanderweg des Schwarzwaldvereins deutlich verändert. Die GrösselbachFurt (Trittsteine), das Schloss Neuenbürg, der HohlohSee und die Weißtannenhöhe liegen jetzt direkt am Westweg. Dies sind nur einige wenige Beispiele für die Streckenveränderungen, die den Westweg für Wanderer attraktiver machen.

 

Mehr als zwei Jahre war der Schwarzwaldverein damit beschäftigt, für die weniger attraktiven Strecken des Westweges neue Alternativen zu finden, Maßstab waren dabei die Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverbandes für Wanderwege (vgl.: DER SCHWARZWALD 1/2006). Die Mühe hat sich gelohnt. Im Januar 2007 hat der Westweg auf der Reisemesse CMT in Stuttgart das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ erhalten (www.wanderbares-deutschland.de).

 

Auf fast allen Etappen hat es im Jahre 2006 zum Teil deutliche Streckenänderungen gegeben, und auch in diesem Jahr werden noch weitere Veränderungen durchgeführt. Am wichtigsten ist wohl die Verlegung des Trennungspunktes der östlichen und der westlichen Variante nach Titisee .... Doch halt: Immer hübsch der Reihe nach. Hier nun  von Nord nach Süd  eine Übersicht über die wichtigsten Streckenverlegungen:

 

Pforzheim

 

Der Kupferhammer ist und bleibt der Startpunkt des Westweges. Seit Herbst 2006 jedoch beginnt er als schmaler Pfad durch den Laubwald. Damit erfüllt der Westweg bereits auf den ersten Metern die Erwartungen der Wanderer an einen Prädikatswanderweg. Zum Vergleich: Vorher musste der Wanderer zunächst die vielbefahrene Bundesstraße überqueren und dann kilometerlang auf Asphalt laufen. Der Westweg folgt nun auf den ersten Kilometern bis zur Ruine Hoheneck dem Mittelweg und führt dann über die Höhen des Hämmerlesberges nach Dillstein hinab.

 

Neuenbürg

 

Ab dem Unteren Enzsteg begleitet der Westweg die Enz flussaufwärts bis nach Neuenbürg. Ein großer Teil dieser neuen Strecke verläuft auf naturbelassenen, pfadigen Wegen. Über den Grösselbach gelangt der Wanderer mit Hilfe von Trittsteinen, wie man sie sonst nur aus südlichen Ländern kennt.

 

Auf dem anschließenden Pionierweg geht es immer dicht an der klaren Enz entlang bis zur Eisenbahnbrücke Neuenbürg. Von dort folgt ein Anstieg bis zum Schloss, dem ersten kulturellen Höhepunkt am Westweg. Am Buchberg schließlich mündet der neue Westweg wieder auf die bekannte Strecke ein. Der bisherige Westweg vom Unteren Enzsteg über Birkenfeld und NeuenbürgWilhelmshöhe bleibt als sogenannte Höhenvariante für den Wanderer ebenfalls mit der roten Raute ausgeschildert.

 

 

 

Kaltenbronn

 

Der Kaltenbronn ist schwieriges Terrain für eine Alternativensuche, sind doch die Wege dort breit und gut ausgebaut. Trotzdem konnte eine Strecke gefunden werden, die etwas naturnahere Wege benutzt und zugleich die attraktivsten Stellen des Kaltenbronn einbindet. Zwischen LangsmartskopfHütte und Kreuzlehütte verläuft der Weg anstatt auf der breiten und häufig von Holztransportern befahrenen Alten Weinstraße nun am Rand zum Murgtal. Und

durch den Schlenker zum Infozentrum Kaltenbronn und dem dortigen Gasthaus kommt der Wanderer auch noch am HohlohSee vorbei.

 

Weißtannenhöhe

 

Die Weißtannenhöhe oberhalb von Breitnau ist beliebtes Wanderziel der örtlichen Gäste. Von dort hat man einen hübschen Blick auf Breitnau und zum Feldberg. Seit Sommer 2006 verläuft der Westweg direkt über die Höhe und nutzt dabei überwiegend die bei Wanderern so beliebten naturbelassenen Pfade.

 

Trennungspunkt Titisee

 

Die wichtigste Änderung für den Westweg ist die Verlegung des Trennungspunktes der östlichen und westlichen Variante nach Titisee. Auf der westlichen Variante steigt der WestwegWanderer nun zunächst über den Höhenrücken zwischen Titisee und Hinterzarten bis nach Oberzarten. Dort beginnt mit dem so genannten EmilThomaWeg einer der schönsten Anstiege auf den Feldberg. Im oberen Teil führt der Weg ab dem Rufenholzplatz auf schmalen Pfaden, die mit Baumwurzeln und Steinen durchsetzt sind, zum Grüblesattel zwischen Seebuck und Feldberg hinauf, wo er wieder auf die bisherige Strecke trifft. Durch die neue Streckenführung bleibt der WestwegWanderer vom touristischen Rummel am Feldberger Hof verschont. Denn auch die östliche Variante, die von Titisee der bisherigen Strecke über Bärental und Zweiseenblick zum Caritashaus folgt, bleibt ab dem Caritashaus südlich der Bundesstraße und führt über die Menzenschwander Hütte und den FeldbergPass direkt in Richtung Herzogenhorn.

 

Östliche Variante: Herzogenhorn

 

Den Gipfel des Herzogenhorns berührt der Westweg auch nach der Verlegung noch immer nicht. Aber anstatt auf breitem Forstweg um den Gipfel herum zu laufen, kann der Wanderer nun von der Schwedenschanze in nur 50 Höhenmetern und 300 Metern Wegstrecke den Gipfel erklimmen.

 

Westliche Variante: Kandern

 

Südlich von Kandern erwartet den Westweg-Wanderer nun ein landschaftliches Glanzlicht: die enge Wolfsschlucht. Der Weg verläuft auf schmalen, teils ausgesetzten Pfaden bis nach Hammerstein. Von dort geht es über Egerten und die Baselblickhütte nach Wollbach. Sämtliche oben aufgeführten Streckenverlegungen konnte der Schwarzwaldverein gemeinsam mit den Gemeinden im Jahr 2006 realisieren. Hinter jeder Einzelmaßnahme stehen viele Stunden ehrenamtliches Engagement. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Für das Jahr 2007 stehen noch weitere Wegeverbesserungen an, beispielsweise in Dobel, Forbach, Hausach, am Weißenbachsattel und am Dinkelberg. Am Westweg gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Lassen Sie sich verführen von einem der schönsten Wanderwege Deutschlands.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 23 - August 2007

 

 

 

Wandern wo andere Rad fahren

 

Weitwanderwege auf Normal Null

 

Von Werner Hohn

 

- Wandern in Norddeutschland? Hast du kein Rad? - so die ersten Reaktionen meiner Kollegen. Meine Frau war von der Idee begeistert. Endlich mal eine Wanderung ohne Höhenmeter, denn die mag sie überhaupt nicht. Ein Novum für mich als Wanderer: In den Wanderkarten findet sich vor vielen Höhenangeben ein Minuszeichen. Wandern unterm Meeresspiegel!

 

Bis dahin hatte ich das Norddeutsche Flachland nicht unbedingt mit Wandern in Verbindung gebracht, mit Weitwandern erst recht nicht. Der Continental Divide Trail, der quer durch die USA (Ostküste - Westküste) führt, hatte bei mit die Idee einer Wanderung von Küste zu Küste in Deutschland ins Rollen gebracht. Bis zum Nord-Ostsee-Wanderweg waren es dank Internet nur noch ein paar Klicks. Der ist zwar einige Nummern kürzer, mehr aber gibt unser Land für eine direkte Küste-zu-Küste Wanderung nicht her. Dafür ist solch ein Unternehmen für Normalsterbliche realisierbar und muss nicht aus Zeitgründen bis zum irgendwann anstehenden Ruhestand verschoben werden. Der Norddeutsche Wanderverband hat den Weitwanderweg, der mitten durch Schleswig-Holstein führt, schon viele Jahre im „Angebot“.

 

Im Herbst 2003 war es dann so weit. Zusammen mit meiner Frau ging es in vier Tagen von Meldorf nach Kiel. Mit dem Westwind im Rücken, immer stur nach Osten. Es war eine überraschend schöne und abwechslungsreiche Wanderung. Schiffe, Moore, Hebewerke, eine fliegende Fähre und zum Abschluss dann doch noch ein paar Hügel. Gewürzt wurde das alles mit einem steten Wind, der für frische Luft sorgte. Der meist blaue Himmel, aufgelockert mit Schönwetterwolken, war gut für die Stimmung.

 

Auch wenn ich es nicht an die große Glocke hänge: hin und wieder finde auch ich Gefallen an einer Mehrtageswanderung ohne das „Abarbeiten“ von Höhenmetern.

 

Zwei Jahre später (Osterwochenende 2005) war es dann wieder so weit. Diesmal sollte es der Ostfrieslandwanderweg sein, diesmal alleine. Der Ostfrieslandwanderweg führt am ersten Tag an der Ems entlang und endet immerhin an der Nordseeküste. Fehnsiedlungen, Hochmoore, Entwässerungskanäle sowie Bauernhöfe die auf flachen, kaum wahrnehmbaren Aufschüttungen aus der unendlichen Ebene ragen, bestimmen das Bild dieses Weges. Der überwiegende Teil verläuft ab Aurich bis Bensersiel auf der Trasse einer ehemaligen Kleinbahnstrecke - leider entgegen der Beschreibung, über weite Strecken befestigt.

 

Es gibt Wanderungen die halten bereits bei der Planung einige Überraschungen parat.. Bei beiden Touren in Norddeutschland sollte das der Fall sein. Bei der in Ostfriesland war es dank Internet schon keine mehr - die Wanderkarten waren die positive Überraschung.

 

Bei dem Weg quer durch Schleswig-Holstein rieben wir uns schon beim ersten Blick in die Wanderkarten die Augen. Da haben die Kartographen bestimmt etwas vergessen, vermuteten wir. Wenn auch bis zum ersten Wandertag die Hoffnung am Leben blieb. Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Auf die genaue Vorplanung wurde bei beiden Touren, bis auf die Beschaffung der Wanderkarten, bewusst verzichtet. Das Wandern über mehrere Tage hat für uns auch etwas mit einer kleinen Flucht aus dem verplanten Alltag zu tun. Als Alleinwanderer oder zu zweit ist es meist kein Problem eine Unterkunft zu finden. Allen Widrigkeiten wie: Großveranstaltungen und „Eigentlich sind wir voll“ zum Trotz, für eine Nacht haben wir noch immer was gefunden. Wenn ich alleine unterwegs bin, lege ich mich zum Übernachten (wenn es nicht anders geht) auch schon mal in das Schutzhäuschen einer Bushaltestelle. Das fällt, wenn meine Frau dabei ist, mit Sicherheit aus.

 

Nord-Ostsee-Wanderweg

 - Mit Rückenwind von Küste zu Küste

 

Dank Internet war die Beschaffung der nötigen Karten kein Problem. Überrascht war ich über die Tatsache, dass es für diese Region Wanderkarten gibt. Mit Radwegekarten hatte ich schon eher gerechnet.

 

Was sich schon beim Blick in die Karten gezeigt hatte, wurde vor Ort bestätigt: Völlig unverständlich beginnt der Nord-Ostsee-Wanderweg in Meldorf und endet in Kiel-Schulensee. Beides weitab vom Wasser. Die Kartographen hatten sich also doch nicht geirrt. Aus verständlichen Gründen fangen viele Weitwanderwege in Deutschland an einem Bahnhof an, oder sie enden da. Ganz klar, für Wanderer ist das von Vorteil. Es gibt einige Wege, da sollte das nicht so sein, zumindest sollte es eine Alternative geben. Der Nord-Ostsee-Wanderweg zählt mit Sicherheit zu diesen Wegen. In diesem Fall verpflichtet der Name. Wir wollten jedenfalls nicht von Meldorf (auch wenn es reizvoll ist) nach Kiel-Schulensee (weniger reizvoll) gehen. Wir wollten von der Nordsee zur Ostsee gehen! Das haben wir gemacht. Auch wenn es nur das Hafenbecken in Kiel geworden ist, Ostseewasser war es allemal.

 

1. Tag: Meldorf (Hafen) - Albersburg

 

Was tun, wenn der markierte Wanderweg nicht da anfängt wo man es gerne hätte? Erst recht wenn der Anfang nicht da ist wo er unserer Meinung nach hingehört. Das fragten wird uns, nachdem wir einen passablen Abstellplatz für das Auto gefunden hatten. Wohlgemerkt in Meldorf und das liegt bekanntlich nicht an der Nordsee. Jedenfalls nicht direkt. Die Entfernung zum Meer bot in früheren, deichlosen Zeiten einen gewissen Schutz vor den Gewalten des Meeres. Das Trockenlegen der Polder, verbunden mit den Eindeichungen, hat dafür gesorgt, dass die beschauliche Kleinstadt im Westen von Schleswig-Holstein heute weiter von der Küste entfernt ist denn je.

 

Am Strand (Deichkrone tut‘s auch) der Nordsee, so hatten wir uns vorgenommen, wollten wir unsere Wanderung von Küste zu Küste starten. Das konnte nur eins bedeuten: Ein Fahrt mit dem Taxi zum gut 7 Kilometer weiter westlich gelegenen neuen Meldorfer Hafen.

 

Auf der Deichkrone, an der Schleuse, die den kleinen Fischer- und Freizeithafen vor dem ewigen Kommen und Gehen der Gezeiten und wohl auch deren Hauptzweck, vor den gewaltigen Kräften der Stürme schützt, konnte es endlich losgehen. Wie gehofft mit Wind aus Westen. Wenn der die vier Tage anhält, so unser Kalkül, gibt es Schiebewind bis zur Ostsee. Er sollte anhalten. Genau wie der Sonnenschein. Der blaue Himmel. Das Fehlen von Regen. Kurz, goldener Oktober in Norddeutschland. Ideale Wetterbedingungen für die Kiter auf den geschützten Wasserflächen des Kronenlochs am Fuß des Deiches und für Wanderer auf dem Weg nach Osten ebenfalls.

 

Bis Meldorf ging‘s über die so gut wie autoleere Straßen. Erst ab den ersten Häusern am Stadtrand merkten wir die Nähe der Kleinstadt. In der fanden wir dann auch die erste Markierung (gelber Keil mit der Spitze nach Osten). Schnell ein Schlenker zum Auto, um die Rucksäcke zu holen und ohne Pause weiter nach Osten.

 

Mal fehlte die Wegmarkierung, mal verloren wir sie aus den Augen, mal wurde der Weg verlegt (und wir gingen nach Wanderkarte auf dem alten Weg weiter). Egal, mit Hilfe der Wanderkarten fanden wir immer wieder zum eigentlichen Weg zurück. Meist ging es über Feld- und Wiesenwege durch die offene und dank klarem Wetter weit einsehbaren Landschaft des Nordens. Unterbrochen wurde das alles nur von wenigen kleinen Wäldern, Hecken und der unvermeidlichen Autobahn

(A 23) kurz vor Albersdorf.

 

Albersdorf, ein uns gänzlich unbekanntes Nest, irgendwo im Norden der Republik, hat neben einigen Hügelgräbern eine Jugendherberge. Gründe genug, den ersten Tag hier zu beenden. Da standen wir mal wieder ohne Voranmeldung vor der verschlossenen Tür einer Jugendherberge in der Provinz. Die Klingel klingelte sich einen Wolf, aber weder die Tür noch sonst jemand ließ sich davon erweichen.   Aber wir leben ja in modernen Zeiten. Handy raus, Nummer der JH wählen, siehe da, es ging jemand ran. Wenig später war die Tür offen. Es gab mal wieder den obligatorischen aber sehr freundlichen Anschiss betreffs Voranmeldung. Wenigstens morgens anrufen! Man sei schließlich auf dem Land und könne nicht den ganzen Tag auf eventuelle Gäste warten (unsere Methode hat bis auf eine Ausnahme immer funktioniert), so die Herbergsmutter. Versehen mit Tipps fürs Abendessen, dem Hinweis, dass wir die einzigen Gäste seien und dem Schlüssel der Herberge, wurden wir ins Haus eingeladen. Was will man mehr?

 

2. Tag: Albersburg - Rendsburg

 

Wenn wir auch die einzigen Gäste waren, am Frühstück hatte man es nicht gemerkt. Wie immer, wenn wir in einer Jugendherberge übernachten, musste auch hier das Frühstücksbüffet für den Tagesproviant herhalten - diesmal sogar mit ausdrücklichem Zuspruch der Küchenfrau.

 

Welch eine Überraschung, draußen dichter Nebel. Nach einigem Umherirren fanden wir dann doch noch den Weg in Richtung Nord-Ostsee-Kanal. Und welch eine Enttäuschung für mich, der Schiffsverkehr war wegen dichtem Nebel eingestellt. Dabei war genau der zu erwartende Verkehr auf dem Kanal einer der Gründe für die Wahl dieser Strecke gewesen. Ein einsamer Motorsegler der mit kahlen Masten eine Kanalfahrt versuchte, wurde durch lautstarkes Anpreien der Signalstation gestoppt. Glücklicherweise schaffte es die Sonne schon weit vor Mittag den Nebel zu vertreiben. Zum blauen Himmel gesellten sich nun endlich die heiß erwarteten Frachtschiffe. Die Riesenpötte der weiten Ozeane können zwar nicht durch den Kanal, aber auch so war es eindrucksvoll genug, wenn sich nur wenige Meter vor unserer Nase die rote Stahlwand eines Frachters vorbei schob. Man war versucht mal mit der Hand hinzulangen.

 

Um der Monotonie des Kanalwegs zu entfliehen, biegt der Nord-Ostsee-Wanderweg nach Passieren der Gieselauschleuse kurz nach Norden ab und führt dann wieder nach Osten durch das Hinterland, um kurz vor Rendsburg wieder auf den Kanal zu treffen. Jetzt wo endlich Betrieb auf dem Wasser war, entschieden wir uns für den direkten Weg nach Rendsburg, trotz langweiligem Uferweg. Die Monotonie des Kanalweges wurde noch durch die in regelmäßigen Abständen stehenden Masten der Kanalbeleuchtung verstärkt. In unserem Fall sorgten die Schiffe für eine abwechslungsreiche Etappe.

 

Zusätzliche Unterhaltung boten einige Mitarbeiter des NDR. Kamerastellungen wurden aufgebaut, Transparente angebracht und Ü-Wagen in Stellung gebracht. Am nächsten Tag fand auf diesem Teilstück des Kanals eine traditionelle Ruderregatta statt. Startpunkt Rendsburg, unser heutiges Etappenziel! Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem wir uns ernsthafte Gedanken um ein Bett für die Nacht machten. Im ersten Hotel in der Stadt schienen sich unsere Befürchtungen zu bestätigen. Laut Auskunft der Dame an der Rezeption wäre es aussichtslos an dem Regattawochenende in Rendsburg ein Bett zu ergattern. Aber wie schon so oft, ein freundlicher Taxifahrer hatte noch seinen Geheimtipp. Nur wenige Meter neben dem ausgebuchten Hotel fand sich ein kleines Mittelklassehaus mit mehr als einem freien Bett.

 

3. Tag Rendsburg - Westensee

 

Auch dieser Tag sollte mit Nebel beginnen (war schnell wieder weg). In der Hoffnung auf dessen baldige Auflösung gingen wir runter zum Kanal. Hier hatte man ein gar nicht so kleines „Fahrerlager“ für die Ruderer und die Zuschauer aus dem Boden gestampft. Hektische Betriebsamkeit an allen Ecken. Wir wollten zur Schwebefähre, dem technischen Höhepunkt dieser Wanderung. Nur an langen Drahtseilen befestigt, die von der Eisenbahnbrücke herab hängen, überquert diese Fähre den Kanal ohne Kontakt zum Wasser, und beschaffte uns das komische Gefühl des weder Fliegens noch Schwimmens.

 

Am anderen Ufer hatten Straßenbauarbeiten für eine Neubausiedlung mal wieder dafür gesorgt, dass die Wegmarkierung fehlte. Den Weg zum Wilden Moor fanden wir auch so. So wild war das Wilde Moor dann doch nicht, aber schön, so schön, dass ich unbedingt einem Trampelpfad folgen wollte. Mit Schauergeschichten über Moorleichen, von denen nur noch eine Hand aus dem Wasser ragt und ähnlichem, konnte mich meine Frau überzeugen, auf dem offiziellen Weg zu bleiben.

 

 

 

 

Der wurde schon nach wenigen Minuten von einer Kuh versperrt, die offensichtlich ein Loch im Zaun gefunden hatte. So eine Kuh läuft einem schon mal übern Weg und stört nicht. Diese hatte leider die Angewohnheit, immer vor uns her zugehen und sich damit von der Herde zu entfernen. Links Stacheldraht, rechts Stacheldraht, vorbei konnten wir auch nicht. Um den Abstand zu Herde nicht noch weiter zu vergrößern, entschlossen wir uns, dass an der nächsten Weggabelung die Kuh unseren Weiterweg bestimmen sollte. An der Gabelung blieb das Tier auf dem Nord-Ostsee-Wanderweg, wir bogen also in die andere Richtung ab. Ohne unsere Anwesenheit, so konnten wir noch beobachten, trottete die Kuh gemütlich zur Herde zurück, und wir kamen nach Kamerun, etwas abseits der Wanderroute, die wir nach einem kurzen Schlenker wieder erreichten.

 

Der Weiterweg, oft über breite Waldwege, bis nach Westensee sollte ereignislos bleiben. Westensee glänzt mit einer alten Wehrkirche, schönen, alten mit Reed gedeckten Häusern und einer relativ neuen Jugendherberge. Im Gegensatz zur Herberge in Albersdorf, war die hier jedoch voll. Wir ergatterten das letzte freie Zimmer, sehr zum Leidwesen einer kurz nach uns eingetroffenen Familie. Duschen und dann raus zur Orts- und Kirchbesichtigung mit anschließendem Abendessen in einer Gaststätte. Kirche zu, Gaststätte zu, Essen könnt ihr in der Jugendherberge, so ein Einheimischer. Im Spurt zurück bevor deren Küche schließt (bei der Anmeldung hatten wir die Frage nach dem Abendbrot verneint). Glück gehabt! Es war nix Tolles, aber reichlich.

 

Spät abends probte noch eine Seniorenmusikgruppe in einem der unteren Räume. Deren Niveau war immerhin so hoch, dass wir ohne Kopfschmerzen einschliefen.

 

4. Tag Westensee - Kiel (Hafen)

 

An diesem Tag gab es zu Abwechslung mal keinen Nebel, dafür eine halbe Stunde Regen. Immer am Südufer des Westensees entlang, mal dicht am Wasser, mal weiter weg, ging es durch kleine Dörfer in Richtung Landeshauptstadt. Vielen Häusern konnte man ansehen, dass die ursprünglichen Bewohner schon lange nicht mehr darin wohnen. Mit viel Geld und Arbeit wurden hier einige Schmuckstück geschaffen. Zu unserem Leidwesen versteckten sich die meisten Anwesen hinter alten Bäumen oder hohen Hecken.

 

Ein Novum gab es auf dieser Schlussstrecke dann auch noch. Höhenmeter! Bis auf gut 70 Meter mussten wir hinauf. Solche Steigungen fordern ihren Tribut, mit der Folge, dass sich die Pausen häuften.

 

Bis zum Autobahnzubringer folgten wir noch der hier schon sehr lichten Markierung des NOW. Zu dessen offiziellem Ende am Schulensee, im gleichnamigen Kieler Stadtteil, wollten wir nicht. Warum auch? Ein Wanderweg, der die beiden Meere verbindet, die unsere Küstenlinie bestimmen, sollte auch am Meerwasser enden. Für uns hieß das, dass wir die restlichen Kilometer der Wanderung bis zum Hafenbecken an der Ostsee auf den Bürgersteigen der kleinen Ostseemetropole verbringen würden. Schön war die Schlussetappe durch das Stadtzentrum nicht, aber das Ziel war es wert. Wir hatten schon schlechtere Stadtetappen.

 

Fazit:

 

Wie das manchmal so ist: Man fragt sich, warum es einem gefallen hat und hat dann doch keine richtige Antwort parat.

Für uns war natürlich der Weg von Küste zu Küste das Ausschlaggebende. Hinzu kommt, dass ich der Seefahrt zugetan bin. Diese Leidenschaft wurde auf dem Nord-Ostsee-Kanal gefüttert. Der Schiffsverkehr auf dem Kanal sorgte dafür, dass es nicht langweilig wurde. Vielleicht lag es auch an der Landschaft - besser an den Landschaften. Der rauhe, von Wind und Wasser geformte Küstenstrich an der Nordsee. Die Agrarregion im Landesinneren, die mit ihren auch im Herbst noch grünen Wiesen und den schwarz-bunten Kühen jedes Klischeebild bestätigte. Ebenso das Wilde Moor. Verträumte Dörfer mit alten Kirchen und Reetdachhäusern, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft rund um den Westensee, waren das Sahnehäubchen

                                                                          auf der Schlussetappe.

 

Kiel, die Landeshauptstadt? Na ja, wir mussten halt durch, um an die Ostsee zu kommen.

 

Höchstwahrscheinlich lag es jedoch am guten Wetter, das trügt die Wahrnehmung und lässt einen leichter über die Unzugänglichkeiten hinwegsehen.

 

 

Ostfrieslandwanderweg - Ein Osterspaziergang

 

Die positive Überraschung gab es schon bei der Planung. Die Wanderkarten hatte ich beim Wiehengebirgsverband Weser-Ems bestellt. Wanderkarten ist übertrieben. Es kamen die bekannten Topographischen Karten in der Normalausgabe. Keine einzige touristische Info, kein Wegenetz, nur das, was die Kartografen so interessiert. Beim zweiten Blick (der erste ist an den ungezählten Entwässerungskanälen hängen geblieben) fiel mir dann doch auf, dass jemand die Weitwanderwege liebevoll mit einem roten Stift eingezeichnet hat. Wenn das mal nicht aktuell ist!

 

1. Tag Karfreitag: Papenburg - Hesel 41 km

 

In Papenburg, der Stadt die aus einer alten Moorsiedlung entstanden ist - noch heute sorgen die vielen Kanäle für trockenen Füße - ist der Startpunkt des Ostfrieslandwanderweges. Vom Rathaus im beschaulichen Zentrum führt der immer in Richtung Norden bis zur Nordseeküste.

 

Mit Papenburg verbinde ich aber auch (und das mehr als Wandern) die Meyer-Werft. Im Stillen hatte ich die Hoffnung, dass mal wieder eine spektakuläre Überführung eines Kreuzfahrtschiffes über die Ems zur Nordsee anstehen würde. Ja das Internet, Überraschungen gibt es da schon lange nicht mehr. Auf der Homepage der Werft war weit und breit nix von einer solchen Fahrt, welche die Deiche und Wiesen am Ufer der Ems regelmäßig in einen Ameisenhaufen verwandelt, zu sehen. Dann wenigstens ein kleiner Frachter, so war meine Hoffnung. Schon bald nach dem Start am Bahnhof der Kleinstadt löste sich diese Hoffnung beim Blick in den leeren Werfthafen in Luft auf. Na ja, es war ja Ostern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine Vorstellung von einer Wanderung über die Deichkrone war schon an der Seeschleuse (trennt das Hinterland von Ebbe und Flut) nur noch eine Wunschvorstellung. Nicht die vielen Zäune störten, da steht an jedem Zaun eine fest montierte Übersteighilfe, es waren die Schafe, die das Gras auf dem Deich kurz halten, die ein vernünftiges Fortkommen zu eine Farce werden ließen. Entweder Schafsch... bis zu den Knöcheln, oder die Tiere standen so dicht, dass an ein zügiges Durchkommen nicht zu denken war. Nun ja, dann eben weiter auf dem hinter dem Deich verlaufenden betonierten Deichsicherungsweg. Links der Deich, rechts die platte Landschaft Ostfrieslands, die in einem diesigen Zwielicht wenig Reize bot. Es fehlte der weite ungehinderte Blick ins Land. Der graue Himmel tat das Seine. Er sollte bis zum Ende der Wanderung   überwiegend grau bleiben. Der Nebel, mal dicht, mal als Hochnebel, sorgte für eine Lichtstimmung die ich mit dem typischen norddeutschen Schmuddelwetter in Verbindung bringe. Immerhin hörte der Nieselregen

                                                                          schon kurz nach dem Start auf.

 

Die einzigen Farbtupfer in der noch wintergrauen Landschaft waren die backsteinroten Häuser, die hin und wieder am Wegrand auftauchten. Nicht viel Abwechslung boten die wenigen Dörfer hinterm Deich. Die sehenswerte alte Hallenkirche in Esklum, schon an der Mündung der Leda in die Ems, war leider verschlossen. Die geplante Besichtigung fiel leider ins Wasser. Übers Wasser der besagten Leda führt eine Brücke, und schon stand ich in Leer mit seinem Hafen und den vielen stattlichen Bürgerhäusern. Hier sollte für diesen Tag Schluss sein. Nach einem kleinen Stadtrundgang fiel die Entscheidung, dass heute noch ein paar Kilometer drin sind. Das flache Land lässt einen nicht richtig müde werden. In Leer beginnt die Trasse der ehemaligen Kleinbahn die bis zur Küste reicht. Über diese, viel öfter jedoch über Wirtschaftswege, ging es über Brinkum und Holtland noch bis nach Hesel. Eines der wenigen Hotels am Weg hatte nach einigem Suchen doch noch ein Zimmer für mich frei - das letzte. Der Haus ist voll belegt. Wer hätte das in dieser Ecke der Welt erwartet? Osterfeiertage sind hier Familientage, so wurde mir beschieden. Wer sein Eigenheim voll hat, der lagert seine große Verwandtschaft ins Hotel aus.

2. Tag Ostersamstag: Hesel - Aurich 27 km

 

Am nächsten Morgen stand der Nebel wieder dicht überm Land. Bis zum Mittag löste der sich jedoch auf, aber nur um einem weiteren grauen Tag Platz zu machen.

 

Von der „Anhöhe“ (um die 10 m über N.N.) in Hesel ging es zügig abwärts zum Bagbander Tief (ca. 2 m über N.N), einem der vielen kleinen Bäche dieser Region über die das Wasser, das in unzähligen Entwässerungskanälen, Siele, Gräben und Rinnsalen gesammelt wird, abfliest.

 

Seit der Stadtgrenze von Leer dominiert das Blau dieser überwiegend von Menschenhand geschaffenen, meist aber schon lange nicht mehr als solche zu erkennenden „Trockenlegungshilfen“, die Farbe der Wanderkarte. Sogar jetzt, im zeitigen Frühjahr, waren viele Kanäle unter den Büschen und Bäumen kaum als solche zu erkennen, so dicht ist der Bewuchs. Einige dieser Bauwerke halten schon seit Menschengedenken das hier alles bestimmende Grundwasser auf einem für die Anwohner erträglichen Pegel. Heute sorgen zusätzlich unzählige Pumpen dafür, dass das Wasser den Anwohnern nicht in die Häuser und den Landwirten nicht in die Felder steigt.

 

Später, ab dem aus einer alten Moorsiedlung hervorgegangen Ostgroßefehn, zogen immer wieder große Nebelschwaden über die Wiesen und tauchten die alten Bäume in ein Dämmerlicht, das mich eher an einen späten Herbstnachmittag denken lies als an einen hellen Frühjahrsmorgen. Pünktlich zur großen Pause an der Windmühle in Wrisse wurde es endlich heller. Einige Männer und Kinder aus dem Ort schichteten auf der Nachbarwiese Reisig für das Osterfeuer auf. Ihre freundliche Aufforderung zur Mitarbeit mit anschließendem Umtrunk, musste ich dann doch ablehnen. Im nächsten Ort erhielt ich von einigen Jugendlichen, die mit der gleichen Arbeit beschäftigt waren, ein beinahe gleich lautendes Angebot. Da sage mal einer die Ostfriesen seinen ein verschlossener Menschenschlag. Bis Aurich war es zwar nicht mehr weit, aber wenn ich hier hängen geblieben wäre, um Osterfeuer aufzuschichten, hätte ich die Stadt wohl erst mit Einbruch der Dämmerung erreicht. So reichte es noch für einen gemütlichen Bummel durch die Stadt, inklusive Besuch einer Buchhandlung. Der Besuch einer Buchhandlung ist an und für sich nicht erwähnenswert, wenn der Name Heinrich Heine erst der dritten Angestellten etwas sagt, dann schon.

 

Die Übernachtung in der Jugendherberge war ereignislos, bis auf den Umstand, dass eine schwedische Fußballmannschaft ihr Trainingslager (neben der Jugendherberge befindet sich ein Stützpunkt der DFB) mit einem standesgemäßen Umtrunk abschloss. Gehört habe ich von dem Gelage nichts. In welcher schwedischen Liga der Verein spielt, blieb mir ein Rätsel, wenn der Alkoholkonsum dieser Nacht ein Maßstab sein sollte (der Flur war übersät mit leeren Flaschen), dann war‘s mit Sicherheit die Erste Liga.

 

3. Tag Ostersonntag: Aurich - Nordseeküste (Bensersiel) 29 km

 

Zur Feier des Tages gab es an diesem Morgen keinen Nebel, nur dunkle Regenwolken die sich aber nicht entladen sollten. Erst mal zur Trasse der ehemaligen Kleinbahn zum Anfang der letzten Etappe. Und dann raus aus der Stadt, die sich noch im verdienten Schlaf befand. Wie meist an einem Feiertagmorgen in einer beliebigen Kleinstadt: die Männer der Stadtreinigung, ein paar Frühaufsteher, die zum einzigen Bäcker eilen, der an diesem Tag um diese Uhrzeit geöffnet hat, die unvermeidlichen Herren in Jogginghose mit Hund oder Hündchen, nicht zu vergessen der Jogger, der noch hastig seine Puls-Stopp-Kalorien-Uhr auf Null bringt, sind oft die Einzigen, die das städtische Leben an solchen Tagen am Leben halten. Aurich machte an diesem Morgen auch keine Ausnahme.

 

 

 

 

Die leider befestigte Kleinbahntrasse war wieder mein ständiger Begleiter. Links Wiesen. In der Mitte der gepflasterte, geteerte, oder sonstwie befestigte Weg. Rechts Wiesen. Aufgelockert wurde das Gesamtbild durch vereinzelt stehende Bauernhöfe, kleine Weiler, gelegentlich durch einen Wald.

 

Der Höhenpunkt an diesem frühen Morgen war zweifellos der Ostfrieslandäquator. Ein Balkentor quer über den Weg sorgte dafür, dass ich den nicht übersehen konnte. Ein unbefestigter Wiesenweg wäre mir lieber gewesen. Eine kleine Entschädigung für die endlose Pflaster- und Asphalttreterei waren die wunderschönen Ortsnamen wie Middels-Westerloog oder Ogenbargen. Ab hier, auf den letzten Kilometern zur Nordsee, fehlte endlich der künstliche Belag. Endlich Wiesen-, Feld- und Wirtschaftswege. Und endlich zeigt sich die Sonne. Dass es durch die Esenser Siedlungen dann wieder normale Straßen waren, machte den Bock auch nicht mehr fett. Den Deichweg entlang des Benser Tief, musste ich mir bis Bensersiel mit Osterspaziergängern teilen. Die verwunderten Blicke der Entgegenkommenden, an die ich mich in den letzten Tagen gewöhnt hatte, wurde hier oft um ein Lächeln erweitert. Aus Gewohnheit war ich mit schweren Wanderschuhen unterwegs, in Küstennähe eine eher unübliche Fußbekleidung.

 

Am Fähranleger für die Schiffe zu den Ostfriesischen Inseln, war das Ende der Wanderung erreicht.

 

Fazit:

Im Voraus hatte ich damit gerechnet mir den Ostfrieslandwanderweg mit Radfahrern teilen zu müssen. Ob es am Wetter lag oder daran, dass in Norddeutschland das Fahrrad ein Alltagsgegenstand ist und somit weniger für Ausflüge genutzt wird, Radfahrer habe ich bis auf einen (und natürlich den obligatorischen Innerortsverkehr) nicht getroffen.

 

Es war eine interessante Wanderung durch eine Region, die zu Unrecht (trotz der nachstehenden Kritik) nicht nur geographisch weit abseits der bekannten und oft überlaufenen Wanderziele liegt - trotz der Längen die die Streckenführung aufweist.

 

Zwei Punkte haben mich sehr gestört: einmal die Etappe von Pappenburg nach Leer. Immer hinterm Deich entlang ist auf Dauer langweilig. Das Ausweichen auf die Deichkrone mag Abhilfe schaffen, man kommt da oben aber oft nur langsam voran. Am meisten haben mich die beinahe durchgehend befestigten Wege gestört. Egal ob geteert, betoniert, gepflastert, geplattet oder was auch immer. In Verbindung mit den meist schnurgeraden Wegen und oftmals gleich bleibender Landschaft (es fehlen die „Boah-Effekte“), war es manchmal zermürbend.

 

Bei strahlend blauem Himmel, einem leichten Nordwestwind und angenehmen Temperaturen wären mir die Negativpunke überhaupt nicht aufgefallen.

 

Markierung und Wanderkarten (beide Wege)

 

Alles für den Nord-Ostsee-Wanderweg (Wanderkarten, Infos und mehr) gibt es im Internet

 

beim Wanderverband Norddeutschland e.V.

www.norddeutscher-wanderverband.de

und beim Deutschen Wanderverband

www.wanderbaresdeutschland.de

 

Wanderkarten, eine sehr gute Wegbeschreibung und ein Unterkunftsverzeichnis für den Ostfrieslandwanderweg, gibt es beim betreuenden Verband: www.wgv-weser-ems.de.

 

Die Wanderkarten sollten aus den oben erwähnten Gründen unbedingt beim Wiehengebirgsverband Weser-Ems e.V. - www.wgv-weser-ems.de - bestellt werden. Die Wegbeschreibung enthält ausführliche Informationen zur Geschichte und Geographie der durchwanderten Region.

 

Das Wandern ohne Wanderkarten ist auf beiden Wegen nicht zu empfehlen. Die Markierung ist zwar ausreichend bis gut, hin und wieder fehlt aber eines der kleinen Schildchen. Wer von den so genannten Premiumwanderwegen kommt, wird feststellen, dass nicht an jeder Kreuzung eine Markierung angebracht ist. Im Zweifel muss eben die Wanderkarte konsultiert werden.

 

 Auf dem Ostfrieslandwanderweg ergibt sich die Wegführung meist durch den Verlauf der Ems und der alten Bahntrasse.

 

Fotos und Titelfoto von Werner Hohn

 Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 24 - Dezember 2007

 

 

In 6 Tagen 109 km auf der Via Alpina -

dem Violetten Weg - von Oberstdorf bis Garmisch

 

Von Hans Diem

 

„...Bei heftigem Dauerregen fahren wir nach Hause. Nach zwei Tagen bin ich wieder zurück in Oberstdorf und gehe zum Abschluss des Sommers 2006 noch auf dem Violetten Weg der Via Alpina nach Garmisch-Partenkirchen, 38 Std., 109 km,

6 Tage. Für den Sommer 2007 bietet sich der violette Weg durch Österreich an, von Slowenien hinauf zum Königsee und dann noch nach Garmisch-Partenkirchen, das wäre doch was für den Diem und seine Evelyn...“

 

Die Redaktion: So endete der Artikel von Hans Diem in der Ausgabe 22 von Wege und Ziele. Hier die Fortsetzung und der Abschluss von 2006. Ein Bericht der Sommerwanderung 2007 auf dem Violetten Weg folgt in einer der nächsten Ausgaben.

 

 

Via Alpina - Violetter Weg - von Oberstdorf nach Garmisch-P.

 

Nach Via Alpina Etappenliste von 06.2005.

Die Route ist beschildert mit Wegweisern und Zusatzschildern der Via Alpina.

 

39. Tag: Dienstag, 22.08.06

 

Karte f&b WK 351. Anreise per Bahn.

 

Oberstdorf (813 m), Auffahrt mit der Nebelhorn-Seilbahn bis zur Edmund Probst Hütte (1932 m), Schild VAv (Via Alpina violett). Wegweiser [Laufbacher Eck 2 h, Prinz Luitpold Haus 4:30 h], bei Regen, Wind und Nebel gehe ich los in Anorak, Überhose und Poncho, quere auf einem Bergweg in Flanke mit Blumenwiese zum Laufbacher Eck (2178 m, 2 Std.). Bergweg abwärts in Wiese, teils in Schotter zur Schönberg Alm (1688 m). Bergweg kurz abwärts bis 1591 m, dann aufwärts in Gras und Erlengebüsch zum Prinz Luitpold Haus (1846 m, 2 Std.). VA Infotafel im Eingang der Hütte, 30 Gäste sind hier. Eintrag im Hüttenbuch: 19.8., Jean-Paul Thiercelin und Bernadette Mattieu, France, auf Via Alpina von Triest nach Monaco. Auskunft vom Hütten-Personal: zwei Amerikaner waren hier und ebenfalls auf VA.

 

39. Tag: 4:00 Std., 9 km, + 501 m, - 587 m.

  

40. Tag: Mittwoch, 23.08.06

 

Karten f&b WK 351 und BLV: UK L 10

Das Wetter ist heiter bei 8°C, das macht richtig Lust auf den Weg. Wegweiser [Bockkarscharte 0:50 h, Schrecksee 4 h]. Kurz auf Bergweg abwärts zum See, Bergweg aufwärts in Blumenwiese zur Bockkar Scharte (2164 m, 50 Min.). Rückblick zu Hütte, Himmeleck und Laufbacher Eck.

 

Wegweiser [Schrecksee], Bergweg abwärts in Schotter, queren in einer Flanke mit Gras, durch Schrofen drahtseilversichert, in Gras und Latschen zur Lahner Scharte (1974 m). Ich überhole die Jugendgruppe aus dem Zimmerlager der letzten Nacht, sie sind ohne Frühstück abgegangen um ihr Tagesziel gut zu erreichen. Dass ich als Grauschopf mit großem Rucksack sie einhole und sogar Luft habe zu einer Unterhaltung, wundert sie sehr. Im Gegenverkehr kommt eine Altherrengruppe sehr vereinzelt daher, sie sind schlecht gelaunt wegen des vielen Regenwetters in ihrer knappen Woche.

 

Bergweg abwärts in Blumenwiese, queren oberhalb des Schrecksees (1802 m, 2:15 Std., 3:05 Std. ab Hütte). In der Grasflanke richte ich mir einen Pausenplatz ein, sitze gut auf der Zeltunterlage, der Kocher macht Wasser heiß für einen Kaffee, schaue über den See hinweg ins Gebirge. Einzelne Leute tummeln sich am Wasser, einige kommen und gehen auf meinem Weg. Das ist ungewohnt für mich, typisch Allgäu, da ist viel Volk unterwegs.

 

Bergweg aufwärts in Gras, queren in Schrofenflanke zur Hinteren Schafwanne (1985 m). Bergweg abwärts, queren und aufwärts in Flanke mit Gras, Schotter und Schrofen zum Geißhorn (2249 m, 2:15 Std. ab Schrecksee, 5:20 Std. ab Prinz Luitpold Haus). Der Gipfel ist leider in Wolken, keine Aussicht.

 

Gehe kurz zurück zu Weggabelung mit Wegweiser [Älpele Alp], der Normalweg 57 geht über das Zirleseck nach Tannheim. Ich nehme den 58er Weg, steil auf einem Steig in Fels, dann in Schotter abwärts 40 Min. lang. Bergweg in Gras abwärts zur Älpele Alpe (1526 m, 1:25 Std.), Almgasthaus. Auf Fahrweg oder auf schlechtem Bergweg in Wald bergab zum Dorf Tannheim (1097 m, 55 Min.), Hotels, Gasthäuser, Laden, Brunnen.

 

Prinz Luitpold Haus > Tannheim: 7:40 Std., 20 km, + 765 m, - 1514 m.

 

Einkauf im Supermarkt, das Obst waschen am Dorfbrunnen, Pause auf einer Parkbank sitzend, das Geschehen im Dorf beobachten, um 18:30 Uhr weiter. Von Tannheim Richtung N auf Straße durch den Ortsteil Berg zum Gasthaus Schäfer Hütte. Nach Wegweiser [Höhenweg Grän] auf Fahrweg Richtung O, ein Balkonweg in Wald und Wiese zu Campingplatz, auf Straße Richtung N zum Parkplatz der Bad Kissinger Hütte [Bad Kissinger  Hütte 1:45 h], kurz zum Ort Enge (1160 m, 1:10 Std.), weiter zum Zelten am Waldrand mit Blick auf das Geißhorn.

 

40. Tag: 8:50 Std., 25 km, + 828 m, - 1514 m.

 

41. Tag: Donnerstag, 24.08.06

 

Karte BLV: UK L 10, 1:50 000

 

Es ist heiter bei 12°C. Auf Bergweg aufwärts in Wald zu einem Joch mit Gabelung. Wegweiser [Aggenstein 1 h], links Bergweg aufwärts in Schrofen zur Bad Kissinger Hütte (1792 m, 1:20 Std. ab Enge). Die letzten Gäste gehen ab, ich bin der erste Tagesgast und bestelle ein Frühstück, da staunt die Wirtin.

 

 

Auf Bergweg aufwärts in Flanke mit Gras, dann auf Steig in Schrofen teils mit Ketten gesichert zum Aggenstein (1985 m, 0:30 Std.), fantastische Rundschau.

 

Kurz den Steig zurück bis Wegweiser [Hochalpbahn 0:50 h], Bergweg abwärts in Steilhang - den sogenannten Langen Strich - mit Gras und Schotter, kurz über Fels mit Drahtseil, dann flach in Weide zur Hochalp Hütte (1500 m, 1:05 Std.), Gasthaus, Zimmer. Die Sonne brennt auf die Terrasse, lege Zelt und Schlafsack zum Trocknen aus, setze mich für Kartoffelsuppe und Germknödel in den Schatten eines Sonnenschirms, wunderbar.

 

Nebenan ist die Bergstation der Breitenberg Seilbahn, fahre hinab ins Tal, gehe auf Straße durch den Ort Pfronten zum Bahnhof im Ortsteil Ried (856 m, 0:50 Std.), Hotels, Gasthäuser, Läden, Bahn.

 

Ab Enge: 3:45 Std., 8 km, + 825 m, - 485 m (bei Seilbahn-Talfahrt)

Tannheim > Pfronten Ried: 6:05 Std., 13 km, + 888 m, - 485 m (Seilbahn-Talfahrt)

 

Vom Bahnhof Richtung S, nach links über den Bahnübergang, rechts ab auf dem Drosselweg zu Bachlauf. Nach Wegweiser [Pfronten-Meilingen 0:30 h] auf Fußweg in Wald, dann Straße bergauf nach Meilingen. Wegweiser [Falkenstein 1 h], Straße, Fahrweg in Wiese, ein Stück Straße, dann auf Bergweg in Wald bergauf zum Falkenstein (1250 m, 1:25 Std.), Burgruine und Burghotel.

 

41. Tag: 5:10 Std., 13 km, + 1219 m, - 485 m.

 

Kurz nach Meilingen hat Sturm und Regen eingesetzt. Klatschnass betrete ich um 15.50 Uhr das Burghotel auf dem Falkenstein, um das Wetterchaos abzuwarten. Ziehe im Windfang die nassen Kleider und die Stiefel aus, stelle den Rucksack in eine Ecke, gehe dann in den Gastraum. Erfreut hat das Personal meine Aktion im Windfang beobachtet, sie bedienen mich zuvorkommend. Ich werde gefragt nach meiner Tour, eine Bedienung mit ähnlichen Ambitionen berichtet mir von ihren Wanderungen auf Mittelmeerinseln. Ich überlege, wenn ich um 18 Uhr weitergehen kann, reicht die Zeit noch um einen Biwakplatz auf dem Zirmgrat zu erreichen.

 

Doch es stürmt und regnet unentwegt, ich könnte der harte Hund sein und trotzdem gehen. Wenn ich nur wüsste, wie morgen das Wetter ist. Da fällt mir der König Ludwig ein und sein Plan zu einem Luxusschloss hier oben. Zelten im Freien ist gut, denke ich, aber einmal im Leben fürstlich übernachten wäre ein Versuch wert. Die Chefin des Hotels hat ein letztes freies Zimmer mit Bad, Luxus pur für 87.40. Die überdekorierte super gestylte Bude ist beleuchtet mit 28 Lichtquellen, nur ein Sternenhimmel kann das toppen. Also tue ich probeliegen, Lichter schalten, Kleider waschen, lange duschen. Und liege neben einem riesigen Tiger aus Stoff und schlafe dennoch wenig. Dafür scheint am Morgen die aufgehende Sonne in mein Zimmer und lässt die rotgeflammte Tapete aufleuchten, juhu!

 

42. Tag: Freitag, 25.08.06

 

Karte BLV: UK L 10

 

Bei schönem Wetter einige Stufen hinauf zur Ruine Falkenstein (1267 m), Infotafel, fantastischer Ausblick. Abstieg zur Mariengrotte (6 Min.), eine große natürliche Grotte in der senkrechten Felswand unterhalb der Ruine . Nach Wegweiser [Zirmengrat 1 h, Salobergrat 1:30 h] auf Weg flach zu Aussichtspunkt, auf Autostraße zu Kehre, nach Wegweiser [Salober Alp 1 h] auf Bergweg aufwärts in Mischwald zu Aussichtspunkt auf dem Zirmgrat (1287 m). Bergab zu Senke mit Gabelung, über bewaldeten Hügel zu 2. Senke. Auf Bergweg queren in Flanke zu Aussichtspunkt mit Blick auf das Vorland mit vier Seen. Weiter zur Salober Alpe (1089 m, 1:35 Std. ab Falkenstein), Gasthaus.

Wegweiser [Alatsee 0:20 h, Füssen 1:30 h], Forststraße bergab, Straße am Alatsee entlang zum Hotel Alatsee (870 m, 0:25 Std.), Gasthaus. Wegweiser [Füssen 4 km]: Fahrweg rechts am Bach in Mischwald, dann an Badeseen entlang, ab Gasthaus auf der Alatsee-Straße nach Füssen (808 m, 1:30 Std. ab Salober Alpe). Basilika St. Mang, Hohes Schloss, historische Altstadt, Hotels, Gasthäuser, Läden, Bahn, Bus.

 

Ab Falkenstein: 3:05 Std., 12 km, + 220 m, - 679 m.

 

 

 

 

 

 

 

Von 11.45 Uhr bis 14 Uhr bin ich in der Kleinstadt Füssen zu Stadtrundgang und Einkehr, dann eine kurze Busfahrt nach Hohenschwangau (800 m). Der Großparkplatz unter dem Schloss Linderhof ist voll mit Autos, Bussen und Menschen. Nach Wegweiser [Pöllatschlucht] gehe ich auf Fußweg zur Schlucht, auf Bergweg, Steinstufen, Metallsteg durch die Pöllatschlucht mit Wasserfall hinauf zur Marienbrücke (40 Min.). Die Brücke bietet einen weltbekannten Ausblick zum Schloss Neuschwanstein, darauf drängeln sich massenhaft Besucher. Einer meint, die alte Stahlkonstruktion hoch über dem Wasserfall ist permanent überbelastet und könnte jederzeit einstürzen. Weiter auf dem Wasserleitungsweg, einer Forststraße mit 201 rechts vom Bach aufwärts in Mischwald nach Bleckenau (1167 m, 45 Min.), Gasthaus und ehemalige königliche Jagdhütte. In der Nähe ist die

                                                                          Fritz-Putz-Hütte für Selbstversorger.

 

Der Fahrweg nach Bleckenau ist eine beliebte Strecke für Bergradler. An einem Steilstück vor mir strampelt ein Radler bergauf, ich mache Tempo und ziehe locker vorbei. Im flachen Abschnitt holt er mich natürlich wieder ein und spricht mich an. Er wundert sich über mein Gehtempo und fragt nach. Ich berichte von meinen Unternehmungen, der Freude daran und von der Vorgeschichte. Das begeistert den Mann so sehr, dass er ebenfalls lange Überschreitungen gehen will und mit mir in Verbindung bleiben will.

 

Nach der Einkehr im historischen Gasthaus Bleckenau nach Wegweiser [Jägerhütte 1:30 h] auf Fahrweg bergauf zur Jägerhütte und einer Almhütte mit Bewirtung und Brunnen (1:10 Std.). Abzweig Richtung [Niederstraußberg Alm, Kenzenhütte], auf Bergweg aufwärts in Wald und Weide zum Niederer Straußberg Sattel (1:45 Std., kein Standortschild), Wegweiser [Gabelschrofen, Kenzenhütte 3:30 h]. Es ist 18.20 Uhr. Mein Verstand sagt, ich sollte hier einen Schlafplatz einrichten, aber mein Gemüt will weitergehen. Meine Beine gehen einfach los, bei schönster Abendstimmung auf gut angelegtem Bergweg aufwärts in Flanke mit Fels, Gras, Latschen zum Gabelschrofen Sattel (2000 m, 1 Std.). Steiniger Bergweg steil abwärts in Flanke mit Grobschotter, im Kessel mühsam durch ein Karstlabyrint mit Latschen. Es ist dunkel geworden und kein Biwakplatz ist hier. Kurzer Aufstieg zum Kenzensattel (1650 m), auf steinigem Bergweg abwärts, nun bei völliger Dunkelheit in Wald absteigen zur Kenzen Hütte (1294 m, 1:40 Std.), privat, bewirtschaftet.

 

Ab Hohenschwangau: 5:50 Std., 18 km, + 1300 m, - 806 m.

 

Gesamt 42. Tag: 8:55 Std., 30 km, + 1520 m, - 1485 m.

 

Es ist 21.05 Uhr, Licht brennt in der Gaststube der Kenzen Hütte, aber die Tür ist verschlossen. Klopfe am Fenster, die Wirtin sperrt auf. Zwei junge Männer als einzige Gäste sitzen an einem Tisch, sind auch spät angekommen. Sie wollen ein paar Tage lang durch die Ammergauer Alpen gehen, sind nicht geübt und deshalb überfordert. Die Wirtin reklamiert die zu kurz angegebenen Gehzeiten in den Beschreibungen, weil die kein Mensch einhalten kann. Sie kann nicht glauben, dass ich heute beschwerdefrei vom Falkenstein komme in 9 Stunden Gehzeit. Ich empfehle ihr, den Gästen klar zu machen, dass Bergwandern Kraft und Übung braucht, dass die Gehzeiten immer für durchschnittlich trainierte Leute sind, denn für untrainierte kann man keine Gehzeiten ermitteln.

 

43. Tag: Samstag, 26.08.06

 

Karte BLV: UK L 31.

 

Wegweiser [Linderhof, Klammspitze] kein VA-Schild. Heiter wie das Wetter gehe ich auf Bergweg in Wald und Gras hinauf zum Bäckenalm Sattel (1536 m, 30 Min.). Wegweiser [201 Höhenweg Klammspitze] VAv, Bergweg aufwärts in Gras zur Hirschwang Hütte. Die kleine Almhütte ist geschlossen, hat aber einen offenen Unterstand für 6 Personen. Auf Höhenrücken mit Blumenwiese aufwärts zum Feigenkopf (1867 m). Am Klammspitzgrat auf Bergweg abwärts in steiler Grasflanke, queren in Steilflanke, kurz abwärts durch Felsstufe mit Ketten versichert, in steiler Schrofenflanke bergauf zu Große Klammspitze (1924 m, 2:05 Std.), Aussichtsgipfel, Panorama mit Bergen und Flachland. Leider kein Fotowetter wegen aufziehender Regenbewölkung.

 

Auf der Kenzen Hütte habe ich über Telefon mit meiner Evelyn ausgemacht, dass wir uns um 11 Uhr auf der anspruchsvollen Klammspitze treffen. Ich bin 4 Minuten vor der Zeit da, richte einen schönen Sitzplatz ein, stelle den Kocher auf für ein Kaffeewasser und warte. Beobachte die wenigen Leute auf dem schroffen Gipfel. Ein genervter Mann meint, der Abstieg wäre zu gefährlich für mich. Ein großer Hund kommt herauf, hinterher ein Knirps mit 5 Jahren, dann der Reihe nach seine 3 Geschwister, der Vater und endlich die Mutter. Die Familie bewegt sich furchtlos auf dem ausgesetzten Grat, der 5-jährige ist fasziniert von meinem Kocher, möchte er haben. Der Vater fragt nach der Kenzen Hütte, da will er hin mit seiner Bande, und auch noch zurück zum Auto in Linderhof. Ich schildere kurz den anspruchsvollen Steig am Grat entlang, den Abstieg zur Hütte, den langen und langweiligen Rückweg und addiere ihm die Gehzeiten. Das rührt den Mann nicht. Dann sagt die Frau, sie sind auf ihrem ersten Bergausflug mit den Kindern, haben in der Brunnenkopf Hütte übernachtet, sind spät gestartet und haben lange gebraucht für den Aufstieg. Mir verschlägt es die Sprache. Um 12 Uhr will ich absteigen, da kommen Evelyn und eine Bekannte herauf. So gibt es doch noch einen Gipfelespresso mit Keksen. Die beiden fahren von Linderhof wieder nach Hause.

 

Bergweg steil abwärts in Schrofen und in einer Karmulde, flach in Gras zur Brunnenkopf Hütte (1602 m, 1 Std.), bewirtschaftet. Fahrweg abwärts in Wald zum Schloss Linderhof (943 m, 1:20 Std.), Hotel, Gasthaus, Königsschloss. Fahrweg mit Schilder VAv flach in Mischwald Richtung O zum Ellmaugrieß, durch das trockene Bachbett, Richtung S auf Forststraße leicht ansteigend, dann abfallend zu Gabelung (1190 m) mit Wegweiser [Rotmoos, Enningalm]. Kurz Forststraße zu Rotmoos Alm und Diensthütte (2000 m, 2:40 Std., geschlossen, kein Brunnen). Fahrweg aufwärts in Wald zu Gabelung (22 Min.), Via Alpina geht nach links aufwärts über die Ennigalm nach Garmisch-Partenkirchen. Ich gehe Richtung Stepberg auf Fahrweg aufwärts zu Sattel an der Ziegspitze (1660 m), abwärts zu geschlossener Diensthütte (1592 m, 1:10 Std.). Zelten unter dem Vordach der Hütte.

 

43. Tag: 8:45 Std., 24 km, + 1447 m, - 1149 m.

 

Ich habe eine Zeltnacht geplant an der Diensthütte mit Brunnen unter der Ziegspitze. Doch im Aufstieg von der Rotmoos Alm fängt es an zu regnen, der Brunnen an der Diensthütte gibt kein Wasser, aber unter das Vordach des neuen Schuppens passt haargenau mein Zelt. So habe ich zwar kein Trinkwasser, aber einen trockenen Zeltplatz mit Dach. Der nächste Morgen ist bewölkt aber trocken, das Wetterstein Gebirge ist angeschneit. Nach 10 Min. bin ich an der Stepberg Alm und frage um 7.45 Uhr nach einem Frühstück. Zwar qualmt der Kamin und die Tür zur Gaststube ist offen, aber leider gibt es noch nix.

 

44. Tag: Sonntag, 27.08.06

 

Karte BLV: UK L 31.

 

Fahrweg zu Stepberg Alm (1583 m, 10 Min.), Gasthaus.

Wegweiser [Garmisch, Gelbes Gwänd], Bergweg abwärts in Mischwald mit Blick auf das Wetterstein Massiv, flach auf dem Kramer Plateauweg, Abstieg ins Zentrum von Garmisch (708 m, 2:10 Std.).

2:20 Std., 8 km, - 884 m.

 

In Überhose und Anorak gehe ich bei Regenwetter durch die historische Sonnenstraße auf die Pfarrkirche von Garmisch zu. Im Gasthaus zur Schranne brennt Licht, ich kehre ein zu einer bayrischen Brotzeit mit Weißwurst, Brezen und Bier. Beim Bezahlen höre ich die Glocken der Pfarrkirche läuten zum Hauptgottesdienst. Bei jeder Heimkehr ist Dankbarkeit angebracht, also gehe ich wie ich bin in Überhose und Anorak, mit Rucksack und Gehstecken in die Kirche, stelle mich möglichst unauffällig in eine Nische. Jahrelang hatte ich im Chor gesungen, aber am letzten Ostern aufgehört. Ich schaue zur Empore, steht doch der Chor und ein Orchester oben. Obwohl ich überzeugt war, dass ich nie mehr singe, gehe ich die Stufen hinauf in Überhose und Anorak, mit Rucksack und Gehstecken. Alle drehen sich um, es recken sich die Köpfe, die Tenöre reihen mich ein, man reicht mir die Noten der Missa in B, schon bin ich mitten im Kyriegesang. Etwas abgerückt sind dann die Sangesbrüder schon wegen meinem strengen Gebirgsduft, die letzte Kleiderwäsche ist lange her. Erfreut und ergriffen gehe ich anschließend durch das Dorf nach Hause, den 14. Sommer in Folge war ich jetzt unterwegs und über alle Berge.

 

Zusammenfassung für Via Alpina - Violetter Weg

 

von Oberstdorf über Laufbacher Eck 2128 m, Bockkar Scharte 2164 m, Geißhorn 2249 m, Tannheim.

Tannheimer Berge: Tannheim, Aggenstein 1987 m, Pfronten.

Ammergauer Alpen: Pfronten, Falkenstein 1250 m, Füssen, Bleckenau, Gabelschrofen Sattel 2000 m, Klammspitz 1924 m, Linderhof, Stepberg Alm 1592 m nach Garmisch-Partenkirchen.

 

6 Tage, 38:00 Std., 109 km, + 5515 m, - 6104 m.

 

Fotos von Hans Diem

 Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 24 - Dezember 2007

 

 

Eine Wanderung entlang der deutschen Donau

Von Günther Krämer

 

Karten:

Freizeitkarten 1:50 000 des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg

Topographische Karte 1:50 000 des Bayerischen Landesvermessungsamtes

Umgebungskarten 1:50 000 des Bayerischen Landesvermessungsamtes

 

Versprechungen

 

Eine Wanderung entlang des mit 2850 km zweitlängsten Flusses Europas ist schon ein besonderes Erlebnis: Vom Schwarzwald geht es steil hinunter in die hochgelegene Baar, wo sich in Donaueschingen die Quellflüsse vereinigen: „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg“. Die Geographen haben den alten Streit um die „richtige“ Donauquelle schon längst entschieden. Die Bregquelle bei der Martinskapelle am Brend ist die Donauquelle.

 

In der Baar darf sich die Donau noch mäandrierend als richtiger Fluss fühlen, denn bald darauf ereilt sie das Schicksal fast aller europäischen Flüsse: Sie wurde begradigt, kanalisiert, eingedeicht, gestaut, verbaut … Darüber hinaus stiehlt ihr der Rhein bei Immendingen das Wasser. Es versickert einfach im zerklüfteten, verkarsteten Jura-Kalkgestein und kommt erst in einer der stärksten Karstquellen, im Aachtopf beim Städtchen Aach, wieder ans Tageslicht, um sich dann schnellstens Richtung Bodensee-Rhein davonzumachen.

 

Das Donautal entschädigt für den Wasserverlust. Zwischen Fridingen und Sigmaringen hat die Donau einen großartigen Canyon geschaffen, den Donaudurchbruch durch die Schwäbische Alb, garniert mit hohen Felsen, oft gekrönt von Burgen und Schlössern.

 

Dann die Donaustädte: Die Jugendstilstadt Tuttlingen, die Hohenzollern-Residenz Sigmaringen, die vorderösterreichischen Städte Meßkirch, Riedlingen, Ehingen und Günzburg, die Freien Reichsstädte Ulm und Regensburg mit ihrer großartigen Geschichte und entsprechenden Baudenkmälern, die pfälzische Residenz Neuburg, die altbayerischen Städte Ingolstadt, Vohburg, Kelheim und Straubing, schließlich die alte Bischofsstadt Passau …. Wie an einer Perlenkette reihen sich sehenswerte Städte aneinander!

 

Das Donautal schwankt zwischen zwei Extremen: Engstellen zwischen hohen Kalksteinfelsen wechseln sich ab mit breiten Niedermoorlandschaften, die teils unter Naturschutz stehen, wo die Frösche in den Altwassern quaken, Störche und Eisvögel ihr Refugium haben, oder aber - entwässert - Spezialitäten hervorbringen wie Frühkartoffeln, Gemüse und vor allem Spargel. Und zwischendrin das normale Donautal, wo der Weg am Fluss keine Sensationen bietet, dafür aber der Weg über der Donau wunderbare Ausblicke bietet, die bei Föhnwetterlage bis zu den Alpen reichen.

Für Radwanderer ist der Fluss inzwischen bis nach Belgrad erschlossen, die Fortführung bis zur Mündung in Vorbereitung. Der Donau-Radwanderweg ist der beliebteste Radwanderweg der Welt. Wo bleibt da Platz für Wanderer?

 

Es gibt sie, die Donauwanderwege! Teilweise sind es alteingeführte Wegeklassiker wie der Alb-Südrandweg, der HW 2 des Schwäbischen Albvereins, teilweise neue, zertifizierte Premium-Wanderwege wie der Jurasteig und der Donauberglandweg. Manche dieser Teilstücke werden inzwischen pauschal angeboten als „Wandern ohne Gepäck“. Ein durchgehender Donauwanderweg ist derzeit in Baden-Württemberg, Bayern und Oberösterreich in Vorbereitung. Wir haben dazu im Jahr 2008 den Abschnitt Donauwörth – Passau im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau“ und der regionalen Tourismusverbände erkundet und dokumentiert.

 

Einwände? Natürlich tangiert der Wanderweg immer wieder mal den an schönen Ferienwochenenden völlig überlaufenen oder besser überfahrenen Donau-Radweg, was dann bei der Quartiersuche problematisch werden kann, denn der Wanderer ist einfach weniger flexibel als der Radfahrer. Aber eine gute Vorbereitung beugt negativen Überraschungen vor. Und unser Donauwanderweg versucht Asphaltstrecken und langweilige Donaudämme zu meiden, obwohl er sich an der Donau orientiert. Er schlängelt sich oft am Hang entlang, von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt, er ist nicht nur gut wanderbar, sondern oft auch wunderbar – mit eingestreuten „Durststrecken“.

 

Ein Weg entlang der jungen Donau

 

Schönwald – Furtwangen (12 km). Karte F 506

 

Von Schönwald aus geht man auf dem Mittelweg des Schwarzwaldvereins zum E1 / Schwarzwald-Westweg der zwischen Furtwänglehof und Elzquelle erreicht wird. Hoch zur Martinskapelle, in deren unmittelbarer Nähe die Quelle der Breg zu finden ist.

 

Nur im Winterhalbjahr oder bei frisch gemähten Wiesen ist eine Fortsetzung der Wanderung direkt an der Breg entlang nach Furtwangen sinnvoll, da ansonsten fast nur die Straße benützt werden kann.

 

Es gibt zwei Alternativwege:

 

Auf dem E1 / Westweg über den Brend (1149 m) bis zur Häusergruppe Raben, hier auf dem Mittelweg hinunter nach Furtwangen. (12 km)

Zurück zum Furtwänglehof, dann auf dem Mittelweg, auf den linksseitigen Höhen über dem Bregtal hinunter nach Furtwangen. (14 km)

 

Furtwangen – Hammereisenbach-Bregenbach (14,5 km).

Karten F 506 und F 507

 

Auf dem Querweg Schwarzwald-Kaiserstuhl-Rhein wandern wir fast immer auf der ehemaligen Eisenbahntrasse (auch als Radweg markiert) das Bregtal abwärts bis Vöhrenbach, dann auf dem Bregtalweg hinunter bis Hammereisenbach-Bregenbach.

 

Hammereisenbach-Bregenbach – Donaueschingen (24 km). Karte F 507

 

Der Bregtalweg bringt uns nach Wolterdingen. Ab hier wieder mehrere Alternativen:

 

Breg-Puristen gehen auf dem Waldweg durch die Bruggener Halde nach Bräunlingen, dann auf dem Waldweg am Hangfuß rechts der Breg bis Hüfingen, schließlich auf Nebenstraßen und Fußwegen in Bregnähe zum Zusammenfluss von Brigach und Breg bei Donaueschingen.

 

Alternativen: a) Der Querweg führt direkt hinüber ins Brigachtal und nach Donaueschingen. (17 km). b) Von Bräunlingen kann man über den Schellenberg auf einem Wanderweg nach Donaueschingen gelangen. (19,5 km)

 

Donaueschingen – Geisingen (16 km). Karte F 507

 

Leider gibt es nur einen Weg, den asphaltierten Donau-Radweg, der den Wanderer über Pfohren nach Geisingen bringt. Ein Abstecher über den aussichtsreichen Wartenberg (844 m) lohnt sich.

 

Geisingen – Tuttlingen (21 km). Karte F 507

 

Auch diese Etappe muss auf dem Donau-Radweg gewandert werden: Von Geisingen über Immendingen nach Tuttlingen. Bei Immendingen nicht die Donauver-sickerungen übersehen!

 

Von Tuttlingen bis Donauwörth

 

Ab Tuttlingen folgen wir weitgehend dem HW 2, dem Alb-Südrandweg des Schwäbischen Albvereins, der Tuttlingen mit Donauwörth verbindet, daher ist die folgende Wegbeschreibung knapp gehalten.

 

Liebliche, romantische Täler, in denen im Frühjahr Märzenbecher und Lerchensporn blühen, ausgedehnte Wacholderheiden, die einzige Großstadt der Schwäbischen Alb, die ehemalige Freie Reichsstadt Ulm mit dem höchsten Kirchturm der Welt, meist die Donau in der Nähe, bei Föhn-Wetterlage Alpenfernsicht von der Zugspitze bis zum Tödi, barocke Klöster, Burgruinen, aber im Nordosten dominierend das Atomkraftwerk Gundremmingen. Als größte Sehenswürdigkeit der Durchbruch der jungen Donau durch die Felsen der Schwäbischen Alb - und kurz davor der Wasserdiebstahl durch den Rhein, die Donau-Versickerung - all das kennzeichnet den HW2, den Schwäbische Alb - Südrandweg.

 

Er ist viel weniger bekannt als der HW1, es gibt keinen Führer, der diesen Weg gut beschreibt (der Kompass-Führer beschreibt Etappen von 33 und 41 km, der Walz-Führer beginnt erst in Ulm), und auch mit den Karten und Quartieren ist es zwischen Donauwörth und Giengen/Brenz schwierig. Aber der Weg lohnt sich!

Tipps: Die beste Wanderzeit ist März/April, wenn die Märzenbecher und andere Frühblüher die Hänge bedecken. Ansonsten zu jeder Jahreszeit schön - und natürlich bei Föhn! Aber daran denken: Der Föhn bricht spätestens nach 1 - 2 Tagen zusammen, und das Wetter wird schlecht. Markierung: Rotes Dreieck auf weißem Grund. Die Spitze weist nach Südwesten. Meine Wegbeschreibung hält sich nicht immer exakt an die Wegmarkierung des Schwäbischen Albvereins. Sie berücksichtigt eigene Erfahrungen und auch einige Sehenswürdigkeiten, an denen man nicht vorbeigehen kann!

 

Zeichenerklärung: B Bus- oder Bahnanschluss, U Übernachtungsmöglichkeit (nicht nur am Wochenende), E Einkehr ohne U, -->* lohnender Abstecher, **Aussichtspunkt, besondere Sehenswürdigkeit

 

Tuttlingen (B, U) - Ziegelhütte (E) [13 km] - (--> B, U in Fridingen) - [13 km]  - Wolferstal – Buttental – Bachtal – Eselstal - Schloss Bronnen - *Liebfrauental - **Kloster Beuron (B, U, *Naturschutzzentrum im Bahnhof) [10,5 km]

 

Alternativen:

a) Mühlheim – Beuron: Der neue zertifizierte Donauberglandweg.

 

b) Ziegelhütte – Beuron: *Talweg Ziegelhütte (E) – Scheuerlehof - Jägerhaus (U) – Beuron [6,5 km]. Karte F 526

 

Beuron - *Burg Wildenstein - **Eichfelsen [8 km] - *Schloss Werenwag (nicht zu besichtigen) - *Schloss und Ruine Hausen (B, U in Hausen) [7 km].

 

Alternative: Beuron – Sigmaringen: Hohenzollernweg. Karte F 526

 

Hausen - *Schaufelsen - Thiergarten (B, U) [8 km] - **Donaudurchbruch durch die Schwäbische Alb - *Inzigkofen (B, U) [10 km]. Karte F 526

Inzigkofen - **Sigmaringen (B, U) [5 km] - Bingen (B, U) 4 km. Karte F 526

 

Bingen – Billafingen - Friedingen [14 km] - *Große Heuneburg - Upflamör [6 km] - *Kloster Zwiefalten (B, U) 5 km. Karte F 527

 

Zwiefalten - *Wimsener Höhle - Schloss Ehrenfels - *Glastal - Hayingen (B, U, *Naturtheater) [11 km] - Maisenburg - **Großes Lautertal (--> *U in Anhausen und Indelhausen) [6,5 km]. Karte F 524

 

Großes Lautertal - Erbstetten - Granheim - Sondernach - Hütten (U) [17 km]. Karte F 524

 

Hütten - Talsteußlingen - Teuringshofen - *Kloster Urspring - Schelklingen (B,U, *Hohler Fels) [10 km] - **Blaubeuren (B, U) [8 km]. Karten F 524 und F 525

 

Blaubeuren - Beiningen - Ermingen-Allewind [10 km] - *Oberer Kuhberg - **Ulm (B, U) [8 km]. Karte F 525

 

Ulm - Thalfingen (B, E) - *Kloster Oberelchingen (B, U) [10 km] - Langenau (B, U, *Museen, *Quellen) [7 km]. Karte F 525

 

Langenau - Öllingen - Lindenau (*E, --> *Hohlenstein, *Bocksteinhöhlen im Lonetal) - Stetten o.L. (U) [12 km]  (--> *Vogelherdhöhle) - *Kaltenburg - **Charlottenhöhle [4 km] - Hürben - Giengen (Brenz (B, U) [6 km]. Karte F 525

 

Alternative: Charlottenhöhle – Oberfinningen: **Charlottenhöhle – Hermaringen - Pfannentalhaus (U) [12 km] - Haunsheim, U - Wittislingen, U [6 km]. Karten F 525 und F 522

 

Giengen – Oggenhausen[13 km]  - Zöschingen - Dischingen (U, *Schloss Taxis) [8,5 km]

 

Alternativen:

a) Abkürzung Giengen/Brenz – Zöschingen über Staufen - Syrgenstein 10 km, dann evtl. weiter bis Demmingen

 

b) Wittislingen - *Maria Medingen – Oberfinningen [8 km]. Karte F 522

 

Dischingen oder Demmingen (U, --> *Schloss Duttenstein mit Wildpark) [11 km] - Oberfinningen - Unterliezheim (Mo-Fr B Dillingen, U, B). Karte L 7328

 

Unterliezheim - Oberliezheim (E) [3 km] - Oppertshofen (E) [10 km] - Reichertsweiler - Riedlingen - *Donauwörth (B, U) [9 km]. Karte L 7328 und L 7330

 

Das sind rund 250 romantische Kilometer auf der Donauseite der Schwäbischen Alb!

 

Von Donauwörth bis Passau

 

Wir hatten nicht lange mit der Zusage gezögert, als uns die Anfrage des Touristik-Service Dietmann (www.touristik-service-agentur.de) und der ARGE Deutsche Donau (www.deutsche-donau.de) erreichte. Der Auftrag lautete: Erkundung eines neuen Weitwanderweges zwischen Donauwörth und Passau, orientiert am Lauf der Donau, die Sehenswürdigkeiten verknüpfend, den Donau-Radweg möglichst vermeidend, vorhandene, markierte Wanderwege nutzend, die gute regionale Gastronomie und ihre Übernachtungsmöglichkeiten genießend und das ganze nutzbar für ein Angebot „Wandern ohne Gepäck“. Im Herbst 2008 war es dann so weit. Nachfolgend die Etappen mit den wichtigsten Angaben. Hier ist das Ergebnis:

 

Donauwörth – Marxheim, durch Bayerisch Schwaben: Auf interessanten Stadtwegen geht es durch die ehemalige Freie Reichsstadt Donauwörth, dann steil hinauf auf die Monheimer Alb, den südlichsten Teil der Fränkischen Alb. Aussichtsreiche Wege führen hoch über der Donau nach Schloss Leitheim und nach Marxheim, dem letzten Ort Schwabens vor der „Grenze“ zur Pfalz. Strecke: ca. 19,5 km, Höhenmeter: ca. 200 m, Gehzeit: ca. 4,5  bis 5 h, Karte: UK L 15

 

Marxheim – Neuburg/Donau, von Schwaben in die Pfalz: Auch auf dieser Etappe sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht. Bizarre Baumgestalten, orchideenreiche Waldlichtungen im Auwald, blumenreiche Heiden am Albsüdrand, Schmetterlinge vom Bläuling bis zum Schwalbenschwanz, Vogel- und Froschkonzerte – die ganze Vielfalt der Natur kann erlebt werden. Und am Ende die pfälzische Residenzstadt Neuburg/Donau mit prunkvollen Gebäuden. Strecke: ca. 22,5 km, Höhenmeter: ca. 50 m, Gehzeit: ca. 5 bis 5,5 h, Karte: UK L 15

 

Neuburg/Donau - Ingolstadt, zwischen der Residenzstadt und der Industrie- und Militärstadt: Auwald und Donau. Prunkvoll verabschiedet sich die Residenzstadt Neuburg. Die Donau und ihr Auwald, Altwässer und Biberlandschaft, dazwischen Orchideenwiesen und Froschkonzert, aber auch kilometerlange Dammwege an der Donau bestimmen das Bild dieser Etappe, die in der zweiten Großstadt an der Donau endet. Strecke: ca. 23,5 km, Höhenmeter: ca. 30 m, Gehzeit: ca. 5 bis 5,5 h, Karte: UK 50-24

 

Ingolstadt - Vohburg, von der boomenden Großstadt in die beschauliche Kleinstadt: Die Großstadt Ingolstadt verabschiedet den Wanderer mit schönen Stadtwanderwegen. Bald aber bestimmt wieder der Auwald mit seinen Altwassern das Bild. Hier hat die Rückkehr des Bibers nach Süddeutschland begonnen. Überall sieht man seine Spuren: Biberrutschen, -wege, gefällte und abgenagte Bäume …. Aber auch Kraftwerke und Erdölraffinerien drängen sich ins Bild.

Strecke: ca. 16,5 km, Höhenmeter: ca. 20 m, Gehzeit: ca. 5 h, Karte: UK 50-24 und UK 50-25

 

 

 

Vohburg – Bad Gögging, Bayerische Kleinstädte, Erdölraffinerien und schließlich ein Mini-Kurort: Die große Donau, die Kleine Donau und andere Altwasser begleiten den Wanderer. Auch die Ilm benutzt in ihrem Unterlauf ehemalige Donau-Flussschlingen. Dazwischen ste-hende Gewässer, Froschgräben mit entsprechendem Konzert, Störche, Reiher, Gänse, Schwäne, Enten. Am Weg liegt das alt- bayerische Städtchen Neustadt. Das Etappenziel ist Bad Gögging, ein kleiner, junger Kurort, wo man es sich gut gehen lassen kann. Strecke: ca. 16,5 km, Höhenmeter: ca. 20 m, Gehzeit: ca. 4 bis 4,5 h, Karte: UK 50-25

 

Bad Gögging - Kelheim, auf der Römerschlaufe des Jurasteigs zum Donaudurchbruch: Premiumwege haben Konjunktur. Diese Wanderwege genügen, was Wegführung und Markierung angeht, höchsten Ansprüchen und sind vom Deutschen Wanderverband zertifiziert. Eine „Schlaufe“ des zertifizierten Jurasteigs wird auf dieser Etappe begangen. Und schließlich ist der Donaudurchbruch beim Kloster Weltenburg einer der schönsten Abschnitte der Donau überhaupt – und am besten zu genießen per Schiff. Strecke: ca. 14,5 km zu Fuß und 6 km mit dem Schiff, Höhenmeter: ca. 100 m, Gehzeit: ca. 4 bis 4,5 h, Karte: UK 50-25

 

 

Kelheim – Bad Abbach, Wandern auf dem Jurasteig am Südrand des Jura: Durch Kelheims Altstadt, über die kanalisierte Altmühl, dann hinauf in den Buchenwald des Goldbergs und über die Steppenheideflächen der Lehenberge. Danach wieder ruhige Juralandschaft, ehe sich vor Kapfelberg herrliche Ausblicke über das Donautal und die Teufelsfelsen bei Bad Abbach bieten. Bei Poikam Wechsel aufs rechte Donauufer und auf wunderschönen Waldpfaden durch idyllischen Hangwald und den Kurpark zu den Kaiserthermen von Bad Abbach.

 

 

 

Anmerkungen zum Abschnitt auf dem Jurasteig: Der Weg ist sehr schön geführt, beinhaltet aber einige heftige Anstiege. Er ist kurzweilig und meist sehr gut markiert (www.Jurasteig.de). Leider sind die Jurasteig-Markierungen zum Teil Saboteuren zum Opfer gefallen. Es waren keine Dumme-Jungen-Streiche oder stumpfsinnige Vandalismus-Zerstörungen. Es wurden ganz gezielt an sehr schwierig zu orientierenden Abzweigungen sämtliche Markierungen entfernt, so dass nur der Kompass oder die genaue Untersuchung der Bäume nach Alu-Nägeln weiterhelfen konnte. So geschehen mehrfach in den Wäldern nördlich von Herrnsaal. Zusätzlich hat hier ein Groß-Agrarier sämtliche Graswege inklusive Jurasteig umgepflügt, so dass wir hier eine eigene Wegführung finden mussten. Auch zwischen Bad Abbach und Matting fehlen an einer entscheidenden Abzweigung im Wald sämtliche Jurasteig-Markierungen. Hier kann man sich aber mit den an den Bäumen aufgemalten Waldverein-Markierungen behelfen (siehe Wegbeschreibung). Strecke: ca. 20,2 km, Höhenmeter: ca. 450 m, Gehzeit: ca. 5 bis 6 h, Karte: UK 50-25

 

 

 

 

Bad Abbach - Regensburg. Auf dem Jurasteig und dem E8 durchs Regensburger Land: Vom Schwefelbad – man kann es manchmal riechen – hoch über steilen Felshängen mit Ausblicken auf die Donau geht es nach Matting, einem Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist: Viele interessante, alte Gebäude, eine alte Gastwirtschaft – und nicht zuletzt die über 55 Jahre alte Seilfähre, die Sie aufs linke Donau-Ufer zu Füßen des Naturschutzgebiets „Mattinger Hänge“ bringt. Hier wechseln Sie vom Jurasteig auf den Europäischen Fernwanderweg 8. Regensburg, einzige Freie Reichsstadt Altbayerns mit seinen Sehenswürdigkeiten aus zwei Jahrtausenden erwartet Sie!

 

Anmerkungen zum Abschnitt auf dem E8: Dieser Europäische Fernwanderweg ist hier abwechslungsreich geführt und gut markiert. In Sinzing wurde der E 8 verlegt. Wir haben den alten Weg benutzt, der auf der Straße Richtung Regensburg entlang geht, aber eindeutig und kurz ist. Vielleicht kann man auch der neuen E8-Markierung ohne große Umwege folgen? Strecke: ca. 16 km, Höhenmeter: ca. 300 m, Gehzeit: ca. 4,5 bis 5 h, Karte: UK 50-25

 

 

 

 

 

Regensburg - Bach an der Donau, von Regensburg ins einzige Weinbaugebiet Altbayerns: Über die uralte Steinerne Brücke geht es aus Regensburg hinaus an die Donau. Erste Vorboten des Weinbaus begegnen Ihnen in Tegernheim. Ehe wir sein Zentrum in Bach an der Donau (Baierweinmuseum) erreichen, gibt es noch Kultur und Geschichte satt in Donaustauf und auf der Walhalla. Und immer wieder schöne Wanderwege am Hangfuß, aussichtsreich auf halber Höhe oder gar durch den Thurn und Taxis’schen Wildpark mit beinahe garantierter Wildschweinbeobachtung. Strecke: ca. 19,5 km, Höhenmeter: ca. 200 m, Gehzeit: ca. 5 bis 5,5 h, Karte: UK 50-26

 

 

Bach an der Donau – Hofdorf / Kirchroth, vom Fürstentum Thurn und Taxis in die Donau-Aue: Dieser Tag wird bestimmt durch das Fürstenhaus Thurn und Taxis: Wildpark, Schloss Wiesent, Schloss Wörth und andere repräsentative Gebäude. Später dann ruhige Donau-Auenlandschaft mit Altwässern, Streuwiesen, Bibernagespuren, Biberdämme und –wege, dazu seltene Vögel. Der Kontrast dazu: Langsam vorbei ziehende Donau-Frachter und Passagierschiffe aus vielen

Donauländern. Und in der Ferne grüßt schon die Gäuboden-Hauptstadt Straubing.

Strecke: ca. 18 km, Höhenmeter: ca. 300 m, Gehzeit: ca. 4 bis 5 h, Karte: UK 50-26

 

 

 

 

 

 

 

Hofdorf – Straubing (- Bogen), durch die Donau-Aue in die Gäuboden-Hauptstadt: Auch diese Etappe führt durch ruhige Donau-Auenlandschaft, an Gräben entlang, am Fuß der Dämme und auch mal oben mit Aussicht auf den Fluss oder auf die Altwässer. In der Stadt, in der Agnes Bernauer den Tod fand, in der Gäuboden-Hauptstadt Straubing, finden wir unser schönstes Quartier. Das Herzogsschloss, der großartige Straßenmarkt und viele prunkvoll verzierte Barock- und Rokoko-Gebäude erfreuen das Auge.

 

Anmerkung zu den Wanderwegen im Raum Straubing – Bogen – Deggendorf: Die vorhandenen örtlichen Wegmarkierungen sind sehr zuverlässig! Strecke: ca. 20 km, Höhenmeter: ca. 20 m, Gehzeit: ca. 4 bis 5 h,

Karte: UK 50-28

 

Straubing - Straßkirchen, durch die Donau-Aue in die Gäuboden-Hauptstadt und weiter nach Bogen: Der Höhepunkt gleich am Anfang: Geologisch, botanisch und kulturhistorisch ist der Bogenberg mit seinen wunder-/wanderbaren, bestens gepflegten Wanderwegen ein wahres Wanderparadies. Dann über die Donau, ganz normale niederbayerische Kulturlandschaft. Aber ein Wanderer Alptraum: Die amtliche Karte ist nicht zuverlässig. Feld- und Waldwege gibt es nicht mehr – zugewachsen, ein Wegenetz ist nicht vorhanden. Lange Abschnitte verlaufen (wie übrigens öfters an Straßenneubaustrecken in Ostbayern) auf verkehrsreichen Auto-Rennstrecken ohne Geh- oder Radweg. Quartiere und Einkehrmöglichkeiten fehlen oder sind von miserabler Qualität. Deshalb planen wir die Etappe nach dem Bogenberg völlig um und überprüfen die neue Trasse im Herbst.

Strecke: ca. 25 km, Höhenmeter: ca. 100 m, Gehzeit: ca. 6 bis 7 h, Karte: UK 50-28

Empfehlenswerte Alternative: Bogen - Metten 21 km

 

Straßkirchen - Deggendorf

Ein Handwerker nimmt uns mit nach Irlbach, da im August entgegen der bayerischen Fahrplaninformation doch kein Bus fährt. Mangels Feld-, Rad- oder Wanderweg müssen wir auf der Straße bis zur Donaufähre von Stephansposching gehen, die uns für 0,50 nach Mariaposching bringt, wo der Donaudammweg über viele Kilometer angenehm nach Deggendorf führt.

 

Strecke: ca. 18 km, Höhenmeter: ca. 20 m, Gehzeit: ca. 4 bis 5 h, Karte UK 50-28

Empfehlenswerte Alternative:

Metten – Deggendorf - Niederalteich – Winzer 23 km

 

Winzer – Vilshofen – Windorf 19,5 km

 

Windorf – Passau   22,6 km

Leider müssen die letzten Abschnitte oft auf dem Donauradweg geführt werden, da es im engen Donautal am Rand des Bayerischen Waldes kaum Platz für weitere Wege gibt!

 

Den Weiterweg von Passau nach Linz erkunden derzeit unsere österreichischen Kollegen.

 

Ausführliche Wanderberichte mit Bildern und exakter Wegbeschreibung für den neu erwanderten Abschnitt zwischen Donauwörth und Passau sowie Wegbeschreibungen und viele wichtige Links für den HW 2 gibt es im Internet unter www.lustwandeln.net/donau.htm.

 

 Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 27 - Dezember 2008

 

 

Durch das Dahner Felsenland

 

Von Thomas Striebig

 

Ich höre schon die kritischen Fragen:

Warum musst du denn jetzt auch andauernd noch in die Pfalz fahren?   - Weil sie eben da ist. Weil man dort so toll wandern und essen kann. Und überhaupt …

Und: Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! Ja, ja, um kluge Sprüche und Zitate bist du nie verlegen.   - Werden die dadurch falsch?

Aber in die Pfalz kannst du auch noch mit 80!   - So? Dann zeig‘ mir doch mal bitte die 80-Jährigen, die diese Dreitagestour rund um Dahn in dieser Weise gehen können! Viele wirst du nicht finden.

Du bist einfach hoffnungslos altmodisch. Kein bisschen im Trend.   - Das stimmt allerdings.

 

Für den Pfälzerwald, immerhin das größte zusammenhängende deutsche Waldgebiet, gibt es eigentlich keine „beste Jahreszeit“, aber für den Saisonausklang bietet er sich besonders an. So fuhren wir am 19. Oktober 2007 zum Ausgangspunkt unserer Dreitagestour rund um Dahn nach Bruchweiler-Bärenbach. 10 Uhr vormittags, bedeckter Himmel, Außentemperatur 2 Grad plus. Der Mensch ist ein Wesen, das sehr viel vergisst, aber wann hat es einen solchen Kälteeinbruch im Oktober zuletzt gegeben? Und die Natur schien die frühe Kälte bereits im Juli zu ahnen und stellte sich durch besondere Eile darauf ein: Im Juli blühten auf den Osttiroler Alpen Herbstblumen, um den 10. Juli war trotz des lausigen Frühsommers schon der Almrausch verglüht, am 7. August sah ich in den Vogesen, unweit der Weinstraße, verfärbte Wälder und die Schwalben waren bereits aus Mannheim abgezogen. Gespannt hatte ich seitdem auf den Kälteeinbruch gewartet, der dann auch kam.

 

Freilich störte er uns zunächst nicht, denn beim Gehen wurde uns schnell warm und die herrliche Wasgau-Landschaft sorgte allemal für genügend Ablenkung. Kurz durch bewohntes Gebiet, dann auf einem Sträßchen durch ein herrliches, stilles Wiesental und schließlich auf abwechslungsreichem Weg ging es hinauf zum ersten Zwischenziel, dem Spitzfelsen. Der heißt auch aus ungeklärten Gründen „Napoleonsfels“; jedenfalls weiß von etwaigen Besteigungsversuchen des Namenspatrons nicht einmal die Gerüchteküche.

 

Aber ein herrlicher Rastplatz ist die kleine Waldkuppe mit dem schlanken Sandsteinturm allemal. Ebenso die Rasthütte am Wegtreffpunkt Am Hundel. Und erst recht der Große Eyberg, mit 513 m Höhe bereits einer der Großen im hügeligen Dahner Felsenland und zudem mit einem Aussichtsturm ausgestattet, einem schlanken Eisengerüst, dem - wie so oft in der Pfalz - die Bäume der Umgebung allmählich über den Kopf wachsen. Immerhin, man sieht noch so einiges: Wälder, Berge, Wiesentäler, Dörfer. Aussichtspunkte im geschlossenen Waldgebiet sind eh selten. Also wollen wir nicht meckern.

 

Im unmittelbaren Einzugsbereich von Dahn werden die Probleme einer solchen Tour deutlich. Die liegen in der Orientierung. Das sollte man eigentlich nicht glauben, schließlich sind wir hier doch in Deutschland und nicht sonst wo! Aber die Kurverwaltung Dahn hat einfach des Guten zuviel getan. Mehr als 60 mit Zahlen markierte Rundwanderwege, wo es maximal ein Drittel auch getan hätte! Fast zwangsläufig sind die Zahlen oft lückenhaft angebracht, Wegweiser zuweilen sporadisch, vor allem, wenn sie nicht zu einem gastronomischen Stützpunkt leiten. Zahllose Wege im unübersichtlichen, hügeligen Waldgelände sorgen für zusätzliche Verwirrung, selbst die vorzügliche topografische Karte des Landesvermessungsamts Rheinland-Pfalz im Maßstab 1:25.000 hilft hier nur noch bedingt. Ich bin weiß Gott kein Wander-Frischling, bin mir aber bei der Wegsuche um Dahn schon wie ein Idiot vorgekommen.

 

Bei dieser Tour passierte das allerdings nicht. Denn wir benutzten zur Dahner Hütte ein Vorzeige-Projekt der Dahner, den „Dahner Felsenpfad“. Der führt auf einer Länge von gut 12 km in stetem Bergauf und Bergab an mehr als einem Dutzend bizarrer Sandsteintürme vorbei und bietet sich sogar, da man in der Dahner Hütte am Wochenende übernachten kann, für Familien mit kleineren Kindern als kindgerechte Zweitagestour an. Hier ist die Markierung eher überreichlich, alle 20 oder 30 Meter findet man ein Täfelchen.

 

Wir folgten dem Felsenpfad nur ein Stück weit, wobei er, tatsächlich als Pfad, an den eher kleinen Massiven des „Ungeheuerfelsen“ vorbei führt, zuletzt durch einen ganz engen Durchschlupf, wo man schon den Bauch einziehen muss und ein großer Rucksack etwas hinderlich ist. Ein herrliches Wegstück! Weniger spektakulär erreicht man eine halbe Stunde später die auch wochentags bewirtschaftete Dahner Hütte des Pfälzerwaldvereins (PWV), wo man, wie in PWV-Hütten üblich, die Wahl zwischen Deftigem (Bratwürste, Leberknödel, Saumagen, Weißem Käse) und einem reichhaltigen Kuchenangebot hat. Schon meldete sich wieder mein unsichtbarer Kritiker: Du wanderst nur in der Pfalz, um dir bei jeder Gelegenheit den Bauch mit Pfälzer Kuchen „wie von Oma gebacken“ vollzuschlagen. Richtig. Sonst noch was?

 

Auch der Weiterweg, anfangs wieder etwas unübersichtlich bezeichnet, hielt noch Überraschungen parat. Zunächst kamen wir auf einem unmarkierten, aber beschilderten Abstecher an weiteren Felsungetümen vorbei, dem „Hexentisch“ und dem „Satansbrocken“, dann gelangten wir zur imposanten Burgruine Neudahn, die trotz ihrer bescheidenen Höhe einen herrlichen Ausblick bietet. Der Ausklang der Etappe bestand dann in einer weniger spektakulären Talwanderung, anfangs auf dem Radweg Hinterweidenthal - Weißenburg (Wissembourg), nach Hinterweidenthal, wo auch noch niemand verhungert oder verdurstet sein dürfte.

Am zweiten Wandertag (strahlender Sonnenschein, aber nur wenige Grad über Null ( brrr...)) war natürlich der kleine Abstecher zum „Teufelstisch“, dem berühmtesten Felsen der Pfalz, obligatorisch. Anschließend stand nur eine Halbtagesetappe auf dem Programm.

 

Aber was für eine! Die 10,5 Wanderkilometer von Hinterweidenthal zum PWV-Wanderheim „Dicke Eiche“ gehören zum Schönsten, das die Pfalz zu bieten hat. Zunächst noch in Hörweite der stark befahrenen Bundesstraße 10 (Landau - Pirmasens) bergauf, allerdings auf herrlichem Hangpfad, auf der Südseite des Bergrückens rasch bergab, vorbei an einer gefassten Quelle, in ein abgelegenes Wald- und Wiesental, dieses am fast verlandeten „Schwarzen Mühlwoog“ vorbei einwärts bis zum früher als Wiese genutzten, jetzt fast urwaldartigen Talschluss „Am Stockwoog“ und kurz steiler Anstieg hinauf zur Unterstandshütte am Wegtreffpunkt „Vier Buchen“, bis hierher in völliger Einsamkeit.

 

Die ist an den „Vier Buchen“ an schönen Wochenenden allerdings vorbei, ohne dass von Massenbetrieb die Rede sein könnte. Freilich bietet der folgende Höhenweg noch einmal eine Steigerung. Vorbei an einigen herrlichen Aussichtspunkten und oft auf schmalen Hangpfaden gelangt man zuerst zur Wallfahrtskapelle „Winterkirchel“, deren frei zugängliche Glocke speziell auf Kinder und Narren einen unwiderstehlichen Reiz ausübt, weiter zum leider durch Vandalismus zerstörten Naturdenkmal „Dicke Eiche“ und wenige Minuten später zum gleichnamigen großen, stark frequentierten Wanderheim.

 

Und weil der Tag ja noch einige Sonnenstunden zu bieten hatte, bummelten wir noch hinüber zum „Hühnerstein“. Das ist ein vielleicht 15 m hoher Felsturm auf einer kleinen Anhöhe, etwa 450 m über dem Meer und über eine Leiter mit 39 Sprossen zu besteigen - aber was für ein Aussichtspunkt! Zudem sind in letzter Zeit dort viele Bäume gefällt worden, sodass die Sicht jetzt völlig frei ist. Man überblickt große Teile des östlichen Wasgaus mit den Burgen Trifels und Lindelbrunn und erkennt bei klarem Wetter - das wir hatten - sogar den Nordschwarzwald. Selten habe ich in der Pfalz eine so eindrucksvolle Gipfelrast erlebt wie am 20. Oktober auf dieser kleinen Felskanzel.

 

Im Wanderheim „Dicke Eiche“ ging es an diesem Wochenende lustig zu. Schuld daran war ein Fußballverein aus der Umgebung, der seine sportliche Zukunft sichtlich hinter sich, dafür aber umso mehr vor sich hatte, vor sich auf dem Tisch, versteht sich. Andauernd gaben die fröhlichen Zecher dem nicht so ganz freiwilligen Publikum Lieder zum Besten, in denen die Wanderseligkeit aus Urgroßvaters Zeiten hochgehalten wurde: „o Heiiiiimatlaaaaaand…“. Mag sein, dass das eine Generationsfrage ist, aber mich macht verlogenes Liedgut geradezu aggressiv; meine jugendlichen Mitwanderer sahen das Ganze pragmatischer und machten sich darüber lustig. Am Abend torkelte einer dieser Sportsfreunde an unseren Tisch und erkannte erst im letzten Augenblick, dass wir nicht zu seinem Verein gehörten.

 

So etwas kann natürlich auf Hütten immer passieren, zumal in der Pfalz. Aber das Wanderheim „Dicke Eiche“ ist so geräumig, dass wir den Krachmachern ganz gut aus dem Weg gehen konnten. Wir machten einen kleinen Nebenraum ausfindig und hatten prompt unsere Ruhe. Auch unsere Nachtruhe verlief ungestört. Das Haus ist im Übrigen durchweg gepflegt und wirkt insgesamt sehr einladend (das gilt im selben Maß oder noch mehr für die bereits erwähnte Dahner Hütte). Und eine schlecht bewirtschaftete PWV-Hütte habe ich ohnedies noch nie erlebt.

 

Der dritte Tag brachte die befürchtete Wetterverschlechterung; vorläufig blieb es allerdings noch trocken. Wir folgten dem Höhenweg weiter nach Süden, an einer Stelle unübersichtlich bezeichnet (dort muss man sich links durch ein kurzes hohlwegartiges Stück halten und findet bald wieder die Farbkleckse), aber wieder auf herrlichen Wegen; einmal ging es direkt unterhalb eines felsigen Kamms entlang. Schließlich schlugen wir uns in den Ort Busenberg durch, um von dort zum „Drachenfels“ zu gelangen, ein Wegstück, das schon allerlei Witzeleien provoziert hat („weiblicher Lebenslauf“). Ein kleines, idyllisches Wiesental, ein kurzer Waldanstieg und man erreicht - nun, was wohl? Eine PWV-Hütte mit der obligatorischen deftigen Pfälzer Hausmannskost.

 

Hat der Pfälzerwaldverein ein Nachwuchsproblem? Diese Frage stellte sich mir spätestens hier. In allen drei PWV-Hütten, die wir berührten, lag das Alter der Vereinsmitglieder, die am Wochenende für die Bewirtschaftung sorgten, jenseits der Fünfzig, wenn nicht der Sechzig. Und mir fiel auf, dass die PWV-Markierungen zwar im Wesentlichen noch zuverlässig, aber nicht mehr so lückenlos wie vor ein paar Jahrzehnten sind. In den Vogesen sind sie beispielsweise insgesamt besser. Wie mag es im Pfälzerwald in 20 oder 30 Jahren aussehen?

 

Aber auch ohne Markierung kommt man problemlos von der Drachenfelshütte zur gleichnamigen Ruine hinauf. Dieser nur wenige Minuten erfordernde Abstecher ist ein absolutes Muss. Denn die Felsruine ist von einer Wildheit, wie man sie aus den benachbarten Nordvogesen kennt. Sie liegt höchst exponiert auf einer Bergkuppe und bietet ein umfassendes 360°-Panorama. Zudem ist der Aufstieg, immer wieder über gesicherte Galerien, schon ein kleines Abenteuer und, nebenbei bemerkt,  nichts für Leute mit sehr starker Höhenangst und auch nicht unbedingt bei Vereisung zu empfehlen.

 

Der Rest war eine ordentlich markierte, zügige Wanderung zurück zum Ausgangspunkt; dass der Regen uns jetzt doch noch erwischte und das abschließende Stück, ein Teil des von Deutschland nach Frankreich führenden „Zabern-Wegs“ oder „Sentier Tres Tabernae“, nur mit sehr verwaschenen roten Rauten markiert war, störte uns auch nicht mehr. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Regen und Zeitknappheit uns daran hinderten, noch dem „Jüngstberg“, den wir teilweise umwanderten, unsere Aufwartung zu machen. Aber man braucht ja einen Grund wiederzukommen! Wobei man den im Pfälzerwald ebenso sicher findet wie Leberknödel und Saumagen.

 

 Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 27 - Dezember 2008

 

 

Pfingsten 2008: Unterwegs im Odenwald

Von Walter Brückner

 

Karten:      Topographische Freizeitkarte 1 : 50.000 „ Nördlicher Odenwald" NO Ost und NO West ISBN 978-3-89446-291-8

 

Topographische Karte 1 : 50.000 „Odenwald" Blätter Südost und Südwest, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg

 

Führer: Siegfried Joneleit „Odenwald", Verlagshaus Elster, Serie „Leichter Wandern" ISBN 3-89151-180-9

 

Bernhard Pollmann, „Odenwald", Rother Wanderführer, ISBN 3-7633-4151-X

 

Andreas Stieglitz, „Wandern im Odenwald und an der Bergstraße", DuMont aktiv, ISBN 3-7701-5015-5

 

Helmut Dumler, „Rundwanderungen Odenwald", J. Fink Verlag, Stuttgart

 

Thomas Klein, „Wanderbuch für Spessart, Odenwald, Taunus und Vogelsberg", BLV Verlagsgesellschaft, München, ISBN 3-405-13525-7

 

Internet: Unter www.odenwald.de findet man viele Informationen zu Wanderwegen, Sehenswürdigkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten usw. im Odenwald

 

Der Odenwald ist ein wunderbares Wandergebiet mit gut ausgebauten und markierten Wegen, zahlreichen Sehenswürdigkeiten sowie malerischen Orten und Städtchen, er wird aber leider durch die bekannteren Mittelgebirge etwas in den Hintergrund gedrängt.

 

Der Odenwald ist auch in wenigen Tagen zu durchqueren, unabhängig von der Richtung, die man einschlägt. Die Wanderführer bieten deshalb fast ausschließlich Tagestouren an. Wer länger unterwegs sein will findet Hilfe im Internet, wo er auf den „Odenwald Schmetterling" stößt, mehrtägige Wanderstrecken, die grob in der Form von Schmetterlingsflügeln angeordnet sind, oder muss seine Strecke selbst zusammenbasteln.

 

Ein günstiger Ausgangspunkt für Wanderungen ist Heidelberg: Es ist verkehrsmäßig gut zu erreichen, bietet viele Sehenswürdigkeiten und ebenfalls viele (wenn auch teuere) Unterkunftsmöglichkeiten.

 

Seit langen Jahren nutze ich die Pfingstzeit zu Wanderungen in Deutschland, üblicherweise zu zweit oder zu dritt. In den letzten Jahren jedoch ist der Stamm der Mitwanderer erfreulicherweise gewachsen. So hatte ich dieses Jahr fünf Begleiter.

 

Start- und Zielpunkt der Wanderung war Heidelberg. Üblicherweise buche ich nur am Startpunkt Quartier. Da der Beginn der Wanderung diesmal genau auf das Pfingstwochenende fiel, und ich befürchtete, die Übernachtungsmöglichkeiten könnten ausgebucht sein, buchte ich ausnahmsweise die ersten vier Quartiere rechtzeitig vorher.

 

Wir trafen am Freitagnachmittag in Heidelberg ein. Untergebracht waren wir im Hotel „Rosengarten", oberhalb von Ziegelhausen, gut eine Wegstunde von Heidelbergs Altstadt entfernt. Das Restaurant des Hotels war verpachtet, aber der Pächter hatte es noch nicht eröffnet, also kein Abendessen und kein Frühstück.

 

1. Wandertag

 

Heutiges Ziel ist Neckarsteinach, die Vier-Burgen-Stadt, gerade mal 15 km entfernt, aber natürlich mache ich es uns nicht ganz so einfach, sondern habe ein paar Schikanen eingeplant.

 

Bei herrlicher Sonne laufen wir um 8.00 Uhr los, auf dem Neckartal-Randweg Richtung Heidelberg, werden zum berühmten Aussichtsweg „Philosophen-weg" geleitet und steigen um 9.00 Uhr den „Schlangenweg" hinunter zur „Alten Brücke". Über sie gelangen wir direkt in die Altstadt, zur Heilig-Geist Kirche, dem Hotel Ritter und dem Marktplatz.