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 am:   21.08.08

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W a n d e r b e r i c h t e  -  D e u t s c h l a n d

 

 

Inhaltsverzeichnis:       Der Maximiliansweg  Von Hans Diem

                               •  Mit den Augen der Eifel  Von Tilman Kleinheins

                               •  Wanderbedingungen in Nordthüringen

                                  Von Dr. Lutz Heidemann

                               •  Der König - Ludwig - Weg   Von Günther Krämer

                               •  Themenwanderweg Kultur

                                  Von Willi und Helga Großkopf

                               •  Runde Hauptstadt - 

                                  66 Seen erwandert man auf einem Weg um

                                  Berlin herum

                                  Von Dr. Roland H. Knauer

                               •  Wanderbericht - Der Europäische Ferwanderweg 9

                                  in Mecklenburg-Vorpommern - Ein Flop!

                                  Von Lutz Heidemann

                               •  Wandern "auf hohem Niveau" - 

                                  Erfahrungen vom neuen Rheinsteig

                                   Von Lutz Heidemann

                               •  Mit dem Zelt von Lenggries nach

                                  Urdorf am Walchensee

                                  Von Markus Mohr

                                 Harzwanderung Mai 2006

                                  Von Gerhard Wandel

                                 Der Hunsrück - Terra incognita

                                  Von Werner Hohn

 

 

Der Maximiliansweg

Eine Überschreitung der deutschen Alpen von Lindau nach Berchtesgaden

 

Von Hans Diem

 

Die Wegbeschreibung von Hans Diem kann bestellt werden bei ALPINA-Buchversand, Postfach 1211, D-85606 Aschheim.

Der Maximiliansweg ist benannt nach König Maximilian II. von Bayern, der im Jahr 1858 eine Alpenreise von Lindau nach Berchtesgaden unternahm. Er wurde meist in Kutschen gefahren, ist aber auch teilweise geritten und zu Fuß auf einige Gipfel gestiegen. Im Jahr 1991 hat der DAV den Maximiliansweg eröffnet, er führt natürlich als reiner Fußweg in 22 Tagen 370 km weit von Lindau nach Berchtesgaden über fünf verschiedene Gebirge: 3 Tage lang durch das österreichische Bregenzerwald-Gebirge, 3 Tage über die Allgäuer Alpen, 4 Tage über die Ammergauer Alpen, 6 Tage über die Bayerischen Alpen, 5 Tage über die Chiemgauer Alpen und 1 Tag in den Berchtesgadener Alpen.

Der Maximiliansweg ist ein aussichtsreicher Balkonweg am Nordrand der Alpen, einerseits mit Tiefblick auf das bayrische Alpenvorland mit Wäldern, Wiesen, Seen und Dörfern, andererseits mit Ausblick auf die prächtige Bergwelt der Alpen. Aus schmucken Dörfern geht es durch Bergwälder hinauf zu Almen und Blumenwiesen, zu Hütten mit Bewirtung und Unterkunft, Bergwege führen weiter auf grüne Joche, Steige klettern auf felsige Gipfel mit Rundschau. Da drängt die Neugier weiter, ein Joch, ein Gipfel nach dem anderen lockt. Die Route benützt die unterschiedlichsten Wege von der Autostraße bis zum Felssteig. Da sie nicht durchgehend markiert und beschildert ist, braucht man die Wegbeschreibung und Wanderkarten.

 

Auf der originalen „Gipfelroute“ steigen erfahrene Bergwanderer mehrmals über felsige Grate und Gipfel, weniger ehrgeizige können auf der leichteren „Jochroute“ diese Teilstrecken meiden und umgehen.

 

Der Maximiliansweg als Frühjahrstour

Hans Diem mit Zeltausrüstung im Mai 1998

 

28.4. abends, raus aus dem Zug, hin zum Hafen von Lindau, da halte ich den Fotoapparat in den Regen für das erste Foto mit dem Bodensee vor schneeweißen Bergen. Endlich mit Bedacht den ersten Schritt getan Richtung Berchtesgaden, zunächst auf dem Bodensee-Uferweg durch viele Regenpfützen gestapft auf Bregenz zu. Ungeniert stelle ich in der Dämmerung das Zelt an das Bodenseeufer, die Regenwolken verziehen sich, schöne Abendstimmung kommt auf, und am Morgen weckt mich Vogelgezwitscher und Entengeschnatter. Beschaulich und ideal zum Eingewöhnen zieht der „MaxWeg“ anfangs drei Tage lang fremd im österreichischen aber reizvollen Bregenzerwald. 56 km weit mit 2110 m Aufstieg führt er über Hügel mit Wald und Wiesen auf den Grenzübergang zu, über die Schneider Spitze, den Brüggele Kopf 1182 m, den Rotenberg. Dazwischen liegen die kleinen Bauerndörfer Alberschwende, Lingenau und Hittisau mit alten Wälderhäusern und urigen Gaststätten.

 

Über die Allgäuer Alpen führt der MaxWeg dann drei Tage lang auf 60 km Strecke mit 2700 m Aufstieg. Vom Weg über die sieben Gipfel der Nagelfluh-Kette habe ich eine fantastische Aussicht, vom höchsten, dem Hochgrat 1834 m zurück zum glitzernden Bodensee, und hinaus aufs grüne Flachland, und hinein in eine noch winterliche Bergwelt. Im Juni blühen hier schönste und seltene Blumen. In diesem Mai hat es allerdings oben noch stellenweise Schnee, deshalb habe ich auch Steigeisen dabei. Mal schinde ich mich durch knietiefen Nass-Schnee bergauf, balanciere über eine rassige Firnschneide, steige in Riesenschritten auf festem Firn steile Rinnen hinab. Der Abstieg vom 6. Gipfel, der Ostgrat des Stuiben hat eine kurze Kletterstelle mit Drahtseil versichert.

 

 

 Ab Sonthofen steige ich als Abstecher auf den freistehenden Grünten 1738 m, da war seinerzeit auch Max II. oben, der Gipfel bietet ein sensationelles Panorama. Der Weiterweg zieht aus blühenden Blumenwiesen hinauf zu Tiefenbacher Eck und Spieser 1651 m, oben lastet noch schwer der nasse Frühjahrsschnee. Nach einer gemütlichen Einkehr in Unterjoch marschiere ich dann im flachen Vilstal mit langen Beinen flott auf Pfronten zu. Großeinkauf im Supermarkt, die Hälfte gegessen, den Rest in den Rucksack. Schon bin ich im Aufstieg zum Falkenstein mit Ruine, weiter über den schroffen Zwölferkopf 1293 m mit schönsten Ausblicken nach Füssen am Lech, eine sehenswerte Kleinstadt.

 

 

Nach den Schlössern Hohenschwangau und Neuschwanstein kommt der anspruchsvollste Teil des MaxWeges, die Ammergauer Alpen in vier Tagen mit 55 km und 3088 m Aufstieg, natürlich mit Ausweichen für weniger angriffslustige Jochbummler. Vom Tegelberg-Haus erst den Abstecher auf den Branderschrofen, dann weiter über die Krähe 2012 m zur Hochplatte 2082 m. Er ist der höchste Punkt des MaxWeges und ganz schön alpin auf seinem teils beidseitig ausgesetztem Grat. Der Ausblick ist grandios und so aufregend wie die Gipfel-Überschreitung. Die Kenzen Hütte unterhalb hat schon geöffnet, als einziger Gast werde ich bestens versorgt und schlafe prominent im Einzelzimmer.

 

Der Weiterweg über den Feigenkopf zieht über steilen Grasflanken am und auf dem Grat schön hinauf zur Klammspitze 1924 m. Aber der steile Abstieg ist voll Schnee, bei größter Vorsicht und mit den Steigeisen komme ich sicher hinab. Von der Brunnenkopf-Hütte kurz auf den Brunnenkopf 1718 m gestiegen, der war auch ein Ziel von König Max. Hier war schließlich sein Jagdgebiet, vom Jagdhaus in Linderhof konnte er auf einem Reitweg weit hinauf reiten auf kleinen Norweger Pferden. Über den Hennenkopf 1768 m komme ich schneefrei zum Teufelstättkopf 1758 m. Da zelte ich gut am Waldrand, am Morgen weckt mich das Balzen einer Schar Birkhühner. Ich schaue ihnen lange zu und stiege dann ab ins urige Unterammergau. Es folgt der Aufstieg zum Hörnle 1548 m mit Hütte und wunderbarem Ausblick, Abstieg neben einer riesigen Mure nach Grafenaschau und dann 2 Stunden lang flott auf einer Teerstraße nach Eschenlohe marschiert mit Blick auf das blumenreiche Murnauer Moos.

 

Die Bayerischen Alpen sind der längste Abschnitt mit sechs Tagen auf 100 km Weglänge bei 6200 m Aufstieg. Der MaxWeg beginnt mit der rassigen Überschreitung von Heimgarten 1790 m und Herzogstand 1731 m auf einem gesicherten Gratweg mit Tiefblick auf Kochelsee und Walchensee. Nach der Querung der Kesselberg-Straße schaue ich vom Jochberg 1565 m begeistert rundum, gehe dann lange flach und verwinkelt durch Wald und über Almen, steige anschließend steil bergauf zum Kreuz auf der Benediktenwand 1800 m. Tief unter mir liegt die alte Tutzinger Hütte noch umgeben von Schnee, sie wurde inzwischen abgerissen und neu gebaut. Der Weiterweg ist noch schneebedeckt, es ist fester Firn und gut zu gehen. Der Tiefblick vom Brauneck ins Isartal ist grandios.

 

In Lenggries kann ich mich gut erholen, steige auf zum Geierstein 1491 m mit Weitblick zurück bis zur Zugspitze. In Wald und Almwiesen geht es flach weiter zum Fockenstein 1564 m, da liegt mir der Tegernsee umwerfend schön zu Füßen. Im Abstieg nach Bad Wiessee liegt die Waxelmoos-Almhütte, die hat eine Veranda unter einem großen Vordach, das ist ein vorzüglicher Zeltplatz für mich. kurzen Umweg über Bayrischzell. Der Ort bietet nämlich ganz neu den damaligen Weg von König Max II. auf den Wendelstein an! Begeistert steige ich auf diesem „Königsweg“ bergauf zur Wendelstein-Kapelle, weiter unter Seilbahntouristen auf einem Wendelweg mit Seilgeländer in steiler Felswand zum Gipfel des Wendelstein 1838 m. Er bietet ein Panorama von Feinsten bis hin zum Alpen-Hauptkamm und hinaus bis München. Wer hier oben schönes Wetter und Fernsicht hat, kommt nicht so leicht los. Auf festem Frühjahrsfirn kann ich vom Gipfel direkt Richtung Inntal absteigen, es ist der letzte Schnee auf meiner Frühjahrstour.

 

Von Nußdorf am Inn gehe ich die Chiemgauer Alpen an und abschließend kurz in den Berchtesgadener Alpen nach Berchtesgaden. Sechs Tage für 96 km Weg mit 5400 m Aufstieg. Der lange Aufstieg zur Hochries 1569 m mit Hütte ist nicht beschildert und nur mit genauem Kartenstudium zu finden. Weiter geht es über Hohenaschau auf die Kampenwand 1663 m. Auch ein Höhepunkt, ein Felsgipfel mit Kaiserblick, zum Wilden und Zahmen Kaiser, andererseits zum Chiemsee. Ich turne kurz an 20 Meter Drahtseil hinab und schon bin ich auf dem Weg zur Hochplatte. Tiefblick ins Achental, voraus alle restlichen Gipfel bis hin zum Watzmann. Runter nach Marquartstein, hinauf auf den Hochgern 1748 m: Rückblick, Ausblick, ständig neue Eindrücke, andere Stimmungen, schauen, staunen und knipsen, mein Fotoapparat ist gut beschäftigt. Weiter zum Hochfelln 1664 m, da ist Hochbetrieb über die Seilbahn. Schön hinab nach Ruhpolding, flach nach Inzell, hinauf auf den Zwiesel, weiter auf den Hochstaufen 1771 m mit Hütte. Wunderbar, ich sitze bei Abendstimmung lange oben und bekomme nicht genug vom Schauen. Ich übernachte dann in der Gipfelhütte, der Wirt freut sich, weil da einer ab Lindau zu Fuß gekommen ist.

 

Die letzte Etappe des MaxWeg von Bad Reichenhall nach Berchtesgaden sind gemütliche 4:30 Stunden. Das ist mir zu wenig von den Berchtesgadener Alpen. Ich mache kurzentschlossen einen Abstecher und steige hinauf zum Berchtesgadener Hochthron 1972 m, habe abends grandiosen Blick auf mächtige Gebirge wie Dachstein, Watzmann und Hochkkalter bei dramatischer Bewölkung. Bleibe über Nacht im Stöhr Haus, steige am Morgen ab und gehe hinein ins schöne Berchtesgaden. Dieser Abstecher war mir ein krönender Abschluss des königlich-bayrischen Maximiliansweges.

Wenn sich damals die hohe Reisegesellschaft vortrefflich amüsiert hat auf ihrer Alpenreise, so habe ich mich königlich belohnt gefühlt. Mit etwas Geld, dem Rucksack, dem Zelt, dem Frühjahrsschnee, dem Alleinsein auf den hohen Wegen bin ich gut zurecht gekommen, habe mich stark gefühlt und viel jubelnde Freude gespürt. Solch gute Erfahrungen wünsche ich jedem MaxWeg-Begeher.

 

 

Aktuelle Ergänzungen von Hans Diem zum Maximiliansweg

(Stand: Frühjahr 2005)

 

Die Route, die 1991 vom Deutschen Alpenverein festgelegt wurde, ist meist mit lokalen Wegweisern versehen, aber nicht als „MaxWeg“ markiert und auch nur gelegentlich mit DAV-Tafeln „Maximiliansweg - E4“ versehen. Entgegen meiner Mitteilung schreibt Herr Froelich vom DAV in seinem Grußwort auf Seite 8 der Wegbeschreibung, er habe die Markierung des Weges organisiert. Im Juni 2000 war dieser Zustand wie 1998.

 

Änderungen am Wegverlauf sind auszuschließen. Dagegen sind Änderungen von Hüttenpächtern und Hütten-Telefonnummern ständig zu befürchten, da hilft nur eine aktuelle Rückfrage beim Alpenverein.

 

Im Juni 2000 war ich auf dem MaxWeg und hatte notiert:

 

1. Seite 33: Vereinfachte Wegführung zwischen Lindau und Bregenz durch eine neue Fußgängerbrücke über den Bach Leiblach.

 

2. Seite 45: Neue Wegführung von Gunzesried nach Sonthofen durch einen neu angelegten und beschilderten Weg ab dem Mauthäusle am Hüttenberger Eck.

 

3. Seite 107: Kenzen-Hütte, neue Hütten-Telefonnummer 08368-390

 

4. Seite 110: Kessel-Alm, neue Telefonnummer 08028-2602

 

Im Grundsatz gilt, dass jede Angabe zur Infrastruktur von einer Woche auf die andere überholt sein kann. Der MaxWeg ist da im Vorteil, weil sich in kurzen Abständen 58 Dörfer und Hütten anbieten für 22 Tage.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 16 - April 2005

 

 

Mit den Augen der Eifel

Auf dem Karl-Kaufmann-Weg vom Ahrtal an die Mosel

 

Von Tilman Kleinheins

 

Zuerst Zahlen und Fakten: 16 Hauptwanderwege, 4 Regionalwanderwege, 4 Fernwanderwege und 1 Weitwanderweg durchziehen laut offiziellem Führer, 38. Auflage, die Eifel. Viele Tausende markierte Kilometer Wandern. Das Wanderkartenwerk des Eifelvereins umfasst 40 Blätter im Meßtischmaßstab und 7 Blätter der 2 cm – Karten. Höchste Erhebung: Hohe Acht mit 747 m N.N., gelegen in der Hohen Eifel. Im Norden begrenzt von der Linie Bonn – Euskirchen – Aachen, im Osten und im Süden nasse Grenzen mit Rhein und Mosel. Nach Westen sind der Fortsetzung des Naturraums Eifel nur menschliche Grenzen gesetzt, an sich sind Hohes Venn und Luxemburger Land Bestandteil der gleichen erdgeschichtlichen Entwicklung.

 

Nach den Fakten die Frage: wie kommt unsereins auf die Idee, ausgerechnet in einer ganz bestimmten Region wandern zu wollen und nicht in einer ganz anderen. Durch welche Einflüsse reift meist binnen Wochen und Monaten der Entschluß, wird konkreter, äußert sich schließlich im Kauf von Wanderkarten und Führern ? Bis plötzlich die Idee einer Streckentour klar vor dem inneren Auge liegt. Daß die Impulse vielfältig sind, ist klar, in meinem Fall waren es die bekannten Eifelkrimis von Berndorf, die mich neugierig auf die Region machten.

 

Der HWW 2, Karl – Kaufmann – Weg, Brühl – Trier, 183 km

 

Genug geschwärmt, wo geht´s los ? Ahrweiler (Betonung auf der ersten Silbe) im Ahrtal, nördlichstes Rotweinanbaugebiet Deutschlands, bequem von Hamburg via Nachtzug nach Köln, über Remagen und den Ahrtalexpress erreichbar. Morgens um 9:00 Uhr starte ich in den ersten Wandertag, der leider zum Großteil verregnet ist, aber dennoch herrliche Eindrücke vermittelt: wunderbare Tiefblicke ins tief eingeschnittene Ahrtal samt seinen Winzerorten und steilen Rebhängen, südwestlich am Horizont zu erkennen die „Hohe Acht“, davor bewaldete Hügelketten, die ihre Farbe vom nahen grün ins ferne blau wechseln. Tiefhängende Wolken und Nebelfetzen ziehen aus den Tälern auf. Die Markierung von Anfang an zwar äußerst vielfältig (manche Bäume gleichen Kommunikationszentren), aber stets gut und zuverlässig. Eines sei vorweggenommen: rund 60 % des gesamten Weges verlief auf Hartbelägen aller Art. Mit Interesse habe ich deshalb gelesen, dass auch der Eifel – Verein im Rahmen des Projektes „Wanderbares Deutschland“ sein Wegenetz überprüft. Nur posititv, wenn tatsächlich hier und da Streckenverlegungen stattfinden (Meulenwald !) und Wegewarte wie Vereinsfunktionäre der Einmischung von außen offen begegnen. Es kann eigentlich nur n o c h besser werden, als es schon ist, denn: tatsächlich keine andere Mittelgebirgstour hat mich bisher so begeistert.

 

Alle kleine Schumachers

 

Woran´s lag? In erster Linie natürlich an der Vielfalt der durchwanderten Landschaftsformen. Und davon bietet der Karl – Kaufmann – Weg jede Menge. Bereits im offiziellen Eifelführer von 1911 behaupten die Verfasser, der sogenannte Eifelhöhenweg sei „die schönste [Wanderung] in der Eifel.“ Nach dem Ahrtal Richtung Süden in die Hocheifel, die mich mit gefrierpunktnahen Zeltnächten überrascht. Herrliche Fernblicke ringsum und bis hinüber ins Siebengebirge vom Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Hohen Acht (747 m), zehn Kilometer später kompletter Szenenwechsel: der Nürburgring, oder kurz, wie der Eifeler sagt, „der Ring“. Wirtschaftsfaktor Nr.1 in der fast ausschließlich agrarisch geprägten Region, es dreht sich einfach alles um ihn. Als ich dort vorbeikomme auch auf ihm, denn es ist Familientag. VaterMutterKind im Astra Kombi schleichen über den legendenumwobenen Asphalt, während jede Menge Hobby – Röhrls das Letzte aus ihren Motoren herausholen. Haarsträubende Überholmanöver und schlimme Unfälle sind die Folge. Kein Zufall ist auch die traurige Spitzenposition des Landkreises Ahrweiler, der alljährlich und im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Verkehrsunfalltoten ganz Deutschlands zu beklagen hat. Alle kleine Schumachers !

 

Maare und Burgen

 

Der Karl – Kaufmann –Weg zieht über die Höhe weiter, führt an Cotenickelchen, Bränkekopf und Rote Heck vorbei ( alle um die 600 m ), berührt die Orte Kelberg und Darscheid um schließlich auf den Dauner „Hausberg“, den Firmerich (489 m) zu leiten, von dessen Schutzhütte aus ich einen Panorama – Blick auf die Stadt genießen kann. Wesentlich mehr als der Ort, interessieren mich die nur einige Fußkilometer entfernt liegenden Maare. Mit dem Gemündener Maar, dem Totenmaar und dem Schalkenmehrener Maar hat der Wanderer die größte Dichte solcher „Seen“, die von der Allgemeinheit als Kraterseen längst erloschener Vulkane verstanden werden. Nehmen wir das so hin und überlassen den Experten die wissenschaftlichen Erläuterungen; es bleiben dennoch unübersehbare Besonderheiten: man wandert aufwärts zu den Seen ! Normalerweise liegen Mittelgebirgsseen tief unten in Senken und Tälern. Außerdem sind die mit Wasser gefüllten Maare ( von rund 80 Maaren in der Eifel sind das nur 8 ) in der Regel recht tief: mit rund 70 m liegt das Pulvermaar ganz vorne. Schließlich sei nebenbei noch erwähnt, dass das Wandern an und um die Maare ein Hochgenuß ist, vor allem, wenn viele Kilometer Hochwald hinter einem liegen. Ganz besonders das Hinüberlaufen zum Schalkenmehrener Maar – Ort direkt am Wasser gelegen – lässt einen nicht nur einmal den Auslöser der Kamera betätigen. Unweit dieser Idylle schlage ich am Waldrand mein Zelt auf, koche, lese, bin ungewaschen und fern der Heimat.

 

Schon der nächste Tag bringt neue Landschaftsform: das Liesertal bei Manderscheid. Vorher aber bei bestem Wanderwetter über Brockscheid (bekannte Glockengießerei ) und Eckfeld, vorbei am ehemaligen Kloster Buchholz (wo der Abfallcontainer des Friedhofes brennt und ich die Feuerwehr per Handy alarmiere) zum „Belvedere“ über Manderscheid. Oberburg und Niederburg ( letztere im Besitz des Eifelvereins), zwei mächtige Ruinenanlagen aus dem 10. und 12. Jahrhundert in unmittelbarer Nachbarschaft, prägen die Umgebung Manderscheids ebenso, wie Liesertal und das Tal der Kleinen Kyll. Plötzlich läuft man auf Serpentinenpfaden, über Holzbrücken die Bachseite wechselnd oder an herrlichen Aussichtspunkten vorbei. Wegführung und Charakteristik des „2ers“ gefielen mir ab hier bis nach Dreis im Salm – Tal besonders gut. Nicht zuletzt wegen des hervorragenden Klosterbiers, das vermutlich schon lange nicht mehr von der Zisterzienser – Bruderschaft des Klosters Himmerod gebraut wird, aber immer noch so schmeckt. Das Kloster selbst liegt einsiedlig im Salmtal. Im Zuge der Napoleonischen Krieg zerstört, dienten die Trümmer der Klosterruine dem örtlichen Haus- und Straßenbau. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts konnte der „Neubau“ (die charakteristische Fassade, anstelle von Türmen, wurde erhalten) geweiht und seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben werden. Revitalisierung eines Ortes des Glaubens.

 

Trierer Wallfahrt

 

Ein Wiesenrand unweit der Gemeinde Niederkail ist für heute mein „Campingplatz“. Der Pächter schaut fragend aus seinem Suzuki Jeep heraus, lässt mich aber in Ruhe, als ich ihm glaubhaft versichere: kein offenes Feuer, kein Müll, alleine und morgen in aller Frühe wieder weg. Weit weniger zu beeinflussen ist der Lärm der F 16 und anderer amerikanischer Kampfjets, die von der unmittelbar benachbarten Airbase Spangdahlem aus zu Übungsflügen aufsteigen. Es gibt jedoch die Vereinbarung, nachts nicht zu fliegen. Nicht wenige der hiesigen Eifeler haben Beschäftigung rund um den Standort gefunden. So wird die jüngst von der Bush - Regierung getroffene Entscheidung, die Truppenstärke in Spangdahlem ( = Doppelort: Spang und Dahlem) zugunsten Rammsteins zu reduzieren, wenig begeistert aufgenommen. Freude über den Abzug bleibt den Hippies vorbehalten, erklärt mir ein Jogger, dessen Arbeitsplatz ebenfalls gefährdet ist.

 

Der Weiterweg durchs Salmtal könnte idyllischer nicht sein. In den Orten Bruck und Dreis ist den sommerlichen Temperaturen entsprechende Stille eingekehrt. Während keiner anderen Mittelgebirgstour in Deutschland bin ich übrigens so leicht mit den Menschen ins Gespräch gekommen, wie in der Eifel. Annähernd allen mit denen ich sprach, war der Karl – Kaufmann – Weg bekannt, nicht wenige waren große Teile davon selbst schon gelaufen. Hier wird die gute Einrichtung des Eifelvereins als Heimatsinn stiftende Institution sichtbar. Gilt doch sonst beim Streckenwandern in der Regel der Satz: Frag nie einen Einheimischen! Bekannt war der Weg auch wegen der jährlich stattfindenden Pilgerfahrt von Blankenheim (Ahrtal – Quelle) nach Trier zur Grablege des Apostels Matthias, des einzigen Apostelgrabs nördlich der Alpen. Die Wallfahrer gehen innerhalb drei Tagen die rund 100 km lange Strecke zum Teil auf dem „2er“: ohne Buße keine Vergebung.

 

Vergebung ist immer von Nöten, beschließe aber dennoch meine herkömmliche Etappeneinteilung beizubehalten und steuere als letztes Übernachtungsziel den Ort Quint im Moseltal an. Zwischen der Salm und der Mosel liegt der Meulenwald, den mein Weg ausschließlich auf Forststraßen durchzieht. Hier hätte eine Korrektur, eine Streckenverlegung vier Meter rechts oder links in Wald hinein, meine Füße ( und Augen) geschont. So beißt man sich halt durch den leider unattraktiven Abschnitt.

 

Das erste Haus in Quint ist das des Försters, der meine Frage nach möglichem Zeltplatz auf seiner Wiese sehr bestimmt ablehnt, sieht er in mir doch eher einen Bruder der Landstraße. Erst nach gutem Zureden, überlässt er mir 5 qm.

 

Der nächste Tag verspricht mit dem Moseltal erneut veränderte Blicke und Landschaft. Zusammen mit dem linksführenden Moselhöhenweg läuft der Karl – Kaufmann – Weg das auf und ab der Moselhöhen aus. Ehrang und Biewer bleiben die einzigen Orte, bevor mich der Felsenpfad zum hochgelegenen Weißen Haus (Gasthaus) und hinunter zur Moselbrücke führt. Bei der End- wie Anfangspunkt anzeigenden Orientierungstafel am Beginn der Brücke, ohne die einer Streckentour etwas wichtiges fehlte, bleibe ich länger stehen und lese: Endpunkt auch des Josef-Schramm-Weges (Nr. 4) und des bekannten „6ers“ von Aachen nach Trier.

 

Ein Landstrich, in dem Wanderer vom Weg weg von Mitmenschen zum Frühstück nach Hause eingeladen werden („Komm Jong, mach Dir en Käs-Schmier!“) will wiederbesucht sein. Der „6er“ steht auf dem Programm 2005.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 15 - Dezember 2004

 

 

 

 

Wanderbedingungen in Nordthüringen

 

Von Dr. Lutz Heidemann

 

Bei dem Stichwort „Wandern in Thüringen“ denken viele zuerst an den etwa 170 km langen Rennsteig, den Höhenweg auf dem Thüringer Wald. Doch für Weitwanderer, die etwas mehr Einsamkeit und vielseitigere Landschaft schätzen, gibt es als reizvollere Alternative z. B. einen ebenfalls im Raum Eisenach beginnenden Weg, der zuerst durch den Hainich führt, dann am Nordrand des Thüringer Beckens entlanggeht und bei Heldrungen die Unstrut überquert. Dieser Nordrand wird durch eine Kette immer schmaler werdender Bergrücken markiert. Zuletzt wanderten man über die nur wenige hundert Meter breite Schmücke und den Kalkrücken zwischen Eckartsberga und Bad Sulza und gelangten nach zehn Tagen zu Ilm und Saale.

 

Meine Frau und ich sind diese Strecke im Frühjahr 2000 gewandert. Das Ausgangsgebiet für unsere kurzfristig vorbereitete Oster-Tour war der Hainich, ein außergewöhnlich großer Buchenwald und aus diesem Grund seit Dezember 1997 zum 13. deutschen Nationalpark erklärt. Auch an den folgenden Tagen bestimmten ausgedehnte Buchenbestände das Landschaftsbild, in der Finne trafen wir auch Eichen an. Zu dieser Zeit waren die Bäume noch ohne Laub, aber der Waldboden war voll von blühenden Busch-windröschen und Himmelschlüsselchen. Der Bärlauch roch kräftig und Fachleute hätten Orchideen erkannt. Einmal fragten wir zwei alte, uns entgegenkommende Männer nach einer gelbblühenden Pflanze und hörten als Antwort, das seien „Antonisröschen“, im Hinterkopf hatte ich den Namen Adonisröschen. Streckenweise wurden wir an blühenden Hecken entlanggeführt; der Weg war dann von herabgefallenen Blüten wie weiß gepudert. Viele Wege waren auch von Obstbäumen gesäumt; wir freuten uns über Nachpflanzungen.

 

Die Strecke war gut trassiert, d.h. abwechslungsreich geführt. Überwiegend war es ein Kammweg. Es machte Spaß, entlag der Waldränder zu gehen. Reizvoll waren die Ausblicke in das weite, leicht gewellte thüringische Becken. Auch die Markierung war gut. Eher beobachteten wir ein Übermaß an Markierungen und Schildchen, denn oft existierten Parallelführungen mit anderen Wanderwegen. Es gab ausreichend Zu- und Abwege von der Hauptstrecke. Probleme mit der Markierung gab es höchstens in geschlossenen Ortschaften.

 

Wir durchquerten die ehemalige Freie Reichsstadt Mühlhausen, die Residenzstadt Sondershausen, kleine Städte und Marktflecken, stattliche Dörfer und kamen an mittelalterlichen Burgen und Klöstern vorbei. In Frankenhausen sahen wir uns in dem „Panorama-Museum“ über der Stadt das 123 m mal 14 m messende Rundbild an, das von dem Maler Werner Tübke mit wenigen Gehilfen bis 1987 fertiggestellt wurde und auf dem er, ausgehend von der an dieser Stelle stattgefundenen Metzelei im Bauernkrieg von 1525, ein vielfiguriges

„Welttheater“ des 16. Jahrhunderts gestaltet hat.

 

Thüringen ist ein reizvolles Wanderland. Die von der DDR-Wirtschaft verursachten Landschaftsschäden sind weniger stark als in den anderen Ländern. In den Waldgebieten gab es große militärische Sperrgebiete, wo zwar Soldaten übten und viel Munition verschossen, die heute noch im Boden stecken kann, wo sich aber auch Pflanzen und Tiere gut entwickeln konnten. Der Naturpark Hainich ist aus einem solchen Militärsperrbezirk entstanden. Erst an den Rändern von Thüringen gibt es Überreste von Tagebauen und Halden vom Kali- oder Uranbergbau. Bei den Orten waren wir immer wieder erstaunt und erfreut, wieviel an alter Bausubstanz in den vergangenen Jahren gesichert und wiederhergerichtet worden war. Viele Dörfer haben noch ihre alte Form bewahrt. Thüringen ist ein Land der Klein- und Mittelstädte. Die Kleinstaaterei in Thüringen führte zu vielen kleinen Residenzen. Nicht nur Weimar hatte einen „Musenhof“, z. B. auch in Meiningen, Sondershausen oder Gera haben die Fürsten als Mäzene gewirkt und oft die zu ihrer Zeit modernen Künstler unterstützt. Gespräche, insbesondere in den Privatquartieren, gaben uns die Chance, etwas von der Befindlichkeit der Menschen in Thüringen zu erfahren.

 

Neben dem eingangs erwähnten Rennsteig und der von uns begangenen Wegefolge in Nordthüringen gibt es noch mehrere andere Hauptwanderwege. Sehr reizvoll stelle ich mir den Weg auf den Saale- Höhen vor. Die Orte am Fluß haben alle einen von der Geschichte geprägten Charakter: z. B. Saalfeld, Rudolstadt, Kahla, Jena, Dornburg und Bad Kösen. Bei Naumburg mündet die Unstrut in die Saale und auch dieser Fluß wird von einem Weitwanderweg begleitet. Am Nordrand von Thüringen , z.T. wohl schon auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt verläuft der Karstwanderweg mit einer, wie der Name andeutet, charakteristischen Landschaftsstruktur und Pflanzenwelt.

 

In dem Internet-Angebot von „ www.wanderbares.deutschland.de“ wird neben dem altbekannten Rennsteig auch ein „Thüringenweg“ vorgestellt, der in 23 Etappen von Altenburg im Osten nach Creuzburg an der Werra reicht. Von der Residenzstadt Altenburg werden die Wanderer nach Gera in die nächste Residenzstadt geführt, gehen weiter über Thalbürgel mit seiner schönen romanischen Klosterkirche nach Jena und Bad Berka. Auf dem Weg zum Thüringer Wald wird Paulinzella mit der schönsten Kirchenruine Deutschlands gestreift, dann geht der Weg am Fuß des Thüringer Waldes über Eisenach bis nahe an die hessische Grenze bei Creuzburg an der Werra. Viel Vergnügen bei dieser Wanderung! - Ein weiteres Wegeangebot aus dem „wanderbarem Deutschland“ ist der Saale- Orla- Weg, ein Rundkurs in 23 Etappen. Dieser Weg könnte zur Vernetzung mit anderen Langstreckenwegen benutzt werden. Als „Fortschritt“ sei registriert, daß die jüngste Fassung für jeden Weg eine Übersicht über den Asphaltanteil an den Gesamtstrecken enthält. Um eine großräumige Routenplanung betreiben zu können, wäre es wünschenswert, wenn es eine Übersichtskarte z. B. im Maßstab 1: 500.000 über die Thüringer Fernwanderwege gäbe.

 

Für die Wege und ihre Markierungen engagieren sich in Thüringen die Mitglieder vieler örtlicher Vereine. Nach der Wende wurden die alten Wander- und Gebirgsvereine wiedergegründet. Da gab es räumliche Überschneidungen. Der Rennsteigverein deckt nur den Kern des Thüringer Waldes ab. Hinzu kamen der 1880 gegründete Thüringerwaldverein und der Thüringer Gebirgs- und Wanderverein. Nun haben die deutschen Vereine die Tradition, sich an „ihren“ Gebirgen und nicht an politisch-administrativen Grenzen zu orientieren. Das erschwert z. B. die Kooperation mit staatlichen Organen oder Fremdenverkehrsverbänden. Deshalb haben sich die Thüringer Vereine seit einiger Zeit mit den angrenzenden Gebirgsvereinen unter dem Dach eines „Landesverbandes Thüringen“ zusammengeschlossen. Die Struktur dieses Verbandes läßt sich auf ihrer Homepage unter www.wanderverband-thueringen.de nachvollziehen. Es scheint aber auch unterschiedliche Trägerschaften für die Wege zu geben, was sich auf die Markierung und „Bewerbung“ auswirken wird. Der Saale- Orla- Weg untersteht z. B. dem Landratsamt des Saale- Orla- Kreises, der Rennsteig dem oben genannten Landesverband Thüringen. So tritt im Internet als Partner für den Saale- Orla- Kreis der „Fremdenverkehrsverband Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale“ auf. Bei den dort unter „Gastgeber“ auftretenden Hotels fehlen die Ortsangaben... Es wäre sinnvoll, wenn die Internet-Seiten von „Neutralen“ gegengelesen würden.

 

Die Wegevielfalt in Thüringen ist groß. Wir bemerkten das bei unserer Wanderung. Der Nationalpark Hainich hat ein eigenes Wegesystem mit „niedlichen“ Symbolschildchen. Der über den Kamm verlaufende Weg heißt Rennstieg, eine Verwechslungsgefahr mit dem Rennsteig ist vorprogrammiert. Anschließend benutzten wir bis Bad Frankenhausen den schon 1930 eingerichteten Barbarossaweg. Träger dieses von Korbach bis zum Kyffhäuser reichenden Weges ist der Hessisch-Waldeckische Gebirgs- und Heimatverein. Dann folgten wir dem Dün-Hainleite-Weg. Zur Orientierung benutzten wir anfangs die über den Hainich bei ARTIFEX Langensalza herausgekommene Freizeitkarte Nr. 2; (dieser Verlag macht auch Karten über das mittlere Thüringen). Später griffen wir auf die ausgezeichneten Karten M. 1: 50.000 des Landesvermessungsamtes zurück, die wir in Buchhandlungen, z. B. in Mülhausen, kauften. Da wir zum Schluß auf der Grenze zu Sachsen-Anhalt wanderten, reichten diese Karten nicht weiter; gute Hilfe leistete das Faltblatt mit Wander-Karte 1: 75.000 „Untere IImaue“ (herausgegeben von der Stadtverwaltung Bad Sulza), das z. B. die Wegeverbindungen bis nach Dornburg mit seinen interessanten Schlössern enthielt. Damit hätte man auch entlang der Ilm bis Weimar oder über Bad Kösen nach Naumburg gelangen können.

 

Als wir im Jahr 2000 wanderten, bekamen wir sehr umfangreiches Material für die Übernachtungen von dem Tourismus Service Center. Das gibt es so nicht mehr, es hat eine Nachfolge in der „Thüringer Tourismus GmbH“, Weimarische Straße 43, 99099 Erfurt Tel: 0361/ 37420 gefunden. In der entsprechenden Homepage „ www.thueringen-tourismus.de“ hatte ich Schwierigkeiten, Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten auf Ortsebene zu finden.

 

Für diejenigen, die unsere Wanderung vom Jahr 2000 nachvollziehen wollen, sind nachfolgend unsere Etappen und Unterkünfte aufgelistet. Der Ausgangspunkt unserer Route und der Platz, wo wir das Auto stehengelassen hatten, war der Ortsteil Hütscheroda in der Gemeinde Behringen in der weiteren Umgebung von Eisenach, dort Übernachtung im Hotel Zum Herrenhaus Tel.: 036254/7200

 

1. Tag   bis Mihla 20 km,

            dort Übernachtung im Hotel Graues Schloß (Tel.: 036924/42272)

 

2. Tag   bis Mühlhausen 22km,

            dort gibt es viele Hotels

 

3. Tag   bis Holzthaleben 28 km,

             Übernachtung in einem Privatzimmer

 

4. Tag   bis Sondershausen 31 km,

            dort gibt es viele Hotels

 

5. Tag   bis Bad Frankenhausen 29km,

            dort gibt es viele Hotels,

            Übern.: Hotel Thüringer Hof Tel.: 034671/51010

 

6. Tag   bis Heldrungen 28 km,

            Übernachtung in einem Privatzimmer

 

7. Tag   bis Rastenberg 28 km,

             Übernachtung bei Privatzimmervermieter:

            Greisler, Tel.: 036377/80391

 

8. Tag   bis Bad Sulza 27 km, dort gibt es viele Hotels

 

9. Tag   Wanderung bis zu den Dornburger Schlössern 12 km, Bahnfahrt

             zu- rück nach Langensalza, dort Übernachtung, es gibt mehrere Hotels

 

10.Tag  Wanderung bis Hütscheroda 20 km

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 13 - April 2004

 

 

Der König - Ludwig - Weg

auch Luggi-Weg oder Postweg (?!) genannt

 

Von Günther Krämer

 

Seit 1977 ist dieser Weg als Weitwanderweg ausgeschildert und führt in mehreren Varianten vom Gedenkkreuz im Starnberger See nach Füssen. Die Beschilderung ist nicht immer gut. Bei der Routenwahl hilft manchmal Intuition, aber auf alle Fälle immer die richtige Karte, und einmal war sogar der Kompass von Nutzen! Ein solches Schilderchaos wie hier im Alpenvorland haben wir selten gesehen. Wann kommt denn endlich auch in Deutschland die einheitliche Wanderwegbeschilderung, die das Wandern in der Schweiz, in Tschechien und in der Slowakei zum unschwierigen Vergnügen macht?

 

Einen guten Führer gibt es im Moment nicht. Folgende Wanderkarten 1 : 50 000 des Bayerischen Landesvermessungsamtes sind unerlässlich: UKL 1 Ammersee - Starnberger See und Umgebung, UKL 3 Pfaffenwinkel - Staffelsee und Umgebung, UKL 10 Füssen und Umgebung.

 

Der Luggi-Weg ist ein idealer Winter-Wanderweg: Wanderer werden nicht von Radlern bedroht, Bäume ohne Laub lassen Durchblicke zu - z.B. auf die Villen am Starnberger See -, die im Sommer nicht möglich sind, es gibt kaum Quartierprobleme, die meisten Wege sind vom Schnee geräumt oder der Schnee ist nach kurzer Zeit festgetreten. Die manchmal nicht vorhersehbaren Schneeverhältnisse erfordern ein hohes Maß an Flexibilität und dennoch eine exakte Planung der Route mit relativ kurzen Tagesetappen. Die Gesamtlänge beträgt ungefähr 115 km.

 

Ach so, warum Postweg? Ganz einfach: Entlang des Weges laden täglich Gasthäuser zur Post zum Schlemmen und Übernachten ein!

 

Hier die Beschreibung des Luggi-Wegs, erwandert vom 29.12.2003 bis zum 3.1.2004.

 

Unser Winter-Luggi-Weg (Postweg)

 

1. Tag, 29.12.2003

Anfahrt mit der Bahn über München, dann S-Bahn S6 nach Starnberg, von dort mit Bus 975 Richtung Wolfratshausen bis zur Haltestelle Berg, Grafstraße. Hier gleich eine außergewöhnlich gute Mittagsrast im Geburtshaus des Dichters Oskar Maria Graf (Oskar-Maria-Graf-Stüberl, 08151-51688, Ruhetag Di u. Mi). Grafstraße - Wittelsbacherstraße, links auf dem Fußweg zur Votivkapelle und runter zum See, wo das Gedenkkreuz im Wasser steht. Auf demselben Weg zurück, vorbei am Schloss Berg und auf dem Uferweg entlang der Villen und der Fischerhäuser nach Starnberg. Auf der Söckinger Straße stadtauswärts, links ab in die romantische Maisinger Schlucht. Am Ortsanfang von Maising kurz rechts (Straße), dann links auf dem Mühlleitenweg nach Pöcking zum stilvollen Gasthof zur Post (www.posthotel-poecking.de) .

 

2. Tag, 30.12.2003

Auf der Nebenstraße geht es zunächst Richtung Aschering , kurz vor dem Wald rechts auf den Feldweg Richtung Maisinger See, unter der B2 durch, im Wald dann links, durch das kleine Moor nach Aschering. Ab jetzt ist der Weg nach Andechs gut ausgeschildert: Durch den Wald beim Eßsee, wo Konrad Lorenz seine Forschungen betrieben hat, am Barockgefängnis Rothenfeld vorbei, beim Parkplatz über die Staatsstraße, kurz durch den Wald und auf dem Kreuzweg an der Friedenskapelle vorbei zum Kloster Andechs. Eigentlich wäre hier eine ausgiebige Einkehr angesagt gewesen, aber Busse, Menschenmassen und deren "feiner Duft" in den Klosterbräustuben haben uns vertrieben, der Klostergasthof war überfüllt und ein anderes geöffnetes Gasthaus gab es nicht. Also weiter, vorbei am Forschungsinstitut von Irenäus Eibl-Eibesfeldt, hier links ab Richtung Weilheim und am Waldrand (Parkplatz) auf einem aussichtsreichen Traumpfad - es gibt ausreichend Rastbänke - durch Wald und Weidelandschaft, vorbei an der Hartkapelle, der Waldkapelle Moritz von Schwinds, nach Pähl, wo am Ortsende (Straßenkreuzung) im Gasthaus zur Neuen Post (die Alte Post, heute Silberner Floh, in der Ortsmitte ist nur abends geöffnet), wo Glühwein angesagt ist. Nach den letzten Häusern links auf den Feldweg und gleich wieder rechts straßenparallel bis zur Ammer, die wir auf der Straßenbrücke überqueren. Auf den Wiesen neben der Straße kommen wir bequem nach Raisting, wo schon der Ballon der Erdfunkstelle der Telekom grüßt. Der bezeichnete Luggiweg macht einen großen südlichen Umweg. Im Winter kann man querfeldein und über Wiesen gehen! In Raisting logieren wir fürstlich im Gasthof zur Post (www.post-raisting.de)!

 

3. Tag, 31.12.2003

Es schneit heute nur einmal, aber das ohne Unterlass! Am Gasthof links auf dem Sträßchen nach Stillern und im Tal noch etwa 1,5 km weiter, bis der Luggiweg rechts durch den Wald nach Wessobrunn hochführt. Die 1200-jährige Tassilolinde steht links unten in der Talsenke, das Kloster ist im Winter leider nur nachmittags um 15 Uhr zu besichtigen, aber das Barockkirchlein und der romanische Glockenturm sind ja auch etwas. Und dann gibt es einen Gasthof zur Post (08809-208), wo man sehr gut einkehren kann. Vorbei an alten Bauernhöfen, deren Geschichte auf Tafeln erklärt wird - so findet man auch das Geburtshaus der Brüder Johann Baptist (Maler) und Dominikus (Baumeister) Zimmermann, der bedeutendsten Rokokokünstler, - gehen wir steil ins Schlittbachtal hinunter und genauso steil wieder hoch, bis wir über Pürschlehen, Guggenberg und St. Leonhard den Weiler Linden mit seiner uralten Linde und dem darin eingelassenen Marienbild erreichen. Über den Schwabhof geht es in den großen Wald, lange geradeaus, dann links nach Hohenpeißenberg (den Berg sparen wir uns, da wir sowieso nichts sehen können). Ewig lang latschen wir die Hauptstraße entlang, an der Sparkasse dann rechts die Bahnhofstraße hinunter zum "Bahnhof", von wo stündlich um .38 Uhr ein Zug nach Schongau fährt. Da die "Alte Post" geschlossen hat, nächtigen wir in der "Blauen Traube" (www.hotel-blaue-traube.de) und feiern Silvester in "Schauga", wie Schongau im Dialekt heißt.

 

4. Tag, 1.1.2004

Mit dem Zug (stündlich um .02) fahren wir nach Peiting Ost, am Bahnhof rechts bis zur Kreuzung, hier links, dann in die Zugspitzstraße, immer dem k nach, vorbei an der großen Spanplattenfabrik, unter der B472 durch bis zum Parkplatz am Waldrand oberhalb der Ammerschlucht. Hier rechts in den Wald. Wir sind die ersten nach dem Neuschnee, und entsprechend anstrengend ist das Spuren im Neuschnee. Aber der schöne Weg entschädigt für alle Mühen: Hangquellen, Kalktuffbildungen in allen Formen und Stadien, Baumgestalten, Ausblicke ins tief eingeschnittene Tal, Brücklein, Treppen, Felsen ... Ohne Stöcke wäre dieser Weg gefährlich! Dann sind wir unten an der Ammer, die dieses Naturwunder geschaffen hat. Bald führt der Weg steil rechts hoch, vorbei am Hof Schweinberg, kurz darauf links an den Waldrand und hier immer an der Hangkante unter dem weit ausladenden Dach der Bäume , kurz abwärts, zwischen zwei Fischteichen hindurch, kurz hoch, durch ein halb verfallenes Tor - und wir stehen im Hof des Klosters Rottenbuch. Die Rokokokirche ist eine Überraschung, vor allem was die Größe der Kirche und den Reichtum der Ausstattung anbelangt. Gleich daneben Einkehr im Gasthaus zum Koch (08867-921195). Danach queren wir die B23 und gehen gleich schräg links durch den Ort, über Solder und Kreitfilz zur Straße, der wir nach Wildsteig folgen. Nach der obligatorischen Barockkirche stürmen wir auf den Rat der Haushälterin des Pfarrers den Gasthof zur Post (franz.bertl@t-online.de, 08867-221) mit ausgezeichneter bayerischer Spezialitätenküche und schönen Zimmern. Der Abend bietet uns Einblicke in das oberbayerische Wirtshausleben, verschönt durch den harten Kern der Musikkapelle Wildsteig.

 

5. Tag, 2.1.2004

Wir folgen dem Wiesweg über Schwarzenbach zur Wieskirche, treffen dort den Wildsteiger Pfarrer und seine Haushälterin, ertragen den Touristenrummel, setzen unseren wunderschönen Weg durch die tief verschneite Winterlandschaft fort über die Höfe Resle und Schober, biegen vor Oberreithen links ab, nach der Überquerung der Trauchgauer Ach wieder rechts, am Keltenberg Hainzenbichl vorbei - und schon weist uns ein Schild nach links (600 m) hoch zur Trauchgauer Almstube (08368-348, Mo Ruhetag), die uns von der Musikkapelle Wildsteig wärmstens zur Einkehr empfohlen wurde, zu Recht, wie wir feststellen: Die Portionen sind doppelt so groß wie normal, und das bei guter Qualität. Wieder runter zum Luggiweg, nach Trauchgau hinein, vor der Kirche links ab auf den Feldweg, der an der Talstation des Skilifts Halblech vorbeiführt, weiter zum Bruckschmid und nach Buching, wo wir noch Zeit haben, Bekannte zu besuchen. Quartier finden wir im Hotel Bannwaldsee (www.bannwaldseehotel.de) .

 

6. Tag, 3.1.2004

Geräumte Feldwege führen uns parallel zur B17, teils weiter entfernt, teils zwischen Bannwaldsee und Straße zum Campingplatz Bannwaldsee. Nach dem Campingplatz gehen wir rechts am Zaun entlang bis zum Bach, hier wieder links am Bach entlang, bis wir bei Mühlberg die B17 und die Mühlberger Ach überqueren. Am Lußbach entlang gehen wir nach Hohenschwangau. Der Aufstieg durch die Pöllatschlucht ist leider gesperrt, so gehen wir vom Parkplatz vor dem Sportplatz aus hinauf nach Neuschwanstein, ergötzen uns an der Vielfalt der Menschen und ihrer Bekleidung - der Gipfel war eine Japanerin in Stöckelschuhen im Schnee! Einkehr im Schlossrestaurant Neuschwanstein (08362-81110). Anschließend auf dem Fahrweg runter und rüber zum Schloss Hohenschwangau. Auf dem Sattel auf halbem Weg zum Schloss Hohenschwangau links ab und auf dem sehr schönen Alpenrosenweg hoch über dem Schwansee zum Lechfall oder direkt nach Füssen. Mit der Bahn erfolgt die Rückfahrt nach/über Augsburg oder München. Für Westdeutsche und Baden-Württemberger ist die Rückfahrt mit dem Bus zum Bahnhof Pfronten-Ried und weiter über Kempten und Ulm kostengünstiger und schneller.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 13 - April 2004

 

 

Themenwanderweg Kultur

 

Gewandert von Willi und Helga Großkopf, Stuttgart, 

vom 17. bis 20. September 2002

 

Dieser Wanderweg wurde im unteren Bayerischen Wald vor etwa 2 Jahren von den Haidelgemeinden Hunterschmiedung, Grainet, Philippsreut, Haidmühle und Neureichenau neu eingerichtet und verläuft in der Ungebung der Bayerwaldberge „Dreisessel“ und „Haidel“. Seine Gesamtlänge beträgt 130 km, dabei sind jedoch mehrere Rundwanderwege eingerechnet, die man aber nicht alle unbedingt gehen muß, sondern man kann auch eine große Ringtour mit weniger Kilometern wandern.

 

Mit „Kultur“ sind in diesem ländlichen Gebiet – das zwar mit viel Wald, aber nie mit Reichtümern gesegnet war – Bildstöcke (Marterln), Kapellen und Dorfkirchen gemeint, die man am Wege findet. Abgesehen davon kann man als Wanderer vor allem die schöne Landschaft des Bayerischen Waldes eingehend kennen lernen.

 

Dieser Weg ist von Dr. med. Peter Dillinger, Freyung, in einem Taschenbuch beschrieben und schön bebildert worden; darin sind auch Landschaftsbeschreibungen und Geschichtsdaten angegeben, sowie Wegeskizzen gezeichnet, die aber nicht sehr detailliert sind. Der Herausgeber dieses Büchleins ist die ARGE Haidelgemeinden, Rathaus – Obere Hauptstr. 21, 94143 Grainet, Tel.: 08585/9600-30. Der Ansprechpartner ist dort Herr Fuchs. Eine spezielle Wanderkarte mit eingezeichnetem Wegverlauf gab es leider noch nicht und so haben wir uns auf die Markierung (weiß-violettes Quadrat mit Kirchturm) und auf eine erhältliche, regionale Fritsch-Wanderkarte verlassen. Soviel zu den Vorbereitungen.

 

Unsere Wanderung begann in Haidmühle und wir wollten im Uhrzeigersinn die o.g. Haidelgemeinden erreichen. Schon in Neureichenau mussten wir aber feststellen, dass die Markierung dort aufhörte; dies wurde uns auch vom dortigen Fremdenverkehrsbüro bestätigt. Zuständig für die Markierung sind die beteiligten Gemeinden, jedoch nicht alle haben sie schon vorgenommen.

 

Wir änderten deshalb unsere Tour und gingen nicht –wie geplant- über Gsenget, Klafferstraß usw., sondern marschierten in Richtung Grainet. Im weiteren Wegverlauf mussten wir wiederholt feststellen, dass die Markierung lückenhaft war oder z.T. ganz fehlte; relativ gut war sie in den Ortsbereichen Haidmühle, Altreichenau, Gschwendet, Herzogsreut und Philippsreut. Wir haben uns also an deren, örtlichen Markierungen unserer Regionalwanderkarte orientiert und uns den Weg gesucht; dadurch bekam der Untertitel „Spurensuche“ des Wanderwegs eine zusätzliche Bedeutung!

 

Unsere Route führte uns also von Haidmühle über Neureichenau, Altreichenau, Grainet, Herzogsreut, Philippsreut und wieder zum Ausgangspunkt zurück. Diese Strecke beträgt etwa 60 km und umfasst die Hälfte des Gesamtweges.

 

Der Weg führte uns durch ausgedehnte, stille Wälder und immer wieder zu Aussichtspunkten auf die schöne Hügellandschaft des Bayerischen Waldgebirges. Wir sahen verlassene Dorfplätze am Säumerweg „Goldener Steig“ nach Böhmen wie Schwendreut und Leopoldsreut, die erst Mitte des vorletzten Jahrhunderts von den Bewohnern aufgegeben wurden und wo jetzt noch eine neu renovierte Kapelle bzw. Kirche steht. Man fragt sich nachdenklich, wie die Leute dort in der rauen Waldlandschaft in über 1000 m Höhe ihr karges Dasein gefristet haben?

 

Wir selbst konnten uns an der typischen „Bayerischen Waldesruh“ erfreuen.

 

Anzumerken ist noch, dass insgesamt nur mäßige Anstiege zu bewältigen waren.Da wir auch mit dem Wetter Glück hatten, war es schlussendlich eine schöne Wanderung.

 

Wermutstropfen waren nur die lückenhafte Markierung, die fehlende spezielle Wanderkarte, sowie die häufig geschotterten Waldwege bzw. asphaltierten Sträßchen.

 

Unterkünfte waren um diese Jahreszeit in allen Orten zu bekommen und wir konnten sie aus dem jeweiligen Ferienangeboten aussuchen. Besonders empfehlen möchten wir diesbezüglich:

 

Pension Kollern, Obere Hauptstr. 3, 94143 Grainet, Tel.: 08585/259 und Restaurant Forellenhof, Fam. Schrottenbaum, Hauptstr. 27, 94158 Philippsreut, Tel.: 08550/1338.

 

Nach unserer Rückkehr haben wir Herrn Fuchs von der ARGE in Grainet telefonisch über unsere Erlebnisse – insbesondere die Markierungslücken – informiert. Er sagte zu, dies bei den zuständigen Gemeinden zu reklamieren und überraschte uns mit der Neuigkeit, dass soeben die spezielle Wanderkarte für diesen Weg herausgekommen ist, die er uns auch sofort zuschickte.

 

Die Karte heißt:

 

Offizielle Wanderkarte 1: 50.000, 1. Auflage Landkreis Freyung – Grafenau, € 6,55

Herausgeber: Studio für Landkartentechnik, Dipl.-Ing. Detlev Maiwald,

Gutenbergring 36, 22848 Norderstedt, Tel.: 040/5324046.

Diese Karte kann man auch unter der o.g. Adresse von der ARGE in Grainet erwerben.

 

Damit ausgestattet kann der interessierte Wanderer einzelne Rundwege oder die große Rundtour des „Themenwanderwegs Kultur“ selbst auswählen und leichter finden, und wir können diesen Weg jetzt ohne Einschränkung empfehlen.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 11 - August 2003

 

 

Runde Hauptstadt -

 66 Seen erwandert man auf einem Weg um Berlin herum

 

Von Dr. Roland H. Knauer 

 

Die Sonne funkelt zwischen im Wasser modernden Baumstümpfen. Vertrocknetes Schilf wiegt sich raschelnd im Wind, der sanft durch die Bäume streicht. Viele Spaziergänger schlendern auf sandigem Weg an diesem Idyll vorbei, an einem Forsthaus mit Gastwirtschaft auf einer Lichtung findet sich kein freier Tisch mehr. Später aber verlieren sich an diesem Feiertag die Menschenmassen und der Weg zu den 66 Seen rund um Berlin wird wieder so einsam, wie er meist ist. Von einem See ist allerdings vorerst auf der Etappe zwischen Birkenwerder und Wandlitz im Norden der Bundeshauptstadt nichts zu sehen. Der Sumpf wird vom Bach Briese abgelöst, der sich zwischen glatten Buchenstämmen durchschlängelt. Enten schwimmen auf dem Wasser, Kolkraben rufen über den Kronen.

 

Abgesehen von den vielen Menschen, die man an wenigen Stellen wie in der Weltkulturerbe-Stadt Potsdam trifft, vergisst der Wanderer auf diesem Rundweg rund um Berlin sehr schnell, dass er sich nur wenige Kilometer außerhalb der einzigen Metropole Deutschlands befindet.

 

In vierzehn Etappen führt dieser Weg einmal um die Bundeshauptstadt und zeigt dem Wanderer so ungefähr alle Landschaften, die das Land Brandenburg zu bieten hat: Märkische Heide und märkischer Sand, dunkle Kiefernwälder, uralte Eichen, Birkenalleen, Sümpfe, Wiesen und Äcker. Mit ein wenig Glück sichtet man Spechte, Eichelhäher, Bussarde, Milane, Falken, Haubentaucher und Graureiher. Im Frühjahr und Sommer klappern die Störche in der Mark Brandenburg und während des Vogelzugs im Frühjahr und Herbst rasten Wildgänse und Kraniche in und an den Seen.

 

Soviel Natur vermutet kaum jemand in der unmittelbaren Umgebung einer Millionenstadt. Durch die deutsche Teilung aber ging die Verstädterung des Umlandes an Berlin mit wenigen Ausnahmen weitgehend vorbei. Im Gegenteil, in manchen Dörfern scheint die Zeit bereits vor hundert Jahren stehen geblieben. Der Wanderer taucht in eine Vergangenheit, in der irgendwo zwischen deutschem Reich und DDR die Uhr stehen geblieben ist. Bröckelnder Putz an mancher braunen Fassade gibt so manchem Dorf eine Würde, die andernorts längst Wettbewerben unter dem Motto „Unser Dorf muss schöner werden" geopfert wurde.

 

Ganz eigen wirkt zum Beispiel Wandlitz: Obwohl der abgeschottete Wohnbezirk der DDR-Größen „Waldsiedlung Wandlitz" ein ganzes Stück abseits der Wanderung liegt und längst in eine Reha-Klinik umgewandelt wurde, atmet das Seeufer vielleicht am deutlichsten die Atmosphäre, die nach der Wende in den östlichen Bundesländern das Klima bestimmt. Datschen neben einfachen Ein- und Zweifamilienhäusern im althergebrachten Braunputz wechseln sich mit pompösen Prunkvillen, die anscheinend besser mit Alarmanlagen gesichert sind als die legendären US-Goldreserven in Fort Knox. Und zwischen diesen Vermögensanlagen auf Seegrundstück blättert der Putz von den Häusern der Alteingesessenen.

 

Samt dem Bahnhofs-Ensemble im Bauhausstil ist Wandlitz eine Sehenswürdigkeit, die der Wanderer so quasi am Wegesrand einfach „mitnimmt".

 

Niemand wird übrigens die 14 Etappen rund um Berlin in einer Tour unter die Wanderstiefel nehmen. Sind doch alle Ausgangs- und Endpunkte der einzelnen Wegstrecken selten im Zweistundentakt, meist aber im Stunden- oder gar im Zehn-Minuten-Takt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Wer auf Dienstreise in Berlin ein Wochenende anhängt, kann also leicht die eine oder andere Etappe zwischen den 66 Seen genießen und dabei eine Gegend kennen lernen, die in Deutschland einmalig ist.

 

Offizieller Startpunkt für die 373 Kilometer lange Rundwanderung ist der Touristenrummel Potsdams um die Schlösser Sanssouci und Cecilienhof. Bald aber erreicht man aus der quirlig-behäbigen Hauptstadt des Bundeslandes Brandenburg die Einsamkeit der Mark Brandenburg - und hat bereits die ersten fünf Seen nach einer halben Etappe fotografiert. Wie der Name es bereits andeutet, geben vor allem die Gewässer der 66-Seen-Wanderung ihren besonderen Reiz. Dorfteiche und Fischweiher sind dabei noch gar nicht mit gezählt. Vom Entwässerungsgraben bis zum Kanal für große Schiffe reicht die Palette der künstlichen Gewässer, an denen man entlang schlendert. Stundenlang folgt man Bächen wie der Briese oder der behäbigen Havel.

 

Je nach Wochentag flitzen Sportboote oder tuckern schwere Lastkähne über das glatte Wasser, immer wieder schreckt der Wanderer Enten auf. Hohe Pappeln spiegeln sich im glatten Wasser, der Wind rauscht durch das Herbstlaub, übertönt aber nicht das Gezwitscher der Vögel. Manchmal endet der Weg in gigantischen Sand- oder Schutthaufen - ein Zeichen für die lebhafte Baukonjunktur im Umland von Berlin. Nur mit Mühe und geschickten Balance-Übungen am Ufer eines Kanals kommt man weiter, stößt aber bald wieder auf den alten Weg. Der wiederum ist manchmal eher wild und verwachsen als romantisch und bequem. Aber meist ist es ein gemütliches Wandern zu den 66 Seen.

 

Sattrot spiegelt sich dann wieder das Herbstlaub in einem der unzähligen Gewässer, an denen der Wanderer vorbei kommt. Einsame Häuschen ducken sich unter dem Laub ans Ufer. Dann taucht der Pfad wieder in einen der typischen Mischwälder ein, in denen sich Eichen, Buchen, Birken und Kiefern der Sonne entgegen strecken. Ein schneeweißer Schwan treibt einsam über fast schwarzes Wasser, am Ufer zittern Angler frierend im kalten Herbstwind. Die seltenen Krebsscheren strecken ihre Agaven-ähnlichen Blätter unter Wasser dem Licht entgegen, Schafe weiden daneben auf einer kargen, märkischen Wiese. Und in der Ferne blinkt schon das Wasser des nächsten der 66 Seen.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 10 - April 2003

 

 

Wanderbericht - Der Europäische Ferwanderweg 9

in Mecklenburg-Vorpommern - Ein Flop!

Die Verantwortlichen vor Ort favorisieren die Radfahrer.

 

Von Lutz Heidemann

 

Seit einigen Jahren weist die Deutsche Generalkarte, obwohl in dem groben Maßstab von 1: 200000, doch wie sich zeigte mit ausreichender Präzision, einen durchgehenden Wanderweg entlang der deutschen Ostseeküste aus, der als E 9 Teil einer Verbindung von der französischen Atlantikküste bis Danzig ist und zum Europäischen Fernwegenetz gehört. Dieser Fernwanderweg war auch auf den Übersichtskarten der Europäischen Wandervereinigung zur Sternwanderung vom Sommer 2001 („EuroRando“) enthalten. Man konnte daraus den Schluss ziehen, er müsste auch in der Örtlichkeit existieren.

 

Uns reizte dieser Teil Deutschlands. Wir wollten die Natur und auch die kleineren und größeren historischen Küstenstädte und die dort geleistete Wiederherstellungsarbeit kennen lernen. Meine Frau und ich waren nicht zum ersten Mal in Mecklenburg-Vorpommern; 1998 sind wir auf unterschiedlich markierten Wegen in zehn Tagen über 300 km von Wismar bis Neubrandenburg gewandert, aber die Küste hatten wir damals nicht gesehen. So machten wir uns im August 2002 auf den Weg.

 

Ich hatte wieder eine zehntägige Tour vorbereitet. Wir starteten in Altbuckow östlich von Wismar und erreichten nach ca. 270 km am 10. Tag Wolgast. Die Rahmenbedingungen waren gut. Bis auf einen Regentag am Anfang war bestes Sommerwetter. Trotzdem gab es einiges auszusetzen, zumindest kann ich die Tour nicht uneingeschränkt empfehlen.

 

Als wir wieder nach Hause gekommen waren, war inzwischen die Internet-Seite

www.wanderbares-deutschland.de“ des Deutschen Wanderverbandes installiert worden. Die Etappen, die wir gewählt hatten, waren nahezu identisch mit den dortigen Angaben. In der generellen Routen-Charakterisierung heißt es u.a.: „Auf naturnahen Pfaden entlang der Ostsee-Küste genießt man den Anblick reizvoller Seebäder, die einst aus Fischerdörfern entstanden [sind]...“. Die Seebäder mit ihrer Wilhelminischen Architektur kann man reizvoll finden, das ist Geschmackssache und ein „weites Feld“, doch von naturnahen Pfaden konnte nur sehr eingeschränkt die Rede sein, denn weit überwiegend werden die Wanderer über breite befestigte Radwegen geführt.

 

Besonders krass waren die Verhältnisse auf dem Abschnitt Kühlungsborn - Zingst, also dem Teil, der direkt an der offenen Küste lag. Dort waren die Radwege perfekt ausgebaut oder standen kurz vor der Vollendung. Da war viel Geld verbaut und noch stolz das Etikett „Europäischer Fernwanderweg“ auf dem Bauschild ange-bracht worden. Pulks von Radfahrern, die z.T. nur an ihre Badeplätze gelangen wollten, zogen an uns vorbei. Wir fühlten uns neben ihnen als „Menschen zweiter Klasse“. Radfahren hat sich inzwischen zu einem Gruppensport entwickelt, im sympathischsten Fall zu einer Familienausflugs-Angelegenheit.

 

Entweder mit Faszination oder als eine besondere Perfidie konnten wir die an uns vorüberziehende Inline-Scater auffassen. Allein oder in Gruppen huschten elegante junge Menschen vorbei. Verleiher für die Geräte dieser Trendsportart hatten sich an den Ortsausgängen niedergelassen. Mit Rucksack „sieht man da alt aus“ und sucht sich leicht stolpernd seinen Weg am Fuß des Dammes. Oft sind wir dann direkt ans Wasser ausgewichen und über den feuchten Sand gelaufen, doch auch da mit unseren Teleskop-Wanderstöcken merkwürdig betrachtet von den meist sehr spärlich bekleideten Badegästen. Später dann von Barth bis Greifswald ist die Küste überwiegend verschilft; dort geht es ruhiger zu. Hier hatten wir reizvolle Ausblicke auf den Bodden und den Strelasund. Die Kirchtürme sah man näherkommen oder langsam verschwinden. Später querten wir größere Waldstücke.

 

Kann man der Grobtrassierung voll zustimmen, müsste im Detail an der Wegeführung noch manches verbessert werden. Muss man zum Beispiel hinter Warnemünde solange auf der Straße gehen? Kann nicht im Bereich Heiligendamm ein Fußweg, als bescheidener Trampelpfad, parallel zum Radweg markiert werden? Können nicht die Fußgänger westlich von Kinnbackenhagen auf dem Deich direkt nach Wendisch-Langendorf gehen? Dass die Radfahrer aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgehalten werden sollen, verstehe ich ja. Kurz vor Barhöft scheint der direkte Weg weggepflügt worden sein. So gäbe es viele kleine Verbesserungsmöglichkeiten.

 

Sehr mangelhaft war die Markierung. Das Grundzeichen ist ein blauer Balken auf weißem Grund. Bei der Markierung und den Wegweisern fanden wir keinen einzigen kein Hinweis darauf, auf einem Europäischen Fernwanderweg zu sein. Vielleicht wäre eine Lösung, so wie in Slowenien, bei der Überlagerung eines nationalen mit einem internationalem Weg, angebracht, dass jede fünfte oder zehnte blau-weiße Markierung den Zusatz E 9 erhält, denn auch abzweigende Wege scheinen so markiert zu sein. Auf dem Abschnitt hinter Barth fehlten die Markierungen; es gab nur Hinweise auf lokale Wegstücke.

 

Das Herein- und Herausführen aus Stralsund war problematisch. Nördlich und östlich der Stadt sind Uferabschnitte durch öffentliche und halbprivate Nutzer unzugänglich. Hier Abhilfe zu schaffen, im Extremfall über Stege im Wasser mit Einblicksmöglichkeiten in den Betrieb eines Hafens oder einer Werft, kann viel Geld kosten, bedeutet aber für Bevölkerung wie Besucher ein Zugewinn an Stadtqualität.

 

Beim Weg aus Stralsund heraus tauchten erst weit draußen erste Markierungen auf und lenkten uns in Richtung Justizvollzugsanstalt, aber dann kamen wir in eine Sackgasse. Wenig später wurden wir auf einem Betonplattenweg, der zugleich Zufahrtsweg für die Lkws einer Müll-Deponie war, geführt. Den Verantwortlichen für die Trassenführung auf dem Abschnitt Greifswald—Wolgast nehme ich es persönlich übel, dass wir hinter Eldena bis Friedrichshagen entlang einer starkbefahrenen Bundesstraße und später auf einer Asphaltstraße bis Großschönweide gehen mussten, wogegen ruhige und sogar granitgepflasterte Wege im angrenzenden Wald existieren. Man kann es auch merkwürdig finden, dass ein Europäischer Fernwanderweg eine kulturelle Besonderheit wie das ehemalige Zisterzienser-Kloster Doberan so schnöde links liegen lässt. Wenigstens eine Wegevariante über Doberan sollte entwickelt werden.

 

Andere Weitwanderer haben wir nicht getroffen. In den Hotels wurden wir bestaunt. Auf unseren Hinweis, dass die Strecke für Wanderer Mängel hätte, bekamen wir einmal die Antwort, das hätten auch schon andere Gäste gesagt. Die Verantwortlichen müssen sich entscheiden, ob sie Wanderer wollen und ihnen dann eine adäquate Wegeführung anbieten.

 

Doch ich will versöhnlich schließen, wir haben uns erfolgreich durchgeschlagen; letztlich war es eine schöne Tour und Wanderer sind ja „hart im Nehmen“. Die Luft tat uns gut; die wechselnde Landschaft zog uns weiter; die Menschen, die wir ansprachen, waren freundlich und hilfsbereit. Stoff zum Nachdenken über das heutige Aussehen des durchwanderten Gebietes, die Formung von Landschaft in der Eiszeit und das immerwährende Verändern der Küsten gab es genug.

 

Wer unsere Tour im Detail nachvollziehen will, hier noch einmal die Etappen:

 

1.   Wandertag: Pepelow bis Kühlungsborn-Ost, viele Hotels 28 km

2.   Wandertag: bis Warnemünde, viele Hotels 24 km

3.   Wandertag: bis Wustrow (32 km) oder Ahrenshoop 31 km

4.   Wandertag: bis Prerow (26 km) oder Zingst 30 km

5.   Wandertag: bis Barth, Hotel „Speicher“ 038231/63-300 24 km

6.   Wandertag: bis Barhöft, „Hotel Seeblick“ 038323/ 4500 36 km

7.   Wandertag: bis Stralsund, viele Hotels 17 km

8.   Wandertag: bis Reinberg 27 km  Oberhinrichshagen

      Hotel Borgwarthof 038328/ 8650

9.   Wandertag: bis Greifswald, viele Hotels 30 km

10. Wandertag: bis Wolgast, 38 km Hotel Peenebrücke,

      Burgstr.2 03836/ 27260

 

      Rückfahrt zum Auto

 

Wir sind dann noch mit dem Auto durch die kleineren und größeren Städte von Ostmecklenburg und Vorpommern gefahren und haben viele backsteingotischen Kirchen und bescheidenen oder prächtigeren Bürgerhäusern betrachtet, die reichen Museen und Galerien besucht und uns an den umfangreichen Renovierungen erfreut.

 

Als eine Alternative zu einer Küstenwanderung unser Weg im Jahr 1998:

 

1.   Wandertag: Wismar bis Wickendorf nördl. von Schwerin

      (Seehotel Frankenhorst 0385/555071) 31 km

2.   Wandertag: durch Stadt Schwerin bis Leezen

      (Hotel Leezen 03866/4050) 25 km

3.   Wandertag: bis Sternberg 30 km

4.   Wandertag: bis Güstrow 38 km

5.   Wandertag: nachmittags bis Krakow am See 22 km

6.   Wandertag: bis Malchow über Nossentiner Heide 33 km

7.   Wandertag: bis Waren 28 km

8.   Wandertag: bis Boek 22 km

9.   Wandertag: bis Neustrelitz 29 km

10. Wandertag: bis Prillwitz 19 km

11. Wandertag: bis Neubrandenburg 17 km

 

      und nachmittags mit Bahn zurück nach Wismar.

 

Es stellte sich damals heraus, dass die „Kompass-Karten“ recht brauchbar waren. Im Nationalpark Müritz benutzten wir die von ihm herausgegebene Karte. Auch damals wurden wir an einigen Etappen, z.B. Sternberg—Güstrow über befestigte Wege geführt, doch insgesamt trat dieses Problem nicht in der Schärfe wie bei dem Küstenweg auf. Nun stellte ich fest, dass inzwischen größere Abschnitte unserer damaligen Tour unter dem Begriff E 9a firmieren.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 8 - Oktober 2002

 

 

Wandern auf dem neuen Rheinsteig –

 

Lutz Heidemann berichtet von den Erfahrungen mit dem neuen Premiumweg und macht eine kritische Analyse der Rheinsteig-Wanderführer

Ein Bericht aus Nr.19 von „Wege und Ziele“, der Zeitschrift von „Netzwerk Weitwandern“

 

Wandern „auf hohem Niveau“ – 

Erfahrungen vom neuen Rheinsteig

 

Von Lutz Heidemann

 

Im Oktober 2005 sind meine Frau und ich sechs Tage auf dem Rheinsteig unterwegs gewesen. Wir waren anschließend voll des Lobes. Das durchwanderte Gebiet ist keine unproblematische Gegend; es ist unzweifelhaft schön, aber auch mit Vorurteilen verschiedenster Art belastet. Zu diesem problematischen Erbe gehört der „Geist“ des 19. Jahrhunderts mit seiner Burgenromantik und nationalen Tönen vom „deutschen Fluß, der nicht Deutschlands Grenze“ sei. Aber ich weiß, auch Engländer haben an der Entstehung des in den Köpfen verankerten Bildes von heroischer Landschaft und Rheinidyllen mitgewirkt. Selbst auf Franzosen wie Victor Hugo oder Rimbaud hat der Fluß faszinierend gewirkt, und in Japan scheint die Loreley noch populärer als in Deutschland zu sein. So ist eine Rheinwanderung keine Expedition in ein Neuland; am Rhein ist schon lange vor uns gewandert worden und es existiert ein dichtes Wegenetz. Kann man also heute am Rhein noch etwas entdecken? Man kann.

 

Der neue „Rheinsteig“ ist den Wanderinnen und Wandern im September 2005 offiziell übergeben worden. Die Planungsvorbereitungen und die Umsetzung in der Örtlichkeit haben mehrere Jahre gedauert. Die Trasse konnte schon 2004 aus dem Internet heruntergeladen werden. Doch 8000 Schilder anzubringen dauert seine Zeit. An einigen Stellen werkelten im Herbst 2005 noch Handwerker an Geländern und Brücken. Die Grundausstattung aus hergerichteten Wegen, einer perfekten Beschilderung, einer Faltkarte, zwei Führern (einer in Nord-Süd-, der andere in Süd-Nord-Richtung) und einem Unterkunftsverzeichnis liegt vor. Auch die Medien-Trommel ist schon fleißig gerührt worden.

 

Der Weg und seine Aufbereitung hat ein Vorbild: den Rothaarsteig im Sauerland. Wie beim Rothaarsteig ging die Initiative von den Fremdenverkehrsverantwortlichen und staatlich-halbstaatlichen Stellen aus. Bei beiden Wegen gab es hohen Koordinierungsaufwand, nicht zuletzt, weil jedesmal der Weg über mehrere Bundesländer geht. Beide Wege haben gleiche „geistige Väter“; eine wichtige Rolle spielte der Marburger Professor Rainer Brämer und das von ihm geleitete Deutsche Wanderinstitut. Der von Brämer und seinen Mitarbeitern konzipierte und formalisierte Qualitätsstandard führte zu dem Etikett „Premiumweg“, das der Rheinsteig auch nach meiner „unsystematischen“ Einschätzung verdient hat. Sprachlich wird noch eins zugelegt; der Weg wird verkauft mit dem Slogan „Wandern auf hohem Niveau“.

 

Der Rheinsteig reicht von Bonn bis Wiesbaden; er bleibt nur auf der rechten Rheinseite. Wie beim Rothaarsteig gibt es ein „Rückgrat“, den Hauptweg, und dazu die auch etwas anders markierten „Zubringerwege“. Das erlaubt das Zusammenstellen von individuellen Touren und ist hilfreich für Tagesausflügler. Besonders die Bahnhöfe im Tal, ebenso die Schiffsanlegestellen oder große Parkplätze in Dörfern auf der Hochebene sind Ausgangspunkte der Zubringerwege.

 

Der Weg ist vielseitig. Er ist deutlich für Wanderer trassiert, so trafen wir auch kaum Mountainbiker. Der Weg fordert die Wanderer; er hat viele Steigungen. Die Überwindung von 800 Höhenmetern pro Tag ist normal, bei der Etappe Ehrenbreitstein Braubach standen 1200 m an. Ein bayerischer Wanderer, den wir unterwegs trafen, lobte Weg und fand ihn sogar anstrengend. Der Weg ist nahezu perfekt markiert, aber es heißt aufpassen. Es ist kein Weg zum Dahintrotteln, das ist nicht angesagt oder man hat leicht die ins Grüne abgebogene Fortsetzung verpaßt. Wenn wir vom Rheinsteig abkamen, geschah das immer dann, wenn der alte mit einem „R“ gekennzeichnete und meist „gerade“ verlaufende Rheinhöhenweg“ in eine befestigte Ortsstraße überging, der Rheinsteig dagegen fast unbemerkt sich „seitlich in die Büsche schlug“.