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Zuletzt aktualisiert am: 28.12.11 |
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W a n d e r b e r i c h t e - D ä n e m a r k
Inhaltsverzeichnis: • Jütland von unten nach oben Von Werner Hohn
Auf dem Europäischen Fernwanderweg E1 durch Dänemark
Von Werner Hohn
Drei Fehler haben wir gemacht als wir im Herbst 2007 zu Fuß durch Jütland, das dänische Festland, gewandert sind. Wir hatten einen Sprachführer im Rucksack, den wir nicht gebraucht haben; wir hatten das Tempo etwas schleifen lassen, und haben deshalb nicht unser vorgesehenes Ziel erreicht, obwohl wir 3 Etappen mit der Bahn überbrückt haben; und schlussendlich sind wir in die falsche Richtung gewandert. Letzteres war dann doch nicht so schlimm. Vermutlich wären wir andersrum aber schneller gewesen. Und „unten rum“, also in Richtung Deutschland, ist es nicht so tragisch, wenn man Jütland abkürzt.
Aber sonst? Dänemark steckte für uns voller Überraschungen: Planung, Wanderkarten, Wege, Markierung, Übernachtung, Sprache, einfach alles. Dänemark hat keinen Stress gemacht. Meine Frau und ich sind Südmenschen. Unser ganz persönlicher Polarkreis begann immer schon kurz hinter Flensburg. Dahinter ist der Norden. Nass, kalt, zugig, dunkel und teuer. Wenn wir da nicht hin müssen, dann lassen wir das.
Und dann klickt man sich aus Langeweile durch die Internetseiten vom Netzwerk Weitwandern, verirrt sich und ehe man sich versieht, wird man auf die Seiten des DVL –Dansk Vandrelaug (dän. Wanderverband, oder so) weitergeleitet. Und was schreiben die da? Der Verlauf des E1 durchs Land stehe endlich fest und sei nun komplett markiert. Der fängt seit 2006 nicht mehr mitten im Land, in Viborg am Heerweg, an, der Fährhafen Grenå an der Ostseeküste ist seit 2006 der Startpunkt der dänischen Teilstrecke. Das war’s, mehr brauchte es nicht, um unseren Polarkreis weiter nach Norden zu verschieben.
Ein paar Klicks später spuckte der Drucker die Wanderkarten aus. Das, was noch fehlte, lieferte der Dansk Vandrelaug nach ein paar freundlichen E-Mails in den heimischen Briefkasten. Per Mail gab es noch ein paar Tipps, wo wir was im Netz finden würden, garniert mit dem Hinweis, dass es auf einigen Abschnitten des Heerwegs sehr einsam sein soll und wir uns deshalb, wenn wir kein Zelt dabei hätten, auf ein paar lange Etappen einstellen sollten. Gut, das sollte kein Problem sein.
Kostenpunkt für die Wanderkarten der gut 320 Kilometer Wanderstrecke: Nix, wenn man bereit ist, nach Ausdrucken und Flyern zu wandern. Um mal vorzugreifen. Mehr braucht es wirklich nicht, und so viel mehr gibt es auch nicht an Kartenmaterial.
Ende September Anfang Oktober wollten wir von Norden nach Süden gehen, von Grenå bis nach Padborg an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Weil auf einigen Etappen die Frage der Übernachtung nicht ganz geklärt war, zudem liegen viele Camping- und primitive Zeltplätze am E1, steckte ein Zelt im Rucksack. Dazu, immerhin ist das ja Nordeuropa (!), dicke Schlafsäcke, warme Klamotten und besagter Sprachführer. Den braucht man wirklich nicht. Die paar Höflichkeitsfloskeln lernt man auch so, und für den Wanderalltag reicht Englisch allemal. Ganz unten im Süden kommt man für ein paar Wandertage sogar ganz gut mit Deutsch durch. Aber nur da, denn außerhalb der Touristenzentren, die der E1 jedoch nicht berührt, ist unser Idiom doch arg unbekannt. Aber wie schon gesagt, der Sprachführer blieb im Rucksack.
Der einzige wirkliche Fehler den wir uns geleistet haben, war, dass wir nicht im Norden in Grenå angefangen haben. Ursprünglich war das so geplant, aber ein paar Tage bevor es los gehen sollte, haben wir die Tour auf den Kopf gestellt. Nun also von Flensburg nach Norden, und das nur aus Gründen der bequemeren Anreise. Die Gehrichtung ist doch wurscht, oder? Über den Heerweg wollten wir Silkeborg erreichen, dort auf die Wanderroute Århus – Silkeborg (natürlich in Gegenrichtung) wechseln und die Schlussstrecke sollte die Molsroute sein. Alles in allem nichts anderes als der neue Verlauf des E1 im Land der Dänen.
Flensburg - Jelling
Ja, Flensburg die Stadt, an die so viele denken. Einige wegen der Punkte, andere wiederum wegen was anderem, und der E1 führt auch durch die Stadt. Mal wieder, und trotzdem immer wieder überraschend, wie gut die Wanderwege in Norddeutschland markiert sind. Wenn das die Dänen auch so halten, sollte es keine Probleme gehen. Die Dänen halten es so, sogar noch besser. Gut, der Übergang passt nicht ganz. Die Deutschen führen den E1 nach Kruså, die Dänen fangen in Padborg an. Man soll bis Padborg dem Gendarmisten folgen. Wir haben einen Radweg genommen und 2 Kilometer später waren wir auf dem dänischen E1. Blaue Schilder mit eindeutigen Richtungspfeilen an jedem Abzweig begrüßten uns. Schon nach wenigen Stunden waren wir uns sicher, dass das so bleiben wird, denn die sind ordentlich, die Dänen. Auch die aus dem Internet ausgedruckten Wanderkarten waren sehr gut zu gebrauchen. Wenn das so bleiben sollte, würde es einfach werden. Immer den blauen Schildern nach und hin und wieder ein Blick in die Karten, um sich einen Überblick zu verschaffen. Es sollte so bleiben. Einzig in den größeren Orten fehlte schon mal eine Markierung.
Natürlich fehlen die Weihnachtsbaumplantagen nicht. Um diese Jahreszeit trugen die meisten Bäumchen schon einen farbigen Zettel an ihrer Spitze, die in ein paar Wochen einem Rauschgoldengel Halt geben soll. Was hier im Wald steht, hat schon lange einen Käufer gefunden, meist in Deutschland.
Kleine Dörfer prägen Jütland, Dörfer, die sich um gedrungene weiße Kirchen mit mächtigen Kirchtürmen ducken. Große Dörfer mit ausufernden Randsiedlungen, die so geputzt, gestutzt, gradlinig, wohlgeordnet sind, dass man sich über einen Rasen freut, der dem Unkraut eine Chance lässt. Vor jedem dritten Haus weht der Danebrog, die Nationalflagge des Landes. Siedlungen, die glaubhaft machen, was der Reiseführer behauptet: „Das Aufziehen nichtskandinavischer Nationalflaggen, z. b. an Ferienhäusern, ist verboten und wird von der Polizei verfolgt.“ (Dumont, Dänemark). In diesen Siedlungen kann man sein Portemonnaie verlieren und beinahe sicher sein, dass es einen ehrlichen Finder geben wird. Manchmal aber ...
Vermutlich ist der Südjütländer der Italiener der Dänen.
Jedenfalls waren die bedeutend gesprächiger als die Menschen weiter oben im
Land.
Morgens trafen wir dann auch auf unsere Gastgeberin. Freundlich und überrascht, an uns hatte sie nicht mehr gedacht, gab es heißen Kaffee und eine wortreiche Führung durchs Wohnhaus. Klassisches dänisches Design aus der Nachkriegszeit. Schlicht, funktional und hell. Sieh an, eine Augenweide von einem alten dänischen Bauernhaus, und das nicht nur von außen.
Für den Mitarbeiter der Touristeninformation (gleichzeitig Campingplatz) in Vojens waren wir wohl nicht nur eine willkommene Abwechslung im einsamen Büro. Wortreich wurden wir über Urlaub in Dänemark informiert, immerhin hatte der das komplette Land in seinen Prospektregalen liegen (haben alle großen Touriinfos) und über die Eigenheiten des Wanderns auf dem Heerweg auch noch.
Leider, so wurde uns später mehrfach bestätigt, haben wir damit den ursprünglichsten und einsamsten Abschnitt des Heerwegs verpasst.
Silkeborg – Skanderborg - Århus
Im Seenhochland zwischen Silkeborg und Skanderborg finden sich neben zahlreichen von Wäldern umschlungenen Seen, die höchsten „Berge“ Dänemarks. In den Wäldern verstecken sich die Top Ten der dänischen Hügelwelt. Und sie verstecken sich tatsächlich. Die Ecke da oben liegt eh schon 80 Meter überm Meer, da fallen die 173 Meter von Dänemarks höchster natürlicher Erhebung, des Yding Skovhøj, die der auch nur dank eines Grabhügels erreicht, nicht weiter auf. Für den E1 ist der Berg auch nicht so wichtig, denn er führt erst gar nicht auf dessen Gipfel. Dafür aber auf den Himmelbjerget der zwar nur 147 Meter schafft, dafür aber dank Schiffsanlegestelle, Aussichtsturm, Hotel und Gaststätte der beliebteste Hügel Dänemarks ist.
Die Strecke zwischen der lebendigen Kleinstadt Silkeborg und dem wunderbar verschlafenen Städtchen Skanderborg hatte was. Bäche und Seen, deren dunkles Wasser bei Sonnenlicht durch das Herbstlaub der Wälder blinkte. Trampelpfade, auch Waldwirtschaftswege durch Laub- und Nadelwälder. Am Ende eine alte Klosterruine, ein paar schöne Blicke über die dann offene Landschaft. Fast wie im Schwarzwald, meinte ein sichtlich stolzer Däne, der mal einen Blick in unseren Flyer werfen wollte. Nun ja, das ist vielleicht übertrieben, aber ein paar Ecken erinnerten für einen kurzen Moment tatsächlich an die offenen Hochflächen rund um den Schliffkopf - aber ohne dessen Fernsicht.
Jütlands Ostseerand – Ein bisschen Strand muss sein
Århus – Kalø Slotsruin (bei Rønde)
Rush Hour, richtigen dichten Gegenverkehr durften wir erleben, als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg aus der Stadt machten. Alle wollten in die Stadt, nur wir wollten raus. Alle, das waren Radfahrer, mehr Radfahrer als Autofahrer wollten ins Zentrum. Der E1 und dessen Markierung führt über Radwege nach Norden aus Århus raus. Ordentlich wie die Dänen nun mal sind, haben hier sogar die Radwege Mittelstreifen, Abbiegepfeile und durchgezogene Linien. Wenn, wie an diesem Morgen, der Radweg mehrere Spuren in eine Richtung hat, sind sogar Fahrspuren aufgezeichnet. Eine Autobahn in Miniformat. Das war der einzige Tag an dem wir auf eine nennenswerte Anzahl von Radfahrern getroffen sind.
Einen Teil der Mols Bjerge haben wir dann in Tageswanderungen erkundet. Berge sind’s keine, aber schöne Wege gibt’s da.
Kurzbeschreibungen von dänischen Weitwanderwegen finden Sie auf unserer Homepage unter:
Weitwanderwege - Kurzbeschreibungen und
Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 27 - Dezember 2008
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