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 am:   21.08.08

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W a n d e r b e r i c h t e  -  F r a n k r e i c h

 

 

Inhaltsverzeichnis:     Im Tiefen Süden der Vogesen

                                Von Thomas Striebig

                                 Königliche Wälder und himmelstürmende Kathedralen -

                                 Auf dem GR 12/12a (E 3) von Paris in die Picardie

                                 Von Tilman Kleinheins

                              •  Wälder und Gipfel der Mittelvogesen

                                 Von Thomas Striebig

                              •  An bretonischen Küsten

                                 Von Helmut Huber

                             •   PYRENÄEN – ÜBERSCHREITUNG

                                 In Frankreich auf einer Hohen Route vom Atlantik

                                 zum Mittelmeer vom 2.7. bis 6.8.1995

                                 Von Hans Diem und Evelyn Gebhardt

                                Vogesenwanderung GR 53 von Wissembourg

                                 nach Saverne

                                 Von Gerhard Wandel

                                Hauts plateaux du Vercors

                                 Von Gerhard Wandel

                                Wanderung auf dem GR 5 vom Genfer See

                                 zum Mont-Blanc

                                 Von Gerhard Wandel

                                4-Tagestour Auvergne,

                                 „Chaine des Puys, lacs d’Auvergne“

                                 Von Gerhard Wandel

 

Im tiefen Süden der Vogesen

Tour der Superlative am Ballon d'Alsace

 

Von Thomas Striebig

 

Die Vogesen sind so etwas wie Mode geworden, sogar was das Weitwandern betrifft. Zahlreiche Tagesausflügler besuchen an schönen Wochenenden die bekannten Ziele in den Mittel- und Hochvogesen, den Donon, den Odilienberg, die Seen um den Lac Blanc, den Sentier des Roches (Felsenpfad) südlich des Col de la Schlucht und natürlich den Grand Ballon. Immer wieder trifft man auch Wanderer mit großen Rucksäcken. Auf einer großen Internetseite, www.trekkingforum.com, nehmen die Vogesen im Unterforum „Trekking in West- und Mitteleuropa“ ungefähr so viel Raum ein wie das übrige West- und Mitteleuropa zusammen, woran ein gewisser Moderator, der sich ThomasFFM nennt, nicht ganz unschuldig ist. Das alles wäre eigentlich erfreulich, zumal für die Betreiber der Wanderer-Unterkünfte in den Vogesen, wenn es nicht zuweilen schon ein wenig des Guten zu viel wäre – jedenfalls gemessen an der Einsamkeit, die in diesem weitläufigen Mittelgebirge sonst die Regel ist.

 

Als landschaftlicher Höhepunkt gelten die Berge über dem Münstertal zwischen Lac Blanc und dem Hohneck, ein Hochgebirge en miniature, wie man es in unseren Breiten außerhalb der Alpen kein zweites Mal finden dürfte. Natürlich hat sich das längst herumgesprochen, und so findet man in vielen Fermes-Auberges dieser Region an Wochenenden kaum noch einen freien Platz, wozu die zahllosen Motorradfahrer auf der Route des Crêtes zusätzlich beitragen. Unter der Woche geht es allerdings auch dort viel ruhiger zu.

 

Aber es ist ja nicht so, dass die Vogesen im Münstertal und bei der berühmten Kammstraße, der Route des Crêtes, enden! Schon der am Rainkopf ansetzende, westlich der Route des Crêtes verlaufende Kamm mit Gipfeln wie Grand Ventron, Drumont und schließlich Tête des Perches ist wunderschön, wird nur von einigen Passstraßen überquert und bietet mit der GR 531 (blaues Rechteck) eine herrliche Höhenwanderung – sicher nicht ganz so spektakulär wie das Münstertal, dafür aber ungleich einsamer. Und die ganz im Süden liegende Vallée de la Doller, die bei Masevaux ins Gebirge führt, wäre doch zumindest einen Versuch wert!

 

Freilich ist die Anfahrt für Deutsche deutlich länger als die ins Münstertal oder gar in die Mittelvogesen. Man muss auf der Autobahn (durchweg mautfrei) erst Mulhouse erreichen, dann ein kleines Stück Richtung Belfort weiterfahren, bis an einer Ausfahrt Masevaux ausgeschildert ist. Dieses gar nicht mehr „typisch elsässische“ Städtchen – zum „typisch Elsässischen“ fehlt hier einfach das Fachwerk – ist schnell erreicht und durchfahren; anschließend geht es noch gut zehn Kilometer taleinwärts bis Sewen, wo man an der Kirche parken und zu einer Dreitagestour der Superlative aufbrechen kann. Jedenfalls zähle ich die Tour über den Ballon d’Alsace zum Schönste, das man in den Vogesen unternehmen kann.

 

Der Beginn ist gemütlich, deutet aber schon die ungeheure Vielfalt dieser südlichsten Vogesen an. Zuerst geht es mit dem blauen Rechteck flach zum verlandenden Lac de Sewen, dann durch wunderschönen, teilweise mit großen Felsblöcken durchsetzten Mischwald überaus kurzweilig in einigen Serpentinen hinauf zu einem Wasserfall und zum bei fehlender Sonne geradezu düsteren aufgestauten Lac d’Alfeld, der in einem Kessel steiler Waldberge liegt.

 

Auch der Weiterweg lässt keine Wünsche offen. Durch immer urigere Landschaft, sogar über eine kleine Blockhalde, steigt man immer höher und höher, allmählich wird’s – zumal nach einer längeren Anfahrt – schon etwas anstrengend – aber plötzlich verlässt man den Wald, schlendert über eine Bergwiese mit überraschend weitem Horizont, erreicht einen kleinen Wiesenpass und entdeckt jenseits, wenige Schritte unterhalb, die Ferme-Auberge Gresson, 937 m. Was für ein Juwel! Die Terrasse bietet einen herrlichen Blick bis zum Südschwarzwald, für die Übernachtung kann man zwischen einem großen Schlafsaal und Doppelzimmern wählen, und zum viergängigen, von der netten Wirtsfamilie sehr kreativ zubereiteten und guten Abendessen gab es bei uns Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Wer hier übernachtet, kommt garantiert wieder, zumal die Preise mehr als fair sind!

 

Die zweite Etappe hat es in sich, zumal wenn man sie in voller Länge geht. Gute fünf Stunden Gehzeit – das klingt harmlos. Aber man wandert durchweg auf blockigen, bei Nässe recht strapaziösen Steigen und kommt außer ganz zu Beginn an keiner Einkehrmöglichkeit und nur wenigen „Notabstiegen“ vorbei – für passionierte Wanderer ein tolles Erlebnis. Schon der einleitende Waldpfad zu den beiden Neuweihern – in der dortigen Hütte könnte man ebenfalls übernachten – begeistert, und der Wald- und Geröllkessel der Neuweiher wird in einem Führer sogar mit Kanada verglichen, womit der Autor dieses Führers ein großes Wort gelassen ausspricht – aber ein Körnchen Wahrheit ist dran. Der Weiterweg überwindet in steilen Serpentinen und förmlich über Stock und Stein, im Spätsommer aber auch durch rotviolette Heidekrautfelder einen Steilhang, dann wird er wieder zahmer, verlässt den Wald und liefert einen bei Wegweisern ab.

 

Das bis hierher durchweg verfolgte blaue Rechteck verliert auf seinem Weiterweg zum Lac des Perches oder Sternsee (der alte deutsche Name findet sich auch auf den französischen Karten) 100 Höhenmeter, die danach wieder gewonnen werden müssen. Daher wird man ihr bei den erwähnten Tafeln untreu und folgt dem blau-weiß-blauen Rechteck leicht ansteigend über eine Bergwiese kurz hinüber zur GR 5 (rotes Rechteck). Bevor man dieser folgt, steigt man aber noch zur Tête des Perches, 1222 m, mit einem fast alpinen Steilabbruch nach Süden, der einen famosen Tiefblick zum Sternsee erlaubt.

 

Mit oder ohne Gipfelabstecher geht es schließlich auf dem einzigartigen Höhenweg Richtung Ballon d’Alsace, womit erst der meiner Meinung nach schönste Teil der Etappe beginnt. Wer meint, schnell zum Ballon joggen zu können, irrt sich mächtig; die GR 5 verläuft durchweg auf Pfaden und Steigen, quert steilste Waldhänge, ist oft blockig, nur selten eben, kurz, für Menschen, denen es ausschließlich darum geht, das Ziel zu erreichen, eine Tortur. Aber was hat dieser Höhenweg nicht alles zu bieten! Den Abwechslungsreichtum der Vogesen-Mischwälder kennt man, trotzdem wird man von ihm immer wieder aufs Neue verblüfft. An den steilen Blockhängen blüht im Spätsommer – also Ende August – das Heidekraut, immer wieder wird der Blick nach Süden freigegeben, wo man freilich auch nichts außer steilen Waldbergen sieht, der Steig müht sich über Hänge mit fast häusergroßen, chaotisch herumliegenden Felsbrocken, und der sehr steile, schon recht alpine Schlussanstieg zum Ballon d’Alsace zapft bei manchen vielleicht sogar die Kraftreserven an.

 

Wenn man allerdings erst oben ist, atmet man tief durch, genießt die weite Aussicht – und findet sich nach Stunden voller Einsamkeit unter Artgenossen wieder; wie die meisten anderen Vogesengipfel ist auch der Ballon d’Alsace mit einer Straße „erschlossen“. Den Spaziergang zum Westgipfel mit der „heroischen“, wohl vor dem Ersten Weltkrieg errichteten Statue der Jeanne d’Arc, der legendären „Jungfrau von Orléans“, wird man sich bei gutem Wetter trotzdem nicht entgehen lassen, bevor man mit den Massen auf einem Promenadenweg (links halten!) zur Ferme-Auberge du Ballon d’Alsace absteigt. Und sich dabei seine Gedanken macht: Man kann im Leben vieles billiger haben, aber empfindet man dann noch dieselbe Freude darüber? In den Augen unserer Leser natürlich eine rhetorische bzw. einfach blödsinnige Frage…

 

Vor einigen Jahren war die Quartiersuche im Bereich dieses südlichsten Hochgipfels der Vogesen problematisch. Die genannte Ferme-Auberge verfügt nur über wenige Zimmer, das Hotel etwas weiter westlich soll nicht mehr zu empfehlen sein. Aber neuerdings gibt es ca. 500 m südlich der Ferme-Auberge, links der Straße, die Auberge la Musardière, mehr Gîte d’étape als Hotel mit Mehrbettzimmern und halbwegs preiswerter Halbpension. Gut, nicht jeder wird sich dort wohl fühlen; man muss über einiges Skurrile hinwegsehen oder schmunzeln können. Am Eingang entdeckt man den Regenbogen, das Emblem der Schwulen, auf den Zimmertischen liegen als Willkommensgruß des Hauses Kondome (jawohl!), die Atmosphäre im Speisesaal mit seinen Neonröhren, die mit buntem Krepppapier überklebt sind, ist etwas eigenartig. Ich habe mich dort allerdings durchaus wohl gefühlt, war sicher nicht zum letzten Mal dort und fand das skurrile Beiwerk allenfalls amüsierend. Die Bedienung ist freundlich und unaufdringlich, zum Abendessen kann man zwischen mehreren bodenständigen, sehr schmackhaften Menus (vorzügliche Gratins!) und verschiedenen Pasta-Gerichten wählen, und die Portionen sind auch für sehr hungrige Wanderer kaum zu bewältigen. Das gilt sogar gleichermaßen für das Frühstück – und das in Frankreich! Doch, als Wanderer ist man dort wirklich gut aufgehoben.

 

Die letzte Etappe, kaum mehr als eine Halbtagestour, ist zahmer. In bequemer Höhenwanderung folgt man dem roten Rechteck vorläufig nach Süden, überschreitet die flachen, baumfreien Kuppen von Wissgruth (mit verfallendem Bergbauernhof) und Trémontkopf und orientiert sich mit dem roten Rechteck in Richtung Masevaux, folgt also nicht weiter der nach Belfort führenden GR 5. Nach langer Waldwanderung nimmt man – mancher mag anfangs an eine Fata Morgana glauben – gerade rechtzeitig zur Mittagessenszeit die Ferme-Auberge Fennematt (keine Übernachtungsmöglichkeit!) wahr, die sich akustisch höchst angenehm ankündigt, nämlich durch Kuhglockengebimmel. Die Rast in der urigen Gaststube, der freundliche Wirt, das deftige Essen – alles versetzt einen noch einmal in Hochstimmung, bevor man sich abschließend wieder dem blauen Rechteck anvertraut und zurück nach Sewen wandert. Es braucht wohl kaum betont zu werden, dass auch dieses Schlussstück wieder eine herrliche Wegstrecke ist.

 

Mir haben es diese südlichsten Vogesenberge wirklich angetan. Ich gebe zu: Mit mir ist über die Vogesen ohnehin kein vernünftiges Wort zu reden, aber meine nächste Vogesentour wird mich sicher wieder in den Süden führen. Dort gäbe es noch so viel zu entdecken. Ein Wanderer schwärmte z. B. von der Ferme-Auberge Gsang nahe Rossberg und Vogelstein, die in einem wunderschönen Anstieg ab Dolleren, Oberbruck oder Wegscheid zu erreichen wäre. Über 1000 m hoch gelegen, in Gaststube und Schlafsaal kein elektrisches Licht, vorzügliches, preiswertes Essen und ein einzigartiges Ambiente – da muss ich hin! Der Strecke von dort zum Gebiet des Sternsees (GR 5) kenne ich, sie steht dem oben angepriesenen Weiterweg zum Ballon d’Alsace nicht nach, und wer es gemütlicher haben will, könnte ja die Neuweiher und die Ferme-Auberge Gresson einbeziehen und die Tour um einen Tag verlängern. Durch die breite Ostflanke des Ballon d’Alsace führt ein Höhenweg, der auf Warntafeln als „sentier difficile“, „schwieriger Weg“ bezeichnet wird – wer den Sentier des Roches am Col de la Schlucht gegangen ist, darf sich diese Variante sicher auch zutrauen. Von der Fennematt schließlich könnte man ebenso gut nach Dolleren wie nach Sewen absteigen. „Nach der Tour = vor der Tour!“

 

Abschließend noch die Telefonnummern der wichtigsten Unterkünfte aus Deutschland:

 

Ferme-Auberge Gresson: 00 33 / 389 82 00 21

Auberge-refuge du Neuweiher: 00 33 / 389 82 02 09 oder außerhalb der Saison 00 33 / 389 82 09 82

Auberge la Musardière (man spricht nur Französisch!): 00 33 / 384 27 16 47

Ferme-Auberge du Gsang: 00 33 / 389 38 96 85

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 15 - Dezember 2004

 

 

 Königliche Wälder und himmelstürmende Kathedralen -

 Auf dem GR 12/12a (E 3) von Paris in die Picardie

 

 Von Tilman Kleinheins

 

„C´est l´été“ - „Das ist der Sommer“, titeln die französischen Zeitungen Mitte April und sie haben Recht. Während meiner vorösterlichen Wanderwoche auf dem GR 12 werde ich - trotz Passionszeit – mit 25 Grad Celsius, azurblauem Himmel und andauernder Trockenheit verwöhnt. Ideale Bedingungen, um laufen und zelten zu gehen, um wieder mal durch Frankreichs Hinterhöfe zu streunern.

 

Und das in einer scheinbar unspektakulären Region: Nordöstlich von Paris startet der Weg beim Chateau de la Reine Blanche, nahe Orry-la-ville, am Rand der Ile-de-France. Viele Kilometer später erreicht der GR 12 Brüssel, der Europa – Gedanke ist also schon lange vor der heutigen Diskussion in die Tat umgesetzt. Diesen Umstand nutzt auch der Europäische Fernwanderweg 3, den der GR 12 von Paris bis Montcornet, kurz vor der Maas, Huckepack nimmt. Es sei vorweggenommen: nicht eine einzige „E 3“ – Markierung findet sich während der sieben Wandertage.

 

Macht aber nichts, weil mich das vertraute blanc-rouge der GRs (zusammen mit den hervorragenden 1:25 000 IGN – Karten), nach einer sehr angenehmen Schlafwagenfahrt Hamburg – Paris, bereits morgens um 9:30 Uhr sicher auf die Schneise stellt. Schneisen, die mich die kommenden vier Tage durch königliche Wälder führen, an unzähligen poteaus ( Wegweisern) vorbei, die im Schnittpunkt von häufig sechs, sieben Wegen stehen und klar machen, das es den Kreisverkehr in Frankreich nicht erst seit gestern gibt. Der GR 12/12 a durchstreift auf diesen Blickachsen viele großen königlichen Wälder: Der Foret de Chantilly - macht seinem Namen als Hochburg des französischen Pferdesports alle Ehre mit spargelanbauähnlich geeggten Schneisen, ausschließlich den Trabern vorenthalten. Hier kreuzt der Wanderweg allenfalls, der Gleichlauf ist tatsächlich nicht gestattet. Der Foret d´Halatte - bietet mit dem Mont Pagnotte den höchsten Punkt der Tour, stolze 216 m. (Immerhin höher als jeder Punkt Schleswig-Holsteins, wo bei 167 m Schluß ist). Der Wechsel hinüber in den Foret de Compiègne: St.-Jean-aux-Bois mit alter Stadtmauer, Kloster und Bürgerhäusern in verwunschener Waldlage unweit von Pierrefonds, des Oberzentrums der Region, mit Schloß, Park und allen Versorgungseinrichtungen. Außerdem steht im Compiégner Wald bis heute der Eisenbahnwagon, in dem 1918 und 1940 die beiden Waffenstillstände zwischen Deutschen und Franzosen unterzeichnet wurden. Seltsamerweise passiert der GR 500 m am Rond Point de l´armistice (Platz des Waffenstillstands) vorbei, auch im Topo – Guide keine Erwähnung des historischen Ortes.

 

Hier im Compiégner Wald trennen sich die GR – Varianten 12 und 12 a. Um weiter durch Wälder zu wandern, wähle ich den 12 a, der weit nach Norden ausgreift und den 12er erst südlich von Laon wiedertrifft. Mit Überschreitung des Flüsschens Aisne führt die Tour auf das Plateau zwischen Aisne und Oise, welches im Osten von der Thiérache – Ebene begrenzt wird.

 

Bei weiterhin herrlichem Wetter lässt der körperlich nicht zu anstrengende Weg genügend Zeit und Muse, sich den zwei wichtigsten Sakralbauten der Umgebung zu nähern: den ältesten gotischen Kathedralen Frankreichs. Senlis ist um 1140 fertiggestellt, während das Meisterwerk von Laon 1155 Kirchweih feierte. Es ist diese Region, von der aus die Gotik ihren Siegeszug antritt. Vor allem der Meisterbau von Laon ist heute noch Anschauungsobjekt für Kunstgeschichtler und war zugleich Vorbild für die Kathedrale Chartres´. Als interessierter Laie bestaune ich die hoch aufragenden Türme und Kirchenschiffe und kann Gotik anhand der spitz zulaufenden Bögen festmachen. Daß der neue Baustil im Vergleich zur romanischen Bauweise aber geradezu revolutionär war, erlese ich mir: Fenstergestaltung, Aufhebung der Wände als statische Notwendigkeiten, neue Raumstrukturen und die sagenhaft schönen Decken - Vierungen. Dies alles lässt sich in der sehr gut erhaltenen historischen Oberstadt von Laon entdecken und genießen. Ein muss für alle, die die Region bereisen.

 

Zurück zum Wandern, bzw. zum Rasten: es erweist sich wieder einmal als völlig problemlos, in freier Natur zu zelten. Selbst in einer zu 99 % kultivierten Agrarlandschaft wie hier. Natürlich nehme ich nach drei Tagen gerne die sanitären Einrichtungen eines camping municipal in Anspruch, oder übernachte einmalig ( und als einziger ) in einer Gite d´étape. Mit das Schönste ist trotzdem: nach dem Wandern, mit frisch eingekaufter Verpflegung, einen guten Platz zu finden (blickgeschützte Wiese am Waldrand, Aussicht nach Westen); Zelt aufbauen, kochen – essen und hernach satt, zufrieden und glücklich die Etappe des nächsten Tages studieren. Bereits mit Einbruch der Dunkelheit in die Schlafsack-Federn kriechen und für Körper und Geist erholsame 9 – 10 Stunden schlafen, gestört nur durch rufende Käuzchen (enervierend), kruschbelnde Igel (laut) oder bellende Hirschkühe (sehr laut). Der nächste Morgen sieht mich früh und nach Kaffee ist in 30 Minuten alles, was sich breit gemacht hatte, wieder auf kleinstem Maß im Rucksack verstaut. Außer einigen bis mittags wieder aufgerichteten Grashalmen, deutet nichts mehr auf die temporäre Landnahme hin, spurloses Verschwinden die Folge. Wie bei jeder längeren Tour empfinde ich auch heuer die Wohltat der Nichterreichbarkeit. Ohne Mobiltelefon bin ich ausschließlich Sender ( von Postkarten ), aber kein Empfänger.

 

Nach den Wäldern überquert der Weg oben genanntes Plateau, das immer wieder von 100 bis 150 Höhenmeter tief eingeschnittenen vallons unterbrochen wird. Kleine Städtchen reihen sich aneinander, die Kirchtürme wie immer als erstes zu sehen. Auf dem Plateau selbst: Weideland soweit das Auge reicht, vereinzelt liegende Höfe, Sonne und Wind. 30 km vor Laon überquere ich den Kanal Oise – Aisne und halte auf Couzy-le-Chateau zu, das bereits von weitem - auf einem Bergsporn gelegen - zu sehen ist. Bis zum Rückzug der deutschen Armee im WK I war der Ort das best erhaltene Zeugnis mittelalterlicher Festungsbaukunst in ganz Frankreich. Die Politik der verbannten Erde ließ eine zerschossene Stadtanlage zurück. Als unbelesener Tourist ist man geneigt, die Zerstörung wesentlich früher anzusiedeln bzw. sie als natürlichen Verfallsprozeß wahrzunehmen.

 

Nach Couzy und einer letzten Übernachtung in Suzy erreiche ich am Ostersamstag den Ort Mons-en-Laonnois. Von hier aus genieße ich zum ersten Mal den Ausblick auf den sechs Kilometer entfernten Stadthügel, der die Oberstadt Laons trägt. Das Ziel nach sieben sonnigen Wandertagen vor Augen !

 

Bleibt eine Etappenlücke auf dem E 3 von Laon an die Maas kurz vor der belgischen Grenze, um von Paris nach Konnersreuth gelaufen zu sein. Auch eine Art Pilgerweg.

 

Praktische Hinweise

 

Literatur: Topo – Guide FFRP: „GR 12/12a Ile-de-France - Ardennes -

               (Orry-la-Ville – Montcornet/Sorendal/Belgische Grenze)“,

              3. Auflage 1985 leider vergriffen

 

Topo – Guide SGR: GR 12 Troncon Belge: Bruxelles – Montcornet,

              3. Auflage 1999, lieferbar

 

Landkarten: IGN TOP 25: Blätter 2412 OT Foret de Chantilly und 

                  2511 OT Forets de Compiègne, restliche Strecke mit den Karten

                  im Topo Guide

 

Streckenlänge: ca 145 km

 

Markierung: weiß-roter Balken, viele Schilder, sehr gut in Schuß

 

Übernachtung: für Nicht-Zelter gibt es ausreichend Gasthäuser und 

                      Chambres d´hotes. Information unter www.picardie.fr

                      oder www.fivedit.fr

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 14 - August 2004

 

 

Wälder und Gipfel der Mittelvogesen

 

Von Thomas Striebig

 

Es ist schon eine seltsame Sache mit mir: Immer wieder bin ich am Planen, nehme mir vor: Da und da hin willst du doch auch noch einmal – und dann lande ich doch wieder in einem Gebiet, das ich schon kenne und zu dem ich eine Beziehung habe. Zum Beispiel in den Vogesen. Zweimal habe ich dieses große, so ungemein abwechslungsreiche Mittelgebirge von Norden nach Süden durchquert und mir eine dritte, vierte, fünfte Durchquerung vorgenommen – und wenn ich einen Weg gehe, entdecke ich mindestens drei andere, die ich unbedingt auch noch gehen möchte.

 

Nicht die schlechteste Möglichkeit, die teilweise noch sehr unbekannten Mittelvogesen intensiver kennen zu lernen, war die Rundwanderung, die ich diesen Sommer absolvierte. Was ich am Schreibtisch ausgetüftelt und in meinem Führer bereits kurz dargestellt hatte, erwies sich als über Erwarten attraktiv und abwechslungsreich. Die landschaftliche Vielfalt überraschte selbst mich, und ich bilde mir doch schon ein, die Vogesen einigermaßen zu kennen.

 

Allerdings soll auch auf die Schattenseiten hingewiesen werden. Der viel beschriene „Teuro“ hat auch im Elsass Einzug gehalten, wo einige Gastronomen im Gegensatz zu ihren deutschen Kollegen mit dieser Abzocke womöglich sogar Erfolg haben könnten. Denn wenn man erst einmal einen Ausflug in eines der bekannten Weinstädtchen unternimmt, ist man auch bereit, fürs Essen etwas mehr zu zahlen; zu Hause würde man einfach selbst kochen. Billig war das Elsass sowieso noch nie. Aber in den meisten Unterkünften, die wir benutzten, war das Preis-Leistungsverhältnis einigermaßen akzeptabel, ein Quartier erwies sich sogar als echter Geheimtipp. Doch davon später.

 

Kein Geheimtipp, sondern eher ein Flop war leider das Hotel „St. Florent“ in Oberhaslach, in dem wir gleich zweimal übernachteten. Die Zimmer waren sehr ordentlich, die Übernachtungspreise angemessen, aber die Halbpension maßlos überteuert. Am ersten Abend gab es ein Stück Pastete mit etwas Rohkost, dann ein Kotelette in Champignonsoße mit Nudeln, als Dessert ein Stück Erdbeerkuchen – alles nicht schlecht, aber wenn man die Preis hochrechnete, kostete dieses Menu 17,50 Euro! Und für das Viertel Riesling nahm der Wirt 4,50 Euro! Da empfiehlt sich doch eher in Urmatt das Hotel De la Poste, das Ende Juli, als wir unterwegs waren, freilich Ruhetag hatte; das bei Wanderern früher so beliebte Hotel À la Chasse in Urmatt ist leider geschlossen und steht zum Verkauf.

 

Warum zwei Übernachtungen in Oberhaslach bzw. Urmatt? Weil wir am ersten Wandertag die PKW nach Klingenthal fuhren, wo wir sie am Schluss unserer Runde wieder vorfinden wollten, und somit zwei Etappen mit leichtem Gepäck gehen konnten. Nach einigem Suchen fanden wir einen kleinen Abstellplatz hinter dem Klingenthaler Friedhof und starteten den langen Aufstieg zum Heidenkopf.

 

Der entpuppte sich als eine ideale Eingehtour, denn unser Zeichen, die gelbe Scheibe – wir blieben ihr bis Grendelbruch treu – führt auf angenehmen Wegen zwar stetig ,aber nur wenig steil bergauf, und überraschend zügig erreichten wir eine Abzweigung unter dem Gipfel, bei der das rot-weiß-rote Rechteck in wenigen Minuten das Gipfelplateau mit schönem alten Laubwald, Rastbänken und einem Aussichtsturm erklimmt – der erste Höhepunkt der Tour und dies nicht nur geografisch! Den Weiterweg über Grendelbruch und, nunmehr mit rotem Kreuz markiert, Urmatt empfanden wir als durchaus schön, wenn auch unspektakulär. Insgesamt eine mittellange, nur mäßig anstrengende Etappe, zumal wenn man in Urmatt übernachtet.

 

Dafür stellte die zweite höhere Anforderungen, und für kleine Gruppen wäre die Idee eines Gepäckstransportes vielleicht nicht von der Hand zu weisen. Immer mit dem roten Rechteck des GR 53 markiert, erreicht man in einem zähen Anstieg – immerhin 750 Höhenmeter müssen überwunden werden – den 1009 m hohen Gipfel des Rocher de Mutzig, vorbei an der Geheimnis umwobenen Porte de Pierre, einem eigenartigen Felsmassiv und idealen Rastplatz. Der Blick vom Gipfelfels zum zweiten großen Ziel des Tages, dem Donon, entmutigt zunächst, zumal man während der nächsten beiden Stunden nach und nach 300 Höhenmeter verliert, die beim Steilaufstieg zum Donon wieder wettgemacht werden müssen. Aber wir kamen flott voran, die letzten 150 Höhenmeter zum Donon mit seiner gallo-römischen Kultstätte und seinem 1869 erbauten, auf den Karten großspurig als „Musée“ bezeichneten Tempelchen auf dem felsigen Gipfelplateau machen auch müden Wanderern Spaß (freilich sind knöchelhohe Trekkingschuhe hier besonders unumgänglich), und der Gipfel bietet das vielleicht eindrucksvollste Panorama der gesamten Mittelvogesen – Wald, soweit das Auge reicht, besonders im Westen. Bis zum Hôtel du Donon ist es nun nicht mehr weit, und mögen auch die dortigen Zimmer leicht veraltet sein, so bietet die Küche so Exzellentes, dass wir einen besonders schönen Abend genossen. Nicht zuletzt Dank des Kellners, der sich als wahres Original erwies.

 

Auf die nächste Etappe war ich besonders gespannt. Dass der Strecke vom Hôtel du Donon zum wenig ausgeprägten Col du Prayé (blaues Kreuz) kein besonderer Reiz abzugewinnen ist, konnten wir schon aus der Karte ersehen. Aber der Weiterweg! Zunächst mit blauer, später mit roter Scheibe wanderten wir – man mag es kaum glauben: bei herrlichem Sommerwetter! – stundenlang in einer Höhe von etwa 900 m, häufig in freiem Gelände, wozu das katastrophale Orkantief „Lothar“ am 26. Dezember 1999 nicht wenig beigetragen hat. Noch immer liegen vom damaligen Sturm entwurzelte Bäume herum. Aber der Pfad quert auch schöne Wiesen; während der Kamm nach Osten steil abbricht, läuft er nach Westen plateauartig aus – kurz, das Massiv von Tête des Blanches Roches und Hautes Chaumes erwies sich als Hochvogesen en miniature, was wir hier nun wirklich nicht erwarten konnten. Zu guter Letzt noch ein herrlicher Steig zur „Chatte Pendue“, einem der schönsten Aussichtspunkte der Mittelvogesen, wonach es zu unserem diesmal sehr urigen Quartier ging – der Ferme-Auberge Salm. Deren Schlafsaal ist nicht heizbar, wird im Winter geschlossen und soll im April und Oktober noch recht ungemütlich sein; Waschgelegenheiten gibt es nur im Freien, wenn man die bescheidene Dusche nicht frequentieren möchte. Aber das gesamte Ambiente ist einfach gemütlich (sofern der an sich gutmütige, langmähnige Hund der Wirtsleute nicht gerade meint, die Hühner gegen die Gäste verteidigen zu müssen…), und wir fühlten uns auf dem Hochplateau von Salm sehr wohl, trotz der etwas gestressten Wirtin.

 

Wem die Ferme-Auberge Salm für eine Nächtigung zu primitiv ist, der könnte natürlich auch noch nach La Claquette bzw. Rothau in die Vallée de la Bruche absteigen (blaue Scheibe), wo man Hotel und Gîte d’étape vorfindet. Das hätte zudem zwei Vorteile. Zunächst ist die halbtägige Wanderung zum ehemaligen Konzentrationslager Struthof-Natzweiler eigentlich ein Muss. Zweitens verkürzt sich die schon bei Start in Salm moderate Tagesetappe noch einmal um eine gute Stunde, wodurch nur noch der lang gezogene, aber sehr bequeme Aufstieg zum Col de la Perheux (rot-weiß-rotes Rechteck, der Weg beginnt an der katholischen Kirche von Rothau) und der Weiterweg nach Bellefosse zu bewältigen wären. Andererseits wird man in der weiträumigen, ungemein lieblichen Wiesenlandschaft des Col de la Perheux sicher einige Zeit vertrödeln, bevor man mit gelbem Dreieck nach Belmont und mit blauem Kreuz nach Bellefosse wandert, durchweg auf sehr schönen Wegen in halber Höhe des Champ du Feu, dessen Westseite deutsche Touristen im Allgemeinen nicht so gut kennen. Etappenziel ist die Ferme-Auberge Au Ban de la Roche, eine besonders einladende Unterkunft. Für Halbpension im einfachen Zimmer (Dusche und WC auf der Etage) oder im Schlafsaal (sehr geräumig, gute sanitäre Anlagen) bezahlten wir 2002 29 Euro, das Abendessen war dreigängig, deftig und reichlich – da kann man nicht viel sagen. Freilich spricht die Wirtin fast kein Wort Deutsch.

 

Wenn man früh genug in der Ferme-Auberge ankommt, sollte man unbedingt noch einen Spaziergang in den Nachbarort Waldersbach unternehmen und das im Juni 2002 neu eröffnete und nun noch viel eindrucksvollere „Musée Oberlin“ besuchen – auch dies ein Muss! Ein näheres Eingehen auf das Universalgenie Johann Friedrich Oberlin, der für nicht weniger als 59 Jahre, nämlich von 1767 bis zu seinem Tod 1826, Pfarrer im damals bettelarmen Ban de la Roche war, würde den Rahmen dieses Berichts sprengen.

 

Als etwas problematisch erwies sich die Konzeption der fünften Etappe dieser Rundtour. Sowohl dem Aufstieg zum Col de la Charbonnière mit seinem teuren Hotel-Restaurant als auch dem Weiterweg nach Andlau war, von wenigen Höhepunkten abgesehen, kein sonderlicher Reiz abzugewinnen, und die Unterkunftssituation in Andlau ist etwas unbefriedigend – man hat nur die Wahl zwischen einem noblen und einem recht einfachen, auch veralteten, nicht eben preiswerten Hotel. Ich würde vom Col de la Charbonnière die Route mit blauem Rechteck vorziehen, über den 1100 m hohen Champ du Feu, die höchste Erhebung der Mittelvogesen (Aussichtsturm derzeit geschlossen, dafür entschädigt der Rundblick von P. 1086 m) zur Auberge Rothlach; von dort überschreitet man mit rot-weiß-rotem Rechteck den Neuntelstein, dessen Felsmassiv einen grandiosen Blick auf Odilienberg, Rheinebene und Schwarzwald bietet, und steigt zum zuweilen bewirtschafteten Forsthaus Welschbruch ab, wo man wieder auf das rote Rechteck trifft. Ihm folgt man zum Mont Sainte-Odile, dessen großes Hotel sich für eine Übernachtung anbietet. Ich kenne es allerdings noch nicht.

 

Wir peilten von Andlau ohne Gepäck den Odilienberg an, vorbei an den inposanten Burgen Château d’Andlau und Spesbourg, machten aber schlapp – extreme Hitze, drückende Schwüle und ein aufziehendes Gewitter nahmen uns die Lust auf den Weiterweg. Wenn man aber auch im Hochsommer im Weinland wandert… Ende September erkundete ich dann noch den traumhaften Pfad vom Odilienberg zu den Otrotter Schlössern (Châteaux d’Otrott), mit blauem Schrägkreuz markiert; es geht immer direkt unterhalb des Steilabbruchs entlang, angesichts bizarrer Felsen und der bis zu vier Meter hohen gallo-römischen Heidenmauer, die in einer Länge von über 10 km das gesamte Hochplateau absicherte. Im Forsthaus Rathsamhausen kann man Getränke und vorzüglichen Honig erstehen, anschließend gelangt man mit der gelben Scheibe rasch nach Klingenthal, wo sich die wunderschöne Runde schließt.

 

Abschließend noch einige praktische Hinweise.

 

Die Rundtour kann sehr gut in Teilabschnitten absolviert werden. Wertvolle Dienste leisten dabei die Bahnlinien Molsheim – Urmatt – Rothau (d. h. Straßburg – St. Dié) und Barr – Obernai – Molsheim. Bahnreisende können u. a. nach Obernai anreisen und in Klingenthal beginnen.

 

Führer: Thomas Striebig, Zu Fuß durch die Vogesen, GeoHist Verlag Neu Anspach 2000 (anderswo ist die Rundtour nicht beschrieben), Aktualisierungen auf meiner Homepage www.striebig.de.

 

Karten: Sehr gut, wenn auch nicht ganz billig sind die vom Institut Géographique National und dem Club Vosgien herausgegebenen Wanderkarten im Maßstab 1:25.000. Für die vorgestellte Rundtour benötigt man die Karten 3716 ET, 3616 OT, 3717 ET und 3617 ET. Der Bezug über Buchhandlungen ist oft umständlich und zeitaufwändig; man kann sie aber in der Regel innerhalb weniger Tage bei der Versandbuchhandlung Jürgen Schrieb (Schwieberdinger Straße 10/2, 71706 Markgröningen, Telefon 07145 / 26078) beziehen.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 10 - April 2003

 

 

Ein Hinweis zu Frankreich:

 

An bretonischen Küsten

 

Von Helmut Huber

 

Dem Weitwanderer Frankreich zu empfehlen, ist wie Eulen nach Athen zu tragen. Dennoch sei es hier in aller Kürze gewagt. Vielleicht ist dieser kleine Artikel doch für den einen oder anderen eine Anregung für seine Planungen 2007.

 

Meine Frau, unser alter Wanderfreund und ich flogen am 31.05.2004 von Hamburg nach Lille. Dann ein PKW-Bummel durch die Bretagne bis Brest. Von dort mit der Fähre nach le Fret, unserem Ausgangspunkt. Von hier aus immer auf schmalsten Küstenpfaden, fern von jedem Verkehr, rund um die Halbinsel de Crozon. Der Pfad windet sich auf und ab entlang der zerrissenen Steilküste, läuft auf riesigen Stränden aus, steigt die nächste Klippe wieder hoch und so geht es tagelang. Die Wegeführung, gut markiert, nutzt die ehemaligen Zollkontrollwege, die auch für militärische Zwecke seit Jahrhunderten gepflegt wurden. Sie sind daher auch heute noch in einem ausgezeichneten Zustand. Von ihrem Zweck her führen sie immer hart an der Kante der Küste entlang. Wir folgten rund 14 Tage dem GR 34, ohne daß uns auch nur ein Tag langweilig wurde, da das Meer, die Brandung, die Fels- und Küstenformation und das Hinterland immer wieder für Abwechslung sorgten. Ausreichend gute preiswerte Hotels und Pensionen mit überwiegend ausgezeichnetem Essen fanden wir fast immer am Weg in komfortabeler Entfernung – bis auf wenige Ausnahmen, die dann per Bus oder Taxe überbrückt werden mußten.

 

Wir fuhren dann mit Bahn/Bus nach dem kleinen Ort le Faou und folgten dem GR 37 und dem GR 380 über die Monts d’Arrée im Parc naturel régional d’Armorique nach Morlaix. Von dort ging es wieder ein kleines Stück entlang der Küste nach Osten. Schluß war nach rund 3 Wochen; von Morlaix aus zurück mit dem TGV nach Paris und dann Flug nach Hamburg.

 

Zugrunde lagen der Tour:

 

Topo-Guide Ref. 380 (GR 34 und 380) und Ref. 363 (GR 37 und 380).

 

Karten sind fast nicht nötig. Nur eine größere Übersichtskarte für die An- und Abfahrt und für großräumige Planungen.

 

Alles in allem absolut wanderparadiesisch!

 

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 21 - Dezember 2006

 

 

PYRENÄEN – ÜBERSCHREITUNG

 

In Frankreich auf einer Hohen Route vom Atlantik zum Mittelmeer vom 2.7. bis 6.8.1995

 

Von Hans Diem und Evelyn Gebhardt

 

 

Zu Fuß und mit Zelt von Hendaye am Atlantik nach Banyuls am Mittelmeer vom 2.7. bis 6.8.1995 

35 Marschtage, 1 Pausentag 765 km Bergwege (21,8 km/Tag im Schnitt) 258 Gehstunden (7:25 Std/Tag im Schnitt)

 

49.000 Hm Aufstieg  (1400 Hm/Tag im Schnitt) 22 Mal über 2000 m Höhe, 9 Mal über 3000 m Höhe,

höchster Punkt: Monte Perdido 3355 m 

 

25 Zeltnächte - 1 Mal Seilbahn und 6 Mal Auto (statt 80 km Weg) 

 

Die 3000er Gipfel:

Balaïtous bis 3035 m, Petit Vignemale 3032 m, Grande Vignemale 3298 m, Pic de Cerbillona 3247 m, Pic du Marboré 3248 m, Monte Perdido 3355 m, Pic de Cylindre 3325 m, Pic de Perdiguère 3222 m.

 

Nach zwei Alpen-Längsüberschreitungen fahre ich mit Evelyn zu den Pyrenäen. Ein Nachtzug bringt uns nach Paris, der Aufenthalt ist gut für einen Stadtbummel. An diesem Samstagmorgen schläft sich Paris aus, überläßt uns Metro und Straßen für einen Streifzug durch die Citè. Am Abend sind wir in Hendaye, bummeln bei Regen zu einem Campingplatz am Atlantik. 

 

WEST-PYRENÄEN 

In 7 Tagen von Hendaye am Atlantik nach La-Pierre-St-Martin 

 

Sonntag, 2.7.: Betrübt wie das Wetter stapfen wir für ein Foto im Wasser des Atlantik herum. Erst die Markierung des Weges "GR 10" feuert uns an. Auf ins Gebirge! Im Baskenland über grüne Hügel mit viel Farn und Buschwald und Sicht zur Küste, durch die Dörfer Sare und Aïnhoa. Sie haben Pelote-Spielplätze, alte und neue Baskenhäuser, blühende Hortensien in den Gärten. Wie am 2. Abend am Col des Veaux (574 m) ein Wolkenbruch niedergeht, betreten wir die Gite d'Etape. Da ist ein Riesen-Rucksack und ein lachender Franzose Jacques. Große Rucksäcke machen große Touren, wir tauschen ohne viel Sprachkenntnis unsere Pläne aus. Er will den ganzen "GR 10" gehen, die Traverse von Meer zu Meer auf der Nordseite der Pyrenäen. Der Pic de Toutoulia (983 m) liegt in vollbusigem Land, auf dem Monhoa (1021 m) grasen Schafe und Pferde. Nach einem Bummel durch St-Jean-Pied-de-Port steht unser Zelt am 4. Abend schön über einem Bilderbuch-Baskenland bei Abendsonne. Auf dem Weg zum Sommet d'Occabe (1466 m) kreisen 12 Adler über einer Schafherde am Waldrand. Zwei lassen sich plötzlich in den Sturzflug fallen, zischen durch Baumkronen, schon morden sie ein Schaf. Die Herde springt fünf Schritte weg und schaut blöd zu, wie sich die Raubvögel abwechselnd sattfressen. Durch Schneerosen und Almrausch auf den Felsgipfel Zazpigagn (1765 m), etwas abklettern und auf den grasigen Pic d'Orhy (2017 m). Die erste Blumenwiese lacht uns an, ein Schotte auf der Überschreitung bis Gavarnie grüßt, er hetzt sehr spät los zum weit entfernten Refuge. Wir zelten zwischen Schafen, Kälbern und Pferden. Gut, daß ich an zusätzliches Wasser dachte, der Höhenzug sah schon auf der Karte sehr trocken aus. Begeistert von der Fernsicht gehen wir über Port de Bimbalèta (1815 m) zum Refuge Belagua, auf einer Straße durch Karstland mit Zirben zum Col de la Pierre und, Schreck lass nach, zur Skistation La-Pierre-St-Martin. Am Abend stellen wir das Zelt auf den letzten Grasflecken in 2190 m Höhe unter den Gipfel des Pic d'Anie. 

 

53:50 Std., 9.605 m Aufstieg, 7.470 m Abstieg 

 

ZENTRAL-PYRENÄEN 

In 16 Tagen von La-Pierre-St-Martin nach Bagnères-de-Luchon 

 

8.Tag: Nach einem schönen Sonnenaufgang deponieren wir die Rucksäcke und steigen auf den ersten bedeutenden Felsberg, den Pic d'Anie (2504 m). Wunderbares Panorama! Im Abstieg kommen uns 30 Leute entgegen. Hast du Zelt, bist du erster auf Gipfel, ätsch! Gemütlich ins alte Dorf Lescun in grüner Hochebene mit Hochgebirgs-Umrahmung und weiter nach Lehrs. 

6:40 Std., + 745 m, - 1935 m 

 

9.Tag: Warum sind hier alle Buchen krank? Wir sehen nur braune Blätter. Im Abstieg vom Col de Barranag (1601 m), im gelben Enzian und blühendem Almrausch kommt uns solo eine Frau mit großem Rucksack entgegen. Alle Achtung, die ist gut drauf! Im Dorf Borce sitzen wir gut vor einer Bar mit Epicerie unterm Sonnenschirm und lassen uns bedienen. Bei 28°C auf dem Weg Chemin de la Mâture in steiler Felswand über schauriger Schlucht zum Col d'Ayous (2160 m) und zum Refuge d'Ayous. Franzosen, Engländer, Schweizer, Deutsche sind beim Essen, im Nu sind auch wir bedient. Die Wirtin ist froh, daß wir trotz Regen zelten, denn alle Lager sind belegt. 

7:50 Std., + 2160 m, - 1160 m 

 

10.Tag: Die Morgensonne wirft den Schatten des bekannten Kletterfelsen Pic du Midi d'Ossau auf die Wasserfläche unter uns, begeistert gehen wir von See zu See, vorbei an gelbem Mohn und weißen Lilien. Am Refuge de Pombie reden wir uns den Pic d'Ossau aus zu Gunsten des nächst Höheren. Also runter ins Tal, hinauf zum Col d'Arrious (2259 m) und zu einem Zeltplatz beim kleinen Ref. Arrémoulit (2305 m) im prächtigen Hochgebirge mit See. 

8:30 Std., + 2030 m, - 1765 m 

 

11.Tag: Kaiserwetter, es gilt! Auf zum Col du Palas (2540 m), einiges deponieren, zum Port du Lvedan queren, in Sonne und Firn steil absteigen, auf Harsch gut hinauf zum Col Noir, nach links queren und in der Felsflanke des mächtigen Balaïtous (3144 m) aufsteigen. Leichte Kletterei bis 3035 m, da aber liegt ein Eisfeld in der steilen Aufstiegsrinne. Wir versuchen es im Blockfels wie zwei geschickte Männer über uns. Nein, lieber umkehren! Den Col Noir lassen wir rechts liegen, steigen steil ab zum Lac d'Arriel, müssen noch zu unserem Depot hinauf und wieder runter. Da braucht es eine Pause und ein Bad, bevor wir auf dem Balkonweg zum Campo Plano (2165 m) weitergehen. 

8:40 Std., + 1540 m, - 1680 m 

 

12.Tag: Ein kalter Höhensturm auf dem Col de la Fache (2664 m) verhindert den kurzen Aufstieg zum Grand Fache (3005 m), schade. Während der Einkehr im Ref. Wallon darf es regnen so viel es will. Wenn nur gleich wieder die Sonne strahlt, und ein Gumpenbad erfrischt, und das Zelt gut im nächsten Talschluss steht, wie heute am Lac d'Arratille (2247 m). 

4:35 Std., + 995 m, - 1005 m 

 

13.Tag: In Steilgelände über den Col d'Arratille (2501 m) und den Col des Mulets (2580 m) zum Ref. de Gaube. Die Ansicht der granitenen Vignemale über einem kleinen Gletscher kommt uns bekannt vor, sehr photogen! Die Petit Vignemale (3032 m) ist als Abstecher schnell bestiegen, zwei Adler am Himmel passen gut ins große Panorama. Am Ref. de Bayssellance wimmelt es nur so von Leuten, wir stellen unser Zelt neben 50 andere. Was ist hier los? Die kleine und alte Hütte ist ständig ausgebucht, erst recht an diesem National-Feiertag, dazu am Wochenende, und bei schönstem Wetter, natürlich wegen der berühmten Vignemale. Trotzdem bekommt jeder sein reichliches Menü, die einen um 18 Uhr, die anderen um 19 Uhr, die letzten um 20 Uhr. Es muß bei Ankunft vorbestellt werden und kostet etwa 23 DM. Aus einer winzigen Küche trägt die Mannschaft etwa 100 Essen auf, da schaugst! 

4:45 Std., + 1360 m, - 956 m 

 

14.Tag, Sa.,15.7.: Nach kalter Nacht glüht der Fels im Sonnenaufgang, weiß hängt der Vollmond überm Berg. Wir reihen uns ein unter bestimmt 100 Bergsteiger, gehen auf dem Gletscher in der Überholspur auf den steilen Felsgipfel zu. Und sind sogar allein auf der Grand Vignemale (3298 m) mit Rundum-Panorama bei bester Sicht, wunderbar! Anschließend schauen wir vom nahen Pic de Cerbillona (3247 m) dem Trubel an der Vignemale zu. Zurück zum Refuge, eine Steilstufe hinunter, auf Fahrwegen freudig das Tal hinaus nach Gavarnie und zum Campingplatz. 

7:35 Std., + 1060 m, - 2336 m 

 

15.Tag: Den Vormittag verbummeln wir im Ort mit Einkaufen und Einkehren. Dann aber müssen wir in den Cirque de Gavarnie, einer versteinerten Laune der Natur. Granit und Kalk ragen mächtig auf, liegen gefaltet, verschoben, zerklüftet. Der gigantische Kessel ist bis 1700 m hoch, hat oben 6 km Durchmesser und mittendrinn einen Wasserfall, die Grand Cascade! Das muß man gesehen haben und dann wie wir ziemlich verwegen zum Ref. des Sarradets (2575 m) aufsteigen, phantastisch! Oben zelten wir auf dem besten Fleck. Oh, es ist Hubschraubers Landeplatz, umziehen! Die Schweizer vom Ref. d'Ayous sind auch da. Mit Hallo kommen sie auf meine Tour von Nizza nach Wien zu sprechen, sie kennen den Bericht in der "Alpin" vom Sept. 94 genau. 

3 Std., + 1180 m 

 

16.Tag: Bei Morgenrot auf Hartschnee in die sagenhafte Breche de Roland (2807 m), eine 40 m breite und 100 m hohe Lücke im waagrechten Felsgrat mit senkrechten Wänden. Wir möchten über die Gipfel des Cirque weitergehen, steigen in die Mondlandschaft nach Spanien ab, suchen den Aufstieg zum Le Casque und sehen über uns eine zaudernde Gruppe vor steilem Schnee. Da queren wir lieber unterhalb und weglos nach Ost auf Felsbändern mit blühenden Edelweiß, steigen in Schutt und Schnee gut über den Col zum Pic du Marboré (3248 m). Er bricht 1700 m in den Cirque ab, der Tiefblick ist grandios. In einer Schneerinne ist gut absteigen. Ein Blick zu Evelyn, sie springt gerade aus der Rutschbahn eines Felsbrockens - Glück gehabt! Um 15:30 Uhr sind wir am Einstieg zum nächsten 3000er. Über eine steile Schneerampe auf den Mont Perdu (3355 m), den dritthöchsten Pyrenäengipfel, mit Abendstimmung, es lohnt sich! Am kleinen See beim Einstieg auf 3005 m sind vorbereitete Zeltplätze, wir übernachten hier mit eineigen anderen. 

6:50 Std., + 1440 m, - 1010 m

 

17.Tag: Die ersten Bergsteiger vom spanischen Ref. Goriz sind schon da und warten auf's Auffirnen der Perdu-Route, während wir auf Steilschutt, Eis und Fels zum Pic du Cylindre (3325 m) aufsteigen. Beste Rundumsicht! Zurück am Zelt erstmal in der Sonne frühstücken. Es wird spannend. Vom Col du Cylindre (3090 m) auf Schutt und Schnee steil hinunter zu einem Felsabbruch, zum Glück eisfrei in festem Fels etwa 20 m steil abklettern und im Schuttkar zum Lac Glacé, das wäre geschafft. Jetzt noch über die Breche de Touqueroye (2666 m). Gut hinauf, aber der Abstieg ist eine äußerst steile schattige Rinne. Der Feinschotter hat keine Griffe, dann kommt Eis dazu. "Hallo, Ev, wir müssen Steigeisen und Handschuhe anlegen!" "Das geht hier nicht, mach weiter!" tönt es von oben, die Frau hat Nerven! Im Ort Héas gönnen wir uns ein Zimmer zum Übernachten und einen Berg feiner Crêpes. 

7:40 Std., + 640 m, - 2145 m 

 

18.Tag: Der Cirque de Troumouse ist ein riesiger und kreisrunder Kessel, auf dem Almboden in 2200 m Höhe blühen unzählige blaue Iris. Weiter durch schöne Hochtäler und die Hourquette de Héas (2608 m) in den Cirque de Barroude. Am großen See unter der auffallend glatten Felswand zelten wir, bestellen im Refuge ein Abendessen. Der Hüttenwirt ist die große Ausnahme, er läßt 30 Leute zwei Stunden lang auf das Essen warten. 

6:25 Std., + 1555 m, - 670 m 

 

19.Tag: Das weglose Queren in den steilen Grasleiten zum Pic de Bataillence (2604 m) und dem Pic de Lia (2752 m) strengt sehr an. Der verwinkelte Abstieg ist zum Glück markiert, es droht ein Riesen-Gewitter. Im Hospice de Rioumajou können wir am Kaminfeuer sitzend das nasse Donnerwetter abwarten. Kaum liegen wir im Zelt, schlägt es nochmal zu. Als endlich Ruhe ist, ruft draußen eine Frau in Uniform und mit Dienstausweis. Wir müssen 200 m weit umziehen auf einen ausgewiesenen Platz. Pardon Madame, haben wir nicht gesehen. Einpacken, auspacken, Tempo Tempo, das 3. Gewitter bricht los. Blitz, verschone unser Zelt, schlag' bittschön woanders ein! 

8 Std., + 1278 m, - 2103 m 

 

20.Tag: Der Schieferschutt zum Port de Cauarère (2526 m) braucht viel Einsatz. Im Valle de Gistain ist es sehr heiß, da legen wir uns erst in den Bach, dann in den Schatten. In den Talschluß und steil zur Porta de la Pez (2451 m) hinauf, ausgesetzt nach rechts queren und steil nach Norden hinab. Eine Jugendgruppe wartet auf erschöpfte Nachzügler, sie sind um 18 Uhr viel zu spät im Aufstieg. Der verzweifelte Anführer fragt uns, wie es oben weitergeht. 

8:20 Std., + 1713 m, - 1673 m 

 

21.Tag: In dichtem Nebel wechseln wir ins nächste Tal, haben einen Steinweg zum Ref. de la Soula. Oberhalb liegt gut besucht der Lac Caillauas schön in der Sonne und im Bergkessel. Weiter über den Lac des Isclots, im steilen Blockkar und auf Schnee zum Col des Gourgs Blancs (2900 m) in hochalpiner Umgebung. Beim Abstieg zum Lac du Portillon (2571 m) steht groß der nächste 3000er im Bild. Zwei Frauen im windschiefen Refuge versorgen uns und andere auf's Beste. Das neue Ref. du Portillon etwas oberhalb ist fertig und wird demnächst eröffnet. 

7:35 Std., + 1875 m, - 904 m 

 

22.Tag: Nur wenige Gipfelstürmer steigen mit uns aus der Wolkendecke heraus in den blauen Himmel, aus dem Hang über dem See in steiles Blockwerk, auf beinhartem Schnee in eine Scharte, am Blockgrat zum Gipfel des Pic de Perdiguère (3222 m) mit großartiger Rundumsicht. Im Norden schwimmen Bergketten im Wolkenmeer, im Süden liegt leichter Dunst in tiefen Talfurchen, nach Ost und West erstreckt sich der Hauptkamm mit Felsgipfeln, Riesen-Karen, Bergsseen. Zurück und in den grünen, schroffen, wässrigen Cirque d'Espingo mit vielen Besuchern, hoch über dem Lac d'Oô auf schmalem Steig zu einem Schlafplatz. 

7:40 Std., + 1413 m, - 1713 m 

 

23.Tag: Klein, aber oho, steht der Pic de Céciré (2403 m) vor dem Hauptkamm. Schnell hinauf zum Sonnenaufgang: leuchtend rotes Hochgebirge hinter uns, Berg und Tal in schummrig-hellgrau bis dunkelgrau vor uns, die rotgoldene Morgensonne im Gesicht, wunderbar. Ein prächtiger Hengst steht wie ein Standbild auf dem grasigen Gipfel. Ein Wieherer von ihm und eine Horde Pferde galoppiert über die Schrofen herauf, daß der Boden nur so dröhnt. Von Superbagnères gondeln wir mit der Seilbahn in den Kurort Bagnères-de-Luchon hinab. Ein Waschsalon wäscht unsere Bekleidung, ein kleines Hotel nimmt uns auf, wir machen Stadtbummel. 

1:50 Std., + 150 m, - 622 m 

 

105:55 Std., + 21.134 m, - 21.677 m 

 

OST-PYRENÄEN 

In 13 Tagen von Bagnères-de-Luchon nach Banyuls am Mittelmeer 

 

Per Auto durchs Tal und hinauf zum Dorf Artigue. Mit Vergnügen zum blumigen Pic de Bacanère (2193 m), auf Almwegen nach Fos hinab, auf der Straße nach Melles hinauf. Sturmwind fegt wild durch die Gassen und uns in die Auberge. Wie wir das Zimmer haben und am Tisch sitzen, ist der Zauber vorbei. Doch wir sitzen gut, der Wirt kocht vorzüglich für uns und sein vollbesetztes Lokal. Schön durch Wald auf weite Almen, über den Col d'Auéran (2176 m) zum Ref. d'Arraing, weglos zum Col de Serre Haute (2457 m) und auf die spanische Seite. Vor uns liegt ein grünes Paradies mit dem See de Liat, unten weiden 200 Kälber, oben ziehen 1000 Schafe. Über den Col de Maubermé (2530 m) zum Port d'Urets (2512 m) mit Bergwerk-Ruine. Mühsam hinab zur Kirche Montgarri, 3:20 Std. zieht sich die Sandstraße bis zu unserem Abzweig. Endlich wieder aufwärts in schönste Hochtäler, über eine Scharte am Mt. Rouch (2436 m) zum Col de la Gallina (2550 m) mit Panorama, über 5 Seen absteigend zum verlassenen Dorf Noarre. Steil auf den Col de Certascan (2575 m) mit Aussicht auf neue Berge, sehr hungrig an den Tisch im Refugi de Certascan. Wunderbar zur Port de l'Artigue (2481 m), hinunter nach Montcalm. Kein Laden, wir fahren nach Auzat zu Einkauf und Camping. Berliner bringen uns gerne zum Anschluß nach Gesties. Über den Pla de Montcamp (1904 m), den Stausee Laparan, die Alm Rieutort zum schroffen Pic de Rulhe (2783 m) mit Tiefblick und Fernsicht. Über l'Hospitalet, den Col de Coma d'Anyell (2470 m), den schönen Lac des Bouillouses kommen wir zu dessen Refuge. Wie Evelyn die Tür zum Gastraum öffnet, springt unser Randonneur Jacques vom 2. Tag auf und begrüßt uns hocherfreut. Er blättert begeistert in meinem Tagebuch und berichtet den Hüttengästen. Durch das weite Tal von Mont-Louis fahren wir, gehen gemütlich über den Col Mitja (2367 m), den Col del Pal (2294 m), den Col de Mantet (1760 m) auf den Pic du Canigou (2784 m). Mit Morgenstimmung, mit Sicht nach Westen, die Fahne der Katalanen flattert am Kreuz, wunderbar! Über den Blockgrat Serra del Roc Nègre (2714 m) und den Pic Gallinasse (2461 m) zur Straße, per Autostop weit hinunter nach Arles-sur-Tech. Eine schöne Stadt mit Obst und Eis und einem Telefon: Evelyn kann ihren Urlaub um zwei Tage verlängern, sie möchte mit zum Meer. Nach Montalba fahren wir, kommen dadurch noch zum Col du Perthus. Am 36. Tag, den 6.8. schlüpfen wir unter der Spanien-Autobahn durch, gehen über den Pic Neulos (1256 m) und den Pic Sailfort (981 m) vergnügt hinunter nach Banyuls am Mittelmeer. Zwischen den staunenden Badegästen stiefeln wir im Wasser herum. Wie die Fotos im Kasten sind, jagt ein Regenschauer die Leute in die Häuser und uns ins erstbeste Hotel. Und jetzt: Raus aus den Stiefeln, rein in die Sandalen, konsumieren und flanieren! 

 

99:05 Std., + 18.247 m, - 19.539 m 

 

 

Vogesenwanderung GR 53 von Wissembourg nach Saverne

vom 19. Sept. – 24. Sept. 2001

 

Von Gerhard Wandel

 

Benutzte Führer: Thomas Striebig: „Zu Fuß durch die Vogesen“, GeoHist Verlag, Neu-Anspach, 2000, ISBN 3-932354-01-X, Topo-guide: „Crete des Vosges“, Karten: IGN Karten :Carte des Vosges „Vosges du Nord“ und „Saverne“ 1:50.000

 

1. Tag:

Anreise Böblingen / Wissembourg (die DB fährt direkt nach Wissembourg)

Wanderung bis Climbach, Wanderzeit ca. 2 ¾  Std. 

Übernachtung im Hotel „Cheval Blanc“ (Ruhetag Dienstagabend und Mittwoch), Gite seit Juli wegen „Umbauarbeiten“ geschlossen, Wiedereröffnung unbekannt. Das weitere im Führer von Thomas Striebig angegebene Hotel À l’Ange ist seit 4 Jahren geschlossen!!

 

2. Tag:

Climbach – Obersteinbach, 5,45 Std. Wanderzeit (zuzüglich 1 ¼ Std. für Burgenbesichtigungen)

die Karte stimmt nicht mehr; auf die Wegeänderung im Bereich Hohenbourg – Loewenstein – Fleckenstein wird ausdrücklich hingewiesen. Unterhalb der Burgruine „Chateau du Fleckenstein“ wird ein neues „Center de annimation“ errichtet, das wohl für Weitwanderer nicht unbedingt notwendig ist! Übernachtung in sehr schöner Gite (privat) bei Madame Berring-Flaig, Tel. 03.88.09.55.26, nobeler Gasthof „Anthon“ schräg gegenüber

 

3. Tag:

Obersteinbach - Grand Wintersberg –Niederbronn-les-Bains, Wanderzeit 5 Std. 

Übernachtung Hotel „le Coq blanc“. Ein Versuch, sich in der Gite in Oberbronn anzumelden schlug fehl. Sie liegt auch überhaupt nicht am Weg.

 

4. Tag:

Niederbronn – Chateau Wasenbourg – Untermuhltal - Lichtenberg, Wanderzeit 5 ½ Std.

Sehr vornehmer Gasthof in Untermuhltal, nicht für Wanderer geeignet. Besonders auf Markierung auf der Straße nach Obermuhltal achten! Die Abzweigung ist von der Straße aus nicht mehr erkennbar, da durch eine Hecke verdeckt. Es geht sofort nach der Hütte des Angelvereins links ab. Übernachtung sehr schöne neue Gite comunal, Tel. 03.88.89.96.06 (Gemeindeverwaltung), Anmeldung am Wochenende derzeit über Mde. Scherer, Tel.: 03.88.89.95.86. Man merke sich: das Behindertenzimmer ist für die Wanderer reserviert. Besichtigung der Burg Lichtenberg derzeit nicht möglich wegen Bauarbeiten. Sehr schöne Unterkunft und hervorragende Küche zu akzeptablen Preisen: Hotel-Restaurant „Au Soleil“, Lichtenberg, Tel.: 03.88.89.96.13

 

5. Tag:

Lichtenberg – La Petite Pierre, 4,15 Std.

Im Bereich Wimmenau und Erckartswiller noch große Orkanschäden. Nach Erckartswiller existiert eine Umleitung für Wanderer „Attention Pedestre...“ Der richtige Weg ist noch zu finden, aber teilweise fehlen Markierungen, andererseits sind große Räummaschinen im Einsatz, die das Gelände verändert haben. Der Landgasthof in Erckartswiller bieten sich für eine Mittagspause an, aber nur für Leute mit großem Hunger. Die Gite comunal ist nicht über Tel. 03.88.70.45.30 zu erreichen. Von außen macht sie einen passablen Eindruck, schön gelegen, direkt am Rand der touristisch stark frequentierten Oberstadt. Vom office de tourisme wurde mir die Telefonnummer von Mme Schnepp 03.88.70.43.61 gegeben. Ich habe aber unter dieser Nummer niemand angetroffen. Ein Besuch im Chateau von la Petite-Pierre, wo die Naturparkverwaltung des Parc naturel des Vosges du Nord ihren Sitz hat, sollte bei dieser kurzen Etappe nicht fehlen. Die Übernachtung erfolgte im angenehmen **Hotel „Aux Vosges“, das nach meiner Ansicht gut einen dritten Stern verdient hätte! Sehr freundlicher Patron, der erklärt hat, daß er gerne mitwandern würde, wenn es seine Zeit zulassen würde.

 

6. Tag:

La Petite Pierre – Saverne, 5,30 Std.

Die Weiterwanderung erfolgt über Graufthal mit seinen berühmten Felsenwohnungen, die allerdings am Montagmorgen nicht zu besichtigen sind, Oberhof (Landgasthof mit montags Ruhetag) über teilweise asphaltierte Forststraße, direkt über die schon mehrere Kilometer vorher zu hörende Autoroute d l’Est (sehr unangenehmer Abschnitt) zum Forsthaus Kaltwiller an der N 4, wieder über Waldwege zum Col de Saverne, „Fossé de Pandours“, wo schon die alten Römer die Vogesen querten, direkt nach Saverne. Rückfahrt Saverne - Böblingen

 

Fazit: Eine kurze Tour mit weniger landschaftlichen, dafür um so mehr Burgen- und Städtehightlights. Der Wanderführer von Thomas Striebig ist für die Vorbereitung der Tour gut geeignet. Die Wege und das Umfeld – auch in geschichtlicher Hinsicht - sind ausführlich beschrieben. Zur Mitnahme im Rucksack würde ich jedoch schon aufgrund des hohen Gewichts abraten. Der Kleindruck ist auch nicht benutzerfreundlich; Karten oder Skizzen enthält er leider keine. Trotz meinem doch sehr lückenhaften französisch finde ich die Topo-guides für alle Wanderungen in Frankreich unschlagbar.

 

 

Hauts plateaux du Vercors

 

 Von Gerhard Wandel

 

1. Tag: Ich starte am Monat, 15. Juni 1998 in Grenoble, bei zunächst bedecktem Wetter. Mein erstes Lob gilt dem Nahverkehrssystem in Grenoble. Mit Straßenbahn und Bus gelangte ich zum Ausgangspunkt der Wanderung in Seyssinet-Village. Ein freundlicher Busfahrer zeigte mir ungefragt den Ausgangspunkt der Tour und bald ging’s den Berg hinauf nach St. Nizier, immer der rot-weißen Markierung des GR 9 folgend, mit zwischendurch schönen Ausblicken auf Grenoble. Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich schon 850 Höhenmeter aufgestiegen bin. Hier oben war es noch relativ frisch und der Ort wie ausgestorben. Danach kam ein schweißtreibender Abstieg in meine erste „Gorge“ mit fast 400 Höhenmetern, bei Nässe sicherlich eine unangenehme Tour. Hier unten im Tal bei Engins stieß ich auf eine urige Bar, um mich für den nächsten Aufstieg zu stärken. Der Weg steigt langsam an zum Plateau de Sornin und zum Felstrümmerfeld von Plénouze, erneut ca. 750 Höhenmeter. Die Vielfalt der Markierungen ist etwas irritierend; einmal rot-weiß, dann rot-rot, dann roter Balken auf weißem Grund usw. Teilweise handelt es sich wohl um Forstmarkierungen. Dann weist die Karte einen Weg – bezeichnet mit G.T.A. - hinunter zum Refuge de la Sure aus. Dieser Weg existiert so nicht. Ich bin hier über die Skipiste abgestiegen (ebenfalls sehr schweißtreibend!). Nach dem Führer zweigt der Weg erst nach dem Aussichtspunkt „la Sure“ ab. Nach Auskunft von anderen Wanderern ist jedoch auch hier kein Weg zu finden; sie sind ebenfalls über eine Skipiste abgestiegen. Hier endet der 1. Tag bei strahlendem Sonnenschein, der mir nun die ganze Tour über erhalten bleiben sollte.

 

 2. Tag: Der heutige Tag beginnt erneut mit einem Aufstieg, dieses Mal über eine andere Skipiste, die mir angenehmer erschien. Es sollte der Tag mit den schönsten landschaftlichen Highlights werden. Beim Aussichtspunkt „la Sure“ (1650m) hat man zum ersten Mal einen Blick fast 1400 m senkrecht hinunter ins Tal der Isere und nach Grenoble. Der Weg folgt nun den Felsklippen, immer wieder für 50 oder 100 Meter auf- und absteigend über den „Pas de la Clé“ bis zum „Bec del’Orient“. Der 2. Tag endet für mich im Ferienzentrum und Wintersportort Autrans in einem netten Hotel. Im Ort gibt es u.a. auch ein Informationszentrum der Nationalparkverwaltung.

 

3. Tag: Den heutigen Tag habe ich mehr fürs Relaxen vorgesehen. Zunächst steigt der Weg an zum Pas de Pertuson, danach kurzer steiler Abstieg (im Winter und Frühling bei noch reichlich Schnee durch Seile gesichert), der langsam in einen schönen Wiesenweg übergeht, zu meinem heutigen Endpunkt Rencurel. Außer dem derzeit offenen Hotel (sogar mit Pool!!) gibt es hier eigentlich nur ein paar verstreute Bauernhöfe.

 

4. Tag: Der Weg führt zur Freude des heuschnupfengeschädigten Wanderers wieder in den Wald zur „Ref. du Serre du Satre“ und „Ref. de la Goulandiere“ zum Pas de Ranc. Diese Schutzhütten darf man nicht mit normalen Refuges vergleichen; es sind nur Blockhütten mit einem Ofen und Holz drin, ohne Matratzen, ohne Kocher und ohne Wasser. Am „Pas de Ranc“ erfolgt ein gewaltiger Abstieg über 800 Höhenmeter hinunter in die „Gorges de la Bourne“ nach Chorange, wo ich nach 8,5 Std. Marschzeit mit zitternden Knien ankam. Hier traf ich auf die Gite d`etape de luxe, „Vol de nuit“ mit 4-Bettzimmern, Bettwäsche, perfekt ausgestatteter Küche, Frühstück im Angebot, einem Müllsortierungssystem, das ich den Franzosen nicht zugetraut hätte.

 

5. Tag: Langsam gerate ich in finanzielle Schwierigkeiten. Nirgendwo findet man einen Geldkartenautomaten. Der Führer weist in Pont-en-Royans den nichtssagenden Begriff „commerces“ aus. Eine Geldumtauschmöglichkeit besteht aber am Samstag nicht. Die Postämter tauschen nur noch in den großen Ortschaften Geld. Den Weg ins Zentrum von St. Laurent-en-Royans hätte ich mir deshalb sparen können. Dann geht’s wieder kräftig bergauf bei brütender Mittagshitze zum Pas du Pas (800 Höhenmeter über Pont), dem anstrengendsten Aufstieg auf der gesamten Tour. Oben an der Passstrasse treffe ich ein holländisches Ehepaar beim Picknick, die natürlich auch kühle Getränke für einen durstigen Wanderer mit sich führen. Danach geht es auf oder entlang der wenig befahrenen Straße zum erstklassigen Hotel „Faravelon“ am „col de la Machine“. Das Thermometer zeigt am Spätnachmittag in 1030 m Höhe noch 30 Grad im Schatten.

 

6. Tag: Ruhetag, Zeit zum Relaxen, Karten schreiben, fotografieren und die hervorragende Küche des Hotels genießen, und sich darüber ärgern, dass man keine Badehose dabei hat, um sich in die kühlen Fluten des Swimmingpools zu stürzen.

 

7. Tag: Es geht weiter, zunächst noch ein kurzes Stück über den GR 9, dann über den GR 95 über Lente, einer Forstsiedlung, wo ich zum ersten Mal den Weg über Wiesen verloren habe. Der Weg führt weiter zum Col de la Chau mit schönem Ausblick. Dort steht die Gedenkstätte „Monument de la Résistance“ Wer sich gegen die Ausstellung „Verbrechen der deutschen Wehrmacht“ als einseitige Darstellung gewandt hatte, dem empfehle ich hier eine Besichtigung vor Ort, um sich ein besseres Bild über die damaligen Geschehen zu machen. Anlässlich einer Strafaktion wurde das Dorf Vassieux am 21.7.1944 ausgelöscht. Kein Bewohner hat überlebt. Auch für jemand, der von den historischen Ereignissen vorher wusste, hat mich der Rundgang durch diese Ausstellung zutiefst berührt. Beim Ausgang der Gedenkstätte steigt der Weg hinunter nach Vassieux-en-Vercors.

 

8. Tag: Von Vassieux folgt eine Markierung rot-weiß (GR) und eine Markierung gelb-grün (Markierung des Nationalparks) nach Süden. Die Markierung auf dem GR 95 ist deutlich schlechter als auf dem GR 9. Ich verliere die Markierung des GR ungefähr bei der Höhenangabe 1109. Die gelb-grüne Markierung führt mich den gestrichelten Weg auf der Karte hinauf zum Col de Font Payanne. Dort trifft man auf den GR 93, dem ich bis zur Kreuzung mit dem GR 95 folge. Dann Abstieg und erneuter Aufstieg zum Col de Vassieux mit einem letzten Blick zurück auf die geschichtsträchtige Hochebene. Die Refuge stellt wieder nur eine Blockhütte ohne Wasser, ohne Matratzen, ohne Kochgelegenheit dar. Beim Abstieg vom Col kommt man in eine mediterrane Landschaft mit Kiefernwäldern, Ginster, Steineichen, Wachholder. Der Abstieg will kein Ende nehmen. Lavendelfelder säumen den Weg. Es erfolgt ein erneuter kleiner Aufstieg, Weidezäune, Schafherden begleiten den Weg. Endlich ist Die nach 6,5 Std. erreicht. Im ersten Cafe bestelle ich einen Kaffee und viel Wasser. Mein Geldbeutel weist noch einen Bestand von 12 FFR aus. Der Kreditkarte sei Dank!!

 

Benützter Führer: Topo-guide „Hauts plateaux du Vercors“

 

Karte: Nr. 12 „massif du Vercors“, (1:50.000), éditions didier richard (nicht mehr erhältlich), IGN Nr. 3615 Parc naturel régional du Vercors (1:60.000)

 

 

Wanderung auf dem GR 5 vom Genfer See zum Mont-Blanc vom 1.-7. Sept. 2003

 

Von Gerhard Wandel

 

1. Tag: St. Gingolph - Novel

Anreise mit der Bahn über Zürich, Lausanne, St. Maurice nach St. Gingolph (franz.-schweizerische Grenze). Beginn der Einstiegswanderung auf der D 30 Richtung Novel, Markierung rot-weiß, dann an einem Abenteuerspielplatz vorbei immer entlang des orthographisch linken Flussufers der Morge bzw. Stromleitung folgend nach Novel. Nach 1 ½ Std. von St. Gingolph ab der Uferstraße am Genfer See erreicht man die idyllische Einsamkeit in Novel. Ich übernachte im Hotel „Le Gramont“, einer einfachen preisgünstigen Unterkunft, das sicher schon bessere Zeiten gesehen hat, die aber bestimmt schon einige Jahrzehnte zurückliegen. Essen gibts im Hotel „Du Clozet“, wo sich einige wenige Feriengäste aufhalten.

 

2. Tag: Novel – La Chapelle-d ´Abondance

Man folgt der Stromleitung nach la Planche, Chalets de Neuteu und trifft auf die andere Variante des GR 5, von Thonon-les-Bains kommend. Man überquert den Col de Bise und steigt hinunter zum Refuge de Bise (Chalets de Bise). Hier haben sich am Ende einer Fahrstraße einige Ausflugslokale neben dem Refuge des CAF niedergelassen. Vorsicht! Nicht geradeaus der Straße folgen, sondern links am Refuge vorbei zum Pas de la Bosse. Abstieg nach La Chapelle-d `Abondance, die letzten paar Kilometer auf Asphalt. Übernachtung im wanderfreundlichen „Le Vieux Moulin“, gleich links am Ortseingang,

Wanderzeit gut 7 Std.

 

3. Tag: La Chapelle d’Abondance – Refuge de Chésery

Zunächst folgt man der Hauptstraße nach la Pantiaz, nach Abzweigung über eine Brücke der Dranse gehts über eine neue Fahrstraße in den Wald hinein (ohne Markierung). Oberhalb des Wasserfalles trifft man wieder auf die Markierung rot-weiß. Nach 3 Stunden wird der „col des Mattes“ erreicht. Nach weiteren gut 2 ½ Stunden wird der „col de Bassachaux“ mit Ausflugswirtschaft erreicht. Meine vorgesehene Unterkunft „Chalet de Plaine Dranse“ hat ab 1. September geschlossen, sodaß ich meine Tourenplanung abändern muß. Es geht also auch anders: Auf dem weiteren Verlauf des Weges werden die Wegführung für Wanderer und für Mountainbiker getrennt!! Man kommt nach ca. 15 Min. an einer Alm mit Käseverkauf vorbei. Nach weiteren 1 ¼ Std. wird auf dem Col de Chésery die Grenze zur Schweiz überschritten und vor uns liegt der Lac Vert mit dem Refuge du Lac Vert oder auch Refuge de Chésery, einer einfachen Berghütte (ohne Dusche) in traumhafter Umgebung und dem Angebot auf Halbpension. Wanderzeit ca. 7 – 7 ½ Std.

 

4. Tag: Refuge de Chésery – Samoens

Über einen kurzen Aufstieg zum col des Portes de l’Hiver geht’s immer noch auf Schweizer Gebiet hinunter zum „Chalet Chaux-Palin“, schon fast ein Berghotel und weiter zum Refuge La Pierre und wieder hinauf zum „Col de Coux“ der Grenze nach Frankreich, danach Abstieg mit Zwischenaufstieg zum Col de la Golése. Die Hütte am Col ist leider ebenfalls geschlossen. Es folgt ein langer Abstieg nach les Allamands. Von der noch in meinem Führer erwähnten Gite ist nichts zu sehen. Nach Angaben von anderen Wandern ist die Wanderstrecke wegen Sturmschäden zwischen dem Wasserreservoir und Samoens derzeit nicht passierbar, sodaß man auf der Asphaltstraße verbleiben muß, ein wenig schöner Ausklang der Wanderung, der mir jedoch durch einen motorisierten Wanderer erspart blieb. Samoens lädt als angenehme Kleinstadt zum Verweilen ein; die Hotelpreise sind jedoch weniger einladend. Wanderzeit ca. 7 – 7 ½ Std.

 

5. Tag: Samoens – Refuge Chalet d’Anterne

Meine Mitwanderer Phil und Jeff aus Liverpool vom Vortag folgen heute ebenfalls der Wanderroute, die uns zunächst entlang des Flusses Giffre in die „Gorges des Tines“ führt. Der Aufstieg erfolgt problemlos über Leitern und Metalltritte. Es gibt Wasserfälle zu bestaunen und natürlich auch jede Menge Tagesausflügler, die sich an einem Abenteuerspielplatz tummeln. Am Ende einer Straße trifft man auf ein Ausflugslokal; danach hat der Wanderer die Landschaft wieder für sich und seinesgleichen. Man steigt hoch zum höchsten Punkt des heutigen Tages dem „collet d’Anterne“, danach kann man schon die Wanderhütte „Chalet d’Anterne“ sehen. Leider haben die Wolken sich zugezogen. Am Chalet angekommen, beginnt es zu regnen. 3 weitere Briten mit Zelt haben heute auch eine feste Unterkunft bevorzugt und gesellen sich zu uns auf die Hütte. Man geht zeitig zu Bett. Wanderzeit gut 5 Std.