|
|
|
Zuletzt aktualisiert am: 21.08.08 |
Europ Alpen A AL AND B BG BIH BY CH CY CZ D DK E EST F FIN FL GB GR H HR I IRL IS L LT LV M MC MD MK N NL P PL RO RSM RUS S SK SLO TR UKR V YU
W a n d e r b e r i c h t e - G r i e c h e n l a n d
Inhaltsverzeichnis: • Der Corfu Trail - Ein Bericht von der Erstbegehung durch den DAV, Sektion Neustadt /Weinstraße Von Alwin Müller
• Weitwandern auf dem Corfu Trail 2005 - Von Wolfgang Dettling
Der Corfu Trail - Ein Bericht von der Erstbegehung durch
den DAV, Sektion Neustadt /Weinstraße
Von Alwin Müller
Die Griechen wandern nicht. Zu Fuß gehen ist Arbeit, keinesfalls Vergnügen. Mit einer Ausnahme: Unser Wanderführer Costas. Aber er ist ein atypischer Grieche, ein Naturmensch, der sich während der Wanderung hauptsächlich von Kräutern am Wegesrand ernährt. Die Blüten vom Salbeistrauch eignen sich viel besser für den Tee als die Blätter, sagt er. Aha, wieder etwas gelernt. Und sie schmecken auch gut. Egal ob Salbei, Oregano, Zistrosen, Schalotten, alles schmeckt gar nicht schlecht und ist soo gesund.
Land und Leute haben wir kennengelernt. Die Leute weniger; siehe oben. Aber freundlich sind sie. In den Bergdörfern wurden wir mit überschwenglicher Freude begrüßt. Das war ein „Jassas“ (Hallo), ein „Kaliméra“ (Guten Tag), ein Winken und Lachen, als wir durch die Bergdörfer zogen, als wenn wir bei einem Festzug mitmachten.
Bergdörfer... Wie schön, daß der Corfu Trail nicht in die Touristenhochburgen, sondern in die einsame Natur führt und durch verschwiegene Dörfer. Aber die haben ein Problem: Abwanderung der Jugend in die Stadt. Da ist nichts los auf dem Land. Die Tavernen bieten meist nur etwas zum Trinken. Etwas zu essen mußten wir selbst mitbringen. Nichts war’s also mit der erhofften einheimischen Kost unterwegs. Aber dafür wurden wir abends entschädigt. Griechische Küche, die erste Woche in der Hauptstadt Kerkyra (Korfu) in einem der besten Restaurants. Z.B. die Moussaka, hm, die beste meines Lebens... In der zweiten Woche wurden wir im Norden der Insel in einem Clubhotel verwöhnt, einer Oase der Ruhe, direkt am Strand, mit Palmen, Bananenstauden, Jasminsträuchern, Agaven, Passionsblumen und vielem mehr. Der Bustransfer zu den jeweiligen Start- und Endpunkten der Tagesetappen klappte hervorragend.
Die
Ionischen Inseln, zu denen Korfu gehört, sind grün, im Gegensatz zu den Inseln
in der Ägäis. Üppig wuchernde Natur pur. Rosa blühende Judasbäume
leuchteten aus dem dunklen Grün der Wälder, ganze
Der Corfu Trail wurde neu geschaffen. Umweltfreunde, keine Bange - es wurden keine Wege neu geschoben, sondern alte Saumpfade vom Dickicht befreit, Wirtschaftswege einbezogen und alles markiert. Der Weg führt abwechslungsreich in Nord-Süd-Richtung mit einigen Schleifen längs über die Insel. Hochgebirgsähnliche Landschaft am Pantokrator (915 m) wechselt mit verschlungenen steinigen Pfaden durchs Dickicht, Panoramawege wechseln mit Küstenwegen über schroffen Fels und feinen Sand direkt am Strand.
Natur pur, aber auch etwas Kultur. Auf „Kaizer’s Throne“ bei Pelekas folgten wir den Spuren Kaiser Wilhelms II., der von hier aus gerne den Sonnenuntergang beobachtete. Wunderschön der Blick auf das an einer bizarren Felsküste gelegene Kloster von Palaiokastritsa. Obligatorisch der Besuch des auf einer winzigen Insel vor den Toren Kerkyras gelegenen Vlachema-Klosters.
Und nochmals kaiserlich, und zwar gleich doppelt: das Achilleion; Ferienresidenz der Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sissi“) und später des deutschen Kaisers Wilhelm II.
224
km ist er lang, der CT. Die Urkunden über die Erstbegehung, die wir 18
Alpenvereinsmitglieder von der Stiftung Corfu Trail am 19. April überreicht
bekamen, beweisen es. Aber: Wie kommt ausgerechnet die
Ergänzend gab mir 2003 Alwin Müller (Tel: 06321/ 15875) noch folgende Informationen:
Der Weg wurde von der Stiftung Corfu-Trail (P.O.Box 445, GR-49100 Corfu) angelegt. Die wesentliche Initiative ging von dem Hotelier Fried Aumann, (Tel: 0030-663/063225) aus. Insgesamt hat der Weg eine Länge von 250 km und kann in 8 bis 12 Etappen gewandert werden. Beste Jahreszeit sei Februar bis Mitte Juni und wieder von Mitte September bis November.
Eine Wanderkarte gibt es (noch) nicht, aber die Stiftung hat ein Faltblatt mit einer passablen Übersichtsskizze herausgegeben. Der Weg ist wie die Europäischen Fernwanderwege in Griechenland entweder mit gelben Metallschildern und Zusatz CT oder mit gelben Farbzeichen markiert. An mehreren Punkten, z.B. in einem Laden, bzw. einer Taverne am Weg, gäbe es Wanderkarten und Wanderführer gegen eine Pauschalgebühr von 3 €. Quartiere am Weg sollen zwar eingerichtet werden, aber darauf sei wahrscheinlich wenig Verlaß.
Alwin Müller hat, wie er oben beschrieben hat, eine geführte Wanderung mitgemacht. Erfahrungsberichte wären erwünscht, wie Wanderer allein auf dem Weg zurechtkommen.
Naheliegend
wäre eine Lösung mit täglichem Hoteltransfer wie sie Alwin Müller
praktiziert hat in Abstimmung mit dem Reisebüro: „Apergi Travel & Tourism“ in der Dimokratias Avenue &. 1 I. Polylasstreet GR- 49100 Corfu. Tel: 0030-661/ 48713; eMail: ««apergi@travelling.gr» , weitere Informationen über www.travelling.gr/apergi .
Dort sieht man Fotos von der Strecke und kann auch Touren über eine oder zwei Wochen buchen; weitere Informationen auch über eine Suchmaschine und „Corfu Trail“.
Lutz Heidemann
Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 11 - August 2003
Weitwandern auf dem Corfu Trail 2005 - oder: "Pou pate?"
Von Wolfgang Dettling
Nachdem
wir im Jahre 1989 den Norden der Insel Korfu mit Zelt und Rucksack erwandert und
– mit dem damals gerade erschienenen Sunflower-Führer „Korfu“ und
Gesprächen mit Einheimischen - viele alte Wege alleine „entdeckt“ hatten,
war der Bericht von Alwin Müller im Netzwerk Weitwandern Mitteilungsblatt
Ausgabe 11 vom August 2003 eine motivierende Anregung, wieder einmal zu Fuß
durch die Insel Korfu zu gehen. Zwar hatte Alwin Müller noch geschrieben, dass „zu
Fuß gehen ... Arbeit (ist), keinesfalls Vergnügen“ – aber das sollte uns
Also: Mit gespanntem Vergnügen auf den Corfu Trail, mit großem Gepäck und Zelt. Unser Ziel war, den ganzen Weg (mit 250 km angegeben, wir vermuten mehr) vom Süden der Insel (den wir auch noch nicht kannten) bis zur Nordspitze durchgehend zu wandern. Im Gepäck ein Zelt, um unabhängig zu sein, die herrlichen Olivenhaine auszunützen, von denen wir wussten, dass sie sich zum Zelten hervorragend eignen und um auch so flexibel zu sein, die wunderschönen Abendstunden noch wandernd zu genießen. Die Pfingstferien 2005 hatten wir gewählt, weil wir wissen, um diese Zeit sind südliche Inseln am schönsten. Das hat sich bewahrheitet.
Um
es vorweg zu sagen: Der Corfu Trail ist ein unglaublich schöner Weitwanderweg.
Er orientiert sich überwiegend an alten Wegen und immer wieder auch an den von
uns so geliebten alten „monopatia“ oder „kaldirimia“, also den alten
Kopfsteinpflasterpfaden, die früher die Verbindungswege zwischen den Dörfern
waren und heute noch gelegentlich von Jägern begangen werden. Diese Wege,
überwiegend (!) im Schatten und in Wäldern gelegen, haben wir mit großem
Respekt vor den Wegemeistern vergangener Jahrzehnte genossen. Anzumerken bleibt
allerdings, dass einige dieser Wege sehr verwachsen, teilweise schwer zu finden,
häufig unübersichtlich, weil schlecht markiert und mit großem Gepäck mühsam
zu gehen waren. So ist z.B. der Weg zum Agii-Deka-Berg mit großem Gepäck sehr
mühsam zu gehen, scheint aber von oben her freigelegt zu werden. Ebenso nicht
einfach zu finden ist der alte Pfad nach Alt-Perithia, da der stark wachsende
Farn und die häufigen „Alternativen“
durch das Weide-Vieh den Wegverlauf zum Teil undeutlich machen. Eine Hilfe –
wie übrigens häufiger – war uns hier die Beschreibung im gerade in der
vierten Auflage erschienen „Sunflower-Führer“ von Noel Rochford, der auch
immer wieder auf den Corfu Trail eingeht. Allerdings ist auch
Am Anfang folgt der Corfu Trail der Westküste. Das mag motivierend klingend, ist auch recht interessant, aber die Küstenwege durch Sand und Dünen sind mit großem Weitwanderer-Gepäck nicht mühelos zu gehen. Gut, wenn man nahe am Wasser gehen kann, wo der Sand fest ist und einen guten Schritt ermöglicht. Nicht ganz einfach zu finden scheint uns der Weg durch die Dünen an der Korissia-Lagune zu sein. Die Richtung ist zwar klar, aber der Wegverlauf nicht. Dies mag für „Anfänger“ solcher Insel-Wege etwas verunsichernd wirken. Mangels klarer Markierung ist danach auch nicht klar, wo der Weg nach Paramonas weiterverläuft – Intuition und Absprache, ggf. Nachfragen bei Einheimischen, können und müssen helfen.
Großartig,
wenn auch nicht ganz mühelos nach einem schon langen Wandertag, empfanden wir
den Weg zum Berg Pantokrator. Unser Ziel war, bei der alten und verfallenen
Taxiarchen-Kapelle zu übernachten. Also: Noch eine Flasche Hauswein in
Spartilas in den Rucksack und los! Das Gelände bei der Kapelle eignet sich aber
zum Zelten schlecht (ein alter Dreschplatz in der Nähe wäre eine Alternative)
– also noch weiter zum Pantokrator. Bei unserer Tour 1989 hatten wir das
Glück, oben im Kloster noch einen Mönch anzutreffen, bei dem wir verköstigt
wurden und übernachten konnten. Das war uns heuer nicht vergönnt – das
Kloster war verschlossen, gerade wohl nicht bewohnt, die inzwischen errichtete
Bar oben am Berg (als „Archondariki“ wie bei Athosklöstern „getarnt“)
leider auch geschlossen, aber der Aufstieg bei Sonnenuntergang war für alles
entschädigend, die (kühle) Übernachtung im Zelt vor den Klosterpforten
stilvoll, der Wein Schlaf bringend und der Sonnenaufgang
Zusammenfassend stellen wir fest, dass der Corfu Trail insgesamt ein erfüllend zu gehender Weitwanderweg ist. Es ist, wie wir finden, aber ein insgesamt anstrengender (viele Höhenmeter) und auch teilweise (für „Anfänger“ solcher Wege) schwieriger Weg, da die gelbe Markierung zuweilen äußerst dürftig, zum Teil überwuchert und aufgrund der Sonneneinstrahlung häufig verblichen ist. Die Markierungsschilder sind zuweilen überwachsen und fehlen gerade in den Ortschaften, wo sie vonnöten wären, meist völlig. Hier gilt dann: Ausprobieren, Anwohner fragen, Intuition walten lassen ....... und sich zuweilen auch ärgern.
Wer
sich also von diesen – wie sagte uns jemand: „eben korfiotischen“ –Unabwägbarkeiten
nicht demotivieren lässt, wer keine Angst vor den jeden Tag einem häufig
begegnenden Schlangen hat und wer einen Weg mit herrlichem (mehrheitlich im
Schatten durch Wälder und Olivenhainen führenden) Verlauf mit zuweilen
atemberaubenden Aussichten durch eine blühende, duftende, ruhige und einsame
Landschaft sucht, wer sich auch nicht davon abschrecken lässt, z.B. einen Weg
an einem Swimming-Pool eines Hotels vorbei mit anschließendem Erklettern einer
Mauer zu gehen, wer Lust an wildem, aber völlig unkompliziertem und traumhafte
Möglichkeiten bietendem Zelten hat, für den ist der Corfu Trail „Ar-beit und
Vergnügen“ – ein echtes Erlebnis. Den ganzen Corfu-Trail alleine zu gehen,
davon raten wir ab. Wir haben täglich die Erfahrung gemacht, dass die sparsamen
Markierungen immer wieder 4 Augen, verschiedene Routenüberlegungen und eine
geteilte bzw. verdoppelte Aufmerksamkeit nötig machten. Der Corfu Trail ist
kein Weg, wo man gedankenverloren
Das Buch zum Trail ist derzeit angeblich vergriffen – vielleicht könnte es einige Unklarheiten beseitigen. Wir suchten das Aperghi-Reisebüro in Korfu-Stadt und einige Buchläden auf, wurden aber weder bezüglich des Buches noch bezüglich genauerem Kartenmaterial fündig.
Über Nachfragen, weiteren Infos, Erfahrungen anderer auf dem Corfu-Trail freuen wir uns. Gerne geben wir natürlich auch weitere Auskünfte. Meldet euch doch einfach bei Wolfgang Dettling, Säntisweg 1, 88279 Amtzell, Telefon 07520/953637, Wolfgang.Dettling@web.de
Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 18 - Dezember 2005
Europ Alpen A AL AND B BG BIH BY CH CY CZ D DK E EST F FIN FL GB GR H HR I IRL IS L LT LV M MC MD MK N NL P PL RO RSM RUS S SK SLO TR UKR V YU |