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 am:   21.08.08

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W a n d e r b e r i c h t e  -  I t a l i e n

 

 

Inhaltsverzeichnis:    •  Der Weg der Vier Täler - 

                                  Unterwegs zwischen Luganer und Comer See

                                  Von Frank Rainer Scheck

                               •  Auf einsamen Wegen zwischen Alpen und Meer

                                  Von Michael Kleider

                               •  Via degli Dei - Der Götterweg Bologna - Florenz/Fiesole

                                  Von Dr. Helmut Huber

                               •  Giro del Benaco - Rundtour um den Gardasee

                                  Von Günther Krämer

                               •  Weitwandern im Aostatal - 

                                  Bericht von einer Sommerwandertour im Jahr 2005

                                  Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

                               •  Wanderung auf dem „Alte Via 1“ im Aostatal

                                  Von Gerhard Wandel

                               •  Wanderung Percorsi Occitani Teil 1

                                  Von Gerhard Wandel

                               •  Wanderung Percorsi Occitani Teil 2

                                  Von Gerhard Wandel

                               •  Wanderung in der südlichen Toscana

                                  Von Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

                                 Sentiero Italia in Lombardia - 

                                  Abschnitt „Via dei Monti Lariani“

                                  Von Gerhard Wandel

 

Der Weg der Vier Täler

Unterwegs zwischen Luganer und Comer See

 

Von Frank Rainer Scheck

 

Routencharakter

 

Der Vier-Täler Weg (Il Sentiero Delle Quattro Valli), ca. 45 km lang, führt in drei Tagen von Dasio, einem Weiler in der Val Solda über dem Luganer See, nach Breglia, einem Dörfchen oberhalb von Menaggio am Comer See. Fern der touristischen Zentren an den Seeufern, verläuft er in ganzer Länge auf italienischem, genauer: lombardischem Boden, zunächst nordwärts unter dem schweizerisch-italienischen Grenzkamm, dann abschwenkend unter dem im Pizzo di Gino (2245 m) gipfelnden östlichen Kammausläufer. Die Höhen gehören zu den Lepontinischen Alpen, und die angesprochenen vier Täler - die Val Solda, die Val Rezzo, die Val Cavargna und die waldreiche Val Sanagra - ziehen sich mit ihren Bächen entweder zum Lago di Lugano hinunter (die ersten drei) oder zum Comer See.

 

Die Azienda di Promozione Turistica in Como hat die Weitwanderung in Zusammenarbeit mit der Communità Montana Alpi Lepontine und dem Club Alpino Italiano (CAI, Sektion Menaggio) um 1984 entwickelt. Der Weg ist einheitlich rot-weiß-rot markiert; dazu findet sich gelegentlich auf rechteckigen Blechschildchen als spezifisches Signal für den Sentiero Delle Quattro Valli eine schwarze, in roter Farbe schräg durchstrichene 3 im weißen Quadratfeld, beiderseits von roten Feldern flankiert.

 

Der Vier-Täler-Weg bewegt sich in mittelhohen Lagen zwischen 580 m (Dasio) und 1640 m (Punkt über Alpe Nesdale) und berührt in seinem Zug über die Hänge, ähnlich wie die bekanntere Via Dei Monti Lariani (mit der er sich in Breglia verbindet; s.u.), unzählige Weidelehnen mit Monti – reizvoll-idyllische Höhenweiler und Maiensässen –, die teils im Verfall, meist aber im Wiederaufbau als Feriendomizilien begriffen sind. Besonders aussichtsreich sind die zweite Hälfte der ersten und die zweite Etappe. Auf der dritten Etappe kann man sich – Empfehlung! - dem Wald nach reichlich zwei Stunden durch eine Wegvariante über die Alpe Nesdale und die Kapelle von San Amate entziehen. (Diese Variante wird im folgenden beschrieben.) Vor allem die Val Cavargna, deren durch viele Bachläufe gekerbten Hänge über Stunden ausgegangen werden, behält der Wanderer in bester Erinnerung – eine anmutige Landschaft, zu deren wasserreicher Frische im Frühjahr die das Tal überragenden Schneehöhen beitragen.

 

Die Begehung des Sentiero erfordert keinerlei wandertechnische Versiertheit – allerdings eine gewisse Grundfitneß, denn auf der ersten und zweiten Etappe sind, verteilt auf mehrere Routenabschnitte, jeweils um 1000 m aufzusteigen. Als ‚Hosentaschenweg‘ läßt sich der S4V, auch wenn es nirgendwo unbequem steil oder fordernd wird, also nicht bezeichnen.

 

Man wandert meist auf alten, gut erhaltenen Pfaden, die Dörfer untereinander oder auch Dörfer mit ihren Maiensässen verbanden. Die Route über den Passo Stretto wurde historisch von Säumern genutzt, die weiter zum Passo di San Lucio und von dort ins südliche Tessin strebten. Bei Cavargna benutzt man kurz eine Militärmulattiera, die zum Passo San Jorio führte. Teerpassagen sind selten und beschränken sich im wesentlichen auf die unmittelbaren Ortsbereiche von Dasio, Seghébbia, Cavargna und Breglia.

 

Da man nicht in Hütten, sondern in – allerdings bescheiden ausgestatteten - Alberghi nächtigt, kann sich die Ausrüstung auf das Notwendigste beschränken. Feste Bergschuhe und ein Regenschutz sind natürlich unverzichtbar, Teleskopstöcke hilfreich, wenn sich nach Regenfällen ohnehin durchfeuchtete Bachhänge als schlammig-rutschig erweisen.

 

Im Hochsommer kann es in den sonnenexponierten Passagen des Sentiero heiß werden. Empfohlen seien als Wanderzeit der Frühling (Mitte April bis Mitte Juni) und der Herbst (Mitte September bis Ende Oktober). Im Frühjahr führen die Bäche allerdings zuweilen viel Wasser, was bei zwei der (vielen) Querungen Unannehmlichkeiten bereiten kann. Dafür ist man um diese Jahreszeit vor den Nachmittagsgewittern sicher, für die die Gegend zwischen Luganer und Comer See im Sommer bekannt ist. Die Sichtbehinderung durch Wolkennebel ist auch bei Schlechtwetter nie so gravierend, daß die Wegführung verfehlt werden könnte.

 

Im Frühling und Herbst geht man den Vier-Täler-Weg in beschaulicher Einsamkeit, nur an den Wochenenden werkeln um diese Zeiten schon/noch einige Hütten- und Häuschenbesitzer, stets mit viel Inbrunst, an ihren Monti. Viele von ihnen stammen übrigens aus dem dunstverhangenen Mailand und haben hier, am Nordwestrand Italiens, ihr ‚kleines Paradies‘ gefunden.

 

Die Route

 

Anreise: Aus dem Westen Deutschlands reist man per Eisenbahn am besten über die ‚Rheinschiene‘ an, zeitgünstig z.B. mit dem Mailand-Nachtzug bis Lugano. Vom Luganeser Bahnhof mit der Standseilbahn hinunter ins Stadtzentrum; von dort zu Fuß (in ca. 20 Min.), zuletzt den einbetonierten Bach Cassarate querend, zur Bushaltestelle am Campo di Marcio. Ticket vorab am 100 m entfernten Kiosk an der Durchgangsstraße kaufen; wochentags sechs oder sieben Busse nach Porlezza. Personaldokumente bereit halten, denn bald nach Gandria wird die schweizerisch-italienische Grenze passiert! Wer mit dem Nachtzug gekommen ist, erreicht Porlezza rechtzeitig, um von dort mit einem der beiden Mittagsbusse (wochentags ab Porlezza: 12:30 und 13:27 Uhr) nach Dasio aufzufahren und die Wanderung zu beginnen (erster Tag = etwa 5:15 Std. reine Gehzeit). –

Aus dem Südosten und Osten Deutschlands fährt man mit der Eisenbahn am besten über das schweizerische Chur an und benützt dann den Bus über Thusis und San Bernardino, der vor dem Bahnhof von Bellinzona seine Endhaltestelle hat. Von dort weiter mit dem Zug (tagsüber Verbindungen etwa im Stundentakt) nach Lugano und, wie beschrieben, mit dem Bus nach Porlezza (s.o.). Mit dem Auto könnte man auch über St. Moritz – Maloja – Chiavenna – Sorico – Menaggio anreisen; dann am besten den Wagen in Menaggio abstellen und mit dem Bus nach Porlezza/Seehaltestelle weiterfahren (ca. 30 Min.).

 

Zwischenunterkunft: Für die Übernachtung in Lugano kann das Hotel „Montarina“ (nur 5 Min. vom Bahnhof; Tel. CH-091/966 72 72) empfohlen werden, das neben Einzel- und Doppelzimmern (pro Person 50-60 €) auch preiswerte Schlafsaal-Unterkunft für backpacker bietet. - Wer in Porlezza übernachten möchte, sei auf das Mittelklasse-Hotel „Risorgimento“ in der Via Vanetti 16 (Tel. I-03444/61 122; DZ ca. 70 €; Besitzer spricht etwas englisch) hingewiesen, ca. 15 Min. entfernt von der Seefront und relativ ruhig gelegen.

 

ERSTER TAG: Dasio, ein Weiler in der obersten Val Solda, wird viermal am Tag von Porlezza aus angefahren. Wer am See übernachtet hat, nimmt am besten den Bus um 7:49 Uhr, ansonsten einen der schon genannten Mittagsbusse. Fahrtzeit: etwa 30 Min. Von der Endhaltestelle Dasio (ca. 580 m) links der Renaissancekirche kurz aufwärts, dann rechts abbiegen in die „Via per Buggiolo“, die sogleich in einen Pfad übergeht und zu einem Holzsteg über den Torrente Soldo hinunterführt. Auf der anderen Seite gleich links ab und hinauf zu einer Hütte sowie einer Materialseilbahn. Danach auf begrüntem Fahrweg zu einer Weggabel; hier links und an einem großen Bauernhaus mit Speicher vorbei auf sehr steiler Piste zu einer Schutzhütte (900 m; von Dasio 1 Std.). Kurz darauf endet die Piste. Auf dem rechten von zwei Pfaden weiter durch di Valle di Bronzone aufwärts bis zum Passo Stretto (1100 m), wo sich der Wald öffnet. Über ein gestrecktes Wiesenstück mit Höhenverlust wieder in den Buchenwald, teils entlang einem Bachbett, zur Alpe Riccola (1037 m), deren Weidegelände man nach Norden verläßt. Gegenaufstieg zum Passo Pralungo (1115 m), der dem Passo Stretto ähnelt. Nach einem weiteren Wegstück durch schönen Buchenwald erreicht man die Alpe Pramarzio (1061). Unterhalb der Alpe durch ein Drahtgatter, dann über den Wiesenhang und im Linksschwung hinunter ins Cagna-Bachtal (1020 m). Am Gegenhang aufwärts zum Dorffriedhof (unterhalb der Kirche) von Seghébbia (ca. 1100 m; 3 Std.), von wo ein Karrenweg zum Asphalt der Straße durch die Val Rezzo führt. Auf dem Asphalt nach links bis zum Straßenschluß (kleiner Platz) mit Bushaltestelle. Rechts der Haltestelle aufwärts und nach einer Linkskurve am alten Waschhaus des Dörfchens vorbei. Die Steinpflastergasse geht in einen Karrenweg über. Bald scharf rechts ab und, nahe einem modernen Marienschrein (ca. 1220 m), zu einer Weggabel an einem trocken gefallenen Kanal. Der alte Säumerweg zum Paß des Sennenheiligen Lucio zweigt hier links ab (via Alpe Colmine), der Sentiero führt rechts durch lichten Buchenwald zur Kapelle Madonna del Cepp (1340 m), einem Rastplatz mit prächtiger Aussicht in die Val Rezzo. Hinter der Kapelle die moderne Piste zum Passo di San Lucio. Man folgt ihr etwa 400 m nach links und zweigt dann auf die Zufahrt zu den Monti Colonè (ca. 1370-1410 m) ab, einer am offenen Hang gelegenen Häusergruppe, die herrliche Aussicht ins nächste Tal, die Val Cavargna, bietet. Von Dasio etwa 4:15 Std. Auf der Piste bleiben, die an den letzten Häusern vorbeizieht und danach steiler absinkt. Ca. 50 m nach einer rauhbetonverstärkten Rechtskurve zweigt links, leicht zu übersehen (Markierungen und ein Wegweiser fehlen), der Pfad nach Cavargna ab. Am verbuschten Hang abwärts und, zuletzt an Hüttenruinen vorbei, zum 1984 angelegten Ponte Val Marda (1220 m). Gleich darauf noch ein Nebenbach, dann auf der linken Seite des Talhauptbachs in den Buchenbannwald von Cavargna. Zuletzt auf einem Stufenweg hinab zur Kirche des Bergörtchens (1070 m; 5¼ Std.). Nach rechts erreicht man schon nach 1 Min. die Aufgangstreppe zum Albergo „Locanda Franca“ (Tel. 0344/63 133). Die zweite Unterkunft, der etwas nachlässig geführte Albergo „Miravalle“ (Tel. 0344/63 154), liegt ca. 300 m entfernt rechts an der ersten Kurve der (Richtung Porlezza) absinkenden Hauptstraße. Beide Alberghi sind ganzjährig geöfffnet. Zwischen „Franca“ und „Miravalle“, schräg gegenüber dem modernen Café „Della Piazza“, die Busendhaltestelle. Letzte Abfahrten nach Porlezza (nicht sonntags!): 15:27 und 16:55 Uhr.

 

ZWEITER TAG: Zurück zur modernen Kirche San Lorenzo (1070 m), rechts an ihr vorbei und gleich darauf, bei einem kleinen Parkplatz, den Weg rechts/abwärts einschlagen: ursprünglich die alte italienische Militärmulattiera zum Grenzkamm im Norden. Eine Metallbrücke (ca. 1040 m) führt etwa 20 Min. später über einen starken Bach. Gegenaufstieg zum Friedhof von Finsuè (ca. 1150 m). Auf dem Pfad bleiben, bis er einen Erdfahrweg mit betonierter Randfassung erreicht. Auf diesem Weg zu den Häusern von Monti di Collo (1200 m; von Cavargna 1 Std.). Beim Brunnen hinter dem letzten Haus setzt sich die Mulattiera fort. Nach nur 2 Min. zweigt der Sentiero rechts (kleiner Wegweiser) ab, zieht über offene Grashänge, quert einen Bach und ein dichtes Waldstück (mit Nadelgehölz). Über den Hauptbach Cuccio di Cavargna führt ein Holzsteg (1260 m; 1½ Std.) Nun über die aussichtsreichen Westhänge des Cavargna-Tals zu den in mehreren Gruppen am Hang gestaffelten Monti di Carava. Die ersten Häuser liegen etwa 1275 m hoch. Abstieg zu einem durch Betonstufungen regulierten Bach aus der Valle di Biscie. Nicht auf der hier einsetzenden Schotterpiste rechts hinunter zu einer modernen Brücke, sondern ca. 20 m nach links, wo der Bach auf Geröll gequert werden kann. Recht steiler Gegenaufstieg durch erodiertes Gelände zu einer Hüttengruppe mit Materialseilbahn (1250 m; 2 Std.), danach über verkrautete Grashänge, wobei man schon nach 2 Min. bei einer Pfadgabel links halten muß. Zu einem weißgestrichen Einzelhaus hinauf und in einem Linksbogen zu den Monti Gromia (1295 m). Es geht nun in den Innenbogen der Valle Ruina. Die lange, meist aussichtsreiche Traverse, die zwei kleine Tannengehölze quert, endet nach einem dritten Waldstück im Auslauf einer Teerstraße (1265 m; 3 Std.), die vom Dorf San Nazzaro (dort Bushaltestelle an der Strecke Porlezza - Cavargna) kommt und sich als Alppiste Richtung Pizzo di Gino fortsetzt. Man quert Straße/Piste und nimmt einen Fahrweg, der 2 Min. später, nach Passage einiger Ferienhäuser, in einen Pfad übergeht und in den Talwinkel der Valle di Lana absinkt. Kurzer Gegenaufstieg zu den Monti von Rus di Vora auf einer aussichtsreichen Bergschulter (mit Materialseilbahn). Etwas höher am Hang eine Marienkapelle. Von Rus scharfwinklig links auf einer Erdtrasse abwärts in den nächsten Taleinschnitt, wo wiederum ein Teersträßlein (kommt von San Bartolomeo; auch dort Bushaltestellen) endet. Hier links halten. Oberhalb der Häuser von Darni führt der Sentiero tiefer in die Valle dei Molini, ein Betonsteg überbrückt schließlich den Cuccio di Sebol (1140 m). Auf der Gegenseite hinauf zu einem Alppfad, der in einem Linksbogen zum sonnig-südseitigen Weiler Oggia (um 1120 m; 4 Std.) führt. Zunächst etwa 150 m durch eine Dorfgasse, dann rechts ab zum Ende einer Teerstraße, die in den 1990er Jahren von San Bartolomeo nach Oggia vorgetrieben wurde. Man verläßt die Autostraße sofort wieder nach rechts, passiert das Kirchlein Chiesa di Vraccia auf der Apsisseite und biegt gleich darauf bei Haus- und Nutzbauten (auffällig ein Schuppen mit Gittertür) links ab auf einen Pfad, der über zwei Rinnsale zur Straße zurückführen würde, sich aber etwa drei Dutzend Meter vorher gabelt (schlechte Markierung). Hier rechts halten und im Linksbogen in einen Wald von Buchen und Eßkastanien hinein. Nach 15 Min. quert man bei dem Einödhof von Selva (1000 m) die Straße und erreicht, auf weiterhin absinkendem Pfad, die Monti von Costa (930 m). An den obersten Häusern vorbei nach links in den Bachwinkel des Cuccio di San Bartolomeo, der auf einem Betonsteg überschritten wird. Kurz darauf beginnt ein langgezogener, nicht immer gut markierter Waldaufstieg bis auf eine Höhe von 1210 m, wo der Pfad eine Alppiste (führt zur Alpe Sebol) berührt. Nicht auf der Piste, sondern auf dem Pfad rechts abwärts zur Lichtung von La Sella und von dort auf einem Karren-, dann Schotterweg ins Zentrum der Monti-Gruppe von Malè (um 1150 m). Die Etappenunterkunft, der zwischen Anfang April und Ende Oktober geöffnete Albergo „Locanda Maria“ (Tel. 0344/66 158 bzw. 66 196), liegt nur 2 Min. entfernt zur Rechten. Von Cavargna 6 Std.

 

DRITTER TAG: Zurück auf dem letztem Wegstück (2 Min.), dann geradeaus weiter. An einem Parkstreifen vorbei zu einer Erdpiste. Auf ihr kurz rechts abwärts (Richtung Cusone im Cavargna-Tal), dann links auf eine andere Piste abzweigen, die bald an der Alpe Logone (1184 m) vorbeizieht und nach weiteren ca. 10 Min. Wald erreicht. Nun steiler abwärts, bis auf 1050 m Höhe der Auslauf eines Teersträßleins (von Carlazzo her) erreicht ist. Hier links halten. Der Teer endet sogleich, und man wandert auf einer stabilisierten Forstpiste, die im Gegenanstieg nach etwa 20 Min. an den Weidelehnen der Alpe Erba (1190 m) vorbeiführt. Wenige Minuten nach einer Blechhütte auf der Rechten (= Talstation der Materialseilbahn zur Alpe Nesdale; s.u.) zweigt auf 1240 m Höhe die Hauptroute des Sentiero rechts ab (leicht zu übersehender Hangpfad) und quert den Torrente Sanagra. Empfohlen und beschrieben sei aber die aussichtsreichere Nebenroute (nicht mit den spezifischen S4V-Blechschildchen versehen). Wer sie wählt, bleibt auf der Forstpiste, die bei den Bauten der Alpe Leveja (1317 m; von Malè 1¾ Std.) endet. Ein Pfad führt über einen Quellbach des Torrente Sanagra und weitere Bäche und steigt, nun sehr ausgetreten vom Alpvieh, steil durch Wald zu den Weidehängen der noch bestoßenen Alpe Nesdale auf (1612 m; knapp 3 Std.). In einem Linksbogen an die zunächst noch nicht sichtbare Alpe heran, links an ihr vorbei und nochmals links: ca. 25 Höhenmeter aufwärts zu einem breiten Viehweg. Noch etwas höher am Hang verläuft ein Pfad, der dem rauhen Viehweg vorzuziehen ist. Auf ihm fast eben und mit weiten Ausblicken am Hang des Bergrückens Costone de Bregagno hinüber zur einsamen Kapelle San Amate (1623 m). Südlich der Kapelle gabelt sich der Pfad; beide Linien führen nach Breglia. Wer noch den Rifugio „Menaggio“ (Tel. 0344/37 282; 30 Lager in Stockwerkbetten) besuchen will, hält rechts und steigt, einen Abzweig zum Gipfel des Monte Grona (1736 m) auslassend (oder den sehr aussichtsreichen Gipfel ‚mitnehmend‘; hin und zurück 30-40 Min.), zur Hütte ab, die auf etwa 1380 m Höhe in schöner Aussichtslage am Westhang über dem Comer See liegt und zwischen Anfang Juli und Anfang September durchgehend, in der übrigen Zeit an Wochenenden geöffnet ist. Vom Rifugio auf einem Pfad relativ eben nach Osten, dann auf dem von San Amate kommenden ‚linken Pfad‘ hinunter zu den Monti di Breglia, bei deren obersten Hütten (ca. 1000 m; 4¼ Std.) man einen Erdfahrweg erreicht. Die folgende Wegstrecke nach Breglia – Piste, Pfad, zuletzt auch kurze Teerstrecken - ist kompliziert, aber bestens mit kleinen Wegweisern versehen. Bei einem modernen Brunnen erreicht man den oberen Ortssaum von Breglia. Auf Asphalt in 2-3 Min. zum Zentralplatz mit der Busendhaltestelle (765 m; Std.). Wer in Breglia übernachten will, findet im Albergo „Breglia“ (Tel. 0344/37 250; Besitzer spricht deutsch) etwas oberhalb des Zentralplatzes eine ganzjährig geöffnete angenehme Mittelklasse-Unterkunft.

 

Abgang: Abfahrt von Breglia mit dem Bus nach Menaggio am Comer See (mehrere Busse täglich, jedoch nicht sonntags! 7 km bis Menaggio). Menaggio besitzt Alberghi aller Preiskategorien, dazu eine Jugendherberge, den Ostello „La Primula“ (Tel. 0344/32 356). Bus-Anschluß nach Como wie nach Porlezza/Lugano – oder auch ans Nordende des Comer Sees (Sorico, Colico).

 

Weiterwandern – zwei Hinweise

 

Breglia, der Endpunkt des Sentiero Delle Quattro Valli, ist zugleich Etappenstation des Weitwanderwegs Via Dei Monti Lariani. Man könnte nach der Übernachtung im Mittelklasse-Albergo „Breglia“ (s.o.) die Tour auf dieser Route unmittelbar fortsetzen bis zum Nordende des Comer Sees bei Sorico – noch vier Tage braucht man bis dort – oder auch fortsetzen, in Gegenrichtung, bis zum Südende des Comer Sees bei Piazza San Stefano, einem Örtchen über Cernobbio. Für die Südstrecke benötigt man ebenfalls vier Tage.

 

Es sei ferner angemerkt, daß Breglia auch Ausgangspunkt der vier- oder fünftägigen Alta Via del Lario (AVL) ist, die über den Rifugio „Menaggio“ (s.o.) und den Pizzo di Gino (2245 m) zum italienisch-schweizerischen Grenzkamm und schließlich über den Sasso Canale (2397 m) wieder hinunter nach Sorico am Comer See führt. Diese landschaftlich beeindruckende, ungewöhnlich aussichtsreiche Sommerroute setzt den erfahrenen Bergwanderer voraus und weist sehr lange Etappen auf. Da eine der Unterkünfte am Weg (Rifugio „Como“/12 Lager) nur mit Schlüssel zugänglich ist, der wiederum beim CAI Dongo (Sektionsbüro: 50 m links neben dem Postamt) bzw. im Ristorante „La Baita“ (Tel. 0344/89722) im Bergdorf Livo nördlich von Dongo liegt, kann man sich nicht spontan in Breglia oder im Rifugio „Menaggio“ für die AVL entscheiden. Auch deshalb übrigens nicht, weil man Lebensmittel und Ausrüstung für zwei Übernachtungen in unbewirteten Unterkünften (neben dem Rifugio „Como“ noch der Bivacco „Petazzi“/8 Lager, bekannt auch als Bivacco „Ledu“) benötigt. Die beiden anderen Unterkünfte an der AVL sind der zwischen Mitte Juni und Ende September bewirtschaftete Rifugio „San Jorio“ (Tel. 348/81 24 356; kein Winterraum) unter dem gleichnamigen Paß und der Alpgasthof „Agriturismo Giacomino“ (Tel. 0344/84 710; geöffnet April bis Oktober; Besitzer spricht etwas deutsch) beim Streuweiler Fordeccia, hoch über dem Comer See.

 

Karten und Literatur

 

Am besten benutzt man die Wanderkarten im Maßstab 1: 30 000 des „Programma INTERREG II Italia-Svizzera“, Blätter 3 und 4. Sie gehören zur Kartenserie (insgesamt vier Blätter) „Strade di Pietra“, die grenzübergreifend den Raum zwischen Lago Maggiore, Luganer und Comer See abdeckt und neben den Sentiero Delle Quattro Valli auch die Strada Regina (La Via Regina) und die Via Dei Monti Lariani sowie Teile des Sentiero Del Viandante verzeichnet. Man erhält sie in den Buchhandlungen von Como, Menaggio, Porlezza, Chiasso, Lugano und Bellinzona. Unklar ist, ob die Karten auch in Deutschland vertrieben werden. – Ersatzweise: Kompass-Karte 91 „Lago di Como, Lago di Lugano“ im Maßstab 1: 50 000.

 

Die kostenlos in den Fremdenverkehrsbüros von Menaggio und Porlezza abgegebene 12-seitige, bebilderte Broschüre Il Sentiero delle 4 Valli (ohne Erscheinungsort und –jahr) beschreibt den Täler-Weg in der umgekehrten Richtung, also von Breglia nach Dasio. Damit ist man freilich auf der letzten Etappe (von Cavargna nach Dasio) unter Zeitdruck gesetzt, denn Dasio besitzt keine Unterkunft und der letzte Bus nach Porlezza fährt schon gegen 14 Uhr ab. – Im ersten Band des zweiteiligen Wanderführers A Piedi di Lombardia (Subiaco ²1997), hrsg. unter Mitwirkung der Legambiente Lombardia, ist der Vier-Täler-Weg auf den Seiten 94–101 beschrieben. - Einige optische Eindrücke (Photos S. 24ff.) von der Landschaft am Vier-Täler-Weg bietet ein Beitrag in der Zeitschrift Bergsteiger 11/2000: „Herbstzauber. Wandern im Val Cavargna“ von Siegfried Garnweidner; leider geht Garnweidner, der - wenig glückliche - Routenvorschläge für Tagestouren im Cavargna-Tal unterbreitet, mit keinem Wort auf den Sentiero ein.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 14 - August 2004

 

 

Auf einsamen Wegen zwischen Alpen und Meer

 

von Michael Kleider

 

Tante grazie, Ciao ! Wir springen von der Ladefläche eines Kastenwagens heraus und sehen erst einmal – nichts ! Die Etappenverkürzung durch das freundliche italienische Pärchen kam zu spät. Just beim Erreichen des Gipfels des Monte Sacarello wird uns die Aussicht vom aufziehenden Nebel verwehrt. Dafür nageln Geländewagenkolonnen und Enduros auf der Militärstrasse an uns vorbei, Zelte stehen auf dem Gipfelgrat, der einem überdimensionalen Parkplatz gleicht. Was also ist hier los?

 

Es ist Sonntag, Ausflugstag der Italiener. Und der wird in der Regel mit Auto und Familie verbracht. Zwischendurch deutsche und französische Kennzeichen. Etwaige Wanderer, Fehlanzeige. Immerhin teilen einige schwitzende Radfahrer unsere nicht-motorisierte Fortbewegung.

 

Heute morgen noch war die Luft vom Sirren und Summen unzähliger Insekten erfüllt, zahllose Blumen wetteiferten um ihre Gunst mit verlockenden Farben und Düften. Bei jedem Schritt ist eine Handvoll erschreckter Grashüpfer zur Seite gesprungen, als sich unsere Füße den Weg durch kniehohes Gras bahnten.

 

Nur aus der Ferne hörten wir da ein leises Brummen, ohne dass wir das Ausmass des heutigen Verkehrs geahnt hätten. Und dann stießen wir auf die ehemalige Militärstraße zum Gipfel des Monte Saccarello, mit 2200 Meter höchster Punkt Liguriens und somit ein beliebter sonntäglicher Aussichtspunkt. Für uns bedeutet der Trubel eine Autostopp-Abkürzung der heutigen Etappe um 30 Minuten, angesichts ihrer Länge sind wir darüber nicht traurig.

 

Seit gestern sind wir unterwegs, wollen eine Verlängerung der GTA – der Grande Traversata delle Alpi, der grossen Alpenüberquerung (zu Fuss) – bis zum Mittelmeer finden. Wir hoffen mit den bisher spärlichen Informationen aus dem Internet zurechtzukommen. Das einzig sichere was wir ihnen entnehmen konnten war, dass wir auf dem ligurischen Grenzkamm mit absoluter Einsamkeit zu rechnen hätten, und nun das.

 

Dafür haben wir jetzt am Monte Saccarello die „Alta Via dei Monti Liguri“ (AV), den ligurischen Höhenweg erreicht. Diesem Weg, der von Ventimiglia bis in die Nähe von La Spezia führt, wollen wir rund 70 Kilometer bis zu seinem Ausgangspunkt folgen.

 

Seit dem frühen Morgen lag der Monte Saccarello in unserem Blickfeld, dem wir, anfangs über ehemalige Ackerterrassen, entgegensteuerten. Früher war der Ackerbau noch überlebensnotwendig für die weit zahlreichere Bevölkerung im Tal, die hauptsächlich von der traditionellen Bergbauernwirtschaft gelebt hat. Heute werden keine Äcker mehr auf den Berghängen bewirtschaftet, die Ackerterrassen sind verbuscht. Zu mühsam und unrentabel ist diese Arbeit geworden. Die wirtschaftliche Situation hat viele Bewohner zur Emigration in die Ebene oder nach Frankreich gezwungen. Der Bevölkerungsrückgang der Ligurischen Alpen ist dramatisch sowohl auf der piemontesischen wie auch auf der ligurischen Seite. Die meisten Einwohner dieser Täler müssen heute zur Arbeit in die Alpenrandgemeinden pendeln, nur wenige können von Landwirtschaft und Tourismus leben. Zwar hat beispielsweise das Tanaro -Tal mit Ormea einen regional bekannten Ferienort und auch Mendatica im Arroscia -Tal weist einen bescheidenen Tourismus auf. Doch auch diese Täler zählen zu Abwanderungsregionen mit starkem Bevölkerungsrückgang.

 

Der Verkehr und der stramme Wind am Gipfelkamm veranlassen uns weiterzugehen und kaum sind wir auf dem Fußpfad der AV, wird es still hinter unserem Rücken. Nun haben wir die erwartete Einsamkeit.

 

Nach dem Abstieg auf der Westseite des Saccharello, bereits auf französischem Gebiet, erreichen wir weiter südlich erneut den ligurischen Grenzkamm. Die zahlreichen Grenzsteine auf dieser Etappe belegen unsere ständigen Grenzwechsel zwischen italienischer und französischer Seite. Dieser strategisch wichtige Grenzkamm wurde mit Militärpisten ausgebaut, auf denen die AV überwiegend verläuft. Immer wieder trifft man auf die Ruinen ehemaliger Kasernen und Bunker. Neben Militärpisten setzen wir unsere Füße auf historische Maultierwege, sogenannte „Saumwege“, auf denen früher sowohl der offizielle Warenaustausch zwischen Küste und Hinterland, als auch ein einträglicher Schmuggelhandel betrieben wurde.

 

Nach der langen Etappe sind wir froh, am späten Nachmittag das schön gelegene Rifugio Allavena vom Kamm aus zu erblicken. Nur noch eine halbe Stunde Abstieg trennt uns von einer Dusche und einem reichhaltigen Abendessen samt zugehörigem Rotwein. Am nächsten Tag lacht die Sonne und ein Wegweiser beim Rifugio verheißt uns „nur“ noch 54 Kilometer bis Ventimiglia. Immer weiter, Richtung Meer, ist die Devise der nächsten Tage.

 

Statt wieder auf die AV hinaufzusteigen, wählen wir als Alternative den „Sentiero degli Alpini“, einen von Gebirgsjägern in den 1930er Jahren angelegten Weg. Eine gute Wahl wie sich herausstellen sollte. Auf dem schmalen Pfad geht es Richtung Monte Pietravecchia (2038 m) und Toraggio (1973 m), Gipfel, die sich mit ihren schroffen Kalkwänden deutlich von den übrigen abheben und wegen ihres Aussehens auch die „Kleinen Dolomiten Liguriens“ genannt werden. Nachdem der Passo Valletta schon mit Panoramablick bis zu den französischen Seealpen aufwartet, beschließen wir für eine gesteigerte Aussicht einen Abstecher auf den Gipfel des Pietravecchia zu unternehmen. Das Unternehmen lohnt auch noch für etwas anderes. Beim Blick auf die Nord-Ostwand des Monte Toraggio, durch den der Sentiero degli Alpini verläuft, entscheiden wir uns, auch angesichts eines aufziehenden Gewitters, für die „zahmere“ Westumgehung und kehren nach unserem Gipfelabstecher auf die AV zurück. Diese führt uns aussichtsreich und wenig anstrengend zur Gola dell´Incisa und weiter zum Passo di Fonte Dragurina.

 

Hier können wir zum ersten Mal das Meer im dunstigen Horizont erkennen, 1800 Höhenmeter unter uns. Vorher schweift der Blick über eine Landschaft, die von der Erosion der Fliessgewässer geprägt ist. Die scharfen Grate der Täler erinnern an Landschaften von Modelleisenbahnen. Wir hoffen dagegen Anfang August umsonst auf einen Bach in diesem karstigen Gebiet und treten vom Durst geplagt den Abstieg an. Heute morgen hatte sich eine unserer beiden Wasserflaschen spektakulär in die Tiefe gestürzt. Auch das von oben erwartete Nass fällt aus. Wir träumen vom ersten Schluck eines kühlen Ankunftbiers im Rifugio Gola di Gouta.

 

Doch noch sind 600 Höhenmeter abzusteigen, erst über steile Almwiesen, dann noch ein Stück durch den Wald. Der Abstieg zieht sich, endlich gelangen wir zum Colle Muratone und treffen auf eine Schotterstraße. Von dort aus sind wir schnell am Colle Scarassan und auch die letzten zwei Kilometer bringen wir auf hartem Untergrund hinter uns. Kaum im Rifugio angekommen, setzen wir unser Vorhaben in die Tat um und zum Glück legt der Wirt auf das leibliche Wohl der Wanderer großen Wert.

 

Angefangen mit gemischten Antipasti folgen Tagliatelle ai funghi, dann ein köstliches Lamm und beendet wird das Mahl mit Käse und dem obligatorischen Caffè.

 

Nach einer kurzen Nacht geht es am nächsten Tag in gleichmäßigem Anstieg durch den Margheria dei Boschi, einen Wald der für seine seltenen Tierarten wie Wildkatze, Marder, Uhu, Schwarzspecht und Birkhuhn bekannt ist. Wir sehen leider nichts von der reichhaltigen Fauna, wahrscheinlich haben wir auch nicht mehr den federnden Schritt des ersten Tages. Zwar knackt es im Wald, doch die vermeintlichen Tiere entpuppen sich als Pilzesammler bei ihrem Hobby. Entschädigt werden wir mit dem Blick zurück auf die „Kleinen Dolomiten“, den wir durch die Waldlücken erhaschen. Die zahlreichen Bunkeranlagen zeugen auch hier von der ehemaligen strategischen Bedeutung dieser Region. Wir verlassen den Wald und laufen ein letztes Mal über Almwiesen zur Testa d´Alpe.

 

Im Laufe des Abstiegs verändert sich allmählich die Vegetation und geht in mediterrane Macchia über. Man sieht der Landschaft an, dass es nicht mehr weit zum Meer ist, die Temperatur nimmt nun stündlich unangenehmere Ausmaße an. Den Stechmücken sind diese Bedingungen wohl angenehmer, sie lassen es sich ungeniert bei uns schmecken. Der tiefe Schlaf im Rifugio Alta Via verhindert nächtliche Juckattacken und am Abend tröstete eine Schüssel mit Spaghetti al Pesto, köstlich zubereitetes Lamm mit Pilzen, begleitet von einem Rossesi di Dolceaqua über die Beulen hinweg. Typischer hätte ein Essen im Hinterland der italienischen Riviera nicht ausfallen können. Denn die Hauptbestandteile Tomaten, Pilze, Zwiebeln, Knoblauch, Olivenöl, Brot und Wein begleiten häufig Lamm-Kaninchenfleisch und Teigwaren. Der Pesto genovese, ein Gericht arabischen Ursprungs, ist das berühmteste Gericht Liguriens.

 

Schwer fallen die Schritte am nächsten Tag, vielleicht liegt es an der Blutarmut. Doch die Aussicht auf das Meer, zieht die Füße magisch nach Süden. Es geht durch Thymiansträucher, an Weinreben und Olivenhainen vorbei. Auch noch so nahe am Meer ist das ligurische Hinterland von der Entvölkerung betroffen, viele Bauernhäuser ohne Straßenzugang liegen in Ruinen. Nahe an der Küste ändert sich das Bild schlagartig. Hunderte von Gewächshäusern wurden an der Riviera dei fiori, der Küste der Blumen in die Landschaft gesetzt. Die Zierpflanzen sind neben dem Tourismus und dem Olivenanbau ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

 

Und dann sind wir angekommen, in Ventimiglia am Meer, auf das wir uns den ganzen Tag gefreut haben. Autoschlangen und Mopeds knattern an uns vorbei, am Strand klingeln Handys, schreien Kinder und dudeln Transistorradios. Der „normale Lärm“ einer quirligen Kleinstadt dringt wieder in unsere Ohren. Noch einmal haben wir ein Ziel, es sind nur noch einige Kilometer. Nach wenigen Minuten sind wir da. Wir haben noch einmal mit einem längeren Fußmarsch zu unserem Auto gerechnet, als wir gehört hatten, dass der Bus, der uns zurück ins Tanaro-Tal gebracht hat, nicht bis Carnino fährt. Statt dessen bedanken wir uns bei dem netten Franzosen, der mittlerweile in Schweden lebt und seine Familie in Italien besucht hat, steigen aus seinem Auto, nehmen unsere Rucksäcke heraus und verabschieden uns mit einem – tante grazie, Ciao!

 

Karten

 

- Für den Übergang von der GTA auf die AV: Carta dei sentieri 1:25.000, Car- toguida 2: Alpi Liguri: Parco Naturale Alta Valle Pesio e Tanaro. (sehr gute Karte mit Infos auf der Rückseite, zu beziehen beim Autor: Michael Kleider, e-mail: info@michael-kleider.de, www.michael-kleider.de)

- IGC 8 – Alpi Marittime e Liguri

- IGC 14 - S. Remo/Imperia.

 

Etappen

 

1.  Carnino Superiore (1397 m.) – Passo di Lagare (1746 m.) – Upega (1297 m.)

      – Monesi di Triora (1376 m.), 6 h.

2.  Monesi (1376 m.) – Piaggia (1310 m.) – Monte Saccarello (2200 m., die AV

      wird hier erreicht) – Rifugio Allavena (am Colle Melosa, 1545 m.), 8,5 h.

3.  Rifugio Allavena (1545 m.) – Passo Valletta (1918 m.) – Gola dell´ Incisa

     (1685 m.) – Fonte di Passo Dragurina (1810 m.) – Rifugio Gola di Gouta

     (1200 m.), 6,5 h.

4.  Rifugio Gola di Gouta (1200 m.) - Colle Scarassan (1222 m.) - Margheria

     dei Boschi – Testa d´Alpe (1587 m.) - Azienda Agrituristica „Rifugio Alta Via“

     (500 m.), 8,5 h.

5. Rifugio Alta Via (500 m.) – Passo del Cane (593 m.) - Ventimiglia, 4,5 h.

 

Nützliche Informationen

 

Gesamtlänge: Von Carnino nach Ventimiglia sind es ca. 80 km, dafür werden 5 Etappen benötigt.

 

Am Monte Saccarello wird die AV erreicht, der man bis Ventimiglia folgen kann. Dieser Abschnitt der AV ist ca. 70 km lang. Die Gesamtlänge der AV, die von Ventimiglia bis in die Nähe von La Spezia führt, beträgt ca. 450 km.

 

Die „Alta Via dei Monti Liguri“ (AV) ist rot-weiss-rot und durchgehend gut markiert. Häufig ist die Markierung durch den Schriftzug „AV“ ergänzt.

 

Übergang von der GTA auf die AV zu Fuß: Will man in Carnino, im Tanaro-Tal, vom Weitwanderweg GTA (Grande Traversata delle Alpi / grosse Alpenüberquerung) zur Alta Via gelangen, steigt man vom Carnino-Seitental über den Passo Lagare (markierter Weg) nach Upega, ins gleichnamige Seitental, ab. Von dort auf der Teerstraße durch den bosco delle Navette nach Monesi di Mendatica (Ü). Im gegenüberliegenden Piaggia beginnt ein markierter Wanderweg zum Monte Saccarello. Auf dessen Gipfel gelangt man auf die AV (siehe Karte).

Reist man mit dem Auto an und lässt es im Tanaro-Tal stehen, kann man von Ventimiglia mit dem Bus ins Tanaro-Tal zurückfahren (Ventimiglia-Imperia-Ormèa).

 

Alternativ dazu kann man auch die landschaftlich sehr schön verlaufende Tenda-Bahn von Ventimiglia nach Cuneo nehmen und von dort aus mit dem Bus ins Tanaro-Tal fahren (Cuneo-Mondovì-Ceva-Ormea).

 

Lokale Spezialitäten

 

- Pesto genovese: eine dickflüssige Soße aus Basilikum, Meeressalz, Knoblauch, gehackten Pinienkernen, geriebenem Parmesan und Olivenöl. Man mischt sie unter Spaghetti oder Gnochi.

- Minestrone aus Tomaten, Paprika, Auberginen, Zucchini und Knoblauch.

- Lamm- und Kaninchenfleisch, mit frischen Pilzen und Kräutern.

- Wein: rund um Imperia wird der rote Ormeasco erzeugt, bekannt ist auch der Rossesi di Dolceaqua. Aus dem Westen der italienischen Riviera kommt der weisse Pigata.

 

Beste Reisezeit

 

Juni bis September, je nach Wetterlage noch Mai und Oktober.

 

Reiseführer

 

Bätzing W.: Grande Traversata Delle Alpi. Der Weitwanderweg durch die pie montesischen Alpen. Teil 2: Der Süden, Rotpunktverlag, Zürich 2003.

 

Unione Camere Di Commercio Liguri (Hrsg.): Höhenweg der ligurischen Berge. 2. Auflage, Genua 2002.

 

Die GTA und die Alta Via im „Internet“: 

 

www.parks.it/grandi.itinerari/altavia

 

Internetseite zum GTA-Wanderführer:

 

www.wanderweb.ch/gta und www.michael-kleider.de

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 12 - Dezember 2003

 

 

Via degli Dei - Der Götterweg Bologna - Florenz/Fiesole

 

Von Dr. Helmut Huber

 

klangvolle Name des Wanderweges bezieht sich auf die am Wege liegenden Berge Monte Adone und Monte Venere sowie auf die Ortschaft Monzino. Dahinter sollen sich die Gottheiler Adonis, Venus und Juno verbergen. Diese phantasievolle Namensgebung entspringt nicht wissenschaftlicher Strenge, sondern eher der Liebe zur Antike und der Begeisterung für diese geschichtsträchtige Landschaft. Spuren davon findet der Wanderer auf seinem Weg, beispielsweise in den teilweise guterhaltenen Resten der Via Flaminia und der Flaminia Minore.

 

Die Kreation und Belebung des Via degli Dei verdanken wir einer Gruppe von Bolognesern, die sich "Dû pâs e 'na gran magné“ nennen. Aus dem bolognesischen übersetzt: Zwei Schritt und ein großes Mahl“.

 

Dieses Motto kann uneingeschränkt über der Wanderung stehen.

 

Beginn und Ende

 

Wir begannen unsere Wanderung am 20.10.2002 auf der Piazza Maggiore von Bologna. Sie endete am 27.10.2002 auf der Piazza Maggiore von Fiesole.

 

Der Fußweg aus der Großstadt Bologna heraus ist ganz außergewöhnlich, weil man sofort nach dem Verlassen der äußerst reizvollen Altstadt einen knapp zwei Kilometer langen Arkadengang betritt, der einen vollständig aus der Stadt herausführt und der an der Wallfahrtskirche Madonna di San Luca endet.

 

Länge des Weges

 

Rund 130 km über 10 Etappen. Es sind keine nennenswerten Höhenunterschiede zu bewältigen, besonders dann nicht, wenn man am Beginn der zweiten

 

Etappe von Sasso Marconi eine Taxe nimmt und die zweite Etappe damit in Badolo startet. Dies ist unbedingt zu empfehlen, da die ungekürzte zweite Etappe mit 9 – 10 Stunden angegeben wird und bis Badolo reichliche Steigungen enthält.

 

Etappenlängen

 

Die Längen sind sehr unterschiedlich und schwanken zwischen 8 – 21 Kilometer, d.h. von 4 bis zu 10 Stunden.

 

Führer

 

Outdoor-Handbuch, Band 91 von Manfred Ferner: Italien: Trans-Apennin/Via degli Dei-Götterweg ISBN 3-89 392-191-5, 1. Auflage 2000, Conrad Stein Verlag

 

Dieser Führer ist ganz ausgezeichnet. Er ist handlich wie eben alle Outdoor-Handbücher. Er enthält jeglich notwendige Information, wie präzise Wegebeschreibung, die keinen Zweifel aufkommen läßt und einen sicher ans Ziel führt, hilfreiche und stimmige Angaben zu den Unterkünften etc. Der Führer ist meiner Meinung nach uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Korrekturen zu den Führerangaben folgen nach.

 

Tageskosten

 

Wir haben pro Person für Übernachtung, Abendbrot und Frühstück pro Tag zwischen € 50,00 - € 60,00 bezahlt. Sämtliche Unterkünfte, d. h. Pensionen und Hotels sind offensichtlich gestern allesamt renoviert worden. Stets eigenes Klo und Dusche, sehr gute Betten, absolute Sauberkeit, liebenswürdige Inhaber/innen usw. Das Frühstück ist, wie nicht anders in Italien, etwas bescheiden. Dafür umso üppiger die teilweise gewaltigen und manchmal nicht bezwingbaren Abendbrote.

 

Sonstige Angaben

 

Benutzte Karten, Wegemarkierungen, Zustand der Wege, Unterkünfte etc. sind am besten den o.g. Führer zu entnehmen

 

Korrekturen des Führers

 

Am Ende der fünften Etappe wird das Albergo Passo della Futa empfohlen mit dem Hinweis: Donnerstag geschlossen. Wie wir erfuhren, ist das Albergo jeden Herbst bis zum Frühjahr geschlossen. Genaue Daten waren leider nicht in Erfahrung zu bringe. Diese mögen auch vom Wetter abhängen. Ausweichquartier: Albergo Iolanda in Traversa (Details siehe Karte).

 

Am Ende der vierten Etappe wird das Albergo Iolanda mit falscher Telefon- und Faxnummer aufgeführt. Die richtigen Nummern sind:

 

Telefon-Nr.: 055/815265

Fax-Nr.: 055/815270

 

(Der Autor hat versehentlich die Telefonnummern des Albergo Iolanda aus Pellegrino angegeben)

 

Charakter der Wanderung

 

Die Wegeführung ist optimal. Kurze Strecken sind auf äußerst wenig befahrenen kleinen Landstraßen zu gehen. Ansonsten handelt es sich um Waldwege, die allerdings nicht deutschen Vorstellungen entsprechen. Es sind vielfach sehr geröllige, dann wieder total matschige Wege, die nach dem Regen teilweise nur schwer passierbar sind. Wir waren nach heftigen Regenfällen unterwegs und jeden Tag bis zu den Knien eingesaut.

Der Weg führt bis zum Passo della Futa weitgehend durch Wälder, fast immer auf einen Gebirgskamm, so daß sich immer wieder weite Ausblicke in die parallel laufenden Täler ergeben. Hinter dem Paß gelangt man in die Toskana und die Landschaft wird sehr viel offener.

 

Auf der gesamten Wanderung haben wir niemanden getroffen. Das mag an der Jahreszeit liegen. Unabhängig davon dürfte es sich dennoch um eine ausgesprochen einsame Wegstrecke handeln.

Eine Ausnahme bildet nur die erste Etappe (Talwanderung). Besonders der Einlauf nach Sasso Marconi ist nicht so erfreulich und außerdem etwas verwirrend. Alles in allem wage ich das Prädikat: Traumwanderung

 

Ergänzungen und Hinweise

 

In Sasso Marconi sollte man im Hotel Oasi übernachten. Dieses Hotel liegt zwar zwischen Autobahn und Landstraße, bietet aber den besten Ausgangspunkt für die nächste Etappe. Außerdem ist es ein sehr angenehmes Haus mit sehr gutem Essen.

 

Von hier aus sollte man unbedingt versuchen, mit dem Auto nach Badolo zu fahren, da die zweite Etappe sonst wohl etwas zu lang und anstrengend wird. Die Taxe muß allerdings aus Bologna kommen. Uns hat freundlicherweise am Morgen der Nachtportier des Hotels kostenlos (!) nach Badolo hinaufgefahren.

 

Die fünfte Etappe haben wir einfach ausgelassen, aber nur weil wir weiter wollten, nicht weil es irgendwelche sonstigen Einwendungen gegeben hätte.

 

Das Albergo Iolanda in Traversa ist ein absolutes Muß. Bestellen Sie dort das Menue für € 23,00 bzw. € 25,00. Sie werden ihr blaues Wunder erleben.

 

Die siebte und achte Etappe haben wir ebenfalls zusammengelegt, da sie für sich genommen zu kurz sind.

Die zehnte Etappe von Fiesole nach Florenz haben wir uns ebenfalls geschenkt, da der Einlauf nach Florenz zum Schluß nur auf Landstraße geht und die Vorstädte von Florenz nicht besonders reizvoll sind.

 

Als Etappenende bzw. Standort haben wir Fiesole gewählt. Ein äußerst angenehmer Ort, der selbstverständlich längst nicht so überlaufen ist wie Florenz. Hier wohnen und essen Sie auch weitaus billiger als in Florenz. Alle halbe Stunde fährt ein Bus von Fiesole in 20 Minuten nach Florenz. Wer Florenz besichtigen will, sollte ebenfalls auf jeden Fall in Fiesole bleiben. Man ist völlig erleichtert und befreit, wenn man mit dem Bus von Florenz wieder nach Fiesole heimfährt.

 

Zum Essen in Fiesole ein absolutes Muß: Die Trattoria „I polpa“ (Ecke Piazza Maggiore/Via Gramci, www.ipolpa.it). Vorbestellung unbedingt erforderlich, da wegen des ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnisses stets überlaufen.

 

Um die vorhandenen Tage noch auszufüllen, haben wir von Fiesole aus noch eine dreitägige Rundwanderung gemacht, die uns von Fiesole über Vaglia nach San Piero führte, von dort mit der Bahn zurück nach Vaglia und dann von Vaglia aus nach Florenz. Von dort mit dem Bus wieder nach Fiesole. Einzelheiten hierzu auf Anfrage. Auch diese Rundwanderung war ein Traum.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 12 - Dezember 2003

 

 

Giro del Benaco – Rundtour um den Gardasee

 

Von Günther Krämer

 

Nun ist er – bis auf kurze „Fehlstellen“ – ganz umwandert!

 

Eigentlich kann man den Gardasee als Urlaubsziel nicht mehr empfehlen: Myriaden von geisteskranken Motorradfahrern spielen an Schönwettertagen Russisch-Roulette und verlärmen dabei die Seeufer. Nicht viel weniger Wohnmobil- und Wohnwagenkutscher verstopfen die Straßen und Plätze und behindern die kümmerlichen Reste des lombardischen Busverkehrs, so dass Verspätungen normal sind. Durch die engsten Ortsdurchfahrten zwängen sich Protzkutschen der Edelmarken und schicke Cabrios – und alle diese Urlauber produzieren einen Abgasgestank, der jeder Großstadt Ehre macht. Dazu kommt noch die Zersiedelung und Verbauung des Seeufers – nicht zuletzt durch Zweitwohnungen - bis weit ins Hinterland hinein. Gehwege an den Straßen sind beinahe unbekannt, der Fußgänger ist auf seine Reaktionsfähigkeit angewiesen, wenn er überleben will.

 

Wieder mal ist ein Naturpark am Gardasee geplant, der Naturpark Moränenlandschaft zwischen Peschiera und Saló. Der Bürgermeister von Desenzano, wo die Landschaftszerstörung schon am weitesten fortgeschritten ist, baut vor: Naturpark ja, aber die Entwicklung seiner 25 000–Einwohner–Stadt darf dadurch nicht behindert werden.

 

Warum dann Wandern am Gardasee?

 

Mit der Bassa Via del Garda (BVG) gibt es einen meist ganz gut markierten Weitwanderweg von Saló nach Riva und dann wieder von Torbole bis Torri del Benaco. Mit etwas Mut und einer guten Karte lässt sich die BVG zur 17-tägigen Rundwanderung um den ganzen See vervollständigen, wobei das Südufer zwischen Peschiera und Saló keine einfache Wandergegend ist (siehe oben). Dieser Weg um den See ist nicht nur attraktiv wegen seiner wunderbaren Ausblicke auf den See, sondern er reiht auch botanische, historische und geologische Kostbarkeiten wie Perlen an einer Kette auf. Dazu gibt es sie immer noch, die kleinen, familiär geführten und erschwinglichen Hotels, die Restaurants mit guter lokaler Küche (es sind meist nicht die in den Reise- und Fressführern genannten Lokale!). Aber man sollte die Abgaswolken und den Lärm nicht auch noch durch die eigene Benzinkutsche vermehren und auch die Verbauung des Seeufers durch Nutzung von Ferienwohnungen nicht fördern!

 

Also: Anfahrt mit der Bahn bis Rovereto, Verona oder Desenzano, dann mit dem Bus an den See – und mit Bus oder Schiff am See entlang! Wer auf das Auto nicht verzichten will – wer will es einem verdenken bei der Geschäftspolitik der DB -, sollte das Auto nur zur Hin- und Rückfahrt benützen, es am See aber grundsätzlich stehen lassen.

 

Wanderkarten: ein leidiges Problem in Italien! Leider gibt es für den Gardasee noch keine neue amtliche Karte 1 : 25 000, und die amtliche Karte 1 : 50 000 ist veraltet. Die Kompasskarte mit ihrer ungenauen Geländedarstellung und die Freytag-Berndt-Karte (identisch mit der italienischen Wanderkarte von LagirAlpina – überall angeboten) haben äußerste Ungenauigkeiten in der Geländedarstellung und grobe Fehler bei der Wegbezeichnung und bei der Wegführung. Also wegwerfen, um Ärger vorzubeugen. Was dann?

 

Für das Ostufer von Torbole bis Garda gibt es die hervorragende Carta dei Sentieri Monte Baldo 1 : 25 000 (2 Blätter), herausgegeben auf der Grundlage der neuen amtlichen Karte vom Comitato Gruppi Alpinistici e Naturalistici Veronesi. Diese Karte kann man in guten Buchläden des Ostufers (Torbole, Malcesine) kaufen.

 

Ansonsten gibt es noch die Karte Alp cartoguide Nr 6 Lago di Garda 1 : 50 000, herausgegeben von Vivalda Editori-Ingenia in Turin, ISBN 88-7808-708-4. Sie ist eigentlich für Mountainbiker gemacht, enthält aber zuverlässig Wanderwege und Markierungen bzw. Wegnummern – und kostet nur 6 € (überall am Gardasee erhältlich).

 

Führer: Der beste Gardasee-Führer ist immer noch Höllhuber/Kaul: Wanderführer Gardasee, athesia-Verlag Bozen, ISBN 88-7014-635-9. Für den Weg von Salo nach Limone gibt es einen schönen Führer von Franco Ghitti: La bassa via del Garda, Azienda Regionale delle Foreste, ISBN 88-7385-427-3. Nur für kleinere Teilstrecken sind die Führer von Bruckmann, Kompass oder Dumont zu gebrauchen.

 

Die Etappen der Gardasee-Umrundung (die Etappen 1 – 9 wurden in den Jahren 1996 und 1998, die Etappen 10 - 15 in 2003 begangen):

1. Passo S. Giovanni – Nago – Torbole

Das Hotel auf der Passhöhe eignet sich gut als Ausgangspunkt, da hier der Bus von Rovereto her hält. Außerdem könnte hier auch das Auto stehen bleiben. Die Wanderung beginnt in Nago, wo ein asphaltierter Weg durch den alten Ortskern, an der Kirche vorbei nach Süden führt. Zwei Wege führen nach Torbole: Der erste, ein Fahrweg, führt parallel zur Fahrstraße direkt hinunter, der zweite ein Stockwerk höher, ist viel schöner, aber auch länger. Auf der Strada del Monte Baldo ca. 2 km nach Süden, rechts ab auf ein Schottersträßchen, zunächst durch Olivenhaine, später durch den Wald, bis man auf den Weg 601 trifft, dem man abwärts nach Torbole folgt. Übernachtungsempfehlung: Casa Romani, Casa Nataly. Essen im Surfer Grill (nicht abschrecken lassen, ist wirklich gut!).

 

     2. Torbole – Navene – Malcesine (sehr anstrengend, eventuell in Navene unterbrechen)

Neben der Casa Romani führt der Treppenweg hoch nach Marocche. In der 3. Kehre (Höhenzahl 156 m) verlassen wir den markierten Weg und gehen auf dem Sentiero dei Paloni, dem Mastenweg, unter oder in der Nähe der Überlandleitung, maximal 400 m über dem See mit prächtigen Ausblicken auf den See grob Richtung SSW. Achtung: Wer in Navene nicht unterbrechen will, sollte oberhalb der Galleria del Cantone in der Nähe von Casello nicht den Hauptweg rechts abwärts nehmen (Felsklettersteig zum See hinunter) sondern den linkesten Weg am Hang entlang, auch wenn dieser ziemlich zugewachsen erscheint. Oberhalb von Navene treffen wir auf den bez. Weg 4, der uns am Schluss durch Olivenhaine hinunter nach Malcesine bringt. Übernachten im Albergo Dolomiti, Essen im Ristorante La Cambusa.

3. Malcesine – Cassone – Sommavilla – Castelletto

Auf der Strada panoramica kurz nach der ersten Kehre rechts ab und auf den bez. Weg 659, einem alten Muli-Schlittenweg zunächst nach Süden in den Wald Pozzo Barche. Hier auf dem Weg 9 rechts durch das Bergsturzgelände der Granei hinunter nach Cassone, das eigentlich nur gestreift wird. Ein Traumpfad (Weg 31) durch Ölbaumhaine, Niederwälder, einsame Gehöfte und verlassene Dörfer – Sommavilla, Zignago, Perotti, Tormentaie, Campo, Gainet – führt zum Tagesziel Castelletto. Übernachten im Albergo Battistoni, direkt am Hafen, Essen im Ristorante Alla Fassa (Gardasee-Fisch!).

4. Castelletto – Pai – Crero – Torri del Benaco

Weg 655 bis zur Höhe 150 m, auf einem Gras- später Schlittenweg unterhalb Biazza zur Straße Biazza – Pasola (Wassersammelanlage auf großem Gletscherschliff nicht übersehen!), Via Casale zum Hofgut Casale, Wiesenpfade Richtung Casa Bosco, bis wir bei Salto auf den Weg 31 treffen, dem wir jetzt über Ca Tronconi nach Pai di Sopra folgen. Auf der Straße hinunter nach Piaghen, 200 m auf der Straße, dann links ab Weg 39 nach Crero, auf dem Weg 41 zu den bronzezeitlichen Felsgravuren, dann über Anze und Coi hinunter nach Torri del Benaco. Übernachten im Hotel Al Castello.

5. Torri del Benaco – Monte Bre – Monte Luppia – Garda – Rocca – Bardolino

Auf der Straße Richtung Albisano nicht in der ersten Kehre auf den Weg 41 abbiegen, sondern erst 2 Kehren höher (180 m hoch) auf den Schotterweg rechts abbiegen, der später zum Waldweg wird und bei Le Murette di Sopra in den Höhenweg zum Monte Bre mündet, dem wir jetzt bis zum Monte Bre folgen. Jetzt ist Pfadfinden angesagt: Links hoch auf einem aussichtsreichen Traumpfad teils durch Wald, teils durch blütenreiche Heide hinauf zum Gipfelplateau des Monte Luppia, dann auf einem fast völlig zugewachsenen Waldpfad hinunter nach Il Molino und auf der Straße nach Garda. Weiter auf die Rocca di Garda und etwas kompliziert hinunter zur Gardasee-Straße, die wir zwischen den Campingplätzen Serenella und Continental erreichen. Auf einem Zickzackweg zwischen diesen beiden Campingplätzen kommen wir zur Uferpromenade, die uns nach Bardolino führt. Übernachten im Albergo Orchidea, Essen im Ristorante Biri.

6. Bardolino – S. Maria – Cola – Peschiera

Kompliziert: Borgo Cavour – Piazzale Aldo Moro – unter der Hauptstraße durch in die Via della Croce – Via Molini – am Kreisverkehr rechts – Via Europa – zweite rechts die Strada Campazzi – am Recyclinghof vorbei – Strada di Creole – Strada Pontamare – Strada La Ca – rechts in die Via Pragrande – am Bildstock rechts in die Strada Pozza Amara – vorbei am Restaurant Prada – Strada Monte Noal e Pigna – hinunter an den See nach Tauli – auf der Strandpromenade nach Lazise – vor dem Campingplatz Spiagga d’Oro zur Hauptstraße, dann auf der Straße nach Colá – rechts in die Strada Greghe – nach Betlemme – immer weiter auf dem Hauptweg – durch den Ortsrand von Pacengo – Strada Robin – dann vorbei am Gardaland-Horror – über die Hauptstraße – Siedlung Ronchi – links ab auf Feldwegen hinein nach Peschiera. Übernachten im Hotel Bell’Arrivo, Super-Essen im Il Gabbiano.

7. Peschiera – durch die Lugana-Weingüter – Palazzo – Colombare – Sirmione

Wieder kein einfacher Weg: Auf der alten Hauptstraße quer durch die Altstadt – durch das Stadttor – über die Brücke – rechts hoch – kurz bevor die Straße in die SS 11 mündet links ab in die Straße zum Santuario Madonna de Frassini – über die Eisenbahn – am Nordrand von Forte Laghetto entlang – auf Feldwegen zum Bahndamm – Unterführung ... ab jetzt ist wieder Pfadfinden angesagt durch die riesigen Weinfelder des Lugana-Gebiets, weglos, auf Feldwegen, auf Straßen, Schnellstraßenbaustellen ... zum Weingut Bragagna – Palazzo – Garbella – Todeschino – Colombare – Sirmione. Übernachten in Sirmione? Man deckt darüber am besten den Mantel des Schweigens. Nepp! Essen in der Trattoria al Porticciolo.

8. Sirmione – Rivoltella – Desenzano – Lonato

Desenzano ist mit über 25 000 Einwohnern die größte Stadt am Gardasee. Der Weg von Sirmione über Desenzano nach Lonato führt meistens entlang von vielbefahrenen Straßen oder er ist äußerst schwierig zu finden (Desenzano – Lonato). Als Alternative bietet sich der Bus an. Übernachten in Desenzano: Hotel Alessi, Essen im Ristorante La Contrade.

9. Lonato – Moränenweg – Padenghe – Moniga

Besichtigung des Visconti-Castello – aus der Stadt hinaus auf der Via Venezia e Trieste – rechts ab Via Bassarelle – Via del Paradiso – aussichtsreich auf der Moränenhöhe nach Norden – Via Sant’Anna – Via Ronchi – hinüber zum bewohnten Castello von Padhenge – hinunter in den Ort – auf Nebensträßchen nach Moniga

10. Moniga – Porto – Gardoncino – S. Giorgio – Sasso – Rocca di Manerba – Manerba – Raffa

Antitipps: Wanderer werden im Restaurant Il Porto in Moniga freundlich aber bestimmt hinauskomplimentiert. Essen in der Pizzeria daneben ist nicht berühmt, aber man wird wenigstens freundlich bedient.

Weg: Vom Hafen aus zunächst auf der Promenade, dann am Strand entlang bis zu einer Treppe, die einen Campingplatz in zwei Teile teilt. Hier hoch, bei der ersten möglichen Wegabzweigung rechts auf dem Feldweg bis zur nächsten Straße, hier wieder rechts bis zu einer festungsartig gesicherten Segler-Wohnanlage. Das Tor zum Gartengrundstück rechts daneben ist offen, ein Durchgang zum Kinderspielplatz ebenfalls. Durch eine kleine Tür gelangt man auf das Segleranlagengrundstück. Unauffällig um die Häuser herumgehen, auf Treppen abwärts zum Ufer, hier wieder am Strand nach Norden bis zum Villagio San Sivino, wo eine Straße am Seeufer beginnt, die uns hinauf zur Provinzstraße 39 führt. Hier rechts, immer auf dem mit großen Schildern bezeichneten Itinerario Turistico, ein geteerter Fußweg entlang oder auf der Straße, rechts hinein nach Gardoncino, wieder zurück zur Hauptstraße, auf ihr bis an den Ortsrand von Montinelle, hier rechts Richtung Dusano, aber nicht hinab zum Hafen sondern oben auf dem Weg zum Kirchlein S. Giorgio. Hier beginnt nun endlich ein richtiger, exklusiv schöner Wanderweg, zunächst durch blütenreiche (Iris!) Ölbaumhaine, immer an der Felskante entlang über den Sasso, später über orchideenreiche (April) Magerrasen, dann steil auf einem Felsenweg hinauf zur Rocca di Manerba. Von der Rocca hinunter auf dem Weg zum Parkplatz (Via Rocca). Den ersten Weg nach rechts, der hinunter führt zum Campingplatz Rocca, den man ganz unauffällig durchquert hinunter bis zum Strand. Hier kann man endlich hindernisfrei entlang bummeln bis zum Campingplatz Europa-Silvella (anständige Einkehrmöglichkeit). Auf der Straße gelangt man zu den verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten in Manerba, Raffa oder San Felice del Benaco.

 

Tipps: Stilvollste Übernachtung, leider ohne Restaurant: www.villaschindler.it . Übernachtung und sehr gutes Essen im Il Nido, Raffa di Puegnago, direkt neben der Kirche, nidoraffa@libero.it ,Tel. 0039-0365-651752 oder 651864. Ähnlich gut www.sanfilis.it .

 

Diese genaue Wegbeschreibung soll die Schwierigkeiten einer Wanderung zwischen Bardolino und Salo verdeutlichen. Man kann sagen: Nur Mut! Und bitte nicht irgendwelchen Wegbeschreibungen versuchen nachzugehen. Entdeckergeist, Abenteuerlust und Unverfrorenheit ist gefragt.

11. Raffa – S. Felice del Benaco – Portese – Porto – Salo

Leider nur auf oder entlang von befahrenen Straßen! Tipp: Sehr gut und günstig mit freundlichster Bedienung unter lauter Einheimischen essen in der Antica Trattoria Sirena in Salo, Via Pietro da Salo (Localita Rive), Tel. 0039-0365-43400

12. Salo – S. Bartolomeo – Serniga – Nizzola – Ponte Ferdinando – S. Michele – Bezzuglio – Vigole – Stina – Maderno

Der Weganfang in Salo ist etwas schwierig zu finden: Vom Hafen über die Piazza, rechts in die Hauptstraße, durchs Tor bis zur Einmündung in den Altstadtring. Queren, dann rechts um das Rot-Kreuz-Gebäude herum, nächste Straße 

 

links, den Berg hoch, vorsichtig die verkehrsreiche Umgehungsstraße queren, auf ihr wenige Meter links weiter bis die rot-weiße Markierung 17 durch ein Villenviertel, später durch Wald (Aussichtspunkte) nach S. Bartolomeo führt. Am Passo di Stacca auf dem Weg 17a rechts hinunter nach Serniga. Wir bleiben danach immer auf dem Weg 17. Achtung: An der Bauernhof-Ruine vor der Kapelle Nizzola rechts abbiegen (geradeaus führt der Weg 14 auf einem kleinen Umweg zum selben Ziel). Nach der Einmündung des Weges 13 ändert unser Weg vor Suplone seine Nummer, ab jetzt heißt er 18 und führt in einer großen Schleife ins Vallevesegno hinein, damit keine Höhe verloren geht, dann hinauf in die hochgelegenen Teilorte von Maderno unterhalb von Sanico. Wir gehen den alten Schlittenweg Nr. 26 gerdlinig hinunter, verlassen in Stina die Markierung, gehen in den Ort hinein und immer abwärts, zunächst gerade, später zickzack durch Ölbaumhaine hinunter nach Maderno. Alternative: Auf dem Weg 18 bis Toscolano bleiben.

 

              13. Toscolano – Valle delle cartiere – Gaino – Folino – Cabiana – Gavazzo

                    – Liano – Sasso – Musaga – Gargnano

 

Weg 19 ins Valle delle Cartiere, den alten Mulattiere hinauf nach Gaino. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, aber beide Wege haben die Nr. 20 (am Ortseingang links Richtung Camerate oder rechts in den Ort und dann links die Via Folino - Cabiana) führen nach Navazzo. Wir haben den rechten genommen, da er die bessere Aussicht auf den See und den Monte Baldo bot. Vor Navazzo zweigt der Weg 21 rechts ab zur Kirche S. Maria. Runter zur Straße und auf ihr bis Sasso. Hier rechts zur Kirche S. Antonio, den steilen Kirchenweg hinunter nach Musaga, von wo der alte Mulattiere Nr. 37 hinunter nach Garganano führt.

 

Tipps: Übernachtung in Gargnano im www.hotel-gardenia.it oder im www.hotel-dulac.it oder im www.hotelbogliaco.it . Übernachten und Essen im Hotel-Ristorante Bartabel, Via Roma 39, Tel. 0039-0365-71330, Fax 790009. Essen in Villa in der Osteria del Restauro, direkt am Hafen.

14. Gargnano – Muslone – Piovere – Aer – Gardola – Prabione – Campione del Garda

Am Dom von Gargnano vorbei, wenige Meter auf der Hauptstraße ortauswärts, dann links hoch auf dem Weg Nr. 265, der uns teils auf der wenig befahrenen Straße, teils auf Mulattiere, teils auf traumhaften Wanderwegen mit schönster Aussicht und vielen zoologischen und botanischen Kostbarkeiten über Muslone nach Piovere führt. In Aer kann man der Bezeichnung folgen oder aber wie wir ohne Höhenverlust nach Gardola kommen. Hier heißt es: Aufpassen. Der Weg hat jetzt die Nr. 266 und führt über den Monte Castello hinüber an den Ortsrand von Prabione und von hier grandios durch die Schlucht S. Michele hinunter nach Campione.

15. Campione – Pregasio – Arias – Pieve – Ponte – Voltino – Ustecchio – Limone

In die San Michele-Schlucht hinein, unterhalb der kleinen Staumauer über die Brücke (Richtung Tremosine), auf dem steilen Felsenweg Nr. 267 die Felswand hoch zur Abzweigung auf dem Weg 202 nach Pieve, dem Hauptort von Tremosine, der spektakulär über dem Gardasee hängt. Von hier führt der Weg 209 in das Valle Brasa hinein, wo in Ponti der Weg 268 nach rechts abzweigt, hinauf zum kleinen Speicherstausee von Voltino und weiter nach Usteccchio, von wo wir auf der Straße bis Limone gehen können oder schöner und ruhiger auf dem Panorama-Spazierweg über Campaldo und S. Pietro. In Limone erschlägt uns dann der Horror des Massentourismus.

16. Limone – Passo Guil – Leano – Biacesa di Ledro

             17. Biacesa – Riva - Torbole

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 11 - August 2003

 

 

Weitwandern im Aostatal - 

Bericht von einer Sommerwandertour im Jahr 2005

 

Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

 

Kaum sind die Ereignisse, Begegnungen und Eindrücke einer durchgeführten Weitwandertour verarbeitet, beginnt die Planung der nächsten Tour. Fast schon traditionell verbringen wir einen Teil unseres Sommerurlaubes auf Weitwanderwegen im Alpinbereich. Nach 2004, wo wir auf dem südlichem GTA-Abschnitt 14 Etappen wanderten, stand diesmal der äußerste nordwestliche Teil von Italien, die Provinz Aosta, als Wanderregion an.

 

Die Wanderregion Aosta, umgeben von bekannten Viertausendern, bietet dem Weitwanderer ausgezeichnete und unbegrenzte Tourenmöglichkeiten unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade und Anforderungen. Demnach stand unseren Tourenzielen, die Region auf Höhenwege in ca. 2 Wochen zu durchwandern, nichts im Wege. Nun ging es an die Planung und Organisation. Mit der Beschaffung von Büchern, Wanderkarten und Informationen aus dem Internet begann unsere Planung. Vor allem aus dem Buch „ Die Höhenwege des Aostatales“ von Frank Rainer Scheck aus dem Verlag der Weitwanderer haben wir unser Wissen und unseren Informationsbedarf gedeckt, das Buch wurde somit zur Basis unserer Tourenplanung.

 

Nach ausgiebigem Studium der beschriebenen Höhenwege stand dann bald unsere Tour mit den Etappenorten fest. Etappen von den Höhenwegen „Alta Via “ Nummer 1, 2 und hauptsächlich Nummer 4 wurden in unsere Rundtour übernommen. Nur auf einigen Abschnitten wurde nach Variationen gesucht und diese in die Wegeplanung integriert.

 

Am 06. August 2005 war es dann soweit. Angereist mit dem PKW durch die Schweiz über die Tunnelstrecke Großer St. Bernhard wurde unser Startpunkt gegen 10:00 Uhr in St. Leonarde in Italien erreicht. Ab hier beginnend in westlicher Richtung haben wir dann folgende Rundtour zurückgelegt, die sich unwesentlich gegenüber unserer Vorplanung geändert hat. Die Gründe hierfür waren ausschließlich überfüllte Berghütten.

 

 

 

 

 

  1.Tag: 06.08.05: Anreise nach St. Leonardo 1519 m und Aufstieg

                            zur Passhöhe Großen St. Bernhard 2473 m

  2.Tag: 07.08.05: Passhöhe Großen St. Bernhard 2473 m – Rif. Elena 2062 m

  3.Tag: 08.08.05: Rif. Elena 2026 m – Rif.Maison Vieille 1956 m

  4.Tag: 09.08.05: Rif. Maison Vieille 1956 m – La Thuile 1487m

  5.Tag: 10.08.05: La Thuile 1487 m – Rif. Ruitor 2022 m (Frankreich)

  6.Tag: 11.08.05: Rif. Ruitor 2022 m Rif. Bezzi 2284 m

  7.Tag: 12.08.05: Rif. Bezzi 2284 m – Rif. Benevolo 2285 m

  8.Tag: 13.08.05: Rif. Benevolo 2285m – Rif. Citta di Chivasso 2604 m

  9.Tag: 14.08.05: Rif. Citta di Chivasso 2604 m – Rif. Chabod 2750 m

10.Tag: 15.08.05: Rif. Chabod 2750 m – Rif. Vittorio Sella 2585 m

11.Tag: 16.08.05: Rif. Vittorio Sella 2585 m – Cogne 1534 m

12.Tag: 17.08.05: Cogne 1534 m – Rif. Dondena 2200 m

13.Tag: 18.08.05: Rif. Dondena 2200 m – Chardoney und mit Bus nach Aosta

                           und anschließend nach St. Leonardo zum Auto.

14.Tag: 19.08.05: Aosta / Pila 1814 m – Rif. Alpe Arobole 2507 m

15.Tag: 20.08.05: Abstieg nach Aosta / Pila zum Auto – Abreise zum Gardasee

 

Wie bereits erwähnt, wurden die meisten Etappen aus dem Wanderführer von Frank Rainer Scheck „ Die Höhenwege des Aostatales“ entnommen. Dies betrifft die Etappentage 3, 4, 7, 8, 9, 10, 11 und 12. Die Etappenverläufe und deren Höhepunkte, Entfernungen, Höhenmeter, Wanderzeiten etc. sind ausgiebig und exakt in diesem Wanderführer beschrieben. Deshalb möchten wir auf diese Etappen nicht weiter eingehen. Nur ein Hinweis zur Etappe 10 vom Rif. Chabod zum Rif. Vittorio Sella ist noch anzubringen: beim Abstieg von der Money-Scharte 3190 m befindet sich ein Klettersteig der aus der Wanderkarte nicht ersichtlich und bei Schlechtwetter (wir erlebten ihn verschneit-vereist nach nächtlichem Schneefall) nicht zu unterschätzen ist. Ca. 150 Höhenmeter sind zu überwinden, er ist sehr gut mit Ketten gesichert.

 

Zu den Etappen 1, 2, 5, 6, 13 und 14 hier ergänzende Informationen:

 

Vorab noch ein wichtiger Hinweis:

 

Die folgenden Ausführungen und Kurzinfos sind nicht ausreichend um die Abschnitte nachzuwandern. Nur mit guten Wanderkarten und Erfahrung im Umgang und Umsetzung dieser Informationsquellen sollte man diese Varianten angehen. Ausreichende Bergerfahrung, wie in dem Buch der Höhenwegebeschreibung angegeben, wird als selbstverständlich voraus gesetzt.

 

zu Etappe 1: Höhenmeter: Aufstieg: 900 m, Abstieg: 0 m, Wanderzeit: ca. 3 Std.

Einkehrmöglichkeit: An der Paßstraße

 

Eine kurze Etappe. Zum “Eingewöhnen“ genau passend. Auf gut markierten und sichtbarem Pfad steigend, die Passstrasse mehrmals kreuzend zum ersten Etappenziel. Übernachtung im 3 Sterne Albergo Italia auf italienischer Seite.Tel.: 0165 78 09 08

 

zu Etappe 2: Höhenmeter: Aufstieg ca. 1000 m, Abstieg ca.1 200 m

Wanderzeit: 7 Std.

Einkehrmöglichkeiten: La Peule

 

Von der Passhöhe ca. 1 km wieder zurück bis zu einer Almsiedlung 2373 m, dann rechts aufsteigen zum Fenetre de Ferret 2698 m zum Übergang in die Schweiz. Abstieg ins Val Ferret, vorbei an den Lacs de Fenetre 2469 m bis Alpsiedlung Plan de la Chaux. Hier links Wegweiser La Peule 2071 m gehen, etwas absteigen bis zu einem Bergbach, diesen überqueren und wieder aufsteigen bis La Peule. Ab hier auf TMB ( Tour Mont Blanc ) weiter aufsteigen zum Grand col Ferret 2537 m. Übergang wieder nach Italien. Abstieg zum Rif. Elena 2062 m.

 

zu Etappe 5: Höhenmeter: Aufstieg ca.1200 m, Abstieg

Wanderzeit: 7 Std.

Einkehrmöglichkeiten: keine

 

Von la Thuile den Alta Via 2 folgen über la Joux und den Rutor Wasserfällen aufsteigen bis auf ca. 2375 m. Ab hier Wegweiser zum Col de Tachuy 2673 m aufsteigen. Übergang nach Frankreich. Absteigen, vorbei an Lac du Petit zur Selbstversorgerhütte Rif. Du Ruitor mit 40 Schlafplätzen. Tel.:33 047906 9212. Telefonische Voranmeldung am besten vom Rif. Maison aus. Die Besitzerin kommt am Abend mit Jeep und kassiert die Übernachtung; nur Getränkekauf ist möglich.

 

zu Etappe 6: Höhenmeter: Aufstieg: ca. 1600 m, Abstieg: ca.1400 m

Wanderzeit: 8 ½ Std.

                                                                        Einkehrmöglichkeiten: Rif. Archeboc, Uselliers