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 am:   28.01.10

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W a n d e r b e r i c h t e  -  I t a l i e n

 

 

Inhaltsverzeichnis:    •  Der Weg der Vier Täler - 

                                  Unterwegs zwischen Luganer und Comer See

                                  Von Frank Rainer Scheck

 

                               •  Auf einsamen Wegen zwischen Alpen und Meer

                                  Von Michael Kleider

 

                               •  Via degli Dei - Der Götterweg Bologna - Florenz/Fiesole

                                  Von Dr. Helmut Huber

 

                               •  Giro del Benaco - Rundtour um den Gardasee

                                  Von Günther Krämer

 

                               •  Weitwandern im Aostatal - 

                                  Bericht von einer Sommerwandertour im Jahr 2005

                                  Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

 

                               •  Wanderung auf dem „Alte Via 1“ im Aostatal

                                  Von Gerhard Wandel

 

                               •  Wanderung Percorsi Occitani Teil 1

                                  Von Gerhard Wandel

 

                               •  Wanderung Percorsi Occitani Teil 2

                                  Von Gerhard Wandel

 

                               •  Wanderung in der südlichen Toscana

                                  Von Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

 

                                 Sentiero Italia in Lombardia - 

                                  Abschnitt „Via dei Monti Lariani“

                                  Von Gerhard Wandel

 

                                 Der "Grande Anello dei Sibillini

                                  Geheimtipp im Zentrum Italiens

                                  Von Christoph Hennig

 

                               •  Eine Abenteuerwanderung in den Abruzzen Pfingsten 2009

                                  Von Fronte Cerreto nach Barrea durch den Abruzzen-Nationalpark

                                  Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

 

                                 Abruzzen. Auf Hennigs wilden Wegen

                                  von Amatrice nach Torre de Pásseri im Juni 2009

                                  Von Evelyn Gebhardt und Hans Diem

 

 

Der Weg der Vier Täler

Unterwegs zwischen Luganer und Comer See

 

Von Frank Rainer Scheck

 

Routencharakter

 

Der Vier-Täler Weg (Il Sentiero Delle Quattro Valli), ca. 45 km lang, führt in drei Tagen von Dasio, einem Weiler in der Val Solda über dem Luganer See, nach Breglia, einem Dörfchen oberhalb von Menaggio am Comer See. Fern der touristischen Zentren an den Seeufern, verläuft er in ganzer Länge auf italienischem, genauer: lombardischem Boden, zunächst nordwärts unter dem schweizerisch-italienischen Grenzkamm, dann abschwenkend unter dem im Pizzo di Gino (2245 m) gipfelnden östlichen Kammausläufer. Die Höhen gehören zu den Lepontinischen Alpen, und die angesprochenen vier Täler - die Val Solda, die Val Rezzo, die Val Cavargna und die waldreiche Val Sanagra - ziehen sich mit ihren Bächen entweder zum Lago di Lugano hinunter (die ersten drei) oder zum Comer See.

 

Die Azienda di Promozione Turistica in Como hat die Weitwanderung in Zusammenarbeit mit der Communità Montana Alpi Lepontine und dem Club Alpino Italiano (CAI, Sektion Menaggio) um 1984 entwickelt. Der Weg ist einheitlich rot-weiß-rot markiert; dazu findet sich gelegentlich auf rechteckigen Blechschildchen als spezifisches Signal für den Sentiero Delle Quattro Valli eine schwarze, in roter Farbe schräg durchstrichene 3 im weißen Quadratfeld, beiderseits von roten Feldern flankiert.

 

Der Vier-Täler-Weg bewegt sich in mittelhohen Lagen zwischen 580 m (Dasio) und 1640 m (Punkt über Alpe Nesdale) und berührt in seinem Zug über die Hänge, ähnlich wie die bekanntere Via Dei Monti Lariani (mit der er sich in Breglia verbindet; s.u.), unzählige Weidelehnen mit Monti – reizvoll-idyllische Höhenweiler und Maiensässen –, die teils im Verfall, meist aber im Wiederaufbau als Feriendomizilien begriffen sind. Besonders aussichtsreich sind die zweite Hälfte der ersten und die zweite Etappe. Auf der dritten Etappe kann man sich – Empfehlung! - dem Wald nach reichlich zwei Stunden durch eine Wegvariante über die Alpe Nesdale und die Kapelle von San Amate entziehen. (Diese Variante wird im folgenden beschrieben.) Vor allem die Val Cavargna, deren durch viele Bachläufe gekerbten Hänge über Stunden ausgegangen werden, behält der Wanderer in bester Erinnerung – eine anmutige Landschaft, zu deren wasserreicher Frische im Frühjahr die das Tal überragenden Schneehöhen beitragen.

 

Die Begehung des Sentiero erfordert keinerlei wandertechnische Versiertheit – allerdings eine gewisse Grundfitneß, denn auf der ersten und zweiten Etappe sind, verteilt auf mehrere Routenabschnitte, jeweils um 1000 m aufzusteigen. Als ‚Hosentaschenweg‘ läßt sich der S4V, auch wenn es nirgendwo unbequem steil oder fordernd wird, also nicht bezeichnen.

 

Man wandert meist auf alten, gut erhaltenen Pfaden, die Dörfer untereinander oder auch Dörfer mit ihren Maiensässen verbanden. Die Route über den Passo Stretto wurde historisch von Säumern genutzt, die weiter zum Passo di San Lucio und von dort ins südliche Tessin strebten. Bei Cavargna benutzt man kurz eine Militärmulattiera, die zum Passo San Jorio führte. Teerpassagen sind selten und beschränken sich im wesentlichen auf die unmittelbaren Ortsbereiche von Dasio, Seghébbia, Cavargna und Breglia.

 

Da man nicht in Hütten, sondern in – allerdings bescheiden ausgestatteten - Alberghi nächtigt, kann sich die Ausrüstung auf das Notwendigste beschränken. Feste Bergschuhe und ein Regenschutz sind natürlich unverzichtbar, Teleskopstöcke hilfreich, wenn sich nach Regenfällen ohnehin durchfeuchtete Bachhänge als schlammig-rutschig erweisen.

 

Im Hochsommer kann es in den sonnenexponierten Passagen des Sentiero heiß werden. Empfohlen seien als Wanderzeit der Frühling (Mitte April bis Mitte Juni) und der Herbst (Mitte September bis Ende Oktober). Im Frühjahr führen die Bäche allerdings zuweilen viel Wasser, was bei zwei der (vielen) Querungen Unannehmlichkeiten bereiten kann. Dafür ist man um diese Jahreszeit vor den Nachmittagsgewittern sicher, für die die Gegend zwischen Luganer und Comer See im Sommer bekannt ist. Die Sichtbehinderung durch Wolkennebel ist auch bei Schlechtwetter nie so gravierend, daß die Wegführung verfehlt werden könnte.

 

Im Frühling und Herbst geht man den Vier-Täler-Weg in beschaulicher Einsamkeit, nur an den Wochenenden werkeln um diese Zeiten schon/noch einige Hütten- und Häuschenbesitzer, stets mit viel Inbrunst, an ihren Monti. Viele von ihnen stammen übrigens aus dem dunstverhangenen Mailand und haben hier, am Nordwestrand Italiens, ihr ‚kleines Paradies‘ gefunden.

 

Die Route

 

Anreise: Aus dem Westen Deutschlands reist man per Eisenbahn am besten über die ‚Rheinschiene‘ an, zeitgünstig z.B. mit dem Mailand-Nachtzug bis Lugano. Vom Luganeser Bahnhof mit der Standseilbahn hinunter ins Stadtzentrum; von dort zu Fuß (in ca. 20 Min.), zuletzt den einbetonierten Bach Cassarate querend, zur Bushaltestelle am Campo di Marcio. Ticket vorab am 100 m entfernten Kiosk an der Durchgangsstraße kaufen; wochentags sechs oder sieben Busse nach Porlezza. Personaldokumente bereit halten, denn bald nach Gandria wird die schweizerisch-italienische Grenze passiert! Wer mit dem Nachtzug gekommen ist, erreicht Porlezza rechtzeitig, um von dort mit einem der beiden Mittagsbusse (wochentags ab Porlezza: 12:30 und 13:27 Uhr) nach Dasio aufzufahren und die Wanderung zu beginnen (erster Tag = etwa 5:15 Std. reine Gehzeit). –

Aus dem Südosten und Osten Deutschlands fährt man mit der Eisenbahn am besten über das schweizerische Chur an und benützt dann den Bus über Thusis und San Bernardino, der vor dem Bahnhof von Bellinzona seine Endhaltestelle hat. Von dort weiter mit dem Zug (tagsüber Verbindungen etwa im Stundentakt) nach Lugano und, wie beschrieben, mit dem Bus nach Porlezza (s.o.). Mit dem Auto könnte man auch über St. Moritz – Maloja – Chiavenna – Sorico – Menaggio anreisen; dann am besten den Wagen in Menaggio abstellen und mit dem Bus nach Porlezza/Seehaltestelle weiterfahren (ca. 30 Min.).

 

Zwischenunterkunft: Für die Übernachtung in Lugano kann das Hotel „Montarina“ (nur 5 Min. vom Bahnhof; Tel. CH-091/966 72 72) empfohlen werden, das neben Einzel- und Doppelzimmern (pro Person 50-60 €) auch preiswerte Schlafsaal-Unterkunft für backpacker bietet. - Wer in Porlezza übernachten möchte, sei auf das Mittelklasse-Hotel „Risorgimento“ in der Via Vanetti 16 (Tel. I-03444/61 122; DZ ca. 70 €; Besitzer spricht etwas englisch) hingewiesen, ca. 15 Min. entfernt von der Seefront und relativ ruhig gelegen.

 

ERSTER TAG: Dasio, ein Weiler in der obersten Val Solda, wird viermal am Tag von Porlezza aus angefahren. Wer am See übernachtet hat, nimmt am besten den Bus um 7:49 Uhr, ansonsten einen der schon genannten Mittagsbusse. Fahrtzeit: etwa 30 Min. Von der Endhaltestelle Dasio (ca. 580 m) links der Renaissancekirche kurz aufwärts, dann rechts abbiegen in die „Via per Buggiolo“, die sogleich in einen Pfad übergeht und zu einem Holzsteg über den Torrente Soldo hinunterführt. Auf der anderen Seite gleich links ab und hinauf zu einer Hütte sowie einer Materialseilbahn. Danach auf begrüntem Fahrweg zu einer Weggabel; hier links und an einem großen Bauernhaus mit Speicher vorbei auf sehr steiler Piste zu einer Schutzhütte (900 m; von Dasio 1 Std.). Kurz darauf endet die Piste. Auf dem rechten von zwei Pfaden weiter durch di Valle di Bronzone aufwärts bis zum Passo Stretto (1100 m), wo sich der Wald öffnet. Über ein gestrecktes Wiesenstück mit Höhenverlust wieder in den Buchenwald, teils entlang einem Bachbett, zur Alpe Riccola (1037 m), deren Weidegelände man nach Norden verläßt. Gegenaufstieg zum Passo Pralungo (1115 m), der dem Passo Stretto ähnelt. Nach einem weiteren Wegstück durch schönen Buchenwald erreicht man die Alpe Pramarzio (1061). Unterhalb der Alpe durch ein Drahtgatter, dann über den Wiesenhang und im Linksschwung hinunter ins Cagna-Bachtal (1020 m). Am Gegenhang aufwärts zum Dorffriedhof (unterhalb der Kirche) von Seghébbia (ca. 1100 m; 3 Std.), von wo ein Karrenweg zum Asphalt der Straße durch die Val Rezzo führt. Auf dem Asphalt nach links bis zum Straßenschluß (kleiner Platz) mit Bushaltestelle. Rechts der Haltestelle aufwärts und nach einer Linkskurve am alten Waschhaus des Dörfchens vorbei. Die Steinpflastergasse geht in einen Karrenweg über. Bald scharf rechts ab und, nahe einem modernen Marienschrein (ca. 1220 m), zu einer Weggabel an einem trocken gefallenen Kanal. Der alte Säumerweg zum Paß des Sennenheiligen Lucio zweigt hier links ab (via Alpe Colmine), der Sentiero führt rechts durch lichten Buchenwald zur Kapelle Madonna del Cepp (1340 m), einem Rastplatz mit prächtiger Aussicht in die Val Rezzo. Hinter der Kapelle die moderne Piste zum Passo di San Lucio. Man folgt ihr etwa 400 m nach links und zweigt dann auf die Zufahrt zu den Monti Colonè (ca. 1370-1410 m) ab, einer am offenen Hang gelegenen Häusergruppe, die herrliche Aussicht ins nächste Tal, die Val Cavargna, bietet. Von Dasio etwa 4:15 Std. Auf der Piste bleiben, die an den letzten Häusern vorbeizieht und danach steiler absinkt. Ca. 50 m nach einer rauhbetonverstärkten Rechtskurve zweigt links, leicht zu übersehen (Markierungen und ein Wegweiser fehlen), der Pfad nach Cavargna ab. Am verbuschten Hang abwärts und, zuletzt an Hüttenruinen vorbei, zum 1984 angelegten Ponte Val Marda (1220 m). Gleich darauf noch ein Nebenbach, dann auf der linken Seite des Talhauptbachs in den Buchenbannwald von Cavargna. Zuletzt auf einem Stufenweg hinab zur Kirche des Bergörtchens (1070 m; 5¼ Std.). Nach rechts erreicht man schon nach 1 Min. die Aufgangstreppe zum Albergo „Locanda Franca“ (Tel. 0344/63 133). Die zweite Unterkunft, der etwas nachlässig geführte Albergo „Miravalle“ (Tel. 0344/63 154), liegt ca. 300 m entfernt rechts an der ersten Kurve der (Richtung Porlezza) absinkenden Hauptstraße. Beide Alberghi sind ganzjährig geöfffnet. Zwischen „Franca“ und „Miravalle“, schräg gegenüber dem modernen Café „Della Piazza“, die Busendhaltestelle. Letzte Abfahrten nach Porlezza (nicht sonntags!): 15:27 und 16:55 Uhr.

 

ZWEITER TAG: Zurück zur modernen Kirche San Lorenzo (1070 m), rechts an ihr vorbei und gleich darauf, bei einem kleinen Parkplatz, den Weg rechts/abwärts einschlagen: ursprünglich die alte italienische Militärmulattiera zum Grenzkamm im Norden. Eine Metallbrücke (ca. 1040 m) führt etwa 20 Min. später über einen starken Bach. Gegenaufstieg zum Friedhof von Finsuè (ca. 1150 m). Auf dem Pfad bleiben, bis er einen Erdfahrweg mit betonierter Randfassung erreicht. Auf diesem Weg zu den Häusern von Monti di Collo (1200 m; von Cavargna 1 Std.). Beim Brunnen hinter dem letzten Haus setzt sich die Mulattiera fort. Nach nur 2 Min. zweigt der Sentiero rechts (kleiner Wegweiser) ab, zieht über offene Grashänge, quert einen Bach und ein dichtes Waldstück (mit Nadelgehölz). Über den Hauptbach Cuccio di Cavargna führt ein Holzsteg (1260 m; 1½ Std.) Nun über die aussichtsreichen Westhänge des Cavargna-Tals zu den in mehreren Gruppen am Hang gestaffelten Monti di Carava. Die ersten Häuser liegen etwa 1275 m hoch. Abstieg zu einem durch Betonstufungen regulierten Bach aus der Valle di Biscie. Nicht auf der hier einsetzenden Schotterpiste rechts hinunter zu einer modernen Brücke, sondern ca. 20 m nach links, wo der Bach auf Geröll gequert werden kann. Recht steiler Gegenaufstieg durch erodiertes Gelände zu einer Hüttengruppe mit Materialseilbahn (1250 m; 2 Std.), danach über verkrautete Grashänge, wobei man schon nach 2 Min. bei einer Pfadgabel links halten muß. Zu einem weißgestrichen Einzelhaus hinauf und in einem Linksbogen zu den Monti Gromia (1295 m). Es geht nun in den Innenbogen der Valle Ruina. Die lange, meist aussichtsreiche Traverse, die zwei kleine Tannengehölze quert, endet nach einem dritten Waldstück im Auslauf einer Teerstraße (1265 m; 3 Std.), die vom Dorf San Nazzaro (dort Bushaltestelle an der Strecke Porlezza - Cavargna) kommt und sich als Alppiste Richtung Pizzo di Gino fortsetzt. Man quert Straße/Piste und nimmt einen Fahrweg, der 2 Min. später, nach Passage einiger Ferienhäuser, in einen Pfad übergeht und in den Talwinkel der Valle di Lana absinkt. Kurzer Gegenaufstieg zu den Monti von Rus di Vora auf einer aussichtsreichen Bergschulter (mit Materialseilbahn). Etwas höher am Hang eine Marienkapelle. Von Rus scharfwinklig links auf einer Erdtrasse abwärts in den nächsten Taleinschnitt, wo wiederum ein Teersträßlein (kommt von San Bartolomeo; auch dort Bushaltestellen) endet. Hier links halten. Oberhalb der Häuser von Darni führt der Sentiero tiefer in die Valle dei Molini, ein Betonsteg überbrückt schließlich den Cuccio di Sebol (1140 m). Auf der Gegenseite hinauf zu einem Alppfad, der in einem Linksbogen zum sonnig-südseitigen Weiler Oggia (um 1120 m; 4 Std.) führt. Zunächst etwa 150 m durch eine Dorfgasse, dann rechts ab zum Ende einer Teerstraße, die in den 1990er Jahren von San Bartolomeo nach Oggia vorgetrieben wurde. Man verläßt die Autostraße sofort wieder nach rechts, passiert das Kirchlein Chiesa di Vraccia auf der Apsisseite und biegt gleich darauf bei Haus- und Nutzbauten (auffällig ein Schuppen mit Gittertür) links ab auf einen Pfad, der über zwei Rinnsale zur Straße zurückführen würde, sich aber etwa drei Dutzend Meter vorher gabelt (schlechte Markierung). Hier rechts halten und im Linksbogen in einen Wald von Buchen und Eßkastanien hinein. Nach 15 Min. quert man bei dem Einödhof von Selva (1000 m) die Straße und erreicht, auf weiterhin absinkendem Pfad, die Monti von Costa (930 m). An den obersten Häusern vorbei nach links in den Bachwinkel des Cuccio di San Bartolomeo, der auf einem Betonsteg überschritten wird. Kurz darauf beginnt ein langgezogener, nicht immer gut markierter Waldaufstieg bis auf eine Höhe von 1210 m, wo der Pfad eine Alppiste (führt zur Alpe Sebol) berührt. Nicht auf der Piste, sondern auf dem Pfad rechts abwärts zur Lichtung von La Sella und von dort auf einem Karren-, dann Schotterweg ins Zentrum der Monti-Gruppe von Malè (um 1150 m). Die Etappenunterkunft, der zwischen Anfang April und Ende Oktober geöffnete Albergo „Locanda Maria“ (Tel. 0344/66 158 bzw. 66 196), liegt nur 2 Min. entfernt zur Rechten. Von Cavargna 6 Std.

 

DRITTER TAG: Zurück auf dem letztem Wegstück (2 Min.), dann geradeaus weiter. An einem Parkstreifen vorbei zu einer Erdpiste. Auf ihr kurz rechts abwärts (Richtung Cusone im Cavargna-Tal), dann links auf eine andere Piste abzweigen, die bald an der Alpe Logone (1184 m) vorbeizieht und nach weiteren ca. 10 Min. Wald erreicht. Nun steiler abwärts, bis auf 1050 m Höhe der Auslauf eines Teersträßleins (von Carlazzo her) erreicht ist. Hier links halten. Der Teer endet sogleich, und man wandert auf einer stabilisierten Forstpiste, die im Gegenanstieg nach etwa 20 Min. an den Weidelehnen der Alpe Erba (1190 m) vorbeiführt. Wenige Minuten nach einer Blechhütte auf der Rechten (= Talstation der Materialseilbahn zur Alpe Nesdale; s.u.) zweigt auf 1240 m Höhe die Hauptroute des Sentiero rechts ab (leicht zu übersehender Hangpfad) und quert den Torrente Sanagra. Empfohlen und beschrieben sei aber die aussichtsreichere Nebenroute (nicht mit den spezifischen S4V-Blechschildchen versehen). Wer sie wählt, bleibt auf der Forstpiste, die bei den Bauten der Alpe Leveja (1317 m; von Malè 1¾ Std.) endet. Ein Pfad führt über einen Quellbach des Torrente Sanagra und weitere Bäche und steigt, nun sehr ausgetreten vom Alpvieh, steil durch Wald zu den Weidehängen der noch bestoßenen Alpe Nesdale auf (1612 m; knapp 3 Std.). In einem Linksbogen an die zunächst noch nicht sichtbare Alpe heran, links an ihr vorbei und nochmals links: ca. 25 Höhenmeter aufwärts zu einem breiten Viehweg. Noch etwas höher am Hang verläuft ein Pfad, der dem rauhen Viehweg vorzuziehen ist. Auf ihm fast eben und mit weiten Ausblicken am Hang des Bergrückens Costone de Bregagno hinüber zur einsamen Kapelle San Amate (1623 m). Südlich der Kapelle gabelt sich der Pfad; beide Linien führen nach Breglia. Wer noch den Rifugio „Menaggio“ (Tel. 0344/37 282; 30 Lager in Stockwerkbetten) besuchen will, hält rechts und steigt, einen Abzweig zum Gipfel des Monte Grona (1736 m) auslassend (oder den sehr aussichtsreichen Gipfel ‚mitnehmend‘; hin und zurück 30-40 Min.), zur Hütte ab, die auf etwa 1380 m Höhe in schöner Aussichtslage am Westhang über dem Comer See liegt und zwischen Anfang Juli und Anfang September durchgehend, in der übrigen Zeit an Wochenenden geöffnet ist. Vom Rifugio auf einem Pfad relativ eben nach Osten, dann auf dem von San Amate kommenden ‚linken Pfad‘ hinunter zu den Monti di Breglia, bei deren obersten Hütten (ca. 1000 m; 4¼ Std.) man einen Erdfahrweg erreicht. Die folgende Wegstrecke nach Breglia – Piste, Pfad, zuletzt auch kurze Teerstrecken - ist kompliziert, aber bestens mit kleinen Wegweisern versehen. Bei einem modernen Brunnen erreicht man den oberen Ortssaum von Breglia. Auf Asphalt in 2-3 Min. zum Zentralplatz mit der Busendhaltestelle (765 m; Std.). Wer in Breglia übernachten will, findet im Albergo „Breglia“ (Tel. 0344/37 250; Besitzer spricht deutsch) etwas oberhalb des Zentralplatzes eine ganzjährig geöffnete angenehme Mittelklasse-Unterkunft.

 

Abgang: Abfahrt von Breglia mit dem Bus nach Menaggio am Comer See (mehrere Busse täglich, jedoch nicht sonntags! 7 km bis Menaggio). Menaggio besitzt Alberghi aller Preiskategorien, dazu eine Jugendherberge, den Ostello „La Primula“ (Tel. 0344/32 356). Bus-Anschluß nach Como wie nach Porlezza/Lugano – oder auch ans Nordende des Comer Sees (Sorico, Colico).

 

Weiterwandern – zwei Hinweise

 

Breglia, der Endpunkt des Sentiero Delle Quattro Valli, ist zugleich Etappenstation des Weitwanderwegs Via Dei Monti Lariani. Man könnte nach der Übernachtung im Mittelklasse-Albergo „Breglia“ (s.o.) die Tour auf dieser Route unmittelbar fortsetzen bis zum Nordende des Comer Sees bei Sorico – noch vier Tage braucht man bis dort – oder auch fortsetzen, in Gegenrichtung, bis zum Südende des Comer Sees bei Piazza San Stefano, einem Örtchen über Cernobbio. Für die Südstrecke benötigt man ebenfalls vier Tage.

 

Es sei ferner angemerkt, daß Breglia auch Ausgangspunkt der vier- oder fünftägigen Alta Via del Lario (AVL) ist, die über den Rifugio „Menaggio“ (s.o.) und den Pizzo di Gino (2245 m) zum italienisch-schweizerischen Grenzkamm und schließlich über den Sasso Canale (2397 m) wieder hinunter nach Sorico am Comer See führt. Diese landschaftlich beeindruckende, ungewöhnlich aussichtsreiche Sommerroute setzt den erfahrenen Bergwanderer voraus und weist sehr lange Etappen auf. Da eine der Unterkünfte am Weg (Rifugio „Como“/12 Lager) nur mit Schlüssel zugänglich ist, der wiederum beim CAI Dongo (Sektionsbüro: 50 m links neben dem Postamt) bzw. im Ristorante „La Baita“ (Tel. 0344/89722) im Bergdorf Livo nördlich von Dongo liegt, kann man sich nicht spontan in Breglia oder im Rifugio „Menaggio“ für die AVL entscheiden. Auch deshalb übrigens nicht, weil man Lebensmittel und Ausrüstung für zwei Übernachtungen in unbewirteten Unterkünften (neben dem Rifugio „Como“ noch der Bivacco „Petazzi“/8 Lager, bekannt auch als Bivacco „Ledu“) benötigt. Die beiden anderen Unterkünfte an der AVL sind der zwischen Mitte Juni und Ende September bewirtschaftete Rifugio „San Jorio“ (Tel. 348/81 24 356; kein Winterraum) unter dem gleichnamigen Paß und der Alpgasthof „Agriturismo Giacomino“ (Tel. 0344/84 710; geöffnet April bis Oktober; Besitzer spricht etwas deutsch) beim Streuweiler Fordeccia, hoch über dem Comer See.

 

Karten und Literatur

 

Am besten benutzt man die Wanderkarten im Maßstab 1: 30 000 des „Programma INTERREG II Italia-Svizzera“, Blätter 3 und 4. Sie gehören zur Kartenserie (insgesamt vier Blätter) „Strade di Pietra“, die grenzübergreifend den Raum zwischen Lago Maggiore, Luganer und Comer See abdeckt und neben den Sentiero Delle Quattro Valli auch die Strada Regina (La Via Regina) und die Via Dei Monti Lariani sowie Teile des Sentiero Del Viandante verzeichnet. Man erhält sie in den Buchhandlungen von Como, Menaggio, Porlezza, Chiasso, Lugano und Bellinzona. Unklar ist, ob die Karten auch in Deutschland vertrieben werden. – Ersatzweise: Kompass-Karte 91 „Lago di Como, Lago di Lugano“ im Maßstab 1: 50 000.

 

Die kostenlos in den Fremdenverkehrsbüros von Menaggio und Porlezza abgegebene 12-seitige, bebilderte Broschüre Il Sentiero delle 4 Valli (ohne Erscheinungsort und –jahr) beschreibt den Täler-Weg in der umgekehrten Richtung, also von Breglia nach Dasio. Damit ist man freilich auf der letzten Etappe (von Cavargna nach Dasio) unter Zeitdruck gesetzt, denn Dasio besitzt keine Unterkunft und der letzte Bus nach Porlezza fährt schon gegen 14 Uhr ab. – Im ersten Band des zweiteiligen Wanderführers A Piedi di Lombardia (Subiaco ²1997), hrsg. unter Mitwirkung der Legambiente Lombardia, ist der Vier-Täler-Weg auf den Seiten 94–101 beschrieben. - Einige optische Eindrücke (Photos S. 24ff.) von der Landschaft am Vier-Täler-Weg bietet ein Beitrag in der Zeitschrift Bergsteiger 11/2000: „Herbstzauber. Wandern im Val Cavargna“ von Siegfried Garnweidner; leider geht Garnweidner, der - wenig glückliche - Routenvorschläge für Tagestouren im Cavargna-Tal unterbreitet, mit keinem Wort auf den Sentiero ein.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 14 - August 2004

 

 

Auf einsamen Wegen zwischen Alpen und Meer

 

von Michael Kleider

 

Tante grazie, Ciao ! Wir springen von der Ladefläche eines Kastenwagens heraus und sehen erst einmal – nichts ! Die Etappenverkürzung durch das freundliche italienische Pärchen kam zu spät. Just beim Erreichen des Gipfels des Monte Sacarello wird uns die Aussicht vom aufziehenden Nebel verwehrt. Dafür nageln Geländewagenkolonnen und Enduros auf der Militärstrasse an uns vorbei, Zelte stehen auf dem Gipfelgrat, der einem überdimensionalen Parkplatz gleicht. Was also ist hier los?

 

Es ist Sonntag, Ausflugstag der Italiener. Und der wird in der Regel mit Auto und Familie verbracht. Zwischendurch deutsche und französische Kennzeichen. Etwaige Wanderer, Fehlanzeige. Immerhin teilen einige schwitzende Radfahrer unsere nicht-motorisierte Fortbewegung.

 

Heute morgen noch war die Luft vom Sirren und Summen unzähliger Insekten erfüllt, zahllose Blumen wetteiferten um ihre Gunst mit verlockenden Farben und Düften. Bei jedem Schritt ist eine Handvoll erschreckter Grashüpfer zur Seite gesprungen, als sich unsere Füße den Weg durch kniehohes Gras bahnten.

 

Nur aus der Ferne hörten wir da ein leises Brummen, ohne dass wir das Ausmass des heutigen Verkehrs geahnt hätten. Und dann stießen wir auf die ehemalige Militärstraße zum Gipfel des Monte Saccarello, mit 2200 Meter höchster Punkt Liguriens und somit ein beliebter sonntäglicher Aussichtspunkt. Für uns bedeutet der Trubel eine Autostopp-Abkürzung der heutigen Etappe um 30 Minuten, angesichts ihrer Länge sind wir darüber nicht traurig.

 

Seit gestern sind wir unterwegs, wollen eine Verlängerung der GTA – der Grande Traversata delle Alpi, der grossen Alpenüberquerung (zu Fuss) – bis zum Mittelmeer finden. Wir hoffen mit den bisher spärlichen Informationen aus dem Internet zurechtzukommen. Das einzig sichere was wir ihnen entnehmen konnten war, dass wir auf dem ligurischen Grenzkamm mit absoluter Einsamkeit zu rechnen hätten, und nun das.

 

Dafür haben wir jetzt am Monte Saccarello die „Alta Via dei Monti Liguri“ (AV), den ligurischen Höhenweg erreicht. Diesem Weg, der von Ventimiglia bis in die Nähe von La Spezia führt, wollen wir rund 70 Kilometer bis zu seinem Ausgangspunkt folgen.

 

Seit dem frühen Morgen lag der Monte Saccarello in unserem Blickfeld, dem wir, anfangs über ehemalige Ackerterrassen, entgegensteuerten. Früher war der Ackerbau noch überlebensnotwendig für die weit zahlreichere Bevölkerung im Tal, die hauptsächlich von der traditionellen Bergbauernwirtschaft gelebt hat. Heute werden keine Äcker mehr auf den Berghängen bewirtschaftet, die Ackerterrassen sind verbuscht. Zu mühsam und unrentabel ist diese Arbeit geworden. Die wirtschaftliche Situation hat viele Bewohner zur Emigration in die Ebene oder nach Frankreich gezwungen. Der Bevölkerungsrückgang der Ligurischen Alpen ist dramatisch sowohl auf der piemontesischen wie auch auf der ligurischen Seite. Die meisten Einwohner dieser Täler müssen heute zur Arbeit in die Alpenrandgemeinden pendeln, nur wenige können von Landwirtschaft und Tourismus leben. Zwar hat beispielsweise das Tanaro -Tal mit Ormea einen regional bekannten Ferienort und auch Mendatica im Arroscia -Tal weist einen bescheidenen Tourismus auf. Doch auch diese Täler zählen zu Abwanderungsregionen mit starkem Bevölkerungsrückgang.

 

Der Verkehr und der stramme Wind am Gipfelkamm veranlassen uns weiterzugehen und kaum sind wir auf dem Fußpfad der AV, wird es still hinter unserem Rücken. Nun haben wir die erwartete Einsamkeit.

 

Nach dem Abstieg auf der Westseite des Saccharello, bereits auf französischem Gebiet, erreichen wir weiter südlich erneut den ligurischen Grenzkamm. Die zahlreichen Grenzsteine auf dieser Etappe belegen unsere ständigen Grenzwechsel zwischen italienischer und französischer Seite. Dieser strategisch wichtige Grenzkamm wurde mit Militärpisten ausgebaut, auf denen die AV überwiegend verläuft. Immer wieder trifft man auf die Ruinen ehemaliger Kasernen und Bunker. Neben Militärpisten setzen wir unsere Füße auf historische Maultierwege, sogenannte „Saumwege“, auf denen früher sowohl der offizielle Warenaustausch zwischen Küste und Hinterland, als auch ein einträglicher Schmuggelhandel betrieben wurde.

 

Nach der langen Etappe sind wir froh, am späten Nachmittag das schön gelegene Rifugio Allavena vom Kamm aus zu erblicken. Nur noch eine halbe Stunde Abstieg trennt uns von einer Dusche und einem reichhaltigen Abendessen samt zugehörigem Rotwein. Am nächsten Tag lacht die Sonne und ein Wegweiser beim Rifugio verheißt uns „nur“ noch 54 Kilometer bis Ventimiglia. Immer weiter, Richtung Meer, ist die Devise der nächsten Tage.

 

Statt wieder auf die AV hinaufzusteigen, wählen wir als Alternative den „Sentiero degli Alpini“, einen von Gebirgsjägern in den 1930er Jahren angelegten Weg. Eine gute Wahl wie sich herausstellen sollte. Auf dem schmalen Pfad geht es Richtung Monte Pietravecchia (2038 m) und Toraggio (1973 m), Gipfel, die sich mit ihren schroffen Kalkwänden deutlich von den übrigen abheben und wegen ihres Aussehens auch die „Kleinen Dolomiten Liguriens“ genannt werden. Nachdem der Passo Valletta schon mit Panoramablick bis zu den französischen Seealpen aufwartet, beschließen wir für eine gesteigerte Aussicht einen Abstecher auf den Gipfel des Pietravecchia zu unternehmen. Das Unternehmen lohnt auch noch für etwas anderes. Beim Blick auf die Nord-Ostwand des Monte Toraggio, durch den der Sentiero degli Alpini verläuft, entscheiden wir uns, auch angesichts eines aufziehenden Gewitters, für die „zahmere“ Westumgehung und kehren nach unserem Gipfelabstecher auf die AV zurück. Diese führt uns aussichtsreich und wenig anstrengend zur Gola dell´Incisa und weiter zum Passo di Fonte Dragurina.

 

Hier können wir zum ersten Mal das Meer im dunstigen Horizont erkennen, 1800 Höhenmeter unter uns. Vorher schweift der Blick über eine Landschaft, die von der Erosion der Fliessgewässer geprägt ist. Die scharfen Grate der Täler erinnern an Landschaften von Modelleisenbahnen. Wir hoffen dagegen Anfang August umsonst auf einen Bach in diesem karstigen Gebiet und treten vom Durst geplagt den Abstieg an. Heute morgen hatte sich eine unserer beiden Wasserflaschen spektakulär in die Tiefe gestürzt. Auch das von oben erwartete Nass fällt aus. Wir träumen vom ersten Schluck eines kühlen Ankunftbiers im Rifugio Gola di Gouta.

 

Doch noch sind 600 Höhenmeter abzusteigen, erst über steile Almwiesen, dann noch ein Stück durch den Wald. Der Abstieg zieht sich, endlich gelangen wir zum Colle Muratone und treffen auf eine Schotterstraße. Von dort aus sind wir schnell am Colle Scarassan und auch die letzten zwei Kilometer bringen wir auf hartem Untergrund hinter uns. Kaum im Rifugio angekommen, setzen wir unser Vorhaben in die Tat um und zum Glück legt der Wirt auf das leibliche Wohl der Wanderer großen Wert.

 

Angefangen mit gemischten Antipasti folgen Tagliatelle ai funghi, dann ein köstliches Lamm und beendet wird das Mahl mit Käse und dem obligatorischen Caffè.

 

Nach einer kurzen Nacht geht es am nächsten Tag in gleichmäßigem Anstieg durch den Margheria dei Boschi, einen Wald der für seine seltenen Tierarten wie Wildkatze, Marder, Uhu, Schwarzspecht und Birkhuhn bekannt ist. Wir sehen leider nichts von der reichhaltigen Fauna, wahrscheinlich haben wir auch nicht mehr den federnden Schritt des ersten Tages. Zwar knackt es im Wald, doch die vermeintlichen Tiere entpuppen sich als Pilzesammler bei ihrem Hobby. Entschädigt werden wir mit dem Blick zurück auf die „Kleinen Dolomiten“, den wir durch die Waldlücken erhaschen. Die zahlreichen Bunkeranlagen zeugen auch hier von der ehemaligen strategischen Bedeutung dieser Region. Wir verlassen den Wald und laufen ein letztes Mal über Almwiesen zur Testa d´Alpe.

 

Im Laufe des Abstiegs verändert sich allmählich die Vegetation und geht in mediterrane Macchia über. Man sieht der Landschaft an, dass es nicht mehr weit zum Meer ist, die Temperatur nimmt nun stündlich unangenehmere Ausmaße an. Den Stechmücken sind diese Bedingungen wohl angenehmer, sie lassen es sich ungeniert bei uns schmecken. Der tiefe Schlaf im Rifugio Alta Via verhindert nächtliche Juckattacken und am Abend tröstete eine Schüssel mit Spaghetti al Pesto, köstlich zubereitetes Lamm mit Pilzen, begleitet von einem Rossesi di Dolceaqua über die Beulen hinweg. Typischer hätte ein Essen im Hinterland der italienischen Riviera nicht ausfallen können. Denn die Hauptbestandteile Tomaten, Pilze, Zwiebeln, Knoblauch, Olivenöl, Brot und Wein begleiten häufig Lamm-Kaninchenfleisch und Teigwaren. Der Pesto genovese, ein Gericht arabischen Ursprungs, ist das berühmteste Gericht Liguriens.

 

Schwer fallen die Schritte am nächsten Tag, vielleicht liegt es an der Blutarmut. Doch die Aussicht auf das Meer, zieht die Füße magisch nach Süden. Es geht durch Thymiansträucher, an Weinreben und Olivenhainen vorbei. Auch noch so nahe am Meer ist das ligurische Hinterland von der Entvölkerung betroffen, viele Bauernhäuser ohne Straßenzugang liegen in Ruinen. Nahe an der Küste ändert sich das Bild schlagartig. Hunderte von Gewächshäusern wurden an der Riviera dei fiori, der Küste der Blumen in die Landschaft gesetzt. Die Zierpflanzen sind neben dem Tourismus und dem Olivenanbau ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

 

Und dann sind wir angekommen, in Ventimiglia am Meer, auf das wir uns den ganzen Tag gefreut haben. Autoschlangen und Mopeds knattern an uns vorbei, am Strand klingeln Handys, schreien Kinder und dudeln Transistorradios. Der „normale Lärm“ einer quirligen Kleinstadt dringt wieder in unsere Ohren. Noch einmal haben wir ein Ziel, es sind nur noch einige Kilometer. Nach wenigen Minuten sind wir da. Wir haben noch einmal mit einem längeren Fußmarsch zu unserem Auto gerechnet, als wir gehört hatten, dass der Bus, der uns zurück ins Tanaro-Tal gebracht hat, nicht bis Carnino fährt. Statt dessen bedanken wir uns bei dem netten Franzosen, der mittlerweile in Schweden lebt und seine Familie in Italien besucht hat, steigen aus seinem Auto, nehmen unsere Rucksäcke heraus und verabschieden uns mit einem – tante grazie, Ciao!

 

Karten

 

- Für den Übergang von der GTA auf die AV: Carta dei sentieri 1:25.000, Car- toguida 2: Alpi Liguri: Parco Naturale Alta Valle Pesio e Tanaro. (sehr gute Karte mit Infos auf der Rückseite, zu beziehen beim Autor: Michael Kleider, e-mail: info@michael-kleider.de, www.michael-kleider.de)

- IGC 8 – Alpi Marittime e Liguri

- IGC 14 - S. Remo/Imperia.

 

Etappen

 

1.  Carnino Superiore (1397 m.) – Passo di Lagare (1746 m.) – Upega (1297 m.)

      – Monesi di Triora (1376 m.), 6 h.

2.  Monesi (1376 m.) – Piaggia (1310 m.) – Monte Saccarello (2200 m., die AV

      wird hier erreicht) – Rifugio Allavena (am Colle Melosa, 1545 m.), 8,5 h.

3.  Rifugio Allavena (1545 m.) – Passo Valletta (1918 m.) – Gola dell´ Incisa

     (1685 m.) – Fonte di Passo Dragurina (1810 m.) – Rifugio Gola di Gouta

     (1200 m.), 6,5 h.

4.  Rifugio Gola di Gouta (1200 m.) - Colle Scarassan (1222 m.) - Margheria

     dei Boschi – Testa d´Alpe (1587 m.) - Azienda Agrituristica „Rifugio Alta Via“

     (500 m.), 8,5 h.

5. Rifugio Alta Via (500 m.) – Passo del Cane (593 m.) - Ventimiglia, 4,5 h.

 

Nützliche Informationen

 

Gesamtlänge: Von Carnino nach Ventimiglia sind es ca. 80 km, dafür werden 5 Etappen benötigt.

 

Am Monte Saccarello wird die AV erreicht, der man bis Ventimiglia folgen kann. Dieser Abschnitt der AV ist ca. 70 km lang. Die Gesamtlänge der AV, die von Ventimiglia bis in die Nähe von La Spezia führt, beträgt ca. 450 km.

 

Die „Alta Via dei Monti Liguri“ (AV) ist rot-weiss-rot und durchgehend gut markiert. Häufig ist die Markierung durch den Schriftzug „AV“ ergänzt.

 

Übergang von der GTA auf die AV zu Fuß: Will man in Carnino, im Tanaro-Tal, vom Weitwanderweg GTA (Grande Traversata delle Alpi / grosse Alpenüberquerung) zur Alta Via gelangen, steigt man vom Carnino-Seitental über den Passo Lagare (markierter Weg) nach Upega, ins gleichnamige Seitental, ab. Von dort auf der Teerstraße durch den bosco delle Navette nach Monesi di Mendatica (Ü). Im gegenüberliegenden Piaggia beginnt ein markierter Wanderweg zum Monte Saccarello. Auf dessen Gipfel gelangt man auf die AV (siehe Karte).

Reist man mit dem Auto an und lässt es im Tanaro-Tal stehen, kann man von Ventimiglia mit dem Bus ins Tanaro-Tal zurückfahren (Ventimiglia-Imperia-Ormèa).

 

Alternativ dazu kann man auch die landschaftlich sehr schön verlaufende Tenda-Bahn von Ventimiglia nach Cuneo nehmen und von dort aus mit dem Bus ins Tanaro-Tal fahren (Cuneo-Mondovì-Ceva-Ormea).

 

Lokale Spezialitäten

 

- Pesto genovese: eine dickflüssige Soße aus Basilikum, Meeressalz, Knoblauch, gehackten Pinienkernen, geriebenem Parmesan und Olivenöl. Man mischt sie unter Spaghetti oder Gnochi.

- Minestrone aus Tomaten, Paprika, Auberginen, Zucchini und Knoblauch.

- Lamm- und Kaninchenfleisch, mit frischen Pilzen und Kräutern.

- Wein: rund um Imperia wird der rote Ormeasco erzeugt, bekannt ist auch der Rossesi di Dolceaqua. Aus dem Westen der italienischen Riviera kommt der weisse Pigata.

 

Beste Reisezeit

 

Juni bis September, je nach Wetterlage noch Mai und Oktober.

 

Reiseführer

 

Bätzing W.: Grande Traversata Delle Alpi. Der Weitwanderweg durch die pie montesischen Alpen. Teil 2: Der Süden, Rotpunktverlag, Zürich 2003.

 

Unione Camere Di Commercio Liguri (Hrsg.): Höhenweg der ligurischen Berge. 2. Auflage, Genua 2002.

 

Die GTA und die Alta Via im „Internet“: 

 

www.parks.it/grandi.itinerari/altavia

 

Internetseite zum GTA-Wanderführer:

 

www.wanderweb.ch/gta und www.michael-kleider.de

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 12 - Dezember 2003

 

 

Via degli Dei - Der Götterweg Bologna - Florenz/Fiesole

 

Von Dr. Helmut Huber

 

klangvolle Name des Wanderweges bezieht sich auf die am Wege liegenden Berge Monte Adone und Monte Venere sowie auf die Ortschaft Monzino. Dahinter sollen sich die Gottheiler Adonis, Venus und Juno verbergen. Diese phantasievolle Namensgebung entspringt nicht wissenschaftlicher Strenge, sondern eher der Liebe zur Antike und der Begeisterung für diese geschichtsträchtige Landschaft. Spuren davon findet der Wanderer auf seinem Weg, beispielsweise in den teilweise guterhaltenen Resten der Via Flaminia und der Flaminia Minore.

 

Die Kreation und Belebung des Via degli Dei verdanken wir einer Gruppe von Bolognesern, die sich "Dû pâs e 'na gran magné“ nennen. Aus dem bolognesischen übersetzt: Zwei Schritt und ein großes Mahl“.

 

Dieses Motto kann uneingeschränkt über der Wanderung stehen.

 

Beginn und Ende

 

Wir begannen unsere Wanderung am 20.10.2002 auf der Piazza Maggiore von Bologna. Sie endete am 27.10.2002 auf der Piazza Maggiore von Fiesole.

 

Der Fußweg aus der Großstadt Bologna heraus ist ganz außergewöhnlich, weil man sofort nach dem Verlassen der äußerst reizvollen Altstadt einen knapp zwei Kilometer langen Arkadengang betritt, der einen vollständig aus der Stadt herausführt und der an der Wallfahrtskirche Madonna di San Luca endet.

 

Länge des Weges

 

Rund 130 km über 10 Etappen. Es sind keine nennenswerten Höhenunterschiede zu bewältigen, besonders dann nicht, wenn man am Beginn der zweiten

 

Etappe von Sasso Marconi eine Taxe nimmt und die zweite Etappe damit in Badolo startet. Dies ist unbedingt zu empfehlen, da die ungekürzte zweite Etappe mit 9 – 10 Stunden angegeben wird und bis Badolo reichliche Steigungen enthält.

 

Etappenlängen

 

Die Längen sind sehr unterschiedlich und schwanken zwischen 8 – 21 Kilometer, d.h. von 4 bis zu 10 Stunden.

 

Führer

 

Outdoor-Handbuch, Band 91 von Manfred Ferner: Italien: Trans-Apennin/Via degli Dei-Götterweg ISBN 3-89 392-191-5, 1. Auflage 2000, Conrad Stein Verlag

 

Dieser Führer ist ganz ausgezeichnet. Er ist handlich wie eben alle Outdoor-Handbücher. Er enthält jeglich notwendige Information, wie präzise Wegebeschreibung, die keinen Zweifel aufkommen läßt und einen sicher ans Ziel führt, hilfreiche und stimmige Angaben zu den Unterkünften etc. Der Führer ist meiner Meinung nach uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Korrekturen zu den Führerangaben folgen nach.

 

Tageskosten

 

Wir haben pro Person für Übernachtung, Abendbrot und Frühstück pro Tag zwischen € 50,00 - € 60,00 bezahlt. Sämtliche Unterkünfte, d. h. Pensionen und Hotels sind offensichtlich gestern allesamt renoviert worden. Stets eigenes Klo und Dusche, sehr gute Betten, absolute Sauberkeit, liebenswürdige Inhaber/innen usw. Das Frühstück ist, wie nicht anders in Italien, etwas bescheiden. Dafür umso üppiger die teilweise gewaltigen und manchmal nicht bezwingbaren Abendbrote.

 

Sonstige Angaben

 

Benutzte Karten, Wegemarkierungen, Zustand der Wege, Unterkünfte etc. sind am besten den o.g. Führer zu entnehmen

 

Korrekturen des Führers

 

Am Ende der fünften Etappe wird das Albergo Passo della Futa empfohlen mit dem Hinweis: Donnerstag geschlossen. Wie wir erfuhren, ist das Albergo jeden Herbst bis zum Frühjahr geschlossen. Genaue Daten waren leider nicht in Erfahrung zu bringe. Diese mögen auch vom Wetter abhängen. Ausweichquartier: Albergo Iolanda in Traversa (Details siehe Karte).

 

Am Ende der vierten Etappe wird das Albergo Iolanda mit falscher Telefon- und Faxnummer aufgeführt. Die richtigen Nummern sind:

 

Telefon-Nr.: 055/815265

Fax-Nr.: 055/815270

 

(Der Autor hat versehentlich die Telefonnummern des Albergo Iolanda aus Pellegrino angegeben)

 

Charakter der Wanderung

 

Die Wegeführung ist optimal. Kurze Strecken sind auf äußerst wenig befahrenen kleinen Landstraßen zu gehen. Ansonsten handelt es sich um Waldwege, die allerdings nicht deutschen Vorstellungen entsprechen. Es sind vielfach sehr geröllige, dann wieder total matschige Wege, die nach dem Regen teilweise nur schwer passierbar sind. Wir waren nach heftigen Regenfällen unterwegs und jeden Tag bis zu den Knien eingesaut.

Der Weg führt bis zum Passo della Futa weitgehend durch Wälder, fast immer auf einen Gebirgskamm, so daß sich immer wieder weite Ausblicke in die parallel laufenden Täler ergeben. Hinter dem Paß gelangt man in die Toskana und die Landschaft wird sehr viel offener.

 

Auf der gesamten Wanderung haben wir niemanden getroffen. Das mag an der Jahreszeit liegen. Unabhängig davon dürfte es sich dennoch um eine ausgesprochen einsame Wegstrecke handeln.

Eine Ausnahme bildet nur die erste Etappe (Talwanderung). Besonders der Einlauf nach Sasso Marconi ist nicht so erfreulich und außerdem etwas verwirrend. Alles in allem wage ich das Prädikat: Traumwanderung

 

Ergänzungen und Hinweise

 

In Sasso Marconi sollte man im Hotel Oasi übernachten. Dieses Hotel liegt zwar zwischen Autobahn und Landstraße, bietet aber den besten Ausgangspunkt für die nächste Etappe. Außerdem ist es ein sehr angenehmes Haus mit sehr gutem Essen.

 

Von hier aus sollte man unbedingt versuchen, mit dem Auto nach Badolo zu fahren, da die zweite Etappe sonst wohl etwas zu lang und anstrengend wird. Die Taxe muß allerdings aus Bologna kommen. Uns hat freundlicherweise am Morgen der Nachtportier des Hotels kostenlos (!) nach Badolo hinaufgefahren.

 

Die fünfte Etappe haben wir einfach ausgelassen, aber nur weil wir weiter wollten, nicht weil es irgendwelche sonstigen Einwendungen gegeben hätte.

 

Das Albergo Iolanda in Traversa ist ein absolutes Muß. Bestellen Sie dort das Menue für € 23,00 bzw. € 25,00. Sie werden ihr blaues Wunder erleben.

 

Die siebte und achte Etappe haben wir ebenfalls zusammengelegt, da sie für sich genommen zu kurz sind.

Die zehnte Etappe von Fiesole nach Florenz haben wir uns ebenfalls geschenkt, da der Einlauf nach Florenz zum Schluß nur auf Landstraße geht und die Vorstädte von Florenz nicht besonders reizvoll sind.

 

Als Etappenende bzw. Standort haben wir Fiesole gewählt. Ein äußerst angenehmer Ort, der selbstverständlich längst nicht so überlaufen ist wie Florenz. Hier wohnen und essen Sie auch weitaus billiger als in Florenz. Alle halbe Stunde fährt ein Bus von Fiesole in 20 Minuten nach Florenz. Wer Florenz besichtigen will, sollte ebenfalls auf jeden Fall in Fiesole bleiben. Man ist völlig erleichtert und befreit, wenn man mit dem Bus von Florenz wieder nach Fiesole heimfährt.

 

Zum Essen in Fiesole ein absolutes Muß: Die Trattoria „I polpa“ (Ecke Piazza Maggiore/Via Gramci, www.ipolpa.it). Vorbestellung unbedingt erforderlich, da wegen des ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnisses stets überlaufen.

 

Um die vorhandenen Tage noch auszufüllen, haben wir von Fiesole aus noch eine dreitägige Rundwanderung gemacht, die uns von Fiesole über Vaglia nach San Piero führte, von dort mit der Bahn zurück nach Vaglia und dann von Vaglia aus nach Florenz. Von dort mit dem Bus wieder nach Fiesole. Einzelheiten hierzu auf Anfrage. Auch diese Rundwanderung war ein Traum.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 12 - Dezember 2003

 

 

Giro del Benaco – Rundtour um den Gardasee

 

Von Günther Krämer

 

Nun ist er – bis auf kurze „Fehlstellen“ – ganz umwandert!

 

Eigentlich kann man den Gardasee als Urlaubsziel nicht mehr empfehlen: Myriaden von geisteskranken Motorradfahrern spielen an Schönwettertagen Russisch-Roulette und verlärmen dabei die Seeufer. Nicht viel weniger Wohnmobil- und Wohnwagenkutscher verstopfen die Straßen und Plätze und behindern die kümmerlichen Reste des lombardischen Busverkehrs, so dass Verspätungen normal sind. Durch die engsten Ortsdurchfahrten zwängen sich Protzkutschen der Edelmarken und schicke Cabrios – und alle diese Urlauber produzieren einen Abgasgestank, der jeder Großstadt Ehre macht. Dazu kommt noch die Zersiedelung und Verbauung des Seeufers – nicht zuletzt durch Zweitwohnungen - bis weit ins Hinterland hinein. Gehwege an den Straßen sind beinahe unbekannt, der Fußgänger ist auf seine Reaktionsfähigkeit angewiesen, wenn er überleben will.

 

Wieder mal ist ein Naturpark am Gardasee geplant, der Naturpark Moränenlandschaft zwischen Peschiera und Saló. Der Bürgermeister von Desenzano, wo die Landschaftszerstörung schon am weitesten fortgeschritten ist, baut vor: Naturpark ja, aber die Entwicklung seiner 25 000–Einwohner–Stadt darf dadurch nicht behindert werden.

 

Warum dann Wandern am Gardasee?

 

Mit der Bassa Via del Garda (BVG) gibt es einen meist ganz gut markierten Weitwanderweg von Saló nach Riva und dann wieder von Torbole bis Torri del Benaco. Mit etwas Mut und einer guten Karte lässt sich die BVG zur 17-tägigen Rundwanderung um den ganzen See vervollständigen, wobei das Südufer zwischen Peschiera und Saló keine einfache Wandergegend ist (siehe oben). Dieser Weg um den See ist nicht nur attraktiv wegen seiner wunderbaren Ausblicke auf den See, sondern er reiht auch botanische, historische und geologische Kostbarkeiten wie Perlen an einer Kette auf. Dazu gibt es sie immer noch, die kleinen, familiär geführten und erschwinglichen Hotels, die Restaurants mit guter lokaler Küche (es sind meist nicht die in den Reise- und Fressführern genannten Lokale!). Aber man sollte die Abgaswolken und den Lärm nicht auch noch durch die eigene Benzinkutsche vermehren und auch die Verbauung des Seeufers durch Nutzung von Ferienwohnungen nicht fördern!

 

Also: Anfahrt mit der Bahn bis Rovereto, Verona oder Desenzano, dann mit dem Bus an den See – und mit Bus oder Schiff am See entlang! Wer auf das Auto nicht verzichten will – wer will es einem verdenken bei der Geschäftspolitik der DB -, sollte das Auto nur zur Hin- und Rückfahrt benützen, es am See aber grundsätzlich stehen lassen.

 

Wanderkarten: ein leidiges Problem in Italien! Leider gibt es für den Gardasee noch keine neue amtliche Karte 1 : 25 000, und die amtliche Karte 1 : 50 000 ist veraltet. Die Kompasskarte mit ihrer ungenauen Geländedarstellung und die Freytag-Berndt-Karte (identisch mit der italienischen Wanderkarte von LagirAlpina – überall angeboten) haben äußerste Ungenauigkeiten in der Geländedarstellung und grobe Fehler bei der Wegbezeichnung und bei der Wegführung. Also wegwerfen, um Ärger vorzubeugen. Was dann?

 

Für das Ostufer von Torbole bis Garda gibt es die hervorragende Carta dei Sentieri Monte Baldo 1 : 25 000 (2 Blätter), herausgegeben auf der Grundlage der neuen amtlichen Karte vom Comitato Gruppi Alpinistici e Naturalistici Veronesi. Diese Karte kann man in guten Buchläden des Ostufers (Torbole, Malcesine) kaufen.

 

Ansonsten gibt es noch die Karte Alp cartoguide Nr 6 Lago di Garda 1 : 50 000, herausgegeben von Vivalda Editori-Ingenia in Turin, ISBN 88-7808-708-4. Sie ist eigentlich für Mountainbiker gemacht, enthält aber zuverlässig Wanderwege und Markierungen bzw. Wegnummern – und kostet nur 6 € (überall am Gardasee erhältlich).

 

Führer: Der beste Gardasee-Führer ist immer noch Höllhuber/Kaul: Wanderführer Gardasee, athesia-Verlag Bozen, ISBN 88-7014-635-9. Für den Weg von Salo nach Limone gibt es einen schönen Führer von Franco Ghitti: La bassa via del Garda, Azienda Regionale delle Foreste, ISBN 88-7385-427-3. Nur für kleinere Teilstrecken sind die Führer von Bruckmann, Kompass oder Dumont zu gebrauchen.

 

Die Etappen der Gardasee-Umrundung (die Etappen 1 – 9 wurden in den Jahren 1996 und 1998, die Etappen 10 - 15 in 2003 begangen):

1. Passo S. Giovanni – Nago – Torbole

Das Hotel auf der Passhöhe eignet sich gut als Ausgangspunkt, da hier der Bus von Rovereto her hält. Außerdem könnte hier auch das Auto stehen bleiben. Die Wanderung beginnt in Nago, wo ein asphaltierter Weg durch den alten Ortskern, an der Kirche vorbei nach Süden führt. Zwei Wege führen nach Torbole: Der erste, ein Fahrweg, führt parallel zur Fahrstraße direkt hinunter, der zweite ein Stockwerk höher, ist viel schöner, aber auch länger. Auf der Strada del Monte Baldo ca. 2 km nach Süden, rechts ab auf ein Schottersträßchen, zunächst durch Olivenhaine, später durch den Wald, bis man auf den Weg 601 trifft, dem man abwärts nach Torbole folgt. Übernachtungsempfehlung: Casa Romani, Casa Nataly. Essen im Surfer Grill (nicht abschrecken lassen, ist wirklich gut!).

 

     2. Torbole – Navene – Malcesine (sehr anstrengend, eventuell in Navene unterbrechen)

Neben der Casa Romani führt der Treppenweg hoch nach Marocche. In der 3. Kehre (Höhenzahl 156 m) verlassen wir den markierten Weg und gehen auf dem Sentiero dei Paloni, dem Mastenweg, unter oder in der Nähe der Überlandleitung, maximal 400 m über dem See mit prächtigen Ausblicken auf den See grob Richtung SSW. Achtung: Wer in Navene nicht unterbrechen will, sollte oberhalb der Galleria del Cantone in der Nähe von Casello nicht den Hauptweg rechts abwärts nehmen (Felsklettersteig zum See hinunter) sondern den linkesten Weg am Hang entlang, auch wenn dieser ziemlich zugewachsen erscheint. Oberhalb von Navene treffen wir auf den bez. Weg 4, der uns am Schluss durch Olivenhaine hinunter nach Malcesine bringt. Übernachten im Albergo Dolomiti, Essen im Ristorante La Cambusa.

3. Malcesine – Cassone – Sommavilla – Castelletto

Auf der Strada panoramica kurz nach der ersten Kehre rechts ab und auf den bez. Weg 659, einem alten Muli-Schlittenweg zunächst nach Süden in den Wald Pozzo Barche. Hier auf dem Weg 9 rechts durch das Bergsturzgelände der Granei hinunter nach Cassone, das eigentlich nur gestreift wird. Ein Traumpfad (Weg 31) durch Ölbaumhaine, Niederwälder, einsame Gehöfte und verlassene Dörfer – Sommavilla, Zignago, Perotti, Tormentaie, Campo, Gainet – führt zum Tagesziel Castelletto. Übernachten im Albergo Battistoni, direkt am Hafen, Essen im Ristorante Alla Fassa (Gardasee-Fisch!).

4. Castelletto – Pai – Crero – Torri del Benaco

Weg 655 bis zur Höhe 150 m, auf einem Gras- später Schlittenweg unterhalb Biazza zur Straße Biazza – Pasola (Wassersammelanlage auf großem Gletscherschliff nicht übersehen!), Via Casale zum Hofgut Casale, Wiesenpfade Richtung Casa Bosco, bis wir bei Salto auf den Weg 31 treffen, dem wir jetzt über Ca Tronconi nach Pai di Sopra folgen. Auf der Straße hinunter nach Piaghen, 200 m auf der Straße, dann links ab Weg 39 nach Crero, auf dem Weg 41 zu den bronzezeitlichen Felsgravuren, dann über Anze und Coi hinunter nach Torri del Benaco. Übernachten im Hotel Al Castello.

5. Torri del Benaco – Monte Bre – Monte Luppia – Garda – Rocca – Bardolino

Auf der Straße Richtung Albisano nicht in der ersten Kehre auf den Weg 41 abbiegen, sondern erst 2 Kehren höher (180 m hoch) auf den Schotterweg rechts abbiegen, der später zum Waldweg wird und bei Le Murette di Sopra in den Höhenweg zum Monte Bre mündet, dem wir jetzt bis zum Monte Bre folgen. Jetzt ist Pfadfinden angesagt: Links hoch auf einem aussichtsreichen Traumpfad teils durch Wald, teils durch blütenreiche Heide hinauf zum Gipfelplateau des Monte Luppia, dann auf einem fast völlig zugewachsenen Waldpfad hinunter nach Il Molino und auf der Straße nach Garda. Weiter auf die Rocca di Garda und etwas kompliziert hinunter zur Gardasee-Straße, die wir zwischen den Campingplätzen Serenella und Continental erreichen. Auf einem Zickzackweg zwischen diesen beiden Campingplätzen kommen wir zur Uferpromenade, die uns nach Bardolino führt. Übernachten im Albergo Orchidea, Essen im Ristorante Biri.

6. Bardolino – S. Maria – Cola – Peschiera

Kompliziert: Borgo Cavour – Piazzale Aldo Moro – unter der Hauptstraße durch in die Via della Croce – Via Molini – am Kreisverkehr rechts – Via Europa – zweite rechts die Strada Campazzi – am Recyclinghof vorbei – Strada di Creole – Strada Pontamare – Strada La Ca – rechts in die Via Pragrande – am Bildstock rechts in die Strada Pozza Amara – vorbei am Restaurant Prada – Strada Monte Noal e Pigna – hinunter an den See nach Tauli – auf der Strandpromenade nach Lazise – vor dem Campingplatz Spiagga d’Oro zur Hauptstraße, dann auf der Straße nach Colá – rechts in die Strada Greghe – nach Betlemme – immer weiter auf dem Hauptweg – durch den Ortsrand von Pacengo – Strada Robin – dann vorbei am Gardaland-Horror – über die Hauptstraße – Siedlung Ronchi – links ab auf Feldwegen hinein nach Peschiera. Übernachten im Hotel Bell’Arrivo, Super-Essen im Il Gabbiano.

7. Peschiera – durch die Lugana-Weingüter – Palazzo – Colombare – Sirmione

Wieder kein einfacher Weg: Auf der alten Hauptstraße quer durch die Altstadt – durch das Stadttor – über die Brücke – rechts hoch – kurz bevor die Straße in die SS 11 mündet links ab in die Straße zum Santuario Madonna de Frassini – über die Eisenbahn – am Nordrand von Forte Laghetto entlang – auf Feldwegen zum Bahndamm – Unterführung ... ab jetzt ist wieder Pfadfinden angesagt durch die riesigen Weinfelder des Lugana-Gebiets, weglos, auf Feldwegen, auf Straßen, Schnellstraßenbaustellen ... zum Weingut Bragagna – Palazzo – Garbella – Todeschino – Colombare – Sirmione. Übernachten in Sirmione? Man deckt darüber am besten den Mantel des Schweigens. Nepp! Essen in der Trattoria al Porticciolo.

8. Sirmione – Rivoltella – Desenzano – Lonato

Desenzano ist mit über 25 000 Einwohnern die größte Stadt am Gardasee. Der Weg von Sirmione über Desenzano nach Lonato führt meistens entlang von vielbefahrenen Straßen oder er ist äußerst schwierig zu finden (Desenzano – Lonato). Als Alternative bietet sich der Bus an. Übernachten in Desenzano: Hotel Alessi, Essen im Ristorante La Contrade.

9. Lonato – Moränenweg – Padenghe – Moniga

Besichtigung des Visconti-Castello – aus der Stadt hinaus auf der Via Venezia e Trieste – rechts ab Via Bassarelle – Via del Paradiso – aussichtsreich auf der Moränenhöhe nach Norden – Via Sant’Anna – Via Ronchi – hinüber zum bewohnten Castello von Padhenge – hinunter in den Ort – auf Nebensträßchen nach Moniga

10. Moniga – Porto – Gardoncino – S. Giorgio – Sasso – Rocca di Manerba – Manerba – Raffa

Antitipps: Wanderer werden im Restaurant Il Porto in Moniga freundlich aber bestimmt hinauskomplimentiert. Essen in der Pizzeria daneben ist nicht berühmt, aber man wird wenigstens freundlich bedient.

Weg: Vom Hafen aus zunächst auf der Promenade, dann am Strand entlang bis zu einer Treppe, die einen Campingplatz in zwei Teile teilt. Hier hoch, bei der ersten möglichen Wegabzweigung rechts auf dem Feldweg bis zur nächsten Straße, hier wieder rechts bis zu einer festungsartig gesicherten Segler-Wohnanlage. Das Tor zum Gartengrundstück rechts daneben ist offen, ein Durchgang zum Kinderspielplatz ebenfalls. Durch eine kleine Tür gelangt man auf das Segleranlagengrundstück. Unauffällig um die Häuser herumgehen, auf Treppen abwärts zum Ufer, hier wieder am Strand nach Norden bis zum Villagio San Sivino, wo eine Straße am Seeufer beginnt, die uns hinauf zur Provinzstraße 39 führt. Hier rechts, immer auf dem mit großen Schildern bezeichneten Itinerario Turistico, ein geteerter Fußweg entlang oder auf der Straße, rechts hinein nach Gardoncino, wieder zurück zur Hauptstraße, auf ihr bis an den Ortsrand von Montinelle, hier rechts Richtung Dusano, aber nicht hinab zum Hafen sondern oben auf dem Weg zum Kirchlein S. Giorgio. Hier beginnt nun endlich ein richtiger, exklusiv schöner Wanderweg, zunächst durch blütenreiche (Iris!) Ölbaumhaine, immer an der Felskante entlang über den Sasso, später über orchideenreiche (April) Magerrasen, dann steil auf einem Felsenweg hinauf zur Rocca di Manerba. Von der Rocca hinunter auf dem Weg zum Parkplatz (Via Rocca). Den ersten Weg nach rechts, der hinunter führt zum Campingplatz Rocca, den man ganz unauffällig durchquert hinunter bis zum Strand. Hier kann man endlich hindernisfrei entlang bummeln bis zum Campingplatz Europa-Silvella (anständige Einkehrmöglichkeit). Auf der Straße gelangt man zu den verschiedenen Übernachtungsmöglichkeiten in Manerba, Raffa oder San Felice del Benaco.

 

Tipps: Stilvollste Übernachtung, leider ohne Restaurant: www.villaschindler.it . Übernachtung und sehr gutes Essen im Il Nido, Raffa di Puegnago, direkt neben der Kirche, nidoraffa@libero.it ,Tel. 0039-0365-651752 oder 651864. Ähnlich gut www.sanfilis.it .

 

Diese genaue Wegbeschreibung soll die Schwierigkeiten einer Wanderung zwischen Bardolino und Salo verdeutlichen. Man kann sagen: Nur Mut! Und bitte nicht irgendwelchen Wegbeschreibungen versuchen nachzugehen. Entdeckergeist, Abenteuerlust und Unverfrorenheit ist gefragt.

11. Raffa – S. Felice del Benaco – Portese – Porto – Salo

Leider nur auf oder entlang von befahrenen Straßen! Tipp: Sehr gut und günstig mit freundlichster Bedienung unter lauter Einheimischen essen in der Antica Trattoria Sirena in Salo, Via Pietro da Salo (Localita Rive), Tel. 0039-0365-43400

12. Salo – S. Bartolomeo – Serniga – Nizzola – Ponte Ferdinando – S. Michele – Bezzuglio – Vigole – Stina – Maderno

Der Weganfang in Salo ist etwas schwierig zu finden: Vom Hafen über die Piazza, rechts in die Hauptstraße, durchs Tor bis zur Einmündung in den Altstadtring. Queren, dann rechts um das Rot-Kreuz-Gebäude herum, nächste Straße 

 

links, den Berg hoch, vorsichtig die verkehrsreiche Umgehungsstraße queren, auf ihr wenige Meter links weiter bis die rot-weiße Markierung 17 durch ein Villenviertel, später durch Wald (Aussichtspunkte) nach S. Bartolomeo führt. Am Passo di Stacca auf dem Weg 17a rechts hinunter nach Serniga. Wir bleiben danach immer auf dem Weg 17. Achtung: An der Bauernhof-Ruine vor der Kapelle Nizzola rechts abbiegen (geradeaus führt der Weg 14 auf einem kleinen Umweg zum selben Ziel). Nach der Einmündung des Weges 13 ändert unser Weg vor Suplone seine Nummer, ab jetzt heißt er 18 und führt in einer großen Schleife ins Vallevesegno hinein, damit keine Höhe verloren geht, dann hinauf in die hochgelegenen Teilorte von Maderno unterhalb von Sanico. Wir gehen den alten Schlittenweg Nr. 26 gerdlinig hinunter, verlassen in Stina die Markierung, gehen in den Ort hinein und immer abwärts, zunächst gerade, später zickzack durch Ölbaumhaine hinunter nach Maderno. Alternative: Auf dem Weg 18 bis Toscolano bleiben.

 

              13. Toscolano – Valle delle cartiere – Gaino – Folino – Cabiana – Gavazzo

                    – Liano – Sasso – Musaga – Gargnano

 

Weg 19 ins Valle delle Cartiere, den alten Mulattiere hinauf nach Gaino. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, aber beide Wege haben die Nr. 20 (am Ortseingang links Richtung Camerate oder rechts in den Ort und dann links die Via Folino - Cabiana) führen nach Navazzo. Wir haben den rechten genommen, da er die bessere Aussicht auf den See und den Monte Baldo bot. Vor Navazzo zweigt der Weg 21 rechts ab zur Kirche S. Maria. Runter zur Straße und auf ihr bis Sasso. Hier rechts zur Kirche S. Antonio, den steilen Kirchenweg hinunter nach Musaga, von wo der alte Mulattiere Nr. 37 hinunter nach Garganano führt.

 

Tipps: Übernachtung in Gargnano im www.hotel-gardenia.it oder im www.hotel-dulac.it oder im www.hotelbogliaco.it . Übernachten und Essen im Hotel-Ristorante Bartabel, Via Roma 39, Tel. 0039-0365-71330, Fax 790009. Essen in Villa in der Osteria del Restauro, direkt am Hafen.

14. Gargnano – Muslone – Piovere – Aer – Gardola – Prabione – Campione del Garda

Am Dom von Gargnano vorbei, wenige Meter auf der Hauptstraße ortauswärts, dann links hoch auf dem Weg Nr. 265, der uns teils auf der wenig befahrenen Straße, teils auf Mulattiere, teils auf traumhaften Wanderwegen mit schönster Aussicht und vielen zoologischen und botanischen Kostbarkeiten über Muslone nach Piovere führt. In Aer kann man der Bezeichnung folgen oder aber wie wir ohne Höhenverlust nach Gardola kommen. Hier heißt es: Aufpassen. Der Weg hat jetzt die Nr. 266 und führt über den Monte Castello hinüber an den Ortsrand von Prabione und von hier grandios durch die Schlucht S. Michele hinunter nach Campione.

15. Campione – Pregasio – Arias – Pieve – Ponte – Voltino – Ustecchio – Limone

In die San Michele-Schlucht hinein, unterhalb der kleinen Staumauer über die Brücke (Richtung Tremosine), auf dem steilen Felsenweg Nr. 267 die Felswand hoch zur Abzweigung auf dem Weg 202 nach Pieve, dem Hauptort von Tremosine, der spektakulär über dem Gardasee hängt. Von hier führt der Weg 209 in das Valle Brasa hinein, wo in Ponti der Weg 268 nach rechts abzweigt, hinauf zum kleinen Speicherstausee von Voltino und weiter nach Usteccchio, von wo wir auf der Straße bis Limone gehen können oder schöner und ruhiger auf dem Panorama-Spazierweg über Campaldo und S. Pietro. In Limone erschlägt uns dann der Horror des Massentourismus.

16. Limone – Passo Guil – Leano – Biacesa di Ledro

             17. Biacesa – Riva - Torbole

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 11 - August 2003

 

 

Weitwandern im Aostatal - 

Bericht von einer Sommerwandertour im Jahr 2005

 

Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

 

Kaum sind die Ereignisse, Begegnungen und Eindrücke einer durchgeführten Weitwandertour verarbeitet, beginnt die Planung der nächsten Tour. Fast schon traditionell verbringen wir einen Teil unseres Sommerurlaubes auf Weitwanderwegen im Alpinbereich. Nach 2004, wo wir auf dem südlichem GTA-Abschnitt 14 Etappen wanderten, stand diesmal der äußerste nordwestliche Teil von Italien, die Provinz Aosta, als Wanderregion an.

 

Die Wanderregion Aosta, umgeben von bekannten Viertausendern, bietet dem Weitwanderer ausgezeichnete und unbegrenzte Tourenmöglichkeiten unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade und Anforderungen. Demnach stand unseren Tourenzielen, die Region auf Höhenwege in ca. 2 Wochen zu durchwandern, nichts im Wege. Nun ging es an die Planung und Organisation. Mit der Beschaffung von Büchern, Wanderkarten und Informationen aus dem Internet begann unsere Planung. Vor allem aus dem Buch „ Die Höhenwege des Aostatales“ von Frank Rainer Scheck aus dem Verlag der Weitwanderer haben wir unser Wissen und unseren Informationsbedarf gedeckt, das Buch wurde somit zur Basis unserer Tourenplanung.

 

Nach ausgiebigem Studium der beschriebenen Höhenwege stand dann bald unsere Tour mit den Etappenorten fest. Etappen von den Höhenwegen „Alta Via “ Nummer 1, 2 und hauptsächlich Nummer 4 wurden in unsere Rundtour übernommen. Nur auf einigen Abschnitten wurde nach Variationen gesucht und diese in die Wegeplanung integriert.

 

Am 06. August 2005 war es dann soweit. Angereist mit dem PKW durch die Schweiz über die Tunnelstrecke Großer St. Bernhard wurde unser Startpunkt gegen 10:00 Uhr in St. Leonarde in Italien erreicht. Ab hier beginnend in westlicher Richtung haben wir dann folgende Rundtour zurückgelegt, die sich unwesentlich gegenüber unserer Vorplanung geändert hat. Die Gründe hierfür waren ausschließlich überfüllte Berghütten.

 

 

 

 

 

  1.Tag: 06.08.05: Anreise nach St. Leonardo 1519 m und Aufstieg

                            zur Passhöhe Großen St. Bernhard 2473 m

  2.Tag: 07.08.05: Passhöhe Großen St. Bernhard 2473 m – Rif. Elena 2062 m

  3.Tag: 08.08.05: Rif. Elena 2026 m – Rif.Maison Vieille 1956 m

  4.Tag: 09.08.05: Rif. Maison Vieille 1956 m – La Thuile 1487m

  5.Tag: 10.08.05: La Thuile 1487 m – Rif. Ruitor 2022 m (Frankreich)

  6.Tag: 11.08.05: Rif. Ruitor 2022 m Rif. Bezzi 2284 m

  7.Tag: 12.08.05: Rif. Bezzi 2284 m – Rif. Benevolo 2285 m

  8.Tag: 13.08.05: Rif. Benevolo 2285m – Rif. Citta di Chivasso 2604 m

  9.Tag: 14.08.05: Rif. Citta di Chivasso 2604 m – Rif. Chabod 2750 m

10.Tag: 15.08.05: Rif. Chabod 2750 m – Rif. Vittorio Sella 2585 m

11.Tag: 16.08.05: Rif. Vittorio Sella 2585 m – Cogne 1534 m

12.Tag: 17.08.05: Cogne 1534 m – Rif. Dondena 2200 m

13.Tag: 18.08.05: Rif. Dondena 2200 m – Chardoney und mit Bus nach Aosta

                           und anschließend nach St. Leonardo zum Auto.

14.Tag: 19.08.05: Aosta / Pila 1814 m – Rif. Alpe Arobole 2507 m

15.Tag: 20.08.05: Abstieg nach Aosta / Pila zum Auto – Abreise zum Gardasee

 

Wie bereits erwähnt, wurden die meisten Etappen aus dem Wanderführer von Frank Rainer Scheck „ Die Höhenwege des Aostatales“ entnommen. Dies betrifft die Etappentage 3, 4, 7, 8, 9, 10, 11 und 12. Die Etappenverläufe und deren Höhepunkte, Entfernungen, Höhenmeter, Wanderzeiten etc. sind ausgiebig und exakt in diesem Wanderführer beschrieben. Deshalb möchten wir auf diese Etappen nicht weiter eingehen. Nur ein Hinweis zur Etappe 10 vom Rif. Chabod zum Rif. Vittorio Sella ist noch anzubringen: beim Abstieg von der Money-Scharte 3190 m befindet sich ein Klettersteig der aus der Wanderkarte nicht ersichtlich und bei Schlechtwetter (wir erlebten ihn verschneit-vereist nach nächtlichem Schneefall) nicht zu unterschätzen ist. Ca. 150 Höhenmeter sind zu überwinden, er ist sehr gut mit Ketten gesichert.

 

Zu den Etappen 1, 2, 5, 6, 13 und 14 hier ergänzende Informationen:

 

Vorab noch ein wichtiger Hinweis:

 

Die folgenden Ausführungen und Kurzinfos sind nicht ausreichend um die Abschnitte nachzuwandern. Nur mit guten Wanderkarten und Erfahrung im Umgang und Umsetzung dieser Informationsquellen sollte man diese Varianten angehen. Ausreichende Bergerfahrung, wie in dem Buch der Höhenwegebeschreibung angegeben, wird als selbstverständlich voraus gesetzt.

 

zu Etappe 1: Höhenmeter: Aufstieg: 900 m, Abstieg: 0 m, Wanderzeit: ca. 3 Std.

Einkehrmöglichkeit: An der Paßstraße

 

Eine kurze Etappe. Zum “Eingewöhnen“ genau passend. Auf gut markierten und sichtbarem Pfad steigend, die Passstrasse mehrmals kreuzend zum ersten Etappenziel. Übernachtung im 3 Sterne Albergo Italia auf italienischer Seite.Tel.: 0165 78 09 08

 

zu Etappe 2: Höhenmeter: Aufstieg ca. 1000 m, Abstieg ca.1 200 m

Wanderzeit: 7 Std.

Einkehrmöglichkeiten: La Peule

 

Von der Passhöhe ca. 1 km wieder zurück bis zu einer Almsiedlung 2373 m, dann rechts aufsteigen zum Fenetre de Ferret 2698 m zum Übergang in die Schweiz. Abstieg ins Val Ferret, vorbei an den Lacs de Fenetre 2469 m bis Alpsiedlung Plan de la Chaux. Hier links Wegweiser La Peule 2071 m gehen, etwas absteigen bis zu einem Bergbach, diesen überqueren und wieder aufsteigen bis La Peule. Ab hier auf TMB ( Tour Mont Blanc ) weiter aufsteigen zum Grand col Ferret 2537 m. Übergang wieder nach Italien. Abstieg zum Rif. Elena 2062 m.

 

zu Etappe 5: Höhenmeter: Aufstieg ca.1200 m, Abstieg

Wanderzeit: 7 Std.

Einkehrmöglichkeiten: keine

 

Von la Thuile den Alta Via 2 folgen über la Joux und den Rutor Wasserfällen aufsteigen bis auf ca. 2375 m. Ab hier Wegweiser zum Col de Tachuy 2673 m aufsteigen. Übergang nach Frankreich. Absteigen, vorbei an Lac du Petit zur Selbstversorgerhütte Rif. Du Ruitor mit 40 Schlafplätzen. Tel.:33 047906 9212. Telefonische Voranmeldung am besten vom Rif. Maison aus. Die Besitzerin kommt am Abend mit Jeep und kassiert die Übernachtung; nur Getränkekauf ist möglich.

 

zu Etappe 6: Höhenmeter: Aufstieg: ca. 1600 m, Abstieg: ca.1400 m

Wanderzeit: 8 ½ Std.

                                                                        Einkehrmöglichkeiten: Rif. Archeboc, Uselliers

 

Auf sichtbarem Pfad Aufstieg Arete de Montseti 2500m. Abstieg zum Lac Noir und weiter zum Rif de Archeboc. 2029 m. Aufstieg zum Coll du Mont 2639 m. Übergang nach Italien. Abstieg nach Usellieres 1758 m ins Val Grisenche. Ab hier geht’s dann auf der Alta Via 4 weiter, aufsteigend zum Rif. Bezzi.

 

zu Etappe 13: Höhenmeter:

0 m, Abstieg ca. 750 m,

Wanderzeit: 2 ½ Std.

 

Vom Rif Dondena einen Naturfahrweg absteigend bis Chardo nay.

Busfahrtzeit nach Hone ca. ½ Std. Ab hier Bus- oder Bahnverbindung nach Aosta.

 

zu Etappe 14: Höhenmeter: Aufstieg: 850 m, Abstieg: 150 m

Wanderzeit: 4 Std.

Neu erbaute Hütte seit 1998, Tel.: Nr. 0165 32940

 

Von Pila ( Skizentrum Aosta auf ca. 1800 m ) aufsteigend zum Lago di Chamole 2311 m dann weiter zum Col die Chamole 2641 m, kurzer Abstieg zum Rif Arbole.

 

Während der 14 Tage hatten wir zwei leichte Regentage. Wir konnten jedoch unsere Etappen ohne große Probleme angehen. Die Sicht an diesen Tagen war natürlich schlecht, da Wolken und Nebelfelder im Gelände aufkamen, die Pfade waren aber zu erkennen, auch die Markierungen im felsigem Gelände noch sichtbar und deshalb ohne Risiko begehbar. Auch diese Tour war für uns wieder einmal ein tolles Erlebnis. Jeder Tag mit neuen Eindrücken, Aussichten, Bekanntschaften, Einsamkeiten und auch Müdigkeiten.

 

Spätestens nach dem dritten Tag, wenn der Rhythmus gefunden und das Tragen des Rucksacks (ca. 15 kg) als selbstverständliches Wanderrequisit und nicht als Ballast empfunden wird, stellt sich ein körperliches Wohlbefinden und mentales Glücksgefühl ein, das uns im Alltag zu Gute kommt. Eine Herausforderung für weitere Tourenplanungen! 2006 lässt grüßen!

 

Hinweise zur Literatur und sonstigen Informationsquellen.

 

Bücher: 

· „Die Höhenwege des Aostatales“ von Frank Rainer Scheck

(ISBN 3-930187-10-8, Verlag der Weitwanderer)

 

· „Wandern im Aostatal“ von Frank Rainer Scheck in der Reihe DuMont aktiv (ISBN 3-7701-5522-X)

 

· Montblanc- Rundweg TMB Outdoor Handbuch Band 87 Conrad Stein Verlag (ISBN 3-89392-387-X)

Wanderkarten: 

· Monte Bianco IGC Nr. 4 Maßstab 1:50.000

· Gran Paradiso IGC Nr. 3 Maßstab 1:50.000

· Val Grisenche IGC Nr. 102 Maßstab 1:25.000

· Cogne IGC Nr. 101 Maßstab 1:25.000

· Valle d´ Aosta Kompass Nr. 86, Maßstab 1:50.000

Internet: 

· www.regione.vda.it/turismo Valdostanisches Verkehrsamt. Hier kann das aktuelle Hotel- und Berghüttenverzeichnis angefordert werden. Auch Fahrpläne der Busse zu den Talorten. Online Auskunft.

 

· www.mountain-bookshop.de Spezial Buchversand. Internationale Führer und Karten für Wandern / Trekkingtouren. Aree Greul 60529 Frankfurt a/M email: greulalpin@t-online.de

 

· www.wanderweb.ch Wanderportal aus der Schweiz. Gute Infos für die schweizerische Alpensüdseite und das angrenzende Italien.

Fotos: Karl Stubenrauch

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 18 - Dezember 2005

 

 

Wanderung auf dem „Alte Via 1“ im Aostatal   6.7. – 12.7.2002

 

Von Gerhard Wandel

 

 

Benützter Führer:

 

Hervorragender Wanderführer „Die Höhenwege des Aostatals“ von Frank Rainer Scheck, Verlag „Der Weitwanderer“, m.W. nur noch erhältlich bei ALPINA, Johann Neumann, Aschheim

 

Karten:

 

Istituto Geografico Centrale, Turin (IGC):

     1:25.000 Monte Rosa, Alagna, Macugnaga, Gressoney, Nr. 109 

     1:25.000 Cervino (Matterhorn) Champoluc, Nr. 108

     1:30.000 La Valpelline, Nr. 115, IGC

 

darüber hinaus: Hotelverzeichnis des Valle D`Aosta und „Berghütten und Biwaks in Aostatal“, beim Touristenbüro in Aosta kostenlos erhältlich.

 

 

Die ersten Etappen sind bewußt kurz gehalten, da ich nicht ausreichend Training hatte. Dadurch lassen sich auch die teilweise beachtlichen Höhenmeter reduzieren; der Weg ist damit nicht nur etwas für Alpinisten.

 

1. Tag: Gressoney S. Jean – Rif. Alpenzu

 

Heute steht nur eine ganz kleine Eingehtour auf dem Programm. Ich nehme den Bus von Aosta nach Pont St. Martin, schaue mir die Kleinstadt an mit sehr gut erhaltener römischer Brücke, Wochenmarkt, Essen, Expresso..., richtig schöner italienischer Urlaub, wenn da nicht diese Wolkenberge wären, die sich aus der Poebene in Richtung Berge schieben. Die Bushaltestelle ist derzeit vom Piazza IV Novembre wegen Bauarbeiten an die Straße vom Bahnhof zum Ortszentrum (beim Postamt) verlegt. Die Fahrkarten für den Bus nach Gressoney gibt’s im Bus. Kaum im Bus beginnt es zu regnen, zunehmend heftiger. In Gressoney S. Jean ist alles grau in grau. Ich ziehe Regenbekleidung über und los geht’s über die lokale Markierung 14 nach Chemonal (nach E-Werk links abbiegen). Vorsicht, nicht von den Markierungen durch die schöne Walserortschaft durchziehen lassen. Man landet ansonsten auf dem lokalen Weg 15, der einem auf Halbhöhenlage auf der anderen Talseite zurückbringt nach Gressoney. Diesen Weg möchte ich jedoch jedem als Alternative empfehlen, der von Gressoney nur bis zur Rif. Alpenzu gehen möchte. Also von Chemonal der Straße aufwärts bis zur Markierung gelbes Dreieck mit 1 bzw. Nr. 6 als lokale Markierung. Unterwegs nach einem Bildstock eine Umleitung. Nach 1 ½ Stunden Dauerduschen erreiche ich das wunderschöne Rif. Alpenzu (24 Betten in Mehrbettzimmern mit Duschen, geöffnet von 20 Juni bis Mitte Sept.).

 

2. Tag: Rif. Alpenzu – Col di Pinter – Crest

 

Bei strahlend blauem Himmel geht’s flott bergauf über gut markiertem Weg (1 in gelbem Dreieck) bzw. 6 auf gelbem Grund zum Col di Pinter, 2777m (2 ½ Std.), absolut schneefrei! Oben am Pass ist dichtes Gedränge. Es ist Wochenende und die Bergwanderer kommen mit der Kabinenbahn aus dem Valle d´Ayas nach Crest zu einem Aufstieg auf den Monte Pinter und Testa Grigia. Ich steige hinab zu den Walserdörfern Cuneaz und Crest. Ich habe mich im Albergo Cré Forné angemeldet. Das einfache Hotel mit schöner Sonnenterrasse bietet sogar Frühstücksbüffet. Zwei ständig laufende Fernsehgeräte sind jedoch nicht jedermanns Sache. Das nächste Mal würde ich das stilvolle „Refuge Vieux Crest“, Tel.: 0125-307.983, im alten Ortskern von Crest empfehlen. Gehzeit insgesamt ca. 4 ½ Std.

 

3. Tag: Crest – Saint Jacques – Rifugio Gran Tournalin

 

Der Start ist heute morgen gewaltig mißglückt. Vor 8 Uhr gibt es kein Frühstück, da das Brot vom Tal am Montagmorgen nicht früher eintrifft. Nach dem Frühstück möchte ich bezahlen, aber mir wird erklärt, daß ich dies erst gegen 10 Uhr könnte, weil der Chef nicht früher kommt. Um 9.30 Uhr kann ich endlich starten. Es geht über die Fahrstraße, Markierung 1 in gelbem Dreieck bzw. 13 b nach Souzun, durch den Ort aufsteigen über lokale Markierung 10 auf Fahrstraße, dann erneut AV 1 Markierung auf Fahrstraße nach St. Jacques (1 ¾ Std.). Dort nach Kirche über Brücke links auf lok. Markierung 4 a bzw. AV 1 zur Alpe Nana inf., Rif. Gran Tournalin nur ca. 200 m unterhalb vom Col de Nana, sehr schöne neue Hütte (37 Betten, Duschen), schlecht funktionierendes Notstromaggregat, freundliches Personal. Gehzeit insges. ca. 4 Std.

 

4. Tag: Rif. Gran Tournalin – Col de Nana, Colle di Croux – Cheneil – Cretaz, Rif. Barmasse

 

Heute geglückter Start und binnen ¾ Std. den Col di Nana (2775m) erreicht, weiter zum Colle di Croux, hinunter nach Cheneil, Paquier-Cretaz, Touristenzentrum im Valtournenche, ca. 3 ¼ Std. mit Gelegenheit zum Postkarten- und Briefmarkeneinkauf und um die Beine für den nächsten Aufstieg etwas auszuruhen. In der Pause von einem Gewitter überrascht, deshalb Anstieg mit Regenbekleidung zum Lago di Cignana, Weg teilweise etwas zugewachsen. Eine Umleitung um Materialseilbahn teilweise unklar; die Kraftwerksbetreiber haben Vorrang vor den Wanderern! Endlich an der Begrenzungsmauer des Stausees angekommen, diese gequert und nach ein paar Meter das Rif. erreicht. Restliche Gehzeit ab Cretaz ca. 2 ½ Std. Hier oben treffe ich auf eine holländische Wandergruppe, die mir noch die gesamten Tage auf dem Alta Via erhalten bleiben sollte; Wandergruppen müßten es doch wirklich nicht unbedingt sein. Es handelt sich um eine kommerzielle Veranstaltung, mit teilweise Gepäcktransport. Der Wanderführer ist Mitglied im Alpenverein. Als Wanderführer benützen die Holländer: Die Höhenwege des Aostatals von Frank Rainer Scheck! Außerdem sind anwesend: 2 Französinnen und ein Italiener. Beim Quartier handelt es sich um ein privat geführtes Rifugio mit mehreren Zimmer (Stockwerksbetten) ohne Duschen und nur 1 öffentlichen Toilette. Die alten Damen behandeln einen sehr freundlich; es wird mit viel Liebe gekocht. Doch die Preise sind überhöht.

 

5. Tag: Rif. Barmasse – Rif. Cuney

 

Heute haben wir eine lange, anstrengende Etappe vor uns. Das Wetter sieht nicht einladend aus. Zunächst geht’s problemlos zum Alpweiler Cortina und weiter zur Alpe Fornace. Achtung: Bei einem Holzkreuz zweigt der Weg, hier nicht markiert nach links ab! Zwischenzeitlich regnet es. Das Finestra d‘ Ersa (1.45 Std.) wird problemlos überschritten, weiter geht’s zu den Stallungen der Alpe „Grand Drayere“, die ich kurze Zeit als Unterstand nutze (2.30 Std.). Die Holländer beschließen das Biv. Tzan als Mittagsrast anzusteuern. Der Weg zum „Fenetre de Tzan (2734m)“ zieht sich, von oben beständiger Regen, um mich Nebel, die Füße und eigentlich alles zwischenzeitlich naß, nur gelegentlich sind Sylvie und Odile, die beiden Französinnen, im Nebel zu erkennen, so richtiges Wetter zum davonlaufen! Gehzeit zum Paß insgesamt ca. 4.15 Std. Dann ein fast nicht endender Abstieg ins Tal des St. Barthelémy. Bei der 1. Alpe mache ich unter dem Vordach Rast. Ausgebellt von den Hofhunden und vom Knecht mißtrauisch beäugt, genieße ich es, daß es zumindest von oben her trocken ist. Der Regen hat aufgehört und es geht weiter zur Alpe „Crottes la Serva“, dann erneuter Wiederanstieg zunächst durch einen Wald voller verflixter Moskitos, dann im Rasenbereich danach etwas schwierige Orientierung. Ein paar Alpen werden passiert und nach 7 ½ Std. stehe ich vor dem herrlich gelegenen Rif. di Cuney (2656m). Ich trenne mich von meinen nassen Klamotten und Schuhen (meine Wäscheleine leistet hervorragende Dienste), stärke mich mit einem Cappucino und besichtige das Oratorio di Cuney, einer Wallfahrtskirche hier oben in den Bergen. Gemütliches Zusammensitzen beim hervorragenden Abendmahl beschließt den Tag.

 

6. Tag: Rif. Cuney – Colle di Chaleby – Cole die Vessona –Dzovenno

 

Zunächst problemloser Abstieg und Wiederaufstieg zum Colle di Chaleby (2683m), dann Wiederabstieg (über Wiesen teilweise unklare Wegführung) und erneuter Aufstieg zum Colle di Vossona (2783m), an wenigen Schneeresten vorbei. Nach 2 Std. darf ich den herrlichen Blick vom Paß genießen und mein Studentenfutter mit Sylvie und Odile teilen. Dann unendlich langer Abstieg (1400 Höhenmeter) ins Tal des Torrente Buthier kurzem Wiederanstieg nach Closé. Es war ein Fehler, sich nicht vorher im Hotel Valentino in Dzovennoz telefonisch anzumelden. Hier finde ich natürlich keine Telefonzelle und steige hinunter nach Oyace. Ich finde zwar hier ein neues Bar/Restaurant, aber kein Hotel. Ich rufe im Hotel Valentino an und ich muß meinen ganzen Charme spielen lassen, um noch ein Doppelzimmer für eine Einzelperson zu bekommen (verflixte Wandergruppen!!). Ich laufe wieder hinauf an Closé vorbei nach Dzovenno. Wanderzeit bis Closé ca. 6 Std., zusätzlich ½ Std. bis Dzovenno. Ein nettes Hotel und eine noch nettere Chefin empfangen mich. Es gibt genügend zu trinken und eine schöne warme Dusche. Nach und nach trudeln auch die anderen Wanderer ein, Sylvie und Odile und die Holländer. Der Abend wird recht nett, nur mit 3 Fremdsprachen nebeneinander: Italienisch, Hochdeutsch und Französisch bringe ich einiges durcheinander.

 

7. Tag: Dzovenno – Ollomont

 

Schade, daß es ein Tag des Abschiedsnehmen ist. Zunächst geht es wider hinunter nach Closé, dann Aufstieg zu den Alpen Sucheaz, l’Arpe zum Colle de Breuson. Unterwegs sieht man noch genügend Schäden durch frühere Murenabgänge. Bei der Alpe Sucheaz hat der Wald die Weiden verdrängt. Oben vom Paß aus sieht man noch recht gut die früher angelegten Hangterrassen. Beim Abstieg muß man bei der Alpe del Berio aufpassen. Auch ich lande unvermittelt auf dem AV 3 und lasse mich das Tal hochziehen. Ansonsten erreiche ich ohne Probleme nach 6 Std. Ollomont, das Ende meiner Wanderung, wo mich der Bus wieder sicher nach Aosta bringt.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt"

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 10 - April 2003

 

 

Wanderung vom 14. - 21. Juni 2000 auf dem Percorsi Occitani

 

Von Gerhard Wandel

 

Benutzte Führer:

 

„Der Mairatal-Weitwanderweg“ und „Antipasti und alte Wege“

 

Benutzte Karten:

 

Karten hatte ich die IGC-Karten „Valle Maira“ und „Monviso“

 

 Wegen der schweren Unwetter hatte ich zunächst noch einen Ruhetag in Cuneo eingelegt. Dies erwies sich als richtig und bescherte mir anschließend traumhaft schönes Wetter.

1. Tag:

Zunächst mit dem Bus von Cuneo nach Dronero. Hier mache ich mich auf den Weg -zunächst nicht auf dem offiziellen P.O.- sondern entsprechend dem Führer „Antipasti und alte Wege“ über St. Maria Delibera, S. Costanzo al Monte zum Croce Pian Alba. Dort ist die Karte ungenau. Das Hinweisschild weist rechts abbiegend den Berg hinauf aus: Font. dell’ Asino, M.S.Bernardo, aber auch P.O. Nach der Karte müßte man geradeaus weiterlaufen. Richtig ist jedoch rechts abbiegen. Bei St. Giovanni heißt es aufpassen. Ein Weg führt zwischen verfallenen Häusern halbrechts den Berg hinauf, weiter oben erscheinen Markierungen gelb-rot und auch gelb. Dies ist jedoch nicht der richtige Weg. Bei den letzten Häusern halblinks auf gleicher Ebene halten! Im Albergo Rocceré finde ich eine angenehme Unterkunft, um den 1. Tag zu beenden. Im Führer „Der Mairatal Weitwanderweg“ ist die Telefonnummer falsch angegeben (richtig: 0171/918962).

2. Tag:

Fast ein Ruhetag, also genügend Zeit zum Wäsche waschen, Schreiben, Lesen, Fotografieren. Problemloser Weg über Kapelle S. Chiaffredo, Roi, Mostoila, Molineri di Pagliero. Hier stimmt die Karte nicht. Der Weg führt nicht geradeaus weiter, sondern über die Fahrstraße Richtung Pagliero. Die Wanderzeit mit 3,30 Std. ist sehr großzügig angenommen, 3 Std. sind vollkommen ausreichend. Die GTA-Unterkunft in Pagliero weist 12 Plätze aus und könnte etwas sauberer sein.

3. Tag:

Der Weg beginnt problemlos und führt über Fracchie zum Val Droneretto. Es ist einfach nicht gut, wenn man zuviele Führer liest! In der Kehre zweigt rechts ein Weg über eine neue Brücke ab ins Val Droneretto. Hier habe ich auf der Wanderung meinen größten Schnitzer begangen. Man darf erst nach der Kurve rechts abbiegen, auch über eine neue Brücke. Die Markierung auf der Straße war infolge Schlamm nicht erkennbar. Dann gings am Monte Rubbio, St. Bernardo, Camolieres nach Macra-St. Villar. Hier sehr schöne Posto Tappa. Ich mache trotzdem einen Spaziergang hinunter zum „Cavallo Bianco“ und lasse mich für das Nachtessen vormerken und dort verwöhnen.

4. Tag:

Da es meines Erachtens im Tal des Rio Bedale flußaufwärts zuviel Wasser hat und ich meinen Weg nicht schwimmend erreichen will, wähle ich zum Einstieg die Straße direkt nach Langra hinauf. Der heutige Tag ist der bisher schwierigste mit mehreren anstrengenden Anstiegen. Schließlich erreiche ich Centenero. Zwischen Centenero und Caudano dann eine böse Überraschung: Die Brücke über den Rio Venines (?) wurde vom Unwetter hälftig weggespült. Nach langem Suchen finde ich einen Übergang und hole mir dabei nasse Füsse. Nach Caudano dann ein Erdrutsch. Die Straße ist vollkommen abgerutscht. Ein Bagger ist gerade dabei eine neue Verbindung zur Außenwelt zu schaffen. Der Baggerfahrer stellt den Motor ab und läßt mich als ersten. Menschen den neu geschaffenen Weg passieren. Dabei habe ich prompt die Abzweigung des P.O. verpaßt und laufe über die Straße nach Paschiero. Vor dem Friedhof am Ortseingang führt aber eine schöne Mulatteria rechts den Berg hoch und trifft unterhalb von St. Peyre wieder auf den P.O. Der Weg geht weiter über Cucchiales. Vor Ciamino wieder ein Erdrutsch. Endlich das Borgata S. Martino inf. erreicht und bei Maria Schneider in dem wunderschön restaurierten Haus Unterkunft und hervorragende Verpflegung gefunden. Die Gäste dort sind allerdings nicht jedermanns Geschmack, aber auch GTA-Wanderer trifft man hier. 

5. Tag:

Heute gibt’s wieder nur eine Halbtagestour. Von S. Martino geht’s im Nebel über den Colle Bettone, Colle S. Giovanni nach Serre di Elva. Der Weg ist unproblematisch, herrliche Blumenwiesen. In Serre die Gelegenheit zu einer Besichtigung der Kirche genutzt. Im Posto Tappa S. Pancrazio hervorragend untergebracht und ebenso verpflegt worden. Offensichtlich setzt Elva auf Tourismus und Wanderurlaub. Man trifft auf etliche örtliche Wanderrundwege, mit E 1, E 2 usw., aber auch mit den Markierungen der Fernwanderwege, rot-weiß, gelb-grün, rot-gelb bezeichnet, sehr verwirrend! Die Betreiber des Posto Tappa sind sehr nett, haben einem das umfangreichste Menü auf der ganzen Tour kredenzt und mir zum Abschied auch noch Informationsmaterial mitgegeben. Bitte weiterempfehlen!

6. Tag:

Zunächst eine lange Etappe über den Asphalt bis Chiosso superiore, dann zum Rio Gias vecchio, dort unangenehme Entdeckung: Der gesamte gegenüberliegende Hang ist abgerutscht und kein P.O. mehr zu erkennen. Über vielleicht 5 Meter einen Steilhang aus losem Geröll hinaufzusteigen ist nicht nach meinem Geschmack. Ein paar Meter talwärts wurde mit einem Balken eine Behelfsbrücke errichtet. Ich probiere es über diese und bin auf dem örtlichen Weg E 2, der direkt den Berg hinauf führt. Ich mache wieder kehrt und suche das Ufer weiter oberhalb nach einem Übergang ab. Bei einem großen Felsbrocken, der die Hauptwassermassen überbrückt, werde ich fündig. Nach Steilanstieg am abgerutschten Hang finde ich auch den P.O., der jedoch nicht wie in der Karte eingezeichnet direkt den Hang hinauf führt, sondern zunächst weiter das Tal des Rio Gias vecchio hinaufführt. Der Mairatalführer ist auf S. 65 nicht korrekt: Der Rio Gias Vecchio wird nicht in 1900m überschritten; folglich stimmt auch der Weiteraufstieg mit noch einmal gut 100 m nicht. Es geht weiter über Col. S. Michele, Cesani, Castiglione, Vallone nach Ussolo, dem heutigen Etappenziel, immer der Markierung des GTA und des P.O. folgend. Das ehemalige Schulhaus ist als Posto Tappa o.k., außer, daß es ruhig etwas sauberer sein dürfte.

7. Tag:

Problemlos geht’s hinauf nach Vallone, Grangette, zum Colle Sarasin, Punta Culour, Grange Serri Soprana, Colombata, Lausetto, S. Maurizio, Chiapera, Campo Base. Man sollte diesen Tag wirklich sehr zeitig beginnen, da sonst die 2. Hälfte des Tages bei schattenlosem Marsch am Südhang zur Tortur wird!! Die Einteilung der Matratzenlager erfolgt hier streng nach Nationen. Ich als einziger Deutscher hatte auch mein Matratzenlager für mich alleine. 

8. Tag:

Für meine letzte Etappe nach Chialvetta nehme ich die Route über die Sorgenti della Maira, den Colle Ciarbonet. Von dort führt der Weg über die alte Militärstraße, Viviere, Pratorotondo, Chialvetta. Entgegen dem Mairatalführer ist jedoch die gesamte Strecke auch als GTA-Weg mit rot-weiß markiert. Bei der Abzweigung von der Schotterstraße (vgl. Führer S. 75) gibt es keine gelben P.O. Markierungen. Diese tauchen erst wieder nach Pratorotondo auf. Zu meinem letzten Aufenthalt auf dem P.O. im schönen Posto Tappa mit Trattoria bei Rolando Comba und Maria Luisa verbringe ich noch einen schönen Nachmittag und abend zusammen mit Franzosen die eine Mehrtagestour über die Pässe machen. Von der im Führer erwähnten Küche habe ich jedoch nichts gesehen. Das Posto Tappa ist derzeit im Untergeschoß der Trattoria untergebracht, hat 5 Doppelstockbetten, Dusche und Toilette. Eine Führung durch das Museum sollte man sich nicht entgehen lassen, es sei denn, man scheut den Eintritt von 4.000 Lire.

 

Fazit:

Eine schöne Wanderung, auch für sportlich nicht trainierte ohne Schwierigkeiten zu begehen, beliebig ausbaubar und auch gut im Frühjahr und Herbst noch zu begehen. Die herrlichen Blumenwiesen jetzt im Frühsommer sind eine einzige Pracht. Insgesamt die bisher beste Markierung, die ich in Italien angetroffen habe! Der Mairatalwanderführer ist eine nützliche Hilfe für unterwegs. Man sollte sich unbedingt von einem Posto Tappa jeweils beim nächsten voranmelden.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt"

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 6 - Juni 2001

 

 

Wanderung Percorsi Occitani 13. Juli –19. Juli 2001

 

Von Gerhard Wandel

 

Die Wanderung baut auf der Wanderung "Percorsi Occitani" 2000 auf. Teilweise wurden die gleichen Routen gegangen. Sofern es keiner Änderung oder Ergänzung bedarf, gelten die Ausführungen vom letzten Jahr. Auch Führer und Karten sind identisch: „Der Mairatal-Weitwanderweg“ von Hans-Günther Staschik/Manfred Kasper aus dem Verlag: Der Weitwanderer, „Antipasti und alte Wege, Bauer/Frischknecht, Rotpunktverlag, IGC Karten „Valli Maira, Grana, Stura“ und „Monviso“ aus der Serie „Carta dei sentieri e dei Rifugi“, Instituto Geografico Centrale, Torino. Als zusätzlicher Führer wurde für das Varaitatal Prof. Dr. Werner Bätzing: „GTA Der Süden“ benützt. Sämtliche Unterkünfte sind auf Halbpension eingerichtet. Es ist üblich, daß man sich am Vorabend für das nächste Quartier voranmeldet. Ich habs nie bereut!

1. Tag: Cuneo-Bassura (Bus) – S. Martino – Elva

 

Wir starten von Bassura über die P.O. Alternativstrecke gelb-blau markiert nach Paschero. Dort nehmen wir beim Ortszentrum nicht die Straße halblinks, sondern halbrechts am Friedhof vorbei, die in einen Waldlehrpfad übergeht und uns auf schattigem Weg direkt zum P.O. zwischen St. Peyre und Cucchiales führt. Wir folgen dann dem Weg links nach Cucchiales mit gemütlichem schattigen Anstieg in der heißen Mittagssonne. Wir können hierbei beobachten, daß der Weg hervorragend instandgehalten wird. Die vom Unwetter letztes Jahr beschädigte Brücke wurde erneuert, ein Bergrutsch am Weg wurde ebenfalls beseitigt. Hier ein großes Lob auf die Posto-Tappa-Betreiber, die über den von ihnen gegründeten Verein den Weg unterhalten!! In S. Martino machen wir eine kurze Rast, genießen das köstlich frische Wasser (und natürlich einen Expresso), kaufen Brot und Käse für unser Picknick, und nützen die Gelegenheit zu einem kurzen Gedankenaustausch mit Fam. Schneider. Gehzeit bis hier ca. 2 ½ Std. Weiter geht’s über den Colle Bettone und Colle S. Giovanni nach Elva. Restliche Gehzeit ca. 2 ½ Std. Die Telefonnummer im Convitto Alpino S. Pancrazio hat sich geändert: 0171-997986. Auch der Internetausdruck über www.ghironda.com weist die falsche Nummer aus. Dort beschließen wir unseren Abend mit 2 Studentinnen aus Deutschland, die uns in den nächsten Tagen öfter über den Weg laufen sollten.

2. Tag: Elva (1637m)–Colle Bicocca (2285m)– Chiesa (1480m)- Rif.Meleze (GTA-Ost)

 

Wir verlassen nun den P.O. Die Abzweigung der GTA-Ostroute über Grangette zum Colle Bicocca finden wir nicht. Wir laufen weiter auf der Straße nach Dao, die hier dem P.O. und der GTA-Alternativstrecke über Ussolo entspricht und zweigen dann unmarkiert auf schönen Weg über die hübschen Dörfer Castes, Gerneri, Laurenti ab und nehmen von dort die Fahrstraße Richtung Nordost. Auf einer älteren Karte ist von dort noch ein Weg zum C. Bicocca eingezeichnet, dieser ist jedoch nicht auffindbar, sodaß wir ca. 400 Höhenmeter über steile Wiesen aufsteigen müssen (nicht empfehlenswert!, bitte unbedingt die GTA-Route suchen!). Wir stoßen auf die Militärstraße vom Colle di Sampeyre zum C. Bicocca. Vorsicht: nicht den ebenfalls rot-weiß-rot markierten Weg zum Colle Terziere nehmen! Ab dem Colle Bicocca schöner Abstieg (gut markiert) nach Chiesa. Das Posto Tappa in Chiesa macht von außen einen sehr gepflegten Eindruck. Andere Wanderer haben dort übernachtet und sich nur lobend geäußert. Auch hier im Valle Varaita werden die Wanderer hervorragend bekocht. Wir wandern weiter und suchen nach einem Parallelweg zur Straße nach Celle, wie in der Karte eingezeichnet. Hier existiert jedoch kein Parallelweg. Wir kommen nur bis nach Fontanile und nehmen dort die Brücke über die Varaita und queren die Wiesen bis zur Straße. Man muß, entsprechend der Markierung, der Straße folgen, schade! Die schönen Dörfer können wir leider nicht recht genießen, da wir zwischenzeitlich von kleinen Regenschauern eingedeckt werden. Nach 7 ½ Std. erreichen wir unser Quartier im Rif. Melezé, ein sehr schönes modernes Gebäude mit freundlichem Personal. Leider ist aber Wochenende und das Rifugio so dicht an der Straße gelegen, sodaß es von italienischen Ausflüglern nur so wimmelt.

3. Tag: Rif. Melezè (1806m) – Colle Bellino (2804m)– Campo Base 1650m (GTA-Route)

 

Ein Blick aus dem Fenster läßt den Fotoapparat sofort in einem trockenen Platz im Rucksack verschwinden. Heute ist Nebel angesagt. Wir ziehen uns warm an und halten die Regensachen griffbereit. Es geht den Berg hinauf von St. Anna über das Ende der Fahrstraße mit ein paar Bachquerungen und den ersten Schneefeldern, vorbei an der Grange dell’Autaret, ein paar Kettensicherungen –immer der rot-weißen Markierung folgend- zum Colle di Bellino. Hier oben wird’s unbequem: Regen, Graupelschauer, eisiger Wind und ein verflixtes Schneefeld, das sich nicht umgehen lassen will. Wir stapfen Stufen in die Schneewand und erreichen endlich die Passhöhe. Wir scheuchen Schneehühner auf und beobachten viele Murmeltiere. Der Abstieg zieht sich hin über die Grange Maurin, Grange Collet und über die Fahrstraße zum „Rif. Campo Base“, wo wir nach 7 ½ Std. müde und durchnäßt ankommen. Die Segnungen der Zivilisation lassen uns hier nicht im Stich: es gibt einen Trockenraum für nasse Schuhe und Regensachen, eine heiße Dusche und sogar einen elektrischen Fön, der auch zum Trocknen von Socken zweckentfremdet werden kann. Wir treffen hier wieder unsere 2 Studentinnen aus Elva, die in Chiesa übernachtet hatten und sich nach S. Anna fahren ließen. Das Publikum besteht hier vorwiegend aus Franzosen; Holländer, Schweizer, Italiener und Deutsche sind in der Minderheit. Positiv hervorheben möchte ich hier noch den hervorragend ausgestatteten Einkaufsshop mit frischem Obst, Gemüse, Käse usw.

4. Tag: Campo Base – Colle Ciarbonet (2206 m) Chialvetta entspricht der Tour 2000

 

Der P.O. hat uns wieder! Gehzeit ca. 5 ½ Std. In der Posto Tappa „Trattoria della Gardetta“ bekommen wir ein kleines 2-Bettzimmer im OG. Seit dem Umbau letzten Jahres wurde das Bettenangebot aufgestockt. Es kommen auch Gruppen hierher, vor allem Franzosen.

5. Tag: Chialvetta (1494m) – Passo dell‘ Gardetta (2431m) - Rif. Gardetta (2335m)

 

Es geht zunächst auf der gleichen Strecke wie am Vortag hinauf nach Viviere, dann an ein paar Almen vorbei zum Passo dell Gardetta. Bis hierher folgt der P.O. wieder der GTA. Vom Paß hat man eine herrliche Aussicht über die Gardettahochebene. Nach 3 ½ Std. ist das Rifugio des CAI erreicht. Wir nehmen unseren Rucksack herunter und verzehren einen Teller Polenta. Auch die Küche hier oben läßt nichts zu wünschen übrig! Wir lassen uns anschließend die Edelweißwiese zeigen und streifen dann ohne Gepäck über die herrliche Hochebene zum Passo di Rocca Brancia (2620m) auf der GTA-Route und werfen einen Blick hinunter in das Sturatal. Nach einem netten Abend mit Franzosen, Schweizern und Holländern geht’s bald zu Bett.

6. Tag: Rif. Gardetta - Colle d’Ancoccia (2533m) –Colle del Mulo (2527m)– Arata (1390m)

 

Über Nacht hat sich das Wetter geändert. Der kalte Westwind brachte Wolken aus Frankreich, die sich nun hier abregnen. Wir ziehen sofort die Regenbekleidung über und überlegen uns bereits, ob wir über die Fahrstraße nach Preit absteigen. Am Colle del Preit beschließen wir jedoch, daß der Regen nicht so schlimm ist und nehmen zusammen mit 2 Schweizern, die die gleiche Etappe vor sich haben, den offiziellen Weg, der nun langsam ansteigt zum Colle d‘ Ancoccia und Colle del Mulo. Von hier erfolgt ein starker Abstieg ins Valle di Marmora (unproblematisch zu begehen). Wir bereuen es nicht, diesen Weg begangen zu haben! Der Regen läßt nach; gelegentliche Schauer stören uns nicht mehr. Sehr angenehm auch, daß trotz der parallel verlaufenden Straße der Weg gut instandgehalten wird. Nur vor Torello läuft man ein Stück über noch nicht geebnetes Geröll. Offensichtlich wurde ein neuer Kanal gebaut. 1200m Abstieg werden problemlos zurückgelegt! Dann erfolgt noch ein kleiner Aufstieg nach Arata und wir stehen vor einem Posto Tappa mit Liegestühlen vor dem Haus. Gehzeit ca. 6 – 6 ½ Std. Die Wirtsleute betreiben Landwirtschaft und verkaufen auch eigene Erzeugnisse, wie einen alkoholfreien Genepy, Tees und Kräuter. Das 7-Gängemenü war das Ausführlichste auf der ganzen Strecke!

7. Tag: Arata – Palent – Bassura

 

Endspurt hinunter ins Tal. Wir steigen zunächst hoch nach Reinere und folgen dann einem Wald- und Wiesenweg nach Palent. Unterwegs stoßen wir auf einen Trupp von Arbeitern, die mit einer Motorsense den Weg freischneiden. Der Weg gefällt uns so gut, daß wir den Direktabstieg über die Variante (gelb-blau) nicht gehen wollen. Vor Palent fällt ein kultiviertes Feld auf, auf dem Genepy gepflanzt wird. Wir machen kurz Rast bei dem Posto Tappa, erkundigen uns nach der Abfahrt des Busses und verabschieden uns von unseren Schweizern, die weiterwandern nach Celle di Macra. Gehzeit bis hier ca. 3 Std. Es geht weiter nach Aramola. Dort nehmen wir versehentlich den markierten Weg nach Macra, kehren jedoch sofort wieder um und wandern bei der Kappelle vorbei. Der Abstieg nach Bassura ist rot-weiß markiert (GTA-Ostroute). Langsam verlieren wir an Höhe und erreichen das Mairatal. Von der Brücke aus geht’s wieder rechts hoch in den Ort. Das Ende der Tour ist erreicht! Gehzeit von Palent ca. 2 Std. Ein letztes Eis an der Bar und einen Expresso und bald sitzen wir wieder im Bus, der uns aus dem Tal bringt.

 

Erschienen in "Mitteilungsblatt"

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 7 - September 2001

 

 

Wanderung in der südlichen Toskana

 

Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

 

Es ist Mitte Januar, kalendarisch hat der Winter noch für zwei Monate das Zepter in der Hand, aber es ist schon Frühling in unseren Gedanken, was das Fernwandern betrifft. Die Erlebnisse aus 2005 sind noch nicht ganz verarbeitet, doch schon ist eine Aufbruchstimmung spürbar. Was, wann und wohin werden wir eine Wanderung unternehmen? Eines ist ziemlich sicher, wir werden unsere Freizeit soweit wie möglich wieder nutzen und zu Fuß auf Touren gehen. Gerade die erste längere Tour soll nach einem kalten Winter in einer Region stattfinden, in der ein wärmeres und sonniges Wetter zu erwarten ist. Somit ist wieder einmal Italien unser Tourenziel, und zwar die Region Toskana.

 

Wie so oft sind unsere Planungen und Organisationen auf vorliegenden Erfahrungsberichten und Detailaufzeichnungen ausgerichtet, die in Buchform oder sonstigen Aufzeichnungen greifbar und ausgiebig recherchierbar sind. Es gibt viele Autoren und Verlage die über das Wandern in der Toskana berichten. Als die beste Informationsquelle hat sich für uns „Wandern in der Toscana“ von Christoph Henning, erschienen im Verlag DuMont Aktiv herausgestellt. Hier hatte es uns eine 11-tägige Streckenwanderung im Süden der Toskana, zwischen Siena und dem Bolsener See, besonders angetan. Da uns 11 Tage zu Verfügung standen einschließlich An- und Abreise, war dann auch schnell klar, diese Tour werden wir machen.

 

Ostern 2006 war es dann soweit: vom 11.04 bis 21.04 haben wir diese Tour auch erwandert und konnten sie genießen. Für Wanderfreunde, die etwas ähnliches vorhaben oder die gleiche Route auch irgendwann einmal gehen wollen, möchten wir ergänzend zur Buchbeschreibung unsere Erfahrungen und Eindrücke wiedergeben. Organisatorisch sowie ablaufmäßig ist folgendes zu berichten:

 

1.Beschaffung Wanderkarten

 

Dies hat sich für uns als Problem dargestellt. Da es in Deutschland nur die Kompasskarte Nr. 653 Pienza – Montalcino - Monte Amiata im Maßstab 1:50 000 gibt und nur den Bereich bis Arcidosso abdeckt, wurden per e-Mail beim “Istituto Geografico Militare“ in Florenz insgesamt 9 Karten über den gesamten Tourenbereich im Maßstag 1: 25 000 (im Auftragswert von ca. 80 Euro) bereits in der ersten Februarwoche bestellt. Nach ca. 14 Tagen wurde mittels Auftragsbestätigung eine Vorabrechnung gewünscht, die wir auch sofort erledigten.

 

Aber dann ging das Warten los. Die Wochen vergingen und der Abreisetag rückte immer näher. Trotz zweimaliger Mahnung per e-Mail, dass wir die Karten spätestens 10. April benötigen, ist nichts passiert. Somit mussten wir ohne aussagekräftige Wanderkarten im Gepäck aufbrechen. Jedoch am ersten Tag im Kloster Monte Oliveto Maggiore am Kiosk hatten wir glücklicherweise 2 Wanderkarten in Maßstab 1:25 000 gefunden, die einen weiteren Bereich im Anschluss unserer ungenauen Kompasswanderkarte abdeckte. Auch wenn diese total veraltet waren, wir hatten Kartenmaterial bis auf die letzten zwei Tagestouren.

 

Übrigens, am Montag den 24. April haben wir per Paketdienst die Wanderkarten bekommen, in Bögen gerollt und in einem Rohr verpackt, als wären diese erst gedruckt worden. D.h., es ist unbedingt eine ausreichende Beschaffungszeit einzuplanen .Die Dienstleistung in Italien hat andere Maßstäbe und einen anderen Stellenwert bezüglich Geschwindigkeit und Service.

 

2. Wegmakierungen / Hinweisschilder

 

Die Streckenführung der Tour ist kein durchgängiger Hauptwanderweg, sondern führt nur teilweise auf diesem. Unsere Tour erwandert sich hauptsächlich auf untergeordneten Wanderwegen, die Städte und Dörfer verbinden. Dies ist jedoch kein Problem, da fast durchgehend vom Startpunkt bis zum Bolsener See die Verbindungswege rot-weiß-rot markiert sind.

 

Die Hauptwanderwege in den uns vorliegenden Wanderkarten sind farblich abgesetzt und sofort gut erkennbar. Die Streckenbeschreibungen im Buch sind treffend und waren auf unseren Wanderkarten nachvollziehbar. Wir mussten an den letzten zwei Tagen nur nach Buchbeschreibung gehen, da keine Wanderkarten zu organisieren waren. Dies war kein Problem, denn an allen Kreuzungspunkten, hauptsächlich in den Etappenorten, sind große Hinweisschilder angebracht

 

3. Etappen / Übernachtung

 

Da wir einen Tag in Florenz verbringen wollten, mussten wir etwas von den vorgeschlagenen Etappenorten abweichen. Ausgehend von den angegebenen Wanderzeiten planten wir dies in neun Tagen zu bewältigen, was auch problemlos und ohne Stress zu schaffen war.

 

Folgende Etappenorte ergaben sich:

 

 

1. Tag:  Nach Ankunft mit der Bahn in Buonconvento gegen 12.30 Uhr .

             Quartiersuche. Anschließend mit Taxi (Tankwart 20 € ) zum 

             Ausgangspunkt Kloster Monte Oliveto Maggiore gefahren, von hier

             beginnend bis nach Buonconvento

2.Tag:    Buonconvento – Montalcino

3.Tag:    Montalcino – Rocca d´Oricia

4. Tag:   Rocco d´Orcia - Pescina

5. Tag:   Pescina – Arcidosso

6. Tag:   Arcidosso –Semproniano

7. Tag:   Sempriniano – Sovana

8. Tag:   Sovana – Gradoli

9. Tag:   Gradoli – Capodimonte. Ab hier mit Bus und Bahn zurück nach Florenz.

10. Tag:  Florenz

11. Tag:  Heimreise

 

Das Wetter und die Temperaturen waren frühlingshaft, nur einmal mussten wir ca. 3 Std. im Regen gehen.

 

Unsere Übernachtungen haben wir immer am Vorabend telefonisch über den Gastgeber buchen lassen Es gab nie Probleme, auch nicht über die Osterfeiertage. Die Übernachtungspreise sind sehr schwankend, Doppelzimmer mit Frühstück zwischen 55 € und 120 €.

 

4. An und Abreise

 

Hin: Wir nahmen wieder einmal das Angebot der Bahn an: Mit Bayernticket bis München, dann ab München mit dem Nachtzug nach Florenz. Anschließend weiter mit der Bahn nach Siena und Buonconvento. Ankunft gegen 12.30Uhr.

 

Zurück: Ab Capodimonte mit dem Bus bis Viterbo. Von hier mit der Bahn nach Orte zur Hauptstrecke Florenz/ Rom. Ab Florenz wieder mit Nachtzug nach München. Alle Zugverbindungen können über das Internet abgerufen werden. Nachtzüge müssen rechtzeitig gebucht und reserviert werden. Innerhalb Italiens ist eine Reservierung nicht erforderlich.

 

5. Land und Leute

 

Wie bereits erwähnt, hatten wir die besten Vorraussetzungen: gutes Wetter, die Vorbereitung und Einstimmung war auf grund des Buches „Wan-dern in der Toscana“ gelungen, somit konnten wir jeden Morgen ohne Stress starten und die Tage genießen.

 

Etwas Italienisch ist erforderlich, um als Rucksackreisender zurecht zu kommen. Sonst kann man sich auf alle Fälle mit Englisch verständigen. Die Leute sind sehr hilfsbereit und freundlich. Es begegnen sich kaum Wanderer. Hier und da ein paar vereinzelte Tageswanderer, die Rundtouren mit gleichem Start- und Zielpunkt gehen. Dagegen ist in den Städten und bei den Sehenswürdigkeiten, die an den Strecken liegen, sehr viel mit Bus- oder Autotouristen los.

 

Gesamturteil: Eine wunderschöne Streckenwanderung in einer

unbekannte und ruhige Region der Südtoskana.

 

 

6. Adressen/Infos

 

Führer:

„Wandern in der Toscana“ von Christoph Hennig, DuMont Reiseverlag ISBN 3-7701-4775-8

 

Karten:

Istituto Geografico Militare, Viale f. Strozzi 10, I - 50129 Firenze Tel.: 055/2732772 Fax: 055/489743

 

Internetadressen:

www.bahn.de

www.trenitalia.com

www.italienwandern.de

www.firenzeturismo.it

 

Zum Abschluss wird noch einmal auf das Buch „ Wandern in der Toscana“ von Christoph Hennig verwiesen. Hier wurde vorzüglich recherchiert und für Wanderer ganz wichtige Informationen gesammelt und bereitgestellt. Wir können jedem Weitwanderfreund empfehlen, diesen Führer bei einer längeren Toskanatour in die Planung und Abwicklung einzubeziehen.

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 21 - Dezember 2006

 

 

Sentiero Italia in Lombardia - Abschnitt „Via dei Monti Lariani“

 

Von Gerhard Wandel

 

Diese Wanderung stellt teilweise die Fortsetzung meiner Wanderung vom Lago Maggiore zum Comer See im Juni 1999 dar. Der Gesamteindruck: Es tut sich etwas! Im Vergleich zur Wanderung im Frühsommer 99 sind die Wege leichter auszumachen. Die Wege sind teilweise freigeschnitten oder freigeweidet, Fußspuren im Gegensatz zum letzten Mal eindeutig zu erkennen. Teilweise sind alle Mulatterias neu angelegt. In der ersten Buchhandlung habe ich sogleich die Neuauflage von „Il Sentiero Italia in Lombardia“ von Giancarlo Corbellini endeckt. Verglichen habe ich die Neuauflage mit meiner Erstauflage vom Mai 93 aber nicht. Es gibt neue italienische Wanderkarten (4 Stück zu je 8.000 Lire für das Gebiet Lago Maggiore, Luganer See, Comer See) zur „Strade di Pietra“ Maßstab 1:30.000. Aber auch hier sind wie in der Kompaß-Karte Ungenauigkeiten festzustellen. Die Ursache für den besseren Zustand wird auf diesen Karten beschrieben: Es gibt ein EU-Förderprojekt zusammen mit der Provinz Lombardei und dem Tessin zur Reaktivierung der alten Wege. Das könnte auch von uns Weitwanderern unterstützt werden!!!

 

Samstag, 2. Sept. 2000: Cernobbio - Rif. Prabello

Leider haben wir keine Zimmer mehr in Piazza S. Stefano bekommen, sodaß wir in Cernobbio im „Ponte Vecchio“ nächtigen. Der Aufstieg morgens nach S. Stefano und weiter auf der Mulatteria Richtung Monte Bisbino geht flott voran, sodaß wir noch einen kleinen Schlenker einbauen über die Kapelle Croce dell’ Uomo (790m) mit herrlichem Blick über Chiasso und im Hintergrund dem Luganer See. Hier oben ist der Weg weiter zum M. Bisbino über Piazzola und dann den Steilaufstieg zur Alpe Bocc leicht zu finden. Nach der Alpe Bocc verlieren wir jedoch die Markierung und umrunden faktisch den Monte Bisbino, um dann endlich unser wohlverdientes Mittagessen im dortigen Rifugio einzunehmen. Die Sonne zeigt sich nur wenig, was uns durchaus entgegenkommt. Frisch gestärkt geht’s weiter am Rif. dei Murelli und Rif. Binate vorbei, beide geschlossen. Ob nur umgebaut wird, oder die Gebäude abgebrochen werden, war nicht zu erkennen; an Ersatzunterkünfte wie im Führer angepriesen, ist jedoch nicht zu denken! Auf dem weiteren Weg um den Sasso Gordona zum Rif. Prabello ereilen uns die einzigen Regentropfen während unserer ganzen Wanderung. Im Rif. Prabello sind wir die einzigen Gäste, mit Ausnahme von ein paar Mountainbikern, die sich hierauf verirrt haben, aber am abend wieder talwärts fahren.

 

Sonntag, 3. Sept. 2000: Rif. Prabello - Rif. Boffalora

Ein herrlicher Tag erwartet uns. Nach 5 Minuten zurück auf dem gestrigen Weg geht’s links ab den Berg hinunter, wo wir bei der Alpe di Cerano auf eine Fahrstraße treffen. Die Alpe ist überall bezeichnet mit „Pian dell’Alpe“, wieso nicht auch auf der Kompaßkarte, ist nicht nachvollziehbar. Man geht rechts an der Alpe vorbei durch den Wald und über Weiden nach Ermogna und weiter zum Rif. Guiseppe e Bruno, das sich zur vornehmen Trattoria gewandelt hat. Auch in der Umgegend wurden viele Wochenend- und Ferienhäuser errichtet. Wir überqueren die Straße und steigen den Hang langsam hoch. Wir verfehlen den richtigen Weg und steigen über den Grat hoch zum „P. della Croce“, dem Endpunkt der Seilbahn (1491m), genießen die herrliche Aussicht, schauen den Gleitschirmfliegern zu und steigen wieder -dem Grat entlang- hinab zur Bocca d’ Orimento zur Mittagsrast. (In der Kompaßkarte falsch eingezeichnet ist der Weg zur Bocca d’Orimento und die Seilbahn.) Von dort geht’s entlang der Straße hinunter nach S. Fedele d’Intelvi mit anschließendem Wiederaufstieg, vorbei an Belvedere, La Zerla, Alpe La Bassetta. Hier am M. Costone verlieren wir kurz unsere Wegmarkierung. Meine Idee ganz nach oben zu steigen, hilft weiter. Der Weg verläuft oben und nicht wie in der Kompaßkarte eingezeichnet nördlich unterhalb vom Grat. Weiter geht’s zur Alpe di Colonno und zum privaten Rif. Buffalora, schön gelegen. Das Rif. muß man sich eher als einfaches Hotel vorstellen. Es gibt Doppelstockbetten in 2-Bettzimmern mit Bettwäsche, Dusche, WC auf dem Flur. Leider fließt auch hier kein Trinkwasser aus der Leitung. Strom gibt’s ebenfalls nicht. Abends gibt’s Kerzen- und Gaslicht. Wer möchte, kann eine Taschenlampe bekommen. Dann um 10 Uhr abends wird das Notstromaggregat eingeschaltet, das die halbe Nacht läuft, leider. Aber auf den Kühlschrank ist man hier auch angewiesen. Wir sind die einzigen Gäste am Sonntagabend. Das Rifugio hat nur am Wochenende geöffnet. Die Betreiber fahren am Montagmorgen wieder zurück in die Stadt. Nur ein paar ältere Leute sind die ganze Zeit über hier draußen. Wir vereinbaren noch einen Termin zum Frühstück und machen noch einen kurzen Spaziergang bei sternenklarer Nacht.

 

Montag, 4. Sept. 2000: Rif. Boffalora - Grandola e Uniti

Heute rufen die Berge. Wir haben kene Lust, auf Halbhöhenlage, größtenteils im Wald unseren Weg zu suchen und nehmen die „Variante alta“, steigen die alte Militärstraße hoch zur Alpe di Lenno (Käseverkauf und andere Produkte aus biologischem Anbau), Bocca di Calbiga, Rif. Venini-Cornelio, Bocchetta dell’ Alpetto (geradeaus die Militärstraße weiter, gibt’s eine weitere Alm mit Verkauf von Bioprodukten) und dann abzweigend bei den Befestigungen aus dem 1. Weltkrieg auf unmarkiertem Grasweg (problemlos) zum Monte di Tremezzo (mit herrlichem Ausblick über den 1500 m tiefer liegenden Comer See) und weiter auf unmarkiertem Gratweg zum M. Crocione. Hier haben wir etwas Probleme mit dem Abstieg. Über sehr steile Grashänge geht’s hinunter. Bei Nässe sollte man solche Touren unbedingt unterlassen. Ein paar hundert Meter weiter unten stoßen wir wieder auf unsere ehemalige Militärstraße, die nun im Zickzack als Mulatteria immer dem Hang entlang nach unten führt. Der Weg ist durch Erlenbüsche teilweise total zugewachsen. Wir durchwandern einen Tunnel, sehen ein paar Almdörfer, erreichen die Bocca di Nava, die Kapelle Madonna di Paulo. Hier führt der Weg leider nicht wie angegeben über einen Golfplatz nach Cardano, sondern direkt nach Croce an der Hauptdurchgangsstraße vom Comer zum Luganer See. Ich sollte noch irgendwo Geld eintauschen und beschließe nach Menaggio hinunterzulaufen. Zurück nehmen wir den Bus nach Cardano, wo wir im Albergo Ticino gut untergebracht sind.

 

Dienstag, 5. Sept. 2000: Grandola e Uniti - Garzeno

Heute steht unsere längste Tagestour auf dem Programm. Daß die angegebene Zeit mit 6.45 Std. nicht ausreichend sein kann, erkennt man schon vorher. Aber bei 9 ½ Std. reiner Wanderzeit, hat man am abend wirklich genug. Zunächst geht’s problemlos über die Straße nach Codogna. In den Ortschaften hat man immer wieder Orientierungsschwierigkeiten trotz mehrerer Markierungen. Ein kleiner Pfeil bei einer Markierung am Straßenrand wäre in vielen Fällen hilfreich. Wir erreichen Breglia, wo wir ein nettes Albergo sehen, aber es ist noch nicht Zeit zum Mittagessen. Immer wieder geht es tief eingeschnittene Täler hinunter, viele alte Berg-dörfer -in besserem und schlechterem Zustand- werden durchquert. Ein Großteil der Häuser sind unverkennbar Ferienhäuser, aber es wird auch noch intensiv Landwirtschaft betrieben. Wasserstellen sehen wir heute genügend. Aus der angepeilten Mittagsrast in Montuglio wird nichts, da wir die Bar nicht erblicken. Es gibt also Rucksackvesper. Leider aber nicht ungestört; ein paar Schweine vermuten besondere Leckerbissen in unseren Rucksäcken und wollen selbstverständlich daran teilhaben. Wir packen zusammen und ziehen weiter. Langsam werden die Quertäler nervig, immer wieder absteigen und wieder aufsteigen, ohne daß wir unserem Ziel wesentlich näher kommen. Obwohl wir uns im wesentlichen auf einer Höhe von 800m bis 1100m bewegen, macht das Landschaftsbild doch einen alpinen Eindruck. Endlich erreichen wir die Kapelle S. Bernardo mit wundervollem Ausblick über das Val Dongana und Garzeno und auch zum Comer See. Nun folgt ein mühsamer Abstieg über 650 Höhenmeter über Piazze, Catasco und leichtem Wiederanstieg nach Garzeno. Eine Traumunterkunft ist das Albergo de Jean nicht, aber wir freuen uns trotzdem auf ein sättigendes Nachtessen und darauf, unsere Beine hochzulegen. Entgegen dem Führer von Corbelini führt der Weg von Piazze direkt hinunter ins Tal nach Catasco und nicht über Cremesino, Carcinedo entlang des Valle di Albano.

 

Mittwoch, 6. Sept. 2000: Garzeno - Peglio

Das Frühstück macht uns heute wieder überhaupt nicht an. Es gibt Wecken, die nach Pappe schmecken mit irgendeiner Marmelade und ein Cornetto in Plastikfolie. Wir steigen hoch über L’Avolo nach S. Anna und sehen dort ein Ausflugslokal mit großer Gartenterrasse, Tische und Bänke -ideal für unser Zweitfrühstück mit Milchpulver und Müsli-. Der Chef des Hauses wittert Kundschaft und öffnet sein Lokal. Wir genehmigen uns noch einen frischen Orangenschaft und nehmen belegte Brötchen für unterwegs mit. Frisch gestärkt geht’s mit neuer Energie weiter in Halbhöhenlage dem Torrente Liro entlang (orthographisch rechte Seite) über Stablie, Nessa, L’Agnone (L’Agnun) über schöne alte Steinbrücken nach Vicino (orthographisch linke Seite) nach Dosso del Liro und Peglio unserem heutigen Etappenziel. Unterwegs sieht man noch viele Lastenseilbahnen, die zur Erschießung sehr nützlich sind. Wir nächtigen in Peglio in dem schönen neuen Albergo „Locanda del Falco“ als einzige Gäste.

 

Donnerstag, 7. Sept. 2000: Peglio - Domaso

Eigentlich wäre das Ziel der heutigen letzten Etappe Sorico, aber wir nehmen uns die Freiheit auch eigene Wege zu gehen. Von Peglio nehmen wir zunächst die Straße nach Livo, vorbei an der Kapelle „Madonna di Pian di Georghii“. Nach Livo treffen wir auf die Kirche S. Giacomo mit schönem Friedhof. Weiter geht’s über eine Fahrstraße bis Dangri mit schöner Steinbrücke. Der nächste Kilometer gehört sicher zum schwierigsten Teil der gesamten Etappe: die Böschung ist abgerutscht, Bäche müssen gequert werden, ein Weg ist streckenweise nicht mehr zu finden. Über die Dörfer Barro di Vercana, Trobbio (950m) erreichen wir Pighèe (Pighè) ca. 1100m, wo wir auf einem schönen Bergplateau bei der Mittagsrast nochmals den Blick über den Comer See genießen. Wir beschließen, daß wir unsere Tour mit einer Schiffahrt ausklingen lassen und dazu die Anlegestelle in Domaso ansteuern. Den eingezeichneten Weg hinunter nach Vercana finden wir leider nicht, sodaß wir die Fahrstraße für den Abstieg nutzen müssen.

 

Siehe auch:

 

Krämer, Günther: Winterweitwandern im Vinschgau: Vom Reschenpass nach Meran

 

Krämer, Günther: Meraner Höhenweg

 

Krämer, Günther: E5 - Von Verona nach Norden

 

Krämer, Günther: Die älteste Alpentranversale: Ulm - Mailand

 

Krämer, Günther: Rund um den Gardasee

 

Der „Grande Anello dei Sibillini“

 

Geheimtipp im Zentrum Italiens

 

Von Christoph Hennig

 

Auf eines kann man sich verlassen: Die von offiziellen Institutionen markierten Fernwanderwege in Italien - oder jedenfalls in den italienischen Gebieten, die ich gut kenne, von Ligurien bis zur Amalfiküste - sind meistens unbrauchbar. Der Sentiero Italia existiert abschnittweise nur auf dem Papier, in der Realität ist er oft unzureichend markiert oder einfach nicht vorhanden. Die Via Francigena verläuft zu rund 40% auf Asphaltstrecken, gelegentlich auf stark befahrenen Straßen, ist zudem oft kaum markiert. Die Alta Via dei Monti Liguri nimmt keine Rücksicht auf Übernachtungsmöglichkeiten; wer nicht mit dem Zelt unterwegs ist, muss am Etappenende manchmal stundenlang zur nächsten Unterkunft  absteigen und am nächsten Morgen auf gleichem Weg wieder zurück. Florenz-Siena, vom italienischen Alpenverein CAI markiert, führt - oft lange über Asphalt - in Mittelgebirgslagen durch die Wälder. Von der Bilderbuch-Toskana der Ölbaumhaine und Weinberge sieht man dabei viel zu wenig. Der Sentiero dei Briganti, eine gut markierte Strecke im nördlichen Latium in der Gegend des Bolsena-Sees, ist über weite Abschnitte einfach zu langweilig. Bleiben als empfehlenswerte Touren der ordentlich markierte, landschaftlich sehr schöne Sentiero degli Ulivi zwischen Assisi und Spoleto in Umbrien und die großartige Tour durch die Südtoskana von Montalcino bis Pitigliano. Dazu kommt dann eine ganze Reihe nicht markierter Strecken, die man nur mit Hilfe von Karten und Wanderführern findet (eine Liste der empfehlenswerten Touren steht auf www.italienwandern.de/Ueberblick.html).

Und eine große Ausnahme: Der Grande Anello dei Sibillini (Rundwanderweg der Monti Sibillini, abgekürzt GAS) ist absolut verlässlich markiert und vor allem: Auf der Strecke von 120 km gibt es nicht das geringste Teilstück, das nicht landschaftlich angenehm, spannend, begeisternd wäre. Die Streckenführung ist schlicht und einfach großartig. Es liegt an der Landschaft, gewiss: Der Nationalpark der Monti Sibillini zeigt eine von Zivilisationsschäden fast unberührte Natur, eine Aufeinanderfolge von Wäldern, Bergwiesen, Kalkfelsen, Zweitausendergipfeln, Schluchten, Bächen, malerischen Dörfern. Es liegt aber auch am „Designer“ dieses Wegs, Alberico Alesi, der mit großem Feingefühl die äußerst abwechslungsreiche Wegführung ausgewählt hat.

 

Die Sibillinischen Berge

 

Die Monti Sibillini befinden sich im Zentrum der italienischen Halbinsel im Hinterland der Adriaküste, im Gebiet der Regionen Umbrien und Marken. Mit Linienbussen sind sie von Rom aus in dreieinhalb Stunden erreichbar. Mit ihren markanten Kalkformationen gehören die Sibillinischen Berge geologisch zu den sich südlich anschließenden Abruzzen. Die Ausdehnung beträgt etwa 40 km von Norden nach Süden, 20 km von Westen nach Osten. Der höchste Berg ist der Monte Vettore mit 2476 m. Seit 1993 steht das Gebiet als Nationalpark unter Naturschutz. Da es auch vorher kaum touristisch erschlossen war, blieb es landschaftlich fast unversehrt. Nur an ganz wenigen Stellen finden sich unerfreuliche Hotelbauten, Ferienhäuser oder Skianlagen. Stärker besuchte Orte sind nur die Kleinstadt Norcia und das auf 1452 m gelegene Dorf Castelluccio, beide im umbrischen Teil des Gebirges.

 

Die spektakulär schöne Hochebene von Castelluccio, der „Piano Grande“, ist das bekannteste Gebiet der Monti Sibillini. Kilometerweit erstreckt sich dieser völlig ebene Altopiano - ehemals der Grund eines ausgedehnten Sees - ohne einen Baum oder einen Strauch. Das Landschaftsbild ist besonders eindrucksvoll während der Blütezeit im Juni. Dann wird es voll hier oben: Italienische Ausflügler kommen vor allem am Wochenende zu Tausenden in die einsame Gegend. Beliebt ist Castelluccio auch bei Drachenfliegern, denen es optimale Bedingungen bietet.

 

Seit jeher hat das Gebirge den Ruf des Magischen und Geheimnisvollen. Der Name leitet sich  von der Zauberin Sibylle her, die in einer Höhle am Monte Sibilla lebte. Man konnte sie, so glaubten Gelehrte und Abenteurer vergangener Jahrhunderte, in ihrem unterirdischen Reich besuchen und dort ein paradiesisches Jahr verbringen; riss man sich aber nicht vor Jahresfrist los, so blieb man bis zum Tag des Jüngsten Gerichts dort gefangen, unter weniger angenehmen Bedingungen. Die magische Grotte diente möglicherweise Richard Wagner als Vorbild für den Venusberg in der Oper „Tannhäuser“.

 

Ein weiterer verhexter Ort im Gebirge war der Pilatus-See am Hang des Monte Vettore. Nach der Überzeugung der Einheimischen lebten hier Dämonen und Teufel. Als besonders frevelhaft galt es, Steine in den See zu werfen; dann fühlten sich die Teufel provoziert und entfesselten gewaltige Unwetter.

 

Der Weg

 

Offiziell besteht der Weg aus neun Etappen. Am Zielpunkt jedes Abschnitts will die Nationalparkverwaltung eine Wanderherberge einrichten. Bisher sind aber nicht alle dieser Unterkünfte eröffnet, und außerdem werden bei der Einteilung in neun Wanderungen manche Tagestouren viel zu kurz. Fünfeinhalb Tage scheinen mir für die Fernwanderung angemessen; dann ist man täglich etwa sechs bis sieben Stunden unterwegs (reine Wanderzeit, Pausen kommen dazu), mit Anstiegen um 1000 Höhenmeter.

 

Informationen zur Tour zu bekommen, ist nicht ganz einfach. Die Website des Nationalparks ist am ausführlichsten, aber man muss schon gut italienisch können, um sie zu lesen (www.sibillini.net/chiedi_sibilla/gas). Eine hervorragende Broschüre - ebenfalls vom Nationalpark herausgegeben - mit allen nötigen Informationen wurde auch auf englisch veröffentlicht,  war aber 2007 nirgendwo mehr aufzutreiben. Nach meiner eigenen Wanderung im Juni 2007 habe ich alle für die Durchführung notwendigen Informationen ins Internet gestellt (www.italienwandern.de/Marken/Wandern2.html), u.a. zur Anreise, Unterkünften, Einteilung der Etappen, Kartenmaterial. Im folgenden Bericht verzichte ich auf diese praktischen Hinweise, die man im Internet nachlesen kann.

Fünf Tage zwischen Visso und Norcia

 

Anreise

 

In den Monti Sibillini bin ich schon mehrfach gewandert. Ich habe eine Vorstellung von der Landschaft, aber keine Ahnung von Wegführung und Wegbeschaffenheit des GAS. Meine bisherigen Erfahrungen mit offiziellen italienischen Weitwanderstrecken stimmen mich eher skeptisch (s. oben). Da ich nirgendwo verlässliche Informationen finde (die Website des Nationalparks kannte ich vor der Wanderung nicht), gehe ich mehr oder minder auf gut Glück los. Allerdings habe ich die Karte „Parco Nazionale dei Monti Sibillini“ (1:25.000) von SER Folignano dabei. Sie soll sich als große Hilfe erweisen: extrem genau und sehr auf den Fernwanderweg bezogen. Kein Wunder: Der kleine Verlag SER wird u.a. von Alberico Alesi geführt, der den Weg entworfen hat.

 

Die Anreise führt nach Rom, von dort mit dem Bus nach Visso. Visso ist eine überraschend hübsche Kleinstadt am Rand der Sibillini. Der Hauptplatz verströmt viel Charme, es gibt zwei sehenswerte Kirchen. Das monumentale, 12 m hohe Fresko des heiligen Christophorus in der Kirche Santa Maria ist einmalig. Allein die Ohren des gemalten Heiligen, so lese ich, sind einen halben Meter groß. Mehrere Geschäfte bieten die Spezialitäten der Gegend an, vor allem Schinken, Wurst, Schafkäse von den Bergweiden der Umgebung. In der Trattoria Ricchetta gibt es ein hervorragendes Abendessen, regionale Hausmacherküche in bester Qualität, im einzigen Hotel Elena schlafe ich gut, wenn auch nicht ganz preiswert. (Es gibt im Ort auch eine günstigere Zimmervermietung.)

 

1. Visso-Fiastra

 

Um sechs Uhr bin ich auf den Beinen, eine Bar öffnet gerade, nach dem Kaffee geht es los. Anstieg in niedrigem Buschwald zwischen leuchtenden Ginsterbüschen, die Sonne kommt langsam über die Berge. Auf der Höhe gelangt man in offenes Gelände, ich blicke weit übers Land. Markant steht im Südosten das imposante Felsmassiv des Monte Bove. Das Santuario di Macereto taucht auf. Eindrucksvoll und einsam liegt die Renaissancekirche in der Landschaft. Die Kirche ist offenbar ein Ausflugsziel für Motorrad-fahrer (die kurvigen Bergstraßen rufen!) und Familien, die bereits am Vormittag die Vorbereitungen für ausgiebige Picknicks treffen.

 

Hinter dem Santuario finde ich mich gleich wieder in der Einsamkeit. An der Flanke des Monte Banditella führt der Weg nach Norden. Die Wanderherberge des Dorfs Cupi ist das offizielle erste Etappenziel - das wäre gerade eine Halbtageswanderung. Ich beschließe, zwei Etappen zusammenzufassen und folge kurz vor Cupi der ausgeschilderten Abkürzung nach Fiastra. Ein steiler Anstieg, dann geht es am Hang in Höhenlagen um 1300 m weiter. Ein Panoramaweg, was allerdings heute eher zu ahnen als wirklich zu sehen ist. Zwar blickt man weit ins Land, aber der Hitzedunst lässt alle Farben verblassen und die Konturen verschwimmen. Die Temperaturen sind weit höher als für die Jahreszeit üblich. Selbst in diesen Höhenlagen spüre ich die schwüle Hitze. Kein Vergleich allerdings mit den 35 Grad gestern in Rom!

 

Plötzlicher Szenenwechsel: 700 m unterhalb erscheint der blaue Wasserspiegel des Lago di Fiastra. Ein langer Abstieg führt hinab, mit ständigem Ausblick auf den See und die malerischen kleinen Dörfer und verstreuten alten Weiler an seinen Ufern. Oberhalb des Ortes Fiastra gelange ich zu einer neuen Wanderherberge. Ich habe allerdings schon ein Zimmer im Dorfhotel vorbestellt und steige weiter ab zum Ortszentrum. Im Dorfladen fülle ich meine Proviantvorräte auf - erst am übernächsten Tag werde ich wieder auf ein Geschäft treffen. Freundlicher Empfang in der Osteria del Lago, eine romantische halbe Stunde in der Abendstimmung am nahen Seeufer, und dann wieder ein gutes Abendessen. Ruhig wird es danach noch nicht: Vor meinem Zimmer schwatzen bis kurz vor Mitternacht die Einheimischen.

 

2. Fiastra - Rifugio Città di Amandola

 

Wieder ein früher Aufbruch, wieder eine gerade geöffnete Bar für den ersten Kaffee. Langer Anstieg in der morgendlich frischen Luft, herrliche Blicke auf den See und die Berge. Stundenlang begegnet mir kein Mensch, kein Haus steht am Weg. Am späten Vormittag wird langsam wird die Hitze spürbar, selbst auf 1500 m Höhe. Lange Rast auf einer ausgedehnten Bergwiese. Die vielen gerade verblühten Blumen lassen ahnen, wie es hier vor 14 Tagen ausgesehen hat: ein Meer von Farben. Die Hauptblütezeit lag dieses Jahr wegen des heißen Frühjahrs etwa zwei Wochen früher als sonst, schon Ende Mai und Anfang Juni.

 

 Ich freue mich auf den nächsten Ort Pintura di Bolognola, die Einkehr in der Bar, vielleicht ein angenehmes Hotel. Wenn mir das Dorf gefällt, denke ich, werde ich dort übernachten. Es ist zwar erst früher Nachmittag, aber immerhin habe ich fünfeinhalb Stunden Weg und fast 1200 m Anstieg hinter mir. Und dann ist Pintura di Bolognola ein Geisterort. Ein paar Dutzend hässliche Ferienhäuser, zwei geschlossene Hotels, ein paar Lifte, kein Mensch zu sehen. Hier ist offenbar nur in der Skisaison und im Hochsommer etwas los. Ich rette mich in den Schatten eines geschlossenen Gasthauses, tröste mich mit dem hervorragenden Schafkäse aus meinen Proviantvorräten. Trinkwasserprobleme gibt es zum Glück nicht - überall am Weg stößt man auf Brunnen und Quellen.

 

Noch eine lange Pause in der Mittagshitze, und dann geht es weiter. In drei Stunden Entfernung steht das Hotel Madonna dell’Ambro, das ich bereits von einer früheren Tour kenne. Ich melde mich per Mobiltelefon an - nochmal möchte ich heute nicht vor verschlossenen Toren stehen, und schon gar nicht am Abend. Nach dem langen Anstieg geht es nun bequem und aussichtsreich auf einem breiten Weg oberhalb einer Schlucht abwärts. Unterwegs begegnet mir ein holländisches Paar - die einzigen Fernwanderer, die ich in diesen Tagen treffe.

 

Oberhalb von Garulla (hier soll 2008 eine Wanderherberge eröffnet werden) verlasse ich den Fernwanderweg und gehe - mit Hilfe der Karte nicht zu verfehlen - in Richtung auf mein vorbestelltes Hotel. Auf der Karte sehe ich, dass auf halber Strecke eine Hütte des italienischer Alpenvereins CAI steht. Ich rechne nicht damit, dass sie an einem Wochentag außerhalb der Saison geöffnet ist. Und dann die Überraschung: Das Rifugio Città di Amandola liegt traumhaft auf einer aussichtsreichen Hochfläche und ist sogar offen. Ich bin für heute genug gewandert, sage dem reservierten Hotel ab und bleibe hier. Die freundlichen jungen Wirtsleute kommen extra von der nahe gelegenen Kleinstadt Amandola hinauf, wenn Gäste angemeldet sind - und das ist heute der Fall. Die beiden Kunden, die noch eintreffen sollen, kommen verspätet, so dass ich mir in der einzigen Dusche Zeit lassen kann. Ein einfaches Abendessen, nette Gespräche und ein Stündchen in der Abenddämmerung auf der großen Wiese neben dem Haus, wo Ausflügler an einer Feuerstelle grillen. Dann eine ruhige Nacht, diesmal in der einsamen Landschaft ohne Gespräche unter dem Fenster.

 

3. Rifugio Città di Amandola - Colle

 

Schöner Abstieg in der Morgenfrühe zum markierten Fernwanderweg, auf den ich beim Weiler Capovalle treffe. Auf der heutigen Tour am Ostrand des Gebirges, in Höhenlagen zwischen 600 und 1000 m, liegen mehr Ansiedlungen am Weg als an den ersten beiden Tagen. Bei Piedivalle quere ich das Flüsschen Ambro, dann geht es aufwärts nach Vétice und Tribio. Traumhafte Morgenstimmung, Abstieg durch wildromantische Landschaft zu einer alten Brücke über den Fluss Tenna. Erneut geht es aufwärts, bis zur Häusergruppe Rubbiano. Und hier wird es mir allmählich zu heiß. Die alte Faustregel trifft wieder zu: Oberhalb von 1000 m kann man in Italien noch mit Genuss wandern, selbst wenn in der Ebene die Temperaturen auf 35 Grad steigen. Aber in tieferen Lagen macht es dann irgendwann keinen Spaß mehr, jedenfalls nicht über Mittag. Hinter Rubbiano hebe ich an einem Sträßchen den Daumen. Das erste Auto hält und nimmt mich die fünf Kilometer mit bis zum nächsten Ort Montemonaco. Das Städtchen hat alles, was zu einer italienischen Kleinstadt gehört: ein paar historische Gebäude, Bar, Restaurant, Hotel, gute Lebensmittelgeschäfte. Und außerdem eine fantastische Lage am Rand des Gebirges. Ich plane eine lange Mittagspause, kehre ein, blättere zum ersten Mal nach Tagen durch die Zeitung, nutze die ungewohnt reichhaltigen Einkaufsmöglichkeiten: Kuchen in der Bäckerei, Obst, Auffüllen der Wurst- und Käsevorräte, Sonnencreme.

 

 Nach drei Stunden geht es weiter. Es ist immer noch heiß, aber so spannend ist Montemonaco auch wieder nicht, dass ich den Rest des Tages hier verbringen möchte. Beim Abstieg ins Aso-Tal stört die Wärme nicht, und als ich unten ankomme, beginnt es überraschend zu regnen. An der Kirche Santa Maria in Casalicchio stelle ich mich unter, der Schauer zieht schnell vorbei.

Der Aufstieg nach Altino ist schattig und schön. Ich überlege, in dem Dorf zu übernachten, aber das kleine Hotel ist geschlossen. Also weiter, trotz unsicherer Wetterlage. Der Monte Vettore, mit 2476 m der höchste Gipfel der Sibillini, kommt in den Blick. Unterhalb zieht sich mein Weg durch Wald und über Bergwiesen bis Colle. Obwohl das Dörfchen nur aus wenigen Häusern besteht, brauche ich eine Weile, um meine Unterkunft zu finden - die Herberge ist nur an einem winzigen Schild zu erkennen.

 

4. Colle - Forca Canapine

 

Die Sonne strahlt, aber sie brennt nicht mehr wie an den Vortagen, es ist etwas kühler geworden, und vor allem: Die Aussicht ist nun gestochen scharf. Ideales Wanderwetter. Bei jedem Schritt begeistert das Panorama, man blickt weit über das Hügelland der Marken, den Flickenteppich der Felder und kleinen Wäldchen, die zahlreichen alten Orte auf den Hügeln. Ein Panoramaweg war auch die bisherige Strecke, aber an den vorangehenden Tagen schränkte der Hitzedunst das Panorama ein. Nun kommt es voll zur Geltung. Zwischendurch geht es dann lange durch Wald, das Sonnenlicht bricht nur gebrochen durch die Zweige, am Weg rauschen kleine Bäche. Nach Westen wird immer wieder der Blick frei auf den Monte Vettore, der unmittelbar über der Wanderstrecke emporragt.

 

Unterhalb des Passes Forca di Presta stößt der Weg auf eine Straße. Nach Süden öffnet sich ein neues Panorama: Jenseits des tief eingeschnittenen Tronto-Tals sind nun die Berge der Abruzzen ganz nah. Es geht ein Stück auf dem wenig befahrenen Sträßchen bergauf, am Pass steht die Berghütte Rifugio degli Alpini. An der Bar gibt’s Kaffee, aus der Küche kommen schon die Aromen des Mittagessens. Die Hütte wird viel besucht, sie ist Ausgangspunkt für die Besteigung des Monte Vettore und den beliebten Ausflug zum Lago di Pilato.

 

Inzwischen fegt ein scharfer Wind über den Kamm, zum ersten Mal auf dieser Tour brauche ich tagsüber den Pullover. Der Fernwanderweg führt ohne größere An- und Abstiege auf der Kammhöhe weiter. Beim nächsten Pass, der Forca Canapine, stehen ein paar Skilifte in der einsamen Landschaft, einige Hotels, wenige Ferienhäuser und mehrere Berghütten, darunter eine neue Wanderherberge des Nationalparks. Schon in Fiastra hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob es wirklich eine gute Idee der Nationalparkverwaltung ist, Wanderherbergen auch dort zu errichten, wo schon Unterkünfte bestehen? In einem Gebiet, das nun wirklich nicht von Touristen überlaufen ist, sollten ökonomische Vorteile des Fernwanderwegs doch zunächst einmal den bestehenden Strukturen - Hütten, Hotels, Privatvermietern - zugute kommen. Staatlich subventionierte  Unterkünfte neu zu errichten hat doch wohl nur dort einen Sinn, wo die Wanderer keine andere Übernachtungsmöglichkeit finden. In den Monti Sibillini sieht es im Moment teilweise genau umgekehrt aus: Zwei Wanderherbergen sind fertig gestellt an Orten, an denen man genauso gut in anderen Unterkünften schlafen kann - und geplante Herbergen existieren dort nicht, wo sie dringend gebraucht würden.

 

Ich übernachte im Rifugio Vittorio Ratti, ein paar hundert Meter vom Fernwanderweg entfernt direkt am Canapine-Pass. Gutes Abendessen, nette Gespräche mit den Wirten und den wenigen anderen Gästen, einen Schlafsaal habe ich für mich allein.

 

5. Forca Canapine - Norcia

 

Das Wetter bleibt hervorragend, die Aussicht überwältigend. Der Weg führt weit oberhalb des Piano Grande entlang, der großen Hochfläche der Sibillini. Mit ihren ungewöhnlichen Formen erinnert sie an außer-europäische Landschaften, an die kargen Berge Anatoliens oder die Altipiani der Anden.

 In der Ferne thront das Dorf Castelluccio auf einer Anhöhe, einer der höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Orte Italiens. In Castelluccio herrscht im Sommer einiger touristischer Betrieb, hier oben auf der Höhe aber ist es völlig einsam. Bis zum Pass Forca di Giuda folge ich dem Grande Anello, immer mit großartiger Fernsicht.

 

Von der Forca di Giuda sind es noch zwei Stunden bis zur nächsten Wanderherberge in Campi Vecchio, von Campi Vecchio noch ein halber Wandertag bis zum Ausgangspunkt Visso. Da ich diesen Abschnitt schon früher gewandert bin, steige ich ab nach Norcia. Mein Versuch, dabei dem auf der Karte eingezeichneten Sentiero Italia zu folgen, schlägt fehl: Er existiert einfach nicht. Das ist keine Überraschung, sich auf den „SI“ zu verlassen, ist erfahrungsgemäß russisches Roulette. Es geht trotzdem problemlos ins Tal: auf dem Weg 181 bis zur Forca d’Ancarano, dann auf einer Variante des SI - die diesmal erfreulicherweise wirklich existiert - nach Norcia.

 

Norcia ist der mit Abstand meistbesuchte Ort des Gebiets. Das Städtchen ist die Heimat des heiligen Benedikt („Benedikt von Nursia“), wird heute aber vor allem als kulinarisches Einkaufsparadies besucht. In der Hauptstraße steht ein Feinkostgeschäft neben dem anderen. Ausflügler aus der weiteren Umgebung - bis hin nach Rom - kommen am Wochenende hierher, um etwas Bergluft zu schnuppern und sich mit Käse, Fleisch, Schinken einzudecken. Die Atmosphäre ist dennoch reizvoll geblieben, das Städtchen hat einige hübsche alte Bauten, die Stimmung ist ruhig. Ein schöner Abschluss der Tour - und mit direkten Linienbussen kommt man bequem zurück nach Rom.

Fotos und Titelfoto von Georg Henke

 

 

 

 

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 25 - April 2008

 

 

Eine Abenteuerwanderung in den Abruzzen

Pfingsten  2009

 

Von Fronte Cerreto nach Barrea

durch den Abruzzen – Nationalpark

 

Von Friedlinde und Karl Stubenrauch

 

Nach der Buchbeschreibung:

 

Wilde Wege, Stille Dörfer - Wanderungen in den Abruzzen

von Christoph Hennig

 

Eine spannende Vorplanung bereits im Jahr 2008 begleitet diese Wandertour: Die Wanderkartenbestellung in Florenz – diesmal kommen die Karten rechtzeitig an, die Flugbuchung nach Rom im November 2008, Auskundschaften der Zug- und Busverbindungen – das Internet zeigt sich als zuverlässige Informationsquelle, die intensive Vorbereitung mit der Wegebeschreibung von Christoph Hennig.

 

Dann die große Verunsicherung um die Durchführungsmöglichkeit der geplanten Wanderung auf Grund des Erdbebens an Ostern 2009 in L`Aquila, dem eigentlich geplanten Startort unserer Wanderung durch die Abruzzen.

 

Im Austausch mit den Wanderfreunden beim Treffen zur Mitgliederversammlung vom Netzwerk Weitwandern e.V. im April 2009 in der Rhön nehmen wir per E-Mail Kontakt auf mit Herrn Christoph Hennig wegen der Situation nach dem Erdbeben in den Abruzzen.

 

Herr Hennig antwortet umgehend und teilt uns mit, dass wir die geplante Tour auf jeden Fall antreten und durchführen sollen mit dem Hinweis, den Startort um eine Etappe zu verschieben, also nicht in L’Aquila zu beginnen, sondern in Fronte Cerreto. Die Menschen in dem Erdbebengebiet und den angrenzenden Gegenden sind mehr denn je auf Gäste und Touristen angewiesen und freuen sich über jeden Besucher.

 

Eine Besonderheit ergibt sich noch beim Vorbereiten des Rucksackes: Der neue Aufnäher „Netzwerk Weitwandern e.V.“ muss mit – er ist der Blickfang auf der Rucksack-Außentasche.

 

1.Tag: 30. Mai 2009 Pfingstsamstag

 

Flug von München nach Rom „Leonardo Da Vinci“ und mit dem Zug direkt vom Flugplatz zum Bahnhof „Tiburtina“ und von hier aus weiter mit dem Bus.

 

Bis hierher hat alles geklappt, wir fragen nach dem Bus nach L’Aquila, können nach einigem Hin und Her im richtigen Terminal die Fahrkarten kaufen und auf den Bus im „Stallo 1“ warten, welcher um 11.00 Uhr nach Fahrplan und Auskunft fahren soll.

 

Der Bus fährt um 12.45 Uhr – weshalb weiß keiner – was soll’s. Wir haben Urlaub, Zeit und Muse und viel Vorfreude auf das Weitere.

 

Ankunft in L’Aquila am Busbahnhof – die vom Erdbeben gekennzeichnete Stadt ist abgeriegelt, der Busbahnhof liegt außerhalb der Stadt. Jetzt gilt es den Bus nach Fonte Cerreto zu finden, den es nach Fahrplan geben soll.

 

Sehr hilfsbereite Busfahrer telefonieren und organisieren für uns alleine einen Shuttlebus aus Fonte Cerreto (auf 1100 m) und dieser ist auch noch kostenlos. Selten haben wir eine solche Hilfsbereitschaft erlebt.

 

Die erste Übernachtung ist in einem Hotel am Fuße der Seilbahn, die z.Z. nicht in Betrieb ist. Und Glück gehabt: Den Einkauf der Verpflegung für den ersten Tag ermöglicht uns ein mobiler Einkaufswagen, der kurz darauf wegfährt.

 

 

2.Tag: 31. Mai 2009: Pfingstsonntag

 

7.00 Stunden - Wanderung: Von Fonte Cerreto nach Castel del Monte

 

Aufstieg Weg Nr. 216 Richtung Monte Christo auf 1800 m, weiter nach Hennigs Beschreibung der 5. Etappe.

 

Der Fahrweg mit herrlicher Aussicht führt uns nach Castel del Monte zum Hotel, die Glocken der kleinen Kirche läuten zum Empfang. Es regnet mehrere Stunden – wir sind im Trocknen.

 

Wir sind erstaunt über die vielen Gäste im Hotel und erfahren, dass dies Erdbebenbetroffene aus L’Aquila sind, die ihre Häuser verloren haben und hier in Ferienwohnungen und im Hotel untergebracht sind.

 

Einer der betroffenen Gäste hat heute Geburtstag und spendiert „Spumante“ für alle - auch für uns.

 

3.Tag: Montag, 01. Juni 2009

 

Von Castel del Monte nach Forca di Penne.

 

Einen solchen Regentag haben wir selten erlebt auf unseren Wanderungen. Wir entschließen uns, den in der Kompasskarte eingezeichneten Weg Nr. 272 von Castel del Monte nach Ofena mit 800 m  Abstieg zu gehen und stellen fest, dass dies der von Hennig beschriebene Wegverlauf ist. Wir gehen auf einer Schotterstraße und wir treffen einen Schäfer, der uns die etwas verwinkelte Wegfindung erklärt und somit erleichtert. Wir brauchen 2,5 Std.

 

Ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Dorfbewohner aus Ofena fährt uns im strömenden Regen die neun km lange Strecke auf den Pass Forca di Penne auf 891 m.

 

Übernachtung im Agriturismo Fortino, wo wir schon zeitig per Mail gebucht haben.

 

4.Tag: Dienstag, 02. Juni 2009

 

Ein Regentag im Agriturismo Fortino, in welchem wir vorzüglich versorgt wurden.

 

5.Tag: Mittwoch, 03. Juni 2009

 

Von Forca di Penne nach Musellaro

 

Nach zwei Regentagen sind die Wege aufgeweicht, es ist ein „Schlammweg“ nach Musellaro. Traumhafte Aussicht bis zur Adria – klar gefegt ist der Himmel – entschädigen uns für die erschwerten Gehbedingungen. Wir „verfolgen“ Spuren und treffen die dazu gehörenden zwei jungen Kerle mit Rucksack und Zelt, die auf dem gleichen Weg unterwegs sind wie wir, aber sie haben keine zusätzlichen Wanderkarten. Sie berichten von vielen „Abwegen“, „Umwegen“ und „Verlaufen“.

 

Wir haben abgelöste Schuhsohlen, 5 Minuten nach 12.00 Uhr in Torre de’ Passeri und somit ein bereits geschlossenes Schuhgeschäft! Wir gehen weiter, eine mehr als freundliche Wirtin versorgt uns vor dem Aufstieg nach Bolognano, wo wir auch wieder auf die beiden Jungs treffen.

 

Nach 25 Minuten Aufstieg nach St. Maria schwärmt ein Italiener, der 42 Jahre in München gelebt hat, von seiner Heimat. Wir können dem nur zustimmen. Die Zeitangabe von Santa Maria nach Musellaro stimmt nicht, die Wegbeschreibung ist genau. Aber ohne Wanderkarte würden wir uns auch verlaufen.

 

Wir sind die einzigen Gäste im „Ostello“, werden sehr gut versorgt und dürfen uns am nächsten Morgen das Frühstück samt Bedienung der Kaffeemaschine selbst machen.

 

6.Tag: Donnerstag, 04. Juni 2009

 

Von Musellaro nach Roccacaramanico

 

Dieser Weg, bzw. der Pfad, welchen man suchen muss, ist nur bei gutem Wetter und bei guter Sicht begehbar. Das Abenteuer beginnt mit dem Frühstück, Kaffee trinken wir in der Bar im Ort.

 

Aber dann der Abstieg in die Orta-Schlucht, zwar nach „Buch – Wegebeschreibung“, aber mit noch mehr Glück und Richtungsorientierung finden wir den Weg nach oben – durch Dickicht, Gebüsch und Sträucher – ein unwegsames Gehen im Gelände – wir schaffen es! Nach Caramanico Terme finden wir leicht nach der Wegbeschreibung. Ein deutscher Bus grüßt auf der zu begehenden  Fahrstraße.

 

Im Ort gute Einkaufsmöglichkeiten (auch neue Wanderschuhe) und ein weiterer Aufstieg zunächst auf der Teerstraße nach San Nicolao. Wasservorrat auffüllen.

 

Das Abenteuer geht weiter oder beginnt es jetzt?  Ab in die Prärie! – kein Pfad, kein Weg, nur Wildnis – Richtungspunkte sind ein „Kuhstall“ und ein „Wald“, sie dienen der Orientierung, wir gehen 1,5 Std. lang kreuz und quer, auf und ab, über Bächlein, durch Dornenhecken, über Blumenwiesen (Orchideen) – wir kommen an der beschriebenen Stelle an. Ein Blick zurück zeigt uns, dass es fast unglaublich und unvorstellbar ist, was wir da an Wegfindung geleistet haben.

 

Bellende Hunde begrüßen uns – wir heben (lt. Christoph Hennig) einen Stein auf. Dies bewirkt, dass sich die Hunde zurück ziehen. Jetzt haben wir uns ein Mittagessen verdient. Die bereits geschlossene „Cuchina“ öffnet doch noch einmal für einige Gäste – gottlob - und wir rüsten uns somit für das heutige dritte Abenteuer: Keine 50 Meter vom Ortsrand entfernt schrecken wir Wildschweine auf. Wer ist wohl mehr erschrocken? Wieder durch die Wildnis, querfeldein, bergauf geht es zur Übernachtung „B & B“ in Roccacaramanico.

 

Eine sehr einfache Unterkunft, das Wasser im Haus ist kalt, es versiegt völlig. Vor dem Haus ist ein Brunnen und ein Bach. Aber es herrscht Ruhe, und wir reflektieren diesen Tag und planen für den nächsten.

 

7.Tag: Freitag, 05. Juni 2009

 

Von Roccacaramanico nach Sulmona

 

Eine stürmische Nacht liegt hinter uns im “B & B” – ohne Wasser im Haus. Wir waschen uns am Brunnen vor dem Haus – Bella Italia. Der Aufstieg zum Passo San Leonardo erfolgt nach der Buchbeschreibung. Danach, man glaubt es kaum, ein markierter Wanderweg bis nach Pacentro. Hier nehmen wir den Bus nach Sulmona, es ist gut warm und die restliche Tagesstrecke liegt in einer Ebene.

 

In Sulmona treffen wir deutsche Wanderer mit dem Buch von Christoph Hennig in der Hand. Der Hotelier reserviert für uns die nächste Übernachtung im Agriturismo in Castrovalva – super!

 

8.Tag: Samstag, 06. Juni 09

 

Von Sulmona nach Castrovalva

 

Die Ebene von Sulmona nach Bugnara legen wir mit dem Auto zurück. Wir finden leicht wieder auf den von Christph Hennig beschriebenen Weg ab dem Eisenbahnviadukt.

 

Die jetzt von Christoph Hennig beschriebenen Wanderpfade sind mittlerweile in diesem Gebiet zu markierten Wanderwegen ausgebaut. „Parconson Fontanico“ ist der neue Weg, der uns mühelos nach Anversa führt. Reges Treiben ist auf der Piazza mit reichlich Einkaufsmöglichkeiten. Eines erwähnt Christoph Hennig nicht: den Wind. Er ist stürmisch, böig streift er durch die Gassen und Flure, aber er ist angenehm in der Hitze.

 

Nach Castrovalva führt der markierte Sentiero Nr. 19 mit einer Wasserquelle am Ortseingang. Hier gibt es Unterkunft mit Halbpension im Agriturismo nur auf Vorbestellung. Wir sitzen noch keine zwei Minuten vor der verschlossenen Unterkunft, als ein betagter Senior zu uns kommt, nachfragt und über sein Handy den Besitzer verständigt – so etwas gibt es! Wir treffen wieder Weggefährten, die auch viel Abenteuerliches zu berichten wissen.

 

9.Tag: Sonntag, 07. Juni 2009

 

Von Castrovalva nach Scanno

 

Das spärliche Frühstück im Agriturismo (zwei mit Marmelade bestrichenen Brote, Biskuits und zwei Stückchen Kuchen) macht uns nichts aus, wir sind ja auf Rucksackverpflegung eingestellt. Nach Markierung gehen wir nach Frattura Vecchia, einem verfallenen Dorf. Wenige Leute bewirtschaften Gärten. Im Dorf Frattura gibt es eine Bar (der Hinweis fehlt bei Christoph Hennig). Wir finden den beschriebenen Weg nach Scanno problemlos.

 

Wir entscheiden uns in der Wegführung ab hier für die „Bergtour“ über den alten Abruzzen–Nationalpark nach Barrea.

 

10.Tag: Montag, 08. Juni 2009

 

Von Scanno nach Opi

 

Die Wegbeschreibung ist gut, heute eine Bergtour. Wasser fehlt, es gibt nur in Scanno Wasser, deshalb reichlich mitnehmen, denn der Brunnen auf 1700 m Höhe ist versiegt. Bis auf die letzte Stunde der Strecke ist der Weg gut markiert, aber danach ist eine Wegfindung nur nach gutem Kartenstudium möglich. Sehr lange Gehzeit (7 Std.). Am Ende nochmals Aufstieg zum Ort Opi. Im Ort gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten und das Gespräch mit Einheimischen – ein Genuss auf seine Art.

 

Das Hotel und das nette, sehr um unser Wohlergehen besorgte Hotelierpaar entschädigen für die Anstrengungen. Ein 5-Gänge Menü aus der Region wird uns serviert, wir sind wieder die einzigen Gäste. Frühstück um 7.00 Uhr ist selbstverständlich möglich, bei einer 8-stündigen vor uns liegenden Wanderung.

 

 

 

 

 

11.Tag: Dienstag, 09. Juni 2009

 

Von Opi nach Civitella Alfedena: durch das Tal der Gämsen

 

Wir folgen der Wegbeschreibung  nach Buch. Eigentlich sollte dieser Tag bezeichnet werden: „Man trifft eher auf einen Hirschen als auf einen Wanderer“ – das trifft zu! Und zwar auf der Strecke von Opi bis zum Beginn des Tals ins Valle Fondillo. In unmittelbarer Ortsnähe und bei weidenden Pferden trabt ein Hirsch – mindestens ein Sechzehnender -  auf uns zu und erschrickt wahrscheinlich ebenso wie wir. Dann dreht er nach rechts ab, der Schreck war groß!

 

Bis zum Passo de Orso folgen wir der Markierung, auch absteigend ins Tal, ein sehr mühseliger Weg. Im Talgrund ist endlich am Bach eine Rast möglich im Valle Tre Confini. Von der Talsenke aus nach links führt ein super markierter Weg nach oben, zwar sehr anstrengend durch den steilen Hang und die Sonne und Hitze, aber viel besser gekennzeichnet als im Buch beschrieben. Nach Umgehen und Queren bzw. Umklettern von drei Schneefeldern - und das Mitte Juni - sind wir nach ca. einer Stunde an der unbewirtschafteten Schutzhütte Forca Resuni, wobei ein Aufenthalt dort wegen des starken Windes nicht möglich ist.

 

Wir gehen die Hauptvariante in ein Hochtal. Hier kommt uns eine geführte Wandergruppe entgegen – der erste „Gegenverkehr“ auf unserer Tour. Am Passo Cavuto rasten wir länger, wegen der Aussicht und wegen der Gämsen. Der Abstieg ins Valle di Rose ist im oberen Teil eine „Gämsenschau“- ca. 30 - 40 Tiere sind zu sehen. Ein steiler Abstieg folgt, teilweise mehr schlecht als recht zu gehen über steinige und geröllige Wege. Eine Belohnung für die Mühen ist der erste Blick auf den See Lago di Barrea und das Hotel – ein Zimmer im 3.Stock, wir sind wieder einmal die einzigen Gäste und werden vorzüglich versorgt, ein traumhafter Ausklang für diesen anstrengenden Tag.

 

Die Tour geht dem Ende entgegen – das Ziel Barrea ist in drei km Entfernung zu sehen.

 

Die Informationen im Ort sind sehr ausführlich (Busverbindungen) und auch der Kontakt zu den Einheimischen ist intensiv.

 

12.Tag: Mittwoch, 10. Juni 09

 

Von Civitella Alfedena nach Barrea

 

Ein Spaziergang durch Wiesen, über steinige Pfade, struppige Wege – gut markiert und begehbar. Was wir mitnehmen von dieser Kurzetappe: Zecken! – also Vorsicht und Kontrolle, liebe Wanderfreunde!

 

Das Wanderziel Barrea zeigt sich von seiner schönsten Seite: mit netten Leuten, regem Markttreiben, der hilfsbereiten Dame aus dem Infobüro vom Vortag, einer Verkäuferin im Supermarkt, die belegte Brote auf ihre persönliche Art macht, nämlich 2 dicke Scheiben Brot mit viel Belag dazwischen.

 

Ein herrlicher Ausklang.

 

Wir nehmen den Bus nach Castel di Sangro, von dort haben wir gute Busverbindungen nach Pescara und nach Rom.

 

Ein Albergo mit einem Restaurant das seines gleichen sucht - vom Chef, über die Ausstattung, bis zum hervorragenden Essen. Auch hier bestätigt uns der Besitzer die Tatsache, dass die Gäste ausbleiben seit dem Erdbeben.

 

Deshalb liebe Wanderfreunde unser Aufruf: Auf in die Abruzzen! Ihr könnt die von uns geschilderten Erlebnisse mit den Menschen, der Natur und den Tieren selbst erleben! Es finden sich kaum Worte für die gastfreundlichen und hilfsbereiten Menschen, für die Landschaften und für die Anstrengungen sowie die Belohnungen durch die Kontakte, die Aussichten und die gewonnenen Eindrücke.

 

Ein Dankeschön an Christoph Hennig!

 

Dank seines Buches, seiner Vorgaben und Hinweise ist diese Wanderung ein Genuss in jeglicher Hinsicht! Jeder Weitwanderer weiß, was damit gemeint ist! „Wilde Wege, Stille Dörfer“ - besser kann man diese Weitwanderung nicht in Worte fassen! Eine wahre Aufforderung zum selbst Erleben!

 

Alle die Weitwanderer, welche wir in diesen zwei Wochen trafen und die mit und nach „Hennig“ gingen, bestätigen: Ohne diesen fachkundigen Führer würden sie das Wagnis nicht angehen, eine solche Wandertour in dieser wunderschönen und ruhigen Gegend zu unternehmen.

 

Adressen und Infos

 

Führer: Wilde Wege, Stille Dörfer

Christoph Hennig ; ISBN 978-3-85869-346-4

Rotpunktverlag, Zürich

 

Karten: Kompass Nr. 669 Gran Sasso d`Italia/L´ Aquila

IGMI Nr.360 Torre De´ Passeri

IGM Majella

IGM Monte Genzana Monte Rotella

IGM Monti Marsicani

 

Internet: www.Rotpunktverlag.ch

               www.arpaonline.it

               www.ama.laquila.it

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 30 - Dezember 2009

 

 

Abruzzen. Auf Hennigs wilden Wegen

 von Amatrice nach Torre de Pásseri im Juni 2009.

 

Von Evelyn Gebhardt und Hans Diem

 

Auf der Suche nach Neuland haben wir die Abruzzen entdeckt. Also ins Internet geschaut, uns begeistern lassen vom Buch „Wilde Wege, stille Dörfer“ von Christoph Hennig, die Wanderkarte Gran Sasso 1:50.000 besorgt und vier Wochen Zeit eingeplant für eine Grande Traversata delle Monti Abruzzi mit Abstechern zu Gipfeln im 170 km langen Gebirgszug. Natürlich zu Fuß und mit Zeltausrüstung. Wir wollen nach der Wegbeschreibung von Hennig in Amatrice starten, im Gran Sasso Gebirge aber vom Zelt aus auf einige Berge und den höchsten, den Corno Grande (2912 m) steigen.

 

Für den Weiterweg in den südlichen Abruzzen bis hinunter nach Barréa gibt es im Juni 2009 noch keine brauchbaren Wanderkarten. Zur Übersicht habe ich eine Autokarte 1:200.000 dabei, und wir müssen die Wegbeschreibung von Christoph Hennig umsetzen. Vorweg: Die Umsetzung war uns zu mühsam, mir zeigt eine Wanderkarte auf einen Blick mehr als jede noch so gut gemeinte Beschreibung. Dazu war das Bergwetter nicht gut genug, also nach sechs Tagen war Schluss für uns. Dafür haben wir im September zwei Wochen lang mit dem Auto die Gebirge Monti Sibillini, Gran Sasso, Maiella und Meta erkundet, mit der Besteigung von einigen hohen Bergen vom Zelt und vom Quartier aus mit druckfrischen Wanderkarten von Parco Nazionale della Majella 1: 50 000, von Parco  Nazionale d’Abruzzo, Lazio e Molise 1:50.000, von Parco Nazionale dei Monti Sibillini

 

1:50.000. Außerdem gibt es neu eine Reihe von 25.000-er Karten für die Abruzzen. Damit können wir uns 2010 an den Weiterweg machen, allerdings nicht wegen der kulinarischen Hinweise im sehr umfangreichen Buch.

 

Spannende Anreise

 

Vom 21. auf den 22. Juni 2009 Bahnfahrt nach München, weiter im Nachtzug Richtung Rom, haben in Bologna drei Stunden Aufenthalt wegen eines Zugunglücks vor Florenz. Endlich die Umleitung des Zuges über Rimini, Ancona nach Terni, weiter nach Rieti, mit Bus nach Amatrice. Ankunft um 19.20 Uhr nach 26 Stunden mit 7 Std. Verspätung. Übernachtung im Hotel „il Castagneto“. Das Cena natürlich mit Spaghetti all’Amatriciana. Nachts rüttelt ein kurzes Erdbeben am Haus.

 

1.Tag, Dienstag, 23.6.09, bewölkt, teils heiter, Regenschauer, Berge in Wolken.

 

Erst einen Bummel durch das lebhafte Amatrice (955 m) machen, eine 25.000er Karte vom Gran Sasso kaufen, in einer Bar bei einem kleinen Cafè den schlechten Wetterbericht von der Zeitung schön reden. Dann nehmen wir unsere Rücksäcke auf und gehen in unseren Sommer 2009. Nach 25 Min. auf der Straße kommt der Abzweig mit dem Wegweiser. Auf dem Wanderweg 363, einem Traktorweg in Wiesen und Buschwald, stiefeln wir bergauf zum Grasbuckel Serrerota (1340 m) mit einem Panorama-Rückblick und einem guten Platz für die erste Rast mit eigenem Espresso und Keksen.

 

Auf dem Weg 362 in schönen Kräuterwiesen und Kiefernwald, die Monti della Laga im Blick zum Rifugio delle Serre (1351 m). Das ist ein Rohbau mit drei offenen Räumen, daneben ein fließender Brunnen mit Viehtränke. In Wiesen zur Höhe 1506 m, in Laubwald, in Wiesen voll mit Affodil, in Schafweide auf eine Bergkuppe mit Campotosto (1420 m), 4:15 Std. Gehzeit. Das Dorf liegt 120 m über dem Stausee Lago di Campotosto, hat Brunnen, Bar, Minimarket, Hotel und Pension. Regenwolken hüllen die Umgebung ein, die Bergkulisse kennen wir nur vom Foto im Buch.

 

Im Gebirge wollen wir zelten, aber in den Dörfern die Unterkünfte nützen, vor allem jetzt nach dem schweren Erdbeben im April. Doch das Hotel Valle vermietet uns kein Zimmer, und die Pension Barilotto ist zurzeit geschlossen wegen der Erdbebengefahr. Auf Empfehlung gehen wir auf der Straße zum Ostufer des Lago di Campotosto, zur Pension Serena (1:15 Std.). Man vermietet uns nur zögernd ein Zimmer in einem Flachbau, die Wirtin bereitet uns ein feines Abendessen, wir sind die einzigen Gäste im großen Gastraum (45 € das Zimmer, 45 € das Essen).

 

5:30 Std. Gehzeit, ca. 19 km Weg, Aufstieg 572 m, Abstieg 224 m (nach Karte).

 

2.Tag, Mittwoch, 24.6.09, bewölkt bei 12°C, Berge in Wolken.

 

Der Monte Gorzano im Kamm der Lagaberge sollte unser erster Abstecher sein, schade. Wir nehmen Hennigs Variante 3A, den schnellsten Weg nach oben. Dazu steigen wir auf Straße und auf Abkürzungswegen steil ab zum Ort Ortolano (1017 m). Den Fußweg 131 suchen wir hier umsonst, also auf Straße weiter zum Staudamm des Lago di Provvidenza und Aufstieg im Tal des Flusses Chiarino. Die Kiesstraße im Laubwald ist nach 40 Min. zur Hälfte abgerutscht, nur Fußgänger kommen weiter. Bei der neuen Kapelle San Martino (1262 m) überrascht ein großer Rastplatz mit vielen Tischen und Bänken. Auf Kiesstraße zu einer weiteren Picnic Area mit Brunnen. Nur 200 m weiter steht in Kuh- und Pferdeweide das Rifugio Domenico Fioretti (1500 m). Das Steinhaus gehört der Foresteria del Parco und ist geschlossen. Der kleine Vorraum mit Kamin und Holzvorrat ist offen, neben dem Haus spendet ein Brunnen kaltes Quellwasser.

 

Es wird alpin. Auf Traktorweg in Weide bergauf zu einem kleinen Talkessel auf 1700 m mit einer offenen Steinhütte, umgeben von viel Lawinenschnee. Auf markiertem Bergweg zu einem zweiten Talkessel mit Quellbach. Wasser auffüllen und noch aufsteigen bis 2050 m. Im Gras neben Schneefeldern zelten wir gut. Wir liegen auf Luftmatratzen, sitzen angelehnt in Faltsitzen. Die Zeltkerze leuchtet und wärmt fast wie ein Kachelofen, der Gaskocher macht Wasser heiß für Getränke und Suppen. Dazu gibt es Brot mit verschiedenen Belägen, das ist völlig ausreichend. Unser Tiefschlaf an der frischen Luft ist unglaublich erholsam. Dafür ist uns kein Rucksack zu schwer.

 

6:00 Std., 13 km, Aufstieg 1033 m, Abstieg 286 m.

 

 

 

 

 

 

 

 

3.Tag, Donnerstag, 25.6.09, heiter, 7°C, ab 14 Uhr Regenschauer.

 

Bei Sonnenschein auf dem markierten Bergweg in Blumenwiesen mit viel Gestein dazwischen, teils auf festem Sommerschnee aufwärts zur Sella Venacquaro (2236 m), ein Grasjoch mit einem kleinen See. Da sitzen wir eine dreiviertel Stunde und schauen in ein fantastisches Felsgebirge mit saftigem Grün dazwischen. Rechts die Cresta delle Malecoste und der Pizzo Cefalone über einem tollen Cirque. Links der Skitourenberg Monte Corvo und der markante Kegel Pizzo d’Intermesoli.

 

Ein kurzer Abstieg in das Valle Venacquaro, Pferde weiden hier an einer Viehtränke mit Brunnen, eine Wildschweinhorde mit 16 Stück flüchtet bergauf. Aufstieg in Blumenwiese, über ein Riesenschneefeld, durch ein Felskar voll mit Blumen hinauf zur Sella dei Grilli (2220 m). Wunderbare Berglandschaft mit Blumenpracht zwischen Restschneefeldern. Kurz ein Blick auf den mächtigen Corno Grande, er ist mit 2912 m der höchste Berg der Abruzzen. Der Gipfel hat auf der Nordseite eine geschlossene Schneedecke und viel Neuschnee weit herab, da haben wir keine Chance. Wir hatten geplant, hier schön zu zelten, die Gipfel rundherum und den Corno zu besteigen, dann nach Hennig weiterzugehen. Und jetzt schiebt sich auch noch eine Regenfront über die Gipfel, im Nu ist es kalt und windig und abweisend. Wir beschließen, die Gran-Sasso-Berge nachzuholen und jetzt weiter zugehen.

 

Nach dem kurzer Abstieg ins Val Maone müssen wir die Rast bei dem Kulturdenkmal mit alten Steinhütten abbrechen und mit dem Kompass in der Hand bei Regen und dichtem Nebel auf Schotter und Schnee in die Scharte La Portella (2260 m) aufsteigen, bei Gewitter und Regen weiter auf die Querung durch eine Steilflanke zum Hotel Campo Imperatore (2135 m). Parkplatz, zwei Hotelbauten, Seilbahnen, Sternwarte, botanischer Garten, aber ohne Wegweiser und ohne Infotafel.

 

Im Hotel verlangt man für das Bett mit HP 75 €. Wir nehmen die Alternative, ein Zimmerlager im Ostello nebenan, mit HP im Hotel zu 45 € p.P. Zur Ehrenrettung der angeblich schlechten Küche hier mein kulinarischer Beitrag. Zum Cena wurde uns serviert: Bruschette miste, Gnocchi allo Zafferano, Asparagi e Guanciale, Agnello alla Griglia, Cavolfiori saltati, Dolce della Casa, dazu passender Rotwein und Mineralwasser. Wir waren zufrieden damit.

 

Auf der ganzen Tour haben wir keinen Wanderer getroffen. Doch hier campiert eine italienische Seniorengruppe auf dem Fußboden im alten Seilbahnbau, sie bekochen sich selbst, ihr Gepäck wird von Tragtieren transportiert, vermutlich sind sie auf dem SI, dem Sentiero Italia unterwegs. Sonst sind keine Bergsteiger zu sehen.

 

4:10 Std., 10 km, Aufstieg 506 m, Abstieg 461 m.

 

4.Tag, Freitag, 26.6.09, nachts Sturm und Regen, am Morgen heiter, stürmischer Wind.

 

Der Corno Grande ist frei! Sofort steigen wir ohne Rucksack hinauf zum geschlossenen Rifugio Duca degli Abruzzi (2669 m). Schnell die Fotos machen vom grandiosen Gran Sasso Gebirge und dem Oberhaupt Corno Grande. Glück gehabt, wir kommen sicher wieder mit diesen schönen Bildern im Kopf. Rückweg über die Sella di Monte Aquila zum Hotel Campo Imperatore. Noch ein Foto vom Hochtal Campo Imperatore, schon ist wieder die Wolke da und der Sturm.

 

Weiter nach Hennig auf die Wanderung über vier Seen. Keine Wegweiser am Weiterweg! Ich nehme den Kompass in die Hand, denn es geht teils weglos oder auf Pfadspuren zum 20 Jahre alten Rohbau einer Skistation auf 1706 m hinab, umgeben von gut bestückten Viehweiden. Der Weg über den Kamm mit der Cima di Faiete ist dem eiskalten Sturm ausgesetzt, also gehen wir in einem unbenannten, windstillen, sehr anmutigen grünen Tal auf Fahrweg weiter. Leider ist durch die großen Kuhherden der Talboden ziemlich verschissen, und die vielen Schmeißfliegen sind eine Plage. Vorbei an den Viehtränken Lago di Barisciano und Lago di Passaneta kommen wir zur Ruine des Zisterzienserklosters S. Maria del Monte (1614 m). Windgeschützt sitzen wir zur Rast in den Ruinen des Klosters. Fantastisch gelegen ist es, ausgerichtet auf den paradiesisch grünen Campo Imperatore, überragt vom Gebirgskamm mit dem Monte Prena 2564 m. Das Kloster aus dem 13. Jahrhundert war nur im Sommer bewohnt und diente der Schafzucht.

 

Weiter auf Fahrweg in Weiden zum Lago di Racollo, Kälber saufen aus dem See.  Unsere Karte zeigt hier ein Rifugio Lago Racollo, es steht etwas entfernt an einerBaumreihe. Doch die Infotafel dazu liegt am Boden, also ist es geschlossen. Im September stellten wir fest, dass es Übernachtung und Essen anbietet.

 

Das Buch verspricht am Lago Racollo einen ganzjährig fließenden Brunnen, doch aus dem Wasserhahn läuft nichts. Jetzt sind wir auf den versprochenen nächsten Brunnen angewiesen. Unseren Irrweg korrigieren wir mit einem großen Bogen zurück zur Fonte di San Cristoforo. Doch auch aus diesem Wasserhahn läuft nichts, der Brunnen ist so ausgetrocknet wie wir. In dem verschlossenen Brunnenhaus daneben plätschert viel Wasser, der Hahn wird vermutlich nur aufgedreht, wenn Kühe hier weiden. Die dritte versprochene Fonte Frenda steht nicht in der Karte und ist auch nicht zu sehen. Also: die Abruzzen sind verdammt trocken, es gibt in Talnähe anscheinend keine Quellbäche, auch keinen Bach für ein erfrischendes Bad.

 

Auf einem Fahrweg geht es im schönen alten Kulturland, jetzt mit Luzernenanbau,  weiter zum großen Bergdorf Castel del Monte (1270 m), auf einen Hügel gebaut. Beim Bummel durch die Straßen fällt uns das Haus mit dem Schild il Rifugio del Pastore auf. Die nette Wirtin der kleinen Pizzeria hat ausgebaut und vermietet uns ein neues Zimmer mit Bad. Es ist sogar geheizt, weil es ungewöhnlich kalt ist. Sie freut sich, bekocht uns nach Wunsch, erzählt unentwegt in italienisch, wir leider „nix capito“, aber so nett (44 € p.P.). Als Zuflucht bei einem Erdbeben steht eine Zeltstadt auf dem Fußballplatz.

 

7:25 Std., 24 km, Aufstieg 588 m, Abstieg 1453 m.

 

 

 

 

 

 

 

 

5.Tag, Samstag, 27.6.09, schön bei 22°C, dann bewölkt und regnerisch.

 

Beim Dorfbummel suchen wir in den Läden vergeblich nach Wanderkarten für die südlichen Abruzzen. Das Wetter hat gewechselt, wir können endlich in kurzen Kleidern gehen. Meine beiden Karten zeigen einen Weg 272 direkt nach Ofena, der ist aber in der Landschaft nicht zu sehen. Also doch nach Hennig auf einem Fahrweg in Buschwald abwärts zum Dorf Ofena  (531 m, 2:20 Std.). Einkehr im Ristoro Aufinium, es ist die Bar mit dem Bild einer Moschee an der Stirnwand.

 

In Ofena sind unsere beiden Wanderkarten zu Ende. Jetzt muss eine Straßenkarte als Übersicht genügen, und wir müssen die Wegbeschreibung von Christoph Hennig umsetzen können. Man muss wissen, dass wir nicht auf einer beschilderten Route gehen, wir sind auf Straßen, Feld- und Fußwege angewiesen. Wenn einer endet, geht es schon mal quer Beet weiter zum nächsten Anschluss.

 

Also nehmen wir das 700 g schwere Buch zur Hand, schlagen die Seite 143 auf, leider regnet es gerade. Sehr genau steht es da, rauf und runter, rechts und links, dazwischen viele interessante Informationen. Das hat zur Folge, dass einer das aufgeschlagene Buch tragen muss mit einem Finger auf der aktuellen Zeile. Vor uns liegt il Piano, eine fruchtbare Ebene mit Ackerbau. Am linken Rand dieser Naturschüssel geht es Richtung SO entlang. Ein Stück geteerte Radstraße (ohne Radfahrer) nehmen wir lieber als den alten Naturweg daneben, schon wegen des Fingers im Text. Wie wir erst nach links, dann dreimal nach rechts abbiegen sollen, stecken wir das Buch in den Rucksack. Auf Feldwegen gehen wir durch Getreidefelder schnurstracks auf das Dorf Capodacqua (395 m) zu.

 

4:20 Std., 16 km, Aufstieg 0 m, Abstieg 870 m.

 

Die ersten Hausbewohner füllen gern unsere Wasserflaschen auf, denn wir werden zelten müssen. Nein sagt die Frau, es gibt ein neues Agritourismo im Ort. Wir finden das Haus nicht, gehen deshalb auf der Straße zu einem abgelegenen Platz fürs Zelt. Da kommt ein Auto mit den Vermietern gefahren, sie wurden informiert, wir sollen doch bei ihnen übernachten. Gerne fahren wir mit. Sie betreiben eine Super-Landwirtschaft, daneben ein Haus mit neuen Ferienwohnungen, dazu  laden sie uns ein zu Abendessen und Frühstück im Kreis der Familie. Alles für 40 € p.P. Wunderbare Leute, da fällt uns der Abschied schwer von Familie Ursini Alfredo.

 

6.Tag, Sonntag, 28.6.09, schön, dann bewölkt.

 

Der Hausherr zeigt uns den Weiterweg, lange winkt er uns nach. Auf Fahrweg zwischen Olivenbäumen, dann in Buschwald bergauf, nach 1:10 Std. ein Haus mit Unterstand und einem Wasserbunker. Nach Buch sollen wir jetzt auf einem steilen Weg in Wiesen zu einer Autostraße hinauf. Doch da versperrt ein gespanntes Seil mit einem Schild „vietato“ (verboten) den Zugang zur Wiese. Das könnten wir ignorieren, doch wir gehen den Fahrweg weiter. Der endet kurz unter der Straße. Wir wühlen uns 10 Min. lang steil durch Dickicht hinauf, steigen über die Leitplanke, gehen auf der Autostraße in 20 Minuten zum Ort Forca di Penne (918 m). Am alten Wachturm gibt es die Rast mit Blick auf das schöne bäuerliche Hügelland im Osten.

 

Ein Fahrweg zieht entlang der beschilderten Nationalparkgrenze, nach 40 Min. ein Brunnen unter einer Riesenbuche auf 1000 m Höhe. Jetzt im Bauernland abwärts auf ständig wechselnden Wegen auf die markante Felswand mit dem Pizzo della Croce  zu. Beim Abstieg auf einem neu geschobenen Fahrweg werden die Lehmklumpen auf den Stiefelsohlen immer dicker.

 

Im Dorf Pescosansonesco  (639 m) Einkehr im Albergo Riparossa, in der nachgebauten Fontana Romana kann ich unsere Stiefel reinigen. Wieder auf ständig wechselnden Wegen in Brachland und in Bauernland mit Blick auf das bewölkte Maiellagebirge zur Stadt Torre de Pásseri, 178 m tief gelegen.

 

5:35 Std., 20 km, Aufstieg 600 m, Abstieg 940 m.

 

 

 

Gesamt: Gehzeit 33:00 Std., 102 km Wege mit ca. 3300 Hm Aufstieg.

 

 

 

Ein Frau zeigt uns den Weg hinauf zur Pension Aurora, dem einzigen Quartier im Ort. Am Haus angekommen fährt ein Auto vor. Es ist der Mann der Vermieterin und kommt gerade aus Bulgarien. Ein Anruf von ihm, ja, sie hat die Ferienwohnung mit Bad frei (60 €).

 

Nach zehn Minuten ist sie da, in bestem Bayrisch weist sie uns ein. Und beschwert sich über die Unsitte von manchen Gästen, die Zimmer zu reservieren, dann nicht zu kommen und nicht einmal abzusagen. Aus Griesstätt am Inn kommend lebt sie seit zwanzig Jahren hier, mit uns will sie natürlich ihr Bayrisch auffrischen.

 

Unsere Grande Traversata delle Abruzzi wollen wir so nicht weiter verfolgen, wir beschließen hier den Abbruch der Tour wegen des schlechten Bergwetters und wegen der fehlenden Wanderkarten. Es kommt uns die Idee von einer Autoreise durch die Abruzzentäler mit Bergtouren von einem Standquartier aus.

 

Das haben wir tatsächlich vom 21.09. bis 2.10.2009 ausgeführt. In der ersten Woche waren wir wegen des Regenwetters und penetranten Hochnebels meist auf Autotour, in der zweiten Woche aber waren wir bei gutem Wetter auf den hohen Bergen unterwegs. Doch am 29. Juni fahren wir ab Torre de Passeri mit Bahn und Schiff nach Korsika und gehen dort bei schönstem Wetter zum dritten Mal den GR 20.

 

Fotos von Hans Diem

 

 

Erschienen in "Wege und Ziele" Zeitschrift des Vereins

Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 30 - Dezember 2009

 

 

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