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a n d e r b e r i c h t e - N o r w e g e n
Inhaltsverzeichnis:
• Wandern in Norwegen - Auf Schneeschuhen
durch die
Femundsmrka in Mittelnorwegen
Von Roland Knauer
Wandern
in Norwegen –
Roland
Knauer durchquerte auf Schneeschuhen die Femundsmarka in
Mittelnorwegen
Ein
Bericht aus Nr.19 - Dezember 2006 von „Wege
und Ziele“,
der
Zeitschrift von „Netzwerk
Weitwandern e.V.“
Steifgefrorene
Hosen und Notunterkünfte
Auf
Schneeschuhen durch die Femundsmarka in Mittelnorwegen
Von
Dr. Roland H. Knauer
Endlich.
Am Ende des Muggsjölija-Sees tauchen im Wald einfache Blockhäuser auf. Für
eine Nacht stehen die Holzfällerhütten von Muggsjölia auf der norwegischen
Seite der Grenze zu Schweden Wanderern offen. Der Wanderer ist heilfroh, diese
primitiven Unterkünfte in Mittelnorwegen zu erreichen, quatscht doch Wasser in
seinen Schuhen, drohen bei minus sechs Grad und eisigem Wind seine Zehen zu
erfrieren. Eine Stunde und drei Kilometer vor den Hütten ist er mit samt seinen
Schneeschuhen in den Nedre Muggsjöen-See eingebrochen. Zum Glück am Ufer, nur
bis zu den Knien reicht das Wasser. Mit Mühe wuchtet sich der Mann wieder aufs
feste Eis, stapft ans Ufer. Es ist nicht einfach, in einer Schneewehe im
Schneesturm auf Schneeschuhen balancierend eine steif gefrorene Hose auszuziehen
und eine trockene anzuziehen. Trockene Ersatzschuhe gibt es natürlich keine.
Also weiter, bis zur nächsten Notunterkunft, nach Muggsjölja. Zwei Pritschen,
zwei Schaumstoffmatten, ein Tisch, ein gusseiserner Ofen – so sieht ein
Lebensretter aus.
Holz
liegt bereit, Papier ist im Rucksack trocken geblieben. Mit einiger Mühe
bringen klamme Fingern ein Feuer in Gang.
Drei Stunden später sieht die
Situation schon besser aus. Über dem Ofen baumeln Hosen, Socken und Schuhe zum
Trocknen. Mollige Wärme macht sich in der primitiven Hütte breit, von minus
fünf Grad hat der kleine Ofen auf plus zehn Grad aufgeheizt. Die kleine
Notunterkunft hat sich als Retter in der Not erwiesen, eine andere Hilfe kann
man in der Einsamkeit der Femundsmarka nicht erwarten. Denn hier ist kaum jemand
unterwegs – gerade einmal zwei Menschen hat der Wanderer in zwei Tagen bisher
getroffen.
Dabei
ist Anfang April die ideale Jahreszeit, um auf Schneeschuhen durch den hohen
Norden zu stapfen. Tagsüber klettert das Thermometer schon bis in
Gefrierpunktnähe, während im Januar minus 45 Grad keine Seltenheit sind. Ein
Meter Schnee gibt eine gute Unterlage für Schneeschuh- oder Skiwanderer. Fein
säuberlich wie Perlen auf einer Kette aufgereiht schmücken kurze
Holzstückchen die unberührte weiße Schneedecke, durch die der Wanderer am
nächsten Tag stapft. Irgendwie seltsam, was mag das eigentlich sein? Nach
einiger Zeit dämmert die Erkenntnis: Ein Lattenzaun, der fast vollständig
eingeschneit ist.
Im
Sommer gattern die Norweger hier ihre Kühe ein. Richtig, ein paar Meter weiter
taucht aus dem Schneesturm auch schon die Alm Fjölburösta auf. Schöne
Blockhäuser, mit Schneewehen bis zum Dach. Wie Sanddünen in der
Sahara ziehen
sich Schneedünen auf der vom Wind abgewendeten Seite etliche Meter weit auf die
meterhoch verschneite Wiese vor der Hütte. Der Schnee reicht weit über die
hölzernen Fensterbretter im Erdgeschoß. Der Wind bläst das Grasdach
weitgehend frei, heult wie in einem Gespensterschloß um die Ecken. Trotzdem,
der Wanderer ist froh, sein Tagesziel erreicht zu haben. Der eiskalte Wind hat
ihm alle Wärme aus dem Leib geblasen, der Rucksack drückt schwer auf die
Schultern. Aber keine der Hütten ist bewirtschaftet, deshalb muss man neben der
ohnehin umfangreichen Ausrüstung für eine Wintertour auch noch die gesamte
Verpflegung für eine Woche mitnehmen.
Das
Abendessen entschädigt für alle Mühsal. Schmeckt es doch viel besser als jede
Hüttenmahlzeit in den Alpen. Das Ambiente drum herum stimmt obendrein.
Schließlich wurde Fjölburösta 1845 gebaut und das ganze Jahr über als
Bauernhof bewirtschaftet. Seither hat sich in der Stube wenig geändert, die
jetzt als Winterraum dient. Schon damals gab es hier wohl ein Himmelbett, eine
Anrichte, einen hölzernen Tisch und acht wackelige Stühle, Petroleum-Lampen
und ein ausziehbares Holzbett. Das ist allerdings ein wenig neueren Datums und
wurde erst 1849 im nahen Feragen geschreinert. Seit einigen Jahrzehnten wird
Fjölburösta allerdings nur noch
als Alm zwei oder drei Monate im Sommer
bewirtschaftet, in den anderen Monaten steht eine Stube Wanderern als Winterraum
offen.
So
richtig gemütlich aber wird es dort nicht, kommt doch der bullige, gusseiserne
Ofen kaum gegen die bittere Kälte des Schneesturms an. Auch der nagelneue Kamin
in der Ecke aus dem Jahr 1990 kann die Temperatur nicht über die
Null-Grad-Marke hieven, so stark pfeift der Wind durchs Haus. Jeder Windstoß
treibt einen neuen Schwall Frostluft durch die vielen Ritzen und Spalten im
Gebälk des Fjölburösta-Bauernhofes. In eineinhalb Jahrhunderten ist das Holz
geschrumpft, Lücken öffnen sich in den Wänden des alten Hofes. Obendrein
haben sich an einer Außenwand fünf Meter hohe Schneedünen angesammelt,
bedecken die Fenster dort zu zwei Dritteln und verbreiten von innen betrachtet
ebenfalls das Gefühl eisiger Temperaturen. Das Holzfeuer lässt den Ofen zwar
kräftig bullern, drei Meter weiter aber sitzt der Schneeschuhwanderer auf einem
wackligen Stuhl am Esstisch und beäugt zitternd das Thermometer, das die
Null-Grad-Marke partout nicht passieren will. Immerhin, eingehüllt im
Daunenschlafsack kommt auf dem Bett zumindest ein gewisses Wärmegefühl auf.
Wenn es nur nicht so klein wäre. Vor 150 Jahren waren die Bauern eben kleiner
als heute. Also liegt der moderne Wanderer mit angewinkelten Beinen im
Himmelbett mit Einbauschrank oder im ausziehbaren Bett (leider nur in der
Breite).
Draußen
heult der Sturm weiter um die Hütte, weht Schneefahnen am Fenster vorbei und
macht den Weg auf
Schneeschuhen über Schneewehen zur eiskalten Latrine zur
Qual. Auch am nächsten Tag bläst der Wind heftige Schneeschauer vor sich her.
Vor allem im Wald fällt die Orientierung sehr schwer. Zwar gibt es einen
Wanderweg für den Sommer. Die Markierungen auf den häufigen Felsbrocken
am
Waldboden liegen jedoch unter einem Meter Schnee begraben. Peilt man mit dem
Kompass einen Baum an, der die weitere Wanderrichtung zeigt, gerät man schon
nach wenigen Sekunden ins Grübeln, ob man denn nun den rechten, den mittleren
oder gar den Baum ganz zur Linken anvisieren muss. Wenn man im Schneesturm
überhaupt weit genug sehen kann, um den Kompass sinnvoll einzusetzen.
Jedenfalls kommt man ziemlich rasch von der Richtung ab und befindet sich in den
weiten, flachen Wäldern hier an der Grenze zwischen Norwegen und Schweden bald
an einem ganz anderen Ort, als man es vermutet. Selbst einen im Winter nicht
benutzte Fahrweg überquert man bei guter Sicht, ohne ihn zu erkennen, so sehr
verwischt der meterhohe Schnee die Strukturen.
Nur
das GPS genannte Satellitenorientierungssystem hilft da weiter. Alle fünf
Minuten bestimmt der Wanderer mit dem Zigarettenschachtel-großen Gerät seine
Position auf weniger als hundert Meter genau. Auf der Karte orientiert er sich
dann, in welche Richtung er am besten weiter geht. Jetzt muss man nur noch fünf
Minuten versuchen die Richtung zu halten und diese Zeit nutzen, die erfrorenen
Finger wieder aufzuwärmen. Die braucht man gleich wieder, um erneut über GPS
die Position zu bestimmen und auszurechnen, wie stark
man inzwischen vom
geplanten Weg abgekommen ist. Eine Wanderung im Winterwald kann so ganz schön
nervig werden.
Viel
einfacher orientiert man sich dagegen auf zugefrorenen Sümpfen und Seen. Im
Sommer trennt das Wasser die Ufer voneinander. Ein paar Kilometer südlich von
Fjölburösta verbindet dann das kleine Motorschiff Femund II zwei Enden eines
Wanderweges miteinander, die beide an verschiedenen Ufern des Femundsees enden.
Im Winter aber ist alles anders. Tief verschneit und mit Eiszapfen behangen
liegt der Stahlrumpf wie ein gestrandeter Wal am Waldrand. Zwischen November und
Ende April bildet die Eisdecke des Sees einen hübschen Wanderweg für die
Einheimischen, die auf Tourenskiern die Gegend erkunden wollen. Alle hundert
Meter steckt ein meterhoher Fichtenzweig im Schnee und markiert die Richtung,
verirren kann man sich auf dem Eis kaum.
Aber
auch ohne solche Wegweiser orientiert man sich auf der glatten Struktur eines
Sees erheblich leichter als im Wald - auch wenn der Wind einen manchmal fast
umwirft. Zumindest wenn man rechtzeitig die Stellen erkennt, an denen
Strömungen das Eis brüchig machen, so dass man einbrechen könnte.
alle
Fotos: Roland Knauer
Informationen
zu Wanderungen in Norwegen liefert „Norwegian mountains on foot“, das der
norwegische Wanderverein DNT, Postboks 7 Sentrum, N-0101 Oslo für rund siebzig
Mark auf Bestellung gegen Bezahlung mit Kreditkarte zuschickt. Dort finden sich
auch Informationen über Hütten und vor allem über benötigte Wanderkarten,
die in Deutschland allerdings nicht so einfach zu erhalten sind. Hier hilft der
auf solche Dinge spezialisierte Versandbuchhandel Schrieb weiter (Schwieberdingerstr.
10/2, 71706 Markgröningen), der auf Anfrage auch Blattschnitte zuschickt, aus
denen man die benötigten Karten aussuchen kann. Ein gutes
Satellitenorientierungssystem (GPS) und Kompass gehören natürlich ebenfalls
zur Ausrüstung.
Schneeschuhe
erweisen sich in den Alpen als gutes Fortbewegungsmittel. In den Weiten
Skandinaviens zeigt sich aber rasch, dass auch der Anfänger hier mit Skiern
viel schneller voran kommt, da es nur leichte Anstiege und keine schwierigen
Abfahrten gibt. Unter diesen Bedingungen gleiten Skier einfach besser, während
der Schneeschuhwanderer mühsam durch das Weiß stapft.
Wandererfahrung
und sehr guten Orientierungssinn muß man auf jeden Fall in die Femundsmarka
mitbringen. Die weitere Ausrüstung entspricht der einer Skitour in den Alpen,
Verpflegung ist zusätzlich mitzunehmen.
Die
Anreise erfolgt recht bequem mit dem Zug, aus dem Norden der Bundesrepublik ist
man nach einem Start am Nachmittag in eineinhalb Tagen inklusive einer
Schlafwagen-Strecke in Røros. Viel schneller ist man mit dem Flugzeug auch
nicht, da man in Røros auf jeden Fall übernachten sollte, um auf den Schulbus
zu warten. Der fährt an Schultagen am frühen Morgen gegen Sechs Uhr vom
Bahnhof zum Femundsee. Auskunft gibt das Røros Reiselivslag, Peder Hiortsgt. 2,
P.O.Box 123, N-7461 Røros, Norwegen, Telefon: 0047-72410050, Fax: 0047-72410208
(die Mitarbeiter im Reisebüro sprechen alle Englisch) und das Norwegische
Fremdenverkehrsamt, Postfach 760820, 22058 Hamburg, Telefon 040-2294150, Fax
040-22941588.
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