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Zuletzt aktualisiert am: 21.08.08 |
Europ Alpen A AL AND B BG BIH BY CH CY CZ D DK E EST F FIN FL GB GR H HR I IRL IS L LT LV M MC MD MK N NL P PL RO RSM RUS S SK SLO TR UKR V YU
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a n d e r b e r i c h t e - S l o w e n i e n
Inhaltsverzeichnis: • Wanderberichte aus Slowenien Von Holger Knoch
• Slowenische Alpen-ÜberschreitungVon Hans Diem
• Bergauf & bergab durch Slowenien. Von Anton Gekle
Wanderberichte aus Slowenien von Pfingsten 2003 und 2004
Von Holger Knoch
Hiermit möchte ich zusammengefasst von unseren beiden etwa einwöchigen Wanderungen an Pfingsten 2003 und 2004 berichten. Dazu angeregt worden bin ich durch Wanderberichte von Lutz Heidemann.
Vorweg:
Slowenien ist ein wunderbares Wanderland. Auf kleiner Fläche finden sich
verschiedenste Landschaften von den alpiner Gebirgslandschaft, Karst,
Mittelgebirge, Flußtälern, Weinbaugebieten bis hin zum Meer. Die
Übrigens: Nirgendwo habe ich so viele Zecken eingefangen wie in Slowenien. Nach jedem Gang durchs hohe Gras oder durch zugewachsene Wege haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, unsere Hosen und Beine gegenseitig nach den Tierchen abzusuchen. Zeckenimpfung und Mitnahme einer Zeckenzange sind sehr empfohlen.
Die Pfingst - Tour 2003:
Durchwanderte Landschaften: Triglav-Nationalpark und Polhograjsko hribovje.
Der Triglav-Nationalpark als Teil der Julischen Alpen ist vielleicht noch bekannt, kaum dagegen das westlich von Ljubljana gelegene Polhograjsko hribovje. So dicht an der Hauptstadt gelegen und nur bis 1021 m hoch vermutet man gar nicht diese abgelegene, kleinteilige, bergige, teils alpin anmutende schöne Landschaft. Der E7 führt durch dieses Gebiet.
Busfahrt
von Lubljana zum wunderschönen See Bohinjsko Jezero im Triglav-Gebiet.
Wanderung zur aussichtsreichen Hütte Dom na Komni, dort Nächtigung.
Wanderung zur Hütte Pl. Dom pri Krnskih jezerih auf dem Weitwanderweg der Slowenischen Transversale und weiter auf schönem schmalen aussichtsreichen Pfad zur Hütte Koca na Pl. Razor, dort Nächtigung.
Abstieg via Planina Lom nach Tolmin, von Tolmin nach Most na Soci ein kurzes Stück getrampt, dort Nächtigung in einem Privatappartement. Besichtigung des smaragdfarbenen Flusses und Verzehr der hier angebotenen Soca-Forellen.
Nach einem Gewitter-, Regen- und Ruhetag Fahrt mit dem Bus nach Skofja Loka mit sehenswerter mittelalterlicher Altstadt. Bis hierher hätte man natürlich auch auf dem E7 von Tolmin in ein Paar Tagen weiterwandern können. Von Skofja Loka nun im Gebiet der erwähnten Polhograjsko hribovje bis zum Bauernhof Gonte (Agrotourismus, vorher in Skofja Loka im Touristenbüro reservieren lassen). Es handelt sich um eine empfehlenswerte Unterkunft in schöner Lage. Einzig der Sohn spricht englisch. In der Abendsonne noch 15 Minuten Aufstieg zum nahe gelegenen Gipfel Grmada. Die Gastgeber dort haben sich für uns um die nächste Etappenunterunft gekümmert.
Via Tosc in grossem Bogen nach Butajnova und schliesslich nach Samotorica . Dort Nächtigung in einer Art kleinem Vereins- oder Ferienhaus, die Gastgeber hatten extra eine englisch-sprechende Person aus dem Tal kommen lassen. Plötzlich spielte uns der Sohn des Hauses, vielleicht 7 Jahr alt, auf seinem Akkordeon Musik vor!
Abstieg ins Tal nach Horjul und Rückfahrt (wieder ohne Probleme zu dritt getrampt) nach Lubljana. Weiterfahrt ans Meer nach Istrien/Kroatien zur Badeerholung
Durchwanderte Landschaften: Diesmal gings durch Gegenden der Südsteiermark: Pohorje (zu deutsch Bachern) ist ein Mittelgebirge westlich von Maribor, etwas ähnlich dem Schwarzwald mit vielen Mooren, Moorseen, sehr viel Wald, wenig Weiden und guter Wanderinfrastruktur und Hütten. Die West-Ost-Durchquerung dauert drei Tage auf der Slowenientransversale. Im Gegensatz zu letztem Jahr, wo man um Pfingsten schon in die Alpen konnte, lag hier dieses Jahr teilweise noch Schnee! Wir haben deshalb in ein anderes Gebiet südlich von Ptuj gewechselt, ebenfalls Südsteiermark: das Weinbaugebiet Haloze mit einer sehr hügeligen, kleinräumigen, abwechslungsreichen Weinbaulandschaft. Die Häuschen sind meist auf den Gipfelchen und Hangrücken gebaut. An Wochenende oder zur Weinlese haben Buschenschenken geöffnet. Die im Buch von Senft (s.u.) beschriebenen ursprünglichen strohgedeckten Häuschen mit dem maroden Charme des Verfallens sieht man allerdings kaum noch. Vieles wurde neu renoviert und herausgeputzt. Es gibt eine offizielle viertägige Wanderroute durch dieses Gebiet (deckt sich meist mit dem E7). Ein deutsches Faltblatt gibt es im Tourismusbüro in Ptuj. Die Route wird auch im Buch von Senft beschrieben (wie auch die Pohorje-Überquerung).
Wir sind mit dem Bus von Maribor (sehenswert) nach Ruse an der Drava gefahren, dort Aufstieg zum Bannwald Sumik mit mächtigen Wasserfällen, dann zum schwarzen Moorsee Crno jezero und schliesslich Übernachtung in Trije Kralji/Stuhecov dom (einfaches Hotel ohne besonderen Charme); den ganzen Tag hat es strömend geregnet!
Weiterwanderung via Dom na Osankarisi (dort auch Übernachtung möglich) zur Wanderunterkunft Dom na Pesku.
Morgens
Aufstieg auf die Rogla. Vom Turm dort wunderbare Weitsicht auf ganz Slovenien.
Dann zu den berühmten Lorenzer Moorseen auf einer Hochebene gelegen und weiter
zum Berghaus Ribniska koca, dort Übernachtung.
Abstieg nach Ribnica. Unterwegs die sehr schön gelegene Unterkunft Koca na Pesniku, die wir uns fürs nächste Mal gemerkt haben. Busfahrt von Ribnica via Maribor nach Ptuj (Pettau). Besichtigung der sehenswerten Altstadt an der Drava (Drau) und Übernachtung in einem Hotel. Kauf der Haloze-Wanderkarte im Tourismusbüro.
Busfahrt nach Cirkulane, dort ebenfalls Beratung im Haloze-Tourismusbüro. Wanderung auf der Etappe 2 des erwähnten Haloze-Weitwanderweges nach Podlehnik. Leider viele Teersträßchen, allerdings kaum befahren. In Podlehnik am besten nicht im Motel übernachten sondern im empfehlenswerten Hotel am ruhigen nahegelegenen See. Der Wirt spricht perfekt deutsch und hat lange in Österreich gearbeitet.
Wanderung nach Naraplje, zum Glück mit viel weniger Teer. Hier gibt’s in der Nähe keine Übernachtungsmöglichkeiten. Uns hatte allerdings o.g. Wirt angeboten, uns am Ziel abzuholen! Auch am nächsten Tag hat er uns wieder nach Naraplje gegen ein entsprechendes Trinkgeld gefahren. Alternative: Mit dem Bus nach Ptuj und am nächsten Tag zurück.
Wanderung von Naraplje zur Donacka gora. Die Natur ist inzwischen waldiger geworden, nur noch vereinzelt Weinbau. Auch hier wurde uns unterwegs von einem Bauern selbstgemachter Weisswein angeboten. Übernachtung in der sympathischen Hütte Rudijev dom. Am Abend noch Aufstieg bei Nieselwetter durch Buchenbannwald auf die Donacka gora (881 m). Von der angeblichen fantastischen Aussicht hatten wir allerdings nichts, dafür eine märchenhafte Nebelstimmung.
Abstieg
nach Rogatec, Rückfahrt mit Bus und Zug nach Lubljana, am nächsten Tag
Weiterfahrt nach Istrien ans Meer (Rovinj).
Kartenmaterial: Die Wanderkarten der Planinska Zveza Slovenije 1:50.000: Triglav, Ljubljana in Okolica, Pohorje und die in Ptuj erhältliche Wanderkarte Ptuj/Haloze 1:75000.
Buch: Wandern in Nordslowenien von Hilde und Willi Senft, Leopold Stocker Verlag, 1995
Erschienen in "Mitteilungsblatt" Zeitschrift des Vereins Netzwerk Weitwandern e.V. Ausgabe 14 - August 2004
Slowenische Alpen-Überschreitung
Von Hans Diem
Hans Diem aus Garmisch-Partenkirchen ging im August 2000 in Slowenien auf dem Alpenweg Slovenska Planinska Pot von Maribor nach Ankaran am Mittelmeer in 32 Tagen auf 576 km Bergwegen und Steigen mit 43.000 Hm Aufstieg, er war 18 Mal über 2000 m Höhe, höchster Punkt war der Triglav 2864 m.
Ab dem Stadtrand von Maribor begann die Tour
gemütlich mit dem breitbuckligen Waldgebirge Pohorje
bis 1543 m Höhe, über sieben bewirtschaftete Hütten stiefelte ich 70 km meist
auf Fahrwegen nach Slovenj Gradec. Weiter mit Vergnügen in den östlichen Karavanke
über den Plesivec 1699 m und den Raduha 2062 m,
So sind wir zu dritt aus dem Savinja Tal aufgestiegen ins schroffe Felsgebirge der Kamniske Alpe, den Steiner Alpen mit 70 km Bergwegen und Felssteigen und sieben bew. Hütten. Igor hat per Handy den Gregor herbeigerufen, schon waren wir zu viert und flott unterwegs in den Felssteigen am Ojstrica, Turska gora, Skuta und Grintovec 2558 m. Leider musste ich gerade hier eine dicke Backe bekommen vor lauter Zahnweh! "Kein Problem" meinten meine slowenischen Begleiter. Igors Handy machte eine Auskunft beim Zahnarzt in Garmisch möglich, Joze verständigte seine Zahnärztin, Igors Vater kam mit dem Auto zum Treffpunkt im Tal und holte uns ab. Erst fuhr er uns an den Esstisch von Igors Mutter in Ljubljana, dann weiter zur Zahnbehandlung nach Radovljica. Jetzt war Joze dran, er hatte in Ljubno ein Zimmer frei für die Nacht, seine Waschmaschine hat meine Kleider gewaschen, und am nächsten Tag fuhr er mich zurück zu meiner Tour. Fantastische Leute! Von Jezersko aus habe ich noch die wilde Nordseite der Steiner Alpen erkundet und bin dann weiter gegangen über den Aussichtsgipfel Storzic zur Stadt Trzic (sprich Storschitsch und Trschitsch).
Auf dem Grenzkamm der westlichen Karavanke
ging ich flott über drei Gipfel bis 2236 m Höhe hinweg nach Mojstrana auf
55 km Bergwegen mit vier bew. Hütten. Jetzt wurde es sehr alpin in den Julijske
Alpe, den Julischen Alpen, auf 145 km Bergwegen und Felssteigen zwischen
Mojstrana und Petrovo brdo mit 17 bew. Hütten. Fünf Tage lang war ich bei
gutem Wetter im schroffen Felsgebirge teils auf ausgesetzten Steigen und unter
vielen Leuten unterwegs, stand auf dem Triglav 2864 m, dem höchsten Berg
Sloweniens, auf dem Bovski Gamsovec, dem Sedlo planja mit einem nervigen
Abstieg, dem Prisank und dem Jalovec. Dagegen waren die drei Tage im
blumenreichen Krn-Gebiet bis 2244 m Höhe und der Tag auf dem Rodica-Kamm bis
1966 m Höhe erholsam.
Das Kras-Gebirge ist ein waldreiches Mittelgebirge bis 1630 m Höhe mit vielen Einödbauern und gehört schon zum Dinarischen Gebirge. 200 km Wege und Fahrwege waren es von Petrovo brdo zum Mittelmeer mit vier bew. Hütten und Pensionen in den Orten. Sieben Tage war ich hier einsam unterwegs, begeistert vom Land und den netten Leuten. Am 31. Tag abends stand ich auf dem letzten Gipfel, dem Slavnik 1028 m, 20 km vor der Küste. Und das Mittelmeer, die Bucht mit Koper und Ankaran lagen vor mir bei untergehender Sonne, eine passende Abschiedsstimmung zum Ende der Tour.
Alle Slowenen zeigten sich sehr erfreut über mich, den Gast aus Bayern, der auf ihrer Transverzala unterwegs war. Sie wollten wissen, warum nicht öfter Deutsche auf ihre Sonnenseite der Alpen kommen, wo doch viele Leute und alle Wirte deutsch reden, wo so viele Hütten offen sind, wo ruhige Waldgebirge sich mit wilden Felsgebirgen abwechseln. Dober dan Slovenja, also ich komme bestimmt wieder.
Bergauf & bergab durch Slowenien. Erinnerungen an unsere Weitwanderung vom 4.7. – 11.7.98.
(Punktesuchen in Slowenien)
Von Anton Gekle
Dem Fleckerlteppich unserer bisherigen Wanderungen durch Europa wollten wir wieder mal ein schönes Stück hinzufügen. Den Mittenteil des Nord-Süd-Weitwanderweges E5 – Ostsee-Wachau-Adria hatten wir größtenteils schon intus, der südliche Abschnitt fehlte noch und lockte daher entsprechend. So sollte unsere jährliche Weitwanderung diesmal in Eibiswald in der Untersteiermark beginnen und uns quer durch Slowenien, nach Rijeka an die sonnige Adria führen. Was einen normalen Zeitgenossen zu solch eintöniger Schinderei bewegt, wird man des öfteren gefragt. – Einfach tagelanges Dahingehen in Gegenden wo rein gar nichts los ist und dies häufig auch noch bei Schlechtwetter ?!?! Hier der Versuch einer Antwort, vor allem meiner persönlichen Antwort: Ganz vorne zu nennen ist bei mir die Liebe zur Bewegung, zum Gehen, zum Gehen in die Weite, ohne Zeitdruck, in völliger Freiheit, ohne kurzfristige Wiederkehr. Das Überwinden von Schwäche und kleinen Wehwehchen mit gleichzeitiger Zunahme von Robustheit wird nach 1-2 Tagen immer wieder zu einem guten Gefühl. Ganz wichtig ist natürlich auch die Naturliebe, das intensive Schauen in der Langsamkeit des Gehens. Viele der Wege kann ich noch in Gedanken nachgehen, all die Bergwiesen, Wege, Steige, Gehöfte und Marterln, ich sehe noch die Blumen und die Bäume. Wie intensiv kann man Übergänge erleben: • z.B. die Zunahme von Wärme auf dem Abstieg vom Waldviertel ins Donautal.
•
Die allmähliche Änderung der Vegetation vom Fichtenwald über den
Laubwald zu den Weingärten oder von satten grünen Wiesen hin zu verkarsteten Regionen. • Die allmähliche Änderung von Baustilen, von Bauernhöfen und Kirchen. Freude bereiten auch immer wieder die Begegnungen mit Menschen, wobei in der Abgeschiedenheit auch die kleinen Dinge mehr Wichtigkeit bekommen. Wir haben schon viel Nettes erlebt, wenn wir verschwitzt oder durchnäßt daherkamen und nach Weg oder Quartier fragten. Überhaupt ist das Ganze eine gute Methode, fremde Gegenden und Länder intensiv kennenzulernen, sozusagen von innen her.- Meine typisch österr. Vorurteile gegen die Italiener habe ich erst durch unsere 2 Wanderungen in Ligurien abgelegt, sie sind dort irgendwo hängengeblieben. Auch die leiblichen Genüsse sollten hier nicht vergessen werden.- Nach 8 Stunden bergauf und bergab zischt jedes Bier optimal und den Bauch darf man sich auch ohne Reue vollschlagen. Nicht zuletzt ist das jährliche Wiedersehen eine schöne Sache. Das erste Abtasten das wieder vertraut werden, der alte Schmäh, die Abende in der Hütte oder der Kneipe. Sa, 4.7.98 München-Hallein-Eibiswald-Radelje. Sepp und Christian sind schon
ganz früh unterwegs. Fast zu pünktlich tauchen sie kurz vor 7.00 bei
mir in der Rehhofsiedlung auf und ich gerate in eine ungewollte Hektik, da ich
mit dem Packen noch nicht ganz fertig bin. Immer dieser Entscheidungsstreß.
Mitnehmen oder nicht, kein Gramm zuviel bitte, aber fehlen sollte auch nichts!
Sepps Sportwagen bekommt für 1 Woche einen Ehrenplatz in der Garage und Maria
bringt uns zum Halleiner Bahnhof. In Graz heißt es dann Umsteigen und mit der
Lokalbahn geht´s gemütlich weiter bis zum Bahnhof Wies-Eibiswald. Was wir
leider nicht wußten, ist die Tatsache, daß es von Wies bis Eibiswald ca. 5 Nach einigem Herumlaufen finden wir Quartier in einem ganz passablen Gasthof. Zum Abendessen wird an unserem
Tisch ordentlich aufgetafelt. Es gibt Fisch, Kalamaris, Beef Stroganoff und auch
einige „Zlatorog“, das heimische Bier. Danach schlendern wir im Ort umher. Gleich neben dem Wirt spielt im Freien eine Kapelle slowenische Volksmusik und in den Bars laufen die Fernseher. In einer davon bleiben wir hängen und verfolgen das WM-Spiel Deutschland-Kroatien. Leider kein Erfolgserlebnis für uns und die Deutschen, aber die Einheimischen in der Bar trösten uns eher. Wir bekommen Einblick in die hiesige Sympathielage, denn ein kleiner, drahtiger Slowene erklärt uns, daß hier keiner den Kroaten den Sieg gönnt. So, 5.7, Radelje-Mala Kopa-Letalise: Nach einigem Warten bekommen wir ein gutes Frühstück, bezahlen das nicht gerade billige Quartier und machen uns auf den Weg. Wir wissen aus unserem Führer, daß es kein kurzer und angenehmer sein wird. Wir durchwandern ausgedehnte Wiesen und überqueren dann die Drau, die hier schon ein ganz ansehnlicher Fluß ist. In Vuhred, einem kleinen Bauerndorf, irren wir etwas hin und her und finden schließlich den schlecht markierten Weg, der uns mitten durch einen verhüttelten Bauernhof, am gefährlich an der Kette zerrenden und kläffenden Hund vorbei, in den Wald führt. Wie immer empfinde ich es als schön, wenn die Menschenlandschaften verschwinden und wir in die Stille einer größeren Waldlandschaft eintauchen. Es geht nun stramm bergauf, wir verfallen in unseren monotonen Gehrythmus, jeder seinen Gedanken nachhängend. In Sveti Anton, einem romantischen Bergkirchlein, legen wir die erste Jausenpause ein. Während wir unsere Brote und Drinks einnehmen tauchen einige Autos auf und die Insassen, meist ältere Menschen mit ernsten Gesichtern, eilen der Kirche zu. Eine Weile noch genießen wir den Blick in das Drautal und das weite Bergland ringsum und verlassen dann diesen irgendwie verwunschen wirkenden Ort. Leider führt uns der Weg
zuerst wieder ein schönes Stück bergab, dann einen weiten, leicht steigenden
Bergrücken entlang durch Wiesen und Bauernland. Bei einem der letzten Gehöfte
läuft uns ein junger, aber ziemlich großer Schäferhund zu. Zuerst haben wir
unseren Spaß mit ihm, als wir ihn jedoch nach einiger Zeit Der Weg bergab zieht sich und
wir verlaufen uns auch mehrmals. Als wir nach einiger Zaunkletterei den Talboden
erreichen, merke ich, daß ich meine Jeanskappe verloren habe. Angesichts meiner
schütteren Haarpracht mit der latenten Gefahr eines Sonnenbrandes ist dies ein
unersetzlicher Verlust und ich gehe angefressen zurück um sie zu suchen. Ich
finde sie nicht und plage mich also unter und über mehrere elektrischen Weidezäune
retour nach unten. Sepp und Christian sind auch nicht am vereinbarten Platz. Verärgert
gehe ich ihnen nach und hoffe, daß ich auf dem richtigen Weg bin, denn das ist
auch nicht ganz klar hier. Knapp nach einem Hof vernehme ich plötzlich ein heftiges Flattern und Rauschen und empfinde einen starken Schlag in der linken Kniegegend. Ich greife hin und sehe eine Hand voll Blut, gleichzeitig merke ich, daß ich immer noch von einem stinknormalen Hahn angeflogen werde. In meiner ersten Wut möchte ich den immer noch wie wild angreifenden Hahn zertreten, doch ich beschränke mich letztlich auf mittlere Abwehrtritte, da ich mich von den Höfen ringsumher beobachtet fühle. Humpelnd hole ich nun Sepp und Christian ein und habe das Gefühl ernstlich verletzt zu sein. Ich wasche mich im nahen Bach, Christian desinfiziert die „Wunde“, ein kleines rundes Loch. Die beiden haben natürlich eine Mordsgaudi! Toni, das Opfer eines slowen. Kampfhahnes! Wie ich jetzt erfahre, hat Christian, unser Naturexperte, den Hahn vorher wild gemacht. Wie dem auch sei, wir ziehen weiter um diesem nun schon ziemlich langen Wandertag ein Ende zu bereiten. „Letalise“ auf unserer Wanderkarte ganz dick eingezeichnet, müßte eigentlich schon da sein. Wir fragen mehrmals und werden immer wieder in eine Richtung geleitet, wo es so gar nicht nach Ortschaft aussieht. Letalise entpuppt sich nach der ausgedehnten Schlußhatscherei als kleiner Sport-Flughafen mitten in der Einsamkeit. —Unser Plan läßt Unterschiede zwischen Orten und diversen anderen Sehenswürdigkeiten nicht wirklich erkennen! Mit Mühe und Not bekommen wir hier ein Quartier, eine winzige Blockhütte im Wald mit genau 3 Betten und einem klitzekleinen Waschraum. Für ein Abendessen müssen wir auch 3-mal nachfragen, schließlich gibt es aber doch ein Gulasch – aus der Dose, aufgewärmt! Bier und Wein haben sie gottseidank genug hier! Der Schlaf im kleinen Hüttlein ist nicht optimal, wir kämpfen wohl alle 3 mit der stickigen Luft und den wechselnden Schnarchgeräuschen. Letalise – Sleme: Das Frühstück bekommen wir
etwas spät, denn die „Camp-Lady“ kurvt erst so gegen 8h45 mit ihrem
Kleinwagen auf, dafür ist es dann aber ganz gut. – Kaffee, Semmeln, Wurst,
etc. Solchermaßen gestärkt starten wir in den jungen Tag. Es dauert mal
wieder, bis wir an einer Scheune die erste blasse Markierung finden. Nach
wenigen Kilometern schöner Wiesenwege verlieren wir sie aber schon wieder. Vor
der Ortschaft Smiklavz folgen wir leider den 3 weißen Querstrichen, die unsere
gelb-roten Punkte bisher fast immer treulich begleiteten, auf schönem Fahrweg
in einen lichten Wald. Irgendwann ist dann alles weg, kein Weg, keine
Markierungen, und wir laufen einfach nach Gefühl weiter, da wir keine Lust zur
Umkehr haben. Wir queren einen Bach, klettern auf steilen, rutschigen Böschungen
herum, wandern ziemlich lange eine schmale Landstraße entlang und landen schließlich
in Podolje, einem Ort, der nicht direkt an unserer Route liegt. Von hier aus
gibt es 2 Wegvarianten zum E6, erfahren wir von mehreren netten Leuten im Dorf.
Eine lange Asphalthatscherei direkt nach Razbor oder einen kürzeren Weg über
den Paß. Wir entscheiden uns für den Paß und ziehen halt mal wieder los. Tatsächlich
treffen wir oben dann auf unsere Markierungen, was doch jedesmal wieder eine
kleine Freude ist. Der Weg nach Razbor zieht sich dann allerdings endlos durch
offenes Bauernland einen Bergrücken entlang. Vor allem führt uns der Weg zurück,
Richtung Nord-Ost, und das stört! Wo wir hinsollen (S-W) klafft ein gewaltiges
Tal, tief und breit. Immer wieder zweifeln wir an der Richtung! Aber es hilft
nichts, wir können das trennende Tal nicht queren, sondern müssen es über den
hintersten Talschluß umgehen. Die Landschaft selbst ist sehr schön. In der
Ferne tauchen immer wieder mächtige Gebirgsstöcke auf, die näherliegenden
Bergspitzen sind häufig von idyllischen Kirchen oder Kapellen gekrönt. Über
all dem ein weiter, leicht bewölkter Himmel, warme Sommerluft und absolute
Stille. Die endlose Hatscherei wird uns durch ein Überangebot an reifen,
dunkelroten Kirschen versüßt, die uns mundgerecht von unzähligen Kirschbäumen
längs des Weges anlachen. Razbor (900m Seehöhe) durchwandern wir, weil wir keinen geeigneten Ort für eine Rastpause finden. Das soll ja schließlich Stil haben. Diesen Ort finden wir erst einige km weiter. Ein schöner Bergbauernhof mit Tisch und Bank unter einem riesigem Laubbaum und wunderbarer Fernsicht. Die Bauersleute grüßen recht freundlich und zeigen uns den Brunnen wo es herrlich frisches Wasser gibt. Wir jausnen hier ausgiebig und lassen unterdessen unsere durchschwitzten T-Shirts am Gartenzaun trocknen. Anschließend durchwandern wir auf 1130m Seehöhe die „Ciganija“. Es ist dies die Wasserscheide zwischen Kärnten und der Steiermark. So gegen 15h erreichen wir schließlich das Etappenziel Sleme, eine Mischung aus Gasthaus und Berghütte, inmitten einer weiten Wald- und Berglandschaft. Bis Morzirje wäre kein Quartier mehr zu haben, erfahren wir vom Wirt, und so beschließen wir hierzubleiben. Unser Zimmer ist ein wenig spartanisch, es gibt keine Brause und vor allem auch kein warmes Wasser. Aber was soll`s, wir freuen uns auf gutes Essen und Trinken. „Gulasch gibt es“, erklärt uns der Wirt. Wir sehen aber noch 2 andere Töpfe am Herd und wollen wissen, was da drinnen köchelt. - Gulasch hatten wir schließlich gestern bereits! Es gibt aber kulinarische Sprachprobleme! Der Wirt winkt plötzlich etwas entnervt ab, verschwindet in seiner Küche und erscheint gleich wieder mit allen 3 Töpfen an unserem Tisch und wir sehen auch gleich was drinnen ist. Man glaubt es nicht!!! Drei mal Gulasch?! Ein Topf Gulaschsuppe, ein Kuttelgulasch und eine Art Szegedinergulasch mit großen Bohnen. Sepp ist ein wenig pikiert, einfach nicht die feine englische Art. Da wir aber einen Mordshunger haben, hauen wir doch ordentlich rein in unsere 3 Gulaschtöpfe, wobei der Kutteltopf am wenigsten geleert wird. Später sitzen wir vor dem
Haus auf der Terrasse, genießen die schöne Fernsicht und reichlich auch den
Wein. Hier werden wir Zeugen der sonderbaren „Tierliebe“ unseres Wirtes. Er
prügelt sein kleines Hündchen, mit dem Di, 7.7.98 , Sleme - Maria Creta: Wir sind schon etwas früher unterwegs als gestern und es kündigt sich ein schöner Wandertag an. Auf weichen Waldwegen geht es leicht bergab. Weiter unten besichtigen wir eine Grotte, die auch in unserem Führer erwähnt ist. (Funde aus dem Tertiär). Anschließend wandern wir durch schluchtartiges Gelände talauswärts. Allmählich tauchen auch wieder vereinzelt Häuser und Gehöfte auf und überall werden wir von wild kläffenden Hunden begrüßt und verabschiedet. Nach ausgiebigem Anstieg sind wir wieder mal auf einem höheren Bergrücken und sehen unter uns das etwas belebter wirkende Sanntal. Eine große Kreuzotter, mitten auf dem Weg, jagt uns beim Abstieg einen ordentlichen Schrecken ein. Gott sei Dank ist sie schon tot und so kommen wir unversehrt in den hübschen Marktflecken Morzirje. Wir trinken Kaffee und ich kaufe mir eine neue Kappe. Wie
immer in verbautem Gebieten, irren wir dann ein wenig herum, bis wir
wieder den richtigen Anschluß finden. Wir überqueren die Savinja,
wandern durch Siedlungen und tauchen schließlich im Wald unter. Hier kommt nun
ein langer, gleichbleibend steiler Anstieg, der ziemlich schweißtreibend wirkt.
Wir gehen ihn verdammt zügig und ich denke, daß wir schon wieder ganz gut in
Form sind. Oben zeigt sich das Land leicht wellig, eine Art Hochfläche mit
vereinzelten Bauernhöfen. Bei einem dieser Gehöfte machen wir Rast. Mehrere Männer
werken So
gemütlich es hier auch ist, so müssen wir doch zur Kenntnis nehmen, daß noch
einiges an Wegstrecke vor uns liegt und daß der Himmel zunehmend dunkler wird.
Wir ziehen also weiter, die ersten Regentropfen fallen. Aus den ersten Tropfen
entwickelt sich nun leichter Dauerregen. Wir gehen schnell, um noch vor einem möglichen
Gewitter in Maria Creta anzukommen. Es nützt uns aber nichts, wir müssen uns
den höheren Mächten beugen. Gerade noch rechtzeitig vor dem wirklich starken
Regen stellen wir uns bei einer überdachten Scheuneneinfahrt unter. Auch hier
spielen zwei kleine Buben im Freien und sind offensichtlich schon klitschnaß.
Eine robust und energisch wirkende Frau holt sie schließlich in`s Haus. Sie ist
nett und bittet auch uns in die warme Stube. Wir lehnen dankend ab. Wir bleiben
im Unterstand und beobachten das schwere Gewitter mit seinen Begleitern: Wind,
Nebel, Blitz und Donner. Wir sind hier ziemlich im Zentrum des Geschehens. Plötzlich
wird es noch ein bißchen lauter. Ein Traktor taucht auf und tuckert langsam in
unsere Einfahrt. Der Fahrer winkt uns gleich zu sich und lädt uns in gut verständlicher
Zeichensprache auf einen Drink ein. – Das Wort Slibowitz ist uns ohnehin gut
geläufig. Wir lehnen wieder dankend ab! Warum eigentlich? Nachdem der Boss weg
ist, verziehe ich mich nach oben in die Tenne und verkrieche mich ein wenig in
einem Heuhaufen. Ich rieche das Heu, Ziemlich menschenleer erscheint uns die Gegend hier. Hauptsächlich durch Wald führt unser Weg, doch auch 2 Partisanendenkmäler und einige kleine Gehöfte lassen wir hinter uns. Fernsicht gibt es heute nicht, sodaß schließlich so gegen 16h30, ziemlich abrupt die Wallfahrtskirche Maria Creta vor uns auftaucht. Eine schönes, einsam auf einem Bergrücken dastehendes Bauwerk, umgeben von einer hohen Ringmauer. Natürlich ist sie abgesperrt, so dass wir uns mit einer Besichtigung von Außen begnügen müssen. Wir wissen, daß wir eigentlich schon am Etappenziel sind, trotzdem dauert es nun wieder etwas, bis wir uns zurechtfinden. Ein schmales Steiglein führt uns steil nach unten. Beim ersten Gehöft das wir sichten, wird gerade eine große Sau zerlegt. „Gibt`s heute Schweinebraten“, fragt Christian die arbeitenden Männer. Sie lachen, laden uns auf einen Slibowitz ein und wir lehnen schon wieder ab. Nach
einiger Fragerei und Sucherei sind wir dann am Tagesziel, einem unscheinbaren
Haus, angelangt. Schon ein wenig eine andere Welt hier. Vor dem Gebäude hängen
in einer Astgabel die metallischen Reste eines schweren Maschinengewehres.
Darunter ist auf einem flachen Stein, feinsäuberlich nach Größe geordnet,
jede Menge Munition zu besichtigen. Am Chef des Hauses, einem kleinen, drahtigen
Alten, fallen mir vor allem seine wachen Augen und seine schmuddelige, alte
Uniformjacke auf. Er schmunzelt immer ein bißchen beim Reden (gebrochenes
Deutsch) und wir erfahren schließlich von ihm, daß wir in einer eigenen Hütte
untergebracht Sepp findet Brennholz hinter dem Haus und gemeinsam setzen wir beide den kleinen Gusseisenofen in Gang, bis es nur so prasselt und knackt. Christian entdeckt den Schalter für den El - Boiler, so dass wir bald darauf auch noch warmes Wasser haben. Bevor wir es uns aber so richtig gemütlich machen, gehen wir noch zum „Alten“ rüber, da wir einen ordentlichen Hunger haben. Meine Hoffnung auf eine kräftige Bauernmahlzeit zerschlägt sich rasch! Eine „Eierspeis“ könnten wir haben, erklärt uns der Alte in unverkennbar altösterreichischem Dialekt. Wir sitzen also auf der kleinen Eckbank und löffeln unsere Eierspeise zu je 4 Eiern, aufmerksam beobachtet von der kompletten Familie, die gegenüber an der Außenwand auf einzelnen Stühlen Platz genommen hat. Christian unterhält sich recht unbefangen mit den Leuten, sein breites Bayerisch paßt irgendwie gut hierher. Der Alte erzählt in seinem schwer verständlichen Dialekt von den strengen Wintern hier, vom Wild und seiner Jagdbegeisterung. Irgendwie wirkt er auf mich wie ein Kommandeur. —Wenn er spricht, verstummen alle anderen sofort, vor allem auch seine mindestens um einen Kopf größere Ehefrau. Einer seiner blassen, hochgewachsenen Söhne ist übrigens Germanistikstudent in Maribor und dementsprechend werden wir von dem freundlichen, jungen Mann recht gut informiert. Den späteren Abend verbringen wir dann in unserer inzwischen schon warmen Hütte bei einigen Bieren. Der Schlaf im Massenlager oben ist o.k., wir haben viel Platz. Mi, 8.7, Maria Creta – Moravce: Wir
säubern unsere Behausung recht ordentlich und marschieren gleich
„reisefertig“ rüber zum Chef. Wir Ja, es war etwas zu weit bergab! Wir müssen ein ordentliches Stück bergauf zurücklaufen, kommen dabei gleich frühmorgens ins Schwitzen, diskutieren und ärgern uns über den Zeitverlust. An einer Scheune, gar nicht mal so leicht zu übersehen, finden wir dann wieder einen unserer rot-gelben Kreise. Das Land ringsum erinnert immer noch an Kärnten oder die Obersteiermark, nur etwas verschlossener, unbesiedelter. Laut unserem Wanderführer queren wir hier auch irgendwo die alte Landesgrenze zwischen Krain und der Untersteiermark. --Geschichte! Lange
wandern wir durch dieses schöne Land und kommen erst gegen Mittag wieder tiefer
runter in die Ortschaft Motnik, die schwer einsehbar zwischen den Waldbergen
liegt. Hier wird eine Straße gebaut und wir müssen, um in den Ort zu gelangen,
eine breite Schlammfurche queren. Am Brunnen vor dem Friedhof reinigen wir
unsere Schuhe von dem zähen, roten Schlick. Ich glaube, wir haben alle 3
völlig durchnäßte Schuhe. Kirchenbesichtigung von außen, vorbei am
Partisanendenkmal und rein in den Ort, in dem wir einiges erledigen können:
Telefonieren, Einkaufen, Gasthausbesuch. Beim Weitergehen ärgern wir uns dann,
daß wir nicht doch in diesem Gasthaus gegessen haben. Das Menü (handfeste
Fleischpflanzerl mit vielen Beilagen) war verlockend Nach dem nächsten Abstieg holt uns die Zivilisation wieder ein. Ziemlich unvermittelt stehen wir plötzlich an der Schnellstraße Wien-Marburg-Laibach. Zuerst durchwandern wir noch die Ortschaft Trojane, müssen dann aber mangels eines geeigneten Weges diese leicht bergauf führende Hauptstraße einige Km entlangwandern. Selten habe ich einen derart ununterbrochenen Fahrzeugstrom, das Vorbeidonnern von Schwerfahr-zeugen, all den Lärm und Gestank, belastender empfunden als hier. Oben am Sattel, zweigen wir Gott sei Dank nach links ab und sind bald darauf wieder in einem Waldgebiet unterwegs. Die Landschaft ändert nun endgültig ihr Gesicht. Wir queren mit mageren Kiefern bewachsene Sandhänge und Karsttrichter, die uns nun zu einer etwas belebteren Landschaft hinführen. Malerische Bildstöcke häufen sich, auch die kleine Ortschaft Borje mit schöner Kirche lassen wir an diesem Mammutwandertag hinter uns. Danach geht es wieder aufwärts und mitten im Wald, auf einer Hügelkuppe taucht so gegen 15h das Bergkirchlein Golcaj auf. -- Einer der Plätze, die im Gedächtnis bleiben. Wir
jausnen und trinken, betrachten Bauwerke und Gegend. Ziemlich nahe im Norden ist
eine relativ schroffe Gebirgskette zu sehen, und ferne im Westen ein
schillerndes, imposantes, vermutlich schneebedecktes Hochgebirge. Ich denke, im
N sind es die Karawanken und im W das Triglav-Massiv. Sepp bezweifelt ein wenig
meine Geographiekenntnisse, aber was soll`s? Hauptsache wir sehen das alles! Wir
räkeln uns im weichen Gras, die Sonne bescheint uns warm, die Zeit scheint
stillzustehen. Sepp drängt nun schon ein bißchen, Christian und ich können
uns fast nicht losreißen von hier. Endlos zieht sich heute der Weg und wir
kommen nun Die Sonne brennt, der Rucksack drückt und ich wundere mich schon ein wenig über die gute Kondition von Sepp und Christian. Christian, mit obligater Blume im Strohhut, zieht stoisch seine Bahnen und Sepp ist, wie fast immer, locker und aufmerksam unterwegs. Haben die beiden heimlich trainiert oder sind es die Stöcke die sie benutzen? Werd ich`s das nächste Mal halt auch versuchen und den zusätzlichen Kram mitschleppen! Die Serpentinen bis zur Kirche ziehen sich und wir freuen uns schon unbändig auf ein Bier. Leider wieder eine Fehlkalkulation, Kirche und Wirtschaft sind geschlossen. Unter uns im Tal sehen wir einige Ortschaften und mit der Hoffnung auf ein rasches Ende dieser Tagesetappe wandern wir bergab. Von einem älteren Mann, den wir um Auskunft fragen da es wieder mal so gut wie keine Markierungen gibt, werden wir auf Getränke eingeladen. Wir wollen aber nicht zurück nach L.G. und so gehen wir weiter bergab und sind alsbald wieder weit entfernt von Weg und Markierungen. Nach längeren Beratungen schlagen wir uns querfeldein durchs Gelände, ca. Richtung Süden. Nach einer Weile gelangen wir an eine schmale Asphaltstraße und wandern diese bergab, ohne wirklich zu wissen, wo es hingeht. Ein Mann, der an seinem PKW herumwerkelt, erlöst uns endlich aus unserer Unsicherheit, der Weg bergab ist richtig. Bier mag ich jetzt bei dieser Hitze und Müdigkeit keines, und so bringt mir dieser nette Mensch eine große Flasche kalte Limo. - Wohltuende Aufmerksamkeit in mehrfacher Hinsicht! Die Asphaltstraße zieht sich auch noch recht ordentlich und zum erstenmal in diesen Tagen melden sich meine Hüftgelenke recht unangenehm. Erst am späten Nachmittag erreichen wir Moravce, einen etwas größeren Ort mit k.k. Flair. Die
Quartiersuche wird, entgegen unserer ersten Einschätzung, doch wieder zum
Problem. —Alles zu hier!! Schließlich
landen wir im Hinterhof eines altehrwürdigen Gasthofes, wo wir fast eine Stunde
lang herumhockend, Es schmeckt und gefällt uns hier und auch der Durst eines langen Wandertages wird ausreichend gelöscht. Laut Streckenbeschreibung waren wir 34 km bei insgesamt 1029 Höhenmetern unterwegs. Einige km können sicher für unsere diversen Herumirrereien zugerechnet werden. Den Heimweg nutzen wir noch für eine Ortsbesichtigung. Auffallend sind hier die wunderschöne Barockkirche mit dem Doppelturm und die endlosen Namenslisten auf dem Kriegerdenkmal für die Opfer des zweiten Weltkrieges. Geschichtliche Hintergründe würden mich hier interessieren! Do, 9.7, Moravce – Grosuplje: 31 km, 1199 Höhenmeter, 9,5 h, sind die nüchternen Daten aus unserem Tourenbuch. Um
7 Uhr bekommen wir bereits das Frühstück in der behaglichen Gaststube unseres
Wirtes. Baut schon auf, so ein heißer Kaffee und all das Drumherum, das zu
einem richtigen Frühstück gehört. Christian, der Antiquitätensammler,
entdeckt über der Bar sehr seltene, altbayerische Bierkrüge, worauf wir vom
Wirt Nach ca. 2 km Flachetappe beginnt wieder ein steiler Weg mit ca. 4 km Länge, den wir aber locker und ohne Aufenthalt durchmarschieren. Oben, mitten im Wald, folgen wir den deutlich frischeren Markierungen die uns wieder steil nach unten führen. Wir dürften uns dadurch die Anhöhe Miklavc mit Bergkirchlein „erspart“ haben. Macht uns aber gar nichts, wenn ich daran denke wie viele Retour-und Suchkilometer wir schon gelaufen sind. Nach schönen Heuwiesen durchwandern wir das Dörfchen Velika Vas, eine ländliche Idylle, und queren danach die Hauptstraße Litija-Lubjana. Wir gönnen uns eine kurze Rast und marschieren anschließend über eine originelle, überdachte Holz-Hängebrücke über den hier bereits erstaunlich breiten Save Fluß. Wieder führt uns der Weg aufwärts, Namen und Landschaften ziehen an uns vorbei, jedoch alles etwas wärmer und südlicher als zu Beginn. Die Hauptstadtnähe wird allerdings auch spürbar: Asphalt, Kulturlandschaft und Besiedelung nehmen zu.- Verglichen
mit den hiesigen Ballungszentren allerdings immer noch viel freies Land. Am frühen
Nachmittag kehren wir bei einem idyllischen Berggasthof ein. Ich bestelle ein
mir unbekanntes Gericht und bekomme wieder das obligate Krautgulasch mit Bohnen.
Im Übrigen ist es für uns schon verblüffend, wie oft und intensiv man in
diesem Land an den Partisanenkrieg erinnert wird. Vor dem Gasthof sind mehrere
Denkmäler und Schautafeln zu besichtigen. In einem hinteren Stüberl des
Gasthofes entdecke ich eine Art Fotoausstellung. Ich sehe die Menschen, die
damals lebten, handelten, litten oder auch fröhlich waren!? Durchwegs junge
Menschen in Uniform, auch viele Frauen darunter, meist mit offenen, lachenden
Gesichtern. An einer großen Landkarte kann Die Karawane zieht weiter, im Verlaufe des Nachmittages werden die gelben Punkte wider rar und irgendwann sehen wir nur noch weiße. Bei einem Wirt auf einer weiteren Bergkuppe erfahren wir dann, daß wir nicht mehr auf dem E6 sind. Genaugenommen sind wir ein Tal zu weit gelaufen. Zwischen uns und dem Weg auf dem gegenüberliegenden Höhenzug liegt ein tiefer Graben. Nach umfangreichen Diskussionen, Wegsuchereien und Kartenstudium, wandern wir einfach die schmale Asphaltstraße entlang bis Police, wo wir wieder auf den E6 stoßen. Schnell geschrieben, doch in Wirklichkeit war dies eine arge, lange Asphalt-Hascherei. Wir verlieren den Weg allerdings nach Polica recht schnell wieder, denn hier beginnt bereits das typische Straßen-Autobahn-Neubaugewirr aller Randbezirke größerer Städte. Bei der 1. Info heißt es, nur noch ca. 2 km bis Grosuplje! Dann kommt diese kleine Brücke mit dem geknickten weißen Pfeil nach links. Rechts sind einige ältere Gebäude zu sehen, kein Mensch weit und breit. Ich überlege auch noch, in einem der Häuser die Leute nach dem rechten Weg zu fragen. Ich lasse es aber bleiben, der geknickte Pfeil scheint uns eindeutig und wir marschieren auch längs einer sumpfigen Wiese, die in unserem Führer erwähnt ist. Bei
der 2. Info (ca. 20min später) sind es dann noch ca. 3 km bis Grosuplje. Unsere
Nerven beginnen zu vibrieren und dies umsomehr, da das Gebiet wieder total
abgelegen erscheint und wir auch genau wissen, daß wir bei der Brücke falsch
gelaufen sind. Doch es gilt die eherne Weitwanderregel: Gehe nie einen Meter zurück!
Eine weitere ¼ Stunde später, es geht nun auch noch stramm bergauf, erfahren
wir von einer Mountain-Bikerin, dass es noch 4-5 km bis Grosuplje wären.
Diese Information stellte sich letztlich als richtig heraus. Wir waren fast schon da, umwanderten aber als Fleißaufgabe einen bewaldeten Bergrücken Wir nähern uns nun daher von Süden aus der Stadt. - So geschafft waren wir noch nie in diesen Tagen. Mit brennenden Füßen (ich auch noch mit Hüftschmerzen) schleppen wir uns in den Ort. Ungefähr in Ortsmitte dann das große Hotel.- Die Rezeption im 1. Stock entpuppt sich als neue Bankfiliale. - „Nix mehr Hotel hier!“ - Ach je, erst mal einen Drink in der kleinen Bar unten. Die Barfrau telefoniert ein wenig für uns herum und schließlich haben wir unser Quartier. Ein älterer Mann begleitet uns dahin, einem neuen Hotel am Stadtrand mit 4 od. 5 Sternen. Der Preis ist uns wurscht, obwohl wir nicht mehr ganz liquid sind und unbedingt eine Bank oder einen Bankomat brauchen. Jeder hat nun sein eigenes Zimmer mit Bad, TV und allem Drumherum. Nach mehreren Tagen sanitärer Unterversorgung ist das schon auch ein Genuß. Nach dem Duschen entdecke ich an meinem hinteren Hodensack, wo ich ohne Spiegel nichts sehen kann, eine eigenartige Verdickung. Sepp, der Hausarzt, diagnostiziert einen ausgewachsenen Zecken, der sich da eingegraben hat. Ich versuche erst gar nicht ihn selbst zu entfernen, sondern beschließe, dies in der örtlichen Klinik am nächsten Morgen machen zu lassen. Den Abend selbst verbringen wir gemütlich bei einem guten Abendessen und einigen Gläsern Rotwein auf der Terrasse vor unserem Hotel. Danach Körper-und Ausrüstungspflege, Kanälespringen im TV und schließlich tiefer Schlaf. Fr, 10.7.: Tja,
der letzte Wandertag ist wieder einmal viel zu schnell angebrochen. Nach dem Frühstücks-Buffet
mache ich mich gleich auf den Weg zum Krankenhaus. Nach einiger Warterei macht
sich eine mollige, resolute Muttergestalt über meinen Zecken her. Die Sache
dauert, mehrmals entschwindet sie und kommt mit neuen Messerchen, Pinzetten und
OP-Brille daher. Auch eine zweite Ärztin beäugt sich das Problem. Schließlich
muß Die Geldabheberei klappt leider nicht so gut, das Gerät akzeptiert meine Bankomatkarte nicht, so dass ich mich bei Sepp etwas verschulde. All das dauert, und so brechen wir erst gegen 10 Uhr zur letzten Kurzetappe auf: Grosuplje-Zelimlje, 15 km, 4,5h Gehzeit. Die Täler sind breiter hier, die Hügel nicht mehr so hoch und verkarstete Böden nehmen zu. An Sehenswürdigkeiten stoßen wir auf ein befestigtes Bergkirchlein, welches gerade umfassend saniert wird, sowie auf ein großes Karst-Höhlensystem. Der Höhleneingang ist leider auch verschlossen, so dass wir nur den kalten Hauch aus der Tiefe mitbekommen. Trotz größter Mühe finden wir die Iskra-Schlucht nicht, die in unserem Führer erwähnt ist. Was es bei uns zu Hause zuviel an Schildern gibt, das sind es hier sicher zu wenig. Aber was soll`s! Wir absolvieren ja kein Sightseeing-Programm, sondern wollen einfach unterwegs sein, Zeit haben, Natur genießen, nichts verursachend oder hinterlassend. Unser
„Zielort „ entpuppt sich als ein kleines Buffet an der Hauptstraße nach
Laibach. Nach etwas Warterei bringt uns die Kellnerin eine überdimensionale
„Klobase-Platte“ (Wurstplatte) an der wir uns den Bauch ordentlich
vollschlagen. Es gefällt uns immer besser hier, die sich einstellende
Abschiedsstimmung verursacht einen rapid steigenden Bierkonsum. Die Fahrt nach
Laibach wird zum Problem. Wir müssen ins Tal runter, dort fährt ein Bus, heißt
es. Ein Junge aus dem Lokal begleitet uns ein Stück und schon tauchen die
vertrauten gelb-roten Kreise wieder auf. Also den steilen Hang runter, über den
Bach, und hinein in das kleine Dorf Selim. „Heute fährt hier kein Bus
mehr“, erfahren wir von einer jungen Frau, „nur oben auf der Hauptstraße“.
Während wir uns grün und blau ärgern, verhandelt die Frau mit einem
Autofahrer, den sie offensichtlich kennt. Dieser (ein Salesianer) bringt uns zu
einer Bushaltestelle an der Hauptstraße, ca. 15 km vor Laibach. Von nun an geht alles sehr glatt. Der Bus bringt uns direkt zum Laibacher Hauptbahnhof. Hier können wir Geld wechseln, die Fahrkarte für die Heimfahrt am nächsten Tag besorgen, sowie auch gleich ein Hotel in Bahnhofsnähe buchen. Dahin führt uns dann auch unser erster Weg. Im engen Dreibettzimmer dauert es etwas, bis wir im Schichtbetrieb mit Duschen und Umziehen fertig sind. Sepp und Christian kommen immer noch gestylt wie am ersten Tag daher, ich selbst komme mir schon ein wenig zerknittert vor. Den Abend verbringen wir in der Altstadt, der man vor allem österreichische und italienische Einflüsse deutlich ansieht. Vor allem fallen mir viele wunderschöne Jugendstilbauten auf. Im Stadtführer lese ich: „Laibach blickt mit dem Kopf nach Norden und mit dem Herzen nach Süden.“ Die Suche nach einem geeigneten Eßlokal dauert endlos, wir sind offensichtlich nach unserer kargen Woche mit der Auswahl überfordert. Irgendwann bekomme ich dann aber doch noch meine Cevapcici. Später landen wir in einer Altstadtkneipe, die im Laufe des Abends immer voller wird und wo unsere Stimmung mit dem Alkoholpegel kontinuierlich ansteigt. Wir verlieren hier ein wenig den Überblick über Art und Zahl unserer Getränke und kaufen in der allgemeinen Rührseligkeit einer älteren Frau einige Strohblumensträußchen ab. Sie scheint direkt überrascht, daß wir ohne Handeln bezahlen. Sa, 11.7. Sepp und ich lassen uns Zeit für Morgentoilette und Frühstück, Christian ist schon ausgeflogen. Wie wir später am Bahnhof von ihm erfahren, kaufte er auf einem Markt in der Altstadt Blumen und eine große Tüte mit verschiedenen Gemüsesorten. Für die letzten slowenischen Tolars leisten wir uns in einer kleinen Bahnhofskneipe noch Mineralwasser und Kaffee. Tja, und dann geht es mit dem Zug wieder Richtung Norden. Ab Unterkärnten ist der Himmel durchgehend bedeckt und ab Tauerntunnel regnet es. Was gibt es Schöneres? Heimat, du hast uns wieder!
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