Höhen und Täler des Jura

Wanderung auf dem GR 5 von Montbeliard nach Pontarlier vom 2.-8.5.2004

1. Tag: Montbeliard – Fesches-le-Chatel – Vandancourt:

Anreise mit der Bahn über Straßburg, Eurocity nach Montbeliard. Erster Eindruck von Montbeliard: Es bietet einiges an Kultur. Dass die Herzöge von Württemberg hier ein Schloß hatten, ist zumindest uns Schwaben bekannt. Aber eine Evangelisch- Lutherische Kirche hätte man hier mitten in Frankreich nicht erwartet. Auch dass der schwäbische Bauherr Heinrich von Schickhardt hier gewirkt hat, überrascht. Beginn der Einstiegswanderung entlang des Rhein-Rhone-Kanal (unmarkiert), wenig einladend auf Asphalt entlang der Autobahn, dem Industrievorort Sochaux (Peugeotwerke), zwischen Radfahrern und Sonntagsspaziergängern. Erster Hinweis auf den GR5 nach den Starkstromleitungen. Endlich bei Fesches-le-Chatel auf dem GR5 Markierung rot-weiß, nach Vandancourt. Ich übernachte in der Gite „Aiges des Vandancourt“. Wanderzeit ca. 4 Std. Ich frage beim Nachbarhaus, wo ich hier was zu essen bekomme und werde mit dem Auto zu den 3 Gaststätten vor Ort geführt. Zurück in der Gite öffnet sich - während ich mich frisch mache - die Tür zum Nachbarhaus und Heinzelmännchen decken mir den Tisch. Ich hatte bei meiner Voranmeldung gefragt, ob ich dort auch etwas zu essen bekomme, was mit einem zögerlichen ja beantwortet wurde. Nun, es gibt keine Feinschmeckerküche, aber gute und preiswerte Hausmannskost, den Kuchen und ¼ Wein inclusive! Die Gite habe ich natürlich für mich alleine.

2. Tag: Vandancourt – St. Hippolyte:

Zunächst problemlos zur „Pont Sarrazin“, einer Felsauswaschung im Kalkgestein, die man hochsteigt und sich dann auf einem Rundwanderweg wiederfindet, der an einem Wanderparkplatz mit neuer Aussichtsplattform endet und von dort wieder mit rot-weißer Markierung als Variante zurück nach Vandancourt führt. Ich suche die Gegend nach der richtigen Wegführung ab, finde sie aber nicht und ärgere mich, dass ich keine aktuelle Karte habe und nehme zum Schluß die Straße nach Abbévillers.

Aus dem Bachtal bei der jetzt noch geschlossenen Ausflugsgaststätte „la Papeterie“ geht’s mit kurzen aber heftigen Aufstiegen hoch zur Schweizer Grenze, der man bis nach Villars-les-Blamont folgt. Der Weg führt weiter über Chamesol hinunter ins Tal des Doubs nach St.-Hippolyte (sehenswerte Kirche!), dort Übernachtung im Hotel „Les Terrasses“.

Wanderzeit 7 - 7 ½ Std.

3. Tag: St. Hippolyte – Goumois

Das Fremdenverkehrsbüro hat erst ab Juni geöffnet. Heute lasse ich es langsam angehen. Zunächst Postkarten und Briefmarken besorgen und dann gemütlich weiterziehen. So stelle ich mir meinen Wege vor: naturbelassen mit sanftem Aufstieg (gelb-blaue Markierung) zum GR 5 nach Soulce-Cernay. Dort ausgebaute Ortsdurchfahrt und neue Brücke –noch ohne Markierung-. Weiter geht’s über Straßen und Feldwege nach Courtefontaine mit sehr schönem altem Waschhaus und gleich daneben Bar-Restaurant, sehr urig und schmackhaftes Essen. Danach geht’s weiter nach Fessevillers, mit sehr schöner Kirche und gleich daneben einer neuen Gite d’etape. Über viel Asphalt wird zum ersten Mal die magische Marke von 1000 Höhenmetern überschritten. Danach geht’s abwärts nach Goumois und ich freue mich schon auf ein Panache und die warme Dusche im Hotel. Ich komme hinunter ins Doubstal nach Goumois und sehe die Kirche, den netten Ort, die Schweizer Grenze, nur mein Hotel kann ich nicht sehen. An der Straße vor der Schweizer Grenze sehe ich ein Schild: „4 km zur Auberge Moulin du Plain“, das heißt nach eine Stunde auf der Straße entlang dem Fluß hinauf laufen und morgen das Ganze nochmals zurück. Ich ärgere mich heftig, dass ich mich nach einem Hotelverzeichnis für Autofahrer orientiert habe. Die Straße dorthin ist jedoch recht idyllisch mit Reihern, allerlei Wasservögel und Anglern am Fluß und wenig Verkehr. Der Umweg zum Hotel lohnt sich allemal. Als Alternative kann ich anbieten: das teure 3-Sternehotel vor Ort, oder mit einer Wanderkarte einen direkten Weg von Fessevillers hinunter ins Doubstal suchen. Die Gite beim Campingplatz von Goumois ist keine echte Alternative. Sie ist zwar ein Stück näher, aber auch in der gleichen Richtung gelegen.

Wanderzeit ca. 7 ½ Std.

4. Tag: Goumois – Gite Maison Monsieur

Zunächst eine Stunde Rückweg wie gehabt. Ich wandere über die Kapelle Bief d’Etoz und einem Wasserkraftwerk vorbei, wo auf Schweizer Seite ein Restaurant steht. Ich folge weiter dem Weg entlang des Doubs über „Echelles de la Mort“. Die Metallleitern hinunter zum Fluß sind nicht jedermanns Sache, aber ungefährlich. Die nächste Leiter naht am „barrage du Refrain“. Neben der Kälte ist das Wetter heute auch mit Regenschauern durchsetzt. Es geht weiter durchs Doubstal. Die Straße nach Blaufond (Schweiz) kreuzt den Weg. Demnächst muß mein Hotel „la Rasse“ kommen. Nun stehe ich vor einem geschlossenen Hotel. Auf dem Schild steht „ferme mardi + mercredi“. Deshalb habe ich telefonisch niemand erreicht!.

Das Ausweichsquartier liegt auf der anderen Seite des Doubs auf schweizer Seite. Ich nehme die Brücke und folge der Straße durch mehrere kurze Tunnels und Verbauungen und freue mich, dass es dort wenigstens nicht regnet. Es soll auch einen anderen Weg geben. Ich habe ihn jedoch nicht gesehen. Nach einer langen halben Stunde stehe ich vor der exzellenten Auberge „Maison Monsieur“. Die Betreiber sind Deutsch-Schweizer und bieten neben einem Matrazenlager im Nebengebäude auch 4 Zimmer (allerdings nur Etagendusche und –toilette). Tel.: 032 968 60 60, Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Mit einem guten Nachtessen lasse ich den Tag ausklingen.

Wanderzeit ca. 7 – 7 ½ Std.

5. Tag: Maison-Monsieur – Villers-le-Lac

Der Blick aus dem Fenster erleichtert die Wahl der richtigen Bekleidung. Es sieht nur nach Regen aus. Um nicht wieder zurückgehen zu müssen, bleibe ich auf der Schweizer Seite entsprechend der Empfehlung von Familie Wenk-Müller. Ich folge dem schweizer Weg bis zum Wasserkraftwerk („Usine du Chatelot“, Seilbahnstation). Man geht rechts am Kraftwerk vorbei und kommt zu einem Rückhaltebecken. Dort liegt ein Brett drüber und schon ist man auf der anderen Seite in Frankreich. Querung natürlich auf eigene Gefahr!! Bei Nässe, oder wenn vom Stausee oberhalb Wasser abgelassen wird, gefährlich. Da die Staumauer „Barrage du Chatelot“ nicht gequert werden kann, besteht vor Villers-le-Lac keine Möglichkeit, wieder auf französische Seite hinüber zu kommen. Am Barrage du Chatelot darf ich wieder über Eisenleitern hinuntersteigen. Es geht weiter nach „Saut du Doubs“ mit herrlichem Ausblick auf den Wasserfall und einigen Ausflugslokalen bei diesem Wetter ohne Kunden. Ich trinke einen heißen Tee im Stehen und weiter geht’s nach Villers-le-Lac, ins „Le France“, meinem heutigen Etappenziel. In der Eingangshalle entledige ich mich zunächst meiner nassen Regelklamotten. Hoppla, das Hotel sieht von außen recht bescheiden aus, ist aber doch um einiges vornehmer als die bisherigen Unterkünfte. Ein gediegenes Nachtessen wartet auf mich und gleicht das unangenehme Wetter mehr als aus.

Wanderzeit ca. 5 ½ - 6 Std.

6. Tag: Villers-le-Lac – „Auberge du Vieux Chateleu“

Die heutige Tour ist kurz und der Abschied von meinem Komforthotel bei einem gar nicht französischen Frühstück fällt schwer. Ich nütze die Zeit noch zu einem Besuch im örtlichen Fremdenverkehrsbüro und erkundige mich nach meinem heutigen Ziel der Gite „Grand Mont du Les Gras“. Die junge Dame sagt mir, dass sie diese nicht in ihrem Verzeichnis hätte und empfiehlt mir, in der Auberge zu übernachten. Ich bitte, mich anzumelden. Das geht in Ordnung. Sie bietet mir noch das aktuelle Verzeichnis der Gites d’etapes en Franche-Comté an. Ich lehne dankend ab, da ich dieses Verzeichnis habe. Im Fremdenverkehrsbüro sehe ich auch die neuen IGN-Karten 1:50.000 „Le Doubs Massif du Jura“ Zone Est und Sud, die ich über meine Buchhandlung in Deutschland nicht bekommen habe und die für die Tour hilfreich wären (Preis 8,00 €/Stück). Angeboten wurden mir nur die IGN-Karten, Serie orange, 1:50.000, ohne Wegeinzeichnung, von denen man mindestens 5 Stück brauchen würde (Preis 15,00 €/Stück). Nachdem ich den richtigen Schlenker hinaus aus der Stadt gefunden habe (etwas irritierend durch die neue Umgehungsstraße) geht’s schnell über Feldwege, Fahrstraßen über diverse Gatter hinauf auf die Jurahöhen nach Sur la Roche, wo man wieder auf die Schweizer Grenze stößt und auf dem Höhenrücken diese bis zum Grenzübergang le Gros Gardot folgt. Nachdem der Wind mich kräftig durchgeblasen hat, beschließe ich, mich im dortigen Gasthof aufzuwärmen. Problemlos gehe ich weiter zur „Auberge du Vieux Chateleu“, Tel.: 03 81 67 11 59, Homepage www.chateleu.com .nur geöffnet Freitagabend bis Sonntag und nur auf Reservierung! Junge Leute haben den alten Bauernhof in eine schöne Ferme-Auberge mit Matratzenlager und mehreren Zimmern umgebaut. Ich frage nach meiner gesuchten Gitè. Diese sei schon 2 Jahre geschlossen! Eine französische Wandergruppe aus Dijon teilt mit mir die Auberge. Die Halbpension mit 34 € ist nicht billig, aber das Racletteessen am Abend hätte für 3 Personen gereicht.

Wanderzeit ca. 5 Std.

7. Tag: Auberge du Vieux Chateleu – Pontarlier

So hätte ich mir den Abschluß der Tour nicht vorgestellt. Draußen vor der Tür schneit es kräftig. Regen, Schnee und Graupelschauer peitschen einem kräftig ins Gesicht, so dass man Mühe hat, den Weg zu finden. Ein paar Mal mache ich kehrt, weil ich die Abzweigung übersehen habe. Heute weiß ich auch Asphaltstraßen zu schätzen, weil der lehmige Boden so gut mit dem Profil meiner Schuhsohlen verklebt. Es geht auf dem Hauptweg des GR5 am Mont Chateleu vorbei, wieder der Schweizer Grenze entlang nach les Alliés. Dort stelle ich mich bei einem Dachvorsprung zur Mittagspause unter. Es sind ja nur noch 2 Stunden bis Pontarlier. Autsch, das hätte jetzt auch nicht sein müssen. Ich rutsche aus und mit meinem Knie direkt in so eine idiotische Spurrille. Schnelldiagnose: Bänderzerrung! Aber weiter marschieren geht noch. Ab „Les Dames d’Entreportes“ nehme ich die Straße Richtung Pontarlier. In der Empfangshalle des „du Parc“, Tel.: 03 81 46 85 92, ziehe ich als erstes meine nassen Klamotten und Schuhe aus, etwas irritiert beäugt vom Chef des Hauses und ein paar Gästen. Monsieur Mathez meint, ich solle mich ruhig in mein Zimmer begeben und mich herrichten. Die nassen Klamotten würde er schon versorgen. Als ich von der heißen Dusche wieder zurückkomme, finde ich alles sauber geordnet vor, die Stiefel mit Papier ausgestopft. Dafür hat das „du Parc“ seinen 3. Stern verdient! Regen und Schnee draußen und mein schmerzendes Knie halten mich von einer Stadtbesichtigung ab. Ich lasse mir noch ein Restaurant in der Nähe empfehlen und freue mich auf die morgige Rückfahrt mit der Bahn.

Wanderzeit ca. 5 ½ Stunden.

Benützter Führer:

Topo-guide des sentiers de randonnée «Lacs et plateaux du Jura», (7. Auflage 1996)

Unterkunftsverzeichnisse:

„Hotels en Franche-Comté“ (aktualisiert November 2003) und „Gites en Franche-Comté“, herausgegeben vom Comité Régional du Tourisme de Franche-Comté, 4, rue Gabriel Plancon, 25044 Besancon Cedex, Tel.: 03 81 83 25 08 08, Fax: 03 81 83 35 82, www.franche-comte.org, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Schloss der Herzöge von Württemberg und MontbeliardPont SarrazinWald bei AbbevillersEin altes Waschhaus in CourtefontaineLes Echelles da la MortAusflug ins Ausland - die "Gite Maison Monsieur" liegt in der SchweizEin GrenzsteinIm Tal der Doubs (Barrage du Chatelot)
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